Weltklimakonferenz in Antalya - Klimaschutz als Zukunftsinvestition und Wettbewerbsfaktor
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Weltklimakonferenz in Antalya - Klimaschutz als Zukunftsinvestition und Wettbewerbsfaktor
Deutscher Bundestag Drucksache 21/8913
21. Wahlperiode 03.11.2026
Antrag
der Fraktionen der CDU/CSU und SPD
Weltklimakonferenz in Antalya – Klimaschutz als Zukunftsinvestition und
Wettbewerbsfaktor
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Die diesjährige Weltklimakonferenz COP31 findet in einer Zeit tiefgreifender
globaler Unsicherheit statt. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und
die anhaltende Eskalation im Nahen Osten verursachen großes menschliches
Leid, untergraben das Vertrauen in internationale Kooperation und machen
zugleich deutlich: Wer von fossilen Energieträgern abhängig ist, bleibt abhängig von
geopolitischen Risiken. Gleichzeitig zeigt die erstmalige partnerschaftliche
Ausrichtung durch die Gastgeber Türkei und Australien, dass es möglich ist, auch bei
divergierenden Interessen tragfähige Kompromisse zu finden und in neuen
Allianzen für Fortschritte im Kontext der UN und ihrer Unterorganisationen sowie im
multilateralen Raum zu kämpfen.
Denn auch in Zeiten vielfacher Krisen darf nicht vergessen werden, dass eine
intakte Umwelt eine wesentliche Grundlage für wirtschaftliche, soziale und
gesellschaftliche Entwicklung ist. Gleichzeitig verschärft der fortschreitende
Klimawandel bestehende Krisen. Ambitionierter Klimaschutz schützt unsere
natürlichen Lebensgrundlagen – heute und für kommende Generationen. Zugleich trägt
er zu den Zielen der Sicherheits-, Wirtschafts- und Sozialpolitik bei. Der Ausbau
erneuerbarer Energien stärkt die Energieunabhängigkeit und
Versorgungssicherheit. Eine funktionierende Kreislaufwirtschaft reduziert die Abhängigkeit von
begrenzten Primärressourcen, stärkt die Resilienz von Lieferketten und sichert den
Zugang zu wichtigen Rohstoffen. Klimaschutz und Klimaanpassungsmaßnahmen
schützen die Gesundheit, erhalten die Lebensqualität von Menschen weltweit und
tragen zur Sicherung landwirtschaftlicher Erzeugung und unser aller Ernährung
bei. Ambitionierte Klimapolitik steht damit nicht im Widerspruch zu
wirtschaftlicher Stärke und gesellschaftlicher Stabilität.
Die Transformation zu einer klimaneutralen Wirtschaft ist ökologisch zwingend
geboten und kann zugleich ein Motor sein für Innovation, Wettbewerbsfähigkeit
und Wohlstand. Clean-Tech gehört weltweit zu den wichtigsten
Wachstumsbranchen und eröffnet neue wirtschaftliche Perspektiven; allein 2025 flossen weltweit
rund 2,2 Billionen US-Dollar in klimafreundliche Energietechnologien und damit
fast doppelt so viel wie in fossile Energieträger. Deutsche Unternehmen gestalten
diesen Wandel zur Klimaneutralität bereits aktiv durch höhere Energie- und
Ressourceneffizienz, die Elektrifizierung industrieller Prozesse und den Einsatz
klimaneutraler Technologien wie grünem Wasserstoff. Hinzu kommen unter
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ird durch die lektorierte Fassung ersetzt.
anderem die Abscheidung, Nutzung und Speicherung von CO2 sowie natürliche
und technische Kohlenstoffsenken. Klimaschutzinvestitionen sind damit auch
Investitionen in die Zukunftsfähigkeit und Resilienz der deutschen Wirtschaft
einerseits und andererseits in die unserer Partnerländer. Ambitionierter
Klimaschutz, vorausschauende Klimaanpassung und eine starke Wirtschaft bedingen
einander. Unternehmen, die vorangehen, brauchen faire Wettbewerbsbedingungen
und Planungssicherheit, damit sich ihre Vorreiterrolle auch gegenüber
Wettbewerbern mit geringeren klimapolitischen Ambitionen auszahlt. Möglichst
konkrete internationale Ziele können hierbei einen zentralen Beitrag leisten.
Keinem Land der Welt wird es allein gelingen, den Klimawandel aufzuhalten.
Deshalb sind gerade in geopolitisch unsicheren Zeiten starke internationale
Partnerschaften für Deutschland von strategischer Bedeutung. Der multilaterale
Klimaprozess, globale Ziele und klimapolitische Kooperationen mit Staaten des
Globalen Südens leisten einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und tragen
gleichzeitig dazu bei, gemeinsame Interessen in einem zunehmend fragmentierten
globalen Umfeld wirksam durchzusetzen.
Die wissenschaftlichen Erkenntnisse sind eindeutig: Die Lücke zwischen dem
klimapolitisch Notwendigen und dem tatsächlich Erreichten ist insgesamt gesehen
immer noch zu groß. Wenn das im Pariser Klimaabkommen definierte 1,5-Grad-
Ziel in Reichweite bleiben soll, müssen Ambitionen und Umsetzung
schnellstmöglich zusammenfinden. Jedes Zehntel Grad weniger Erderwärmung bedeutet
weniger menschliches Leid und weniger Klimaschäden.
Die vergangenen Monate haben erneut verdeutlicht: Neben ambitioniertem
Klimaschutz zur Emissionsminderung braucht es national wie international
wirksame Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels. Der
Hitzesommer hat nicht nur erhebliche wirtschaftliche Schäden verursacht, sondern
nach aktuellen Hochrechnungen des Robert Koch-Instituts (RKI) auch zahlreiche
Tote gefordert. Eine vorausschauende Klimaanpassung rettet Menschenleben und
stärkt die Resilienz von Gesellschaft und Wirtschaft, eröffnet neue Innovations-
und Marktchancen und schafft Perspektiven für zukunftsfähige Wertschöpfung.
Dabei kommt sowohl naturbasierten als auch technischen Lösungen eine zentrale
Rolle zu, um den Herausforderungen der Erderwärmung wirksam zu begegnen.
Ein klares und ambitioniertes Auftreten Deutschlands auf der COP31 liegt daher
nicht nur in unserer klimapolitischen Verantwortung, sondern auch in unserem
eigenen wirtschaftlichen und strategischen Interesse.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung im Rahmen der zur
Verfügung stehenden Haushaltsmittel auf,
1. auf der COP31 als aktiver Partner aufzutreten und sich im Einklang mit
den nationalen Klimazielen konsequent für ehrgeizige Ergebnisse der
Weltklimakonferenz einzusetzen;
2. die Action Agenda der türkischen COP31-Präsidentschaft und die von
Australien geführten Verhandlungen aktiv zu unterstützen, wie z. B. das
Ziel eines weltweiten Elektrifizierungsgrades von mindestens 35 Prozent
bis 2035, den Ausbau der Kreislaufwirtschaft, die Reduzierung der
Methanemissionen aus Deponien sowie eine stärkere Verzahnung der Rio-
Konventionen zum Schutz von Klima, Böden und Biodiversität;
3. sich für die Erarbeitung und Umsetzung nationaler Fahrpläne zum
schrittweisen Ausstieg aus fossilen Energieträgern einzusetzen und die
internationale Zusammenarbeit bei deren Umsetzung zu stärken;
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ird durch die lektorierte Fassung ersetzt.
4. die Sicherheits- und Geopolitik konsequent mit einer sozial gerechten
Energiewende in unseren Partnerländern zu verbinden, im beiderseitigen
Interesse: für einen wachsenden Anteil erneuerbaren Stroms, mehr
Energiesicherheit und Resilienz, diversifizierte und ressourcenschonende
Lieferketten, auch bei seltenen Erden, sowie die Schwächung der
Kriegsfinanzierung durch fossile Exporterlöse;
5. die Umsetzung des in Belém beschlossenen Plans zur Beschleunigung und
Resilienz des Netzausbaus zu unterstützen;
6. sich für eine konkrete und ambitionierte Ausgestaltung der Wald-Roadmap
einzusetzen, um das globale Ziel, die Entwaldung bis 2030 zu stoppen, und
internationale Initiativen zum Schutz der Wälder, insbesondere innovative
Finanzierungsinstrumente wie die Tropical Forest Forever Facility
(TFFF), aktiv mitzugestalten und sich in die Programmausgestaltung
einzubringen. Dabei sind weitere Geber zu gewinnen;
7. die Transformation hin zu einer klimafreundlichen Industrie und
Wirtschaft auf nationaler und internationaler Ebene voranzutreiben und
gemeinsam mit der deutschen Wirtschaft Klimaschutz und Anpassung,
Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und nachhaltigen Wohlstand weltweit zu
stärken sowie die COP31 noch stärker als Forum für „Clean Tech Made in
Germany“ zu nutzen;
8. sich für den Hochlauf von klimafreundlichen Grundstoffen und die
internationale Ausweitung einer wirksamen CO2-Bepreisung einzusetzen, um
faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen, Investitionen in
klimafreundliche Technologien zu fördern und zusätzliche Mittel für den Klimaschutz
zu mobilisieren sowie die Arbeit des Klimaclubs zur Dekarbonisierung der
Industrie weiter voranzutreiben;
9. die Regeln für internationale Klimaschutzzertifikate nach Artikel 6 des
Übereinkommens von Paris zügig umzusetzen, Doppelzählungen
auszuschließen und die tatsächliche Minderungswirkung nachprüfbar zu sichern;
10. die internationale Klimafinanzierung im Sinne der Just Transition sozial
ausgewogen und innovativ weiterzuentwickeln, sie auf eine breitere
Geberbasis zu stellen und sich hierbei dafür einzusetzen, dass sich künftig
insbesondere große Emittenten wie China oder die Golfstaaten stärker
beteiligen, sowie private Mittel stärker zu mobilisieren;
11. eine sozial gerechte und kosteneffiziente Gestaltung der Transformation
sicherzustellen, indem der Strukturwandel insbesondere hinsichtlich fairer
Beschäftigung und Qualifizierung aktiv begleitet wird, der Aufbau
ökologischer Kompetenzen sowie Weiterbildungs- und
Umschulungsmaßnahmen gefördert und internationale Instrumente wie der Just Transition
Mechanism zielgerichtet ausgestaltet werden;
12. die Zusammenarbeit mit Staaten des Globalen Südens verlässlich und
partnerschaftlich zu gestalten. Deutschland wird auch weiterhin einen fairen
Beitrag zur Klimafinanzierung und zur Umsetzung des 2024 in Baku
verabschiedeten kollektiven Finanzierungsziels (NCQG) leisten und dabei
verstärkt auch auf die Mobilisierung von privaten Mitteln sowie Beiträge
nicht traditioneller Geber setzen;
13. sich in der EU dafür einzusetzen, dass das „Team EU“ in internationalen
Klimaverhandlungen geschlossen auftritt, gezielt Allianzen mit anderen
Staaten schmiedet und das umfangreiche klimapolitische Engagement der
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EU und ihrer Mitgliedstaaten wirksamer nutzt, um gemeinsame Ziele
durchzusetzen;
14. die deutsche Vorreiterrolle bei der Stärkung von Wissenschaft und
Informationsintegrität zu behaupten, damit wissenschaftliche Erkenntnisse und
belastbare Fakten die Grundlage internationaler klimapolitischer
Entscheidungen bleiben und Desinformation wirksam und entschieden
entgegengetreten wird;
15. Klimaanpassung national wie international darauf auszurichten,
Fortschritte beim globalen Anpassungsziel aktiv voranzutreiben und
gemeinsam mit den Partnerstaaten an der konkreten Ausgestaltung der auf der
COP30 verabschiedeten Indikatoren zu arbeiten, um Klimaanpassung
messbar zu machen.
Berlin, den 3. November 2026
Thorsten Frei, Alexander Hoffmann und Fraktion
Dr. Matthias Miersch und Fraktion
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