Gesundheitssystem stärken statt Versicherte belasten - Echte Reformen für eine stabile gesetzliche Krankenversicherung
Text
Gesundheitssystem stärken statt Versicherte belasten - Echte Reformen für eine stabile gesetzliche Krankenversicherung
Antrag
der Abgeordneten Martin Sichert, Dr. Christina Baum, Carina Schießl,
Claudia Weiss, Kay-Uwe Ziegler, Thomas Dietz, Joachim Bloch, Tobias
Ebenberger, Nicole Hess, Dr. Christoph Birghan, Birgit Bessin, Kerstin
Przygodda, Alexis L. Giersch, Martina Kempf, Stefan Möller, Dr. Paul
Schmidt, Gereon Bollmann, Thomas Fetsch, Alexander Arpaschi, Carsten
Becker, René Bochmann, Boris Gamanov, Dr. Ingo Hahn, Mirco Hanker,
Udo Theodor Hemmelgarn, Olaf Hilmer, Dr. Malte Kaufmann, Dr. Michael
Kaufmann, Rocco Kever, Kurt Kleinschmidt, Achim Köhler, Iris Nieland,
Andreas Paul, Arne Raue, Dr. Rainer Rothfuß, Manfred Schiller, Georg
Schroeter, Thomas Stephan, Mathias Weiser, Sven Wendorf, Dr. Daniel
Zerbin, Jörg Zirwes und der Fraktion der AfD
Gesundheitssystem stärken statt Versicherte belasten – Echte Reformen
für eine stabile gesetzliche Krankenversicherung
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Die fehlgeleitete Gesundheitspolitik der letzten Jahrzehnte hat das deutsche
Gesundheitssystem in eine existenzielle Schieflage gebracht. Die gesetzliche
Krankenversicherung (GKV) steht vor einer hausgemachten dramatischen Finanzkrise. Im Jahr
2027 droht eine Finanzlücke von bis zu 15 Milliarden Euro, die im Jahr 2030 ohne
grundlegende Reformen auf über 40 Milliarden Euro ansteigen wird.
Der am 29.04.2026 von der Bundesministerin Nina Warken vorgestellte
Kabinettsentwurf des GKV-Beitragsstabilisierungsgesetzes sieht vor, die Finanzlücke vor allem
mittels Leistungsreduzierungen und Beitragserhöhungen bei den Versicherten zu
schließen. Dazu zählen höhere Zuzahlungen bei Medikamenten, Reduzierung der
Pflegepersonalfinanzierung, Einführung der Teilkrankschreibung, die Streichung der
Zuschläge für Kurzzeittherapie, eine Erhöhung der Versicherungspflichtgrenze sowie die
Einschränkung der beitragsfreien Mitversicherung von Ehepartnern (www.bundesge-
sundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/Gesetze_und_
Verordnungen/GuV/G/GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz_Kabinett.pdf).
Für ihr eigenes Versagen will die Bundesregierung die arbeitenden deutschen
Beitragszahler bestrafen, die unter den höchsten Kranken- und
Pflegeversicherungsbeiträgen weltweit leiden (www.issa.int/databases/country-profiles/contribution-rates).
Die zentralen Ursachen für die Misere in der GKV liegen neben der demografischen
Entwicklung vor allem in der Systemüberlastung durch versicherungsfremde
Leistungen an Millionen ausländische Bürgergeldempfänger, einem aufgeblähten Verwal-
Deutscher Bundestag Drucksache 21/5759
21. Wahlperiode 05.05.2026
tungsapparat mit zu vielen Krankenkassen, planwirtschaftlichen Fehlanreizen und
einem ausgeuferten Bürokratismus.
Die AfD-Fraktion hat im Deutschen Bundestag zahlreiche Anträge mit einer
kurzfristigen Entlastung der gesetzlichen Krankenversicherung in Höhe von knapp 40 Mrd.
Euro eingebracht, um die Finanzstabilität des deutschen Gesundheitssystems
zukünftig auch ohne Leistungskürzungen sicherzustellen. Denn Misswirtschaft und
Leistungskürzungen in der GKV sind nicht alternativlos.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
1. der gesetzlichen Krankenversicherung die tatsächlichen Gesundheitskosten für
deutsche Bürgergeldempfänger vollständig aus Bundessteuermitteln zu erstatten
(geschätzte Entlastung durch Mehreinnahmen in Höhe von 6,7 Mrd. Euro);
2. ausländischen Bürgergeldempfänger (zukünftig arbeitsuchende
Grundsicherungsleistungsempfänger) für die Deckung der medizinischen Kosten zukünftig
eigenständig aufkommen zu lassen (geschätzte Entlastung durch Minderausgaben
in Höhe von 6,2 Mrd. Euro);
3. dass alle bilateral geschlossen Sozialversicherungsabkommen Deutschlands mit
anderen Staaten hinsichtlich ihres Kosten-Nutzen-Verhältnisses auf den
Prüfstand gehören und sichergestellt wird, dass keine Angehörigen im Ausland
kostenfrei mitversichert sind, die in Deutschland nicht kostenfrei mitversichert
wären;
4. die Anzahl der gesetzlichen Krankenkassen durch Zusammenlegung und
Strukturvereinfachung deutlich zu reduzieren sowie ein Werbeverbot für gesetzliche
Krankenkassen einzuführen (geschätzte Entlastung durch verringerte
Verwaltungsausgaben in Höhe von mindestens 0,23 Mrd. Euro allein durch das
Werbeverbot);
5. Bürokratie abzubauen (wie in AfD-Anträgen DS 21/1746, DS 21/2717 und DS
21/1570 gefordert mit geschätzter Entlastung durch Einsparungen in Höhe von
1 Mrd. Euro) und Effizienzpotenziale von Innovationen für das
Gesundheitswesen zu heben (laut Studie der Prognos AG geschätzte Entlastung durch
Effizienzsteigerungen in Höhe von 20,8 Mrd. Euro);
6. Orphan Drugs durch die gesetzliche Krankenversicherung nur bei
nachgewiesenem und gesichertem therapeutischen Zusatznutzen erstatten zu lassen
(geschätzte Entlastung durch Minderausgaben in Höhe von 4 Mrd. Euro);
7. statt kurzfristiger Flickschusterei, strukturelle und langfristig tragfähige
Reformen im Gesundheitssystem vorzunehmen. Insbesondere sind medizinische
Leistungen auskömmlich zu vergüten und bestehende Quersubventionierungen zu
beenden.
Berlin, den 5. Mai 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Begründung
Ad 1)
Der Verwaltungsrat des GKV-Spitzenverbandes hat am 11. September 2025 Klage gegen die Bundesrepublik
Deutschland wegen der systematischen Unterfinanzierung der gesundheitlichen Versorgung von gesetzlich
versicherten Bürgergeldbeziehern erhoben. Als Krankenversicherungsbeitrag wird an den Gesundheitsfonds eine
Beitragspauschale je versichertem Mitglied und Monat in Höhe von derzeit 144.04 Euro gezahlt, wobei die
tatsächlichen monatlichen Kosten 200 Euro über der Beitragspauschale liegen. Bei 2,81 Millionen deutschen
Bürgergeldempfängern bedeutet das für die gesetzliche Krankenversicherung einen Erstattungsanspruch von
6,7 Milliarden aus Bundeszuschüssen (www.gkv-spitzenverband.de/gkv_spitzenverband/presse/fokus/-
klage_buergergeld.jsp).
Ad 2)
Im Jahresdurchschnitt 2025 bezogen ungefähr 2,57 Millionen Ausländer Bürgergeld, sprich 47,6 Prozent aller
Hilfeberechtigten. Wenn ausländische Bürgergeldempfänger zukünftig für ihre Gesundheitskosten eigenständig
aufkommen, ergibt sich eine Ausgabenentlastung der gesetzlichen Krankenversicherung in Höhe von knapp 6,2
Mrd. Euro jährlich. Gleichzeitig verringert sich der geleistete Bundeszuschuss um 4,44 Mrd. Euro, so dass sich
der zusätzlich notwendige Bundeszuschuss für die vollständige Kostenerstattung deutscher Bürgergeldbezieher
von 6,7 Mrd. Euro auf 2,3 Mrd. Euro reduziert (https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1622726/um-
frage/empfaenger-von-buergergeld-in-deutschland-nach-staatsangehoerigkeiten/).
Ad 3)
Der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestags schreibt in seiner Ausarbeitung zur Mitversicherung
von in der Türkei oder den Staaten des „Westlichen Balkans“ lebenden Familienangehörigen im Krankheitsfall:
„In der Türkei, Bosnien-Herzegowina, Mazedonien, Montenegro oder Serbien lebende Familienangehörige eines
in Deutschland krankenversicherten Arbeitnehmers, die nicht ihrerseits erwerbstätig sind, erhalten im
Krankheitsfall im Wege der sog. Sachleistungsaushilfe Leistungen der Krankenversicherung ihres Wohnsitzstaates. Die
Kosten, die der Krankenversicherung des Wohnsitzstaates der Familienangehörigen hierdurch entstehen, sind
von der deutschen Krankenversicherung zu erstatten.“ Diese bilateralen Sozialversicherungsabkommen sollen
zwecks Entlastung der gesetzlichen Krankenversicherung gekündigt werden. Das Entlastungsvolumen liegt
geschätzt bei 10–20 Mio. Euro (www.bundestag.de/resource/blob/550754/WD-9-013-18-pdf.pdf).
Ad 4)
Weniger Bürokratie, weniger Personal, einheitlichere Prozesse sowie ein Werbeverbot der gesetzlichen
Krankenversicherungen durch Zusammenlegung und Strukturvereinfachung ermöglichen eine Absenkung der
bestehenden Verwaltungskosten von mindestens 225 Mio. Euro (www.ikkev.de/newsletter-artikel/zu-hohe-
verwaltungskosten-mythos-oder-realitaet/).
Ad 5)
Die AfD Bundestagsfraktion stellt laufend Anträge zum Bürokratieabbau in der gesetzlichen
Krankenversicherung (beispielsweise DS 21/1746, DS 21/2717, DS 21/1570).
Die Forderungen umfassen die Vereinfachung der Dokumentationspflichten, die Optimierung von
Abrechnungsverfahren, die Förderung der Interoperabilität digitaler Systeme, Verbesserung von Genehmigungsverfahren, die
Vereinfachung von Vergütungssystemen, die Vereinheitlichung der Prüfungen durch den Medizinischen Dienst
(MD), die Abschaffung der Abrechnungsprüfungen in der stationären Kinder- und Jugendmedizin, verbindliche
Qualitätsstandards für Nutzerfreundlichkeit, Zielgruppenorientierung und Datenschutz für DiGA, ein
angemessenes Kosten-Nutzen-Verhältnis für die Erstattung von DiGA im Vergleich zu analogen GKV-Leistungen sowie
den Abbau unnötiger bürokratische Hürden für die Verordnung und Nutzung von DiGA. Die jährliche
Einsparung von Bürokratie-/Abrechnungsabbau (ca. 600 Mio. Euro) sowie DiGA-Optimierung (ca. 400 Mio. Euro)
wird auf 1 Mrd. Euro jährlich geschätzt.
Darüber hinaus liegen laut einer Studie der Prognos AG die potenziellen GKV- Effizienzpotenziale von
Innovationen im Gesundheitswesen bei jährlich über 20,8 Mrd. Euro und steigen auf 47 Mrd. Euro im Jahr 2045:
„Medizintechnik, Arzneimittel, Biotechnologie und digitale Gesundheitslösungen können Kosten im
Gesundheitssystem reduzieren und damit zur finanziellen Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung beitragen. Die
Einsparpotenziale verteilen sich auf die Bereiche Medizintechnik, e-Health, Arzneimittel und Biotechnologie.
Die größten Einsparungen ergeben sich in der Medizintechnik und durch mehr ambulante statt stationärer
Leistungen. E-Health-Lösungen wie Telemedizin, Registersysteme und KI-gestützte Diagnostik versprechen
ebenfalls erhebliche Effizienzgewinne. Im Bereich der Arzneimittel und Biotechnologie senken innovative Therapien,
Biosimilars und personalisierte Medizin die Kosten.“ (www.prognos.com/de/projekt/effizienzpotenziale-
innovationen-gesundheitswesen).
Ad 6)
Der Orphan Drugs-Markt mit einemVerordnungsanteil von 0,1 %, macht 13 % der Gesamtausgaben der GKV
für Arzneimittel aus. Der jährliche Anstieg liebt bei 14 % im Gegensatz zu 8 % bei anderen patentgeschützten
Arzneimitteln. Orphan Drugs haben geringere Anforderungen bezüglich der einzureichenden Studien, wobei
Therapieoptionen in der Regel verfügbar sind. Das Einsparpotenzial für Orphan Drugs liegt laut GKV-
Spitzenverband bereits kurzfristig bei mindestens 130 Mio. Euro. Die Einführung einer Evidenzpflicht würde zu einem
Einsparungseffekt von mindestens 4 Mrd. führen, da gemäß des deutschen Instituts für Qualität und
Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen bei der Mehrheit der Orphan Drugs kein Zusatznutzen gegenüber der bestehenden
Standardbehandlung festzustellen ist (www.medinside.ch/seltene-krankheiten-nutzen-von-orphan-drugs-
studieiqwig-20250113).
Ad 7)
Die deutsche Gesundheitspolitik der letzten Jahrzehnte ist von kurzfristigem Aktionismus und ideologischer
Symbolpolitik geprägt. Anstatt die strukturellen Probleme des Systems anzugehen, haben CDU/CSU, SPD,
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP über Jahre hinweg die Beiträge erhöht, die Steuerzuschüsse ausgeweitet
und Leistungen gekürzt – ohne jemals die eigentlichen Ursachen der Misere zu beseitigen. Vor allem das Problem
der Quersubventionierungen wird nicht angegangen. So gibt es im deutschen Gesundheitssystem immer mehr
Bereiche, in denen medizinische Leistungen so gering vergütet werden, dass sie nicht kostendeckend erbracht
werden können und durch andere, besser vergütete Leistungen quersubventioniert werden müssen. Diese
Problematik tritt vor allem im Krankenhausbereich bei Pädiatrie, Geburtshilfe, Notaufnahmen und Intensivmedizin
sowie im niedergelassenen Bereich bei der hausärztlichen Versorgung, Psychotherapie und Gynäkologie auf
(www.medconweb.de/blog/finanzierung/krankenhaus-notaufnahmen-sind-und-bleiben-unterfinanziert/).
Überblick jährliche Entlastung der gesetzlichen Krankenversicherung:
Erhöhung Bundeszuschuss deutsche Bürgergeldempfänger
6,7 Mrd. Euro
Minderausgaben durch Wegfall ausländischer Bürgergeldempfänger
6,2 Mrd. Euro
Einstellung beitragsfreie Mitversicherung ausländischer Familienangehöriger
0,015 Mrd. Euro
Reduzierung Anzahl gesetzlichen Krankenversicherungen und Werbeverbot
mind. 0,225 Mrd. Euro
Bürokratieabbau
1 Mrd. Euro
Effizienzpotentiale
20,8 Mrd. Euro
Evidenzpflicht bei Orphan Drugs
mind. 4 Mrd. Euro
Gesamtentlastung der gesetzlichen Krankenversicherung durch AfD-Reformvorschläge: 38,76 Mrd. Euro
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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