Protokoll der 102. Sitzung des 11. Deutschen Bundestages
Text
Protokoll der 102. Sitzung des 11. Deutschen Bundestages
[Plenarprotokoll 11/102
Deutscher
Stenographischer Bericht
102. Sitzung
Bonn, Mittwoch, den 26. Oktober 1988
Inhalt:
Tagesordnungspunkt 1:
Befragung der Bundesregierung
Jung (Düsseldorf) SPD 6981 B
Dr. Bangemann, Bundesminister BMWi 6981D
Müller (Wadern) CDU/CSU 6981 D
Dr. Bangemann, Bundesminister BMWi 6981 D
Stahl (Kempen) SPD 6982 A
Dr. Bangemann, Bundesminister BMWi 6982 A
Dr. Sperling SPD 6982 B
Dr. Bangemann, Bundesminister BMWi 6982 B
Schmitz (Baesweiler) CDU/CSU 6982 C
Dr. Bangemann, Bundesminister BMWi 6982 D
Becker (Nienberge) SPD 6982 D
Dr. Bangemann, Bundesminister BMWi 6982 D
Gerstein CDU/CSU 6982 D
Dr. Bangemann, Bundesminister BMWi 6983 A
Dr. Jens SPD 6983 B
Dr. Bangemann, Bundesminister BMWi 6983 B
Dr. Lammert CDU/CSU 6983 C
Dr. Bangemann, Bundesminister BMWi 6983 D
Stratmann GRÜNE 6983 D
Dr. Bangemann, Bundesminister BMWi 6984 A
Kohn FDP 6984 B
Dr. Schulte, Parl. Staatssekretär BMV 6984 C
Dreßler SPD 6984 D
Dr. Blüm, Bundesminister BMA 6984 D
Kroll-Schlüter CDU/CSU 6985 B
Dr. Blüm, Bundesminister BMA 6985 B
Frau Unruh GRÜNE 6985 D
Dr. Blüm, Bundesminister BMA 6985 D
Heyenn SPD 6986 A
Dr. Blüm, Bundesminister BMA 6986 A
Bohl CDU/CSU 6986 B
Frau Dr. Adam-Schwaetzer, Staatsminister
AA 6986 B
Hoss GRÜNE 6986 C
Dr. Blüm, Bundesminister BMA 6986 C
Gansel SPD 6986 D
Frau Dr. Adam-Schwaetzer, Staatsminister
AA 6986 D
Dr. Mechtersheimer GRÜNE 6987 A
Zusatztagesordnungspunkt 1:
Aktuelle Stunde betr. jüngste öffentliche
Äußerungen über die deutschen
Aussiedler
Gerster (Mainz) CDU/CSU 7003 C
Lafontaine, Ministerpräsident des Saar
-
landes 7004 C, 7017D
Dr. Graf Lambsdorff FDP 7006 B
Frau Olms GRÜNE 7007 B
Schreiber CDU/CSU 7008 B
Frau Hämmerle SPD 7009 B
Spranger, Parl. Staatssekretär BMI 7010 C
Frau Oesterle-Schwerin GRÜNE 7011 C
Lüder FDP 7012 B
Frau Terborg SPD 7012 D
Lintner CDU/CSU 7013 D
Wartenberg (Berlin) SPD 7014 B
Dr. Czaja CDU/CSU 7015 C
Frau Dr. Däubler-Gmelin SPD 7016 C
Seiters CDU/CSU 7018 C
Tagesordnungspunkt 2:
Fragestunde
— Drucksache 11/3174 vom 25. Oktober
1988 —
Ermöglichung des Verkaufs von acht
Kampfflugzeugen des Typs MRCA Tornado an
Jordanien durch Kreditzusagen der
Kreditanstalt für Wiederaufbau
DringlAnfr 1 25.10.88 Drs 11/3174
Dr. Mechtersheimer GRÜNE
Antw StSekr Dr. Voss BMF 6987 C
ZusFr Dr. Mechtersheimer GRÜNE 6987 C
ZusFr Dr. Feldmann FDP 6987 D
ZusFr Voigt (Frankfurt) SPD
6988 A
ZusFr Sellin GRÜNE 6988 B
ZusFr Gansel SPD 6988 B
ZusFr Dr. Hirsch FDP 6988 C
ZusFr Dr. Knabe GRÜNE 6988 D
ZusFr Frau Dr. Hamm-Brücher FDP 6988 D
ZusFr Dr. Sperling SPD 6989 A
ZusFr Dr. Jens SPD 6989 B
ZusFr Dr. Ehmke (Bonn) SPD 6989 B
ZusFr Grünbeck FDP 6989 C
ZusFr Frau Wieczorek-Zeul SPD 6989 C
ZusFr Dr. Lammert CDU/CSU 6989 D
ZusFr Kleinert (Marburg) GRÜNE 6989 D
ZusFr Dr. de With SPD 6990 B
ZusFr Stahl (Kempen) SPD 6990 C
Dr. Ehmke (Bonn) SPD (zur GO) 6990 D
Kleinert (Marburg) GRÜNE zur GO 6990 D
Dr. Laufs CDU/CSU (zur GO) 6991 A
Vizepräsident Westphal 6991B, 7003 B
Stellungnahme der Bundesregierung gegen
den geplanten Verkauf von Tornado-
Kampfflugzeugen an Jordanien durch Ausübung
ihres Konsultationsrechts gegenüber der bri
-tischen Regierung
DringlAnfr 4 25.10.88 Drs 11/3174
Voigt (Frankfurt) SPD
Antw PStSekr Würzbach BMVg 6991 C
ZusFr Voigt (Frankfurt) SPD 6991 D
ZusFr Frau Wieczorek-Zeul SPD 6992 B
ZusFr Dr. Feldmann FDP 6992 C
ZusFr Frau Dr. Hamm-Brücher FDP 6992 D
ZusFr Dr. Sperling SPD 6993 A
ZusFr Dr. Hirsch FDP 6993 B
ZusFr Gansel SPD 6993 C
ZusFr Dr. Knabe GRÜNE 6993 D
ZusFr Frau Traupe SPD 6994 A
ZusFr Frau Schmidt (Nürnberg) SPD 6994 A
ZusFr Sellin GRÜNE 6994 C
ZusFr Frau Oesterle-Schwerin GRÜNE 6994 D
ZusFr Dr. Mechtersheimer GRÜNE 6994 D
ZusFr Baum FDP 6995 A
ZusFr Dr. de With SPD 6995 B
ZusFr Vahlberg SPD 6995 B
Gründe, die die in der Presse erwähnten
Kabinettsmitglieder und andere Stellen an
einer Stellungnahme hindern
DringlAnfr 2 25.10.88 Drs 11/3174
Dr. Mechtersheimer GRÜNE
Antw BMin Dr. Stoltenberg BMF 6995 D
ZusFr Dr. Mechtersheimer GRÜNE 6996 A
ZusFr Dr. Feldmann FDP 6996 C
ZusFr Sellin GRÜNE 6996 D
ZusFr Frau Dr. Hamm-Brücher FDP 6997A
ZusFr Frau Wieczorek-Zeul SPD 6997 B
ZusFr Gansel SPD 6997 C
ZusFr Dr. Sperling SPD 6997 D
ZusFr Voigt (Frankfurt) SPD 6998 A
ZusFr Frau Schmidt (Nürnberg) SPD 6998 B
ZusFr Kleinert (Marburg) GRÜNE 6998 C
ZusFr Dr. Hirsch FDP 6999 A
ZusFr Dr. Klejdzinski SPD 6999 A
ZusFr Weisskirchen (Wiesloch) SPD 6999 B
ZusFr Dr. Jens SPD 6999 C
ZusFr Bohl CDU/CSU 6999 C
Beurteilung der geplanten Teilfinanzierung
des Verkaufs von Tornado-
Kampfflugzeugen an Jordanien durch die Vertreter der
Bundesregierung im Verwaltungsrat der
Kreditanstalt für Wiederaufbau
DringlAnfr 3 25.10.88 Drs 11/3174
Frau Wieczorek-Zeul SPD
Antw BMin Dr. Stoltenberg BMF 7000A
ZusFr Frau Wieczorek-Zeul SPD 7000 B
ZusFr Voigt (Frankfurt) SPD 7000 B
ZusFr Kleinert (Marburg) GRÜNE 7000D
ZusFr Dr. Klejdzinski SPD 7000 D
ZusFr Dr. Sperling SPD 7001 A
ZusFr Sellin GRÜNE 7001 B
ZusFr Gansel SPD 7001 C
ZusFr Frau Schmidt (Nürnberg) SPD 7001C
ZusFr Frau Dr. Hamm-Brücher FDP 7002 A
ZusFr Baum FDP 7002 B
ZusFr Dr. Jens SPD
7002 C
ZusFr Bohl CDU/CSU 7002 D
ZusFr Dr. Feldmann FDP 7002 D
ZusFr Lüder FDP 7003 A
Nächste Sitzung 7019 C
Berichtigung 7019 D
Anlage
Liste der entschuldigten Abgeordneten 7020* A
102. Sitzung
Bonn, den 26. Oktober 1988
Beginn: 13.01 Uhr
Präsident Dr. Jenninger: Die Sitzung ist eröffnet.
Ich rufe den Tagesordnungspunkt 1 auf:
Befragung der Bundesregierung
Meine Damen und Herren, der Bundeskanzler
befindet sich, wie Ihnen bekannt ist, in Begleitung
mehrerer Kabinettsmitglieder in Moskau. Eine
Kabinettssitzung fand deswegen heute nicht statt. Gleichwohl
soll die Befragung der Bundesregierung nach einer
Vereinbarung im Ältestenrat auch in dieser
Sitzungswoche stattfinden.
In Anbetracht dieser besonderen, hoffentlich
einmaligen Situation habe ich die Fraktionen gebeten,
mir mögliche Themen der Regierungsbefragung zu
benennen. Dies ist geschehen; ich habe die
Bundesregierung entsprechend informiert. Die
Themenvorschläge der Fraktionen sind verteilt worden. Ich hoffe,
daß sie Ihnen zugänglich gemacht worden sind.
Ich schlage vor, daß wir unter Berücksichtigung des
Stärkeverhältnisses der Fraktionen zunächst das von
der Fraktion der CDU/CSU vorgeschlagene Thema,
nämlich „Konjunktur im Lichte des Herbstgutachtens
der fünf wirtschafts-wissenschaftlichen
Forschungsinstitute", behandeln.
Wird dazu das Wort zu einer Erklärung der
Regierung gewünscht? — Das ist nicht der Fall. Dann darf
ich fragen, ob zu diesem Thema Fragen gestellt
werden. — Dies ist offensichtlich nicht der Fall.
(Beifall bei der SPD)
Wir kommen zum ersten von der SPD-Fraktion
vorgeschlagenen Thema:
Zeitpunkt und Inhalt der Vorlage einer
Verordnung durch die Bundesregierung zur Festlegung
des Kohlepfennigs für das Jahr 1989.
Werden dazu Erklärungen abgegeben? — Das ist
nicht der Fall.
Dann darf ich die Fragerunde eröffnen. Das Wort
hat der Herr Abgeordnete Jung (Düsseldorf).
Jung (Düsseldorf) (SPD): Herr Präsident, ich würde
gern eine Frage an den Bundeswirtschaftsminister
stellen. Herr Bangemann, Sie haben in der
vergangenen Woche durch Ihren Abteilungsleiter für
Energiepolitik Ihre Verhandlungsposition zur Kohleverstro
-
mung, mit der Sie in die Koalitionsbesprechung
gegangen sind, der Presse vorstellen lassen. Herr
Engelmann hat auf die Frage eines Journalisten, was bei
diesem Gespräch nun herausgekommen sei,
geantwortet, dazu könne er nichts sagen, er sei ja nicht
dabei gewesen. Vielleicht können Sie dieses
Geheimnis lüften. Wir würden insbesondere gern wissen:
Wann werden Sie dem Bundestag eine Verordnung
zur Festlegung des Kohlepfennigs für das Jahr 1989
vorlegen, und wie hoch wollen Sie den Kohlepfennig
vorschlagen?
Präsident Dr. Jenninger: Zur Erwiderung hat der
Herr Bundeswirtschaftsminister das Wort.
Dr. Bangemann, Bundesminister für Wirtschaft:
Herr Abgeordneter, wir werden voraussichtlich in der
Sitzungswoche vom 28. November bis 2. Dezember
1988 dem Bundestag unseren Vorschlag zuleiten. Da
die Gespräche noch andauern, kann ich Ihnen nicht
sagen, welchen genauen Inhalt dieser Vorschlag
haben wird.
Präsident Dr. Jenninger: Zu einer weiteren Frage,
Herr Abgeordneter Müller (Wadern).
Müller (Wadern) (CDU/CSU): Herr Präsident, Sie
erlauben auch mir, eine Frage an den Herrn
Bundeswirtschaftsminister zu stellen. Herr
Wirtschaftsminister, wie sind Ihre Vorstellungen hinsichtlich des
Umfanges des Mengengerüstes der zu verstromenden
Kohle bei den jetzt laufenden Verhandlungen?
Dr. Bangemann, Bundesminister für Wirtschaft: Ich
habe schon bei dem Be richt über die letztjährige
Kohlerunde dem Hohen Hause mitgeteilt, daß es die
Absicht der Bundesregierung ist, das Mengengerüst bei
der Kohleverstromung zu erhalten. Mit dieser
Verhandlungslinie habe ich auch die Gespräche mit den
EVU geführt. Als aus dem Kreise der EVU von einigen
dieser Unternehmen die Forderung laut wurde, dieses
Mengengerüst zur Disposition zu stellen, habe ich die
Verhandlungen abgebrochen, weil die
Bundesregierung nicht auf der Grundlage verhandelt, daß das
Mengengerüst angetastet wird. Diese Linie bestimmt
auch unsere Gespräche zur Festlegung des
Kohlepfennigs und andere Möglichkeiten, den
Verstromungsfonds zu finanzieren.
Präsident Dr. Jenninger: Zu einer Frage hat der
Abgeordnete Stahl das Wort.
Stahl ( Kempen) (SPD): Herr
Bundeswirtschaftsminister, Sie wollen, wenn man es richtig hört, das jetzige
Gesetz über den Kohlepfennig nur bis 1990 gelten
lassen. Für den deutschen Steinkohlebergbau insgesamt
geht es doch darum, langfristige Investitions- und
Personalentscheidungen treffen zu können. Wäre es nicht
richtiger, statt das Jahr 1991 zu nehmen, gleich die
Verhandlungen über die Erhaltung des
Jahrhundertvertrags auch nach 1995 aufzunehmen? Wenn ich den
Herrn Bundeskanzler richtig verstanden habe, ist er
der Meinung, daß dies geschehen sollte.
Dr. Bangemann, Bundesminister für Wirtschaft:
Nein. Ihre letzte Äußerung trifft so nicht zu. Wir sind
uns über die Frage, bis zu welchem Zeitpunkt diese
angesteuerte Finanzierung reichen sollte, noch nicht
mit allen Beteiligten einig. Aber es ist richtig, nach
meiner Meinung jedenfalls, daß es besser wäre, den
Kohlepfennig oder andere Finanzierungsinstrumente
nicht nur für ein Jahr festzulegen, was ja bisher die
Praxis war, sondern darüber hinaus. Das heißt, ich
strebe an, eine Lösung nicht nur für ein Jahr
vorzuschlagen. Aber Sie werden verstehen, daß wir nicht
schon für die gesamte Restlaufzeit des
Jahrhundertvertrages, also bis 1995, eine Lösung vorlegen
können. Es wäre auch nicht richtig, jetzt schon über eine
Anschlußregelung zu verhandeln, weil wir unmöglich
heute sagen können, was 1995 sein wird. Aber
nehmen wir mal an, die Lösung reichte bis 1991, dann
könnten Sie im Jahre 1991 noch vier Jahre vor Ablauf
des Jahrhundertvertrags über eine Anschlußregelung
verhandeln, ohne daß das die
Investitionsentscheidungen der Unternehmen beeinträchtigen müßte.
Präsident Dr. Jenninger: Zu einer Frage der
Abgeordnete Sperling.
Dr. Sperling (SPD): Herr Wirtschaftsminister, wie
hoch ist das Haushaltsrisiko, das Sie der
Bundesregierung, die Sie verlassen werden, hinterlassen, und auf
welchen Betrag müßte der Kohlepfennig steigen,
damit das Haushaltsrisiko nicht wächst?
Dr. Bangemann, Bundesminister für Wirtschaft:
Also, zunächst einmal verlasse ich nicht die
Bundesregierung, sondern, wie Sie wissen, ist das politische
Leben unterschiedlich und bringt auch
Abwechslungen. Es gehört zur Politik der Bundesregierung, die
Flexibilität zu fördern. Da sich der Wirtschaftsminister
dafür besonders eingesetzt hat, wird er diesem
Grundsatz auch Folge leisten.
(Beifall bei der FDP — Schäfer [Offenburg]
[SPD]: Heißt das: Der Nachfolger bleibt nicht
lange? — Dr. Sperling [SPD]: Man ist froh,
daß Sie gehen, sehe ich gerade!)
— Sie sollten langsam mit solchen Unterstellungen
aufhören, denn die Gruppe der sozialdemokratischen
Abgeordneten in der sozialistischen Fraktion des
Europäischen Parlaments hat sich schon mit der Bitte
an mich gewandt, ein sozialistisches Mitglied für mein
Kabinett zu ernennen, damit sie die wirkungsvolle
Arbeit des Kommissars aus der Nähe verfolgen
könne.
(Heiterkeit bei der FDP und der CDU/CSU)
Wir haben jetzt 2 Milliarden DM Kredit, und
voraussichtlich wird Ende des Jahres der Überhang beim
Verstromungsfonds um die 4 Milliarden DM
betragen. Übrigens hat der Bundestag — ich nehme an,
auch mit Ihrer Stimme — den Kohlepfennig so
festgesetzt, wie wir es vorgeschlagen haben. Daraus ist
diese Verschuldung entstanden, die, wie Sie wissen,
sofort beseitigt werden könnte, auch für die Zukunft,
wenn man den Kohlepfennig so festsetzte, wie das die
tatsächlichen Erfordernisse verlangen. Da ich noch
nicht gehört habe, daß die SPD-Fraktion beantragt
hätte, das Mengengerüst zu kürzen — wenn sie das
täte, wäre manche Frage besser verständlich —,
müßte, wenn man diesen Überhang abbauen und
außerdem sicherstellen wollte, daß die Ausgaben
jeweils gedeckt wären, der Kohlepfennig auf 11,5 bis
12 % festgesetzt werden. Wenn Sie das beantragen
wollten, sähe ich diesem Antrag mit Interesse
entgegen.
Präsident Dr. Jenninger: Zu einer Frage hat der
Abgeordnete Schmitz (Baesweiler) das Wort.
Schmitz (Baesweiler) (CDU/CSU): Herr
Bundesminister, kann ich davon ausgehen, daß Sie in Ihrer
Antwort an meinen Kollegen Müller auch gemeint haben,
daß die Ergebnisse der Kohlerunde des letzten Jahres,
das heißt die dort vereinbarten Anpassungen der
Menge und des Personals durch die weiteren
Verhandlungen, die jetzt geführt werden, nicht gefährdet
werden dürften?
Dr. Bangemann, Bundesminister für Wirtschaft: Das
ist meine Absicht.
Präsident Dr. Jenninger: Zu einer Frage hat der
Abgeordnete Becker (Nienberge) das Wort.
Becker (Nienberge) (SPD): Herr Minister, treffen
Meldungen zu, daß Sie in Zukunft die Unternehmen
mit niederflüchtiger Kohle wie Sophia Jakoba und
Ibbenbüren ohne jede Unterstützung lassen wollen?
Dr. Bangemann, Bundesminister für Wirtschaft: Wir
haben eine Reihe von Elementen erörtert. Es geht
darum, daß wir, um die Anhebung des Kohlepfennigs
auf fast 12 % zu vermeiden, alle Beteiligten zu Opfern
veranlassen müssen. Es trifft zu, daß auch über diese
Möglichkeit diskutiert wird.
Präsident Dr. Jenninger: Zu einer weiteren Frage
hat das Wort Herr Abgeordneter Gerstein.
Gerstein (CDU/CSU): Herr
Bundeswirtschaftsminister, haben Sie die Absicht, mit den
Elektrizitätsversorgungsunternehmen doch noch einmal den
Versuch zu machen, Vereinbarungen herbeizuführen, die
der Stabilisierung des Ausgleichsfonds dienlich sind?
Es ist ja so gewesen, daß die bisherigen
Verhandlungen, die kurz vor einem sehr günstigen Abschluß
standen, sehr plötzlich — ich möchte beinahe sagen:
spektakulär — abgebrochen werden mußten. Ich finde, bei
der Kompliziertheit des ganzen Vorgangs — der
Stabilisierung des Ausgleichsfonds bei gleichzeitiger
Beibehaltung der vereinbarten Absatzmengen
zumindest bis 1995 — müßte man doch noch einmal
überlegen — das ist meine Frage an die Bundesregierung —,
ob man nicht erneut einen Ansatz machen kann, mit
allen Betroffenen ein einvernehmliches Ergebnis zu
erzielen.
Dr. Bangemann, Bundesminister für Wirtschaft:
Herr Gerstein, wir waren sehr weit; wir standen
praktisch vor einem vernünftigen Kompromiß mit den
EVUs. Sie haben recht: In diesem Augenblick haben
sich einige wenige unter Anführung eines
Elektrizitätsversorgungsunternehmens aus Baden-
Württemberg einer solchen einvernehmlichen Lösung
entzogen. Ich habe das bedauert. Aber ich habe natürlich
keine Möglichkeit, ein solches Unternehmen zu
zwingen. Nicht einmal die übrigen Unternehmen hatten
die Möglichkeit, auf dieses abweichende
Unternehmen einzuwirken, damit es seine Position änderte.
Deswegen werden wir jetzt erst einen
Gesamtvorschlag machen, der alle denkbaren
Einsparungsmöglichkeiten und Finanzierungsmöglichkeiten
außerhalb eines solches Gespräches mit den EVUs
beinhalten wird. Aber ich schließe nicht aus, daß ein neues
Gespräch möglich ist, wenn wir zunächst diese
Grundlage geschaffen haben.
Präsident Dr. Jenninger: Es liegen noch vier Fragen
zu diesem Themenbereich vor. Ich schlage vor, daß
wir uns dann dem anderen Themenbereich
zuwenden.
Ich darf zunächst dem Kollegen Jens das Wort
erteilen.
Dr. Jens (SPD): Herr Minister, sind Sie nicht mit mir
der Ansicht, daß es eigentlich unverantwortlich ist,
wenn man den Kohleförderländern noch zusätzlich
Lasten aufbürdet, wie es geplant ist, obgleich die
schon sehr viel für die Sicherung der heimischen
Kohle tun, und waren Sie nicht immer mit uns der
Ansicht, daß gerade die Sicherung der Energiereserve
Kohle eine gesamtstaatliche, eine
gesamtwirtschaftliche Aufgabe ist?
Dr. Bangemann, Bundesminister für Wirtschaft: Die
letztere Ansicht, die Sie in Ihrer Frage ausgedrückt
haben, teile ich nach wie vor. Deshalb bemühen wir
uns ja um eine gesamtstaatliche Lösung. Nur kann
man natürlich nicht übersehen, daß der Kohlepfennig,
den wir vermutlich höher vorschlagen müssen, als wir
ihn derzeit haben, eine Belastung insbesondere auch
für die Nichtkohleländer darstellt. Denn dort wird, wie
Sie wissen, auf diese Weise der Strompreis für private
oder kommerzielle Verbraucher erhöht. Es spielt eine
ganz erhebliche Rolle — das will ich nicht
verschweigen; ich möchte damit nicht Öl ins Feuer gießen; aber
Sie wissen das auch, Herr Jens — , daß die
Aufkündigung des Verbundes Kohle/Kernenergie
insbesondere durch die Partei, die Regierungspartei in den
Kohleländern ist, zu erheblichen Verstimmungen auf
seiten der Länder geführt hat, die den Eindruck
haben, über den Kohlepfennig die Lasten mitzutragen,
aber andererseits bei ihren Bemühungen, den Strom
durch die Nutzung der Kernenergie billiger zu ma
-
chen, nicht nur nicht unterstützt, sondern von diesen
Regierungen sogar angegriffen zu werden.
(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)
Präsident Dr. Jenninger: Zu einer Frage Herr
Abgeordneter Lammert.
Dr. Lammert (CDU/CSU): Herr Minister, uns ist
allen bewußt, daß es sich um eine fast unlösbare
Aufgabe handelt, jeweils legitime, aber erheblich
auseinanderlaufende Interessen, die in diesem
Zusammenhang unter einen Hut gebracht werden müssen,
tatsächlich auf eine gemeinsame Formel zu bringen.. Sie
haben vorhin von dem baden-württembergischen
Unternehmen gesprochen, das den hoffnungsvollen
Versuch zunichte gemacht hat, einen Konsens bei der
Begrenzung der Ausgleichsansprüche der EVUs
herbeizuführen. Können Sie bestätigen, daß es außer bei
diesem baden-württembergischen Unternehmen
auch bei einer Reihe von kommunalen
Versorgungsunternehmen an der Bereitschaft gefehlt hat, zu
denen beispielsweise die Stadtwerke Wuppertal und die
Stadtwerke Hannover gehören, die in den
Aufsichtsgremien beide j a nicht von christlich-demokratischen
Mehrheiten bestimmt werden? Könnten Sie sich
vorstellen, daß bei dem schwierigen Bemühen der
Bundesregierung, hier einen Konsens auch mit
Bundesländern, sowohl mit Kohleländern wie mit
Nichtkohleländern, herbeizuführen, auch die Opposition, die
hier heute großes Interesse an diesem Thema
vorgetragen hat, durchaus behilflich sein könnte, indem sie
auf die von mir gerade genannten Adressen und auch
auf die Bundesländer hinwirken würde, ihre eigenen
Bemühungen um einen solchen gemeinsamen
Konsens auch tatsächlich etwas konkreter und sichtbarer
zu dokumentieren?
(Stahl [Kempen] [SPD]: Er hätte ja den Vor
schlag mit der Senkung gar nicht einzubrin
gen brauchen!)
Dr. Bangemann, Bundesminister für Wirtschaft: Das
wäre durchaus hilfreich, Herr Lammert. Ich habe auch
nur davon gehört, daß der Widerstand bei anderen
und auch bei von Ihnen genannten EVUs vorhanden
war. Artikuliert wurde er in der letzten
Verhandlungsrunde allerdings lediglich von dem bereits genannten
und bekannten baden-württembergischen
Unternehmen.
Die Situation ist schwierig, das ist richtig. Ob die
Antwort auf diese Frage unlösbar ist, möchte ich
bezweifeln. Jedenfalls kann die Regierung auch Fragen
beantworten, die unlösbar sind.
Präsident Dr. Jenninger: Zu einer Frage hat der
Herr Abgeordnete Stratmann das Wort.
Stratmann (GRÜNE) : Wenn es richtig ist, Herr
Bangemann, daß wir alle langfristig, nicht nur über 1991,
sondern auch über 1995 hinaus, Stabilität in die Frage
der Kohlesubventionierung bringen müssen: Wie
stehen Sie dann zu folgendem Ansatz, den wir in Kürze
als Antrag in den Bundestag einbringen werden,
einem Ansatz, der übrigens ein Element Ihrer
Überlegungen zum Kohlepfennig, nämlich
Heizölsteuererhöhung, aufnimmt, aber systematisch ausweitet? Man
überführt das Instrument des Kohlepfennigs in ein
anderes, wirksameres und umfassenderes Instrument,
nämlich eine Primärenergieabgabe auf alle fossilen
Energieträger. Aus diesem Aufkommen wird u. a. das
finanziert, was heute die Funktion des
Kohleausgleichsfonds ist. Wie stehen Sie zu den weiter zu
erwartenden Vorteilen eines solchen
Fossilenergieträger-Ausgleichsfonds, so könnte man ihn fast nennen,
nämlich Energieeinsparpotentiale angesichts
fallender Erdgas- und Erdölpreise weiter finanziell
anzureizen, zweitens umweltpolitische Maßnahmen daraus
zu finanzieren und drittens die
arbeitsmarktpolitischen und kohlesubventionspolitischen Ziele des
Kohlepfennigs zu integrieren?
Dr. Bangemann, Bundesminister für Wirtschaft:
Herr Stratmann, daß bei den Überlegungen der
Bundesregierung, die Steuer auf Mineralöl, besonders auf
schweres Heizöl, zu erhöhen, solche
umweltpolitischen und auch Einspargesichtspunkte mit eine Rolle
spielen, ist richtig. Wir haben allerdings — das ist eine
schon lange bekannte Meinung der Regierung —
große Zweifel, ob eine generelle Besteuerung der
Energieverwendung dazu führen wird, daß wir ein
relativ geringes Preisniveau behalten, weil, wie Sie ja
wissen, Energie ein wichtiger Rohstoff für die
Produktion bei uns ist und weil die Energieverwendung auf
Grund der Automatisation und ähnlicher Dinge mehr
zunehmen wird. Das heißt, wir können es uns nicht
leisten, die Energieverwendung generell zu
besteuern.
Im übrigen bemühen wir uns, den
Jahrhundertvertrag so, wie er jetzt ist, zu erhalten. Denn die große
Gefahr — ich bitte, das bei Ihren Vorschlägen zu
berücksichtigen — ist, daß wir, wenn wir vom
Jahrhundertvertrag weggehen — der ja auch eine
Verpflichtung der EVUs zur Abnahme enthält; das ist ja das
Mengengerüst — , zunächst ein Vakuum haben. Ob
wir dann wieder eine ähnliche Absicherung der
Kohleabnahme bei der Verstromung bekommen
können, ist höchst zweifelhaft.
Präsident Dr. Jenninger: Als letztem erteile ich zu
diesem Fragenkomplex dem Kollegen Kohn das
Wort.
Kohn (FDP): Herr Präsident, ich muß gestehen, ich
bin ein wenig verunsichert über den
Verfahrensablauf. Ich hatte die Premiere vor 14 Tagen so
verstanden, daß jedem einzelnen Abgeordneten ohne
Fraktionsanmeldung die Möglichkeit gegeben ist, Fragen
aus den Bereichen, die ihn interessieren, an die
Bundesregierung zu richten.
(Kleinert [Marburg] [GRÜNE]: So ist es!)
Wenn wir das heutige Verfahren weiter praktizieren,
hat der einzelne durch den Zeitablauf keine Chance,
andere Politikfelder anzusprechen.
(Beifall bei der FDP, der SPD und den GRÜ
-
NEN)
Präsident Dr. Jenninger: Das ist sicherlich
zutreffend. Wir tasten uns bei diesem Versuch voran. Ich
will Sie nicht daran hindern, eine Frage zu stellen, nur
hatten Sie sich zu diesem Fragenkomplex gemeldet.
Wir müssen das ja ein bißchen sammeln und ordnen,
damit nicht wie Kraut und Rüben
durcheinandergefragt wird. Aber wenn Sie jetzt eine Frage zu einem
anderen Thema haben, dann lasse ich die Frage zu.
(Frau Unruh [GRÜNE]: Kraut und Rüben ist
doch gut!)
Kohn (FDP): Vielen Dank, Herr Präsident.
Wir haben in den letzten Tagen von Überlegungen
aus dem Bundesland Baden-Württemberg gehört, und
zwar von seiten des Regierungspräsidenten aus
Stuttgart und von der Landesregierung, künftighin ein
generelles Fahrverbot an bestimmten Tagen für solche
Kraftfahrzeuge vorzusehen, die nicht mit einem
geregelten Drei-Wege-Katalysator ausgerüstet sind. Ich
möchte von der Bundesregierung gerne wissen,
welche Haltung sie zu diesen Vorschlägen aus Baden-
Württemberg einnimmt und ob sie diese Dinge auch
anderen Bundesländern empfehlen möchte.
Präsident Dr. Jenninger: Wer von der
Bundesregierung kann diese Frage beantworten? — Herr
Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für
Verkehr, bitte sehr.
Dr. Schulte, Parl. Staatssekretär beim
Bundesminister für Verkehr: Herr Kollege Kohn, die
Landesregierung Baden-Württembergs prüft diese Frage in
rechtlicher Hinsicht. Bei der Bundesregierung ist das
gleiche im Gange. Sie können vorab davon ausgehen, daß
es erhebliche europarechtliche Bedenken gegen
diesen Vorschlag des Regierungspräsidenten gibt.
Präsident Dr. Jenninger: Ich rufe nun den
Fragebereich „Strukturreform des Alterssicherungssystems"
auf.
Zu einer Frage gebe ich dem Herrn Abgeordneten
Dreßler das Wort.
Dreßler (SPD): Der Bundesarbeitsminister hat am
9. Oktober im Deutschlandfunk die zwischen ihm und
mir seit vielen Monaten unstrittige Auffassung
bekräftigt, daß, falls es zwischen der Koalition und der SPD
zur Übereinstimmung in Sachfragen der
Rentenreform komme, ein interfraktioneller Gesetzentwurf der
beteiligten Bundestagsfraktionen der angemessene
parlamentarische Weg sei.
Herr Minister Blüm, wird das Bundeskabinett
gleichwohl, wie der Bundeskanzler am 26. September
vor dem CDU-Bundesausschuß angekündigt hat,
noch in diesem Jahr einen Gesetzentwurf zur
Rentenreform beschließen und damit die zwischen uns
bestehende Übereinstimmung sprengen?
Präsident Dr. Jenninger: Zur Beantwortung erteile
ich dem Herrn Bundesminister Dr. Blüm das Wort.
Dr. Blüm, Bundesminister für Arbeit und
Sozialordnung: Herr Dreßler, ich will ausdrücklich bestätigen,
daß auf unserer Seite nicht nur die Bereitschaft,
sondern auch der gute Wille zu einem rentenpolitischen
Konsens ungeschmälert vorhanden ist. Es entspricht
der guten Übung, daß ein solcher Konsens durch
gemeinsame Fraktionsinitiativen seinen Ausdruck
findet.
Sollte der Konsens nicht zustande kommen, dann
muß es dennoch zur Reform kommen.
Ich bitte Sie, auch zu überlegen, ob nicht trotz
Fraktionsinitiative, die diesem Konsens Ausdruck verleiht,
parallel ein Regierungsentwurf in die
parlamentarischen Beratungen gegeben werden sollte, um die
Mitwirkungsmöglichkeiten des Bundesrates nicht zu
beschneiden, sondern dem Bundesrat von Beginn des
Gesetzgebungsverfahrens an Mitwirkungsrechte zu
geben. Das stellt überhaupt nicht in Frage, daß der
Konsens seinen Ausdruck durch eine gemeinsame
Initiative der am Konsens beteiligten Fraktionen finden
sollte, zu der ich mich ausdrücklich bekenne, im
Interesse unserer älteren Mitbürger. Ich glaube, das wäre
ein wichtiger, vertrauensbildender Beitrag zu
unserem Rentensystem.
Ich begrüße diese Anstrengung von allen Seiten
auch deshalb, weil ich denke, das parlamentarische
System lebt von der Auseinandersetzung; dazu gibt es
ja auch genügend Gelegenheit. Diese
Auseinandersetzung darf uns nicht daran hindern, zur Kooperation
fähig zu sein. Ich bestätigte diesen
Kooperationswillen ausdrücklich.
Präsident Dr. Jenninger: Zu einer Frage Herr
Abgeordneter Kroll-Schlüter.
(Dreßler [SPD]: Darf ich keine Zusatzfrage
stellen?)
—Nein, wir haben vereinbart, daß wir jedem Kollegen
zunächst einmal eine Frage zugestehen. Wir können
uns vielleicht darüber verständigen, ob wir
Zusatzfragen einführen. Ich bitte jetzt aber darum, das
Verfahren, das wir festgelegt haben, zu akzeptieren, Herr
Kollege Dreßler.
Zu einer Frage hat der Herr Abgeordnete Kroll
-
Schlüter das Wort.
Kroll-Schlüter (CDU/CSU): Herr Bundesminister
Blüm, welche konkreten Schritte hat es denn bis jetzt
eigentlich gegeben, in denen die Absicht zur
gemeinsamen Initiative deutlich wurde? Welche konkreten
Schritte sind von Ihnen bzw. von der Opposition auf
Sie hin gemacht worden?
Dr. Blüm, Bundesminister für Arbeit und
Sozialordnung: Ich denke, ein Konsens kann nicht beim
Nullpunkt beginnen; er muß vorstrukturiert sein. So wie
die Entwicklung ist, sehe ich in den einzelnen
Positionen der CDU, der CSU, der FDP und der SPD alle
Voraussetzungen dafür, daß uns dieser Konsens
gelingen kann.
Ich verweise darauf, daß die
Koalitionsarbeitsgruppe in einjähriger Arbeit eine weitgehende
Übereinstimmung im Hinblick auf diese Reform geschaffen
hat, daß der CDU-Bundesausschuß seine Position
festgelegt hat und daß die CSU in ihrer
Rentenkommission und die FDP in ihrer gestrigen Fraktionssitzung
—wie die CDU — dahin gehend Festlegungen
getroffen haben.
Die aus der SPD bekanntgewordenen Vorschläge
zeigen auch, daß hinsichtlich der Grundlagen dieser
Reform — bei allem Unterschied im Detail —
Übereinstimmung besteht. Die Sozialpartner — sowohl
Arbeitgeber als auch Gewerkschaften — schließen sich
diesem Konsens an, auch die großen
Sozialverbände.
Ich glaube, insofern müssen wir festhalten: Es
besteht Übereinstimmung — das halte ich für nicht
unwichtig — , daß die Reform im bestehenden System
stattfindet, daß Neuordnung des
Rentenversicherungssystems nicht Ausstieg aus dem System, sondern
Weiterentwicklung bedeutet
(Schäfer [Offenburg] [SPD]: Es war eine
klare Frage!)
—ja — und daß die von mir Genannten in dem
Bekenntnis zu einer lohn- und beitragsbezogenen Rente
übereinstimmen. Deshalb haben Vorgespräche
stattgefunden. Aber die offiziellen
Konsensverhandlungen können erst beginnen, wenn die Vorklärungen
getroffen sind. Ich denke, es wäre ein wichtiger
Beitrag zum Gespräch auch im Detail, wenn ein
Referentenentwurf vorläge, der eine Diskussionsgrundlage
sein könnte.
Ich wiederhole: In den Grundfragen besteht diese
Übereinstimmung. Diese Übereinstimmung muß nun
konkretisiert werden.
Ich will die Grundfragen — Herr Abgeordneter, da
mir Ihre Frage Gelegenheit dazu gibt — gern noch
einmal in Erinnerung rufen.
(Zurufe von der SPD)
— Wenn es nicht gewünscht wird. Ich finde,
gegenüber der Öffentlichkeit könnte es geradezu
beruhigend wirken, diese Grundlagen noch einmal zu
formulieren.
Präsident Dr. Jenninger: Aber dazu besteht
Gelegenheit bei einer Regierungserklärung. Sie sollten
heute nur die Fragen beantworten.
Dr. Blüm, Bundesminister für Arbeit und
Sozialordnung: Gut.
Präsident Dr. Jenninger: Ich erteile der Frau
Abgeordneten Unruh das Wort zu einer Frage.
Frau Unruh (GRÜNE): Herr Minister, Sie wissen,
daß ich Ihnen meine Kraft als Volksvertreterin
angeboten habe, um Ihnen vielleicht noch etwas
klarzumachen. Deshalb frage ich Sie jetzt: Wie kommen Sie
dazu, ständig von Alterslohn für Lebensleistung zu
reden und all die alten Mitbürgerinnen und Mitbürger
außen vor zu lassen, die in ihrem Leben einschließlich
ihres Erwerbslebens enorm viel geleistet haben? Ich
denke an Männer, die 35 Jahre, 40 Jahre, 50 Jahre
lang gearbeitet haben, 60 % von ihnen erreichen noch
nicht einmal die Mindestpension der Beamten ohne
eigene Einzahlung, die heute bei 1 640 DM liegt. Wie
kommen Sie jetzt in der Ableitung der Dinge dazu,
eine Mindestrente abzulehnen?
Dr. Blüm, Bundesminister für Arbeit und
Sozialordnung: Frau Unruh, ich konnte Sie und Ihre Fraktion in
die Voraussetzungen für einen Konsens nicht
einschließen, weil Sie von einem anderen System
ausgehen. Wer im System bleiben will, kann Ihre
Vorschläge nicht aufnehmen. Das gebietet die
intellektuelle Redlichkeit. Sie haben einen anderen Ansatz: Sie
koppeln vom Lohn- und Leistungsbezug ab, an dem
wir ausdrücklich festhalten wollen. Die Rente bleibt in
unserem Verständnis Alterslohn für Lebensleistung.
Wir haben diesen Leistungsbegriff allerdings bereits
erweitert, indem wir Kindererziehungszeiten ins
Rentenrecht eingeführt haben. Das ist eine wichtige
Leistung, die auch der Erhaltung des
Generationenvertrages dient. Auf diesem Wege sollten wir
weiterschreiten.
(Frau Unruh [GRÜNE]: Das ist keine Antwort
gewesen!)
Präsident Dr. Jenninger: Zu einer Frage hat der
Abgeordnete Heyenn das Wort.
Heyenn (SPD): Herr Bundesarbeitsminister, Sie sind
einer wichtigen Frage ausgewichen. Der
Bundeskanzler hat angekündigt, das Kabinett werde bis Ende
des Jahres einen Entwurf verabschieden.
Sie wissen genau so gut wie ich, daß, wenn es zu
Gemeinsamkeiten kommen soll, die Vorarbeiten dazu
bis zum Dezember nicht abgeschlossen werden
können. Außern Sie sich bitte dazu, ob es bei der
Ankündigung des Bundeskanzlers bleibt oder ob das in die
Tat umgesetzt wird. Meinen Sie nicht auch, daß ein
Kabinettsbeschluß, der mitten in Verhandlungen
hineinkommt, ein äußerst störender Faktor für die
Bemühungen um Gemeinsamkeit sein wird?
Dr. Blüm, Bundesminister für Arbeit und
Sozialordnung: Sie können ganz sicher sein, Herr
Abgeordneter Heyenn: Solange diese Konsensbestrebungen
erfolgversprechend sind, wird es keinen
Kabinettsbeschluß geben. Ich bekenne mich ausdrücklich dazu,
daß die Fraktionen die Vorfahrt haben. Allerdings
werden Sie auch verstehen, daß wir Vorsorge treffen
müssen. Sollte der Konsensversuch scheitern, muß die
Reform dennoch stattfinden.
Präsident Dr. Jenninger: Zu einer Frage hat Herr
Abgeordneter Bohl das Wort.
Bohl (CDU/CSU): Ich habe zu einem anderen
Komplex eine Frage, und zwar an Frau Staatsministerin
Adam-Schwaetzer: Wir müssen feststellen, daß seit
einigen Wochen zwei Deutsche, ein Arzt und eine
Krankenschwester, in Afghanistan festgehalten
werden. Den beiden werden ein angeblich illegaler
Grenzübertritt und wohl auch subversive Tätigkeit
— was immer das heißen mag — vorgeworfen. Ich
möchte fragen: Wie ist dort der aktuelle Sachstand?
Gibt es weiterhin einen Kontakt der Botschaft mit den
Inhaftierten? Wann ist gegebenenfalls mit einer
Freilassung zu rechnen?
Präsident Dr. Jenninger: Frau Staatsministerin, zur
Beantwortung haben Sie das Wort.
Frau Dr. Adam -Schwaetzer, Staatsminister im
Auswärtigen Amt: Herr Abgeordneter,
bedauerlicherweise müssen wir feststellen, daß die beiden
deutschen Staatsbürger noch nicht freigelassen worden
sind. Aber selbstverständlich werden die
Bundesregierung und die Botschaft in Kabul weiterhin alle
Anstrengungen unternehmen, damit dies so bald wie
möglich geschieht. Es hat gewisse Hinweise darauf
gegeben, daß dieser Fall bald gelöst werden könnte.
Bisher haben wir noch keine Vollzugsmeldung; aber
wir hoffen, daß es möglich sein wird.
Präsident Dr. Jenninger: Zu einer Frage hat der
Abgeordnete Hoss das Wort.
Hoss (GRÜNE): Meine Frage ist an Herrn Blüm
gerichtet und betrifft die Renten. Nun ist durch die
bisherigen Antworten einige Verwirrung entstanden,
weil Sie eine breite parlamentarische
Gesetzesinitiative anstreben, die auch von der SPD getragen wird.
Die SPD hat sich bisher dem Gedanken der
Grundsicherung und der Grundversorgung genähert und hat
sich öffentlich dazu geäußert. Sie haben hier erklärt,
daß Sie unbedingt an der Beitrags- und
Leistungsbezogenheit festhalten. Wenn wir davon ausgehen, daß
heute für Frauen und für Erwerbslose die Erreichung
einer Rente nicht möglich ist bzw. allenfalls in der
Weise, daß die Höhe der Rente unter dem
Sozialhilfeniveau liegt, müssen Sie jetzt erklären, ob es unter der
Decke für Sie Hinweise gibt, daß die SPD an dem
Prinzip der Grundsicherung, dem sie sich genähert
hat, nicht festhält, sondern wie Sie bereit ist, nur von
der Basis der Beitrags- und Leistungsbezogenheit
auszugehen.
Dr. Blüm, Bundesminister für Arbeit und
Sozialordnung: Herr Kollege Hoss, ich eigne mich schlecht als
Interpret der sozialdemokratischen Position.
(Zustimmung bei der SPD)
Aber ich hoffe, ich interpretiere sie richtig, daß auch
für die Sozialdemokratische Partei wie für die
Sozialpartner Reform die Weiterentwicklung unseres
Systems bedeutet, und daß es deshalb nicht zum
Umstieg auf eine Grundrentenform kommt, sondern daß
wir im bestehenden lohnbezogenen System die
Weiterentwicklung betreiben. Hier sehe ich Chancen für
eine Übereinstimmung mit der Opposition.
Präsident Dr. Jenninger: Zu einer Frage hat Herr
Abgeordneter Gansel das Wort.
Gansel (SPD): Herr Präsident, ich habe im Anschluß
an die Frage, die Herr Bohl mir in dem ihm eigenen
Harmoniebestreben vorweggenommen hat — ich
habe eine ähnliche Frage für die Fragestunde
eingereicht — , eine Frage an das Auswärtige Amt, nämlich
was, Frau Staatsministerin, die Bundesregierung in
den letzten vierzehn Tagen, seitdem sie das letzte Mal
hier im Parlament Auskunft gegeben hat,
unternommen hat, damit die beiden in Afghanistan
festgehaltenen deutschen Staatsbürger freikommen.
Präsident Dr. Jenninger: Frau Staatsministerin,
bitte sehr.
Frau Dr. Adam -Schwaetzer, Staatsminister im
Auswärtigen Amt: Herr Abgeordneter, ich glaube, daß
dies eine Frage ist, die im direkten Kontakt sehr viel
besser zu erörtern ist als in einer solchen Fragestunde.
Sie können ganz sicher davon ausgehen, daß die
Botschaft, die sich von Anfang an sehr nachdrücklich
darum bemüht hat, erstens festzustellen, auf welcher
Grundlage diese Verhaftung geschehen ist, und
zweitens darauf hinzuwirken, daß deutlich wird, daß keine
Grundlage für eine solche Verhaftung besteht, diese
Bemühungen fortgesetzt hat. Wie Sie wissen, hat es
Hinweise gegeben, daß eine Freilassung bevorstehen
könnte. Aber bisher haben wir keine Nachricht
bekommen, daß dies schon erfolgt sei.
Präsident Dr. Jenninger: Zu einer letzten Frage
erteile ich das Wort dem Herrn Abgeordneten
Dr. Mechtersheimer.
Dr. Mechtersheimer (GRÜNE): Ist sich die
Bundesregierung darüber im klaren, daß sechs ihrer
Mitglieder im Augenblick im Begriff sind, in ihrer Eigenschaft
als Mitglieder des Verwaltungsrates der Kreditanstalt
für Wiederaufbau einen Waffenexport nach
Jordanien finanziell möglich zu machen, der eindeutig
gegen die Gesetzeslage der Bundesrepublik
Deutschland verstößt?
Präsident Dr. Jenninger: Wer wird diese Frage
beantworten? — Herr Parlamentarischer Staatssekretär,
bitte sehr.
(Jahn [Marburg] [SPD]: Dazu liegen Dring
-
lichkeitsfragen vor!)
— Herr Abgeordneter Mechtersheimer, ich höre
gerade, daß dazu Dringlichkeitsfragen vorliegen. Dann
wäre es nicht zweckmäßig, wenn wir es jetzt
behandeln würden. Wir werden das in der anschließenden
Fragestunde als Ihre Dringlichkeitsfrage behandeln.
Dr. Mechtersheimer (GRÜNE): Das ist doch eine
Frage an die ganze Bundesregierung. Die Fragen in
der Fragestunde beziehen sich auf ein Ressort. In
diesem Fall ist die ganze Regierung gefragt.
Präsident Dr. Jenninger: Ja, aber es wäre nicht
klug, wenn wir diese Überschneidung zulassen
würden. Sonst würden sich alle, die Fragen in der
Fragestunde haben, auch bei der Befragung der
Bundesregierung zu Wort melden. Wir sollten das voneinander
trennen. Deswegen lasse ich diese Frage jetzt nicht
zu.
(Dr. Mechtersheimer [GRÜNE]: Ich hoffe
dann auf größere Aufmerksamkeit anschlie
ßend!)
Meine Damen und Herren, die für die Befragung
der Bundesregierung vorgesehene Zeit ist
abgelaufen.
(V o r s i t z : Vizepräsident Westphal)
Vizepräsident Westphal: Ich rufe Punkt 2 der
Tagesordnung auf:
Fragestunde
— Drucksachen 11/3166, 11/3174 —
Meine Damen und Herren, ich rufe als ersten
Geschäftsbereich in der Fragestunde den
Geschäftsbereich des Bundesministers der Finanzen auf. Hierzu
liegen Dringlichkeitsfragen vor. Zur Beantwortung
steht der Parlamentarische Staatssekretär Dr. Voss
zur Verfügung.
Ich rufe die Dringlichkeitsfrage 1 des
Abgeordneten Dr. Mechtersheimer auf:
Kann die Bundesregierung bestätigen, daß mit Kreditzusagen
durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau der Verkauf von acht
Kampfflugzeugen MRCA Tornado an das Königreich Jordanien
ermöglicht werden so ll ?
Bitte schön, Herr Staatssekretär.
Dr. Voss, Parl. Staatssekretär beim
Bundesministerium der Finanzen: Danke schön, Herr Präsident. —
Herr Kollege Mechtersheimer, die Kreditanstalt für
Wiederaufbau hat den Mitgliedern ihres
Verwaltungsrates eine Kreditvorlage zur Zustimmung
zugeleitet, die die Beteiligung des Instituts an der
Finanzierung des deutschen Anteils eines
Exportkreditgeschäftes vorsieht. Der Bundessicherheitsrat hat sich
mit der Angelegenheit des britischen Exportes befaßt
und beschlossen, keine Bedenken zu erheben. Neben
der Kreditanstalt für Wiederaufbau wollen sich andere
deutsche Kreditinstitute an der Finanzierung
beteiligen.
Vizepräsident Westphal: Sie haben eine
Zusatzfrage, Herr Dr. Mechtersheimer.
Dr. Mechtersheimer (GRÜNE): Gibt es eine
Entscheidung der Bundesregierung, daß Jordanien nicht
mehr zu dem Kreis der Staaten zu rechnen ist, die als
Spannungsgebiete gelten?
Dr. Voss, Parl. Staatssekretär: Eine derartige
Entscheidung der Bundesregierung ist mir nicht bekannt.
Aber im Zusammenhang mit dem, was hier
Gegenstand der Frage ist, Herr Kollege Mechtersheimer,
habe ich eben dargelegt, was die Kreditanstalt für
Wiederaufbau im Hinblick auf das geplante britische
Exportgeschäft zur Beschlußfassung zugeleitet hat.
Vizepräsident Westphal: Sie haben eine weitere
Zusatzfrage, bitte schön, Herr Dr. Mechtersheimer.
Dr. Mechtersheimer (GRÜNE): Hätten Sie
Verständnis dafür, daß in der Öffentlichkeit der Eindruck
von Gangstermethoden entsteht, weil die
Bundesregierung dadurch, daß sie als Träger einer
Finanzierungsanstalt eine Zweitfunktion hat, genau das
Gegenteil dessen macht, was sie sonst öffentlich erklärt,
nämlich Rüstungsexporte zu unterstützen, die nach
der deutschen Rechtslage verboten sind?
Dr. Voss, Parl. Staatssekretär: Dafür habe ich
absolut kein Verständnis, Herr Kollege Mechtersheimer.
Die Rechtslage ist hier so, daß die Bundesregierung
durch ihre Beschlüsse dagegen nicht verstoßen hat.
(Dr. Mechtersheimer [GRÜNE]: Das ist ja un
glaublich!)
Vizepräsident Westphal: Zusatzfrage des
Abgeordneten Feldmann.
Dr. Feldmann (FDP) : Wird die Bundesregierung im
Verwaltungsrat der Kreditanstalt für Wiederaufbau
ihren Einfluß dahin gehend geltend machen, daß
dieser Kreditantrag abgelehnt wird?
Dr. Voss, Parl. Staatssekretär: Im Verwaltungsrat
der Kreditanstalt für Wiederaufbau sind sechs
Mitglieder der Bundesregierung vertreten. Es wird jedem
dieser Mitglieder im Rahmen seiner
Aufgabenerfüllung obliegen, welche Entscheidung es trifft.
Insbesondere sind bei der Entscheidung des einzelnen
Mitglieds die Entscheidungen, die der
Bundessicherheitsrat getroffen hat, zugrunde zu legen.
Vizepräsident Westphal: Zusatzfrage des
Abgeordneten Voigt.
Voigt (Frankfurt) (SPD): Im Anschluß an eine
Äußerung des Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in
Deutschland, Herrn Galinski, vom heutigen Tag
möchte ich die Bundesregierung fragen, ob sie ihre
Politik, Deutschland wieder zur größten
Waffenschmiede werden zu lassen und dies auch am
Experimentierfeld Naher Osten durchzuexerzieren, deshalb
bisher vor der Öffentlichkeit geheimgehalten hat, weil
der 50. Jahrestag der Reichspogromnacht unmittelbar
bevorsteht und diese Exportpolitik als Skandal auch
im Verhältnis zu diesem historischen Datum
angesehen werden könnte.
Dr. Voss, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege, ich darf
hier daran erinnern, daß es sich um ein britisches
Exportgeschäft handelt und daß die Bundesregierung
im Rahmen ihrer Möglichkeiten nicht in der Lage ist,
ein derartiges Exportgeschäft zu vereiteln und zu
verhindern.
(Dr. Mechtersheimer [GRÜNE]: Sie finanzie
-
ren es doch!)
Vizepräsident Westphal: Zusatzfrage des
Abgeordneten Sellin.
Sellin (GRÜNE) : Exportkredite der Kreditanstalt für
Wiederaufbau sind regelmäßig mit Hermes-
Bürgschaften verbunden. Auf eine Anfrage der GRÜNEN
hat die Bundesregierung geantwortet: „Bei
Verbürgung des Exports von Waffen und Rüstungsmaterial
wird ein besonders strenger Maßstab angelegt.
Lieferungen in Länder außerhalb der NATO werden
grundsätzlich nicht verbürgt. "
Wie steht die Bundesregierung zu ihrer Position?
Dr. Voss, Parl. Staatssekretär: Auch in diesem Fall,
Herr Kollege, hat die Bundesregierung eine Hermes-
Verbürgung abgelehnt.
Vizepräsident Westphal: Zusatzfrage des
Abgeordneten Gansel.
Gansel (SPD): Herr Staatssekretär, ist es zutreffend,
daß entsprechend Art. 26 des Grundgesetzes und
entsprechend dem Kriegswaffenkontrollgesetz bzw. dem
Außenwirtschaftsgesetz die Bundesregierung
Genehmigungen erteilen muß, wenn Teile eines
militärischen Kampfflugzeugs aus der Bundesrepublik an
einen NATO-Partner geliefert werden sollen, und daß
nach den Grundsätzen der Bundesregierung vom
28. April 1982 dann eine Prüfung vorzunehmen ist
und Genehmigungen nicht zu erteilen sind, wenn
diese Teile von Kriegswaffen über ein NATO-Land in
Länder der Dritten Welt — und hier in einen
Spannungsbereich — weiterexportiert werden sollen?
Dr. Voss, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege Gansel,
ich habe bereits dargelegt, daß sich der
Bundessicherheitsrat mit dem britischen Export befaßt hat und daß
bei seiner Entscheidung die Grundsätze vom 28. Ap ril
1982 für den Waffenexport beachtet worden sind.
Vizepräsident Westphal: Zusatzfrage des
Abgeordneten Dr. Hirsch.
Dr. Hirsch (FDP): Herr Staatssekretär, ist denn den
Mitgliedern der Bundesregierung, die in dem
entscheidenden Verwaltungsrat der Kreditanstalt für
Wiederaufbau sitzen, bekannt, daß zwischen
Jordanien und dem Staat Israel der Kriegszustand besteht?
Sind Sie nicht der Meinung, daß die Lieferung von
Kriegswaffen genauso eine Kriegsteilnahme ist wie
die Finanzierung der Lieferung von Kriegswaffen an
ein kriegführendes Land?
(Beifall bei der SPD und den GRÜNEN)
Dr. Voss, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege Hirsch,
bei der exzellenten Informationslage, die ich bei
jedem Mitglied der Bundesregierung unterstelle, gehe
ich davon aus, daß das, was Inhalt Ihrer ersten Frage
ist, bekannt ist. Aber die Schlußfolgerung, die in Ihrer
zweiten Frage enthalten ist, vermag ich persönlich
und auch im Namen der Bundesregierung nicht zu
teilen.
(Frau Traupe [SPD]: Der ist frech! Der war
schon immer frech! — Frau Schmidt [
Nürnberg] [SPD]: Das ist ja nicht zu fassen!)
Vizepräsident Westphal: Zusatzfrage des
Abgeordneten Dr. Knabe.
Dr. Knabe (GRÜNE): Herr Staatssekretär, darf die
Öffentlichkeit die Entscheidung dieser Minister für
Kredite zum Waffenexport in ein Land, das sich noch
im Kriegszustand befindet, so interpretieren, wie es
die alten Römer in einem Sprichwort zusammengefaßt
haben: Geld stinkt nicht?
(Voigt [Frankfurt] [SPD]: Kriegskredit ist
das!)
Dr. Voss, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege, Sie
werden in der Lage sein, dem Pressebild zu
entnehmen, wie der einzelne dieses Geschäft interpretiert.
Aber mit dem römischen Grundsatz „pecunia non
olet" sehe ich keinen Zusammenhang.
(Frau Traupe [SPD]: Der ist auch noch stolz
auf seine frechen Antworten! — Zuruf von
der SPD: Der macht so lange, bis wir eine
Aktuelle Stunde beantragen!)
Vizepräsident Westphal: Zusatzfrage der
Abgeordneten Frau Dr. Hamm-Brücher.
Frau Dr. Hamm-Brücher (FDP) : Wird die
Bundesregierung zumindest als ersten Schritt in diesem
unwahrscheinlich skandalösen Vorgang dem
schriftlichen Abstimmungsverfahren für die
Kreditgewährung widersprechen? Dann hätten wir erst einmal
Zeitaufschub.
Dr. Voss, Parl. Staatssekretär: Frau Kollegin Hamm-
Brücher, es ist so: Weil dem Besteller ein
Rücktrittsrecht eingeräumt worden ist, ist das Umlaufverfahren
bis zum 8. November dieses Jahres gewählt worden.
Das ist ein Vorgang, der nicht unüblich ist.
(Frau Dr. Hamm-Brücher [FDP]: Ich habe ge
-
fragt, ob Sie widersprechen? — Voigt [Frank
furt] [SPD]: Waffenlieferungen auch noch im
Schnellverfahren!)
Vizepräsident Westphal: Zusatzfrage des
Abgeordneten Dr. Sperling.
Dr. Sperling (SPD): Herr Staatssekretär, ist es
richtig, daß in dem aus England zu exportierenden
Tornado in der Bundesrepublik gefertigte Teile sind, so
daß wir auf dem Umweg der Finanzierung des Kredits
auch aus der Bundesrepublik Waffen, Gerät dorthin
exportieren und daß nur „furchtbare Juristen" wegen
der Finanzierung keine Zusammenhänge sehen
können?
Dr. Voss, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege, Sie
wissen selbst, daß im Rahmen der Zusammenarbeit die
Bundesrepublik Deutschland hier natürlich Zulieferer
ist. Von daher gesehen erfüllt sie nur ihre Pflicht,
wenn sie auch bei einem derartigen, von der
britischen Regierung geplanten Exportgeschäft ihren
Verpflichtungen nachkommt.
(Dr. Sperling [SPD]: Sie hätten bei Filbinger
gut dienen können!)
Vizepräsident Westphal: Zusatzfrage des
Abgeordneten Dr. Jens.
Dr. Jens (SPD): Herr Staatssekretär, wenn Sie selbst
zugeben, daß Jordanien noch Spannungsgebiet ist,
sind Sie dann nicht bereit, dieses Thema im Kabinett
noch einmal zu diskutieren und den Mitgliedern des
Verwaltungsrates möglicherweise eine Weisung zu
erteilen, daß sie diesem Kredit nicht zustimmen
sollen?
Dr. Voss, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege, ich
habe eben bereits gesagt, daß die Mitglieder der
Bundesregierung, sechs an der Zahl, die im
Verwaltungsrat der Kreditanstalt für Wiederaufbau Sitz und
Stimme haben, nach ihrer persönlichen Entscheidung
verfahren müssen und daß die bereits getroffene
Entscheidung des Bundessicherheitsrates für ihre
Entscheidung nicht ohne Bedeutung sein wird, um das
einmal vorsichtig auszudrücken.
(Zuruf von der FDP: Schamlos!)
Vizepräsident Westphal: Zusatzfrage des
Abgeordneten Dr. Ehmke.
Dr. Ehmke (Bonn) (SPD): Herr Staatssekretär, ist
sich die Bundesregierung nicht darüber klar, daß auch
nur die Einleitung eines solchen Verfahrens sie bei
unseren Freunden in Israel und bei deren Freunden in
der Welt einschließlich Amerika dem Vorwurf des
Zynismus, ja der moralischen Verkommenheit
aussetzen wird?
Dr. Voss, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege Ehmke,
das ist eine Wertung, die Sie anstellen. Ich habe auch
eine Reihe von anderen Stimmen gehört.
Vizepräsident Westphal: Zusatzfrage des
Abgeordneten Grünbeck.
Grünbeck (FDP): Herr Staatssekretär, darf ich
annehmen, daß Sie die Satzung und die
Geschäftsordnung der Kreditanstalt für Wiederaufbau kennen, und
ist das eigentlich in der Satzung, in der
Geschäftsordnung der Kreditanstalt abgedeckt, was hier abläuft?
Dr. Voss, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege
Grünbeck, Sie können davon ausgehen, obwohl ich nicht
Mitglied des Verwaltungsrates der Kreditanstalt für
Wiederaufbau bin, daß ich die Satzung kenne. Ich
habe aber den Eindruck, daß das hier in Rede .
stehende Geschäft der Satzung der Kreditanstalt für
Wiederaufbau nicht zuwiderläuft.
Vizepräsident Westphal: Zusatzfrage der
Abgeordneten Frau Wieczorek-Zeul.
Frau Wieczorek-Zeul (SPD): Ich würde gerne von
Ihnen wissen, wie Sie die Tatsache bewerten, daß
expressis verbis eine Bomberversion des Tornado statt
einer Aufklärerversion nach Jordanien geliefert
werden soll und ob Sie nicht mit mir übereinstimmen, daß
das, was der Nahe Osten braucht, Frieden ist und
nicht deutsche Waffen.
Dr. Voss, Parl. Staatssekretär: Ich stimme mit Ihnen
überein, Frau Kollegin, daß der Nahe Osten Frieden
braucht, uneingeschränkt. Aber das, was hier von der
britischen Regierung als Exportgeschäft vorgesehen
ist, ist mir in seinen Einzelheiten nicht so bekannt, daß
ich Ihre Wertung, es würde sich um eine
Bomberversion und nicht um eine Aufklärerversion handeln, an
dieser Stelle bestätigen kann.
Vizepräsident Westphal: Zusatzfrage des
Abgeordneten Lammert.
Dr. Lammert (CDU/CSU): Herr Staatssekretär,
währen Sie bereit, den Mitgliedern der
Bundesregierung, die dem Verwaltungsrat angehören, für deren
Urteilsbildung mitzuteilen, daß für das hier in Rede
stehende Geschäft im Deutschen Bundestag ganz
offensichtlich keine Mehrheit zu erwarten ist?
(Beifall bei der SPD, der FDP und den
GRÜNEN)
Dr. Voss, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege
Lammert, ich gehe davon aus, daß die betroffenen
Mitglieder der Bundesregierung ohnehin Gelegenheit
nehmen werden, das Protokoll dieser Sitzung zur
Kenntnis zu nehmen.
Vizepräsident Westphal: Zusatzfrage des
Abgeordneten Kleinert (Marburg).
Kleinert (Marburg) (GRÜNE): Herr Staatssekretär,
sehen Sie sich vielleicht doch in der Lage, mir bei der
Aufklärung jenes Widerspruchs zu helfen, den nach
meiner Auffassung jeder normal denkende und
normal gebildete Mensch darin erblicken muß, daß Sie
auf der einen Seite ausdrücklich bejahen, daß es sich
um ein Spannungsgebiet handelt, darüber hinaus
darauf verweisen, daß hier die Beschlüsse der
Bundesregierung, in denen diese Fälle eindeutig geregelt sind,
eingehalten bleiben, und auf der anderen Seite
dennoch kein Problem darin erblicken, daß eine solche
Lieferung durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau
aktiv unterstützt werden soll, oder muß ich davon
ausgehen, daß den Überlegungen, die Sie hier vortragen,
eine andere intellektuelle Logik zugrunde liegt als die
Logik, die normalerweise in Anwendung kommt?
Dr. Voss, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege, wenn
es sich hier um die intellektuelle Aufklärung eines
Problems handelte, sähe ich mich schon in der Lage
— sofern Sie in der Lage sind, die logischen
Grundsätze zu akzeptieren — , Ihnen weiterzuhelfen. Aber,
Herr Kollege, das ist nicht das Problem. Hier wird von
zwei gänzlich verschiedenen politischen
Standpunkten aus diskutiert.
(Zustimmung bei der SPD)
Von daher sehe ich eine Aufklärung des
Widerspruches nicht als möglich an.
(Widerspruch bei der SPD und den GRÜNEN
— Dr. Sperling [SPD]: Das ist kennzeich
-
nend!)
Vizepräsident Westphal: Meine Damen und Herren,
lassen Sie sich bitte über den Stand der
Verhandlungen unterrichten.
Zu dieser ersten Dringlichkeitsfrage haben sich
noch zwei weitere Kollegen zu einer Zusatzfrage
gemeldet. Ich habe die Absicht, diese beiden
Wortmeldungen jetzt noch zu berücksichtigen. Dann gibt es
eine Wortmeldung zur Geschäftsordnung, die ich im
Anschluß daran berücksichtigen werde.
Wir haben, wie Sie sehen, zu diesem Thema und zu
diesem Geschäftsbereich noch zwei weitere
Dringlichkeitsfragen und eine weitere Dringlichkeitsfrage
zu einem anderen Geschäftsbereich, die wir
nacheinander behandeln werden.
Ich bitte, dieses Verfahren zu akzeptieren.
Als nächster hat zu einer Zusatzfrage das Wort Herr
Dr. de With.
Dr. de With (SPD): Herr Staatssekretär, kann die
Bundesregierung nicht einsehen, daß es Situationen
gibt, in denen sie sich nicht hinter bloß
formaljuristischen Positionen verschanzen kann — wenn sie denn
richtig sind — , und daß es hier allein auf die
moralisch-politische Wertung ankommt und ein Beharren
auf juristischen Positionen
(Voigt [Frankfurt] [SPD]: Die sowieso noch
zweifelhaft sind!)
Schaden anrichtet, der uns alle angeht und nicht nur
die Bundesregierung?
Dr. Voss, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege de With,
die Bundesregierung zieht sich hier nicht auf formale
Gesichtspunkte und auf Entscheidungen zurück, die
einmal aus formalen Gründen, wie Sie unterstellen,
gefallen sind. Die Bundesregierung hat sich vielmehr
im Bundessicherheitsrat mit der Materie befaßt. Sie ist
der Meinung gewesen, daß die geltenden
Vorschriften, die hier zu beachten sind, nicht tangiert worden
sind.
Vizepräsident Westphal: Eine letzte Zusatzfrage zu
dieser ersten Dringlichkeitsfrage, Herr Stahl, bitte
schön.
Stahl (Kempen) (SPD): Herr Staatssekretär,
nachdem das gesamte Haus — ich nehme an, daß ich auch
die Bundesregierung insoweit einbeziehen kann —
festgestellt hat, daß zwischen Jordanien und Israel der
Kriegszustand herrscht — Herr Hirsch hat das
gesagt — , frage ich Sie, ob es gerechtfertigt ist, das Haus
in der Art, wie Sie es eben getan haben — auch die
Kollegen der Regierungskoalition — , abzukanzeln,
und ob es denn nicht angebracht ist, daß das
Bundeskabinett den Mitgliedern des Verwaltungsrates der
Kreditanstalt für Wiederaufbau auf Grund der
heutigen Diskussion, die ja wohl noch anhalten wird, und
der Fragestellung Weisung erteilt, daß eine derartige
Finanzierung nicht zustande kommen darf.
(Sehr wahr! bei der FDP)
Dr. Voss, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege, ich
kann Ihr Gefühl nicht teilen, daß ich die Fragesteller in
irgendeiner Form abgekanzelt hätte. Ich habe mich
bemüht, einen Sachverhalt darzulegen, und habe
mich des weiteren bemüht, die Meinung der
Bundesregierung zu diesem Sachverhalt darzulegen. Daß ich
damit nicht auf allgemeine Zustimmung stoße, kann
ich mir denken, wenn ich mir das politische Umfeld in
der Bundesrepublik Deutschland in der einen und in
der anderen Richtung einmal vor Augen halte. Das
habe ich vor dieser Fragestunde natürlich auch getan,
Herr Kollege.
(Stahl [Kempen] [SPD]: Ein Flegel ist das! —
Weitere Zurufe von der SPD und den GRÜ-
NEN)
Vizepräsident Westphal: Das Wort zur
Geschäftsordnung hat Herr Abgeordneter Dr. Ehmke.
Dr. Ehmke (Bonn) (SPD): Herr Präsident! Meine
Damen und Herren! Da der Herr Staatssekretär ganz
offensichtlich nicht in der Lage ist, die politische
Dimension dieser Frage zu verstehen, beantrage ich die
Herbeirufung des Bundesministers der Finanzen.
(Beifall bei der SPD, der FDP und den GRÜ-
NEN — Kleinert [Marburg] [GRÜNE]: Jetzt
bin ich erst einmal dran!)
Vizepräsident Westphal: Herr Abgeordneter
Kleinert, bezieht sich das auf dieselbe
Geschäftsordnungsfrage? — Dann haben Sie zunächst das Wort,
bevor ich dazu noch etwas sage.
Kleinert (Marburg) (GRÜNE): Ich kann es ganz kurz
machen: Meine Fraktion unterstützt dies
ausdrücklich. Ich denke, daß sich der Bundestag eine solche Art
der Behandlung dieses Themas nicht bieten lassen
kann. Ich habe es streckenweise als eine schlichte
Unverschämtheit empfunden,
(Zustimmung bei Abgeordneten der SPD)
wie uns hier auf diese Fragen Auskunft gegeben
worden ist.
(Beifall bei den GRÜNEN, der SPD und
Abgeordneten der FDP — Dr. Ehmke [Bonn]
[SPD]: Sehr wahr!)
Die Regierung hat jetzt dafür zu sorgen, daß hier
Abhilfe geschaffen wird. Deswegen sollte Herr
Stoltenberg unverzüglich hier erscheinen.
Vizepräsident Westphal: Herr Laufs, kann ich
davon ausgehen, daß sich Ihre Wortmeldung zur
Geschäftsordnung auf dieselbe Sache bezieht? — Bitte,
dann äußern Sie sich jetzt.
Dr. Laufs (CDU/CSU): Herr Präsident! Meine
Damen und Herren! Ich möchte zunächst feststellen, daß
es absolut ungewöhnlich und gegen den
parlamentarischen Brauch ist,
(Lachen bei der SPD)
in der Fragestunde einen Bundesminister
herbeizuzitieren, der sich zuvor entschuldigt hat und der durch
seinen Parlamentarischen Staatssekretär vertreten
ist.
(Dr. Sperling [SPD]: Unzulänglich vertreten!
— Voigt [Frankfurt] [SPD]: Das, was er
macht, ist unparlamentarisch! — Dr. Ehmke
[Bonn] [SPD]: Der Mann ist nicht satisfak
-
tionsfähig! Das ist das Problem!)
Herr Stoltenberg hat einen Termin, der es ihm nicht
möglich macht, jetzt hierzusein. Für die CDU/CSU-
Bundestagsfraktion beantrage ich nach § 45 Abs. 2
der Geschäftsordnung, die Beschlußfähigkeit des
Hauses feststellen zu lassen.
Vizepräsident Westphal: Meine Damen und Herren,
jetzt gehen wir so vor: Mir liegt ein Brief des
Bundesministers der Finanzen vor, von ihm selbst
unterschrieben, in dem er sich beim Präsidenten für 13 Uhr
entschuldigt, also für die Veranstaltung, die wir vor
der Fragestunde hatten. Insofern habe ich die Pflicht,
nachzuprüfen, ob diese Entschuldigung auch jetzt
noch gilt. Das werde ich jetzt machen.
Die Frage ist, wie wir geschäftsordnungsmäßig
weiter verfahren. Wir stehen vor der Notwendigkeit, eine
Abstimmung über den gestellten Antrag auf
Herbeirufung eines Ministers vorzunehmen. Das ist das
normale Verfahren. Bei einer solchen Abstimmung über
eine Sache kann festgestellt werden, ob die
Beschlußfähigkeit vorhanden ist oder nicht.
Ich werde gerade darauf aufmerksam gemacht, daß
es in dem Brief des Bundesfinanzministers mit der
Bitte, ihn zu entschuldigen, heißt: ab 13 Uhr von den
Sitzungen des Deutschen Bundestages freizustellen.
— Ich will das trotzdem feststellen lassen, denn der
Anlaß ist, so glaube ich, klar. Ich bitte also darum, daß
das in der Zwischenzeit geschieht.
Ich schlage vor, daß wir, bevor wir zu unserer
Abstimmung über diese Frage kommen, zunächst einmal
feststellen, ob der Minister überhaupt erreichbar ist.
Wenn sich herausstellt, daß er nicht erreichbar ist,
können wir uns auch die Abstimmung sparen. Ich
glaube, das ist das richtige Verfahren.
Im übrigen muß ich hier mitteilen, daß es durchaus
schon Fälle gegeben hat, in denen ein Minister in der
Fragestunde herbeigerufen worden ist.
(Frau Traupe [SPD]: Aber ja!)
Meine Damen und Herren, mein Vorschlag ist, so zu
verfahren, daß wir in der Zwischenzeit die Dringliche
Frage aufrufen, die sich an einen anderen
Geschäftsbereich wendet,
(Frau Traupe [SPD]: Richtig!)
nämlich an den Geschäftsbereich des
Bundesministers der Verteidigung. Zwar behandelt sie dasselbe
Thema, aber eben gezielt auf den
Verteidigungsminister. Wenn ich in der anderen Sache eine Nachricht
habe, werde ich entsprechend fortfahren. Besteht
Einverständnis? — Ich sehe und höre keinen
Widerspruch.
Ich bitte Herrn Staatssekretär Voss, im Saal zu
bleiben, weil sein Geschäftsbereich noch nicht
abgehandelt ist, und bitte Herrn Parlamentarischen
Staatssekretär Würzbach, zur Beantwortung der Dringlichen
Frage 4 des Abgeordneten Voigt (Frankfurt) zur
Verfügung zu stehen, die ich hiermit aufrufe:
Wird die Bundesregierung ihr Konsultationsrecht beim
geplanten Verkauf von Tornado-Kampfflugzeugen an Jordanien
durch die britische Regierung dahin gehend ausüben, daß sie
gegen den Waffenexport in den Nahen Osten Stellung
nimmt?
Bitte schön, Herr Staatssekretär.
Würzbach, Parl. Staatssekretär beim
Bundesminister der Verteidigung: Herr Präsident! Herr Kollege
Voigt, die Bundesregierung hat nach gründlicher
Prüfung des britischen Vorhabens beschlossen, keine
Bedenken gegen diese Ausfuhr zu erheben.
(Gansel [SPD]: Aha!)
Vizepräsident Westphal: Eine Zusatzfrage des
Abgeordneten Voigt.
Voigt (Frankfurt) (SPD): Nachdem durch diese
Außerung klargeworden ist, daß es nicht um das formale
Argument des mangelnden Rechts geht — ein Recht,
auf das Sie übrigens 1983 selber verzichtet haben,
denn bis dahin hatten Sie ja ein Vetorecht gegen
einen solchen Export — , möchte ich jetzt fragen, ob
Sie, Herr Würzbach, der Meinung sind, daß dieses
Vorgehen den verteidigungspolitischen und
sicherheitspolitischen Interessen der Bundesrepublik
Deutschland entspricht, ob also Ihrer Meinung nach
Rüstungsexporte nach Jordanien gehen können, und
zwar angesichts unserer Geschichte, wenige Tage vor
dem Jahrestag der Reichspogromnacht, und wenn
dies angesichts des Tatbestandes erörtert werden
muß, daß die Sache bisher geheimgehalten worden
ist, wodurch sich der Verdacht erhärtet hat, als wolle
die Bundesregierung dieses gesamte Geschäft vor den
Augen der Öffentlichkeit verbergen, verheimlichen
und vertuschen?
Würzbach, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege Voigt,
die Vereinbarung zwischen der Bundesrepublik und
Großbritannien wurde noch zu Zeiten von
Bundeskanzler Schmidt in der gleichen Form verhandelt wie
seit Anfang der 70er Jahre zwischen Deutschland und
Frankreich.
(Voigt [Frankfurt] [SPD]: Nein!)
Das ist Ihnen bekannt.
(Gansel [SPD]: Falsch! Das stimmt nicht! —
Voigt [Frankfurt] [SPD]: Nein, darauf haben
Sie verzichtet!)
Dort wurde das Vetorecht durch das
Konsultationsverfahren abgelöst.
(Voigt [Frankfurt] [SPD]: Nein, das haben Sie
erst beschlossen!)
Wir haben es dann im Mai 1983 unterzeichnet. Dies ist
korrekt.
(Gansel [SPD]: Sie haben auf das Vetorecht
verzichtet!)
Ich habe von den vorangegangenen Verhandlungen
gesprochen.
Ich antworte Ihnen, daß wir nach einem
gründlichen Abwägungsprozeß aus deutschen
Sicherheitsinteressen insgesamt heraus, wobei verschiedene
Komponenten einfließen, darauf verzichtet haben,
erhebliche Bedenken geltend zu machen. Wenn Sie hier
zeitliche Verbindungen zu geschichtlichen Abläufen
herstellen, darf ich Sie daran erinnern, daß der
Bundessicherheitsrat über diesen Vorgang im Juni dieses
Jahres beschlossen hat.
(Voigt [Frankfurt] [SPD]: Und jetzt diese
Frage letzten Endes im Umlaufverfahren er
-
ledigen will!)
Vizepräsident Westphal: Herr Voigt, Sie haben
noch eine Zusatzfrage.
Voigt (Frankfurt) (SPD): Ich möchte Sie dann fragen,
ob Sie auch angesichts des Tatbestandes, daß der
Vorsitzende des Zentralrates der Juden, Herr Galinski,
aber nicht nur er, sondern auch Vertreter aller
Parteien diese Frage jetzt in die Öffentlichkeit gebracht
haben und jetzt hier kritisch diskutieren, nicht der
Meinung sind, daß Ihre Haltung in bezug auf die
sicherheitspolitischen Interessen revisionsbedürftig
ist, weil Sie in diesem Zusammenhang sonst in den
Geruch kommen, Kriegspartei zu werden, daß man
eine solche Entscheidung erst recht nicht im
Umlaufverfahren klären kann und daß Sie deshalb die
gesamte Entscheidung noch einmal überprüfen und
revidieren müßten?
Würzbach, Parl. Staatssekretär: Ich bin der
Meinung, daß der Bundessicherheitsrat — Sie wissen, wie
er sich zusammensetzt — im Juni dieses Jahres in
gründlicher Beratung all die Dinge, die hätten beraten
werden müssen, gründlich geprüft hat und dann nach
sorgfältigem Abwägen zu diesem Beschluß
gekommen ist, an dem wir festhalten.
Vizepräsident Westphal: Zusatzfrage der
Abgeordneten Frau Wieczorek-Zeul.
Frau Wieczorek-Zeul (SPD): Ich würde gern wissen,
ob in die Prüfungen das mit eingeflossen ist, was ich
vorhin angesprochen habe, nämlich die Tatsache, daß
es sich um eine Bomber-Version handelt, was Sie in
Bewertung dieses Tatbestandes daraus schlußfolgern
und ob es im Vorfeld den Versuch des
Bundesaußenministers gegenüber der englischen Regierung
gegeben hat, ein solches Geschäft zu verhindern.
Würzbach, Parl. Staatssekretär: In die
Überlegungen, Frau Kollegin, die zu dem Beschluß geführt ha
ben, sind die Fähigkeiten eines solchen Flugzeuges
natürlich mit eingeflossen.
(Frau Wieczorek-Zeul [SPD]: Ach!)
Es handelt sich um acht Flugzeuge, die dorthin
exportiert werden. Hier ist die Bundesregierung der
Meinung, daß von diesen acht Flugzeugen eine mögliche
Gefährdung von Nachbarn auf Grund der bei den
Nachbarn vorhandenen militärischen Fähigkeiten
nicht ausgeht.
(Dr. Ehmke [Bonn] [SPD]: Dann kann man ja
beide beliefern! Unglaublich, unglaublich!
— Dr. Mechtersheimer [GRÜNE]: Dann
bringt es nichts, dann kann man es ja bleiben
lassen! — Weitere Zurufe von der SPD und
den GRÜNEN)
Vizepräsident Westphal: Zusatzfrage des
Abgeordneten Feldmann.
Dr. Feldmann (FDP): Herr Staatssekretär, habe ich
Sie soeben richtig verstanden, daß im Rahmen des
Konsultationsverfahrens von der Bundesregierung
keine Bedenken geltend gemacht wurden, ist dem so,
und sehen Sie, wenn dem so ist, Herr Staatssekretär,
darin nicht die Gefahr, daß die Glaubwürdigkeit
unserer restriktiven Rüstungsexportpolitik dadurch in
Zweifel gezogen wird?
(Voigt [Frankfurt] [SPD]: Die ist doch schon
lange nicht mehr restriktiv!)
Würzbach, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege,
Bedenken unterschiedlicher Art wurden im
Bundessicherheitsrat erörtert. Erhebliche Bedenken — das ist
der Terminus technicus in der Vereinbarung —
ergaben sich nach dieser Diskussion — unter
Zurückstellung mancher Bedenken — in der Form nicht, daß
Einwendungen in Form der Konsultationsverfahren
gegenüber Großbritannien erhoben wurden. Ich sehe
hiermit die Glaubwürdigkeit der restriktiven
Rüstungsexportpolitik der Bundesrepublik überhaupt
nicht gefährdet.
Vizepräsident Westphal: Zusatzfrage der
Abgeordneten Frau Dr. Hamm-Brücher.
Frau Dr. Hamm-Brücher (FDP): Wenn es nach dem
Kriegswaffenkontrollgesetz verboten ist, Waffen in
Spannungsgebiete zu exportieren: Wie kann denn die
Bundesregierung, wie kann denn die deutsche
Offentlichkeit überhaupt noch erwarten, daß sich
Waffenexporteure an diese Bestimmungen halten, wenn
die Bundesregierung sie selber nicht einhält?
(Dr. Ehmke [Bonn] [SPD]: Sehr gut! — Beifall
der Abg. Frau Wieczorek-Zeul [SPD])
Würzbach, Parl. Staatssekretär: Frau Kollegin, wir
halten alle diese Bestimmungen in der restriktiven
Form,
(Lachen und Zurufe von der SPD und den
GRÜNEN)
die nicht geändert wurde in den Grundlagen, die ja
die Vorgänger-Regierung noch erlassen hat, für
eingehalten und für gewährleistet.
(Frau Schmidt [Nürnberg] [SPD]: 50%ige
Steigerung der Rüstungsexporte der Bundes
-
republik Deutschland im letzten Jahr! —
Voigt [Frankfurt] [SPD]: Die Bundesrepublik
wird zur Waffenschmiede!)
Vizepräsident Westphal: Zusatzfrage des
Abgeordneten Dr. Sperling.
Dr. Sperling (SPD): Herr Staatssekretär, hält die
Bundesregierung einschließlich des Bundeskanzlers
und des Bundesaußenministers die Lieferung von
teilweise in der Bundesrepublik gefertigten Bombern in
ein Land, das mit Israel im Kriegszustand befindlich
ist, für richtig?
Würzbach, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege, wir
halten diese Lieferung eines Partners, mit dem wir
gemeinsam mit Italien kooperieren, in der niedrigen
Stückzahl, auf die ich hingewiesen habe, zur
Herstellung der Luftverteidigungskapazität dieses Landes
(Frau Traupe [SPD]: Was, Tornados zur Luft
verteidigung? — Dr. Ehmke [Bonn] [SPD]:
Nicht zu glauben! — Weitere Zurufe von der
SPD)
trotz einiger Bedenken, die wir haben, nach dem
dreimal eben erwähnten Abwägungsprozeß nicht für so,
daß wir in Konsultationsverfahren hier eingegriffen
hätten.
(Unruhe)
Vizepräsident Westphal: Meine Damen und Herren,
es gibt zwar die Möglichkeit, sich auch über dieses
Thema zu erregen,
(Voigt [Frankfurt] [SPD]: Der tut so, als sei
das ein Segelflugzeug!)
aber wir müssen beim parlamentarischen Stil bleiben.
Herr Kollege, ich hatte eigentlich auch schon vor, das
zum Kollegen Stahl vorhin zu sagen. Ich bitte beide,
daran zu denken, daß wir beim parlamentarischen
Sprachgebrauch bleiben sollten.
Die nächste Zusatzfrage stellt der Abgeordnete
Dr. Hirsch.
Dr. Hirsch (FDP): Herr Staatssekretär, ich möchte
mal davon absehen, daß es den Käufer dieser
Maschinen sicher interessieren wird, wenn Sie sagen, daß
acht Stück dieser Maschinen harmlos sind.
Aber ich möchte den Gedanken von Herrn
Feldmann fortführen: Wenn nach dem deutschen
Kriegswaffenkontrollgesetz der Export von Kriegswaffen in
ein Gebiet, in dem Krieg besteht, verboten ist und
wenn die Exportrichtlinien so, wie sie mir bis jetzt
bekannt sind, bei Kooperationsverträgen vorsehen,
daß wir versuchen, unsere Partner an diese
Grundlagen zu binden, dann möchte ich Sie fragen, welche
Anstrengungen denn die Bundesregierung
unternommen hat, um dieses sich aus dem Gesetz ergebende
Ziel zu erfüllen.
Würzbach, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege, ich
will hier nur nachschieben: Von „harmlos" habe ich
nicht gesprochen. Ich habe davon gesprochen — das
beantwortet auch Ihre Frage — , daß diese acht zu
liefernden Maschinen eine Gefährdung eines Nachbarn
auf Grund der bei den Nachbarn vorhandenen und
verfügbaren einsatzfähigen militärischen Systeme
nicht hergäben. Dies war der Grund, daß wir die
nationale souveräne britische Entscheidung, Maschinen zu
exportieren, nach Abwägung der möglichen
Bedenken so betrachtet haben, daß erhebliche Bedenken
dem nicht entgegenstehen.
(Dr. Hirsch [FDP]: Sie haben also keine
Anstrengungen gemacht! Ich wollte mich nur
vergewissern, ob ich den Staatssekretär
richtig verstanden habe, daß er keine
Anstrengungen unternommen hat!)
Vizepräsident Westphal: Nach unserer
Geschäftsordnung geht das leider nicht. Wir müssen unsere
Regeln einhalten. Viele Kollegen haben sich noch zu
Wort gemeldet.
Der Abgeordnete Gansel hat die nächste
Zusatzfrage.
Gansel (SPD): Herr Staatssekretär, welche von
Ihnen vorhin zitierten sicherheitspolitischen Gründe
der Bundesrepublik sprechen für einen Export von
Bomberflugzeugen in den Nahen Osten, und welche
verteidigungspolitischen Gründe der Bundesrepublik
Deutschland sprechen dafür, ausgerechnet durch die
Kreditanstalt für den Wiederaufbau den Export von
Bombern zu finanzieren, die in Israel ganze
Landstriche in Schutt und Asche legen könnten?
Würzbach, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege, zu
der Finanzierungsfrage habe ich jetzt hier nicht zu
antworten; da hat das Parlament ja eine besondere
Prozedur gerade eben eingeleitet.
Ich komme auf Dinge zurück, die ich hier schon
zwei-, dreimal gesagt zu haben meine. Die
Bundesregierung hat auch im Bundessicherheitsrat das eine
oder andere Bedenken nicht unerheblicher Art
vorgetragen. Beim Gesamtabwägen der Frage, ob wir unter
Bezug auf die Vereinbarung mit Großbritannien das
Konsultationsverfahren mit dem Ziel, einen solchen
Export zu unterbinden, einleiten oder nicht, ist die
Bundesregierung zu der Auffassung gekommen, daß
dies in der erheblichen Form wegen der möglichen
Auswirkungen auf mögliche Nachbarn auf Grund der
Steigerung der militärischen Fähigkeiten nicht
geschehen solle.
Vizepräsident Westphal: Eine Zusatzfrage des
Abgeordneten Dr. Knabe.
Dr. Knabe (GRÜNE): Herr Staatssekretär, ist Ihnen
vielleicht klar, daß mit dem jetzigen Vorgehen der
Bundesregierung, mit dem jetzigen Verzicht auf
Erhebung erheblicher Bedenken im Rahmen der
Konsultationsmöglichkeit ein sehr wirksamer Beitrag zur
Abschreckung von Europa geleistet wird, zur
Unterstreichung der Tatsache, daß damit bundesdeutsche
Gesetze ausgehöhlt werden, daß damit etwa die
Beschränkung des Rüstungsexportes in
Spannungsgebiete bzw. in kriegführende Länder einfach
gegenstandslos wird?
Würzbach, Parl. Staatssekretär: Der Meinung ist die
Bundesregierung nicht, Herr Kollege.
Vizepräsident Westphal: Frau Traupe, die nächste
Zusatzfrage.
Frau Traupe (SPD) : Herr Staatssekretär, hat sich das
Bundeskabinett insgesamt mit der Frage der
Lieferung von Tornado-Kampfflugzeugen, nicht: -
Abfangjägern, angesichts der Tatsache befaßt, daß sich in
diesem Jahr die Reichspogromnacht zum fünfzigsten
Male jährt?
Würzbach, Parl. Staatssekretär: Frau Kollegin,
dieses ist auf Grund der Geschäftsordnung Aufgabe des
Bundessicherheitsrates, und dieser hat sich damit
befaßt.
(Voigt [Frankfurt] [SPD]: Das ist eine
gesamtpolitische Frage!)
Vizepräsident Westphal: Zusatzfrage der
Abgeordneten Frau Schmidt (Nürnberg).
Schmidt (Nürnberg) (SPD): Herr Staatssekretär, bis
vor ungefähr 15 Minuten hat es sich noch um
„Aufklärungsflugzeuge" gehandelt, inzwischen handelt es
sich um „Bomber" , und wir sollten davon nicht als
Maschinen reden. Dieses nur nebenbei. — Ich habe
die Frage, wie man den Tornado-Bomber zur
Verteidigung einsetzt.
Würzbach, Parl. Staatssekretär: Frau Kollegin, ich
finde, dieses Thema ist so ernst, daß wir auch bei dem
Ernst bleiben sollten.
(Frau Schmidt [Nürnberg] [SPD]: Mir ist es
mindestens so bitterernst wie Ihnen!)
Hier vorne hat gar niemand innerhalb von 15
Minuten aus dem einen Typ den anderen gemacht. Dieses
Flugzeug heißt „IDS" und ist ein Typ — ich will
versuchen, ernsthaft auf Ihre verständliche und
begründete Frage zu antworten —, der in der Lage ist, sowohl
in der Verteidigung wie in begrenzten
Angriffshandlungen eingesetzt zu werden. Dies ist korrekt.
Wenn Sie mir das Beispiel erlauben: Wenn ich ein
Messer habe, kann ich mich damit verteidigen wie
einen angreifen.
(Unruhe bei den GRÜNEN)
Wenn ich vorhin von Luftverteidigung gesprochen
habe, dann gehört für jeden Staat in der Welt zu einer
wirklichen Luftverteidigung sowohl die Komponente,
sich über dem eigenen Gebiet selbst zu verteidigen,
(Voigt [Frankfurt] [SPD]: Wie über Tel
Aviv!)
wie die, zur Glaubwürdigkeit der Verteidigung in
einer begrenzten Form bereits zu verhindern, daß
andere einen angreifen. Das ist die deutsche
Philosophie, nach der wir, unter welcher Verantwortung auch
immer, über drei Jahrzehnte unsere Luftwaffe auf ge
-baut haben, eine Luftwaffe, die den Frieden hier
erhält, die den Krieg verhindert.
(Voigt [Frankfurt] [SPD]: Jetzt vergleicht er
Israel mit der Sowjetunion!)
Dies ist ein Flugzeug, das zur Verbesserung der
Luftverteidigung in der angesprochenen Form beitragen
kann.
(Voigt [Frankfurt] [SPD]: Das wird ja immer
schlimmer!)
Vizepräsident Westphal: Zusatzfrage des
Abgeordneten Sellin.
Sellin (GRÜNE): Herr Staatssekretär, habe ich Sie so
richtig verstanden, daß der Export von acht Tornados
nach Jordanien ein Beitrag dazu sein soll, ein
Gleichgewicht auf höherem Niveau in dem
Spannungsgebiet und Kriegszustandsgebiet zwischen Jordanien
und Israel herzustellen? Ist das die Exportphilosophie
der Bundesrepublik?
Würzbach, Parl. Staatssekretär: Nein, das ist sie
nicht.
Aber die Briten, die dieses Flugzeug dorthin in
dieser niedrigen Stückzahl exportieren, erhöhen hiermit
Jordaniens Fähigkeit bei der Luftverteidigung und
gefährden damit wegen der dort vorhandenen
Kapazitäten nicht irgendwelche Nachbarn um Jordanien
herum.
(Frau Schmidt [Nürnberg] [SPD]: Wozu kauft
man die denn dann?)
Vizepräsident Westphal: Zusatzfrage der
Abgeordneten Frau Oesterle-Schwerin.
Frau Oesterle-Schwerin (GRÜNE): Herr
Staatssekretär, sind Sie nicht mit mir der Auffassung, daß die
Aufregung um die Lieferung dieser Tornados in
diesem Hause leicht übertrieben ist, weil
Waffenlieferungen in den Nahen Osten keineswegs eine neue
Erscheinung sind, sondern solche Lieferungen schon in
den 60er Jahren stattgefunden haben und zwar mit
Zustimmung der Vertreter der SPD und der FDP?
(Voigt [Frankfurt] [SPD]: Tornados sind
qualitativ etwas völlig anderes!)
Würzbach, Parl. Staatssekretär: Frau Kollegin, ich
verstehe, daß angesichts dieser Lieferung im
deutschen Parlament, da deutsche Firmen auf Grund der
Kooperation mit Großbritannien und Italien daran
beteiligt sind, danach und nach möglichen
Zusammenhängen und Auswirkungen gefragt wird.
Vizepräsident Westphal: Zusatzfrage des
Abgeordneten Dr. Mechtersheimer.
Dr. Mechtersheimer (GRÜNE): Herr Staatssekretär,
können wir Einverständnis darüber erzielen, daß es
sich bei einem Flugzeug, daß Sie korrekt mit „IDS"
bezeichnet haben, um ein Interdiction-Strike-
Flugzeug handelt, dessen ausschließliche Aufgabe darin
besteht, in den gegnerischen Bereich einzudringen
und dort Bomben abzuwerfen, und daß die
Bezeichnung, die Sie vorhin im Sinne von Luftverteidigung
verwendet haben, allenfalls auf einen Versprecher
zurückzuführen sein könnte?
Würzbach, Parl. Staatssekretär: Nein, Herr Kollege.
Ich bleibe dabei, daß dies zur Stärkung der
Luftverteidigung
(Dr. Mechtersheimer [GRÜNE]: Ach!)
mit den von Ihnen beschriebenen Fähigkeiten — das
ist korrekt —,
(Voigt [Frankfurt] [SPD]: Defensiv nach
vorn!)
zur Erhöhung der Luftverteidigung und damit auch
zur Abschreckung von Möglichkeiten,
Kriegshandlungen beizutragen in der Lage ist.
(Dr. Mechtersheimer [GRÜNE]: Absurd!)
Vizepräsident Westphal: Zusatzfrage des
Abgeordneten Baum.
Baum (FDP): Herr Kollege, meinen Sie nicht,
nachdem in meiner Fraktion, der FDP-Fraktion, gestern
einmütig eine Ablehnung des Waffengeschäfts und
der Kreditfinanzierung zum Ausdruck gekommen ist
und auch hier das Meinungsbild ziemlich deutlich ist,
daß die Bundesregierung erneut ein
Konsultationsverfahren betreiben und alles dazu beitragen sollte,
daß die Kreditfinanzierung nicht zustande kommt?
(Brauer [GRÜNE]: Fragen sie mal Herrn Ban
-gemann!)
Würzbach, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege, Sie
konnten noch nicht im Plenum sein, als wir die
Kreditgeschichten abgetrennt haben. Dafür habe ich im
Augenblick nicht zu reden.
Vizepräsident Westphal: Zusatzfrage des
Abgeordneten de With.
Dr. de With (SPD): Herr Staatssekretär, wenn denn
schon die Bundesregierung meint, daß durch die
Lieferung von acht Tornado-Bombern eine Gefährdung
des Nachbarn Israel nicht erreicht wird: Wann wird
denn eine Gefährdung Israels erreicht, durch welche
Anzahl, und glauben Sie nicht, daß das Abheben auf
die bloße Stückzahl geradezu eine zynische
Begründung ist?
Würzbach, Parl. Staatssekretär: Nein, Herr Kollege,
dieser Meinung bin ich nicht. In hypothetische
Überlegungen, wann wo was einträte, bin ich nicht gewillt
mich zu begeben.
(Voigt [Frankfurt] [SPD]: Das müssen Sie
doch planen bei Ihrem Bundessicherheitsrat!
Sie müssen hypothetische Fragen prüfen! Es
ist Ihre Aufgabe, das vorher zu prüfen, ver
-
dammt noch mal!)
Vizepräsident Westphal: Herr Vahlberg, noch dazu?
— Bitte schön.
Vahlberg (SPD): Herr Staatssekretär, trifft es zu, daß
die Bundesregierung 1983 auf das Vetorecht bei den
Exporten des Gemeinschaftsprojekts Tornado
gegenüber der britischen Regierung verzichtet hat?
Würzbach, Parl. Staatssekretär: Herr Kollege,
richtig ist, daß wir — ich glaube, seit 1971 — einen
Vertrag zwischen Deutschland und Frankreich haben, der
dieses Vetorecht nicht vorsieht, und daß die Briten seit
langer Zeit, seit Ende der 70er Jahre darauf
gedrungen haben, daß zwischen Großbritannien und uns ein
ähnlicher, an Frankreichs Vereinbarungen
gemessener Vertrag hergestellt wird, daß diese
Verhandlungen noch unter dem Kanzler Schmidt eingeleitet
wurden, langwierige, komplizierte Verhandlungen, die
dann im Mai 1983
(Gansel [SPD]: Das ist nicht wahr!)
in einer Vereinbarung den Niederschlag fanden,.
(Gansel [SPD]: Das ist doch nicht wahr!)
wonach das Vetorecht
(Gansel [SPD]: Das ist unglaublich!)
in dieser Form nicht mehr stattfindet, sondern durch
das Konsultationsverfahren dann,
(Gansel [SPD]: Sie haben 1983 verzichtet! Sie
haben 1983 verzichtet!)
wenn erhebliche Bedenken vorliegen, ersetzt wird.
Vizepräsident Westphal: Meine Damen und Herren,
wir sind am Ende dieses Geschäftsbereichs, was die
Dringlichkeitsfragen betrifft.
Sie haben gemeinsam mit mir festgestellt, daß der
Herr Bundesfinanzminister gekommen ist. Ich möchte
ihm dafür danken. Er ist trotz der Entschuldigung
gekommen und hat also die Bedeutung der
Diskussion erkannt.
(Lachen bei der SPD und den GRÜNEN —
Kleinert [Marburg] [GRÜNE]: Das wird sich
jetzt noch herausstellen!)
Ich nehme an, daß er inzwischen von seinen
Mitarbeitern unterrichtet ist. Wenn Sie soweit sind, Fragen
beantworten zu können, Herr Minister, dann rufe
ich die Dringlichkeitsfrage 2 des Abgeordneten
Dr. Mechtersheimer auf:
Welche Gründe hindern die Bundesregierung, die in der
Presse erwähnten Mitglieder des Kabinetts oder deren
nachgeordnete Stellen, Stellung zu Fragen mit solch weitreichender
Bedeutung und großem öffentlichen Interesse zu nehmen?
Bitte schön, Herr Minister.
Dr. Stoltenberg, Bundesminister der Finanzen: Herr
Präsident! Meine Damen und Herren! Ich darf zu
Ihren geschäftsleitenden Bemerkungen kurz sagen: Ich
hatte mich für die Fragestunde entschuldigt, weil ich
die Mitglieder des Sachverständigenrates zu einem
lang vereinbarten Termin heute im
Finanzministerium hatte. Ich habe deshalb nach der anerkannten
Praxis Herrn Kollegen Voss gebeten, mich zu
vertreten. Da sich die Mitglieder des Sachverständigenrats
um 10 nach 2 verabschiedet haben, hatte ich auch
keine Schwierigkeiten, jetzt zu der weiteren Frage zu
kommen.
Zur ersten Dringlichkeitsfrage hat der Kollege Voss
Stellung genommen. Die Antwort ist gegeben. Ich
glaube, daß sich durch die Stellungnahme von Herrn
Voss auch schon ein Teil der Frage erledigt hat. Denn
Herr Kollege Voss hat, wie ich eben sehe, mitgeteilt,
daß Pressemeldungen stimmen, denen zufolge der
Bundessicherheitsrat der Bundesregierung die
Grundsatzfrage im Juni erörtert und keine Bedenken
erhoben hat. Man kann also die Frage, ob sich die
Kreditanstalt für Wiederaufbau im Rahmen eines
Bankenkonsortiums an der Finanzierung beteiligen kann,
nur im Lichte der Grundsatzdebatte im
Bundessicherheitsrat bewerten. Infolgedessen halte ich es für
vertretbar, daß der Vorstand der Kreditanstalt eine
Meinungsbildung zu dieser Frage eingeleitet hat. Aber
die Prüfung der Kreditvorlage ist noch nicht
abgeschlossen. Insofern kann ich auch keine
abschließende Erklärung für die Bundesregierung abgeben.
Vizepräsident Westphal: Zusatzfrage des
Abgeordneten Dr. Mechtersheimer.
Dr. Mechtersheimer (GRÜNE): Heißt das, daß der
Bundesregierung bewußt ist, daß diese
Angelegenheit von einer solchen politischen Brisanz ist, daß sich
Neuüberlegungen hier geradezu aufzwingen?
Dr. Stoltenberg, Bundesminister: Ich entnehme
einer Agenturmeldung, die ich eben auf der Fahrt
hierher gelesen habe, daß der Bundeswirtschaftsminister
noch einmal eine neue Erörterung wünscht. Ich bin zu
dieser neuen Erörterung bereit.
Vizepräsident Westphal: Zusatzfrage Nummer
zwei, Herr Mechtersheimer.
Dr. Mechtersheimer (GRÜNE): Der
Bundesregierung wäre klar, auch Sie, Herr Minister, wären sich
darüber im klaren, daß die Realisierung dieses
Vorhabens eine deutliche Wende in der bisherigen Praxis
von Rüstungsexporten der Bundesrepublik
Deutschland bedeuten würde.
Dr. Stoltenberg, Bundesminister: Ich glaube das,
Herr Kollege, nicht. Ich sage das jetzt mit Vorbehalt,
weil ich durch die Vereinbarung mit Herrn Voss nicht
alle Unterlagen so sorgfältig gelesen habe, wie ich es
bei der Vorbereitung auf eine parlamentarische
Diskussion selbst getan hätte.
Wir haben zwei Sachverhalte. Wir haben aus
Gründen, die allen bekannt sind, die Entwicklung
moderner Waffensysteme zunehmend in europäischer
Gemeinschaftskooperation. Wir haben nun die Situation,
daß die beteiligten Staaten die Kriterien von
Exportmöglichkeiten unterschiedlich bewerten. Das ist
eigentlich der zugrunde liegende Sachverhalt, nicht
beschränkt auf dieses eine bedeutsame und jetzt
diskutierte Vorhaben. Nun ist die Staatspraxis, wie ich
glaube, auch schon zur Zeit früherer
Bundesregierungen, so, daß bei Gemeinschaftsproduktionen das
federführende Land die Entscheidung nach seiner
Rüstungsexportpraxis trifft, die, wie Sie wissen, unter
den beteiligten Staaten nicht einheitlich ist, und das
mitbeteiligte und insofern auch an Zulieferungen
beteiligte Land zu prüfen hat, ob es dagegen
Einwendungen erhebt. Das ist geschehen.
(Dr. Mechtersheimer [GRÜNE]: Aber Sie för
-
dern ja!)
Dies ist die entscheidende Frage. Ob dann eine
überwiegend im Bundesbesitz befindliche Bank, die ihre
Entscheidung natürlich nach eigenen Statuten und
nicht auf Grund von Weisungen der Regierung trifft,
nach einer solchen Grundsatzentscheidung in einer
reinen Exportfinanzierung mitfinanzieren kann oder
nicht, ist die nächste Frage.
Vizepräsident Westphal: Zunächst eine Zusatzfrage
des Abgeordneten Feldmann.
Dr. Feldmann (FDP): Herr Bundesminister, wir
haben sicher erfreut zur Kenntnis genommen, daß Sie
bereit sind, in dieser Angelegenheit in eine erneute
Debatte im Verwaltungsrat einzutreten. Ich darf Sie
fragen: Kann man daraus, daß, wie wir vorhin gehört
haben, die Hermes-Finanzierung abgelehnt wurde,
schließen, daß das Geschäft auch insgesamt als
problematisch angesehen wurde?
Dr. Stoltenberg, Bundesminister: Ich will zunächst
einmal feststellen, daß es im Verwaltungsrat bisher
keine Diskussion gegeben hat.
(Dr. Feldmann [FDP]: Es war im
Umlaufverfahren!)
— Ich will es nur klarmachen. — Ich bin auch auf
Grund der Nachrichtenlage aber bereit, jetzt diesen
Punkt noch einmal mit dem Kollegen Martin
Bangemann als dem stellvertretenden Vorsitzenden in der
Sache und im Verfahren intensiv vorzubesprechen.
Ich kann nach meiner amtlichen Kenntnis und
Erinnerung nicht sagen, daß die Nichtgewährung einer
Hermes-Bürgschaft bereits ein Maßstab für das Projekt als
solches ist. Ich weiß aus Diskussionen vergangener
Jahre etwa in Verbindung mit Aufträgen für den
Export von Marineschiffen, daß es Fälle gibt, in denen
die Bundesregierung dem Export zugestimmt hat,
aber keine Hermes-Bürgschaft gewährt hat; das sind
zwei verschiedene Verfahren, Herr Kollege
Feldmann.
Vizepräsident Westphal: Zusatzfrage des
Abgeordneten Sellin.
Sellin (GRÜNE): Herr Stoltenberg, Sie haben
gerade plastisch geschildert, daß ein Konsortium aus
Großbritannien, Italien und der Bundesrepublik unter
der finanziellen Führung Großbritanniens zu dem
Ergebnis führt, daß die Kriterien Großbritanniens
gelten. Empfinden Sie nicht, daß die Deregulierung, die
hier eintritt, dazu führt, daß die deutschen
Bestimmungen über dem Verbot des Exports von Waffen in
Spannungsgebiete außer Kraft gesetzt werden? Ist es
Ihr Begehren, daß diese Deregulierung eintritt?
Dr. Stoltenberg, Bundesminister: Herr Kollege
Sellin, ich habe hier gar kein Begehren geäußert. Ich
habe an eine Situation erinnert, die alle oder fast alle
in diesem Hohen Haus kennen. Wir haben spätestens
seit den 70er Jahren die Gemeinschaftsproduktionen
im Rahmen der NATO, die aus vielen Gründen
sinnvoll sind. Hier gibt es eine Staatspraxis weit vor der
Amtszeit der jetzigen Bundesregierung, die ich
beschrieben habe. Natürlich muß man im einzelnen sehr
sorgfältig abwägen, ob man Bedenken erhebt, und
man muß die Frage prüfen, ob das Nichterheben von
Bedenken ausschließt, daß öffentlich-rechtliche
Banken mit maßgeblicher, aber nicht ausschließlicher
Einflußnahme des Bundes sich an einer regulären
Exportfinanzierung beteiligen können oder nicht.
Ich bin, wie ich Ihnen gesagt habe, bereit, die Frage
— nachdem nun auch der Wunsch des
Bundeswirtschaftsministers dazu besteht — vor der nächsten
Sitzung des Verwaltungsrates mit ihm noch einmal
eingehend zu erörtern. Ich habe als
Verwaltungsratsmitglied in der Sache übrigens noch nicht votiert.
Vizepräsident Westphal: Zusatzfrage der
Abgeordneten Frau Dr. Hamm-Brücher.
Frau Dr. Hamm-Brücher (FDP) : Herr
Bundesfinanzminister, können Sie nicht einen ganz deutlichen
Widerspruch darin erkennen und hier bestätigen, daß
wir auf der einen Seite in unserem
Kriegswaffenexportgesetz die Waffenlieferung in Spannungsgebiete
und noch dazu in Regionen, in denen der
Kriegszustand herrscht, wie das ja im Nahen Osten der Fall ist,
ausdrücklich verbieten und andererseits im
Sicherheitsrat keine Einwendungen gegen ein
Kooperationsrüstungsgeschäft erhoben werden? Wie sollen wir
in der Öffentlichkeit die Moral eines solchen
Verfahrens der Umgehung unserer klaren gesetzlichen
Bestimmungen eigentlich erklären?
Dr. Stoltenberg, Bundesminister der Finanzen: Frau
Kollegin, ich glaube nicht, daß die Meinungsbildung
im Bundessicherheitsrat, dessen Beratungen ja
vertraulich sind, von einem solchen Widerspruch oder
von dem Willen gekennzeichnet war, einen
Umgehungstatbestand herbeizuführen. Man muß die
zugrunde liegende Frage diskutieren: Ist es weiterhin
richtig, mit anderen NATO-Staaten, vor allem in
Europa, moderne kostspielige Waffensysteme
gemeinschaftlich zu entwickeln? Ich sage dazu ja. Die zweite
Frage ist dann: Ist es möglich, mit ihnen stärker
gemeinsame Grundsätze für die Exportpolitik zu
entwikkeln? Ich glaube, Sie werden mir aus Ihrer eigenen
politischen Erfahrung zustimmen, daß das eine sehr
schwierige Aufgabe ist.
(Voigt [Frankfurt] [SPD]: Jetzt gehen Sie wie
-
der zum Allgemeinen!)
Vizepräsident Westphal: Zusatzfrage der
Abgeordneten Frau Wieczorek-Zeul.
Frau Wieczorek-Zeul (SPD): Ich möchte von Ihnen
ganz konkret wissen, ob das, was heute als Wille des
Deutschen Bundestages zum Ausdruck gekommen
ist, nämlich die Ablehnung dieses Geschäftes, von
Ihnen in Ihrer Funktion als Vorsitzender des
Verwaltungsrates der Kreditanstalt für Wiederaufbau zum
Tragen gebracht werden wird.
Dr. Stoltenberg, Bundesminister der Finanzen: Frau
Kollegin, ich habe ja bereits gesagt, ich bin auf Grund
der kritischen Anmerkungen bereit, in der
Vorbereitung der Sitzung den Punkt insbesondere mit dem
stellvertretenden Vorsitzenden, Herrn Kollegen
Bangemann, zu erörtern und neue Gesichtspunkte und
kritische Argumente in die Betrachtung
einzubeziehen. Ich bin aber nicht der Meinung, daß ich als
Vorsitzender des Verwaltungsrates im Rahmen einer
Fragestunde Weisungen entgegenzunehmen habe.
(Dr. de With [SPD]: Davon hat niemand ge
sprochen! Da hat er sich vergriffen!)
— Nein, das wollte ich nur vorsorglich sagen; ich
wollte höflich sein.
Vizepräsident Westphal: Zusatzfrage des
Abgeordneten Herrn Gansel.
Gansel (SPD): Herr Minister, daran anschließend
möchte ich Sie folgendes fragen: Trifft es zu, daß, wie
ich einer Veröffentlichung des
Bundesfinanzministeriums entnehme, der Gegenstand der Kreditanstalt für
Wiederaufbau folgendes ist — ich zitiere —:
Gewährung von Darlehen
— zur Förderung der deutschen Wirtschaft
— im Zusammenhang mit Ausfuhrgeschäften
inländischer Unternehmen
— für förderungswürdige Vorhaben im Ausland
(insbesondere im Rahmen der
Entwicklungshilfe),
und wäre die Finanzierung des Exports von
Bombenflugzeugen in den Nahen Osten, die Israel zum Teil in
Schutt und Asche legen könnten, mit dem
Geschäftsgegenstand einer Kreditanstalt für den Wiederaufbau
wirklich zu vereinbaren?
Dr. Stoltenberg, Bundesminister der Finanzen: Ich
will zu der Frage zwei Anmerkungen machen.
Es gibt keinen Grund, weder für die
Bundesregierung noch für den Bundestag, zu unterstellen, daß die
jordanische Regierung Israel in Schutt und Asche
legen will.
Das zweite ist, daß nach meiner Einschätzung
— aber ich bin noch einmal zu einer sorgfältigen
fachlichen Nachprüfung bereit — unter dem Vorzeichen
„Förderung von Exporten deutscher Unternehmen"
die Zweckbestimmung wahrscheinlich als anwendbar
angesehen werden kann, wenn wir uns rein auf die
formale Seite der Satzung, Herr Kollege Gansel,
beschränken und nicht die weitergehenden, auch
kritischen Fragestellungen einbeziehen.
Vizepräsident Westphal: Zusatzfrage des
Abgeordneten Dr. Sperling.
Dr. Sperling (SPD): Herr Bundesfinanzminister,
halten Sie als Politiker die Lieferung von
Bombenflugzeugen, die zum Teil in der Bundesrepublik gefertigt
worden sind, in ein mit Israel im Kriegszustand
befindliches Land für richtig, und zwar für so richtig, daß
keine Bedenken zu erheben sind?
Dr. Stoltenberg, Bundesminister: Die
Vorentscheidungen sind im politischen Bereich gefallen. Ich habe
sie Ihnen geschildert. Ich gehe davon aus — ich bin
davon fest überzeugt —, daß der Bundessicherheitsrat
seine Entscheidung sorgfältig erwogen und nach
Gesichtspunkten getroffen hat, die absolut vertretbar
sind. Das berührt Ihre kritische Fragestellung.
Das zweite ist: Meine Damen und Herren, dieses
Thema ist nicht neu. Ich erinnere mich jetzt daran, daß
vor drei Jahren in der internationalen und der
deutschen Presse darüber berichtet wurde, daß das
Vereinigte Königreich von dem Gemeinschaftsprojekt
Tornado eine große Stückzahl an Saudi-Arabien
geliefert hat. Wir hätten das nach unseren Kriterien für
den Waffenexport zu jenem Zeitpunkt nicht
beschlossen. Aber jeder, der an dieser Frage interessiert ist
— das gilt für Abgeordnete aus allen Fraktionen —,
weiß doch, daß mit dieser Entscheidung
Großbritanniens involviert war, daß deutsche Firmen zuliefern,
weil das ein Gemeinschaftsprojekt ist.
(Dr. Sperling [SPD]: Ist Saudi-Arabien im
Kriegszustand mit Israel?)
— Nein, ich habe das nur zu der Grundsatzfrage
gesagt, meine Damen und Herren.
Vizepräsident Westphal: Zusatzfrage des
Abgeordneten Voigt (Frankfurt).
Voigt (Frankfurt) (SPD): Herr Minister, nachdem Sie
ja durch Ihre eigenen Bemerkungen eigentlich
indirekt eingestanden haben, daß das Umlaufverfahren,
in dem in der Kreditanstalt für Wiederaufbau
entschieden werden sollte, eine große Instinktlosigkeit
war, denn sonst würden Sie es ja nicht für erforderlich
halten zu sagen, Ihre eigene Entscheidung sei noch
offen und Sie wollten noch einmal darüber
diskutieren, und nachdem Sie auch gesagt haben, die
Vorentscheidung sei im politischen Bereich gefallen, möchte
ich Sie fragen, welche politischen Gründe dann für
einen solchen Export nach Jordanien sprechen und
insonderheit welche finanzpolitischen und
wirtschaftspolitischen Gründe dafür sprechen, daß Sie
einen solchen Export nicht auf Grund schwerer
Bedenken verhindert haben.
Dr. Stoltenberg, Bundesminister: Ich bin nicht in der
Lage, Herr Kollege, die konkreten Erwägungs- und
Entscheidungsgründe für die Meinungsbildung im
Bundessicherheitsrat hier zu nennen. Zum ersten sind
die Sitzungen vertraulich, und zum zweiten — das
füge ich nur als Fußnote hinzu — habe ich aus
anderen dienstlichen Gründen nicht an dieser Sitzung
teilgenommen. Aber mein Vertreter hat dieser
Entscheidung zugestimmt, und ich billige sie ausdrücklich.
Nur, ich kann deswegen auch gar nicht die Gründe
nennen. Das ist aber der entscheidende Punkt.
(Voigt [Frankfurt] [SPD]: Also Sie billigen,
aber Sie wissen nicht die Gründe?)
—Ich bin davon überzeugt, daß das nach sorgfältiger
und gewissenhafter Prüfung so ist; wobei wir ja nicht
diejenigen sind, die einen eigenen Export genehmigt
haben, sondern wir standen ausschließlich vor der
Frage, ob wir verhindern können und wollen, daß sich
unser Partner bei der Entwicklung in eigener
Verantwortung zu einer solchen Exportentscheidung
bekennt. Das war die konkrete Fragestellung, über die
zu entscheiden war.
Vizepräsident Westphal: Zusatzfrage der
Abgeordneten Frau Schmidt (Nürnberg).
Frau Schmidt (Nürnberg) (SPD): Herr Minister, Sie
haben vorhin erwähnt, daß es die Möglichkeit gibt, in
diesen Kooperationsverträgen Bedenken zu äußern.
Wir haben jetzt mehrfach gehört, daß es keine oder
keine erheblichen Bedenken dagegen gibt. Sie haben
an der Sitzung nicht teilgenommen. Deshalb ist es
keine Verletzung der Vertraulichkeit, wenn Sie meine
nun folgende Frage beantworten: Herr Minister,
haben Sie Bedenken gegen dieses Geschäft? Wenn ja,
welche, und warum sind diese nicht erheblich? Wenn
nein, möchte ich gern wissen, ob diese
Bedenkenlosigkeit unter Umständen dazu geführt hat, daß unsere
Rüstungsexporte im letzten Jahr um 50 % gestiegen
sind. Das ist die höchste Steigerungsrate seit Bestehen
der Bundesrepublik.
Dr. Stoltenberg, Bundesminister: Ich kann auch
nachträglich keine Bedenken gegen die damals
wohlerwogene Entscheidung des Bundessicherheitsrates
formulieren.
(Dr. Mechtersheimer [GRÜNE]: Sie sind ein
Waffenhändler!)
Vizepräsident Westphal: Eine Zusatzfrage des
Abgeordneten Kleinert (Marburg).
Kleinert (Marburg) (GRÜNE): Herr Minister, wie
darf ich auf dem Hintergrund Ihrer eben noch einmal
wiederholten Auffassung, daß die Entscheidung im
politischen Raum gefallen sei und aus Ihrer Sicht sehr
wohlerwogen gefallen sei, Ihre Einlassung verstehen,
daß Sie selbst in dieser Frage noch nicht endgültig
entschieden seien,
(Sauer [Salzgitter] [CDU/CSU]: Wieviel
Fragen darf man hier eigentlich stellen, Herr
Präsident?)
und welche neuen Gesichtspunkte könnten auf dem
Hintergrund der von Ihnen eben noch einmal
bekräftigten Auffassung für Sie womöglich maßgeblich sein,
am Ende doch noch dafür einzutreten, dieses Projekt
nicht durch einen Kredit zu unterstützen?
Dr. Stoltenberg, Bundesminister: Herr Kollege
Kleinert, die hier schon vom Herrn Kollegen Voss auf
Grund der Pressemeldungen ausdrücklich bestätigte
Beratung im Bundessicherheitsrat ist ein wesentlicher
Anhaltspunkt für eine Meinungsbildung bei der
Kreditanstalt. Sie bedeutet natürlich keineswegs
automatisch, daß ein Kredit der Kreditanstalt gewährt wird
oder auch begründet ist. Aber es ist selbstverständlich
ein wesentlicher Anhaltspunkt für die
Meinungsbildung in der Kreditanstalt.
Zur zweiten Frage will ich nur wiederholen: Wenn,
wie ich jetzt höre, Kollegen auch innerhalb der
Bundesregierung — das wird mir heute erstmals
bekannt — Bedenken äußern, will ich mit ihnen über
diese Bedenken reden, bevor ich mir abschließend
eine Meinung bilde.
(Frau Dr. Hamm-Brücher [FDP]: Das stand ja
erst gestern in der Zeitung! — Kleinert [
Marburg] [GRÜNE]: Sie haben diese Bedenken
nicht?)
— Herr Kleinert, ich habe zur Sache Stellung
genommen, dort, wo ich Entscheidungen für wohlerwogen
halte und wo ich bereit bin, kritische Fragen noch
einmal neu zu diskutieren und zu überprüfen. Mehr kann
ich dazu im Augenblick nicht sagen.
Vizepräsident Westphal: Eine Zusatzfrage des
Abgeordneten Dr. Hirsch.
Dr. Hirsch (FDP): Herr Minister, kann ich dem
Gesamtzusammenhang Ihrer Antworten entnehmen,
daß sich Ihrer Meinung nach die Vertreter der
öffentlichen Hand im Verwaltungsrat, also die Vertreter des
Bundes und der Länder, jedenfalls bewußt sind oder
bewußt werden, wie problematisch es wäre, wenn sie
sich die privatrechtliche Gestaltung der Sachlage
— Kooperationsvertrag und zivilrechtliche Tätigkeit
der Kreditanstalt — zunutze machen würden, um sich
an einem Geschäft zu beteiligen, das nach deutschem
Recht, wenn wir es selber täten, verboten wäre?
Dr. Stoltenberg, Bundesminister: Diese
Problematik muß im Lichte der kritischen Argumente noch
einmal diskutiert werden. Aber ich werde nicht aus dem
Handgelenk darauf eine Antwort geben.
Vizepräsident Westphal: Eine Zusatzfrage des
Abgeordneten Klejdzinski.
Dr. Klejdzinski (SPD): Herr Minister, ist Ihnen
unabhängig von der fiskalischen Problematik bewußt,
welche Qualität ein Jagdbomber Tornado hat und mit
welcher Qualität Sie jetzt in dieses Krisengebiet
eingreifen, und ist Ihnen gleichzeitig bewußt — jetzt
frage ich Sie als Mitglied dieser Bundesregierung —,
daß Sie, wenn Sie dieses Flugzeug in dieses Gebiet
liefern, was Sie vorhin als durchaus abwägenswert
erachtet haben, ein Flugzeug liefern, das jegliche
Radarmöglichkeit unterfliegen kann, und daß dadurch,
wenn man so will, ein Land diesem Tornadoflugzeug
mit seinen Systemen schutzlos ausgeliefert ist?
Dr. Stoltenberg, Bundesminister: Ich teile nicht Ihre
Auffassung, daß wir mit dem Votum des
Bundessicherheitsrats und der jetzt anstehenden Abwägung im
Hinblick auf die Kreditanstalt in das Krisengebiet
eingreifen. Wir liefern auch nicht. Falls geliefert würde,
würde natürlich das Vereinigte Königreich mit der
Exportgenehmigung die wesentliche Verantwortung
übernehmen.
(Sellin [GRÜNE]: Das ist doch ein Versteck
-
spiel!)
Vizepräsident Westphal: Eine Zusatzfrage des
Abgeordneten Professor Weisskirchen (Wiesloch).
Weisskirchen (Wiesloch) (SPD): Ist, Herr Minister,
in diese Überlegungen eigentlich mit einbezogen
worden und ist darüber hinaus auch Israel befragt
worden, ob der Einsatz eines solchen Flugzeugs nicht
ebenfalls Interessen beispielsweise Israels berühren
könnte?
Dr. Stoltenberg, Bundesminister: Mir ist das nicht
bekannt. Sie werden auch verstehen, daß ich dazu aus
dem Handgelenk keine Antwort geben kann.
(Weisskirchen [Wiesloch] [SPD]: Wäre es
nicht sinnvoll, wenn Sie das mit bedenken
würden?)
Vizepräsident Westphal: Eine Zusatzfrage des
Abgeordneten Jens.
Dr. Jens (SPD): Herr Minister, sind Sie bereit, nach
der Diskussion mit Herrn Bangemann, die Sie
angekündigt haben, und nach den Gesprächen mit den
anderen Mitgliedern im Verwaltungsrat, aber bevor
die Entscheidung im Verwaltungsrat fällt, hier oder im
Finanzausschuß noch einmal über Ihre Entscheidung
ausführlich zu berichten?
Dr. Stoltenberg, Bundesminister: Ich kann Ihnen
nicht zusagen, daß ich vor der Debatte im
Verwaltungsrat noch einmal berichte. Aber ich bin natürlich
bereit — nachdem dies Gegenstand einer Erörterung
im Deutschen Bundestag war — , nach den
Gesprächen und nach der Sitzung zu berichten.
(Voigt [Frankfurt] [SPD]: Nach der Sitzung!
Das ist unglaublich! — Kleinert [Marburg]
[GRÜNE]: Wenn die Entscheidung schon
gefallen ist!)
— Das ist doch nicht anders möglich.
Vizepräsident Westphal: Zusatzfrage des
Abgeordneten Bohl.
Bohl (CDU/CSU): Herr Minister, ich möchte, da ich
nicht weiß, ob solche Kriterien bei der Entscheidung
des Sicherheitsrates eine Rolle spielen, fragen, ob es
nicht zumindest zu bedenken ist, daß das Königreich
Jordanien doch auch eine stabilisierende Rolle im
Nahen Osten spielt, und ob die Tatsache, daß der
jordanische König und der ägyptische Staatspräsident
zusammen mit dem Chef der PLO in den letzten Tagen
eine Empfehlung im Hinblick auf die
Parlamentswahlen in Israel gegeben haben, ob also solche politischen
Erwägungen beim Sicherheitsrat eine Rolle spielen
können?
Dr. Stoltenberg, Bundesminister: Ich habe bereits
als Antwort auf eine der vielen vorhergehenden
Fragen empfohlen, daß wir in der Unterstellung von
Motiven, also bis hin zur Unterstellung der Absicht eines
Angriffs auf andere Staaten, äußerst vorsichtig sein
sollten. Hier gibt es nach meiner Überzeugung keinen
Grund, im Deutschen Bundestag festzustellen, daß
Jordanien diese Beschaffung erwägt, um aktiv
militärisch gegen ein Nachbarland vorzugehen.
Vizepräsident Westphal: Meine Damen und Herren,
ich rufe die Dringliche Frage 3 der Abgeordneten Frau
Wieczorek-Zeul auf:
Wie beurteilen die Vertreter der Bundesregierung im
Verwaltungsrat der Kreditanstalt für Wiederaufbau die von der Bank
geplante Teilfinanzierung für den Verkauf von TORNADO-
Kampfflugzeugen an Jordanien?
Ich gehe eigentlich davon aus, daß diese Frage
insgesamt schon mit beantwortet worden ist. Haben Sie
noch Zusatzfragen, Frau Abgeordnete? — Dann muß
der Herr Minister auf Ihre Fragen noch eine Antwort
geben.
Frau Wieczorek-Zeul (SPD): Habe ich Sie richtig
verstanden, daß Sie keine politischen Bedenken
gegen die Lieferung hatten und daß eine mögliche
Veränderung Ihres Verhaltens jetzt nur durch die
Nachrichtenlage zustande kommt, die Sie vorhin genannt
haben, d. h., weil Sie dabei erwischt worden sind?
Dr. Stoltenberg, Bundesminister: Frau Kollegin,
meine herzliche Bitte ist in diesem fortgeschrittenen
Stadium, doch dieselben klaren Begriffe zu
verwenden: Es geht nicht um die Lieferung. Die
Exportgenehmigung erfolgt — wenn sie erfolgt — durch das
Vereinigte Königreich. Es ist mehrfach ausgeführt,
daß die Bundesregierung nach Prüfung keine
Bedenken dagegen erhoben hat, daß es deutsche
Zulieferungen gibt. — Soweit zum Thema Lieferungen.
Das zweite ist das Thema der Beteiligung der
Kreditanstalt für Wiederaufbau an einem Kredit; da geht
es nicht um Lieferungen. Ich habe nur gesagt — ich
wiederhole es gerne — : Nachdem der
Bundeswirtschaftsminister ausdrücklich — wie ich eben hörte,
bevor ich herkam — heute eine neue Erörterung
gewünscht hat, stehe ich ihm sofort zu dieser Erörterung
zur Verfügung und werde die dabei vorgebrachten
Bedenken in die Meinungsbildung einbeziehen.
Vizepräsident Westphal: Liebe Kollegen, ich muß
darauf aufmerksam machen, daß wir eine ganze
Fragestunde für dieses Thema verwendet haben.
(Frau Wieczorek-Zeul [SPD]: Kann ich meine
Zusatzfrage noch stellen?)
—Okay, ich habe alles zugelassen; denn die
Wichtigkeit ist jedem deutlich geworden. Trotzdem bitte ich
herzlich darum, nicht Fragen noch einmal zu stellen,
die schon gestellt worden sind. Ich wäre dankbar,
wenn die sich noch meldenden Kollegen das beachten
würden.
Sie haben eine weitere Zusatzfrage, Frau
Abgeordnete.
Frau Wieczorek-Zeul (SPD): Sie haben vorhin als
ein besonderes Problem die internationale
Kooperation in diesem Rüstungsbereich genannt und haben
gesagt, deshalb sei es sehr schwer, dies von unserer
Seite aus zu kontrollieren. Ich wollte nachfragen, ob es
von seiten der Bundesregierung in den letzten
Wochen, Monaten oder auch Jahren Versuche gegeben
hat, im Rahmen der Europäischen Politischen
Zusammenarbeit eine einheitliche restriktive Regelung bei
diesen Fragen zu bewirken. Denn das wäre die
einzige Form, die glaubwürdig macht, daß hier keine
Umgehungsgeschäfte bewußt organisiert werden.
Dr. Stoltenberg, Bundesminister: Ich wäre Ihnen
sehr dankbar, wenn Sie diese Frage einmal mit den in
erster Linie zuständigen Kollegen, dem
Bundesaußenminister und dem Bundeswirtschaftsminister, im
zuständigen Ausschuß oder hier erörterten. Ich
könnte Ihnen ohne Rücksprache mit diesen Ministern
—das werden Sie auch verstehen — diese Frage nicht
sicher beantworten.
Vizepräsident Westphal: Zusatzfrage des
Abgeordneten Voigt.
Voigt (Frankfurt) (SPD): Herr Bundesfinanzminister,
nachdem Sie bedauerlicherweise eben keine Zusage
geben wollten, daß Sie vor einer Entscheidung des
Verwaltungsrates den Bundestag und seine
Ausschüsse noch einmal konsultieren, möchte ich Sie
fragen, ob Sie diese Entscheidung nicht noch einmal
überdenken, nachdem Sie nach der heutigen
Diskussion hier, sofort einen Termin für Herrn Bangemann
gefunden haben und ob nicht Terminplanungen für
den Verwaltungsrat und andere Terminplanungen
wesentlich weniger wichtig sind, als es das Ziel sein
sollte, in dieser Frage einen politischen Konsens mit
dem Bundestag zu finden?
Dr. Stoltenberg, Bundesminister: Herr Kollege
Voigt, bei vollem Respekt vor dem
Informationswunsch des Hohen Hauses
(Voigt [Frankfurt] [SPD]: Es ist nicht nur ein
Informationswunsch!)
— auch vor dem Diskussionswunsch — muß ich
einfach darauf hinweisen, daß nach meiner Erinnerung
—ich kann mich um einen Tag irren — der
Verwaltungsrat Anfang der nächsten Sitzungswoche tagt.
Aus Gründen, die auch in einer Reihe anderer
wichtiger Verpflichtungen des Verwaltungsrats liegen — es
gibt auch noch andere Themen als dieses — , können
wir die Sitzung nicht verschieben.
Ich bin der Meinung, daß im Lichte der geführten
Gespräche und auch unter ernster Prüfung der
kritischen Argumente die Frage geklärt werden muß;
denn nach meiner Erinnerung ist es so, daß — auch
durch die vorgegebenen Fristen — die Frage, ob sich
die KfW beteiligt oder nicht, keinen weiteren
Aufschub duldet.
Das ist der Grund, nicht ein mangelnder Respekt vor
dem Hohen Hause.
(Voigt [Frankfurt] [SPD]: Sie hätten uns ja
früher fragen und informieren können!)
Vizepräsident Westphal: Eine Frage des
Abgeordneten Kleinert (Marburg).
Kleinert (Marburg) (GRÜNE): Herr
Bundesfinanzminister, sehen Sie nicht die Notwendigkeit, daß
angesichts der offenkundigen Sachlage, wie sie sich jetzt
abzeichnet, dem Plenum des Bundestags doch
zumindest noch Gelegenheit gegeben werden müßte,
gegebenenfalls auch hier in einer Plenarsitzung zu einer
Meinungsbildung in dieser Frage zu kommen? Sehen
Sie auf dem Hintergrund dieser Überlegung keine
Veranlassung, die Terminlage, die Sie eben dargelegt
haben, noch einmal umzustellen?
Dr. Stoltenberg, Bundesminister: Herr Kollege
Kleinert, ich habe die Gründe für die Terminplanung
genannt. Ich bin — ohne alle Unterlagen noch einmal
nachgelesen zu haben — der festen Überzeugung,
daß bis zum 11. die Entscheidung getroffen sein muß,
ob sich die KfW beteiligt oder nicht. Wir werden für
unser Votum dem Deutschen Bundestag
selbstverständlich die Gründe nennen.
Vizepräsident Westphal: Zusatzfrage des
Abgeordneten Klejdzinski.
Dr. Klejdzinski (SPD): Herr Bundesminister, Sie
haben vorhin selbst das Saudi-Arabien-Geschäft
eingeführt. Nach meinem Wissen hat die Bundesregierung
damals auf ihr Einspruchsrecht verzichtet. Meine
Frage lautet: Hat sie auch bei dem anstehenden
Projekt geprüft, ob sie Einspruch erheben sollte?
Dr. Stoltenberg, Bundesminister: Wenn ich das
richtig verstehe, haben wir schon mehrfach erklärt, daß
sich der Bundessicherheitsrat damit befaßt hat und zu
dem Ergebnis gekommen ist, daß er keinen
Widerspruch erhebt.
(Dr. Klejdzinski [SPD]: Ich habe die Bundes
-
regierung gemeint, nicht den Bundessicher
heitsrat!)
— Es ist seit Jahrzehnten Staatspraxis, daß die
Bundesregierung in einem solchen Fall die
Verantwortung an den Bundessicherheitsrat delegiert. Das ist
seit 1982 gar nicht neu.
Vizepräsident Westphal: Zusatzfrage des
Abgeordneten Dr. Sperling.
Dr. Sperling (SPD): Herr Bundesfinanzminister
können Sie mir erklären, nachdem Ihnen Herr Gansel die
Satzungsbestimmung der Kreditanstalt vorgelesen
hat, wie dieser Satzungszweck das vorgesehene
Kreditgeschäft decken könnte? Sind Sie gegebenenfalls
bereit, eine juristische Überprüfung anstellen zu
lassen und uns das Ergebnis dieser Überprüfung
zugänglich zu machen?
Dr. Stoltenberg, Bundesminister: Ich glaube auf den
ersten Blick — diesen Vorbehalt habe ich gemacht —,
daß unter dem Thema „Förderung des Exports
deutscher Unternehmen" prinzipiell, von der Satzung her
—jetzt beziehe ich mich nur auf die Satzung und nicht
auf andere Erwägungen — , Exporte der deutschen
Luftfahrtindustrie förderungsfähig sein sollten.
Aber wenn es da Zweifel gibt, können wir das noch
einmal unter rechtlichen Gesichtspunkten vertiefen.
Vizepräsident Westphal: Zusatzfrage des
Abgeordneten Sellin.
Sellin (GRÜNE): Herr Stoltenberg, aus der Presse
geht hervor, daß den größten Batzen der Finanzierung
mit 370 Millionen DM ein Bankenkonsortium unter
Führung der Deutschen Bank trägt. Ist den politischen
Bedenken aus Ihrer Sicht Genüge getan, wenn sich
die Kreditanstalt für Wiederaufbau nicht beteiligt,
dafür aber die Deutsche Bank alles finanziert?
Dr. Stoltenberg, Bundesminister: Ich weiß nicht
genau, wie die Verteilung im übrigen vorgesehen ist.
Deswegen will ich dazu nicht bestätigend Stellung
nehmen.
Ich will grundsätzlich folgendes sagen. Wenn die
Bundesregierung nach sorgfältiger Prüfung im
Rahmen des Bundessicherheitsrats entscheidet, gegen
eine von einem befreundeten Land zu
verantwortende Exportentscheidung, was den deutschen
Lieferanteil betrifft, keine Bedenken zu erheben, ist es ja
wohl sehr schwer, deutschen Privatbanken zu sagen,
daß Bedenken bestehen, wenn sie sich an der
Finanzierung des deutschen Lieferanteils beteiligen.
Das wäre meine spontane Reaktion. Deshalb habe
ich mehrfach gesagt: Die erste Meinungsbildung im
Bundessicherheitsrat im Juni hat nicht automatische
Konsequenzen hinsichtlich der Frage, ob sich die KfW
beteiligt oder nicht. Aber sie ist natürlich ein nicht
unwichtiger Maßstab für eine mögliche
Meinungsbildung. Man kann das nicht beim ersten Meinungsbil
dungsprozeß übersehen oder auch für richtig halten
und die Kritik nur auf die zweite Entscheidung
konzentrieren.
(Sellin [GRÜNE]: Da liegt der Skandal!)
Vizepräsident Westphal: Zusatzfrage des
Abgeordneten Gansel.
Gansel (SPD): Herr Minister, bedeutet die von
Ihnen dargestellte Terminabfolge, daß die Opposition
im Deutschen Bundestag schon jetzt eine Debatte für
den 9. oder 10. November beantragen muß, um auf
Ihre Entscheidung Einfluß zu nehmen, oder können
Sie uns heute verbindlich mitteilen, daß Sie keine
Entscheidung für die Finanzierung des Waffengeschäfts
treffen werden, ohne die zuständigen Ausschüsse des
Deutschen Bundestages konsultiert zu haben?
Dr. Stoltenberg, Bundesminister: Herr Kollege
Gansel, ich muß alles, was über das von mir Mitgeteilte
hinausgeht, die Verfahrensabläufe, wirklich noch
einmal mit den beteiligten Kollegen besprechen, das ist
doch selbstverständlich, in erster Linie mit dem
Bundeswirtschaftsminister.
Vizepräsident Westphal: Zusatzfrage der
Abgeordneten Frau Schmidt (Nürnberg).
Frau Schmidt (Nürnberg) (SPD) : Herr Minister, ich
möchte noch einmal auf die Satzungsfrage
zurückkommen. Könnte es möglich sein, daß hier nicht nur
die Satzung der Kreditanstalt für Wiederaufbau
geprüft werden muß, sondern daß das auch im
Zusammenhang mit dem Außenwirtschaftsgesetz gesehen
werden muß? Könnte es möglich sein, daß sich diese
Satzung bei Erzeugnissen der deutschen
Luftfahrtindustrie ganz exzeptionell nicht auf Kriegsgeräte
ausdehnen kann?
Ich würde Sie bitten, dieses noch einmal zu
prüfen.
Dr. Stoltenberg, Bundesminister: Frau Kollegin,
ohne daß ich das im Vorfeld der Fragestunde
sorgfältig prüfen konnte, habe ich den Eindruck gewonnen,
daß nach dem Außenwirtschaftsgesetz keine
Bedenken bestehen, schon deshalb, weil — wie ich hier
erinnert habe — vor drei Jahren im gleichen Verfahren
ein Export nach Saudi-Arabien unter Zulieferung der
deutschen Unternehmen erfolgt ist.
(Voigt [Frankfurt] [SPD] sowie weitere
Zurufe von der SPD: Das war nicht das gleiche
Verfahren! Das war ein ganz anderes
Verfahren! — Gansel [SPD]: Das war aus
britischen Beständen geliefert!)
— Aber die Bestimmungen des
Außenwirtschaftsgesetzes müssen doch analog gelten.
(Dr. Klejdzinski [SPD]: Das wurde aus dem
Bestand der britischen Luftwaffe abgegeben,
und die britische Luftwaffe hat anschließend
nachbestellt!)
— Ich habe das mit aller Vorsicht als Analogie
herangezogen.
Aber unabhängig von Saudi-Arabien, meine
Damen und Herren, kann doch nicht bestritten werden
— ich rufe es noch einmal in Ihr Gedächtnis — , hat es
seit den 70er Jahren eine große Zahl von Beispielen
gegeben, wo bei Gemeinschaftsprojekten des
Atlantischen Bündnisses in Forschung, Entwicklung und
Produktion von modernen Waffensystemen, an denen
deutsche Firmen mit Zustimmung der
Bundesregierung beteiligt waren, andere Länder
Exportgenehmigungen gegeben und die deutschen Firmen
zugeliefert haben. Daraus kommt die Vermutung, daß das
Außenwirtschaftsgesetz diesem Verfahren nicht
entgegensteht.
Vizepräsident Westphal: Zusatzfrage der
Abgeordneten Frau Dr. Hamm-Brücher.
Frau Dr. Hamm -Brücher (FDP): Herr
Bundesfinanzminister, Sie haben eben noch einmal im
Zusammenhang mit dem Entscheidungsprozeß Daten und
Termine genannt, die nicht nur bei mir persönlich,
sondern auch gestern in unserer Fraktion, abgesehen von
grundsätzlichen Bedenken, ein großes Erschrecken
ausgelöst haben, und ich möchte Sie jetzt gerne
fragen, ob es richtig ist, wenn ich davon ausgehe, daß
sich auch für die Bundesregierung der Zusammenfall
des Entscheidungsdatums mit einem schrecklichen
anderen deutschen Datum nicht von der Hand weisen
läßt und daß auf ein solches Datum politisch mit
besonderer Rücksicht zu reagieren ist.
Dr. Stoltenberg, Bundesminister: Frau Kollegin
Hamm-Brücher, die kritische Debatte und der
Wunsch des Bundeswirtschaftsministers, den ich
soeben vernommen habe, über diese Frage intensiv mit
mir zu reden, führt dazu, daß ich bereit bin, alle
kritischen Argumente noch einmal in meine eigene
abschließende Meinungsbildung hineinzunehmen. Daß
wir in dieser Frage letzten Endes dem Konsens der
Vertreter der Bundesregierung auch in einem solchen
Gremium eine sehr große Bedeutung beimessen, ist
doch vollkommen klar.
(Frau Dr. Hamm-Brücher [FDP]: Haben Sie
nicht persönlich das Gefühl, daß das nicht
geht?)
Vizepräsident Westphal: Zusatzfrage des
Abgeordneten Baum.
Baum (FDP): Herr Bundesfinanzminister, wenn es
also so ist, wie Sie jetzt noch einmal klargestellt haben
— die Entscheidung des Sicherheitsrates habe zur
Folge, daß andere deutsche Banken dann
bedenkenlos finanzieren könnten — , meinen Sie nicht, daß
diese Entscheidung noch einmal überprüft werden
sollte? Für mich wäre das ganz unerträglich im Lichte
dessen, was heute auch Herr Galinski geäußert hat.
Dr. Stoltenberg, Bundesminister: Ich kann Ihnen
das jetzt nicht in Aussicht stellen, Herr Kollege Baum.
Ich gehe davon aus, daß diese Meinungsbildung im
Sicherheitsrat wohl erwogen war, daß sie gut
begründet ist. Mir sind bis heute keine Argumente bekannt,
daß sie jetzt geändert werden sollte.
Vizepräsident Westphal: Eine Zusatzfrage des
Abgeordneten Dr. Jens.
Dr. Jens (SPD): Herr Minister, wir haben demnächst
in diesem Hause den ERP -Wirtschaftsplan zu
behandeln. Dieser Wirtschaftsplan ist eine wesentliche
finanzielle Grundlage für die Kreditanstalt für
Wiederaufbau. Können Sie sich vorstellen, daß das Hohe
Haus nach dieser einvernehmlichen Diskussion
möglicherweise Änderungen in diesem Haushalt
beschließen wird, falls der Verwaltungsrat der KfW zu einem
Votum kommt, das diese Lieferung von Tornados
zuläßt?
Dr. Stoltenberg, Bundesminister: Das kann ich mir
deshalb nicht vorstellen, Herr Kollege Jens, weil
erstens die anstehende Entscheidung der KfW ja
keinerlei Bezug zum ERP-Wirtschaftsplan hat und zweitens
das Hohe Haus, wie ich fest überzeugt bin, seine
Etatberatungen alleine nach sachgerechten
Gesichtspunkten führen wird.
(Voigt [Frankfurt] [SPD]: Im Unterschied zur
Bundesregierung!)
Vizepräsident Westphal: Eine Zusatzfrage des
Abgeordneten Bohl.
Bohl (CDU/CSU): Herr Minister, liegt die
Zuständigkeit für eine solche Entscheidung nach den
gesetzlichen Bestimmungen im Bereich der
Bundesregierung oder im Bereich des Parlaments?
Dr. Stoltenberg, Bundesminister: Sie meinen im
Hinblick auf die Frage, ob sich die KfW beteiligt?
(Bohl [CDU/CSU]: Ja!)
Ich glaube, daß die Mitglieder des Verwaltungsrats
in dieser Funktion eine eigenständige Verantwortung
haben. Es ist ganz selbstverständlich — übrigens auch
bei anderen Vorgängen — , daß sich die Mitglieder
der Bundesregierung bei wichtigen und
möglicherweise kontroversen Fragen vor einer Entscheidung im
Verwaltungsrat miteinander besprechen. Das ist eine
Entscheidung, die den Mitgliedern der
Bundesregierung als Mitglied des Verwaltungsrats obliegt.
Bohl (CDU/CSU): Herr Präsident, meine Frage
richtete sich nicht nach dem finanziellen Bereich, sondern
danach, ob die politische Vorentscheidung im
Bundessicherheitsrat eine Entscheidung ist, die in der
Zuständigkeit der Bundesregierung liegt.
(Dr. Sperling [SPD]: Die Koalitionsparteien
sind für die Moral dieser Bundesregierung
besonders verantwortlich!)
Vizepräsident Westphal: Herr Kollege Bohl, Sie
kennen unsere Regeln. Aber wenn der Minister noch
etwas hinzufügen will.
Dr. Stoltenberg, Bundesminister: Ich sage: Ja.
Vizepräsident Westphal: Als nächster hat Herr
Feldmann das Wort.
Dr. Feldmann (FDP): Herr Minister, sehen Sie, daß
sich die Zweifel an der Glaubwürdigkeit unserer
restriktiven Rüstungsexportpolitik verstärken, falls der
unwahrscheinliche Fall eintritt, daß Sie diesen
Kreditantrag doch noch im Verwaltungsrat genehmigen
sollten?
(Sehr gut! bei der SPD)
Dr. Stoltenberg, Bundesminister: Ich glaube, daß
die Maßstäbe für unsere Rüstungsexportpolitik durch
das gesetzt werden, was der Sicherheitsrat im
Einzelfall beschließt. Ich kann nicht ganz die Gewichtung
teilen — die hier sichtbar wurde — , daß die Frage
einer Beteiligung oder Nichtbeteiligung der KfW der
entscheidende Maßstab ist. Der entscheidende
Maßstab wird wirklich von der Bundesregierung im
Sicherheitsrat gesetzt.
Vizepräsident Westphal: Herr Lüder, die letzte
Zusatzfrage.
Lüder (FDP): Herr Minister, im Nachgang zur Frage
von Frau Kollegin Hamm-Brücher und Ihrer Antwort,
daß die Bundesregierung nach sachgerechten
Kriterien entscheidet: Sind nach Ihrer Meinung die
Auswirkungen des 9. November 1938 auch bei einer
sachgerechten Entscheidung zu berücksichtigen?
Dr. Stoltenberg, Bundesminister: Herr Kollege
Lüder, ich glaube, ich kann für die Bundesregierung
sagen — auch ohne den Außenminister vorher zu
fragen — , daß bei allen Entscheidungen die
geschichtliche Erinnerung an die besonders schreckliche Zeit für
das jüdische Volk und die Verantwortung für Israel
eine wesentliche Rolle spielen. Nur erinnere ich
einmal daran, daß es in einer früheren —
sozialdemokratisch geführten — Bundesregierung dennoch
Erwägungen gegeben hat, an arabische Nachbarländer
Israels mit gewissen Einschränkungen und
Sicherstellungen in einem begrenzten Umfang Rüstungsexport
zu ermöglichen.
(Voigt [Frankfurt] [SPD]: Der dann an uns
gescheitert ist!)
— Ja. — Diese Debatten sind nicht neu.
Vizepräsident Westphal: Meine Damen und Herren,
wir sind am Ende dieser Fragen. Ich danke dem
Minister für die Beantwortung.
Sie sehen, daß der Zeitablauf es uns nicht mehr
erlaubt, andere Geschäftsbereiche und andere Fragen
aufzurufen. Die werden morgen an die Reihe
kommen.
Ich habe noch zwei Schlußbemerkungen zu
machen. Die erste: Das Protokoll weist aus, daß der
Kollege Stahl einen Zwischenruf gemacht hat, der einen
Ordnungsruf verdient. Ein anwesendes Mitglied des
Hauses als Flegel zu bezeichnen ist nicht hinnehmbar
und muß eine Ordnungsmaßnahme nach sich
ziehen.
Die zweite Bemerkung: Ich bin aufgefordert
worden, den Zwischenruf „Waffenhändler" als einen
beleidigenden Vorwurf einzuordnen.
(Sehr richtig! bei der CDU/CSU)
Es spricht manches dafür, dies zu tun, aber ich muß
das erst einer Prüfung unterziehen.
Meine Damen und Herren, wir beenden damit die
Fragestunde.
Ich rufe Zusatzpunkt 1 der Tagesordnung auf:
Aktuelle Stunde
Jüngste öffentliche Äußerung über die
deutschen Aussiedler
Die Fraktion der CDU/CSU hat gemäß unserer
Geschäftsordnung eine Aktuelle Stunde zu diesem
Thema verlangt. Ich eröffne die Aussprache. Das Wort
hat der Herr Abgeordnete Gerster (Mainz).
Gerster (Mainz) (CDU/CSU): Herr Präsident! Meine
sehr verehrten Damen und Herren! Man kann der
„Saarbrücker Zeitung" vom gestrigen Tage nur
zustimmen, wenn sie schreibt — ich darf mit
Genehmigung des Herrn Präsidenten zitieren — :
Saar-Ministerpräsident und SPD-Vize
Lafontaine, der sich als Politiker mit Blick auf
bevorstehende Wahlen ständig auf der Suche nach
Wählern und Mehrheiten befindet, hat messerscharf
herausgefunden, daß das Thema Aussiedler
derzeit ein Reizthema in der Bundesrepublik ist, ein
Thema, bei dem Emotionen einen hohen
Stellenwert haben. Und: die Stimmung ist gegen die
Aussiedler gerichtet. Lafontaine marschiert mit
seiner Einstellung zu den Aussiedlern an der
Spitze jener, die aus der Geschichte nichts gelernt
haben und denen eigener Wohlstand sowie
eigene Bequemlichkeit über alles gehen.
(Beifall bei der CDU/CSU — Kleinert [
Marburg] [GRÜNE]: Das müssen gerade Sie
sagen!)
Das, was der populäre Lafontaine von sich
gegeben hat, ist vor allem deshalb unverantwortlich,
weil es öffentlich fortwirkt. Lafontaine schürt jene
Stimmung, die leicht in Haß gegen Aussiedler
umkippen kann.
Herr Ministerpräsident, die „Saarbrücker Zeitung"
hat Ihre Rolle in dieser Diskussion zutreffend
beschrieben. Falsch sind Ihre Prämissen, falsch sind die
Schlußfolgerungen, falsch sind die Behauptungen,
falsch sind die Rechtsbelehrungen.
Erstens. Die Bundesregierung wie auch die
Koalitionsfraktionen werben keine Aussiedler ab und auch
keine Aussiedler an. Herr Ministerpräsident, Sie
sollten diese Falschaussagen sein lassen, Sie sollten
derartige Unwahrheiten künftig nicht verbreiten.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Zweitens — und das ist ein großer Unterschied — :
Die Entscheidung eines Deutschen, für sich und seine
Familie die Aussiedlung in die Bundesrepublik
Deutschland anzustreben, ist eine höchst persönliche
und existentielle Entscheidung. Eine solche
Entscheidung, die sich auf die Menschenrechte gründet, wird
von uns ohne Einschränkung respektiert und
akzeptiert. Und ich frage Sie, Herr Ministerpräsident, ob Sie
diese Entscheidung von Deutschen, die oft
jahrzehntelang nicht ihre Sprache reden konnten, nicht ihre
Kultur, nicht ihre kirchlichen Traditionen leben
konnten, in Freiheit und Demokratie in Deutschland leben
zu wollen, ebenfalls akzeptieren oder nicht. Diese
Frage sollten Sie heute hier beantworten.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Drittens. Die Bundesregierung hat sich im
Wohnungsbau für Aussiedler zurückgemeldet,
(Frau Oesterle-Schwerin [GRÜNE]: Zurück
-
gezogen! — Zuruf von der SPD: Das glaubst
du selber nicht! — Weitere Zurufe von der
SPD)
worauf sich die frühere SPD-Bundesregierung 1980
abgemeldet hatte. Die Eingliederung der deutschen
Aussiedler ist aber keine einseitige Sache, sondern
gemeinsame Aufgabe von Bund, Ländern,
Gemeinden, Kirchen, Verbänden und einzelnen Bürgern. Ihre
Regierung, Herr Ministerpräsident, hat bisher mehr
durch Worte als durch Taten geglänzt, und jetzt
lenken Sie davon ab. Ich frage Sie, ob Ihre Regierung
bereit ist — wie die Bundesregierung, die die Mittel
von 1987 bis 1989 vervierfacht hat —,
(Zuruf von der SPD: Wo denn?)
Gleiches zu tun, ja oder nein. Auch das sollten Sie hier
deutlich machen und der Öffentlichkeit sagen.
Viertens. Deutsche Aussiedler sind Deutsche im
Sinne von Art. 116 des Grundgesetzes und damit
deutsche Bürger ohne Wenn und Aber.
(Jäger [CDU/CSU]: Sehr richtig!)
Sie haben die gleichen staatsbürgerlichen Rechte und
Pflichten wie alle übrigen deutschen Bürger. Der
Vorschlag von Ihnen nach dem Motto „Hahn zu! "
widerspricht Art. 116 des Grundgesetzes sowie dem
Grundrecht der Freizügigkeit für alle Deutschen in Art. 11
des Grundgesetzes.
(Dr. Czaja [CDU/CSU]: Sehr richtig!)
Ich frage Sie, Herr Ministerpräsident: Wollen Sie allen
Ernstes Deutschen, die an der Grenze zur
Bundesrepublik Deutschland stehen und einreisen wollen,
diese Einreise verweigern, ja oder nein? Sie sollten
auch das heute hier erklären.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Wer damit anfängt, Deutsche — gleich, woher sie
stammen — auszugliedern und auszugrenzen, verläßt
den Boden der Verfassung und das Fundament des
Rechtsstaates.
(Jäger [CDU/CSU]: So ist es!)
Es darf keine Deutschen erster und zweiter Klasse
geben. Und es darf keinen Ministerpräsidenten
geben, der Deutsche in solche, die hier leben dürfen, und
solche, die draußen bleiben müssen, einteilt.
Herr Lafontaine
(Dr. Ehkme [Bonn] [SPD]: Sie meinen den
Herrn Ministerpräsidenten! — Frau Dr.
Däubler-Gmelin [SPD]: Er mag ihn halt
nicht!)
sollte deshalb seine Entgleisungen deutlich, klar,
unzweideutig zurücknehmen, und die
Sozialdemokraten sollten sich von derartigen Rückfällen in Vorzeiten
des Grundgesetzes distanzieren. Denn Herr
Lafontaine ist ja nicht der einzige. Der SPD-
Oberbürgermeister von Hannover verlangt eine Kontingentierung,
der SPD-Oberbürgermeister von Mainz eine
Begrenzung der Freizügigkeit; die Reihe der Stimmen könnte
man hier noch verlängern.
Ich möchte hier deutlich und klar herausstellen: Die
Rechte für Deutsche waren seit Beginn der
Bundesrepublik Deutschland unteilbar. Sie sind unteilbar, und
sie müssen unteilbar bleiben. Wir werben niemanden
ab. Aber jeder Deutsche hat das Recht, in der
Bundesrepublik Deutschland zu siedeln, hier aufgenommen,
fair integriert und so behandelt zu werden wie die
Deutschen, die hier von Geburt an leben.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Vizepräsident Westphal: Das Wort hat der
Ministerpräsident des Saarlandes.
(Bohl [CDU/CSU]: Ich dachte, Herr Vogel
würde jetzt reden!)
Ministerpräsident Lafontaine (Saarland): Herr
Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! In
seiner Regierungserklärung vom 18. März 1987 sagte
Bundeskanzler Kohl:
Unsere Bemühungen um ungehinderte Ausreise
und Hilfe für die Landsleute, die zu uns in die
Bundesrepublik kommen wollen und können,
wollen wir fortsetzen.
(Dr. Stark [Nürtingen] [CDU/CSU]: Richtig!
— Jäger [CDU/CSU]: Sehr gut!)
1987 wurde mit rund 105 000 Menschen der höchste
Stand des Zuzuges von Aussiedlern seit Jahrzehnten
erreicht.
(Dr. Czaja [CDU/CSU]: Sie haben wenig
dazu getan!)
Diese Rekordzahl wird sich 1988 noch einmal
verdoppeln: In diesem Jahr werden fast 200 000 Menschen
aus Ost- und Südosteuropa in die Bundesrepublik
aussiedeln und hier eine Existenz aufbauen wollen.
Dieser Zustrom von Menschen, die häufig Jahre und
Jahrzehnte auf ihre Ausreise gewartet haben und mit
großen Hoffnungen jetzt in die Bundesrepublik
kommen, wird anhalten; er wird vielleicht noch größer.
Obwohl diese Entwicklung seit längerer Zeit
absehbar war, ist die Bundesrepublik auf die Aufnahme und
Integration der Aussiedler nur unzureichend
vorbereitet.
(Beifall bei der SPD)
Dies ist vor allem ein Versäumnis der
Bundesregierung,
(Beifall bei der SPD)
die Länder und Gemeinden bei der Bewältigung
dieser nationalen Kraftanstrengung bislang
alleingelassen hat.
Seit dem Haushaltsjahr 1985 hat der Bund die
Förderung des sozialen Mietwohnungsbaus eingestellt;
(Beifall bei der SPD)
die Förderung wird nur noch von den Bundesländern
durchgeführt. Dies ist der Hauptgrund für den akuten
Mangel an preiswertem Wohnraum für Aussiedler.
(Dr. Ehmke [Bonn] [SPD]: Sehr wahr!)
Trotz Ausschöpfung aller Reserven durch Länder und
Gemeinden sind Aufnahmelager und
Übergangswohnheime mittlerweile hoffnungslos überfüllt;
Provisorien wie Wohncontainer und Turnhallen drohen
zum Dauerzustand zu werden. Schon heute steht fest,
daß die heute und in Zukunft zu uns kommenden
Aussiedler sehr lange in Notunterkünften werden leben
müssen. Das verbreitet Hoffnungslosigkeit, trägt aber
auch zu Ghettoisierung und zur Verstärkung bereits
vorhandener Vorurteile und Ablehnungen in der
Bevölkerung bei.
(Frau Olms [GRÜNE]: Wie bei Ihnen!)
Bis heute ist die Bundesregierung dem Beschluß der
Ministerpräsidentenkonferenz von 1985 nicht
nachgekommen, die Dauer der Sprachförderung von zehn
auf zwölf Monate anzuheben. Dabei ist die
Beherrschung der deutschen Sprache eine unabdingbare
Voraussetzung für jede erfolgreiche Integration.
Von der Kürzung der arbeitsmarktpolitischen
Förderung im Rahmen der Bundesanstalt für Arbeit sind
gerade — auch wenn Sie das nicht gerne hören, meine
Damen und Herren — die Aussiedler besonders
betroffen,
(Beifall bei SPD sowie des Abg. Kleinert
[Marburg] [GRÜNE])
weil sie erst durch entsprechende Fortbildungs- und
Umschulungsmaßnahmen auf unserem Arbeitsmarkt
konkurrenzfähig werden. Allerdings reicht die Zahl
der von der Arbeitsverwaltung speziell für die
Aussiedler konzipierten Sonderkurse schon heute nicht
mehr aus.
(Dr. Ehmke [Bonn] [SPD]: Sehr wahr!)
Ihre Erhöhung scheitert an der ungenügenden
Finanzausstattung der Bundesanstalt für Arbeit. Auch
die Benachteiligung der Aussiedler bei der Bemes
-
sung des Arbeitslosengeldes, die bereits 1984 von der
Arbeits- und Sozialministerkonferenz beanstandet
wurde, ist bis heute nicht abgeschafft.
Diese wenigen Beispiele, die sich beliebig ergänzen
ließen, belegen, daß es verantwortlungslos ist, wenn
prominente Vertreter der Bundesregierung — an der
Spitze der Bundeskanzler — seit Jahren unablässig
für Ausreiseerleichterungen eintreten und nunmehr
diesen Menschen hier in der Bundesrepublik nicht in
ausreichender Form helfen und Hilfestellung
anbieten.
(Beifall bei der SPD — Dr. Stark [Nürtingen]
[CDU/CSU]: Lieber die Menschen in der Not
lassen, Herr Lafontaine! Das ist doch heuch
lerisch! — Weitere Zurufe von der CDU/
CSU)
Im Beschluß der Bundesregierung vom 31. August
1988 heißt es:
Da die Aussiedler ohne eigenes Verschulden
vielfach die deutsche Sprache nicht mehr
beherrschen, fällt es der einheimischen Bevölkerung
zuweilen schwer, sie als Deutsche zu
akzeptieren. Vielfach werden sie Ausländern (Asylanten)
gleichgestellt
(Lintner [CDU/CSU]: Von Ihnen!)
und auf dem Arbeitsmarkt als lästige
Konkurrenten angesehen. Daß ihnen die Eingliederung
durch staatliche Hilfen erleichtert werden soll,
stößt vielfach auf Unverständnis.
So die Bundesregierung.
(Gerster [Mainz] [CDU/CSU]: Was macht
denn das Saarland? Nichts!)
Die im Beschluß der Bundesregierung festgestellten
Zusammenhänge zwischen der Bewältigung des
Aussiedlerproblems und der Asylantenfrage ist richtig.
Der baden-württembergische Regierungschef Lothar
Späth hat die Sorge, daß die Kombination von
Aussiedler, und Asylantenströmen rechtsradikale Kräfte
in der Bundesrepublik stärke. Recht hat er. Nur ist die
Frage, welche Konsequenzen man zieht.
Auf jeden Fall gilt: Wer Ausländerfeindlichkeit in
der Bundesrepublik schürt, verstärkt auch die
Vorbehalte gegen die Aussiedler, die die deutsche Sprache
nicht beherrschen. Dies ist das Dilemma, in dem sich
diejenigen befinden, die auf der einen Seite glauben,
auf der Welle der Ausländerfeindlichkeit reiten zu
können, und auf der anderen Seite wiederum
verstärkt für den Zuzug deutscher Aussiedler in die
Bundesrepublik werben.
(Beifall bei der SPD und bei Abgeordneten
der GRÜNEN)
Vor diesen Dilemma stehen Sie.
Ein Ausweg aus diesem Dilemma ergibt sich nur,
wenn man das Solidaritätsgebot oder die
Verpflichtung zur Nächstenliebe oder das Erbe der Aufklärung
ohne unzulässige Einschränkungen gelten läßt. Die
Verpflichtung zur Menschlichkeit steht am Anfang.
Sie ist unteilbar und ebensowenig wie das Gebot der
Nächstenliebe den Grenzen früherer Staatsgebilde
unterworfen. Darauf habe ich mehrfach in den letzten
Tagen aufmerksam gemacht und vor überzogener
Deutschtümelei — nach dem Duden: „aufdringliche
Betonung des Deutschtums" — gewarnt.
Ich hatte dafür plädiert, unsere Hilfestellung für
unsere Mitmenschen in erster Linie davon abhängig
zu machen, in welchem Ausmaß unsere Mitmenschen
unserer Hilfe bedürfen.
(Lintner [CDU/CSU]: Sind das jetzt Deutsche
oder nicht?)
Wohl wissend, an welche Vorurteile ich rühren würde,
habe ich das Schicksal eines Farbigen aus Afrika
erwähnt, der von dem Verlust seines Lebens bedroht ist,
und sein Schicksal mit dem eines Aussiedlers
verglichen, der in früherer Generation deutsprechende
Vorfahren hatte und nun bei uns um Aufnahme sucht,
ohne daß sein Leben bedroht ist.
(Gerster [Mainz] [CDU/CSU]: Den Afrikaner
nehmen wir doch auch auf!)
Der Vergleich ist deshalb zulässig, weil wir bei jeder
Hilfeleistung gehalten sind, Prioritäten zu setzen und
unsere Prioritäten zu begründen.
(Lintner [CDU/CSU]: Wie halten Sie es denn
mit Art. 116 des Grundgesetzes?)
Diese Fragestellung nach der persönlichen
Hilfsbedürftigkeit stieß auf Reaktionen, gegenüber denen
die Vorhaltung übertriebener Deutschtümelei nicht
mehr angemessen, da zu harmlos ist.
(Bohl [CDU/CSU]: Ist Art. 116 des
Grundgesetzes Deutschtümelei?)
Wenn der Bundesinnenminister, wie seiner
Presseerklärung vom 24. Oktober 1988 zu entnehmen ist,
diese Fragestellung nach der Mitmenschlichkeit
ummünzt in die Aussage: „Mit seiner neuen Parole,
Farbige ja, Deutsche nein', hat Lafontaine auch die
Unterstützung der SPD für die Aufnahme der Aussiedler
desavouiert", dann hat der Bundesinnenminister mit
dieser skandalösen Bemerkung unter Beweis
gestellt,
(Jäger [Wangen] [CDU/CSU]: Das ist keine
skandalöse Bemerkung! Was Sie sagen, ist
skandalös! — Bohl [CDU/CSU]: Ihre Bemer
-
kung ist skandalös!)
daß es nicht nur um überzogene Deutschtümelei geht,
sondern um das Schüren von rassistischen Vorurteilen
und Ausländerfeindlichkeit.
(Beifall bei der SPD und den GRÜNEN)
Genau hier, meine Damen und Herren, sind die
Sozialdemokraten und alle diejenigen gefordert,
(Seiters [CDU/CSU]: Vogel, Dreßler, Zöpel!)
die mit ihnen für Humanismus, für das Erbe der
Aufklärung und für das christliche Gebot der
Nächstenliebe eintreten, wenn es um die Frage geht: Wer ist
unser Nächster?
(Beifall bei der SPD und bei Abgeordneten
der GRÜNEN — Seiters [CDU/CSU]: Kein
Wort zur Vorratskammer des Herrn Vogel!)
Vizepräsident Westphal: Das Wort hat der Herr
Abgeordnete Graf Lambsdorff.
Dr. Graf Lambsdorff (FDP): Herr Präsident! Meine
sehr verehrten Damen! Meine Herren! Wenn es noch
eines einzigen Beweises bedurft hätte, was Sie hier
losgetreten haben, Herr Ministerpräsident, dann war
es diese Haltet-den-Dieb-Rede, für die Sie besser in
Saarbrücken geblieben wären und mit der Sie uns
besser verschont hätten.
(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)
Bis zum Wochenende, meine Damen und Herren,
hatte ich geglaubt, es gäbe zumindest eine
prinzipielle Einigkeit in der Frage, wie wir die Aussiedler
begrüßen und aufnehmen sollten.
(Frau Dr. Däubler-Gmelin [SPD]: Auch das
ist eine vorformulierte Rede!)
Ich hatte gedacht, wir alle stimmten darin überein,
daß sie uns von Herzen willkommen seien.
Offensichtlich haben wir uns getäuscht. Anderen ist es ebenso
ergangen.
Die unglaublichen Äußerungen des saarländischen
Ministerpräsidenten — und heute sind sie wiederholt
worden — haben uns eines Schlechteren belehrt. Ich
stehe nicht an, zu sagen, Herr Ministerpräsident:
Wenn es einen Politiker gibt, der unser aller Bemühen
um Humanität und Hilfsbereitschaft, um mehr
materielle Mittel und praktizierten Gemeinsinn auf eine
total schiefe Ebene geschoben hat, dann sind Sie es.
(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU — Dr.
Ehmke [Bonn]: Lambsdorff Arm in Arm mit
Zimmermann!)
Die angebliche Alternative zwischen Asylanten
und Aussiedlern, die hier noch einmal dargestellt
worden ist, haben Sie erfunden, die existiert in
Wahrheit nicht.
(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)
Sie ist demagogisch. Sie ist geeignet, Ressentiments
gegen Aussiedler und Asylbewerber zu stärken.
(Zuruf des Abg. Dr. Ehmke [Bonn] [SPD])
Glücklicherweise hat das wenigstens Herr Vogel
begriffen. Daß Sie es nicht verstehen, Herr Ehmke, ist
überhaupt kein Wunder.
Wer solches sagt, der muß selber noch mal einen
Sprachkurs zur Beherrschung der deutschen Sprache
auf sich nehmen, Herr Ministerpräsident.
(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)
Von „Deutschtümelei" zu reden, wenn wir Deutsche
bei uns aufnehmen wollen, das allerdings ist eine
Verdrehung oder Nichtbeherrschung der deutschen
Sprache, die ihresgleichen sucht.
(Zuruf von der SPD: Lernen Sie erst einmal
die Finanzgesetze!)
Uns bleibt nichts anderes übrig, als jetzt den
Schaden zu begrenzen.
Für die FDP und für die Mitglieder meiner Fraktion
sage ich: Wir lehnen es ein für allemal ab, Gegensätze
zwischen Aussiedlern und Asylanten zu konstruieren,
die es in Wahrheit nicht gibt.
(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)
Mit der FDP wird es im übrigen weder eine Verf
assungsänderung zum Asylrecht geben noch werden
wir eine Gruppe der anderen vorziehen.
(Zuruf von den GRÜNEN: Sie wollen alle
beide schlechter behandeln!)
Wir werden das Grundrecht auf Asyl ebenso
bewahren wie den unveräußerlichen Anspruch von
Deutschen, in ihre Heimat zurückzukehren.
(Beifall bei der FDP)
Wir stimmen, meine Damen und Herren, mit dem
Bundeskanzler überein: Das darf nicht und wird nicht
an Geld scheitern. Es wäre ein menschliches
Armutszeugnis sondergleichen, wenn die reiche
Bundesrepublik Deutschland nicht in der Lage wäre, Menschen
zu helfen, die einen Anspruch auf unsere Hilfe haben.
Wir unterstützen deshalb die Programme, die den
Aussiedlern eine möglichst rasche Eingliederung
erleichtern sollen. Wir sagen ja zu Ausbildung, zu
Sprachkursen,
(Zuruf von der SPD: Zu Steuerhinterzie
hung!)
zu Wohnungsbauprogrammen. Die Wohnungen
müssen dort entstehen, wo Arbeitsplätze sind. Wir treten
für unbürokratische Hilfen ein.
Daran muß sich übrigens auch die Bundesanstalt
für Arbeit halten. Es ist nicht zu verantworten, daß es
die Nürnberger Anstalt den Firmen verbietet, sich
unmittelbar und direkt um arbeitswillige Aussiedler
zu bemühen, denen diese Firmen nicht nur einen
Arbeitsplatz, sondern auch Wohnungen besorgen
könnten. Monopolansprüche sind das letzte, was wir bei
der Eingliederung dieser Menschen gebrauchen
können.
Deshalb spricht sich die FDP noch einmal für die
Prüfung der Frage aus, ob über steuerliche
Vergünstigungen für Bauherren die Aussiedlerwohnungen
nicht schneller als mit anderen Mitteln bereitgestellt
werden können.
(Zuruf von den GRÜNEN: Damit helfen Sie
den Bauherren, aber nicht den Aussied
-
lern!)
Entscheidend aber, meine Damen und Herren,
kommt es auf die Hilfsbereitschaft aller Bürger in der
Bundesrepublik an. Vor 40 Jahren kamen über 12
Millionen Flüchtlinge in ein zerstörtes Land. Vielleicht
wissen einige von Ihnen das nicht mehr. Nach ein paar
Jahren gehörten sie alle zu uns, zu diesem Land.
Heute sind die Probleme im Vergleich dazu geradezu
lächerlich gering.
(Zuruf von den GRÜNEN: Für Sie!)
Und wir können sie lösen, wenn jeder einzelne nur ein
wenig mithilft.
Sie, Herr Ministerpräsident, irren. Niemand will
Solidarität auf eine nationale Kategorie einengen,
niemand von uns. Auf diese Idee sind Sie auch erst
gekommen, nachdem Sie gemerkt haben, was Sie zuvor
bei der SPD-Niederrhein angerichtet hatten. Warum
übrigens Herr Biedenkopf dieser Tagung mit zu
überregionaler Bedeutung verholfen hat, müßten Sie von
der CDU vielleicht mal überlegen.
Den Aussiedlern und den Asylbewerbern haben
Sie, Herr Lafontaine, jedenfalls nur geschadet — und
dem Solidaritätsgedanken, von dem
Sozialdemokraten ja so gerne reden, erst recht. Jetzt muß sich dieses
Haus gemeinsam darum bemühen, die Scherben zu
kitten, die Sie verursacht haben, Herr
Ministerpräsident.
(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU —
Gegenrufe von der SPD)
Vizepräsident Westphal: Das Wort hat die
Abgeordnete Frau Olms.
Frau Olms (GRÜNE) : Herr Präsident! Meine Damen
und Herren! Thema der heutigen Aktuellen Stunde
sind die Äußerungen des saarländischen
Ministerpräsidenten. Die CDU-Fraktion möchte dies zum Anlaß
nehmen, wieder einmal ihr Süppchen zu kochen und
sich als Vertreterin der Aussiedler aufzuspielen.
Nicht Thema — aber das wäre eigentlich
notwendig — sind die jüngsten Äußerungen des baden-
württembergischen Ministerpräsidenten, der zum
wiederholten Male die Beseitigung des Grundgesetzartikels
über das Asylrecht forderte.
Wer wie Lafontaine in sehr vorsichtigen
Andeutungen die rassistisch begründete Bevorzugung von
Aussiedlern gegenüber Flüchtlingen aus der
sogenannten Dritten Welt kritisiert,
(Rossmanith [CDU/CSU]: Das ist eine Unver
schämtheit!)
wer zu Recht die übertriebene Deutschtümelei der
Konservativen geißelt,
(Rossmanith [CDU/CSU]: Das sind die Gei
ster, die Herr Lafontaine gerufen hat!)
der verstößt gegen die Verfassung und gegen das
sogenannte nationale Empfinden, wie uns Herr
Seiters weismachen zu müssen glaubte. Keine
Aufregung dagegen, wenn es Lothar Späth als anständig
und human bezeichnet, Asylsuchende bereits an der
Grenze dieses Landes abzublocken. Wenn uns die zu
erwartenden 200 000 Aussiedler aus Osteuropa
willkommen sind, so meint Lothar Späth, daß 90 % aller
Asylbewerber keine Chance hätten, Asyl zu
erhalten.
(Dr. Stark [Nürtingen] [CDU/CSU]: Das sa
gen die Gerichte!)
Warum denn eigentlich? Weil die zuständigen Stellen
in den letzten Jahren immer weiter die
Anerkennungsquote zügig heruntergefahren haben, und das
aus politischen Gründen. Das wissen Sie so gut wie
ich.
(Lintner [CDU/CSU]: In welchem Staat leben
Sie denn?)
Während der Bundestagsabgeordnete Heinrich
Lummer jeden Aussiedler als Deutschen in Frage
stellt, wenn er nicht im Besitz eines deutschen
Schäferhundes ist, sorgen auf der anderen Seite strenge
Visabestimmungen dafür, daß viele von Not und
Verfolgung, Krieg und Bürgerkrieg betroffene Menschen
überhaupt keine Chance haben, diesen unseren
Boden zu betreten.
Es ist absurd und grotesk zugleich: Nicht das
deutschnationale Getöse, nicht Lothar Späth und
andere aus der Union stehen hier zur Debatte, sondern
ein Sozialdemokrat, der vor dem nationalistischen
Übereifer warnt. Doch wer, wie ich das hier tue, die
Deutschtümelei angreift, verstößt gleichfalls gegen
das Grundgesetz.
(Dr. Stark [Nürtingen] [CDU/CSU]: Schöne
Verbündete, Herr Lafontaine!)
Das nehme ich in diesem speziellen Fall bewußt in
Kauf. Denn das Grundgesetz liegt an diesem Punkt
meiner Meinung nach daneben, daneben deswegen,
weil künstlich zwischen deutscher
Staatsangehörigkeit und deutscher Volkszugehörigkeit unterschieden
wird. Vom Geist des Kalten Krieges geprägt, wurden
im Bundesvertriebenengesetz auch diejenigen zu
Deutschen definiert, die „in den zur Zeit unter
fremder Verwaltung stehenden deutschen Ostgebieten"
leben. Grotesk ist das deswegen, weil die
sogenannten deutschen Volkszugehörigen in Danzig, Estland,
Lettland, Litauen, in der Sowjetunion, in Polen, in der
Tschechoslowakei, in Ungarn, Rumänien, Bulgarien
oder Jugoslawien und selbst noch in China zusammen
definiert werden. Wer ist deutscher
Volkszugehöriger? Laut Vertriebenengesetz sind das die Menschen,
die sich zum deutschen Volkstum bekennen und
deutsche Merkmale wie Sprache, Abstammung,
Erziehung und Kultur aufweisen. Selbst die mir nicht
sonderlich nahestehende „Frankfurter Allgemeine"
stellt dazu treffend fest, daß keines dieser angeblichen
Merkmale hinreichend ist, um jemanden als
Deutschen auszuweisen. Da sich nach rund vierzig Jahren
und mehrfachem Generationswechsel die deutschen
Merkmale wie Sprache, Kultur und Erziehung mehr
und mehr verflüchtigt haben,
(Rossmanith [CDU/CSU]: Weil sie die deut
-
sche Sprache nicht gebrauchen dürfen!)
bleibt ihnen nur noch die Abstammung. Reicht auch
das nicht, ist man großzügig. Die „Frankfurter
Allgemeine" ganz lax und liberal:
In der Regel wird es so sein, daß die Tatsache
eines Ausreiseantrags ... als hinreichender
Grund angesehen wird, die deutsche
Volkszugehörigkeit anzunehmen.
(Seiters [CDU/CSU]: Jetzt müßte eigentlich
der Herr Vogel reden!)
Das ist alles, was von Ihrer Deutschtümelei
übriggeblieben ist.
Meine Damen und Herren, im Rahmen einer Politik
der offenen Grenzen sind uns nicht nur die Aussiedler,
sondern alle Menschen herzlich willkommen, ganz
gleich, welcher Staats- und Volkszugehörigkeit oder
Hautfarbe sie sind und aus welchen Gründen auch
immer sie in die Bundesrepublik kommen oder
kommen müssen.
(Beifall bei den GRÜNEN)
Uns ist ein 24jähriger Pole, der aus Not und politischer
Verfolgung bei uns Zuflucht sucht, genauso
willkommen wie ein tamilischer Mensch, kurdischer Mensch
oder Eritreer, der vor Krieg oder Bürgerkrieg zur
Flucht gezwungen ist.
(Beifall bei den GRÜNEN)
Sosehr ich Oskar Lafontaine vor Angriffen aus den
Reihen der CDU und CSU in Schutz nehme, so geht es
dem stellvertretenden SPD-Vorsitzenden keineswegs
um eine Politik der offenen Grenzen. Wer seine
Äußerung genau gelesen hat, weiß, daß sich
Lafontaine nur gegen die deutschtümelnd begründete
Vorrangigkeit von Aussiedlern gegenüber Flüchtlingen
gewehrt hat. Ich kann ihm auch keinen „Oscar" dafür
verleihen, wenn er behauptet, nicht alle, die vom Tode
bedroht seien, könnten mit einer Aufnahme in der
Bundesrepublik rechnen. Das stellt die Verhältnisse
auf den Kopf, solange nicht einmal die fünfzehn vom
Tode bedrohten Chilenen bei uns eine Zuflucht finden
können.
(Beifall bei den GRÜNEN)
Falsche Fronten baut Lafontaine auch auf, wenn er
eine Bevorzugung der Aussiedler gegenüber anderen
Flüchtlingen beklagt. Umgekehrt wird ein Schuh
daraus. Nicht die Bevorzugung der Aussiedler gegenüber
Flüchtlingen ist zu beklagen, sondern die
Benachteiligung der Flüchtlinge gegenüber den Aussiedlern.
(Beifall bei den GRÜNEN)
Vizepräsident Westphal: Das Wort hat der
Abgeordnete Schre iber.
Schreiber (CDU/CSU): Herr Präsident! Meine
Damen und Herren! Ich hoffe, ich bin in der richtigen
Aktuellen Stunde, denn ich habe sowohl bei meiner
Vorrednerin als auch bei den Ausführungen des Mini
sterpräsidenten Lafontaine manchmal den Eindruck
gehabt, daß um den Kern der Frage, über die wir am
heutigen Nachmittag diskutieren, nämlich eine
unglaubliche Aussage, herumgegangen wird.
(Zustimmung bei der CDU/CSU)
Ich habe den Eindruck, Herr Ministerpräsident, als
hätten Sie auch heute wieder den allerdings
verkehrten Versuch gemacht, die von Ihnen angefangene
Diskussion in eine andere Ri
Anzeige gekürzt – vollständiger Text im Original.
Relationen
- part_of_vorgang → Antrag auf Feststellung der Beschlußfähigkeit bei der Beratung des Antrags auf Herbeirufung des Bundesministers der Finanzen, Dr. Stoltenber (Antrag zur Geschäftsordnung)
- part_of_vorgang → Antrag auf Herbeirufung des Bundesministers der Finanzen, Dr. Gerhard Stoltenberg (G-SIG: 11003074) (Antrag zur Geschäftsordnung)
- part_of_vorgang → Ermöglichung des Verkaufs von acht Kampfflugzeugen des Typs MRCA Tornado an Jordanien durch Kreditzusagen des Kreditanstalt für Wiederaufbau
- part_of_vorgang → Gestaltung des neuen Plenarsaales hier: Änderung des Beschlusses über die Sitzordnung (G-SIG: 11002097)
- part_of_vorgang → Gründe, die die Bundesregierung u.a. Stellen an einer Stellungnahme zum geplanten Verkauf von Tornado-Kampfflugzeugen an Jordanien hindern (
- part_of_vorgang → Über den Antrag betr. Gestaltung des neuen Plenarsaales hier: Änderung des Beschlusses über die Sitzordnung (Drs 11/2537(neu)) (G-SIG: 11002
- spoke_in ← Horst Ehmke (Zur Geschäftsordnung BT)
- spoke_in ← Hubert Kleinert (Zur Geschäftsordnung BT)
- spoke_in ← Paul Laufs (Rede)