Rede von Dr. Barbara Höll (DIE LINKE) – Plenarprotokoll 16/162
Teil von Protokoll der 162. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages.
Text
Rede von Dr. Barbara Höll (DIE LINKE) – Plenarprotokoll 16/162
Herr Staatssekretär, meine zweite Nachfrage. Genau
vor dem Hintergrund, den wir beide jetzt versucht haben
zu erörtern, stellt sich die Frage, warum die Regierung
einerseits einen Teil der finanziellen Leistungen, die
über das Kindergeld erbracht werden, zur Disposition
stellt, um die Infrastruktur für Kinder auszubauen – das
bedeutet, dass Familien mit Kindern ihre eigene
Infrastruktur finanzieren müssen, obwohl viele Familien auf
5 oder 10 Euro mehr pro Monat und pro Kind
angewiesen sind –, und andererseits nicht offensiv den Spielraum
zur Erhöhung des Sozialleistungsanteils genau für die
Gruppen, die Sie beschrieben haben – sprich: Kinder,
deren Eltern von Hartz IV leben bzw. ein geringes
Einkommen haben und für die das Kindergeld eine
Sozialleistung darstellt –, ausnutzt, um so den konkreten
Bedürfnissen von Kindern Rechnung zu tragen. Das könnte
durch Erhöhung des Kinderzuschlages oder
konsequenterweise auch durch eine Aufstockung der
entsprechenden Hartz-IV-Beträge geschehen.
Dr. Hermann Kues, Parl. Staatssekretär bei der
Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und
Jugend:
Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich hinreichend klar
ausgedrückt habe bzw. ob es richtig angekommen ist. Ich
habe ausdrücklich gesagt: Im Rahmen von Hartz IV
leistet der Staat ohnehin einen höheren finanziellen Beitrag
für Kinder
(Dr. Barbara Höll [DIE LINKE]: Ja, aber der
ist zu niedrig!)
als bei denjenigen, die nicht vom Freibetrag profitieren,
also nur das Kindergeld bekommen. Das ist ohnehin
jetzt schon so. Wenn Sie also nach bedürftigen Kindern
fragen und diese mit Kindern von Hartz-IV-Empfängerngleichsetzen, reden Sie nicht über die Kinder von
Geringverdienern.
Die Ministerin sagt ja, dass wir, wenn die Daten
vorliegen – so sieht ja der abgesprochene Fahrplan aus –,
uns sehr genau überlegen müssen, wo wir einen Akzent
setzen. Sie hat ja ausdrücklich gesagt, dass sie gerne eine
Staffelung nach Kinderzahl möchte. Diesen Vorschlag
wird sie dann wahrscheinlich einbringen. Wenn es so
weit ist – der Fahrplan sieht jetzt aber erst einmal die
Abgabe des Existenzminimumberichts vor –, werden die
Konsequenzen daraus gezogen. So lange wird man
warten müssen.
Relationen
- part_of → Protokoll der 162. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages
- spoke_in ← Barbara Höll (Rede)