Deutscher Beitrag zur künftigen Europäischen Sicherheitsstrategie
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Deutscher Beitrag zur künftigen Europäischen Sicherheitsstrategie
Deutscher Bundestag Drucksache 21/6139
21. Wahlperiode 27.05.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Gerold Otten, Dr. Rainer Rothfuß, Dr. Malte Kaufmann, Tobias
Teich, Stefan Keuter, Uwe Schulz, Dr. Alexander Gauland, Beatrix von Storch
sowie der Fraktion der AfD
Deutscher Beitrag zur künftigen Europäischen Sicherheitsstrategie
Angesichts der rasanten geopolitischen Verschiebungen und der zunehmenden
Instabilität in der europäischen Nachbarschaft arbeitet die Europäische Union
derzeit an einer umfassenden Neuausrichtung ihrer Sicherheitsarchitektur.
Medienberichten zufolge hat der Europäische Auswärtige Dienst (EAD) den
Mitgliedstaaten ein „Scoping Paper“ zugeleitet, das als Grundlage für eine neue
Europäische Sicherheitsstrategie dienen soll (https://euractiv.de/news/eu-diskut
iert-wann-sie-ihre-neue-sicherheitsstrategie-vorstellen-soll/#:~:text=EU%20ver
breitet%20unter%20den%20EU%2DL%C3 ProzentA4ndern%20ein%20sogen
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Diese Strategie zielt darauf ab, die strategische Autonomie der Union durch die
Reduzierung einseitiger Abhängigkeiten – insbesondere in kritischen Sektoren
wie der Halbleiterindustrie, der Rohstoffversorgung und der Cybersicherheit –
massiv zu stärken. In diesem Zusammenhang wird ein „prinzipienorientierter
Pragmatismus“ als neues Leitmotiv der EU-Außenpolitik diskutiert. Parallel
dazu wächst der Druck auf die europäischen NATO-Partner, ihre nationalen
Verteidigungsanstrengungen signifikant zu erhöhen, wobei Forderungen nach
einer Steigerung der Verteidigungsausgaben auf bis zu 5 Prozent des
Bruttoinlandsprodukts (BIP) laut werden.
Vor dem Hintergrund des bevorstehenden NATO-Gipfels im Juli 2026 in
Ankara und der ausstehenden Finalisierung der EU-Strategie ergeben sich bei den
Fragestellern dringende Fragen zur Positionierung der Bundesregierung, zum
aktuellen Verhandlungsstand auf EU-Ebene sowie zu den konkreten
Konsequenzen für die nationale Haushalts- und Sicherheitsplanung.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welchen grundsätzlichen Standpunkt vertritt die Bundesregierung zu dem
vom Europäischen Auswärtigen Dienst (EAD) verteilten „Scoping Paper“
für eine neue Europäische Sicherheitsstrategie, und welche spezifischen
Rückmeldungen hat sie hierzu eingebracht?
2. Setzt sich die Bundesregierung für eine Veröffentlichung der EU-
Sicherheitsstrategie vor oder nach dem NATO-Gipfel am 7. und 8. Juli
2026 in Ankara ein, und welche strategischen sowie außenpolitischen
Gründe – insbesondere im Hinblick auf die europäische Geschlossenheit
gegenüber den USA – sprechen aus ihrer Sicht für den jeweiligen
Zeitpunkt?
3. Wie koordiniert das Auswärtige Amt die Rückmeldungen der
verschiedenen Bundesressorts zum Scoping Paper, um eine kohärente deutsche
Position in Brüssel zu vertreten?
4. Welche konkreten Vorschläge hat die Bundesregierung der EU im
Rahmen der Erarbeitung des Scoping Papers zur Reduzierung strategischer
Abhängigkeiten übermittelt?
5. Wie trägt die Bundesrepublik Deutschland zur Reduzierung der im
Scoping Paper genannten „strategischen Abhängigkeiten“ in den Bereichen
Halbleiter (Chips), Rohstoffe und Cybersicherheit bei bzw. möchte sie
künftig noch stärker beitragen?
6. Wurde oder wird in Vorbereitung der Rückmeldung zum Scoping Paper
auch der Deutsche Bundestag informiert oder befragt?
7. Welche Synergien sieht die Bundesregierung zwischen der neuen EU-
Strategie zum Aufbau eigener militärischer und strategischer Fähigkeiten
und den aktuellen Verteidigungsplanungen der NATO, um eine
Duplizierung von Strukturen zu vermeiden?
8. Wie bewertet die Bundesregierung die Einbeziehung von technologischen
Sektoren wie Chipausrüster und Chipzulieferer sowie der Chipproduktion
in eine originär sicherheitspolitische Strategie, und welche Auswirkungen
hat dies auf die diplomatischen Beziehungen zu Drittstaaten?
9. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über die im Scoping
Paper erwähnten Risikominderungsstrategien („De‑Risking“) gegenüber
Washington und Peking vor?
10. Sieht die Bundesregierung bei der Erarbeitung des Scoping Papers noch
Spielraum für eine Modifizierung der Zielmarke von 5 Prozent des
Bruttoinlandsprodukts (BIP) für Verteidigung und verteidigungsrelevante
Infrastruktur?
11. Inwieweit unterstützt die Bundesregierung den im Dokument formulierten
Ansatz eines „prinzipienorientierten Pragmatismus“, und wie definiert sie
diesen Begriff im Kontext deutscher „wertegeleiteter“ Außenpolitik?
12. Welche Position bezieht das Auswärtige Amt in den laufenden
Ratsdiskussionen zur Förderung des Multilateralismus, wenn gleichzeitig, wie
vermutlich im Scoping Paper angedeutet, nationale und europäische
Interessen offensiver verteidigt werden sollen?
13. Welche Schlussfolgerung zieht die Bundesregierung aus dem erklärten
Ziel der Kommissionspräsidentin Dr. Ursula von der Leyen, die EU von
einem Friedensprojekt, als das sie über Jahrzehnte hinweg verklärt wurde,
zu einer Militärmacht zu entwickeln (https://euractiv.de/news/von-der-ley
en-verlagert-den-globalen-fokus-der-eu-auf-sicherheit/)?
Berlin, den 7. Mai 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
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ISSN 0722-8333
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