Projekt "Regionalprogramm Afrika südlich der Sahara"
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Projekt "Regionalprogramm Afrika südlich der Sahara"
Deutscher Bundestag Drucksache 21/6438
21. Wahlperiode 11.06.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Rocco Kever, Matthias Rentzsch, Denis Pauli, Johann Martel,
Martina Uhr, Dr. Michael Espendiller und der Fraktion der AfD
Projekt „Regionalprogramm Afrika südlich der Sahara“
Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
(BMZ) hat laut den derzeit im Transparenzportal des Bundes abrufbaren
Informationen (Stand: 11. Juni 2026) seit 2010 über eine oder mehrere nicht
namentlich genannte „donor country based NGOs“ das „Regionalprogramm Afrika
südlich der Sahara“ (bzw. dessen Folge- und Gesamtprogramme) mit
erheblichen Steuergeldern gefördert (vgl. www.transparenzportal.bund.de/de/detailsuc
he?project_status=finished&accountable_partner=donor+country+based+NGO
&title=Afrika+s%C3 ProzentBCdlich+der+Sahara&tab=list). Nach Recherchen
der Fragesteller waren zu anderen Abrufzeitpunkten parteinahe Stiftungen als
Durchführungsorganisationen angegeben.
Zu diesem Programm gehören unter anderem folgende IATI(International Aid
Transparency Initiative)-Maßnahmen:
– DE-1-201028216
– DE-1-201228352
– DE-1-201328368
– DE-1-201528173
– DE-1-201628270
– DE-1-201828383
– DE-1-201928134
– DE-1-202128270
– DE-1-202228278
Gesamtsummen aller vorgenannten Maßnahmen:
– geplantes Finanzierungsvolumen insgesamt: ca. 254,52 Mio. Euro
– tatsächlich ausgegebene Mittel insgesamt: ca. 248,2 Mio. Euro
Allein für die Maßnahme DE-1-201928134 („Regionalprogramm Afrika
südlich der Sahara“) wurde ein Finanzierungsvolumen von 56 300 000 Euro
veranschlagt, wovon bis Ende 2022 rund 53,999 Mio. Euro ausgegeben wurden (vgl.
www.transparenzportal.bund.de/de/detailsuche/DE-1-201928134?project_statu
s=finished&accountable_partner=donor+country+based+NGO&title=Afrika+
s%C3).
Die Schwerpunkte des Programms lagen u. a. auf der Stärkung der internen
Organisation von Parlamenten und Parteien, der Unterstützung demokratischer,
rechtsstaatlicher und zivilgesellschaftlicher Strukturen, der Diskussion
nationaler, regionaler und globaler Entwicklungskonzepte sowie der Förderung
regionaler Integration, Sicherheitspolitik und verantwortungsvoller Medienarbeit in
Zusammenarbeit mit lokalen Partnern im staatlichen und nichtstaatlichen
Sektor (a. a. O.). Weitere Ausprägungen des Programms setzten zusätzlich den
Fokus auf ökologisch nachhaltige, sozial gerechte und gendersensitive
Entwicklungen sowie auf den Süd-Süd- und Süd-Nord-Austausch (a. a. O.).
Trotz des hohen Mitteleinsatzes von über 248 Mio. Euro und der mehr als
15-jährigen Laufzeit bleibt die konkrete durchführende
Nichtregierungsorganisation im Transparenzportal des Bundes derzeit lediglich als „donor country
based NGO“ anonymisiert (a. a. O.).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche konkreten Maßnahmen und Aktivitäten wurden im Rahmen des
Programms in den jeweiligen Ländern durchgeführt, und welche Kosten
wurden dafür je Maßnahme aufgewendet (vgl. Vorbemerkung der
Fragesteller, bitte detailliert auflisten und alles nach Ländern aufschlüsseln)?
2. Welche konkreten Nichtregierungsorganisationen (NGOs; vollständiger
Name, Rechtsform, Sitz, Geschäftsführung) waren als „donor country
based NGO“ für die in der Vorbemerkung genannten IATI-Maßnahmen als
Durchführungsorganisationen verantwortlich (vgl. Vorbemerkung der
Fragesteller)?
3. Welche lokalen Partnerorganisationen (bitte vollständige Namen, Sitz,
Rechtsform angeben) wurden in den jeweiligen afrikanischen Ländern
durch diese NGOs gefördert (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
4. Wie hoch waren die geplanten und tatsächlichen Ausgaben je IATI-
Maßnahme und Haushaltsjahr, und wie wurden diese nach
Empfängerstaaten sowie nach direkten Projektmitteln vor Ort versus Verwaltungs-,
Personal-, Reisekosten aufgeschlüsselt (vgl. Vorbemerkung der
Fragesteller)?
5. Welche messbaren Ergebnisse und Erfolge (mit quantitativen Indikatoren)
wurden in den Abschlussberichten der durchführenden NGOs für die
genannten Schwerpunkte erreicht, und welche unabhängigen Evaluierungen
liegen vor (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
6. Wie begründet die Bundesregierung die wiederholte Verlängerung und
hohe finanzielle Ausstattung dieses Programms über mehr als 15 Jahre
(vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
7. Welche Rolle spielten ggf. deutsche parteinahe Stiftungen bei der
Umsetzung oder als Partner dieses Programms, und gab es Überschneidungen
oder Doppelförderungen (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
8. Welche konkreten Mechanismen zur Sicherung der Integrität der
Mittelverwendung wurden angewandt, und wie viele Beanstandungen gab es
(vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
9. Wie gewährleistet die Bundesregierung, dass die Mittel nicht für
ideologische Zwecke oder entgegen deutschen Interessen verwendet wurden (vgl.
Vorbemerkung der Fragesteller)?
10. Plant die Bundesregierung eine Fortführung oder grundlegende
Neuausrichtung dieses Regionalprogramms (vgl. Vorbemerkung der
Fragesteller)?
11. Wie rechtfertigt die Bundesregierung, dass bei einer Laufzeit über mehr
als 15 Jahre und über 248 Mio. Euro hinweg die durchführende NGO
derzeit lediglich als „donor country based NGO“ anonymisiert bleibt (vgl.
Vorbemerkung der Fragesteller)?
12. Welches Transparenzverständnis liegt der Bundesregierung zugrunde,
wenn sie bei einem derart hoch dotierten Programm die namentliche
Nennung der durchführenden Organisation im Transparenzportal des Bundes
verweigert (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
13. Sieht die Bundesregierung die intensive Einflussnahme auf die innere
Organisation von Parlamenten, Parteien, Medien und Zivilgesellschaft in
souveränen afrikanischen Staaten nicht als unzulässige politische
Einmischung in deren innere Angelegenheiten an (vgl. Vorbemerkung der
Fragesteller)?
14. Inwiefern dient das Programm der Förderung westlicher beziehungsweise
deutscher Vorstellungen von „gendersensitiver Entwicklung“, und warum
wird dies in Ländern mit teilweise völlig anderen gesellschaftlichen und
kulturellen Realitäten für prioritär gehalten (vgl. Vorbemerkung der
Fragesteller)?
15. Besteht nicht die Gefahr, dass durch die Förderung bestimmter politischer
und gesellschaftlicher Kräfte in Afrika über nicht namentlich genannte
NGOs deutsche Außen- und Entwicklungspolitik faktisch im Geheimen
betrieben wird (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
16. Wie schließt die Bundesregierung aus, dass das Programm und seine
lokalen Partner nicht indirekt Migrationsanreize schaffen oder oppositionelle
Kräfte gegen Regierungen unterstützen, die eine restriktive
Migrationspolitik gegenüber Europa verfolgen (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
17. Warum setzt die Bundesregierung bei diesem Programm systematisch auf
den Umweg über eine oder wenige NGOs statt auf direkte, transparente
und konditionierte Zusammenarbeit mit afrikanischen Regierungen (vgl.
Vorbemerkung der Fragesteller)?
18. Hält die Bundesregierung es für mit dem Souveränitätsanspruch
afrikanischer Staaten vereinbar, dass Deutschland über nicht transparent gemachte
NGOs massiv in deren parlamentarische Strukturen, Medienlandschaft
und Zivilgesellschaft eingreift (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
19. Wer in der Bundesregierung oder im BMZ entscheidet letztlich, welche
konkrete NGO das „Regionalprogramm Afrika südlich der Sahara“
durchführt, nach welchen Kriterien diese Auswahl erfolgt und warum die
Öffentlichkeit und das Parlament keinen Anspruch darauf haben, den Namen
dieser Organisation zu erfahren (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
20. Wer im BMZ entscheidet darüber, was in afrikanischen Staaten als
„Stärkung demokratischer und rechtsstaatlicher Strukturen“,
„verantwortungsvolle Medienarbeit“, „gendersensitive Entwicklung“ oder „richtige“
regionale Integration gilt und was nicht, und auf welcher Legitimation beruht
es, dass deutsche Beamte und von ihnen ausgewählte NGOs diese
Bewertungshoheit über die inneren politischen und gesellschaftlichen
Verhältnisse souveräner Staaten beanspruchen (vgl. Vorbemerkung der
Fragesteller)?
Berlin, den 1. Juni 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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