Protokoll der 142. Sitzung des 10. Deutschen Bundestages
Text
Protokoll der 142. Sitzung des 10. Deutschen Bundestages
[Plenarprotokoll 10/142
Deutscher Bundestag
Stenographischer Bericht
142. Sitzung
Bonn, Mittwoch, den 12. Juni 1985
Inhalt:
Aktuelle Stunde betr. Abgasgrenzwerte
schadstoffarmer Autos
Frau Eid GRÜNE (Antrag gemäß § 42 GO) 10519 A
Seiters CDU/CSU (zu dem Antrag gemäß
§ 42 GO) 10519 A
Schulte (Menden) GRÜNE 10519 D
Dr. Lippold CDU/CSU 10520 D
Dr. Hauff SPD 10522 B
Hoffie FDP 10523 B
Dr. Zimmermann, Bundesminister BMI 10524 C
Frau Hönes GRÜNE 10525 D
Schmidbauer CDU/CSU 10525 D
Lennartz SPD 10526 D
Fellner CDU/CSU 10527 D
Duve SPD 10528 D
Baum FDP 10530 B
Schäfer (Offenburg) SPD 10531 A
Jung (Lörrach) CDU/CSU 10532 A
Dr. Göhner CDU/CSU 10532 D
Fragestunde
— Drucksache 10/3448 vom 07.06.85 —
Vorschläge zum Subventionsabbau im
Subventionsbericht 1985
MdlAnfr 3 07.06.85 Drs 10/3448
Dr. Weng (Gerlingen) FDP
Antw PStSekr Dr. Voss BMF 10501 B
ZusFr Dr. Weng (Gerlingen) FDP
10501B
ZusFr Sieler SPD 10501 D
Verhandlungen mit der DDR über die
Aufhebung des Radfahrverbots auf den
Transitstrecken
MdlAnfr 4, 5 07.06.85 Drs 10/3448
von Schmude CDU/CSU
Antw PStSekr Dr. Hennig BMB 10502A
ZusFr von Schmude CDU/CSU 10502 B
ZusFr Dr. Diederich (Berlin) SPD 10502 B
Auswirkungen des Umbaus des
Ostbahnhofs in Berlin (Ost) auf die
Transiteisenbahnverbindungen und deren
Verknüpfungen mit dem internationalen Verkehr,
insbesondere in Richtung Osteuropa
MdlAnfr 6 07.06.85 Drs 10/3448
Dr. Diederich (Berlin) SPD
Antw PStSekr Dr. Schulte BMV . . . . 10503 A
Dr. Diederich (Berlin) SPD 10503 A
Notwendigkeit des Baus einer ,,Erde-Funk-
Anlage" in Berlin-Wannsee angesichts
der geplanten Glasfaser-Kabelverbindung
nach Berlin
MdlAnfr 8 07.06.85 Drs 10/3448
Dr. Diederich (Berlin) SPD
Antw PStSekr Rawe BMP 10503 C
Dr. Diederich (Berlin) SPD 10503 C
Errichtung eines zweiten Blocks beim
Kernkraftwerk Leibstadt/Schweiz unter
Verzicht auf den Bau des Kernkraftwerks
Kaiseraugst; deutsche Beteiligung bei den
Planungen
MdlAnfr 12, 13 07.06.85 Drs 10/3448
Dörflinger CDU/CSU
Antw PStSekr Spranger BMI 10504 A
ZusFr Dörflinger CDU/CSU 10504A
Kommunistischer Hintergrund der XII.
Weltfestspiele der Jugend und Studenten
in Moskau
MdlAnfr 16, 17 07.06.85 Drs 10/3448
Clemens CDU/CSU
Antw PStSekr Spranger BMI 10504 C
ZusFr Clemens CDU/CSU 10504 D
ZusFr Dr. Diederich (Berlin) SPD 10505 C
ZusFr Immer (Altenkirchen) SPD 10505 D
ZusFr Heimann SPD 10505 D
ZusFr Heistermann SPD 10506A
ZusFr Dr. Schöfberger SPD 10506 B
ZusFr Frau Steinhauer SPD 10506 B
Linksextremistisches Engagement,
insbesondere der DKP, für die XII. Weltjugend
-festspiele in Moskau
MdlAnfr 14, 15 07.06.85 Drs 10/3448
Dr. Olderog CDU/CSU
Antw PStSekr Spranger BMI 10506 C
Herstellung von Shreddergeräten
entsprechend dem neuesten technischen Stand
MdlAnfr 24 07.06.85 Drs 10/3448
Dr. Schwenk (Stade) SPD
Antw PStSekr Spranger BMI 10506 D
ZusFr Dr. Schwenk (Stade) SPD . . . 10507 C
ZusFr Immer (Altenkirchen) SPD . . . 10507 D
Alarm in Heilbronn-Waldheide am
Pfingstsonntag 1985
MdlAnfr 25, 26 07.06.85 Drs 10/3448
Mann GRÜNE
Antw PStSekr Spranger BMI 10508 A
ZusFr Mann GRÜNE 10508 B
Maßnahmen der Bundesregierung gegen
die Subventionierung des Schrottpreises in
Italien
MdlAnfr 27, 28 07.06.85 Drs 10/3448
Frau Steinhauer SPD
Antw PStSekr Dr. Sprung BMWi . . . 10508 C
ZusFr Frau Steinhauer SPD 10508 D
ZusFr Sieler SPD 10509 B
ZusFr von der Wiesche SPD 10509 B
ZusFr Immer (Altenkirchen) SPD . . . 10509 C
Entwicklung der Vergütungen von
Vorstandsmitgliedern deutscher Banken i m
Vergleich zu Durchschnittseinkommen;
Heranziehung der Vorstandsmitglieder zu
einem Solidarbeitrag
MdlAnfr 31, 32 07.06.85 . Drs 10/3448
Dr. Schöfberger SPD
Antw PStSekr Dr. Sprung BMWi . . . . 10510C
ZusFr Dr. Schöfberger SPD 10510 D
ZusFr Frau Hürland CDU/CSU 10511 A
ZusFr Vosen SPD 10511 B
ZusFr Dr. Diederich (Berlin) SPD . . . 10512 A
ZusFr Heistermann SPD 10512 B
ZusFr Antretter SPD 10512 B
Stützung des deutschen
Rindfleischpreises
MdlAnfr 37 07.06.85 Drs 10/3448
Eigen CDU/CSU
Antw PStSekr Dr. von Geldern BML . 10512 C
ZusFr Eigen CDU/CSU 10512 D
Vorkontrakte über Getreideimporte aus
Dänemark und Frankreich
MdlAnfr 38 07.06.85 Drs 10/3448
Eigen CDU/CSU
Antw PStSekr Dr. von Geldern BML . 10513 B
ZusFr Eigen CDU/CSU 10513 B
Beschäftigung ausländischer Bauarbeiter
beim Bau des Kernkraftwerkes Brokdorf
MdlAnfr 44 07.06.85 Drs 10/3448
Austermann CDU/CSU
Antw PStSekr Vogt BMA 10513 D
ZusFr Austermann CDU/CSU 10514A
US-Werbung für eine Beteiligung am SDI-
Programm
MdlAnfr 45 07.06.85 Drs 10/3448
Stahl (Kempen) SPD
Antw PStSekr Würzbach BMVg . . . 10514 C
ZusFr Stahl (Kempen) SPD 10514 C
ZusFr Vosen SPD 10514 D
Projektbeschreibung des SDI-Programms;
Form einer deutschen Beteiligung
MdlAnfr 46 07.06.85 Drs 10/3448
Stahl (Kempen) SPD
Antw PStSekr Würzbach BMVg . . . 10515A
ZusFr Stahl (Kempen) SPD 10515A
ZusFr Vosen SPD 10515 C
ZusFr Dr. Soell SPD 10515 D
ZusFr Dr. von Bülow SPD 10516 A
ZusFr Dr. Schierholz GRÜNE 10516 B
ZusFr Fischer (Homburg) SPD 10516 B
ZusFr Dr. Kübler SPD 10516 B
Ressortzuständigkeit bei der
Untersuchung der Frage einer deutschen
Beteiligung am SDI-Programm
MdlAnfr 48 07.06.85 Drs 10/3448
Dr. Kübler SPD
Antw PStSekr Würzbach BMVg
10516 D
ZusFr Dr. Kübler SPD 10517 A
ZusFr Stahl (Kempen) SPD 10517 B
Deutsch-amerikanische Gespräche seit
März 1983 über eine deutsche Beteiligung
am SDI-Programm; 60-Tage-Frist für eine
Entscheidung
MdlAnfr 49, 50 07.06.85 Drs 10/3448
Fischer (Homburg) SPD
Antw PStSekr Würzbach BMVg . . . 10517 C
ZusFr Fischer (Homburg) SPD 10517 C
ZusFr Dr. von Bülow SPD 10517 D
ZusFr Stahl (Kempen) SPD 10518 A
ZusFr Vosen SPD 10518 B
ZusFr Dr. Soell SPD 10518 C
ZusFr Heistermann SPD 10518 C
ZusFr Dr. Kübler SPD 10518 D
Nächste Sitzung 10533 D
Anlage 1
Liste der entschuldigten Abgeordneten 10535* A
Anlage 2
Mitteilung offiziell gelöschter
Eintragungen in polizeilichen Führungszeugnissen
an Dritte ohne Unterrichtung der
Betroffenen
MdlAnfr 1, 2 07.06.85 Drs 10/3448
Kühbacher SPD
SchrAntw PStSekr Erhard BMJ . . . 10535* B
Anlage 3
Vorwurf des 3. Pädagogischen
Friedenskongresses an die Bundeswehr wegen
Kriegsvorbereitungen
MdlAnfr 18 07.06.85 Drs 10/3448
Fellner CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Spranger BMI . . 10536* B
Anlage 4
Herstellung umweltfreundlicher
Waschmittel
MdlAnfr 19, 20 07.06.85 Drs 10/3448
Stiegler SPD
SchrAntw PStSekr Spranger BMI . . 10536* C
Anlage 5
Vorschlag der EG-Kommission betr.
Abgasgrenzwerte für schadstoffarme Autos;
Schadstoffminderung in der
Bundesrepublik Deutschland
MdlAnfr 21, 22 07.06.85 Drs 10/3448
Werner (Dierstorf) GRÜNE
SchrAntw PStSekr Spranger BMI . . 10537* B
Anlage 6
Schadstoffausstoß von Lastkraftwagen
außerhalb geschlossener Ortschaften
MdlAnfr 23 07.06.85 Drs 10/3448
Schulte (Menden) GRÜNE
SchrAntw PStSekr Spranger BMI . . 10537* D
Anlage 7
Einbeziehung des Baseler
Stromtarifmodells in die deutschen Überlegungen zum
Energiesparen
MdlAnfr 30 07.06.85 Drs 10/3448
Dr. Sperling SPD
SchrAntw PStSekr Dr. Sprung BMWi . 10538* A
Anlage 8
Zuweisung zusätzlicher Milchmengen an
Landwirtschaftsbetriebe mit
Bauinvestitionen im Kuhstall von 1978 bis 1984
MdlAnfr 33, 34 07.06.85 Drs 10/3448
Michels CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Dr. von Geldern BML 10538* B
Anlage 9
Einsatz ungefährlicher Stoffe für die
Schädlingsbekämpfung in Getreidesilos
angesichts des Giftgasunglücks im Mai
1985 in Rinteln
MdlAnfr 35, 36 07.06.85 Drs 10/3448
Kastning SPD
SchrAntw PStSekr Dr. von Geldern BML 10538* C
142. Sitzung
Bonn, den 12. Juni 1985
Beginn: 13.00 Uhr
Vizepräsident Stücklen: Die Sitzung ist eröffnet.
Ich rufe Punkt 1 der Tagesordnung auf:
Fragestunde
— Drucksache 10/3448 —
Ich rufe den Geschäftsbereich des
Bundesministers der Justiz auf.
Der Fragesteller der Fragen 1 und 2, der
Abgeordnete Kühbacher, bittet um schriftliche
Beantwortung. Die Antworten werden als Anlagen
abgedruckt.
Ich rufe den Geschäftsbereich des
Bundesministers der Finanzen auf. Zur Beantwortung der
Frage steht uns Herr Parlamentarischer
Staatssekretär Dr. Voss zur Verfügung.
Ich rufe die Frage 3 des Herrn Abgeordneten Dr.
Weng (Gerlingen) auf:
Wird die Bundesregierung den im Herbst zu erwartenden
Subventionsbericht 1985 zum Anlaß konkreter Vorschläge
zum Subventionsabbau für den Haushalt 1986 nutzen?
Dr. Voss, Parl. Staatssekretär beim
Bundesminister der Finanzen: Wie Sie wissen, Herr Kollege
Weng, wird der Subventionsbericht alle zwei Jahre
zusammen mit dem Entwurf des Bundeshaushalts
vorgelegt. Auch in dem in diesem Jahr
vorzulegenden 10. Subventionsbericht wird die
Bundesregierung über Abbau und künftige Entwicklung von
Finanzhilfen und Steuervergünstigungen berichten.
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt können hierzu
jedoch noch keine näheren Angaben gemacht
werden, weil, wie Sie ebenfalls wissen, dem
Kabinettsbeschluß, der am 1. Juli 1985 über den
Bundeshaushalt 1986 zu treffen sein wird, nicht vorgegriffen
werden kann.
Vizepräsident Stücklen: Zusatzfrage, bitte.
Dr. Weng (Gerlingen) (FDP): Herr Staatssekretär,
können Sie mir vielleicht trotz dieser Situation
sagen, wie sich die Bundesregierung zu Anregungen
oder Beschlußfassungen des Haushaltsausschusses
gegebenenfalls stellen würde, globale Kürzungen in
allen Subventionsbereichen um einen bestimmten
Prozentsatz vorzunehmen?
Dr. Voss, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege Weng,
Sie wissen aus den Diskussionen, die wir bereits
gehabt haben, daß die Bundesregierung die
Meinung vertritt, daß eine lineare Kürzung Nachteile
gegenüber einer gezielten Kürzung hat. Daher ist
die Bundesregierung weiter der Meinung, daß man
versuchen muß, in bestimmten Bereichen gezielte
Kürzungen vorzunehmen.
Vizepräsident Stücklen: Zusatzfrage, bitte.
Dr. Weng (Gerlingen) (FDP): Bedeutet das, Herr
Staatssekretär, daß Sie eine entsprechende
Anregung nicht wohlwollend prüfen würden?
Dr. Voss, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege Weng,
alle Anregungen werden wohlwollend geprüft. Aber
sie müssen natürlich nach dem Grundsatz der
Vernunft und der Perspektive des Erfolgs geprüft
werden. Daher sehe ich für eine lineare Kürzung, die
natürlich die Aufgabe der Bundesregierung
erleichtern würde, aber so viele Nachteile hätte, daß sie
sich zu dieser Maßnahme nicht entschließen kann,
nicht sehr viele Erfolgsmöglichkeiten.
Vizepräsident Stücklen: Weitere Zusatzfrage, Herr
Abgeordneter Sieler.
Sieler (SPD): Herr Staatssekretär, gibt es denn
bereits Erfahrungen der Bundesregierung über
Kürzungen auf diesem Sektor?
Dr. Voss, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege, in
den laufenden Haushaltsberatungen — Sie wissen,
daß im Moment die Chefgespräche laufen — ist
eine Reihe von Versuchen, die von Erfolg gekrönt
sein werden, angelaufen. Über das Ergebnis vermag
ich, wie Sie wissen und wie Sie mir
konzedieren werden, natürlich im Moment noch nichts zu
sagen.
Vizepräsident Stücklen: Keine weitere
Zusatzfrage.
Ich rufe den Geschäftsbereich des
Bundesministers für innerdeutsche Beziehungen auf. Zur
Beantwortung der Fragen steht uns Herr
Parlamentarischer Staatssekretär Dr. Hennig zur Verfügung.
Ich rufe die Frage 4 des Herrn Abgeordneten von
Schmude auf:
Ist die Bundesregierung bereit, mit den zuständigen
Stellen der DDR erneut Gespräche aufzunehmen, um das
Radfahrverbot von West-Berlin durch die DDR in die
Bundesrepublik Deutschland zu beseitigen?
Dr. Hennig, Parl. Staatssekretär beim
Bundesminister für innerdeutsche Beziehungen: Herr Kollege
von Schmude, Anfang der 70er Jahre, als die
Regelungen des Berliner Reise- und Besucherverkehrs
und des Verkehrsvertrages getroffen wurden, kam
dem Fahrrad als Verkehrsmittel noch keine so
große Bedeutung zu. Trotzdem ist, wenn auch leider
erfolglos, versucht worden, den Fahrradverkehr in
die Vereinbarungen einzubeziehen. Inzwischen ist
das Fahrrad wieder zu einem modernen
Verkehrsmittel geworden. Die Bundesregierung wie der
Senat von Berlin haben das Thema Fahrradverkehr
daher wiederholt der DDR gegenüber zur Sprache
gebracht. Es gab jedoch keine positiven
Reaktionen.
Die Bundesregierung bleibt dennoch — ebenso
wie der Senat von Berlin — auch in Zukunft
bemüht, die bestehenden Regelungen mit der DDR
auf dem Verhandlungswege auch insoweit
weiterzuentwickeln und zu modernisieren. Wir legen also
großen Wert darauf, das von Ihnen in Ihrer Frage
angeschnittene Problem so bald wie möglich einer
befriedigenden Lösung zuzuführen. Wir werden
dies schon und vor allem im Interesse der negativ
betroffenen Menschen tun.
Vizepräsident Stücklen: Eine Zusatzfrage? —
Bitte.
von Schmude (CDU/CSU): Herr Staatssekretär,
sind der Bundesregierung die Gründe für die
ablehnende Haltung der DDR bekannt?
Dr. Hennig, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege von
Schmude, ich will jetzt nicht im einzelnen über
diese Gründe spekulieren, weil das für unsere
gemeinsamen Bemühungen, das zu ändern, vielleicht
nicht unbedingt hilfreich wäre. Ich meine aber, daß
diese Gründe überwunden werden sollten, weil
vieles dafür spricht, daß die Menschen in der Tat
gelegentlich sehr gerne Fahrräder benutzen würden.
Vizepräsident Stücklen: Eine weitere Zusatzfrage,
Herr Abgeordneter Dr. Diederich (Berlin).
Dr. Diederich (Berlin) (SPD): Herr Staatssekretär,
haben Sie nicht vergessen, in Ihrer Antwort darauf
hinzuweisen, daß die Möglichkeit, mit dem Fahrrad
durch die DDR nach Westdeutschland zu gelangen,
bestand, bis durch die Eröffnung der Nordautobahn
die alte Reichsstraße 5 geschlossen worden ist?
Handelt es sich also bei dem Vorgang nicht um eine
Verschlechterung früherer Positionen? Hängt das
also nicht vielleicht nicht damit zusammen, daß das
Fahrradfahren modern geworden ist, sondern
damit, daß durch die Durchführung der Verträge über
die Eröffnung einer Nordautobahn hier eine
substantielle Verschlechterung eingetreten ist, und
kann die Bundesregierung nicht unter Hinweis auf
die Erhaltung des Status quo noch einmal sehr
eindringlich bei der DDR vorstellig werden?
Dr. Hennig, Parl. Staatssekretär: Zunächst, Herr
Kollege, wollte ich bei der Beantwortung der
nächsten Frage, die ja in einem Sachzusammenhang
hiermit steht, genau auf diesen Punkt hinweisen.
Im übrigen kann man sicher die Fertigstellung
einer Autobahn, die von unserer Vorgängerregierung
verabredet worden ist, nicht unbedingt als eine
Verschlechterung bezeichnen, wenn man sie auch in
diesem Zusammenhang als Verschlechterung
deuten kann. Deswegen werde ich Gelegenheit
nehmen, diesen Zusammenhang durchaus zu
erwähnen.
Vizepräsident Stücklen: Keine weiteren
Zusatzfragen. Ich rufe die Frage 5 des Herrn Abgeordneten
von Schmude auf:
Wie schätzt die Bundesregierung die Möglichkeiten ein, zu
einem positiven Verhandlungsergebnis in dieser Frage zu
kommen?
Bitte.
Dr. Hennig, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege von
Schmude, gegenwärtig läßt sich nicht übersehen, ob
die Bemühungen der Bundesregierung erfolgreich
sein werden, die Benutzung des Fahrrades im
Transitverkehr nach Berlin (West) zu ermöglichen. Eine
Schwierigkeit ist, daß heute — nach dem Wegfall
der früher als Fahrradtransitstrecke bedingt
nutzbaren Fernverkehrsstraße 5 — der
Transitstraßenverkehr von und nach Berlin (West) nur noch auf
Autobahnen abgewickelt wird.
Im Wechselverkehr mit der DDR und Berlin (Ost)
vom Bundesgebiet und von Berlin (West) aus
besteht ein erhebliches Interesse, über alle
Übergänge, soweit sie nicht Autobahnübergänge sind, mit
dem Fahrrad einzureisen. Die Bundesregierung
setzt sich dafür ein, daß dieser Wunsch verwirklicht
werden kann. Ob Aussicht auf Erfolg besteht, läßt
sich schwer abschätzen, weil die Verwirklichung
dieses Wunsches ausschließlich bei der Regierung
der DDR liegt.
Es ist, wenn Sie so wollen, eine besondere
zusätzliche Belastung, daß die DDR seit Mitte 1981 in der
Regel auch die Mitnahme von Fahrrädern als
Reisegebrauchsgegenständen in anderen
Verkehrsmitteln, z. B. Pkw oder Eisenbahn, nicht mehr gestattet.
Dies ist eine unerklärliche Einschränkung, um
deren schnellstmögliche Beseitigung sich die
Bundesregierung besonders bemüht.
Vizepräsident Stücklen: Keine Zusatzfragen.
Wir kommen zum Geschäftsbereich des
Bundesministers für Verkehr. Zur Beantwortung der
Fragen steht uns Herr Parlamentarischer
Staatssekretär Dr. Schulte zur Verfügung.
Ich rufe die Frage 6 des Herrn Abgeordneten Dr.
Diederich (Berlin) auf:
Welche Auswirkungen wird der jetzt bekanntgewordene
Umbau des Ostbahnhofs in Ost-Berlin auf die
Transiteisenbahnverbindungen zwischen der Bundesrepublik
Deutschland und Berlin und deren Verknüpfungen mit dem
internationalen Verkehr, insbesondere in Richtung Osteuropa
(während der Durchführung des Umbaus und danach), haben, und
ist die Bundesregierung von den geplanten Maßnahmen
vorab informiert worden?
Dr. Schulte, Parl. Staatssekretär beim
Bundesminister für Verkehr: Herr Kollege, der
Bundesregierung ist bekannt, daß der Ostbahnhof in Berlin
(Ost) ausgebaut werden soll. Von seiten der DDR ist
darauf aufmerksam gemacht worden, daß die
Baumaßnahmen nicht ohne vorübergehende
Auswirkungen auf die Abwicklung des Reiseverkehrs
bleiben werden. Berlin (West) solle während der
Bauarbeiten im Ostbahnhof im Rahmen des Möglichen
auch weiterhin mit internationalen Zügen bedient
werden.
Nach der Fahrplanabstimmung zwischen der
Deutschen Bundesbahn und der Deutschen
Reichsbahn kann davon ausgegangen werden, daß die
Baumaßnahmen zur Zeit keinen Einfluß auf die
Laufwegführung der Transit- und internationalen
Züge haben.
Im übrigen hat die DDR zum Ausdruck gebracht,
daß keine Absicht bestehe, Berlin (West) vom
internationalen Verkehr abzukoppeln.
Dr. Diederich (Berlin) (SPD): Herr Staatssekretär,
ist in Ihrer Antwort mit eingeschlossen, daß
Befürchtungen in der Öffentlichkeit geäußert worden
sind, die Maßnahmen in Ost-Berlin könnten auf
Dauer zu Einschränkungen und Veränderungen bei
der Bedienung West-Berlins im
Personenreiseverkehr führen, und gibt es keine Befürchtungen, daß
insbesondere West-Berlin nach der Fertigstellung
der Umbauarbeiten vom internationalen
Durchgangsverkehr abgehängt wird, d. h. konkret, Berlin
von internationalen Zügen umgangen wird, wie es
eben in der Öffentlichkeit geäußert worden ist?
Dr. Schulte, Parl. Staatssekretär: Wir haben diese
Befürchtungen nicht. Wir haben dazu auch
Gespräche geführt.
Vizepräsident Stücklen: Eine weitere Zusatzfrage,
bitte.
Dr. Diederich (Berlin) (SPD): Hat die
Bundesregierung aus Anlaß dieses Umbaus weitere
Überlegungen angestellt, wie die Reiseverbindungen zwischen
Berlin und der Bundesrepublik Zug um Zug
verbessert werden können, wie also dieser Anlaß des
Umbaus des Ostbahnhofs auch auf unserer Seite
genutzt werden kann, um wieder verstärkt
Reiseverkehr auf die Bahn zu bringen?
Dr. Schulte, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege, es
gibt dazu seit längerem konkrete Überlegungen
und Gespräche mit dem Senat von Berlin wie mit
der DDR.
Vizepräsident Stücklen: Keine weiteren
Zusatzfragen. Damit ist der Geschäftsbereich abgeschlossen.
Ich rufe den Geschäftsbereich des
Bundesministers für das Post- und Fernmeldewesen auf. Zur
Beantwortung steht uns Herr Parlamentarischer
Staatssekretär Rawe zur Verfügung.
Ich rufe die Frage 8 des Herrn Abgeordneten
Dr. Diederich (Berlin) auf:
Ist angesichts des zwischen den Regierungen der
Bundesrepublik Deutschland und der DDR vereinbarten Baus einer
Kabelverbindung aus Glasfaser zwischen Westdeutschland
und Berlin (West) die Errichtung einer „Erde-Funk-Anlage"
in Berlin-Wannsee durch die Deutsche Bundespost noch
notwendig und gegebenenfalls warum?
Rawe, Parl. Staatssekretär beim Bundesminister
für das Post- und Fernmeldewesen: Herr Kollege
Professor Diederich, der zwischen den Regierungen
der Bundesrepublik Deutschland und der DDR
vereinbarte Bau einer Glasfaserkabelverbindung
zwischen Berlin (West) und dem übrigen Bundesgebiet
ist keine Alternative zur Satellitenübertragung. Die
Errichtung der Erdfunkstelle in Berlin-Wannsee ist
also notwendig. Der Bau ist vielmehr Bestandteil
einer notwendigen Mehrwegeführung zur
Sicherung des Fernmeldeverkehrs.
Darüber hinaus eröffnen die geplanten
Satellitenverbindungen Berlin (West) die Teilnahme an
Diensten, die grundsätzlich nur über Satelliten
angeboten werden können.
Vizepräsident Stücklen: Zusatzfrage, bitte.
Dr. Diederich (Berlin) (SPD): Verstehe ich sie also
recht, daß der Beschluß, eine
Glasfaserkabelverbindung zu legen, auch keine Auswirkungen auf die
Größenordnung der Anlage in Wannsee hat, und
besteht in diesem Zusammenhang nicht die Gefahr,
daß Überkapazitäten aufgebaut werden, die unnötig
Investitionsmittel festlegen und unnötigen
Bodenverbrauch in Berlin erzeugen?
Rawe, Parl. Staatssekretär: Sie haben mich in der
Tat richtig verstanden, Herr Kollege, diese Gefahr
besteht nicht.
Vizepräsident Stücklen: Keine weiteren
Zusatzfragen. Damit ist dieser Geschäftsbereich
abgeschlossen.
Ich muß noch einmal zurückkehren zum
Geschäftsbereich des Bundesministers für Verkehr.
Die Frage 7 ist von dem Abgeordneten Schulte
(Menden) gestellt worden. Der Abgeordnete ist
nicht im Saal. Damit wird mit der Beantwortung
der Frage so verfahren, wie es in der
Geschäftsordnung vorgesehen ist.
Ich rufe den Geschäftsbereich des
Bundesministers für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau
auf.
Die Frage 9 des Herrn Abgeordneten Dr. Sperling
ist vom Fragesteller zurückgezogen worden.
Damit ist auch dieser Geschäftsbereich erledigt.
Ich rufe den Geschäftsbereich des
Bundesministers des Innern auf. Zur Beantwortung der Fragen
steht uns Herr Parlamentarischer Staatssekretär
Spranger zur Verfügung.
Ich rufe die Frage 12 des Herrn Abgeordneten
Dörflinger auf:
Verfügt die Bundesregierung über Informationen darüber,
daß die Schweiz in Erwägung zieht (siehe Neue Zürcher
Zeitung vom 21. Mai 1985), angesichts massiven politischen
Widerstandes aus der betroffenen Region auf den Bau des
Kernkraftwerkes Kaiseraugst zu verzichten und dafür an
dem bestehenden Kernkraftwerk Leibstadt einen zweiten
Block anzuhängen?
Spranger, Parl. Staatssekretär beim
Bundesminister des Innern: Herr Kollege Dörflinger, nein, nach
den der Bundesregierung vorliegenden
Informationen wird der Bau des Kernkraftwerks Kaiseraugst
planmäßig weiterverfolgt.
Vizepräsident Stücklen: Zusatzfrage, bitte.
Dörflinger (CDU/CSU): Herr Staatssekretär, darf
ich nachfragen, ob die Auskunft, die die
Bundesregierung hier gibt, auch auf Erkundigungen
unmittelbar in der Schweiz beruht, etwa bei der
Bundesregierung in Bern oder bei den damit befaßten
Kantonen Basel-Stadt , Baselbiet und Kanton Aargau?
Es sind also Konsultationen mit der Schweiz
vorausgegangen?
Spranger, Parl. Staatssekretär: Es sind
Konsultationen mit der Schweiz vorausgegangen.
Vizepräsident Stücklen: Keine weiteren
Zusatzfragen.
Ich rufe die Frage 13 des Herrn Abgeordneten
Dörflinger auf:
Sieht die Bundesregierung Möglichkeiten, auf Grund des
am 19. September 1983 in Kraft gesetzten deutsch-
schweizerischen Abkommens über die gegenseitige Information beim
Bau und Betrieb grenznaher kerntechnischer Einrichtungen
schon frühzeitig mit der Schweiz Kontakt aufzunehmen, um
im Sinne dieses Abkommens schon frühzeitig eine
Beteiligung der deutschen Seite an allen Überlegungen
sicherzustellen?
Spranger, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege
Dörflinger, ja, die Bundesregierung hat bereits in der
deutsch-schweizerischen Kommission für die
Sicherheit kerntechnischer Einrichtungen — DSK —,
die auf Grund der zitierten Vereinbarung gebildet
wurde, entsprechende Kontakte mit der Schweiz.
Über die Projekte Kaiseraugst und Leibstadt wurde
in diesem Rahmen zuletzt am 8. Oktober 1984
gesprochen. Am 13. Juni 1985 wird sich eine
Arbeitsgruppe der DSK neben anderen
Tagesordnungspunkten auch wieder mit Kaiseraugst und
Leibstadt befassen. Nach den bisherigen Erfahrungen
ist zu erwarten, daß die Schweiz auf wichtige
Belange der Bundesrepublik Deutschland Rücksicht
nehmen wird.
Vizepräsident Stücklen: Weitere Zusatzfrage.
Dörflinger (CDU/CSU): Herr Staatssekretär, zum
Inhalt des Abkommens vom 19. September 1983:
Begründet dieses Abkommen einen Zwang der
Schweiz, mit der Bundesrepublik Deutschland
rechtzeitig Kontakt aufzunehmen, oder sieht das
Abkommen nur vor, etwa im Wege von
Konsultationen miteinander Kontakt aufzunehmen?
Spranger, Parl. Staatssekretär: Ich habe hier die
Vereinbarung zwischen der Bundesrepublik
Deutschland und der Schweiz mit ihren fünf
Artikeln vorliegen. Ich müßte das jetzt ansehen. Ich
gehe nicht davon aus, daß es hier irgendwelche
Zwänge gibt.
Vizepräsident Stücklen: Keine weiteren
Zusatzfragen.
Ich rufe die Frage 14 des Herrn Abgeordneten
Dr. Olderog auf. — Der Abgeordnete ist nicht im
Saal. Die Frage wird entsprechend der
Geschäftsordnung behandelt.
Das gilt natürlich auch für die Frage 15 des
Abgeordneten Dr. Olderog.
Ich rufe die Frage 16 des Herrn Abgeordneten
Clemens auf:
Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung zum
kommunistischen Hintergrund der „XII. Weltfestspiele der
Jugend und Studenten vom 27. Juli bis 3. August 1985 in
Moskau?
Spranger, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege
Clemens, die KPdSU, die ihr ergebenen
kommunistischen Parteien und ihre nationalen und
internationalen Vorfeldorganisationen sehen in den
„Weltfestspielen der Jugend und Studenten" ein
geeignetes Mittel, um nichtkommunistische
Jugendverbände, die in großer Zahl — auch aus den Staaten der
Dritten Welt — teilnehmen, für Bedürfnisse und
Aktivitäten zur Erreichung kommunistischer
Nahziele zu gewinnen.
Träger der internationalen Festivalbewegung
sind zwei sowjetisch gesteuerte
Frontorganisationen, der „Weltbund der Demokratischen Jugend"
und der „Internationale Studentenbund". Damit der
kommunistische Einfluß verschleiert wird, treten
der WBDJ und der ISB nicht als Veranstalter der
Weltfestspiele auf. Für deren Planung und
Durchführung werden jeweils ein internationales
Vorbereitungskomitee und eine ständige Kommission
gebildet.
Die Initiative zu den Weltfestspielen war im
Herbst 1983 vom kommunistischen Jugendverband
der UdSSR, dem „Leninschen Komsomol",
ausgegangen. Der Vorschlag wurde umgehend von
zahlreichen Organisationen begrüßt, so vom WBDJ,
dem ISB, der „Freien Deutschen Jugend" der DDR,
der „Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend" —
SDAJ —, Jugendorganisationen der Deutschen
Kommunistischen Partei und dem orthodox-
kommunistisch beeinflußten „Arbeitskreis Festival",
AKF.
Vizepräsident Stücklen: Zusatzfrage, bitte.
Clemens (CDU/CSU): Hat die Bundesregierung
Erkenntnisse, daß die Jugendorganisation der
Sozialistischen Einheitspartei West-Berlins, also eines
West-Berliner Ablegers der SED, bei den
Weltjugendfestspielen den Status einer nationalen
Delegation erhalten soll, und welche Reaktion ist in
diesem Fall von den teilnehmenden Jugendverbänden
demokratischer Art seitens der Bundesrepublik zu
erwarten?
Spranger, Parl. Staatssekretär: Die
Bundesregierung hat Kenntnis davon, daß der „Sozialistische
Jugendverband Karl Liebknecht", die
Jugendorganisation der Sozialistischen Einheitspartei West
-
Berlins, eine eigene Berliner Vorbereitungsgruppe
organisiert hat und sich um die Entsendung einer
West-Berliner Delegation bemüht. Dies entspricht
der kommunistischen Dreistaatentheorie, die
Berlin (West) als selbständige politische Einheit
gewertet sehen möchte.
Vizepräsident Stücklen: Sie haben zwei
Zusatzfragen.
Clemens (CDU/CSU): Dann habe ich noch eine
Zusatzfrage: Es gibt also keine Erkenntnisse bei der
Bundesregierung, inwieweit seitens der Moskauer
Veranstalter vorgesehen ist, dieser
Jugendorganisation der SED in Moskau die Möglichkeit einer
nationalen Delegation zu geben, und über die
Reaktion der Jugendverbände demokratischer Art aus
der Bundesrepublik, wenn das erfolgen sollte?
Spranger, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege
Clemens, die Information, die ich Ihnen jetzt eben
gegeben habe, weist darauf hin, daß solche Tendenzen
möglich und denkbar sind. Ich bin gern bereit, noch
einmal konkret nachzuprüfen, ob sie wirklich
verifizierbar ist.
Vizepräsident Stücklen: Keine weiteren
Zusatzfragen.
Dann rufe ich die Frage 17 des Herrn
Abgeordneten Clemens auf:
Gibt es bereits Äußerungen etwa von kommunistischer
oder linksextremistischer Seite, aus denen deutlich wird, wie
die XII. Weltjugendfestspiele von den Kommunisten politisch
genutzt werden sollen?
Spranger, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege
Clemens, die Träger der internationalen
Festivalbewegung, die sowjetisch gesteuerten
Frontorganisationen „Weltbund der Demokratischen Jugend" und
der „Internationale Studentenbund", haben
insoweit eindeutige Erklärungen abgegeben. So äußerte
der WBDJ-Generalsekretär:
Noch nie zuvor hat die Vorbereitung eines
Festivals von Beginn an eine so große Anzahl
junger Menschen unterschiedlichster
politischer Weltanschauung vereint. Das ist von
nicht zu unterschätzender Bedeutung, da die
aggressivsten Kreise des Imperialismus und
der NATO ihre Angriffe gegen die Kräfte des
gesellschaftlichen Fortschritts und des
Sozialismus, der Demokratie und der nationalen
Befreiungsbewegung verschärft haben.
Der ISB glaubt, die Weltfestspiele würden es
ermöglichen, der von ihm als aggressiv und
interventionistisch diffamierten Politik der USA und ihrer
Verbündeten ein Ende zu bereiten.
Vizepräsident Stücklen: Eine Zusatzfrage, bitte.
Clemens (SPD): Ich habe eine Zusatzfrage: Ist der
Bundesregierung bekannt, daß außer den von Ihnen
schon zitierten kommunistischen Organisationen
auch die Organisation der Sozialistischen Jugend
Deutschlands — Die Falken — geäußert haben soll,
daß sie in den Weltjugendfestspielen in Moskau
einen „großen Höhepunkt der Zusammenkunft der
fortschrittlichen Jugend der Welt" sieht?
Spranger, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege
Clemens, ich kann bestätigen, daß anläßlich des „5.
Festivals des politischen Liedes" in Berlin (Ost) dies
u. a. auch die Naturfreundejugend Deutschlands
und die Sozialistische Jugend Deutschlands — Die
Falken — gemäß einer Presseerklärung erklärt
haben.
Vizepräsident Stücklen: Eine weitere Zusatzfrage,
Herr Abgeordneter Dr. Diederich (Berlin).
Dr. Diederich (Berlin) (SPD): Herr Staatssekretär,
würden Sie es nicht begrüßenswert finden, wenn
möglichst viele Jugendliche und
Jugendorganisationen aus der freien Welt die Möglichkeit benutzen,
bei solchen Großveranstaltungen anwesend zu sein,
um in Diskussionen und Gesprächen mit den dort
befindlichen Jugendlichen unseren Standpunkt zu
vertreten, und sehen Sie Möglichkeiten, daß aus
den Mitteln, die die Bundesregierung für solche
internationalen Begegnungen hat, solche Reisen
gefördert werden?
Spranger, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege
Diederich, die Geschichte hat immer wieder erwiesen,
daß es eine Illusion ist, zu meinen, Kommunisten
durch Überzeugungsarbeit zu Demokraten
umfunktionieren zu können. Deswegen sehe ich dieser
Möglichkeit, die Sie andeuten, mit großer Skepsis
entgegen.
Vizepräsident Stücklen: Eine weitere Zusatzfrage,
bitte sehr.
Immer (Altenkirchen) (SPD): Herr Staatssekretär,
nachdem Sie gerade festgestellt haben und auch in
der Fragestellung deutlich geworden ist, daß mehr
denn je nichtkommunistische organisierte
Jugendliche an diesen Festspielen teilnehmen: Wäre es
dann nicht richtig, Ihre Antwort noch einmal dahin
gehend zu überdenken, daß gerade Jugendliche aus
dem freien Teil der Welt die Gelegenheit nehmen
müßten, um denen, denen möglicherweise dort eine
Fehlinformation entgegengebracht wird, von einer
andersartigen Alternative in der Weltpolitik
deutlich Zeugnis zu geben?
Spranger, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege
Immer, Sie können davon ausgehen, daß aus
verschiedenen Gründen — nicht nur was den Ort anbelangt,
sondern auch was die Zahl der Anwesenden
anbelangt — die Kommunisten in Moskau eine solche
Dominanz erhalten werden, daß es völlig illusionär
wäre, zu meinen, nichtkommunistische Kreise
könnten die Zielsetzungen dieses Politspektakels
oder gar die Masse der Kommunisten in unserem
Sinne, im demokratischen Sinne beeinflussen.
Vizepräsident Stücklen: Eine weitere Zusatzfrage,
Herr Abgeordneter Heimann.
HeImann (SPD): Herr Staatssekretär, haben Sie
unabhängig von den Erkenntnissen, die Sie uns
hier über den Charakter der Veranstaltung
mitgeteilt haben, überhaupt Zweifel daran, daß
Veranstaltungen, die von kommunistischen
Organisationen durchgeführt werden, natürlich auch
kommunistischen Zielen dienen? Ist dies allein für Sie schon
ausreichend dafür, daß andere Organisationen
dann nicht mehr teilnehmen können?
Spranger, Parl. Staatssekretär: Ich teile Ihre
Auffassung, wenn Sie sagen, man sollte keine Zweifel
haben, daß solche Veranstaltungen
kommunistischen Zielen dienen. Unsere Aufgabe ist es,
Menschen — vor allem junge Menschen — auf die Ziele
solcher Veranstaltungen hinzuweisen und ihr
kritisches Bewußtsein als Demokraten zu wecken.
Vizepräsident Stücklen: Eine weitere Zusatzfrage,
Herr Abgeordneter Heistermann.
Heistermann (SPD): Herr Staatssekretär, darf ich
aus Ihrer Antwort entnehmen, daß die
Bundesregierung beabsichtigt, beim deutsch-französischen
Jugendaustausch, an dem ja bekanntlich unter
Umständen auch kommunistische Jugendgruppen
beteiligt sind, diese nicht mehr zu fördern, und daß es
nach Ihrer Aussage, wenn ich Sie richtig
interpretiere, nicht möglich ist, eine kommunistische
Jugendzeit später einmal sozusagen in eine
demokratische Jugendzeit umzuwandeln?
Spranger, Parl. Staatssekretär: Ich sehe keinerlei
Zusammenhang zwischen Ihrer Frage und den
XII. Weltfestspielen der Jugend und Studenten in
Moskau.
Vizepräsident Stücklen: Eine weitere Zusatzfrage,
Herr Abgeordneter Schöfberger.
Dr. Schöfberger (SPD): Herr Staatssekretär, wenn
man Ihrer Meinung folgt, daß sich die Wahrheit der
Wenigen gegen den Irrtum und die Übermacht der
Vielen nie durchsetzen kann: Wie erklären Sie es
sich dann, daß es einen Martin Luther und eine
erfolgreiche Reformation gegeben hat?
(Heiterkeit bei der SPD)
Vizepräsident Stücklen: Herr Abgeordneter
Schöfberger, zum einen bitte ich Sie, schön am
Mikrophon zu bleiben, und zum anderen lasse ich die
Frage nicht zu, weil sie nicht im unmittelbaren
Zusammenhang mit der Ausgangsfrage steht.
(Lachen bei der SPD — Dr. Schöfberger
[SPD]: Weil Sie kein Lutheraner sind!)
— Es tut mir leid, Herr Schöfberger, keine
philosophischen Erläuterungen hier.
Eine weitere Zusatzfrage, Frau Abgeordnete
Steinhauer.
Frau Steinhauer (SPD): Herr Staatssekretär, wenn
Sie hier den kommunistischen Zweck der
Weltjugendfestspiele noch einmal unterstreichen, frage
ich Sie, ob Sie für die Zukunft überhaupt noch
Möglichkeiten sehen, daß Jugendliche an
irgendwelchen Veranstaltungen im Ostblock teilnehmen.
Spranger, Parl. Staatssekretär: Ich habe hier nicht
irgendwelche Möglichkeiten der Zukunft zu
diskutieren, sondern ich habe mich zu diesen
Weltfestspielen zu äußern, und das habe ich getan.
(Zuruf von der SPD: Das haben Sie nicht
getan!)
Vizepräsident Stücklen: Meine Damen und
Herren, ich komme auf die Fragen 14 und 15 zurück.
Der Herr Abgeordnete Dr. Olderog ist unmittelbar
nach Aufruf der von ihm eingereichten Fragen im
Plenarsaal erschienen. Wir alle wissen, wie
schwierig es manchmal ist, den Plenarsaal zu erreichen.
Wenn der Aufruf nur so kurzfristig versäumt
wurde, sollte die Güte walten.
(Dr. Olderog [CDU/CSU]: Ich bedanke
mich, Herr Präsident!)
Ich rufe somit die Frage 14 des Herrn
Abgeordneten Dr. Olderog auf:
Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über das
linksextremistische Engagement, insbesondere der DKP,
ihrer Neben- und Vorfeldorganisationen, für die XII.
Weltjugendfestspiele, die in diesem Sommer in Moskau wieder
abgehalten werden?
Spranger, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege
Dr. Olderog, in der Bundesrepublik Deutschland
und Berlin (West) hat sich zur Vorbereitung der
Weltjugendfestspiele am 31. Oktober 1984 ein
„Gemeinsamer Arbeitsausschuß XII.
Weltjugendfestspiele" (GAA) gebildet, dem neben den dort mit
eindeutiger Mehrheit vertretenen Demokraten auch
Linksextremisten angehören. Die orthodox-
kommunistische SDAJ nannte die Bildung des GAA einen
„großen Erfolg für die Jugendbewegung unseres
Landes". Dem GAA gehören unter anderem an: ein
Mitglied des orthodox-kommunistischen
„Marxistischen Studentenbundes Spartakus" als Vertreter
der „Vereinigten Deutschen Studentenschaften"
sowie drei Vertreter von Mitgliedsverbänden des
kommunistisch beeinflußten „Arbeitskreises
Festival" (AKF), nämlich ein Vertreter der
kommunistisch beeinflußten „Deutschen
Friedensgesellschaft — Vereinigte Kriegsdienstgegner", ein
Vertreter der orthodox-kommunistischen
„Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend" und ein Vertreter
des kommunistisch orientierten „Sozialistischen
Hochschulbundes" (SHB).
Vizepräsident Stücklen: Keine Zusatzfrage? —
Dann rufe ich die Frage 15 des Herrn Abgeordneten
Dr. Olderog auf:
Welche Anstrengungen unternehmen orthodoxe
Kommunisten, um die XII. Weltjugendfestspiele wiederum für
Bündnisse und Aktivitäten zur Erreichung kommunistischer
Nahziele zu nutzen, und wie beurteilt die Bundesregierung die
Erfolgsaussichten dieser Bemühungen?
Spranger, Parl. Staatsskeretär: Orthodoxe
Kommunisten führen weltweit die Werbetrommel für
eine Teilnahme an den Weltjugendfestspielen. Die
Moskauer Initiatoren bedienen sich dabei der von
ihnen gesteuerten sogenannten
„Weltfrontorganisationen", kommunistisch und kommunistisch
beeinflußten Organisationen, für die Festspiele.
Ich habe keinen Zweifel, daß es den orthodoxen
Kommunisten auch auf den „XII.
Weltjugendfestspielen" — wie bei den elf vorangegangenen Spielen
gelingen wird, diese Veranstaltung zumindest
teilweise für Bündnisse und Aktivitäten zur Erreichung
kommunistischer Nahziele zu nutzen.
Hierfür sind drei Gesichtspunkte
ausschlaggebend.
Erstens. Die UdSSR hat als Gastgeberland große
Möglichkeiten, auf die Gestaltung der
Weltfestspiele einzuwirken.
Zweitens. Der Teilnehmerkreis wird zu einem
hohen Anteil aus Kommunisten bestehen, die mit
großer Wahrscheinlichkeit einheitlich agieren werden;
ihnen stehen unterschiedlich ausgerichtete
Nichtkommunisten gegenüber.
Drittens. Die nationalen und internationalen
Festival-Gremien arbeiten nach dem
Konsensprinzip, nach dem Gemeinsames betont und
Trennendes zurückgestellt wird. Dieses Prinzip bevorzugt
die Kommunisten und fördert deren
Bündnispolitik.
Ob sich die Gesamtveranstaltung mit mehreren
zigtausend Teilnehmern innerhalb und außerhalb
des offiziellen Programms völlig im
kommunistischen Sinne steuern läßt, ist allerdings die Frage
und dürfte davon abhängen, wie standfest und
geschickt die demokratischen Organisationen ihre
Positionen vertreten.
Vizepräsident Stücklen: Keine weiteren
Zusatzfragen.
Die Frage 18 des Herrn Abgeordneten Fellner
sowie die Fragen 19 und 20 des Herrn Abgeordneten
Stiegler sollen auf Wunsch der Fragesteller
schriftlich beantwortet werden. Die Antworten werden als
Anlagen abgedruckt.
Die Fragen 21 und 22 des Herrn Abgeordneten
Werner (Dierstorf) und Frage 23 des Herrn
Abgeordneten Schulte (Menden) werden auf Grund von
Nr. 1 Abs. 2 der Richtlinien schriftlich beantwortet.
Die Antworten werden als Anlagen abgedruckt.
Ich rufe die Frage 24 des Herrn Abgeordneten
Dr. Schwenk (Stade) auf:
Ist der Bundesregierung bekannt, daß es bislang an einem
ausreichenden Angebot von insbesondere betriebssicheren
und lärmschwachen Klein-Shreddergeräten für die
Zerkleinerung von Gartenschnitt fehlt (vgl. Test 2/85), und was
gedenkt sie zu tun, damit auch im Sinne eines besseren
Recyclings derartige Geräte entsprechend dem tatsächlich
möglichen technischen Standard hergestellt werden?
Spranger, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege
Dr. Schwenk, der Bundesregierung ist die hohe
Geräuschentwicklung von Komposthäckslern
bekannt. Der Bundesminister des Innern hat im
Rahmen seines Umweltforschungsplans den Rheinisch-
Westfälischen Technischen Überwachungsverein
beauftragt, die Lärmminderungsmöglichkeiten an
Komposthäckslern zu untersuchen. Im Rahmen
dieses kurz vor dem Abschluß stehenden
Vorhabens ist der Prototyp eines lärmarmen
Komposthäckslers entwickelt worden. Die Jury
Umweltzeichen prüft zur Zeit die Vergabe eines
Umweltzeichens für lärmarme Komposthäcksler. Hierbei
sollen in die Vergabebedingungen anspruchsvolle
Sicherheitsanforderungen aufgenommen werden.
Ferner wird vom Deutschen Institut für Normung
eine Norm über die mechanische Sicherheit von
Komposthäckslern erstellt.
Vizepräsident Stücklen: Eine Zusatzfrage zu den
Häckslern, bitte.
Dr. Schwenk (Stade) (SPD): Herr Staatssekretär,
Sie haben dankenswerterweise sehr viel Mühe auf
den Punkt der Lärmschwäche verwandt. Die zweite
Frage nach der Betriebssicherheit ist mir bei der
Beantwortung etwas zu kurz gekommen. Ich weiß
nicht, ob denjenigen, die an der Beantwortung der
Frage gearbeitet haben, oder auch Ihnen persönlich
ein solches Ding einmal unter die Hände
gekommen ist und Sie dann, wie ich, nur noch in Deckung
gehen konnten, weil Ihnen all das um die Ohren
geflogen ist, was Sie häckseln wollten. Dabei bin ich
erstaunt darüber, daß selbst Anlagen, die von
namhaften Firmen — Sie sind ja selbst Autofahrer —
hergestellt wurden, mit einer derartigen
Leichtfertigkeit auf den Markt gebracht worden sind.
Ich frage mich — —
Vizepräsident Stücklen: Herr Abgeordneter, Sie
sollten die Bundesregierung und nicht sich fragen.
(Heiterkeit)
Dr. Schwenk (Stade) (SPD): Ich frage die
Bundesregierung, ob sie angesichts solcher Erfahrungen,
die außer mir andere auch gemacht haben, nicht
besonderen Wert auf die Betriebssicherheit solcher
Geräte legen muß, und zwar auch im Hinblick auf
das, was von den Geräten an umweltfreundlichem
Kompost produziert werden kann.
Spranger, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege Dr.
Schwenk, ich kann aus eigenen Erfahrungen leider
nicht das bestätigen, was Sie an Betriebsproblemen
vorgetragen haben. Ich kann das auch nicht aus
einem Vergleich mit der Benutzung eines
Kraftfahrzeuges ableiten. Aber wenn irgendwelche
Vorstellungen vorgetragen werden, die geeignet sind,
die Betriebssicherheit zu erhöhen, bzw. wenn
konstruktive Kritik an dem jetzigen Zustand geübt
wird, bin ich gerne bereit, das aufzugreifen und
dann auch mit den Herstellern Verbindung
aufzunehmen.
Vizepräsident Stücklen: Eine weitere Zusatzfrage,
Herr Abgeordneter Immer.
Immer (Altenkirchen) (SPD): Gedenkt die
Bundesregierung auf Grund dieser Fragestellung ein
Prüfverfahren für diese Geräte einzuführen, d. h.
müssen diese Geräte etwa TÜV-Marken bekommen,
damit sie überhaupt zugelassen werden können?
Spranger, Parl. Staatssekretär: Es besteht keine
Absicht, Herr Kollege Immer, über die jetzt
vorhandenen Prüf- und Eingriffsmöglichkeiten hinaus und
über das hinaus, was ich bereits in der Antwort auf
die Frage vorgetragen habe, Weiteres vorzusehen.
Vizepräsident Stücklen: Eine letzte Zusatzfrage,
Herr Abgeordneter Dr. Schwenk, bitte.
Dr. Schwenk (Stade) (SPD): Herr Staatssekretär,
wäre die Bundesregierung auch bereit, für die
Entwicklung geräuscharmer und betriebssicherer
Geräte Förderungsmaßnahmen zu ergreifen oder
vielleicht einmal einen Wettbewerb durchzuführen?
Spranger, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege Dr.
Schwenk, das ist nicht nur eine Frage der
Finanzierbarkeit eines solchen Unternehmens, es ist
auch eine Frage der Präjudiz für andere Projekte.
Im übrigen glaube ich, daß die Industrie auch ohne
solche Zusatzleistungen des Staates in der Lage ist,
betriebssichere Geräte zu produzieren.
(Dr. Schwenk [Stade] [SPD]: Das hatte ich
auch angenommen!)
Vizepräsident Stücklen: Keine weiteren
Zusatzfragen. — Ich rufe die Frage 25 des Herrn
Abgeordneten Mann auf:
Ist der Bundesregierung bekannt, daß am Pfingstsonntag,
dem 26. Mai 1985, gegen 6.00 Uhr in Heilbronn-Waldheide ein
Alarm ausgelöst wurde, und wenn ja, aus welchem Grund?
Spranger, Parl. Staatssekretär: Am 26. Mai 1985
wurde im gesamten Landkreis Heilbronn zwischen
6.04 Uhr und 6.57 Uhr sechsmal Sirenenalarm durch
ein defektes elektronisches Ferntastgerät
ausgelöst. Ab 6.28 Uhr hat der Süddeutsche Rundfunk
laufend gemeldet, daß es sich um einen Fehlalarm
handele.
Das Ferntastgerät befindet sich zur Zeit beim
Fernmeldetechnischen Zentralamt der Deutschen
Bundespost in Darmstadt, die für die Einrichtung
zuständig ist. Die Untersuchung der möglichen
Auslöseursache ist noch nicht abgeschlossen.
Vizepräsident Stücklen: Keine Zusatzfrage? —
Dann rufe ich die Frage 26 des Herrn Abgeordneten
Mann auf:
Sind der Bundesregierung die Reaktionen der
Bevölkerung bekannt?
Spranger, Parl. Staatssekretär: Da — wie bei
Probealarmen üblich — keine Ankündigung in den
Medien erfolgte, war die Bevölkerung naturgemäß
beunruhigt und versuchte, sich bis zur Bekanntgabe
des Fehlalarms durch den Süddeutschen Rundfunk
durch zahlreiche Anrufe beim Landratsamt
Heilbronn über die Ursache des Sirenenalarms zu
informieren.
Mit dem Bundespostministerium wurde
Verbindung aufgenommen mit dem Ziel, zu erreichen, daß
Störungen infolge technischer Defekte künftig
ausgeschlossen werden, um eine unnötige
Beunruhigung der Bevölkerung zu vermeiden.
Vizepräsident Stücklen: Eine Zusatzfrage? —
Bitte.
Mann (GRÜNE): Herr Staatssekretär, können Sie
sagen, wie viele Anrufe eingegangen sind, oder ist
da zunächst die Zuständigkeit des Landratsamtes
gegeben?
Spranger, Parl. Staatssekretär: So ist es. Wir
haben das nicht registriert.
Vizepräsident Stücklen: Keine weiteren
Zusatzfragen?
(Mann [GRÜNE]: Nein, danke!)
Dann komme ich zum Geschäftsbereich des
Bundesministers für Wirtschaft. Zur Beantwortung der
Fragen steht uns der Parlamentarische
Staatssekretär Dr. Sprung zur Verfügung.
Die Frage 30 soll auf Wunsch des Fragestellers,
des Abgeordneten Dr. Sperling, schriftlich
beantwortet werden. Die Antwort wird als Anlage
abgedruckt.
Ich rufe die Frage 27 der Frau Abgeordneten
Steinhauer auf:
Wie steht die Bundesregierung zu der Subventionierung
des Schrottpreises in Höhe von 80 DM pro Tonne in Italien
zuzüglich der günstigeren Tarifgestaltung der Deutschen
Bundesbahn für Transport aus der Bundesrepublik
Deutschland?
Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär beim
Bundesminister für Wirtschaft: Frau Kollegin, die
Bundesregierung hat bislang keine konkreten Anhaltspunkte
dafür, daß die Preise für Eisen- und Stahlschrott in
Italien zur Zeit subventioniert werden. Zwar gibt es
in Italien eine gesetzliche Grundlage für derartige
Subventionen, doch ist davon nach Auskunft der
italienischen Regierung und nach den sonst
verfügbaren Erkenntnissen, z. B. Auskunft der EG-
Kommission und unserer Botschaft in Rom, bislang kein
Gebrauch gemacht worden.
Italienische Schrottverbraucher erhalten auch
keine Sondervergünstigungen beim Bahntransport
von Schrott aus der Bundesrepublik Deutschland
nach Italien. Die Bundesbahn berechnet
Wettbewerbstarife und keine Sondertarife. Dabei stellt sie
sich aber dem Preiswettbewerb mit anderen
Verkehrsträgern, hier insbesondere dem
Straßengüterfernverkehr, wo es aus Wettbewerbsgründen nötig
und aus eigenwirtschaftlicher Sicht vertretbar ist.
Die Verkehrsträger sind bei der Tarifgestaltung im
grenzüberschreitenden Verkehr frei.
Einflußmöglichkeiten der Bundesregierung gibt es
grundsätzlich nicht.
Vizepräsident Stücklen: Zusatzfrage? — Bitte.
Frau Steinhauer (SPD): Herr Staatssekretär, Sie
sagen, die Bundesregierung habe bisher keine
Kenntnis von den Subventionen: Wie kann ich denn
den Informationsunterschied zwischen Ihrem
Ministerium und dem Verband Eisen und Stahl
aufklären, der wisse, daß dort subventioniert werde, und
befürchten Sie nicht auch, daß durch diese
Subventionierung doppelter Art — denn dort ist auch
bekannt, daß die Bundesbahn für Transporte ins
Ausland günstigere Tarife anbietet als für solche im
Inland — Arbeitsplätze bei deutschen Stahlfirmen
verloren gehen und Stahlstandorte gefährdet
werden?
Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Frau Kollegin,
ich weiß nicht, wie Sie diese Differenz aufklären
können. Es gibt ja hinsichtlich dieser Auskunft
nicht nur eine Differenz zwischen der
Wirtschaftsvereinigung und der Bundesregierung, sondern
auch eine Differenz zwischen der
Wirtschaftsvereinigung und der EG-Kommission, unserer Botschaft
in Rom und der italienischen Regierung. Es gibt —
dies ist die Erkenntnis, die wir haben — solche
Subventionen noch nicht. Es gibt zwar — ich werde bei
der Beantwortung ihrer nächsten Frage darauf zu
sprechen kommen — ein entsprechendes Gesetz,
aber es sind noch keine Subventionen nach diesem
Gesetz gezahlt worden.
Was die Tarife anlangt, so habe ich darauf
hingewiesen, daß die Bundesbahn Wettbewerbstarife
zugrunde legt. Vor dem Hintergrund der Entwicklung
des Verkehrs zwischen der Bundesrepublik und
Italien in bezug auf dieses spezielle Produkt Schrott
ist die Haltung der Bundesbahn durchaus
verständlich.
Vizepräsident Stücklen: Weitere Zusatzfrage,
bitte.
Frau Steinhauer (SPD): Herr Staatssekretär, sind
der Bundesregierung auch nicht Bestrebungen der
Firma Krupp bekannt, weitere Kapazitäten im
Siegerland — weil dort sehr stark auf Schrottbasis
gearbeitet wird — abzubauen und Produktionen in
anderen Standorten aufzubauen — alles auf Grund
des höheren Schrottpreises?
Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Frau Kollegin, es
tut mir leid; ich weiß nicht, was Ihre jetzige Frage
mit der gestellten Frage, auf die ich eine Antwort
gegeben habe, zu tun hat.
Vizepräsident Stücklen: Weitere Zusatzfrage, Herr
Abgeordneter Sieler.
Sieler (SPD): Herr Staatssekretär, ist Ihnen
bekannt, daß die Frage der Wettbewerbstarife, wie Sie
sie genannt haben, beim Transport von Schrott
bereits am vergangenen Jahr Thema im
Haushaltsausschuß war und die Bundesregierung zugesagt
hat, zu prüfen, inwieweit hier möglicherweise
Wettbewerbsverzerrungen für die deutsche
Stahlindustrie sind? Inwieweit haben Sie Kenntnis von dieser
Prüfung?
Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Herr Sieler, dies
ist mir nicht bekannt. Ich habe auch keine
Erkenntnisse darüber wie weit die Prüfung gediehen ist.
Aber ich will mich gern darum kümmern.
Vizepräsident Stücklen: Weitere Zusatzfrage, bitte
sehr.
von der Wiesche (SPD): Herr Staatssekretär, ist
die Bundesregierung bereit, sich endlich einmal in
dieser so schwierigen und für die deutsche
Stahlindustrie so wichtigen Frage sachkundig zu machen?
Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege,
dies hat die Bundesregierung getan und tut sie
immer wieder.
(Dr. Diederich [Berlin] [SPD]: Nur,
erfolglos!)
Wenn entsprechende Fragen gestellt werden,
werden darauf auch Antworten gegeben. Nur kann ich
Ihnen keine Subventionen andienen, wenn solche
Subventionen wie im Falle der von unserer
Kollegin gestellten Frage nicht gezahlt werden.
Vizepräsident Stücklen: Weitere Zusatzfrage, Herr
Abgeordneter Immer.
Immer (Altenkirchen) (SPD): Könnten Sie dann,
Herr Staatssekretär, sagen, wie es denn kommt, daß
ein Großteil des Schrotts, der normalerweise im
Inland verarbeitet wird — wie z. B. im Siegerland;
darauf basiert j a die Siegerländer Stahlindustrie —,
mit der Bahn von einem Standort wie Altenkirchen
im Westerwald oder dem Siegerland sofort nach
Italien abfließt? Das kann doch nur in der Differenz
der Preise liegen; sonst wäre überhaupt kein Grund
vorhanden.
Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Herr Immer,
wenn deutscher Stahl nach Italien fließt — —
(Immer [Altenkirchen] [SPD]: Schrott habe
ich gesagt!)
— Entschuldigung. Wenn deutscher Schrott nach
Italien geht, so kann das etwas damit zu tun haben,
daß dieser Schrott entsprechend preisgünstig ist
und deshalb in der Bundesrepublik eingekauft
wird.
(Dr. Diederich [Berlin] [SPD]: Wir wollten
Ihnen eine Chance geben, sich sachkundig
zu machen! — Heiterkeit bei der SPD)
Vizepräsident Stücklen: Keine weiteren
Zusatzfragen. Ich rufe die Frage 28 der Abgeordneten Frau
Steinhauer auf:
Aus welchem Grunde ist die Bundesregierung trotz
Aufforderung nicht der Klage der Wirtschaftsvereinigung Eisen-
und Stahlindustrie beim Europäischen Gerichtshof gegen
die Schrottpreissubventionen beigetreten, obwohl ein
Staatssekretär des Wirtschaftsministeriums in einer Veranstaltung
dieses Verbandes dies zugesagt hatte?
Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Frau Kollegin,
die Wirtschaftsvereinigung Eisen- und
Stahlindustrie wirft der EG-Kommission vor, daß sie gegen
die italienischen Schrottbeihilfepläne nicht
eingeschritten ist. Demgegenüber erklären die
Dienststellen der Kommission, sie hätten die italienische
Regierung frühzeitig und nachdrücklich darauf
hingewiesen, daß diese Hilfen nicht
genehmigungsfähig sind und ohne Genehmigung nicht gewährt
werden dürfen. Zudem seien bislang keine derartigen
Hilfen festgestellt worden. Falls sie ungenehmigt
gezahlt würden, werde die Kommission
unverzüglich ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Italien
einleiten. In der bloßen Existenz des
Subventionsgesetzes sieht die EG-Kommission keine
Vertragsverletzung, zumal die zur Anwendung nötigen
Ausführungsbestimmungen bisher nicht erlassen
worden seien.
Bei dieser Sachlage prüft die Bundesregierung
noch, ob ein Klagebeitritt, der bis Mitte Juli
erfolgen kann, zweckmäßig ist. Ein Klagebeitritt war
nur bei Zweckmäßigkeit in Aussicht gestellt
worden, d. h. wenn dadurch eine größere Effizienz
erreicht werden kann.
Vizepräsident Stücklen: Zusatzfrage, bitte.
Frau Steinhauer (SPD): Herr Staatssekretär,
meinen Sie nicht, daß die Verwirklichung der Zusage
des Staatssekretärs, die j a in einer Veranstaltung
der Wirtschaftsvereinigung erfolgte — wie ich
gehört habe: ohne Einschränkungen —, auch jetzt im
Vorraum, obgleich die von Ihnen hier angeführten
Prüfungen noch im Gange sind, zur Erhärtung, zur
Unterstreichung und zur Stützung der
Stahlindustrie durchaus auch im Interesse einer wirklich
konsequenten Haltung der Bundesregierung wäre.
Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Frau Kollegin,
der Staatssekretär hat erklärt, daß Klagen vor dem
Europäischen Gerichtshof ein geeignetes Mittel zur
Durchsetzung des gemeinsamen Anliegens sein
könnten, Subventionen in der EG zu verhindern. Je
nach Zweckmäßigkeit, d. h. im Interesse einer
möglichst großen Effizienz, sollte in geeigneten Fällen
die Bundesregierung oder die
Wirtschaftsvereinigung klagen. Nach demselben Kriterium sollte auch
gegebenenfalls der Klage des jeweils anderen
beigetreten werden.
Dies gilt ganz allgemein. Im konkreten Fall ist zu
prüfen, ob es zweckmäßig ist oder nicht. Die
Prüfung findet zur Zeit statt. Das habe ich erklärt.
Wenn sich herausstellen sollte, daß es zweckmäßig
ist, wird die Bundesregierung beitreten.
Vizepräsident Stücklen: Weitere Zusatzfrage,
bitte.
Frau Steinhauer (SPD): Wenn ich als
Volksschülerin das Wort „verhindern" richtig interpretiere,
dann heißt das doch, im voraus schon etwas zu tun
und nicht erst dann, wenn das sprichwörtliche Kind
in den Brunnen gefallen ist. Meinen Sie nicht, daß
die Prüfung ein bißchen lange dauert?
Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Frau Kollegin,
ich darf noch einmal darauf hinweisen, daß nach
Auffassung der Kommission erst dann ein
Vertragsverstoß vorliegt, wenn Subventionen gezahlt
werden, und nicht bereits dann, wenn ein Gesetz
von einer Regierung erlassen worden ist.
Vizepräsident Stücklen: Keine weiteren
Zusatzfragen.
Ich rufe die Frage 29 des Herrn Abgeordneten
Dr. Spöri auf. Der Abgeordnete ist nicht im Saal. Es
wird wie in der Geschäftsordnung vorgesehen
verfahren.
Ich rufe die Frage 31 des Herrn Abgeordneten
Dr. Schöfberger auf:
Wie vereinbart es sich nach Auffassung der
Bundesregierung mit der von ihr anzustrebenden
Verteilungsgerechtigkeit, wenn (laut Süddeutscher Zeitung vom 4. Juni 1985,
Seite 20) die durchschnittlichen Jahresbruttoeinkommen von
Vorstandsmitgliedern der Deutschen Bank AG 1,145
Millionen DM, der Dresdner Bank nach einer jüngsten
Gehaltserhöhung um 17 v. H. auf 827 144 DM und der Bayerischen
Hypotheken- und Wechselbank nach einer jüngsten
Gehaltserhöhung um 32 v. H. auf 727 143 DM betragen, wogegen die
durchschnittlich verfügbaren Jahresbruttoeinkommen aller
Haushalte bei nur 41 184 DM liegen (vgl. Süddeutsche
Zeitung vom 1./2. Juni 1985, Seite 31), die Einkommen aus
Arbeitnehmertätigkeit 1984 um nur 1,5 v. H. und die
Sozialversicherungsrente 1984 .um nur 1,3 v. H. gestiegen sind?
Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege
Schöfberger, der Bundesregierung liegen keine
offiziellen Angaben über die Bezüge von Vorständen
deutscher Unternehmen vor. Ich kann deshalb
nicht sagen, ob die von Ihnen zitierten Angaben
richtig sind.
Die übrigen Zahlenangaben bedürfen einiger
Korrekturen. Bei der von Ihnen angegebenen Zahl
von 41 184 DM handelt es sich nicht um ein
Bruttoeinkommen, sondern um das durchschnittliche
verfügbare, das heißt um Steuern und Sozialabgaben
verminderte Haushaltseinkommen aller Haushalte
im Jahre 1983. Die Nettolohn- und Gehaltssumme
ist 1984 insgesamt um rund 1,5 % gestiegen, pro
Kopf waren es plus 1,7 %. Die
Sozialversicherungsrenten sind zwar am 1. Juli 1984 um 1,3 % nach
Abzug des erhöhten Beitrags zur
Krankenversicherung der Rentner angehoben worden. Im
Jahresdurchschnitt 1984 ergibt sich jedoch unter
Berücksichtigung der Anhebung um 4,5 % am 1. Juli 1983
ein Steigerungssatz von rund 2,9 %.
Ein Vergleich dieser unterschiedlichen
Einkommensangaben ist schon deshalb nicht
aussagekräftig, weil es sich bei den genannten
Vorstandsgehältern um Bruttoeinkommen handelt, die der
progressiven Einkommensbesteuerung unterliegen,
während sich die übrigen Angaben auf
Nettoeinkommen nach Besteuerung, bzw. bei den Renten um
praktisch steuerfreie Einnahmen handelt.
Darüber hinaus lehnt es die Bundesregierung ab,
die Höhe von privatwirtschaftlich erzielten
Einkommen von Unternehmensvorständen unabhängig
davon, in wessen Eigentum sich das Unternehmen
befindet, einer Bewertung unter Gesichtspunkten der
Knappheit, der Leistung, des Risikos und der
Verteilung zu unterziehen.
Vizepräsident Stücklen: Zusatzfrage, bitte.
Dr. Schöfberger (SPD): Herr Staatssekretär, ich
gehe davon aus, daß die Bundesregierung eine
Verteilungsgerechtigkeit bei höchst unterschiedlichen
Einkommen anstrebt, und frage deshalb, ob es bei
allen Erwägungen über die Richtigkeit der Zahlen
nicht zu einer politischen Überlegung Anlaß gibt,
wenn Arbeitnehmereinkommen und
Sozialversicherungsrenten um die 1,5 %, oder wie Sie sagen:
1,7 %, steigen und die Einkommen von
Vorstandsmitgliedern deutscher Banken von einem Jahr auf
das andere um 32 %?
Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege
Schöfberger, es ist nicht die Aufgabe der
Bundesregierung, Verträge, die auf privatrechtlicher
Grundlage abgeschlossen worden sind, in irgendeiner
Form zu kommentieren, bzw. Einfluß auf sie zu
nehmen.
Vizepräsident Stücklen: Weitere Zusatzfrage.
Dr. Schöfberger (SPD): Ist es dann nicht Aufgabe
einer auf Verteilungsgerechtigkeit zielenden
Bundesregierung, wenigstens mit ihrem Steuersystem,
mit der Besteuerung auf solche
Einkommensverzerrungen zu reagieren, wenn sie schon sonst
nichts daran ändern kann?
Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege
Schöfberger, dies geschieht. Ich habe darauf
hingewiesen, daß diese Einkommen besteuert werden.
Der Steuersatz dafür ist der Spitzensteuersatz. Es
wird auch nach steuerlicher Leistungsfähigkeit
belastet, es werden auch nach steuerlicher
Leistungsfähigkeit Steuern gezahlt.
Vizepräsident Stücklen: Weitere Zusatzfrage, Frau
Abgeordnete Hürland.
Frau Hürland (CDU/CSU): Wenn ich das
voraussagen darf: Ich nehme an, daß der Herr Kollege
Schöfberger bei den Einkommen der Abgeordneten
hinreichend über Steuern informiert ist. Meine Frage
an den Herrn Staatssekretär: Würden Sie in Ihrer
Untersuchung der Einkommens- und
Gehaltserhöhungen für die schriftliche Beantwortung auch die
Bank für Gemeinwirtschaft, die Volksfürsorge, die
Neue Heimat, die Arbeitgeberverbände und die
Gewerkschaften einbeziehen? Dafür wäre ich Ihnen
außerordentlich dankbar.
Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Frau Kollegin,
ich darf noch einmal wiederholen: Die
Bundesregierung befaßt sich nicht mit den Gehältern von
Vorständen privater Banken, genausowenig — in der
Tat, dies füge ich hinzu — mit den Gehältern von
Vorstandsmitgliedern öffentlich-rechtlicher oder
gewerkschaftseigener Banken oder mit den
Gehältern von Vorstandsmitgliedern von Banken oder
anderen Unternehmen, die erklärterweise Mitglieder
der Oppositionsparteien sind.
Vizepräsident Stücklen: Weitere Zusatzfrage, Herr
Abgeordneter Vosen.
Vosen (SPD): Herr Staatssekretär, Sie sagten
gerade, die Bundesregierung beschäftige sich mit
diesem Problemkreis nicht. Wie erklären Sie es sich
dann aber, daß sich sowohl der Graf Lambsdorff in
seiner Eigenschaft damals als Wirtschaftsminister
im Rahmen von Tarifauseinandersetzungen sehr
wohl mit Prozentzahlen hervorgetan hat, die als
Richtzahlen angesehen bzw. bei Gehalts- und
Lohnsteigerungen nicht überschritten werden dürften,
als auch der Bundeskanzler in seiner Eigenschaft
als Bundeskanzler zur Arbeitszeitverkürzung
Stellung genommen hat, indem er gesagt hat, die 35-
Stunden-Woche sei eine dümmliche
Angelegenheit?
Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege, ich
weiß nicht, was diese Fragen mit der Feststellung
zu tun haben, daß es die Bundesregierung ablehnt,
die Höhe von privatwirtschaftlich erzieltem
Einkommen einer Wertung zu unterziehen.
Vizepräsident Stücklen: Keine weiteren
Zusatzfragen.
Ich rufe die Frage 32 des Herrn Abgeordneten Dr.
Schöfberger auf:
In welchem Umfang will die Bundesregierung nach dem
gescheiterten Versuch einer Ergänzungsabgabe jenen
Personenkreis, dem die genannten Vorstandsmitglieder
angehören, zu einem der Kürzung von Sozialleistung adäquaten
Solidarbeitrag heranziehen, oder, falls die
Nichtheranziehung mit der „Förderung einer erhöhten Leistungs- und
Investitionsbereitschaft" begründet wird, welche
volkswirtschaftlich relevanten höheren Leistungen und welche
arbeitsplatzschaffenden Investitionen erwartet die
Bundesregierung beispielsweise von Vorstandsmitgliedern deutscher
Banken aus deren Privateinkommen und -vermögen?
Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege
Schöfberger, ich gehe zunächst einmal davon aus,
daß sich Ihre Frage auf die für verfassungswidrig
erklärte Investitionshilfeabgabe bezieht. Die
Bundesregierung hat nicht die Absicht, etwas
Ähnliches, etwa in Form einer Ergänzungsabgabe,
einzuführen. Die Bundesregierung hält eine zusätzliche
steuerliche Belastung bestimmter
Einkommensgruppen gesamtwirtschaftlich nicht für vertretbar.
Sie ist im Gegenteil der Auffassung, daß im
Interesse einer leistungs-, wachstums- und damit
beschäftigungsfördernden Wirtschaftspolitik die
steuerliche Belastung insgesamt nachhaltig
zurückgeführt werden muß. Aus diesem Grunde hat sie das
Gesetz zur leistungsfördernden Steuersenkung und
zur Entlastung der Familie beschlossen, das in der
Zwischenzeit vom Deutschen Bundestag
verabschiedet worden ist.
Im übrigen entzieht es sich der Kenntnis der
Bundesregierung, wie einzelne Einkommens- bzw.
Berufsgruppen über ihre Einkommen verfügen, und
sie hat auch nicht die Absicht, hier lenkend
einzugreifen.
Vizepräsident Stücklen: Zusatzfrage, bitte.
Dr. Schöfberger (SPD): Wie kann die
Bundesregierung dann die Behauptung aufrechterhalten, neue
Steuerbelastungen seien nicht vorgesehen, um die
Investitionsneigung und die Leistungsbereitschaft
zu fördern, und könnten Sie mir mal erklären,
welche zusätzlichen Leistungen ein Vorstandsmitglied
einer deutschen Bank erbringt, wenn er keine
Investitionshilfeabgabe zahlen muß, oder welche
Arbeitsplätze er aus seinem Privatvermögen schafft?
Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Herr
Schöfberger, Sie wissen doch nicht, wie die Einkommen
verwendet werden.
(Dr. Schöfberger [SPD]: Ja, eben!)
Wieso ist denn ausgeschlossen, daß diese
Einkommen z. B. auch für Investitionen verwendet werden?
Dies ist offen. Wir wissen es nicht. Wir wollen
solche Untersuchungen und Nachforschungen nicht
anstellen. Aber es ist doch nicht ausgeschlossen,
daß die Einkommen auch für Investitionen
verwendet werden.
Vizepräsident Stücklen: Noch eine Zusatzfrage.
Dr. Schöfberger (SPD): Herr Staatssekretär, wenn
Sie aus diesen Gründen
Spitzeneinkommensbezieher, die jährlich ein Einkommen von 1 145 000 DM
erzielen, nicht belasten wollen, haben Sie dann
noch ein gutes christliches Gewissen, wenn Sie
Sozialhilfeempfänger, Wohngeldempfänger, werdende
Mütter, Arbeitslose und Schwerbehinderte, bis zu
den Blinden hin, ganz erheblich belasten?
(Beckmann [FDP]: Das ist aber sehr billig,
was Sie da sagen!)
Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Herr
Schöfberger, ich habe darauf hingewiesen, daß diese
Einkommen belastet werden. Ich habe deutlich
gemacht — und Sie wissen das auch selbst —, daß
diese Einkommen mit dem Spitzensteuersatz
belastet werden.
Vizepräsident Stücklen: Eine weitere Zusatzfrage,
Herr Abgeordneter Dr. Diederich (Berlin).
Dr. Diederich (Berlin) (SPD): Herr Staatssekretär,
wenn Sie in Ihrer vorletzten Antwort sagten, daß
Sie über die Verwendung der Einkommen nichts
aussagen könnten, wie konnten Sie dann einige
Fragen davor antworten, daß das Nichthandeln der
Bundesregierung im Sinne dessen, worauf Herr
Schöfberger abzielt, eine leistungsfördernde
Maßnahme sei?
Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Je mehr
Einkommen der einzelne zur Verfügung hat, desto mehr
Mittel stehen auch für eine Verwendung zur
Verfügung, die auch darin bestehen kann, daß investiert
wird.
Vizepräsident Stücklen: Eine weitere Zusatzfrage.
Heistermann (SPD): Herr Staatssekretär, halten
Sie einen Spitzensteuersatz, wie einer Ihrer
Koalitionspartner ausgeführt hat, von 36 % für
angemessen?
Dr. Sprung, Parl. Staatssekretär: Der
Spitzensteuersatz, Herr Kollege, beträgt 56 %.
Vizepräsident Stücklen: Eine weitere Zusatzfrage,
Herr Abgeordneter Austermann, bitte sehr.
Antretter (SPD): Herr Staatssekretär, vor dem
Hintergrund der Beantwortung der Fragen meiner
Kollegen Heistermann und Schöfberger möchte ich
Sie fragen, ob Sie sich angesichts der Feststellung,
die Sie zu diesen Fragen getroffen haben, den
Bestrebungen Ihrer Kabinettskollegen widersetzen
werden, den Spitzensteuersatz zu senken.
Dr. Sprung, Parl. Staatsskretär: Ich kenne keine
Bestrebungen von Kabinettskollegen, den
Spitzensteuersatz zu senken.
(Werner [CDU/CSU]: So ist das!)
Vizepräsident Stücklen: Meine sehr verehrten
Damen und Herren, ich muß eine kleine Korrektur
vornehmen. Der amtierende Präsident soll die
Namen kennen, aber die Schriftführer müssen die
Namen kennen. Es liegt nicht in meiner
Verantwortung, zu rügen, daß ein Schriftführer nicht mal die
Genossen seiner eigenen Fraktion kennt. Sie
heißen nicht Austermann, sondern Sie heißen
Antretter, und das wollen wir richtigstellen.
Keine weiteren Zusatzfragen.
Ich rufe den Geschäftsbereich des
Bundesministers für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
auf. Zur Beantwortung der Fragen steht uns Herr
Parlamentarischer Staatssekretär Dr. von Geldern
zur Verfügung.
Die Fragen 33 und 34 des Abg. Michels (CDU/
CSU) und die Fragen 35 und 36 des Abg. Kastning
(SPD) sollen auf Wunsch der Fragesteller
schriftlich beantwortet werden. Die Antworten werden als
Anlagen abgedruckt.
Ich rufe die Frage 37 des Herrn Abgeordneten
Eigen auf:
Welche Maßnahmen werden von der Bundesregierung
eingeleitet, um den Rindfleischpreis zu stützen, der neuerlich
sowohl im Inland wie auch im Export unter starken Druck
geraten ist?
Dr. von Geldern, Parl. Staatssekretär: Herr
Kollege Eigen, auf Grund des weiter gestiegenen
Bullenangebotes in der Bundesrepublik Deutschland
hat sich die Marktlage für Bullenfleisch erheblich
verschlechtert. Die Bundesregierung hat daher in
Brüssel die sofortige erneute Einführung der
Unterstützung der privaten Lagerhaltung für Rindfleisch
beantragt, gegebenenfalls als eine auf die
Bundesrepublik Deutschland beschränkte Maßnahme. Die
EG-Kommission hat diesen Antrag im
Verwaltungsausschuß Rindfleisch am 7. Juni 1985
abgelehnt. Diese Ablehnung wird vor allem damit
begründet, daß sich die Marktlage bei Rindfleisch in
den meisten EG-Mitgliedstaaten gebessert habe.
Hinzu kommt, daß der deutsche Antrag von keinem
anderen Mitgliedstaat unterstützt worden ist.
Trotz der auf Grund der sehr hohen
Interventionsbestände sehr knappen Kühlhauskapazitäten,
die einen Antrag der Bundesregierung bei der EG-
Kommission auf Auslandslagerung von Rindfleisch
erforderlich machten, wurden wegen der
schwierigen Marktsituation die Interventionskäufe der
BALM in der laufenden Woche von 11 000 auf 13 000
Vorderviertel erhöht.
Die Bundesregierung hat heute die EG-
Kommission fernschriftlich ersucht, kurzfristig die
Erstattungen für Ausfuhren von Fleisch von männlichen
Rindern in Drittländern um mindestens 10 % zu
erhöhen. Außerdem dürfte sich die angelaufene
Touristensaison in anderen EG-Ländern belebend auf
die Nachfrage auswirken.
Die Bundesregierung verfolgt aber besorgt die
Entwicklung auf dem Rindfleischmarkt und ist der
Auffassung, daß ein Rindfleischangebot im
derzeitigen Umfang bei uns und in der Gemeinschaft auch
unter Berücksichtigung des Drittlandabsatzes
längerfristig nicht mehr verkraftet werden kann.
Eigen (CDU/CSU): Woran kann es nach Meinung
der Bundesregierung liegen, Herr Staatssekretär,
daß der zwischenstaatliche Warenverkehr zwischen
den Ländern der Europäischen Gemeinschaft
offensichtlich nicht so klappt? Denn sonst könnte es
nicht angehen, daß der Preis in anderen Ländern
relativ stabil geblieben ist und bei uns besonders
heruntergegangen und in dieser Woche schon
wieder abgesackt ist.
Dr. von Geldern, Parl. Staatssekretär: Herr
Kollege Eigen, die Hauptursache dafür, daß wir diese
die Bundesregierung mit Besorgnis erfüllende
gegenwärtige Preisentwicklung auf dem
Rindfleischsektor haben, ist das gerade in der Bundesrepublik
Deutschland wesentlich erhöhte
Rindfleischangebot.
Vizepräsident Stücklen: Zusatzfrage, bitte.
Eigen (CDU/CSU): Herr Staatssekretär, gibt es
denn Aussicht, daß die Kommission Ihre
Forderung, die Sie heute an sie gerichtet haben und die
ich für sehr richtig halte, die Exporterstattung um
10 % zu erhöhen, erfüllt, damit der Preis für
Bullenfleisch nicht wegen des auch auf uns zukommenden
Weideabtriebs zu sehr zusammenbricht?
Dr. von Geldern, Parl. Staatssekretär: Herr
Kollege Eigen, der EG-Kommission sind die
Marktverhältnisse in der Bundesrepublik Deutschland, die
Sie und wir gemeinsam beklagen, nicht verborgen.
Gleichwohl hatte die EG-Kommission den Antrag
auf Unterstützung der privaten Lagerhaltung
zurückgewiesen, so daß ich hoffe, daß die Maßnahme,
die wir nunmehr beantragt haben, als eine für den
deutschen Markt notwendige Maßnahme die
Unterstützung der EG-Kommission finden wird.
Vizepräsident Stücklen: Keine weitere
Zusatzfrage.
Ich rufe die Frage 38 des Abgeordneten Eigen
auf:
Ist der Bundesregierung bekannt, wieviel Getreide in
Vorkontrakten aus Dänemark und Frankreich in die
Bundesrepublik Deutschland verkauft und welche Preise hierbei
abgeschlossen worden sind?
Dr. von Geldern, Parl. Staatssekretär: Herr
Kollege Eigen, der Bundesregierung liegen keine
verläßlichen Angaben darüber vor, wieviel Getreide in
Vorkontrakten aus Dänemark und Frankreich in
der Bundesrepublik Deutschland verkauft ist.
Vizepräsident Stücklen: Zusatzfrage.
Eigen (CDU/CSU): Herr Staatssekretär, haben Sie
Angaben darüber, zu welchen Preisen in der
Bundesrepublik verkauft worden ist und ob sich bei
diesen Preisen nicht auch das Zahlungsziel, das ja auf
Grund der nicht vorhandenen Währungsunion sehr
differenziert ist, zwischen den Ländern der
Europäischen Gemeinschaft wegen der
unterschiedlichen Zinshöhe auswirkt, so daß möglicherweise
dies für die sehr eigenartigen Warenströme der
Grund ist?
Dr. von Geldern, Parl. Staatssekretär: Herr
Kollege Eigen, über den Umfang der Vorverträge für
das nächste Wirtschaftsjahr gibt es — das habe ich
Ihnen in der Antwort auf die erste Frage gesagt —
keine Statistik. Ich kann Ihnen einige Angaben auf
Grund von Nachfragen machen, die wir bei der
Wirtschaft vorgenommen haben. Danach sollen
Offerten über französischen Weizen zur Lieferung im
nächsten Wirtschaftsjahr cif Mannheim für 41 bis
42,50 DM je dt vorliegen. Der Interventionspreis
Juni/Juli 1985 liegt bei 43,82 DM. Was Braugerste
betrifft, sollen Verträge über dänische und
französische Braugerste abgeschlossen worden sein. Dabei
— so lauten die Angaben aus der Wirtschaft —
sollen mit 450 000 t etwas größere Mengen als zum
entsprechenden Zeitpunkt des Vorjahres gekauft
worden sein. Die Preise sollen für eine
durchschnittliche Qualität bei 46,50 DM frei Mälzerei liegen. Die
Vorvertragspreise für deutsche Sorten Braugerste
der Ernte 1985 liegen frei Mälzerei bei 48 bis
49 DM.
Vizepräsident Stücklen: Weitere Zusatzfrage.
Eigen (CDU/CSU): Bei dem Weizen aus
Frankreich kann es sich dann ja nur um Futterweizen
handeln — oder handelt es sich möglicherweise
sogar um Brotweizen? —, weil der einen um 7% vom
Futterweizeninterventionspreis abgesetzten Preis
hat, also einen Interventionspreis, der bei etwa
47 DM liegt. Dazu würden die 41,50 bzw. 42 DM
überhaupt nicht passen.
Dr. von Geldern, Parl. Staatssekretär: Herr
Kollege Eigen, ich kann über diese spärlichen Angaben,
die wir auf Grund von Nachfragen bei der
Wirtschaft bekommen haben, hinaus gar nichts sagen,
auch gar nichts zu den Qualitäten.
Vizepräsident Stücklen: Keine weitere
Zusatzfrage. Damit ist dieser Geschäftsbereich
abgeschlossen.
Ich rufe den Geschäftsbereich des
Bundesministers für Arbeit und Sozialordnung auf. Zur
Beantwortung der Fragen steht uns Herr
Parlamentarischer Staatssekretär Vogt zur Verfügung.
Die Fragen 39 und 40 des Abgeordneten Sieler
und die Frage 43 des Abgeordneten Amling werden
auf Wunsch der Fragesteller schriftlich
beantwortet. Die Antworten werden als Anlagen
abgedruckt.
Die Fragen 41 und 42 des Abgeordneten Reimann
sind vom Fragesteller zurückgezogen worden.
Ich rufe Frage 44 des Herrn Abgeordneten
Austermann auf:
Wie beurteilt die Bundesregierung die Tatsache, daß auf
der Baustelle des Kernkraftwerkes Brokdorf über 630
ausländische Arbeitnehmer, zum Teil ohne entsprechende
Arbeitserlaubnis, tätig sind, die zum größten Teil aus Nicht-EG-
Ländern stammen und bauliche Maßnahmen durchführen,
und welche Maßnahmen gedenkt sie angesichts der
arbeitslosen Bauarbeiter durchzusetzen?
Bitte sehr.
Vogt, Parl. Staatssekretär beim Bundesminister
für Arbeit und Sozialordnung: Herr Kollege, nach
den Feststellungen des Präsidenten der
Bundesanstalt für Arbeit sind gegenwärtig 30 ausländische
Arbeitnehmer auf der Grundlage eines
Werkvertrages zwischen deutschen und ausländischen Firmen
auf der Baustelle des Kernkraftwerkes Brokdorf
beschäftigt. Im vergangenen Jahr betrug ihre Zahl
bis zu 300.
Die Zulassung von ausländischen Arbeitnehmern
auf der Grundlage von Werkverträgen setzt nach
§ 19 Abs. 1 Satz 2 des Arbeitsförderungsgesetzes
voraus, daß keine geeigneten deutschen
Arbeitnehmer oder ihnen gleichgestellte Ausländer, etwa EG-
Angehörige, für die zu verrichtenden Arbeiten
vermittelt werden können. Diese Voraussetzung wird
vom zuständigen Arbeitsamt vor Erteilung der
Arbeitserlaubnis sorgfältig geprüft.
Wie viele ausländische Arbeitnehmer in einem
Arbeitsverhältnis bei einem deutschen Arbeitgeber
insgesamt auf der Baustelle beschäftigt sind,
konnte in der Kürze der Zeit nicht ermittelt werden.
Ich weise aber darauf hin, daß 85,9 v. H. der im
Bundesgebiet arbeitserlaubnispflichtig beschäftigten
Ausländer einen Rechtsanspruch auf die
Arbeitserlaubnis erworben haben. Ein solcher
Rechtsanspruch wird insbesondere durch eine fünfjährige
ununterbrochene rechtmäßige Beschäftigung
erworben.
Nach Mitteilung des Präsidenten der
Bundesanstalt für Arbeit sind die Bauarbeiten, insbesondere
die Betonarbeiten, an dem Kraftwerk im
wesentlichen abgeschlossen. Gleichwohl habe ich den
Präsidenten der Bundesanstalt für Arbeit gebeten, Ihren
Angaben nachzugehen und zu klären, ob auf der
Baustelle arbeitserlaubnispflichtige Arbeitnehmer
ohne Arbeitserlaubnis beschäftigt werden. Das
Ergebnis der Ermittlungen werde ich Ihnen noch
mitteilen.
Vizepräsident Stücklen: Eine Zusatzfrage? —
Bitte.
Austermann (CDU/CSU): Herr Staatssekretär,
unterstellt, meine Recherchen sind richtig, und es
arbeiten über 600 ausländische Arbeitnehmer aus
Nicht-EG-Ländern in Brokdorf, wie würden Sie dies
bewerten?
Vogt, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege, ich kann
von der von Ihnen gesetzten Annahme nicht
ausgehen, weil ich mich auf die Angaben beziehen muß,
die mir der Präsident der Bundesanstalt für Arbeit
auf Grund Ihrer Anfrage übermittelt hat.
Vizepräsident Stücklen: Eine weitere Zusatzfrage.
Austermann (CDU/CSU): Herr Staatssekretär,
halten Sie es für denkbar, daß Arbeitnehmer — Polen,
Jugoslawen, Koreaner, Araber — in Brokdorf mit
einer Arbeitserlaubnis arbeiten, die sie für einen
anderen Arbeitsplatz, beispielsweise für das
Kraftwerk Grohnde oder ein anderes Großprojekt,
erhalten haben, und daß möglicherweise daraus die
Lücke zwischen der von mir angegebenen Zahl von
über 600 und der von Ihnen angegebenen Zahl 30
entsteht?
Vogt, Parl. Staatssekretär: Ich kann und will dies
nicht ausschließen, aber wie ich Ihnen auf Ihre
Anfrage mitgeteilt habe, wird der Präsident der
Bundesanstalt für Arbeit diesen Angaben bzw.
Vermutungen nachgehen und mir Mitteilung machen.
Dann werde ich Sie, Herr Kollege, über das
Ergebnis der Nachforschungen des Präsidenten
informieren.
Vizepräsident Stücklen: Keine weiteren
Zusatzfragen. Damit ist auch dieser Geschäftsbereich
abgeschlossen.
Wir kommen zum Geschäftsbereich des
Bundesministers der Verteidigung. Zur Beantwortung der
Fragen steht uns der Herr Parlamentarische
Staatssekretär Würzbach zur Verfügung.
Die Fragen 47 des Abgeordneten Dr. Jens sowie
54 und 55 des Abgeordneten Dr. Feldmann sollen
auf Wunsch der Fragesteller schriftlich beantwortet
werden. Die Antworten werden als Anlagen
abgedruckt.
Ich rufe Frage 45 des Herrn Abgeordneten Stahl
(Kempen) auf:
Wie beurteilt die Bundesregierung die Aktivitäten des
Londoner Büros, in dem Beauftragte der US-Regierung auch
für eine Beteiligung von deutschen Personen und Firmen an
dem Forschungsprogramm zur Strategischen
Verteidigungsinitiative der Vereinigten Staaten von Amerika werben, und
wie stellt sich die Bundesregierung insbesondere zu den
Vertragsangeboten dieses Büros gegenüber deutschen
Spitzenwissenschaftlern?
Würzbach, Parl. Staatssekretär beim
Bundesminister der Verteidigung: Herr Präsident! Herr Kollege
Stahl, der Bundesregierung ist die Existenz eines
solchen Büros nicht bekannt.
Vizepräsident Stücklen: Eine Zusatzfrage? —
Bitte.
Stahl (Kempen) (SPD): Herr Staatssekretär, falls
das zutrifft, was in der Frage angesprochen wurde,
daß nämlich ein derartiges Büro in London tätig ist,
möchte ich Sie fragen: Was wird die
Bundesregierung tun bzw. was kann sie tun, um derartige
Werbungen bei Wissenschaftlern zu unterbinden, bevor
sich die deutsche Bundesregierung für eine
Teilnahme oder eine Nichtteilnahme an derartiger
Forschung — hier SDI — entschieden hat?
Würzbach, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege
Stahl, ich habe auf die konkrete Frage geantwortet
und beabsichtige nicht, hier hypothetische Dinge zu
untersuchen.
Vizepräsident Stücklen: Eine weitere Zusatzfrage.
Stahl (Kempen) (SPD): Herr Staatssekretär, heißt
das, daß Ihnen bis dato von der Tätigkeit dieses
Büros nichts bekannt ist?
Würzbach, Parl. Staatssekretär: Ich glaube, das
habe ich klar gesagt, Herr Kollege.
Vizepräsident Stücklen: Keine weiteren
Zusatzfragen. — Entschuldigung, Herr Abgeordneter Vosen,
bitte sehr.
Vosen (SPD): Herr Staatssekretär, Sie sagen,
Ihnen sei das nicht bekannt. Haben Sie nicht, da
mittlerweile in vielen Medien ähnliches nachzulesen ist,
die Absicht, diesen Dingen nachzugehen?
Würzbach, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege, es
ist nicht Aufgabe der Bundesregierung, allen
Dingen, die in irgendwelchen Medien stehen,
nachzugehen. Auf den sachlichen Inhalt der Frage habe ich
sachlich und korrekt geantwortet.
Vizepräsident Stücklen: Keine weiteren
Zusatzfragen.
Frage 46 des Abgeordneten Stahl (Kempen):
Welche Dokumente oder Spezifikationen der US-
Regierung liegen der Bundesregierung zur Projektbeschreibung
eines Forschungsprogramms zur Strategischen
Verteidigungsinitiative der Vereinigten Staaten von Amerika vor,
und auf welchen Gebieten hat die US-Regierung die
Bundesrepublik Deutschland eingeladen, sich mit finanziellen
Aufwendungen zu beteiligen?
Würzbach, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege
Stahl, die Bundesregierung ist mit Schreiben des
amerikanischen Verteidigungsministers
Weinberger vom März 1985 eingeladen worden, eine
Beteiligung am SDI-Forschungsprogramm zu prüfen.
Diese Einladung bezieht sich weder auf spezielle
Technologiebereiche noch enthält sie eine
Aufforderung zu einer finanziellen Beteiligung. Zugleich
hat die amerikanische Regierung weitergehende
Informationen über dieses Forschungsprogramm
angeboten. Detaillierte Projektbeschreibungen über
die im Bericht des amerikanischen
Verteidigungsministeriums an den Kongreß hinausgehenden
Spezifikationen liegen uns jedoch noch nicht vor.
Vizepräsident Stücklen: Zusatzfrage, bitte.
Stahl (Kempen) (SPD): Herr Staatssekretär, ist es
nicht, wenn der deutschen Bundesregierung ein
derartiger Vorschlag von amerikanischer Seite
gemacht wird, der ja, wenn man die Zahlen richtig
interpretiert, einen Forschungsaufwand von 50 bis
80 Milliarden D-Mark darstellt, etwas komisch —
um nicht ein anderes Wort zu gebrauchen —, daß
die deutsche Bundesregierung schon jetzt eine
klare Inaussichtstellung der Beteiligung an den
Forschungsarbeiten in der Öffentlichkeit
bekanntgibt?
Würzbach, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege,
komisch wäre und — in einem Falle — komisch ist,
daß es große Gruppen bis zu einer Partei hin gibt,
die heute, ohne Details zu wissen, die wir im Begriff
sind, mit den Amerikanern auch entsprechend
Ihrer Frage abzutasten, schon ein klares Nein sagen.
Wir werden offen, unvoreingenommen die
politischen, die strategischen, die technischen, die
finanziellen Zusammenhänge und die Auswirkungen auf
Europa und speziell auf unser Land und unsere
Sicherheit prüfen und dann zu einer Entscheidung
kommen.
Vizepräsident Stücklen: Eine weitere Zusatzfrage.
Stahl (Kempen) (SPD): Herr Staatssekretär, kann
ich aus Ihrer Antwort entnehmen, daß Sie es
komisch finden, daß in beiden amerikanischen
Häusern des Parlaments auch Gegenstimmen gegen ein
derartiges Programm des Präsidenten vorhanden
sind, daß die Leute von Ihnen als komisch
bezeichnet werden?
Würzbach, Parl. Staatssekretär: Ich habe es als
komisch bezeichnet — indem ich Ihre Vokabelwahl,
Herr Kollege Stahl, aufnahm —, daß heute, ohne zu
wissen, welches sind die Eckdaten, welches sind die
Möglichkeiten, eine Gruppierung in der deutschen
Öffentlichkeit, ohne diese Prüfung angestellt zu
haben, nein sagt. Ich wäre bereit, so weit zu gehen,
genauso Ihre Vokabel zu nutzen für diejenigen, die,
ohne zu wissen, was ergibt sich mit welchen
Konsequenzen und welchen Möglichkeiten, ebenso heute
ein apodiktisches Ja sagen.
Vizepräsident Stücklen: Eine weitere Zusatzfrage,
Herr Abgeordneter Vosen.
Vosen (SPD): Herr Staatssekretär, Sie sprachen,
wie gesagt, von „komisch". Das ist zweimal
wiederholt worden. Können Sie sich vorstellen, daß es
Gruppen gibt, wie sie beispielsweise sehr stark auf
dem Evangelischen Kirchentag aufgetreten sind,
die es grundsätzlich ablehnen, daß sich die
Bundesrepublik Deutschland an einer Aufrüstung im
Weltraum beteiligt? Halten Sie es für unmoralisch,
einen solchen Anspruch anzumelden?
Würzbach, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege, ich
halte es für politisch gerechtfertigt und für
moralisch vertretbar und für sicherheitspolitisch
erforderlich und bis vor einiger Zeit eigentlich von allen
Seiten dieses Hauses gewünscht, ja, politisch
gefordert, von einigen sogar herbeigesehnt, auch auf
solchen Tagen, wie Sie eben einen nennen, daß die
Menschen durch ihren Erfindungsgeist Systeme
und Einrichtungen erfinden, die das
Riesenpotential an Waffen in Ost und West, in beiden Bereichen,
besonders, aber nicht nur, das der Nuklearwaffen,
vermindern helfen. Wenn es durch die Entwicklung
eines defensiven Systems — dies ist am Ende einer
Entwicklung ja ins Auge gefaßt — dazu kommt, daß
offensive Raketen in der Welt reduziert und
möglichst weitgehend verschrottet werden, dann weiß
ich nicht, wie Sie hier den Begriff Moral in einen
negativen Zusammenhang bringen.
Vizepräsident Stücklen: Eine weitere Zusatzfrage,
Herr Abgeordneter Soell.
Dr. Soell (SPD): Herr Staatssekretär, ist Ihnen
bekannt, daß die Mehrzahl der amerikanischen
Naturwissenschaftler, die seit vielen Jahren in diesen
Bereichen Grundlagenforschung machen — darunter
etliche Nobelpreisträger —, skeptisch sind
gegenüber der Möglichkeit, ein perfektes oder perfekte
Systeme — denn es handelt sich ja um eine
Mehrzahl von Systemen — zu bauen, und daß sie
deswegen in vielen Publikationen, die teilweise auch ins
Deutsche übersetzt sind — ich verweise auf die
Aufsätze in der Zeitschrift „Spektrum der
Wissenschaft" im letzten Jahr —, diese Skepsis sehr
detailliert ausgebreitet haben und daß dies auch die
Grundlage vieler ablehnender Stimmen in der
Bundesrepublik ist?
Würzbach, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege, wie
in allen Bereichen — nicht nur der Politik, sondern
auch der Wissenschaft — gibt es immer
verschiedene Ansätze, Ideen zu prüfen und zu
unterschiedlichen Ergebnissen mit Gutachten und
Gegengutachten zu kommen. Ich warne vor einer voreiligen
Euphorie wie vor einer aus welcher Ideologie oder
Politik auch immer herkommenden
voreingenommenen Skepsis. Gründliche Prüfung, Abwägung der
Möglichkeiten, der Risiken, der Chancen und dann
ein vernünftiges Entscheiden, ohne sich unter
Zeitdruck zu begeben — dies hat der Bundeskanzler am
18. April in der Regierungserklärung in fünf oder
sechs Punkten dieser Leitlinie folgend
beschrieben —, ist die Verhaltensweise der
Bundesregierung hierzu.
Vizepräsident Stücklen: Weitere Zusatzfrage, Herr
Abgeordneter von Bülow.
Dr. von Bülow (SPD): Herr Staatssekretär, sind Sie
der Auffassung, daß sich der Generalinspekteur der
Bundeswehr, Altenburg, leichtfertig geäußert hat,
indem er vor einem größeren Gremium erklärt hat,
daß SDI nach seiner Einschätzung nicht in der
Lage wäre, eine hundertprozentige
Verteidigungslösung zustande zu bringen, daß man deshalb weiter
mit einem Mischungsverhältnis zwischen
Verteidigungs- und Offensivwaffen rechnen müsse und daß
von daher die Stabilität des
Gesamtabschreckungssystems zwischen West und Ost in Gefahr geriete?
Würzbach, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege von
Bülow, ich sehe keinen Widerspruch zwischen dem
Generalinspekteur und dem Bundeskanzler. Ich
weise noch einmal auf die Punkte hin, die hier vor
uns allen — und Sie haben zugehört — vom
Bundeskanzler ausgeführt wurden, der von der
Rechtfertigung der Forschung wegen der
präjudizierenden durchgeführten Forschung bis zur
Stationierung einiger Systeme in der Sowjetunion einerseits
und dem Wunsch, daß die Europäer weitestgehend
kooperieren, andererseits sprach und darauf
aufmerksam machte, daß unterhalb dieser Dinge —
wenn sie aus der Forschung zu Tatsachen
geworden sind — keine Zone minderer Sicherheit mit
neuen Bedrohungspotentialen für uns in
Deutschland im Unterschied zu Amerika entstehen darf.
Das war auf Europa und auf unser Land bezogen.
Dies hat der Generalinspekteur auf die
strategische, taktische Komponente übertragen.
Vizepräsident Stücklen: Weitere Zusatzfrage, Herr
Abgeordneter Schierholz.
Dr. Schierholz (GRÜNE): Sehe ich es dann richtig,
daß die gegenwärtig in den USA weilende
Delegation deswegen dorthin gereist ist, um die
zahlreichen Unklarheiten, Fragezeichen und Irritationen
um dieses SDI-Forschungsprogramm zu beseitigen,
und habe ich Sie da gerade richtig verstanden, daß
tatsächlich eine Projektbeschreibung, nach der hier
ja gefragt worden ist, auch in den USA noch nicht
existiert?
Würzbach, Parl. Staatssekretär: Richtig ist, daß
unsere Vorausdelegation unter Leitung eines
Vertreters des Kanzleramtes Rahmenbedingungen für
mögliche Kooperation und weitere Eckdaten dort
erörtern soll.
Vizepräsident Stücklen: Weitere Zusatzfrage, Herr
Abgeordneter Fischer (Homburg).
Fischer (Homburg) (SPD): Herr Staatssekretär, ist
Ihnen bekannt, daß selbst amerikanische
Befürworter des SDI-Programms sagen, daß dieses System
noch gar nicht definiert ist, und woher nehmen Sie
dann die Zuversicht, daß Sie hier jetzt ausführen
können, daß das SDI zu rein defensiven
Maßnahmen eingesetzt werden könnte?
Würzbach, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege, ich
komme dazu, weil die zugrunde liegende Idee und
der Aufruf des amerikanischen Präsidenten ein
defensives, nicht atomares System darstellen, das in
der Lage ist, atomare offensive Angriffsraketen zu
vernichten, bevor sie ihr Ziel erreichen, ohne daß es
zu einer Atomexplosion, in welcher Höhe auch
immer, käme.
Ich füge zu Ihrer Frage, in der Sie ja
Unverständnis gegenüber einer bestimmten Entscheidung der
Bundesregierung zum Ausdruck bringen wollten,
an: Dies kann ich von der inneren Logik her so
nicht sehen. Was ich vor dem Hintergrund Ihrer
Frage aber sehe, ist, daß es äußerst unlogisch und
widersprüchlich ist, jetzt bereits zu der
Entscheidung zu kommen, auf keinen Fall weiter
nachdenken zu wollen, auf keinen Fall abtasten zu wollen,
welche Möglichkeiten es gibt, und jetzt schon ein
klares Nein zu sagen. Das ist unlogisch.
Vizepräsident Stücklen: Eine weitere Zusatzfrage,
Herr Abgeordneter Kübler.
Dr. Kübler (SPD): Herr Staatssekretär, würden Sie
die Ausführungen im ersten Teil Ihrer Antwort als
Spekulation oder als Erkenntnis ansehen?
Würzbach, Parl. Staatssekretär: Ich beabsichtige
nicht, hier zu spekulieren, und hoffe auch nicht, es
getan zu haben.
Vizepräsident Stücklen: Keine weiteren
Zusatzfragen.
Ich rufe die Frage 48 des Herrn Abgeordneten
Dr. Kübler auf:
In welchen Ressorts hat die Bundesregierung beauftragte
bzw. zuständige Beamte für die Bearbeitung der Frage
„Beteiligung der Bundesrepublik Deutschland an dem
Forschungsprogramm zur Strategischen Verteidigungsinitiative
der Vereinigten Staaten von Amerika" bestimmt oder sind
solche ohne besondere Einsetzung tätig, und wer sind diese
Beamten?
Bitte.
Würzbach, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege Dr.
Kübler, die Bundesregierung hat seit Januar 1985
unter Leitung des Kanzleramtes eine
interministerielle Arbeitsgruppe mit der Behandlung aller die
Bundesregierung betreffenden Fragen zu SDI
beauftragt. In dieser Arbeitsgruppe sind Vertreter
vom Auswärtigen Amt, vom Bundesminister der
Finanzen, dem Bundesminister für Wirtschaft sowie
dem Bundesminister für Forschung und
Technologie beteiligt. Darüber hinaus hat der
Bundessicherheitsrat im Mai beschlossen, drei dieser
interministeriellen Arbeitsgruppe zuarbeitende
Arbeitskreise einzurichten, und zwar einen Arbeitskreis
für politische Fragen, einen für strategische Fragen
und einen solchen für technologisch, wirtschaftlich
und finanziell relevante Fragen.
Vizepräsident Stücklen: Eine Zusatzfrage, bitte.
Dr. Kübler (SPD): Herr Staatssekretär, arbeiten
diese Gruppen jetzt auf der Basis von
zuverlässigem amerikanischem Informationsmaterial oder
auf Grund von persönlich eingeholten
Informationen?
Würzbach, Parl. Staatssekretär: Sie arbeiten auf
der Basis von zuverlässigen, auf unterschiedliche
Art und Weise gewonnenen Erkenntnissen, wobei
diese jeweils dadurch lebendig gemacht werden,
daß die Funktionsträger über möglichst viel
Erfahrung verfügen. Diese Erkenntnisse werden —
darauf kamen wir eben schon zu sprechen — durch
Besuche in den Vereinigten Staaten und durch
Informationen von hier abgerundet und
vervollständigt. Sicherlich wird noch eine lange Zeit
erforderlich sein, bis wir die zur Vorbereitung einer
Entscheidung nötigen Erkenntnisse — im Groben wie
im Detail — haben werden.
Vizepräsident Stücklen: Eine weitere Zusatzfrage.
Dr. Kübler (SPD): Herr Staatssekretär, haben
diese Gruppen Kritik geübt, weil sie den Eindruck
haben, nicht vollständig über die jetzigen
Absichten, Erkenntnisse und Erfahrungsstände informiert
zu werden?
Würzbach, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege, hier
ist kein Anlaß zur Kritik gegeben. Das, was an
Wissen in diesem breiten Feld vorhanden ist, ist uns
mitgeteilt worden und wird uns mitgeteilt.
Vizepräsident Stücklen: Eine weitere Zusatzfrage,
Herr Abgeordneter Stahl (Kempen).
Stahl (Kempen) (SPD): Herr Staatssekretär: Nun
hat der Herr Bundesforschungsminister durch
seinen Ministeriumssprecher auf Anfragen mitteilen
lassen — dies ist auch gedruckt —, daß er bzw. sein
Haus von dieser Forschung und den künftigen
Tätigkeiten in keiner Weise berührt ist und daß das
Forschungsministerium mit dem SDI-Programm
überhaupt nichts zu tun hat. Finden Sie nicht, daß
dies ein bißchen im Widerspruch zu dem steht, was
Sie hier eben ausgeführt haben?
Würzbach, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege
Stahl, ich sehe keinen Widerspruch. Ich habe Ihnen
geschildert, daß der Forschungsminister durch
entsprechende Experten in einer der Arbeitsgruppen
vertreten ist. Wäre dies nicht so, so wäre es auch
töricht — bei jederlei Betrachtung. Er ist in einer
der Arbeitsgruppen vertreten. Unter seiner
Federführung wird sich darüber hinaus in Kürze ein
Ausschuß konstituieren, der schwerpunktmäßig
Zukunftstechnologien und bestimmte Komponenten
hiervon, zumindest die von Eureka inbegriffen, zum
Gegenstand seiner Untersuchungen machen wird.
Vizepräsident Stücklen: Keine weiteren
Zusatzfragen.
Ich rufe die Frage 49 des Herrn Abgeordneten
Fischer (Homburg) auf:
Welche Mitglieder der Bundesregierung, Parlamentarische
Staatssekretäre und Staatsminister haben in der Zeit seit
der „Star-War-Rede" des US-Präsidenten im März 1983
Gespräche, Sondierungen, Verhandlungen oder ähnliches mit
offiziellen US-Regierungsstellen über Aspekte, Einzelheiten
und Konsequenzen der Beteiligung der Bundesrepublik
Deutschland an dem Forschungsprogramm zur
Strategischen Verteidungsinitiative der Vereinigten Staaten von
Amerika geführt, und welches sind die Ergebnisse?
Würzbach, Parl. Staatssekretär: Die
amerikanische Regierung und Verwaltung hat seit der Rede
des Präsidenten im März 1983 in den zuständigen
Gremien des Bündnisses auf Minister-, auf
Botschafterebene und auf vielen anderen Ebenen
sowie bilateral die Bündnispartner informiert.
Selbstverständlich wurde die Strategische
Verteidigungsinitiative auch in der Mehrzahl aller Gespräche mit
behandelt, die seit März 1983 zwischen Vertretern
der beiden Regierungen stattfanden.
Vizepräsident Stücklen: Zusatzfrage, bitte.
Fischer (Homburg) (SPD): Herr Staatssekretär,
ich habe ja eine konkrete Frage gestellt. Ich habe
gefragt, welche Mitglieder der Bundesregierung
diese Gespräche mit welchen Ergebnissen geführt
haben.
Würzbach, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege, Ihre
Frage ist so konkret — ich darf das einmal in
Erinnerung bringen —, daß Sie fragen, welche
Mitglieder der Bundesregierung — einschließlich der
Staatssekretäre und Staatsminister — Gespräche,
Verhandlungen geführt, Sondierungen o. ä.
vorgenommen hätten. Genauso könnte festgehalten
werden, daß ich mich — geplant oder zufällig —
irgendwo treffe oder daß ich irgendwo am Rande
einer anderen Veranstaltung stehe. Wir führen
keine Strichliste — wir beabsichtigen auch nicht,
dies zu tun —, um festzuhalten, wann der Kanzler
mit wem, der Minister mit wem, die Staatssekretäre
mit wem unter welchem Tagesordnungspunkt
welches Thema behandelt haben. Bei einer solch
wichtigen Frage wie dieser — die weit in die Zukunft
geht —, die uns alle — nicht nur die Politiker —
angeht, die alle Bereiche der Öffentlichkeit etwas
angeht, dürfen Sie wie wir davon ausgehen, daß
jeder Politiker — das ist nicht nur auf ein
bestimmtes Fachressort bezogen — jede Gelegenheit
gegenüber jedermann wahrnimmt, hier Gedanken
auszutauschen. Dies ist erfolgt.
Vizepräsident Stücklen: Eine weitere Zusatzfrage,
bitte.
Fischer (Homburg) (SPD): Herr Staatssekretär,
sind Sie vielleicht in der Lage, uns hier über die
Ergebnisse dieser Gespräche zu informieren?
Würzbach, Parl. Staatssekretär: Dies habe ich auf
Grund von Fragen mancher Ihrer Kollegen getan;
dies werden wir auch in Zukunft tun.
Vizepräsident Stücklen: Eine weitere Zusatzfrage,
Herr Abgeordneter von Bülow.
Dr. von Bülow (SPD): Herr Staatssekretär,
nachdem das SDI-Programm im Pentagon den
Spitznamen Some Dull Ideas bekommen hat und nachdem
der amerikanische Präsident vor seiner
Fernsehansprache und auch das Präsidialbüro keinerlei
Kontakt mit den für diese Forschungen zuständigen
Leuten im Pentagon aufgenommen hatte, frage ich
Sie, ob auf seiten der Bundesregierung
sichergestellt ist, daß kompetentere Partner, als in Amerika
zu Beginn am Werk waren, die Gespräche über SDI
führen.
Würzbach, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege, es
ist zweifelsfrei sichergestellt, daß kompetente
Partner von allen Alliierten an dieser wichtigen Sache
arbeiten.
Vizepräsident Stücklen: Weitere Zusatzfrage, Herr
Abgeordneter Stahl.
Stahl ( Kempen) (SPD): Herr Staatssekretär, nun
haben wir ja sicherlich Verständnis dafür, daß in
Ihrem Hause keine Strichliste geführt wird. Aber
ich darf Ihnen diesbezüglich doch eine Frage
stellen. Sie bezieht sich auf das, was Sie vorhin in
bezug auf den Bundesforschungsminister
geantwortet haben. Sie haben gesagt, er sei an der
Konzipierung und an der Erweiterung und an der
Prüfung der Angebote der USA zum SDI-Projekt
beteiligt; dabei haben Sie gleichzeitig auf Eureka
hingewiesen. Angesichts dessen darf ich Sie fragen, ob
Sie der Meinung sind, daß zwischen diesen beiden
in Aussicht genommenen Programmen irgend eine
Verbindung besteht und, wenn ja, an welcher Stelle
das der Fall ist.
Würzbach, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege, eine
Verbindung ist nicht ausgeschlossen, eine
Verbindung ist wünschenswert. Eine Verbindung zwischen
beiden Programmen wird von uns angestrebt. Die
konkrete Beschreibung des einen wie des anderen
Systems und erst recht die einer möglichen
Schnittstelle für eine Verbindung kann heute überhaupt
noch nicht gegeben werden.
Vizepräsident Stücklen: Eine weitere Zusatzfrage,
Abgeordneter Vosen.
Vosen (SPD): Herr Staatssekretär, Sie sprachen
von Strichlisten. Gibt es denn konkrete
Informationen oder ist bei der Bundesregierung registriert
worden, welche in der Bundesrepublik ansässigen
Firmen bei der Bundesregierung vorgesprochen
haben, um sich zu erkundigen, wie eine eventuelle
Beteiligung dieser Firmen an dem SDI-Programm
der Vereinigten Staaten aussehen könnte? Gibt es
solche Unterlagen? Haben Firmen vorgesprochen?
Was können Sie dazu sagen?
Würzbach, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege, es
gab ein erstes Gespräch unter Leitung des
Bundeskanzleramtes, zu dem einige Firmen eingeladen
worden waren. Es handelte sich um Firmen, die
Interesse hieran haben, die auch die technischen
Möglichkeiten und das Forschungswissen haben.
Auf der anderen Seite dürfte Ihnen die
Konstruktion der freien Marktwirtschaft bekannt sein, die in
unserem Lande gut funktioniert. Danach ist es der
Regierung untersagt, einzelne Firmen in der Form
abzufragen und listenmäßiges Wissen zu haben,
wonach Sie soeben im zweiten Teil Ihrer Frage
forschten.
Vizepräsident Stücklen: Eine weitere Zusatzfrage,
Herr Abgeordneter Soell.
Dr. Soell (SPD): Herr Staatssekretär, sind
diejenigen Beamten und Berater der Bundesregierung von
vornherein von der Beratung im Zusammenhang
mit dem SDI-Projekt ausgeschlossen, die den
Chancen auf Verwirklichung eines solchen Projekts auf
Grund ihrer politischen und strategischen
Erkenntnisse und Erfahrungen oder auf Grund ihrer
wissenschaftlichen Kenntnisse außerordentlich
skeptisch gegenüberstehen?
Würzbach, Parl. Staatssekretär: Das war kein
Merkmal bei der Zusammensetzung der
Expertengruppen.
Vizepräsident Stücklen: Eine weitere Zusatzfrage,
Herr Abgeordneter Heistermann.
Heistermann (SPD): Herr Staatssekretär, können
Sie grobe Angaben darüber machen, mit welchem
Mittelvolumen die Bundesregierung rechnet, wenn
sie zu der Entscheidung kommen sollte, sich am
SDI-Programm zu beteiligen, und gibt es schon eine
Absprache zwischen Bundesregierung einerseits
und Industrie andererseits?
Würzbach, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege, die
kann es noch gar nicht geben, weil die Eckdaten,
der Rahmen, die Möglichkeiten überhaupt noch
nicht erforscht sind. Deshalb füge ich noch einmal
hinzu: Es ist auch unverständlich, wenn eine
Gruppe in diesem Zusammenhang sagt: auf keinen
Fall.
Vizepräsident Stücklen: Eine letzte Zusatzfrage,
Herr Abgeordneter Kübler.
Dr. Kübler (SPD): Herr Staatssekretär, Sie
sprachen vorhin von Marktwirtschaft. Würden Sie die
Strukturen der Marktwirtschaft in diesem Bereich
als gegeben ansehen?
Würzbach, Parl. Staatssekretär: Das tue ich. Aber
ich habe meine Bemerkung auf eine andere Frage
bezogen, Herr Kollege. Täte die Bundesregierung in
diesem Zusammenhang nichts zur Koordination,
wüßte sie auch nicht, welche deutsche Firma mit
welchen Mitteln, mit welchen Möglichkeiten, mit
welchem Personal usw. an welchem Objekt oder
Detailobjekt mitarbeitet. Darauf hatte ich
hingewiesen.
Vizepräsident Stücklen: Wir sind am Ende der
Fragestunde.
Ich rufe den Zusatzpunkt der Tagesordnung auf:
Aktuelle Stunde
Abgasgrenzwerte schadstoffarmer Autos
Die Fraktion DIE GRÜNEN hat gemäß Nr. 1 c der
Anlage 5 unserer Geschäftsordnung eine Aktuelle
Stunde zu dem Thema Abgasgrenzwerte
schadstoffarmer Autos verlangt.
Ich eröffne die Aussprache.
(Vogel [München] [GRÜNE]: Wir haben ei
-
nen Antrag zur Geschäftsordnung!)
— Das ist jetzt zu spät. Wir sind in der Aktuellen
Stunde, die ich aufgerufen habe. Sie können jetzt
keinen Geschäftsordnungsantrag mehr stellen.
(Vogel [München] [GRÜNE]: Nach § 42 der
Geschäftsordnung wollen wir einen Antrag
stellen! Das muß doch möglich sein!)
— Nach § 42 dürfen Sie einen
Geschäftsordnungsantrag stellen.
Frau Eid (GRÜNE): Gemäß § 42 der
Geschäftsordnung beantragt die Fraktion der GRÜNEN, die
Herbeirufung des Herrn Bundeskanzlers zu
beschließen. Seine Anwesenheit erscheint uns
erforderlich, nachdem es in der zentralen Frage in den
letzten Wochen so viel Verunsicherung gegeben hat
und der Herr Bundeskanzler im Schwarzwald auch
gerade erst seine Betroffenheit über das
Waldsterben bekundet hat — genau an dem Tag, an dem in
Brüssel die Verwässerung der Werte verkündet
wurde.
(Beifall bei den GRÜNEN und bei
Abgeordneten der SPD)
Vizepräsident Stücklen: Zu diesem
Geschäftsordnungsantrag hat das Wort Herr Seiters. Bitte.
Seiters (CDU/CSU): Herr Präsident! Meine
Damen und Herren! Wir widersprechen diesem
Antrag. Auf der Regierungsbank sitzt der zuständige
Innenminister.
(Schäfer [Offenburg] [SPD]: Der ist
unzuständig!)
Weitere Kabinettsmitglieder sitzen auf der
Regierungsbank.
Wenn ich allein daran denke, daß von seiten der
GRÜNEN für diese Woche ursprünglich drei
Aktuelle Stunden angekündigt waren — für heute, für
morgen und für übermorgen — und jedesmal damit
gerechnet werden muß, daß der Bundeskanzler, der
auch noch andere wichtige Termine wahrzunehmen
hat, anwesend sein soll, dann macht das die
Absurdität dieses Antrages nur zu deutlich.
Ich beantrage, diesen Antrag abzulehnen.
Vizepräsident Stücklen: Keine weiteren
Wortmeldungen zur Geschäftsordnung.
Dann komme ich zur Abstimmung. Der Antrag ist
bekannt. Wer für diesen Antrag stimmt, den bitte
ich um das Handzeichen. — Gegenprobe! —
Enthaltungen? — Einige Enthaltungen. Die Mehrheit ist
allerdings nicht eindeutig festzustellen.
(Widerspruch bei den GRÜNEN und der
SPD — Schulte [Menden] [GRÜNE]: Sie
können doch bis 30 zählen!?)
— Meine Damen und Herren, ich kann nur eine
Feststellung über ein eindeutiges
Abstimmungsergebnis treffen. Das Präsidium wird sofort zählen
lassen, und zwar im Wege des Hammelsprungs;
denn eine andere Art der Auszählung gibt es nicht,
Herr Abgeordneter. Es könnte nicht schaden, wenn
man gelegentlich ein bißchen in die
Geschäftsordnung schaut.
Ich bitte, den Saal zu verlassen und die
Abstimmung durch Hammelsprung vorzunehmen.
Meine Damen und Herren, wir können noch nicht
beginnen: Zum einen müssen die, die noch im Saal
sind, diesen verlassen, zum anderen müssen die
Türen mit Schriftführern ordnungsgemäß besetzt
sein; ein Schriftführer genügt nicht. Ich brauche
noch drei Schriftführer: zwei von der SPD oder den
GRÜNEN und einen von der CDU/CSU oder der
FDP. Ich muß die Abstimmung so lange aussetzen,
bis die Türen ordnungsgemäß besetzt sind.
(Zuruf des Abg. Werner [Ulm] [CDU/
CSU])
— Ja, bitte, suchen Sie einmal. Herr Werner, Sie
können sich an der mittleren Tür gemeinsam mit
Herrn Lambinus zusammenfinden. — Also, rechts
haben wir jetzt eine ordnungsgemäße Besetzung,
ebenso in der Mitte. Aber es fehlt an der linken
Türe immer noch ein Schriftführer aus dem
Bereich der Opposition. Ich werde so lange warten, bis
dieser Schriftführer da ist. — Nun ist auch diese
Türe ordnungsgemäß besetzt. Ich bitte, die Türe
links zu schließen.
Jetzt können wir mit der Abstimmung beginnen.
Die Türen sind zu öffnen.
Meine Damen und Herren, ich befrage die
Schriftführer an den drei Türen, ob noch
Abgeordnete ihre Stimme abzugeben wünschen. — Das ist
nicht der Fall. Dann darf ich bitten, die Türen zu
schließen.
Bleiben Sie an den Türen, denn die Abstimmung
ist jetzt geschlossen. Es kann keiner mehr rein.
Meine Damen und Herren, ich gebe das
Abstimmungsergebnis des Hammelsprungs bekannt:
abgegebene Stimmen 259, von diesen haben mit Ja
gestimmt 107, mit Nein 149, Enthaltungen 3. Damit ist
dieser Antrag abgelehnt.
Das Wort hat Herr Schulte (Menden).
Bitte sehr.
Schulte (Menden) (GRÜNE): Herr Präsident!
Meine Damen und Herren!
(Starke Unruhe)
Vizepräsident Stücklen: Herr Abgeordneter, einen
Augenblick noch, bitte! Darf ich bitten, daß die
Damen und Herren, die an dieser Aktuellen Stunde
teilnehmen wollen, die Plätze einnehmen. Wer diese
Absicht nicht hat und in seine Ausschüsse
zurückkehren will, möge das bitte vollziehen. Das gilt für
alle Seiten des Hauses.
Warten Sie noch ein bißchen! Um so mehr Ruhe
haben Sie beim Reden. Ihre Zeit läuft noch nicht.
Herr Abgeordneter, bitte beginnen Sie.
Schulte (Menden) (GRÜNE): Meine Damen und
Herren, ich hätte mich gefreut, wenn viele
Abgeordnete hiergeblieben wären; denn es geht hier um ein
lebenswichtiges Thema.
(Beifall bei den GRÜNEN)
Die GRÜNEN im Bundestag haben diese
Aktuelle Stunde beantragt, weil es für meine Fraktion
und die Bevölkerung völlig unfaßbar ist, daß
draußen Tag für Tag die Wälder sterben und diese
Regierung hier so tut, als könne man auch diese Frage
durch Aussitzen erledigen.
(Zuruf von den GRÜNEN: So ist es!)
Meine Damen und Herren, diese Regierung hat
beim drängendsten umweltpolitischen Problem, der
Bekämpfung des Waldsterbens, auf der ganzen
Linie kläglichst versagt.
(Beifall bei den GRÜNEN)
Erst eine völlig unzureichende
Großfeuerungsanlagen-Verordnung, dann der Dreckschleuderskandal
Buschhaus und nun diese niederschmetternden
Ergebnisse von Brüssel. Diese weitere Niederlage in
der Umweltpolitik paßt zwar genau in die
Pannenchronik der Kanzler-Kohl-Ära, übertrifft allerdings
die bisherigen Skandale bei weitem;
(Beifall bei den GRÜNEN)
denn mit den am vorigen Mittwoch
bekanntgewordenen EG-Abgasgrenzwerten werden die giftigen
Stickoxidemissionen bis 1993 noch ansteigen. Selbst
im Jahre 2000 wird die Stickoxidabgasminderung
nur ein Viertel des technisch Machbaren betragen.
Damit kalkuliert diese Regierung kaltschnäuzig
den Tod unserer Wälder ein.
(Beifall bei den GRÜNEN — Werner [Ulm]
[CDU/CSU]: Das ist doch eine Frechheit,
eine glatte Frechheit! — Weiterer Zuruf
von der CDU/CSU: Unverschämt!)
Meine Damen und Herren, es macht mir und
vielen Bürgern Angst, wenn das wirkliche Ausmaß der
Naturzerstörung von den Regierenden überhaupt
nicht zur Kenntnis genommen wird, genausowenig
wie die Tatsache, daß nicht nur die Wälder sterben,
sondern die ganze Natur vor die Hunde geht und
letztlich sogar Menschen, kleine Kinder, an der
Luftverschmutzung sterben.
(Beifall bei den GRÜNEN)
Wenn schon Lobbypolitikern à la Kohl und
Zimmermann jedes Gespür für die intakte Natur sowie
für die Ängste betroffener Bürger abhanden
gekommen ist, sollte man doch wenigstens annehmen,
ihre Politik würde der Wirtschaft nutzen. Im
Gegenteil. Das Unterlassen von
Luftreinhaltungsmaßnahmen führt zu jährlichen volkswirtschaftlichen
Verlusten in zweistelliger Milliardenhöhe. Und der
fruchtlose Eiertanz in der Katalysatorfrage beutelt
die Automobilindustrie. Somit hat diese CDU/CSU/
FDP-Schadstoffkoalition
(Dr. Laufs [CDU/CSU]: Sie sind besonders
geistvoll, heute!)
das einzigartige Kunststück vollbracht, sich
gleichzeitig bei den Umweltschützern unbeliebt gemacht
und bei den Automobilbossen alles verscherzt zu
haben.
(Duve [SPD]: Abgas-Regierung!)
Die soziale Komponente Ihrer Pro-Waldsterben-Po
-
litik wird im übrigen zu einem rigorosen Arbeits
platzabbau in der Forstwirtschaft und beim
Fremdenverkehr führen.
Seit Jahren werden konsequente, sofort
wirksame und lebensnotwendige Gegenmaßnahmen
von Bürgerinitiativen, GRÜNEN und
Umweltschützern gefordert.
(Frau Hürland [CDU/CSU]: Mit welchem
Auto fahren Sie denn?)
Hätte man rechtzeitig eine wirkliche
Energiesparpolitik betrieben, alte Kohledreckschleudern
stillgelegt und die öffentlichen Verkehrsmittel gefördert,
anstatt Milliarden DM für den Straßenbau
auszugeben, brauchten wir uns heute weniger Sorgen um
Mensch und Natur zu machen.
(Beifall bei den GRÜNEN)
Jetzt ist die Sofortmaßnahme Geschwindigkeits -
begrenzung der letzte Rettungsring für unseren
Wald.
(Zuruf von der CDU/CSU: So ein Unsinn!
— Weiterer Zuruf von der CDU/CSU: Das
glaubt nicht mal der TÜV, was Sie da er
zählen!)
Hören Sie auf
(Zurufe von der CDU/CSU: Ja!)
mit Ankündigungen und Großversuchen, und
ersetzen Sie Ihr nicht mehr zu ertragendes
Umweltgequatsche durch Handeln.
(Zustimmung bei den GRÜNEN)
Wenn in einigen Jahrzehnten der letzte Baum in
der Bundesrepublik gestorben sein wird, Böden
unfruchtbar versauert sein werden und das
Trinkwasser knapp geworden sein wird, werden unsere
Kinder als Steppenbewohner die heute
verantwortlichen, besser gesagt: verantwortungslosen Politiker
und besonders diese Regierung verfluchen. Herr
Zimmermann, Sie tragen die volle Verantwortung.
Treten Sie zurück, noch heute!
(Beifall bei den GRÜNEN — Lachen bei
der CDU/CSU)
Sie, Herr Waldsterben-Minister, unterscheiden sich
nicht mehr von Ihrem Kanzler, dem Sie
Führungsschwäche vorgeworfen haben. Sie sind ein
umweltpolitischer Gernegroß. Sie sollten zusammen mit
Ihrem Kanzler das Weite suchen.
Danke schön.
(Beifall bei den GRÜNEN — Zurufe von
der CDU/CSU)
Vizepräsident Stücklen: Das Wort hat der Herr
Abgeordnete Lippold.
Dr. Lippold (CDU/CSU): Herr Präsident! Meine
sehr geehrten Damen und Herren! Der
Bundeskanzler ist in Berlin; er leistet dort unverzichtbare
Arbeit. Die GRÜNEN selbst haben gerade belegt,
daß es völlig unnötig gewesen wäre, ihn hierher zu
holen. Zu dem, weshalb Sie die Aktuelle Stunde
beantragt haben, haben Sie keinen einzigen Ton
gesagt. Sie wiederholen jetzt nur die Mätzchen, die
die erste Gruppe vor den Rotierern bereits gemacht
hat. Das ist keine sachliche Arbeit.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Bei Ihnen kann ich noch verstehen, daß Sie diese
Mätzchen machen, aber daß Sie, Herr Hauff, von
der SPD, diese kindlichen Spielereien mitmachen,
ist echt unverständlich.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
Denn wenn Sie, Herr Hauff, seinerzeit gearbeitet
hätten, dann wären diese Diskussionen heute
unnötig, dann brauchten wir diese Aktuelle Stunde heute
nicht. Dann könnten wir uns weiteren Problemen
widmen. Wir müssen das, was Sie hinterlassen
haben, aufarbeiten.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Es wäre auch jetzt besser, Herr Hauff, Sie würden
arbeiten, statt diese Mätzchen hier zu machen;
denn bislang liegt von der SPD kein tragfähiges
Konzept vor, das besser als das wäre, das in dieser
Bundesregierung unter Mitwirkung des
Bundesinnenministers erarbeitet worden ist.
(Antretter [SPD]: Das ist sogar dem
Minister peinlich!)
Sie haben bislang nur Bruchstücke vorgelegt, die
Sie selbst noch nicht vertieft haben. Heute ist nicht
deutlich, was Sie machen wollen und wie Sie es tun
werden. Das wollte ich ganz kurz zur Einführung
sagen.
(Beifall bei der CDU/CSU — Antretter
[SPD]: Da lacht Ihr eigener Minister!
Zurufe von den GRÜNEN)
Meine sehr geehrten Damen und Herren, die
Situation stellt sich wie folgt dar. Bedauerlicherweise
ist das Umweltbewußtsein in Europa nicht so weit
entwickelt, wie unser Umweltbewußtsein
entwikkelt ist.
(Zurufe von den GRÜNEN)
Die Notwendigkeit zu einer konsequenten
Umweltpolitik wird nicht so gesehen, wie sie bei uns
gesehen und wie bei uns gehandelt wird.
(Zuruf von den GRÜNEN: Wo denn?)
Das machen die ersten Handlungen dieser
Regierung zur TA Luft, das macht das Bundes-
Immissionsschutzgesetz, das macht die
Großfeuerungsanlagen-Verordnung deutlich. Vor diesem schwierigen
Hintergrund der Verhandlungen in Brüssel frage
ich: Wie sind die Vorschläge, die jetzt vorliegen, zu
werten?
Ich komme zu folgenden Aussagen.
Erstens. Die derzeit geltenden Grenzwerte für
Mittelklassewagen und für die Wagen über 2 Liter
Hubraum werden durch die jetzt von der
Kommission vorgelegten Werte deutlich unterschritten.
(Zuruf von den GRÜNEN)
Zweitens. Auch die von der früheren
Bundesregierung, Herr Hauff, von Ihnen, in den
Zielprojektionen vorgelegten Zielwerte werden ebenso
deutlich durch diese Grenzwerte unterschritten.
Drittens. Die Grenzwerte bei den Modellen über 2
Liter Hubraum sind so scharf, daß nach Aussagen
der Automobilindustrie bei ihrer Einhaltung
Probleme bestehen.
Viertens. Die Grenzwerte für Mittelklassewagen
— um das ganz deutlich zu sagen —, die die
Kommission jetzt vorgelegt hat, entsprechen nicht
unseren Vorstellungen. Ich unterstreiche das hier ganz
deutlich.
Wir ziehen daraus folgende Konsequenzen:
Erstens. Die für die Mittelklasse vorgeschlagenen
und von den Briten übrigens für noch zu niedrig
gehaltenen Werte werden von uns nicht akzeptiert.
Zweitens. Wir unterstützen die Bundesregierung
und den Bundesinnenminister voll und mit allem
Nachdruck in ihrem Verhandlungsziel, hier
deutliche Verbesserungen zu erreichen und das
angestrebte Ziel sicherzustellen.
(Schulte [Menden] [GRÜNE]: Was ist denn
das Ziel?)
Drittens. Wir unterstreichen noch einmal, daß für
uns die Grenzwerte entscheidend sind
(Dr. Hauff [SPD]: Welche?)
— das ist für die Gespräche in der Kommission
wichtig — und daß wir nicht auf Technologien
abstellen. — Ich meine die Grenzwerte, über die wir
diskutiert haben.
(Lachen bei der SPD)
Viertens. Auf dem Weg zum umweltfreundlichen
Auto haben wir durch unser Drängen in der EG
erreicht,
(Zurufe von den GRÜNEN)
daß die Gemeinschaft wesentlich weiter
vorangeschritten ist, als wir alle das erwartet hatten. Wir
werden flächendeckend in Europa weniger
Schadstoffemissionen der Autos, bleifreies Benzin und die
Möglichkeit der Nachrüstung von Altwagen haben.
(Schulte [Menden] [GRÜNE]: Im nächsten
Jahrtausend!)
Aber wir werden dies nur haben, wenn wir diese
Politik gemeinsam und im Konsens mit der EG
durchsetzen. Deshalb ist auch in Zukunft ein
gemeinsames, ein abgestimmtes Fortschreiten
unverzichtbar. Wir können keinen Handelskrieg
brauchen.
(Zurufe von der SPD und den GRÜNEN)
Ich sage darüber hinaus auch ganz deutlich, daß
unsere Position in Brüssel um so wirkungsvoller
vertreten wird, je geschlossener sie vertreten wird.
Wenn sie mit untauglichen Rezepten in Frage
gestellt wird, hilft uns das allen nicht.
Es ist natürlich untauglich — damit komme ich
zu Ihnen, Herr Hauff —, wenn von Ihnen wieder
von Kaufbeihilfen gesprochen wird. Es ist ganz
deutlich zu sagen: Das Steuerkonzept, das hier
erarbeitet wurde, ist von der EG-Kommission in Brüssel
genehmigt.
(Zurufe von der SPD)
Wir sind damit wieder einen wesentlichen Schritt
weiter. Es ist unverantwortlich, es jetzt wieder
durch solche untauglichen Diskussionen zur
Kaufbeihilfe in Frage zu stellen. Die Kaufbeihilfe wäre
erstens nicht von der EG akzeptiert, zweitens hätte
ihr Vollzug unlösbare Probleme. Sie wissen das, Sie
fordern es trotzdem. Ich sage ganz offen: Das ist
unverantwortlich.
Das zweite, was Sie jetzt wiederum bringen, ist
die Frage der Mineralölsteuerspreizung. Auch
hierzu haben wir deutlich gesagt: Das ist nicht
mehr zu erreichen, das ist nicht zu kontrollieren.
Beides zusammen ergibt kein wirksames
Maßnahmenbündel. Auch das Tempolimit wird in seiner
Effizienz völlig in Frage gestellt.
Vizepräsident Stücklen: Herr Abgeordneter, die
Redezeit ist abgelaufen. Bitte enden Sie.
Dr. Lippold (CDU/CSU): Weil die von Ihnen
vorgesehenen Mittel nicht greifen, sagen wir: Wir
unterstützen voll die Bundesregierung, wir unterstützen
voll den Bundesinnenminister auf seinem
schwierigen Weg jetzt in Brüssel.
Ich bedanke mich.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
Vizepräsident Stücklen: Das Wort hat der Herr
Abgeordnete Hauff.
Dr. Hauff (SPD): Herr Präsident! Meine sehr
verehrten Damen und Herren! Herr Lippold, ich finde
es schön, daß Sie die vorige Regierung kritisieren
und daß Sie auch Ihren jetzigen Koalitionspartner
kritisieren, denn federführend in dieser Frage ist
und bleibt das Bundesinnenministerium.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD — Broll
[CDU/CSU]: Da gab es doch einmal einen
Verkehrsminister Hauff!)
Das ist der Umgang untereinander.
Ich möchte diese Regierung nicht an
irgendwelchen abstrakten Aussagen, sondern daran messen,
was sie selber öffentlich erklärt hat. Das ist und
bleibt der legitime Maßstab, um Kontrolle über eine
Regierung auszuüben.
(Beifall bei der SPD)
Diese Regierung, dieser Bundesinnenminister hat
vor drei Monaten an diesem Pult erklärt, daß jetzt
eine Jahrhundertentscheidung erfolgt ist, daß das
der umweltpolitische Durchbruch ist, der da
erreicht wurde,
(Broll [CDU/CSU]: Recht hat er!)
daß der gordische Knoten durchschlagen wurde
und daß es lediglich noch ein technisches Problem
sei, die US-Grenzwerte in Europa durchzusetzen.
Das waren die Aussagen, und daran messe ich die
Regierung, an nichts anderem.
(Fellner [CDU/CSU]: Wart's doch ab!)
Wenn ich sie daran messe, dann sage ich: Das, was
jetzt passiert ist, zeigt, daß diese Bundesregierung
das Parlament und die Öffentlichkeit getäuscht hat.
Das ist die Tatsache.
(Beifall bei der SPD und den GRÜNEN)
Ich wundere mich, warum diese Regierung das
Protokoll, das mittlerweile vorliegt und das darüber
Auskunft gibt, was damals als
„Jahrhundertentscheidung" beschlossen worden ist, so lange
verheimlicht hat.
(Hornung [CDU/CSU]: Hätten Sie nur ein
-
mal einen Bruchteil davon beschlossen!)
Da heißt es auf Seite 4 nämlich wörtlich:
Die europäischen Normen sollen zu
vertretbaren Kosten und mit verschiedenen technischen
Mitteln erreicht werden. Die europäischen
Normen sollten durch einfache
Magerverbrennungsverfahren erreichbar sein.
Meine Damen und Herren, jedermann, der sich
auch nur fünf Minuten ernsthaft mit diesem Thema
beschäftigt hat, weiß, daß die US-Grenzwerte heute
nur mit dem Dreiwegkatalysator zu erreichen sind.
Insofern war das eine Täuschung,
(Beifall bei der SPD)
und zwar eine bewußte und vorsätzliche
Täuschung, die hier vorgenommen wurde.
(Broll [CDU/CSU]: Was haben Sie denn
früher zum Katalysator gesagt?)
Das, was wir mit dem vorliegenden Konzept
erreichen, bedeutet eine Verschlechterung gegenüber
den US-Grenzwerten um den Faktor 3. So
unangenehm Ihnen das sein mag: Das ist um den Faktor 3
schlechter als das, was diese Regierung selbst
angekündigt hat. Das, was da passiert, ist ein Skandal.
Wenn Buschhaus vielleicht noch etwas war, was
man als Panne bezeichnen könnte, so ist das, was
hier passiert, eine politische Täuschung des
Parlaments.
(Beifall bei der SPD und den GRÜNEN)
Wir glauben Ihnen, Herr Zimmermann, nach all
Ihren Ankündigungen auf diesem Gebiet kein Wort
mehr.
(Beifall bei der SPD und den GRÜNEN)
Keine einzige Ihrer eigenen Ankündigungen haben
Sie eingehalten. Statt am von Ihnen angekündigten
Termin 1. Januar 1986 landen wir jetzt im Jahre
1994. Statt der von Ihnen angekündigten 90 %igen
Schadstoffreduktion bekommen wir jetzt eine, die
zwischen 35 und 50 % liegt. Statt eines wirklichen
Anreizes zum Kauf eines umweltfreundlichen
Autos haben wir in unserem Land jetzt ein
Steuergesetz, das man jetzt schon wieder in den
Papierkorb werfen kann, weil es nichts wert ist.
Sie haben nicht nur der Umwelt geschadet, Herr
Zimmermann, auch die Automobilindustrie ist total
verunsichert, weil es ein Zickzackkurs ist, den diese
Regierung fährt; heute hü und morgen hott. Von
einer Investitionsruine von einer Milliarde Mark
wird gesprochen, die diese Bundesregierung zu
verantworten hat. Es wird davon gesprochen, daß sie
durch den Schlingerkurs in den Sand gesetzt
wurden, daß Sie — so wörtlich ein Vertreter der
Automobilindustrie —, den Aufschwung, der dort zu
verzeichnen war, gebremst haben. Das sind die Folgen
Ihrer Politik.
Auch europapolitisch ist der Schaden, den der
Bundesinnenminister und den der Bundeskanzler
angerichtet haben, nicht klein. Die
Bundesregierung hat mit Vorsatz europapolitisch den Eindruck
erweckt — von SDI über die Agrarpreise bis zur
Umweltpolitik —,
(Hornung [CDU/CSU]: Was hat denn das
damit zu tun? Das ist doch der größte
Unsinn, den Sie da erzählen!)
daß sie in Europa eine unkalkulierbare Größe ist,
auf die sich niemand wirklich verlassen kann.
Deswegen ist die Kluft in Europa größer geworden. Vor
allen Dingen hat die europapolitisch entscheidende
Frage der Zusammenarbeit zwischen Paris und
Bonn großen Schaden genommen
(Hornung [CDU/CSU]: Das hätten Sie wohl
gern!)
durch die Art, wie diese Regierung damit
umgegangen ist. Die Verantwortung für dieses Verhalten der
Bundesregierung trägt der Bundeskanzler,
niemand sonst.
(Zustimmung bei der SPD)
Mit ihrer Europapolitik hat sich die
Bundesregierung mittlerweile zwischen alle Stühle gesetzt.
Unsere Partner in Europa sind verärgert, und sie
lassen uns das jetzt spüren. Das deutsche Volk und der
deutsche Wald müssen jetzt den Preis für eine
unfähige Bundesregierung zahlen; das ist die Folge, die
sich daraus ergibt.
(Zustimmung bei Abgeordneten der SPD
— Widerspruch bei der CDU/CSU)
— Das ärgert Sie; das verstehe ich. — Helmut
Schmidt hat schon im Zusammenhang mit dem
Weltwirtschaftsgipfel von einer Summierung von
Divergenzen zwischen Paris und Bonn gesprochen.
Dies hat mittlerweile ein bedrohliches Ausmaß
erreicht.
(Zurufe von der CDU/CSU)
Vizepräsident Stücklen: Herr Abgeordneter,
kommen Sie bitte zum Schlußsatz!
Dr. Hauff (SPD): Deswegen fordern wir die
Bundesregierung auf, spätestens auf dem Mailänder
Gipfel dafür zu sorgen, daß das, was sie
umweltpolitisch angekündigt hat, auch Wirklichkeit wird, denn
der schönen Worte sind genug gewechselt; es ist
Zeit, daß Taten folgen.
(Beifall bei der SPD und bei Abgeordneten
der GRÜNEN)
Vizepräsident Stücklen: Das Wort hat der Herr
Abgeordnete Hoffie.
Hoffie (FDP): Herr Präsident! Meine Damen und
Herren! Manches von dem, was hier an Kritik
geäußert worden ist, wäre in der Tat berechtigt, wenn
die Bundesregierung im EG-Umweltministerrat
oder beim europäischen Gipfel in Mailand
endgültig mit dem Versuch gescheitert wäre oder
scheitern würde, die Gleichwertigkeit der
Europanormen und der strengen US-Abgasgrenzwerte zu
erreichen.
(Zurufe von der SPD)
Meine Damen und Herren, niemand kann von
Ihnen verlangen, daß Sie der Regierung in dieser
Frage Erfolg wünschen.
(Dr. Hauff [SPD]: Doch! — Schäfer [Offen
-
burg] [SPD]: Doch, das haben wir immer
getan!)
— Sie tun das ja auch nicht, indem Sie zur
Kaufzurückhaltung aufrufen und indem Sie hier hämisch
Freude darüber verbreiten, daß die
Bundesregierung wegen des europäischen Widerstands
zunehmend in Schwierigkeiten kommt, statt daß Sie
Beiträge dazu leisten, daß wir bessere Erfolge haben.
(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)
Ich sage Ihnen: Mit dem, was Sie hier an Anklage
und Schuldzuweisung veranstalten, retten Sie nicht
einen einzigen Baum, verkauft die Industrie nicht
ein einziges Katalysatorauto mehr, wird kein
einziger Arbeitsplatz erhalten oder mehr geschaffen,
wird nichts von den Milliarden an
Investitionskosten für die Katalysatortechnik gesichert.
Das genaue Gegenteil ist der Fall:
(Zurufe von den GRÜNEN)
Mit Ihrer Kampagne, die ja kein „closed shop" ist,
sondern sich in Europa herumspricht und
nachgelesen wird, liefern Sie den Gegnern wirksamen
Umweltschutzes in ganz Europa die Munition
(Zurufe von der SPD)
für eine breite Abwehrschlacht gegen die schnelle
Einführung des schadstoffarmen Autos,
(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU —
Widerspruch bei der SPD und den
GRÜNEN)
und Sie, meine Damen und Herren, handeln damit
gegen die wichtigen Interessen unseres Landes und
seiner Bürger. Sie erweisen damit dem
Umweltschutz einen Bärendienst.
(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)
Herr Schulte, wenn Sie vorhin von bestimmten
Koalitionen gesprochen haben, so sage ich Ihnen:
Das ist Ihre Schadensopposition!
(Zuruf von der CDU/CSU: So ist das!)
Wenn Sie genauer hinschauen und ehrlich sind,
so sind das „Versagen" und der „Dilettantismus",
den Sie uns hier vorwerfen,
(Duve [SPD]: Zu Recht vorwerfen!)
in Wahrheit das Versagen Europas und seiner
vielbeschworenen Einigung selbst dort,
(Zuruf von der SPD: Veto!)
wo es nicht um handfeste nationalstaatliche
Interessen, sondern um die Gesundheit aller Bürger und
aller Wälder in Europa geht.
(Zurufe von der SPD und den GRÜNEN)
Nun wollen wir einmal zu den Überlegungen
kommen, wer eigentlich was wollte. Da frage ich
zunächst mit Blick auf meine Fraktion: Wo würden
wir heute eigentlich stehen, wenn es nicht einmal
gelungen wäre, gegen erhebliche Widerstände
wenigstens die FDP-Forderung nach einem Vorziehen
der Katalysatorpflicht zumindest in der Klasse
über zwei Liter durchzusetzen,
(Lachen bei der SPD und den GRÜNEN)
und wo würden wir stehen, wenn wir nicht darauf
gedrungen hätten, Diesel-, Flüssiggas- und
Elektrofahrzeuge mit einzubeziehen, wenn wir nicht auf
einer Verdoppelung der Mineralölsteuerspreizung
bestanden hätten, wenn wir nicht auch gegen Ihren
Widerstand darauf bestanden hätten, die freiwillige
— jetzt verpflichtende —
Abgassonderuntersuchung — die sich bewährt hat, meine Damen und
Herren — einzuführen?
Genauso frage ich: Wo würden wir stehen, wenn
wir Ihren Konzeptionen, den Konzeptionen von
SPD und GRÜNEN, gefolgt wären?
(Zurufe von der SPD und den GRÜNEN:
Besser!)
Nationaler Alleingang,
(Zurufe von der SPD: Herr Zimmermann!)
allgemeines Tempolimit! Ich richte an die Adresse
aller die Frage,
(Schäfer [Offenburg] [SPD]: Auch
selbstkritisch?)
wo wir dann heute stehen würden!
Noch einmal, das hätte bedeutet: Niederlage vor
dem Europäischen Gerichtshof, deutscher
Handelskrieg in Europa, Verschieben einer
gesamteuropäischen Lösung auf den Sanktnimmerleinstag und
damit noch größere Kaufzurückhaltung,
Exportprobleme, Arbeitsplatzverluste auf breiter Front,
weniger Umweltschutz, mehr Waldsterben in ganz
Europa. Das wäre der Umweltpreis der Opposition.
Deswegen sage ich: Es kommt jetzt darauf an,
daß Sie Ihre Unterstützung für das aufmachen, was
in Europa noch gesichert und verbessert werden
muß. Dafür brauchen wir Ihre Unterstützung, nicht
aber eine Gegenkampagne. Wir brauchen Ihre
Unterstützung für flankierende Maßnahmen, die wir
in eigener Verantwortung durchführen können, die
ich hier Monat für Monat wiederhole, für die wir
Sie bisher noch nicht gewonnen haben. Ich bin froh,
daß der Bundesinnenminister schon erklärt hat:
„Über das Verkaufsverbot für verbleites
Normalbenzin kann man reden." Das ist der vernünftigste
flankierende Weg.
(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU —
Zurufe von den GRÜNEN)
Ich sage zweitens: Es ist wichtig, daß wir uns
darauf verständigen, daß ein generelles Tempolimit
kontraproduktiv ist. Wenn der Großversuch dafür
spricht, daß durch Temporeduzierung etwas
erreichbar ist,
(Zurufe von den GRÜNEN)
dann muß Tempolimit mehr bringen als nur
Schadstoffreduzierung —
Vizepräsident Stücklen: Herr Abgeordneter,
kommen Sie zum Schlußwort.
Hoffie: (FDP): — sondern dann muß dieses einen
Beitrag dazu leisten, daß schneller von der alten auf
die neue Technik umgestiegen wird. Diesen Anreiz
brauchen wir. Tragen Sie dazu bei.
Vizepräsident Stücklen: Herr Abgeordneter
Hoffie — —
Hoffie (FDP): Helfen Sie dieser Regierung auf
diesem Weg!
Herzlichen Dank.
(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU —
Schäfer [Offenburg] [SPD]: Verzweifelter
Beifall! — Zurufe von den GRÜNEN)
Vizepräsident Stücklen: Das Wort hat der
Bundesminister des Innern.
(Zuruf von den GRÜNEN: Hoffentlich
heute das letzte Mal!)
Dr. Zimmermann, Bundesminister des Innern:
Herr Präsident! Meine Damen und Herren!
Nachdem der EG-Umweltrat am 20. März 1985 eine
grundsätzliche Einigung über die Einführung des
umweltfreundlichen Autos erzielen konnte, hat die
EG-Kommission nunmehr nach einem längeren
Entscheidungsprozeß Grenzwertvorschläge
vorgelegt, die nach ihrer Auffassung in den
Umweltauswirkungen US-gleichwertig sind. Da in der
öffentlichen Diskussion in der Zwischenzeit viel
Unzutreffendes erklärt worden ist, möchte ich die
Gelegenheit nutzen, folgendes klarzustellen:
Erstens. Die derzeit geltenden Grenzwerte für
Kohlenwasserstoffe und Stickoxide würden durch
diese Vorschläge der Kommission bei der
Mittelklasse um über 60 % und bei den Wagen über 2 Liter
sogar um ca. 75 % verschärft. Die
Grenzwertvorschläge der EG-Kommission stellen daher einen
wichtigen Schritt in die richtige Richtung dar.
(Zuruf von den GRÜNEN: Und der Zeit
-
punkt der Einführung?)
Zweitens. Die von der Kommission
vorgeschlagenen Grenzwerte sind wesentlich schärfer als das,
was die frühere Bundesregierung 1981 und 1982 zur
Verwirklichung ihres Umweltprogramms als
Zielwert gefordert, aber in einem ganzen Jahrzehnt
nicht durchgesetzt hat. Ich habe das
Kabinettsprotokoll vom 1. September 1982, das darüber
erschöpfend Auskunft gibt, vor dieser Sitzung noch einmal
Wort für Wort gelesen.
In Zahlen: Die vorgeschlagenen Grenzwerte für
die größeren Fahrzeuge sind um 35 %, die
Grenzwerte für die Mittelklasse um 20 % schärfer als die
Zielwerte der früheren Bundesregierung.
Drittens. Die Grenzwertvorschläge führen bei
Fahrzeugen über 1,4 Liter im Regelfall zum Einsatz
teils des geregelten, teils des ungeregelten
Katalysators. Damit ist klar, daß bleifreies Benzin, mit
dessen Hilfe wir im übrigen die Bleibelastung der
Umwelt insgesamt verringern wollen, zur
Einhaltung der vorgeschlagenen Grenzwerte zwingend
erforderlich ist.
Viertens. Bei Fahrzeugen über 2 Liter führen die
von der EG-Kommission vorgeschlagenen
Grenzwerte nach der Stellungnahme der deutschen
Automobilhersteller zum Einsatz des geregelten
Dreiwegkatalysators. Die vorgeschlagenen Grenzwerte
sind so scharf, daß ihre Einhaltung bei einigen
Modellen sogar bei Einsatz der besten zur Zeit
verfügbaren Abgasreinigungstechnologie erhebliche
Probleme bereitet.
(Zuruf des Abg. Schäfer [Offenburg]
[SPD])
Fünftens. Die Bundesregierung wird sich
dennoch mit Nachdruck für eine weitere Verbesserung
der von der Kommission vorgeschlagenen
Grenzwerte für die Mittelklasse einsetzen. Wie Sie
wissen, bestehen hier allerdings erhebliche
Meinungsverschiedenheiten, die so weit gehen, daß der
britische Handelsminister gestern erklärt hat: Billige
Autos sind für Großbritannien wichtiger als
Umweltschutz. Sie sehen, wie die Positionen sind.
(Zurufe von der SPD und den GRÜNEN)
Die britische Regierung hat erklärt, die
Grenzwertvorschläge der Kommission seien für sie geradezu
unannehmbar.
(Zuruf von den GRÜNEN)
Für die Briten ist die Anwendbarkeit des
Magerprinzips für die Mittelklasse entscheidend.
Auch wir wollen das Magerprinzip mit
Oxidationskatalysator nicht ausschließen - es gibt
keinen Grund dazu —, weil das Magerprinzip mit
Oxidationskatalysator in der künftigen Entwicklung
ebenfalls zu der angestrebten
Schadstoffreduzierung führen kann.
(Schulte [Menden] [GRÜNE]: Aber nicht zu
der notwendigen! Das ist der Punkt!)
Dies entspricht im übrigen auch dem Prinzip der
Bundesregierung, nicht bestimmte Technologien,
sondern Grenzwerte zur Schadstoffreduzierung
festzulegen.
(Schmidt [Hamburg-Neustadt] [GRÜNE]:
Zu hohe Grenzwerte!)
Ein abschließendes Wort an Sie, meine Damen
und Herren von der SPD. Ich habe in letzter Zeit
den Eindruck, daß Sie im Eifer des politischen
Gefechts die Tatsache übersehen, daß Sie mit Ihren
Angriffen auf die Kraftfahrzeugabgaspolitik der
Bundesregierumg dem deutschen Interesse
Schaden zufügen. Es sind doch unsere EG-Partner mit
eigener Automobilproduktion,
(Dr. Hauff [SPD]: Ich dachte, es wäre ein
Durchbruch!)
bei denen Leute entlassen werden. Über die
deutschen Hersteller können Sie lesen, daß neue
eingestellt werden. Das zu der Kritik an der deutschen
Automobilindustrie.
(Zuruf von den GRÜNEN: Ist deutsches In
-
teresse gleich Autointeresse?)
Es sind doch unsere EG-Partner mit eigener
Automobilproduktion, denen nur unendlich
mühsam Zugeständnisse abgerungen werden können.
Im Umweltministerrat der Europäischen
Gemeinschaft hat man manchmal den Eindruck, man sitze
nicht im Umwelt-, sondern im Industrierat der
Europäischen Gemeinschaft.
(Zuruf von den GRÜNEN: Und Sie sitzen
mitten drin!)
Die SPD müßte doch aus den Erfahrungen ihrer
eigenen Regierungszeit gelernt haben, in der sie
während eines ganzen Jahrzehnts nicht einmal ihre
wesentlich bescheideneren Umweltziele in Brüssel
durchgesetzt hat, wie schwierig der Brüsseler Weg
ist.
(Zurufe von der SPD und den GRÜNEN)
Die Verhandlungsposition der Bundesregierung bei
ihrem mühsamen Weg in Richtung auf eine
akzeptable Einigung der Gemeinschaft durch vorschnelle
Kritik zu schwächen, anstatt an die anderen EG-
Staaten zu appellieren, ist wahrhaftig keine Hilfe,
sondern das Gegenteil.
(Duve [SPD]: Durch unsere Kritik haben
wir Sie gestärkt!)
Meine Damen und Herren, ich rufe Sie alle zu
einer gemeinsamen Anstrengung für die, wie ich
doch annehmen darf, gemeinsame Sache des
umweltfreundlichen Autos auf.
(Beifall bei der CDU/CSU — Dr. Hauff
[SPD]: Jetzt, wo die Karre im Dreck ist! —
Schulte [Menden] [GRÜNE]: Zimmermann
erspart die Axt im Walde!)
Vizepräsident Stücklen: Frau Abgeordnete Hönes,
Sie haben das Wort. Sie kennen die Restredezeit,
die für Sie noch zur Verfügung steht? — 30
Sekunden.
Frau Hönes (GRÜNE): Herr Präsident! Meine
Damen und Herren! Diese pädagogischen
Maßnahmen, die Sie hier versuchen anzuwenden, sind
absolut lächerlich und entsprechen in keiner Weise der
modernen Pädagogik.
Sie könnten noch etwas dazulernen: Eine
Auseinandersetzung mit einer Gruppe, die einem politisch
nicht angenehm ist, sucht man besser im
Inhaltlichen.
Ich bedanke mich.
(Beifall bei den GRÜNEN)
Vizepräsident Stücklen: Das Wort hat der
Abgeordnete Schmidbauer.
Schmidbauer (CDU/CSU): Herr Präsident! Meine
sehr verehrten Damen und Herren! Wir wußten
sehr wohl — dies hat der Innenminister ja eben
hier gesagt —, daß es nicht leicht werden würde, in
kürzester Zeit Erfolge im europäischen Bereich
durchzusetzen.
(Dr. Hauff [SPD]: Von einem Durchbruch
hat er gesprochen!)
— Herr Hauff, Ihre Belehrungen sind das letzte,
was wir brauchen. Sie hatten Zeit genug zu
realisieren. Uns heute verbal Dinge vorzumachen ist nicht
gut. Auch die Beschäftigungshinweise von nur fünf
Minuten reichen bei Ihnen mit Sicherheit nicht aus,
sich sachkundig zu machen.
Wir wußten, daß wir in Europa keine offenen
Türen einrennen. Trotzdem ist es gelungen, die Tür
aufzustoßen. Es ist uns gelungen, einen großen
Schritt in die richtige Richtung zu tun. Ein Konsens
in Europa, auch wenn er nicht ganz unseren
Vorstellungen entspricht — ich möchte das sehr
deutlich sagen —, ist für unsere Umwelt immer besser
als verbale Kraftmeierei.
(Hornung [CDU/CSU]: So ist es!)
Wir müssen die Auswirkungen der jetzt
vorgeschlagenen europäischen Grenzwerte auf unsere
Umwelt gegen die Auswirkungen nationaler
Regelungen mit all den Risiken, die sich dahinter
verbergen, abwägen. Eines aber ist bereits heute deutlich
und klar: Nur europäische Emissionsnormen
führen zu einer europaweiten Reduzierung von
Schadstoffen. Es wurde bereits mehrfach auf das
hingewiesen, was alles erreicht wurde: Integrität des
europäischen Marktes, bleifreies Benzin, nationale
Phase der freiwilligen Einführung mit steuerlichen
Anreizen, Erfolg bei Fahrzeugen mit Hubraum über
2 Liter, Nachrüstung der Altfahrzeuge, gemeinsame
Fortschritte in der EG bei Dieselfahrzeugen und
Nutzfahrzeugen in diesem Jahr, den europäischen
Prüfzyklus bis 1987 auf den Weg bringen. Das ist
gesichert, meine Damen und Herren. Dies alles ist
dann in Frage gestellt, wenn uns ein europäischer
Konsens nicht gelingt.
Die SPD wußte sehr wohl, warum sie das heiße
Eisen des schadstoffarmen Autos in früheren
Zeiten nicht in Angriff genommen hat.
(Zuruf des Abg. Schäfer [Offenburg]
[SPD])
— Wenn wir bei Ihren Zielvorstellungen geblieben
wären, Herr Kollege Schäfer, wäre die Einführung
des schadstoffarmen Autos auf das Jahr 2000 oder
wesentlich darüber hinaus vertagt worden. Es ist ja
belegbar, daß Sie bereits vor der
Auseinandersetzung die Waffen gestreckt haben. Ich erinnere nur
an das, was Sie 1982 selber gesagt haben: Die
Bundesregierung möge sich bemühen, neue
Abgasgrenzwerte zu erreichen; im Rahmen der EG sei
dies aber wohl nicht durchsetzbar. — Das macht
doch deutlich, daß Sie die Entwicklung über
13 Jahre wirklich verschlafen haben. Darüber
können Sie auch heute nicht mit Angriffen gegen die
Bundesregierung hinwegtäuschen.
Was Sie hier vorführen, ist nicht eine Kritik, wie
wir sie von der Opposition selbstverständlich
wollen und wie sie notwendig ist. Dies ist eine
destruktive Kritik, die der europaweiten Einführung des
schadstoffarmen Autos schadet. Außer
Ankündigungen ist nichts übriggeblieben. Ihre maßlose
Kritik schadet nicht nur dem Umweltschutz; sie
schadet auch der Sicherung von Arbeitsplätzen. Was soll
dann noch Ihr Programm „Arbeit und Umwelt"?
Wenn ich es schlimm formulieren will: Roter
Trenchcoat, grüner Lodenmantel darüber, und
sonst ist überhaupt nichts gewesen.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Wo sind eigentlich heute in dieser Aktuellen
Stunde Ihre konstruktiven Vorschläge? Sie dienen
das Tempolimit an und gießen damit Wasser auf die
Mühlen der Neinsager in Europa. Sie verunsichern
die Bevölkerung. Wir brauchen keine Placebo-
Methoden, auch keine weiteren Anklagen und auch
keinen Totengesang für den Wald. Wir brauchen die
Unterstützung des Deutschen Bundestages für die
noch anstehenden schwierigen Verhandlungen im
Umweltministerrat. Wir lassen uns durch die
schwierigen Verhandlungen nicht entmutigen. Wir
gehen in die neuen Verhandlungen, um bei unseren
Partnern in der EG um Verständnis zu werben und
für eine gemeinsame Umweltschutzpolitik in
Europa zu kämpfen. Die Bundesregierung und der
Bundesinnenminister können sicher sein, daß die
CDU/CSU-Fraktion sie dabei voll unterstützt.
Ich danke Ihnen.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
Vizepräsident Stücklen: Das Wort hat der Herr
Abgeordnete Lennartz.
Lennartz (SPD): Herr Präsident! Meine sehr
verehrten Damen und Herren! Herr
Bundesinnenminister, ich glaube, Ihre Rede kann man so bezeichnen:
Es war der politische Offenbarungseid für das
abgasarme Auto, was Sie uns eben hier geliefert
haben. Alles das, was Sie hier heute beklagt haben,
haben Sie am 20. März 1985 als den
umweltpolitischen Durchbruch in Europa dargestellt. Das ist der
Punkt.
(Beifall bei der SPD)
Sie haben es aber nicht gehalten.
Meine Damen und Herren, es gibt in der
gesamten Geschichte des Automobils, in der gesamten
Geschichte der Umweltgesetzgebung, keine politische
Maßnahme, die allen — ich betone: allen —
gegeneinander abzuwägenden Interessen so nachhaltig
geschadet hat wie die Politik der Bundesregierung
in Sachen schadstoffarmes Auto. Diese Politik war
und ist auf allen politischen Feldern grundfalsch,
und zwar europapolitisch, umweltpolitisch,
verkehrspolitisch, wirtschaftspolitisch und nicht
zuletzt steuerpolitisch, vom deutschen Interesse ganz
zu schweigen. Sie haben den zweiten und dritten
Schritt und alle anderen Schritte vor dem ersten
Schritt getan. Sie haben zwei Gesetze gemacht, ehe
Sie überhaupt halbwegs verläßlich über die
Grundlage, nämlich Abgasgrenzwerte, verfügten.
Meine Damen und Herren, es zeigt sich, daß die
Gesetze, die Sie in diesem Haus durchgepeitscht
haben, genauso viel wert sind wie ein Auto ohne
Sprit. Die Änderung des Mineralölsteuergesetzes
war und ist völlig unzureichend. Um auch nur
annähemd Preisparität zwischen bleifreiem und
bleihaltigem Benzin zu erreichen, hätten Sie in umfangrei
-
chem Maße bleifreies Benzin auf den Markt
bringen müssen.
(Hornung [CDU/CSU]: Haben Sie noch
keine Zapfsäule gesehen?)
Was hat dieses Gesetz konkret bewirkt? Von 200
Tankfüllungen ist nur eine einzige bleifrei; das ist
noch gut gerechnet, Herr Minister. Der
Finanzminister hat sich allerdings durch die Mehreinnahmen
bis zum Jahr 1987 1,7 Milliarden DM
hinzugerechnet.
(Zurufe von der SPD: Wo bleiben die?)
Sie machen Fiskalpolitik statt Umweltpolitik.
Meine Damen und Herren, Sie haben ein
sogenanntes Gesetz betreffend steuerliche Maßnahmen
zur sogenannten Förderung sogenannter
abgasarmer Pkws im Windhund-Verfahren durch den
Deutschen Bundestag gedrückt.
(Hornung [CDU/CSU]: Haben Sie schon
einmal ein Auto mit Katalysator gese
hen?)
Ich fühle mich als Berichterstatter des
Finanzausschusses von der Bundesregierung übrigens
arglistig getäuscht, was ihre Informationen über
den Ministerrat am 21. März 1985 angeht. Ich habe
eine sehr höfliche Formulierung gewählt, um mir
keinen Ordnungsruf des Präsidenten einzuhandeln.
Es handelt sich um ein Gesetz, das heute noch
weniger seinen Namen verdient als im Zeitpunkt seiner
Verabschiedung. Die Devise dieses Gesetzes zeigt:
Umschreiben statt Umrüsten. Acht Millionen
Autofahrer sollen Steuererleichterungen erhalten, und
zwar auf die Weise, daß sie lediglich ihren Kfz-Brief
umschreiben lassen. Das ist der Erfolg Ihrer
sogenannten Umweltpolitik zum abgasarmen Auto.
(Dr. von Wartenberg [CDU/CSU]: Fahren
Sie auch so schnell, wie Sie reden?)
— Ja, natürlich. — Nur drei bis vier von 100
gekauften Pkws, Herr von Wartenberg, sind heute mit
einem Katalysator ausgerüstet. Das sind meistens
noch Behördenfahrzeuge. Sollte irgendwann einmal
ein Preis für den „Gelackmeierten des Jahres"
vergeben werden, dann würden die Autokäufer, die ein
Fahrzeug mit dem Drei-Wege-Katalysator gekauft
haben, in die engere Wahl der Jury kommen.
Sollten sich die von der EG-Kommission
vorgeschlagenen Grenzwerte auf EG-Ebene durchsetzen, ist das
Gesetz zur Förderung abgasarmer Pkws nicht mehr
zu halten. Oder soll etwa auch derjenige
Steuervorteile in Höhe von 2 200 DM erhalten, der keinen
teureren Drei-Wege-Katalysator für seinen
Mittelklassewagen nimmt, sondern eine billigere
Entgiftungstechnik bevorzugt, mit der er demzufolge die EG-
Grenzwerte ausschöpfen kann?
Meine Damen und Herren, dieses Gesetz muß
weg, wenn es uns nicht gelingen sollte, die
Empfehlungen der EG-Kommission völlig zu verwerfen. Es
sieht j a nach der Rede des Innenministers am
heutigen Tage nicht mehr so aus. Wer, Herr
Innenminister, sieht noch eine Chance dafür, wenn Sie sich im
März 1985 bis auf das Hemd haben ausziehen
lassen? Wer schützt uns, wer schützt den deutschen
Wald vor diesem Innenminister,
(Hornung [CDU/CSU]: Sie sicher nicht!)
der kurz davor steht, sich der fahrlässigen Tötung
am deutschen Wald schuldig zu machen?
(Zustimmung bei der SPD)
Herr Innenminister, sind Sie sich eigentlich bewußt
— das gilt auch für den Kanzler —, daß Sie in der
Gefahr sind, einmal in die Reihe der historischen
Figuren eingereiht zu werden, die durch
Unterlassung eine Katastrophe herbeigeführt haben,
nämlich die Vernichtung des deutschen Waldes? Sie,
Herr Zimmermann, werden im Jahre 1993, wenn
der Stickoxidausstoß des Kraftzeugverkehrs
erstmalig sinken wird, 67 Jahre alt sein. Nach der
durchschnittlichen Lebenserwartung werden Sie
die Katastrophe also noch persönlich miterleben
können, miterleben müssen.
(Zurufe von der CDU/CSU)
Wo wollen Sie denn leben, Herr Innenminister, in
Ihrem Wahlkreis in Landshut, wo dann nur noch
Baumstümpfe bewundert werden können, oder auf
der Ananasfarm Ihres Parteivorsitzenden Strauß in
Alaska? Herr Innenminister, ein Mann muß vor
sich selber bestehen können. Machen Sie den
Umweltministerrat am 25. Juni vor Ort zu Ihrer letzten
Niederlage.
Vizepräsident Stücklen: Herr Abgeordneter,
kommen Sie zum Schluß.
Lennartz (SPD): Herr Innenminister, sorgen Sie
mit Ihrem Rücktritt dafür, daß Sie im Alter noch
gut schlafen können.
(Beifall bei der SPD)
Vizepräsident Stücklen: Das Wort hat der Herr
Abgeordnete Fellner.
Fellner (CDU/CSU): Herr Präsident! Meine
Damen und Herren! Verehrte Kollegen von der
Opposition, ich schaffe es wirklich nicht mehr, Ihnen
angesichts des Spielchens, das Sie vor Beginn
unserer Debatte aufgeführt haben, und auch angesichts
Ihrer Diskussionsbeiträge hier hinsichtlich der Art
und Weise, wie Sie diese Fragen hier diskutieren,
noch einen gewissen Ernst zuzugestehen. Es macht
wirklich nicht den Eindruck, als ginge es Ihnen
darum, daß die Umweltpolitik im Interesse der Umwelt
erfolgreich ist. Ihnen geht es vielmehr darum, hier
irgendwelche Schauspiele vorzuführen, Theater zu
machen, aber um die Umweltpolitik geht es Ihnen
wirklich nicht.
Herr Kollege Hauff, Sie können uns gerne
Vorschläge machen, woran wir unsere Leute zu messen
haben. Wir messen sie an dem, was Sie damals
getan haben.
(Zuruf von den GRÜNEN: Am Erfolg ist er
zu messen!)
Sie waren damals der Verkehrsminister. Der
Verkehrsminister ist für die Grenzwerte innerhalb der
Europäischen Gemeinschaft zuständig.
(Dr. Hauff [SPD]: Das ist falsch!)
Das hätten Sie federführend in die Hand nehmen
müssen, so wie es unser Verkehrsminister auch
getan hat.
(Dr. Hauff [SPD]: Dann ist Herr Dollinger
zuständig? — Hornung [CDU/CSU]: Und
der Kanzler hat damals nichts getaugt!)
Herr Hauff, Sie haben damals nichts zustande
gebracht. Sie sind ein Umweltblockator. Sie haben das
wieder bewiesen. Daß Sie von den Aufgaben und
von den Themen, die zu lösen sind, nichts
verstehen, haben Sie u. a. vorhin auch in Ihrem
Redebeitrag bewiesen, als Sie Ihre Verwunderung zum
Ausdruck brachten, daß irgendwelche Papiere
angeblich erst jetzt bekannt würden. Die Papiere, die
Grundlage der Diskussion vom März waren, sind
seitdem die Grundlage unserer politischen Arbeit.
(Dr. Hauff [SPD]: Die sind ja doll!)
Sie haben es nicht nötig gehabt, sich das
anzuschauen. Sie tanzen hier hin und wieder als
umweltpolitischer Überflieger an und beleidigen das
ganze Haus. Die Kollegen in Ihrer Fraktion, die von
Umweltpolitik etwas verstehen, müssen sich ja
schämen.
(Zustimmung bei der CDU/CSU)
Bei dieser Auseinandersetzung um die jetzt
festzusetzenden Grenzwerte haben wir in der EG
natürlich verschiedene politische Aufgaben zu
erledigen.
(Dr. Hauff [SPD]: Wer ist zuständig?)
Die vordringlichste Aufgabe ist es
selbstverständlich, strenge Grenzwerte gegenüber unseren
europäischen Nachbarn durchzusetzen;
(Dr. Hauff [SPD]: Welche?)
zumindest die Grenzwerte, die die europäische
Umweltministerkonferenz im März 1985 vorgesehen
hat. Was die Kommission jetzt vorschlägt, stellt uns
nicht zufrieden. Wir müssen versuchen, daraus
etwas Besseres im Interesse der Umwelt zu machen.
Das entspricht nach unserer Überzeugung nicht
dem Beschluß, der damals gefaßt worden ist.
(Dr. Hauff [SPD]: Das entspricht dem Be
-
schluß. Lesen Sie das Protokoll!)
— Wenn Sie meinen, es entspreche dem Beschluß,
muß ich sagen, daß Sie in einem Boot mit den
Engländern sitzen, die diesen Beschluß verkehrt
interpretieren und dafür sorgen, daß wir nicht so
vorwärtskommen, wie wir das wollen.
Aber wir haben neben diesen umweltpolitischen
Auswirkungen natürlich auch noch die
Europapolitik, das Zusammenarbeiten mit unseren
europäischen Nachbarn zu beachten. Hier muß ich sagen,
daß ich wahrlich nicht weiß, wie sich Ihre
Krokodilstränen noch zu reißenden Strömen ausweiten
sollen. Sie beschimpfen uns ja heute schon wieder,
daß wir bei unseren europäischen Nachbarn
Verwirrung geschaffen hätten.
(Stahl [Kempen] [SPD]: Das haben Sie
doch auch!)
Ich wäre Ihnen schon dankbar, wenn Sie uns
einmal erklärten, wie weit wir in den weiteren
Verhandlungen eigentlich gehen sollen. Wieviel
Brechstange wollen Sie denn gegenüber den
europäischen Nachbarn haben? Auch das müssen Sie uns
einmal erklären. Dazu sollten Sie sich äußern, wenn
Sie in irgendeiner Form einen konstruktiven
Beitrag zu dieser Politik leisten wollen.
Sie müssen auch jetzt schon erklären, wie Sie
sich dann gegenüber der Automobilindustrie
verhalten. Im Augenblick bereitet es Ihnen
anscheinend noch Freude, wieder einmal im Einklang mit
den großen Bossen der Automobilindustrie zu sein.
Helmut Schmidt hat sich damals ja seine Freunde
dort auch ausgewählt. Aber sagen Sie uns jetzt, was
Sie den Arbeitern vor den Werkstoren sagen, wenn
es zu Schwier
Anzeige gekürzt – vollständiger Text im Original.
Relationen
- part_of_vorgang → Antrag auf Herbeirufung des Bundeskanzlers (G-SIG: 10002664) (Antrag zur Geschäftsordnung)
- part_of_vorgang → Auswirkungen des Bahnhof-Umbaus in Berlin (Ost) auf die Transiteisenbahnverbindungen und deren Verknüpfungen mit dem internationalen Verkehr
- part_of_vorgang → Beschäftigung ausländischer Bauarbeiter beim Bau des Kernkraftwerkes Brokdorf (G-SIG: 10043088)
- part_of_vorgang → Deutsch-amerikanische Gespräche seit März 1983 über eine deutsche Beteiligung am SDI-Programm (G-SIG: 10043013)
- part_of_vorgang → Einbeziehung des Baseler Stromtarifmodells in die deutschen Überlegungen zum Energiesparen (G-SIG: 10043083)
- spoke_in ← Rudolf Seiters (Zur Geschäftsordnung BT)
- spoke_in ← Uschi Eid (Zur Geschäftsordnung BT)