Kontrolle und Nachvollziehbarkeit von CO2-Kompensationsmaßnahmen am Beispiel der Förderung energiesparender Kochöfen durch die atmosfair gGmbH (Antwort zu Drs. 21/5229)
Text
Kontrolle und Nachvollziehbarkeit von CO2-Kompensationsmaßnahmen am Beispiel der Förderung energiesparender Kochöfen durch die atmosfair gGmbH (Antwort zu Drs. 21/5229)
Deutscher Bundestag Drucksache 21/5616
21. Wahlperiode 23.04.2026
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Dr. Götz Frömming, Christian Douglas,
Hauke Finger, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 21/5229 –
Kontrolle und Nachvollziehbarkeit von CO2-Kompensationsmaßnahmen am
Beispiel der Förderung energiesparender Kochöfen durch die atmosfair gGmbH
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Seit dem Jahr 2014 gleicht die Bundesregierung die „Klimawirkung“ der
Dienstreisen ihrer Beschäftigten aus. Dazu wird bei Dienstreisen mit einem
Kfz (der Kraftstoffverbrauch angesetzt und beim Luftverkehr wird der CO2-
Ausstoß mit dem Faktor drei für die Wasserdampf-, Stickoxid- und
Rußpartikel-Emissionen herangezogen; www.dehst.de/DE/Themen/Klimaschutzprojek
te/Dienstreisen-Bundesregierung/dienstreisen-bundesregierung_node.html).
Die Deutsche Emissionshandelsstelle (DEHSt) im Umweltbundesamt wickelt
für die Bundesregierung die Kompensation ab. Sie berechnet die
„Klimawirkung“, wählt, beschafft und löscht Emissionsgutschriften (www.dehst.de/Shar
edDocs/downloads/DE/publikationen/factsheets/factsheet_Dienstreisen-BReg.
pdf?__blob=publicationFile&v=4). Über jährliche öffentliche
Ausschreibungen werden Emissionsminderungsgutschriften von internationalen
Klimaschutzprojekten erworben und anschließend stillgelegt bzw. gelöscht.
Die DEHSt beschäftigt rund 210 Mitarbeiter und ist Teil des Fachbereichs V –
Klimaschutz, Energie und Emissionshandel – des Umweltbundesamtes mit
Sitz in Berlin (www.dehst.de/SharedDocs/downloads/DE/publikationen/factsh
eets/factsheet_DEHSt.pdf?__blob=publicationFile&v=2).
Nach Beschluss des Ältestenrates des Deutschen Bundestages vom 26.
November 2020 sollen auch die bei Dienstreisen der Abgeordneten des
Deutschen Bundestages entstandenen CO2-Emissionen durch CO2-
Minderungsmaßnahmen ausgeglichen werden (www.umweltbundesamt.de/themen/bund-g
leicht-emissionen-seiner-dienstreisen-fuer, www.spiegel.de/politik/deutschlan
d/klimaschutz-bundestag-will-co2-ausstoss-bei-dienstreisen-ausgleichen-a-12
93276.html). Seitdem sind verschiedene Maßnahmen gefördert und Projekte
unterstützt worden (www.atmosfair.de/de/deutsche-bundesregierung-kompens
iert-emissionen-der-dienstreisen/).
Zur Kompensation der im Jahre 2023 entstandenen CO2-Emissionen hat der
Ältestenrat beschlossen, ein vom Umweltbundesamt empfohlenes und nach
dem „Gold Standard“ zertifiziertes Klimaschutzprojekt in Ruanda zu
finanzieren. Dabei handelt es sich um die Förderung eines Projektes zur Nutzung
effizienter Kochöfen des Typs „Save80“ (www.atmosfair.de/de/klimaschutzproje
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Umwelt,
Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit vom 22. April 2026 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
kte/energieeffizienz/ruanda/). Die Umsetzung dieses Projektes wird von der
Berliner atmosfair gGmbH in Zusammenarbeit mit mehreren lokalen Partnern
und dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) koordiniert.
Die atmosfair gGmbH ist 2004 gegründet worden und aus einer Kooperation
der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch und des
Reiseveranstalterverbands forum anders reisen e. V. hervorgegangen. Sie stützt sich
inhaltlich auf die Ergebnisse eines Forschungsprojektes des damaligen
Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU), das sich
mit wirksamen Wegen zur Kompensation von Flugemissionen beschäftigte
(www.atmosfair.de/de/ueber_uns/wir_ueber_uns/).
Die atmosfair gGmbH beschäftigt allein in Berlin rund 40 Mitarbeiter und
zwei Geschäftsführer. Dazu kommen die Mitarbeiter in den Projektländern des
Globalen Südens (www.atmosfair.de/de/ueber_uns/team/). Unter dem Namen
Solarbelt FairFuel gGmbH, mit gleichem Geschäftsführer und unter gleicher
Adresse, residiert eine atmosfair-Tochtergesellschaft, die in Werlte eine
Pilotanlage für „klimaneutrales“ Kerosin (Power-to-Liquid – PtL) errichtet hat und
betreibt. Neben einem der beiden Geschäftsführer ist die Stiftung
Zukunftsfähigkeit, die wiederum eng verbunden ist mit dem gemeinnützigen Verein
„Germanwatch“, der über etwa 70 Mitarbeiter verfügt, und der
„Germanwatch-Stiftung“ Gesellschafter. Im Aufsichtsrat der atmosfair gGmbH ist die
PtX Lab Lausitz, ein Geschäftsbereich der Zukunft-Umwelt-Gesellschaft
(ZUG) gGmbH vertreten. Die PtX-Technologie nutzt Strom („Power“) aus
erneuerbaren Energien, um grünen Wasserstoff und daraus Kraft- und
Grundstoffe („X“) herzustellen.
Zudem verfügt die atmosfair gGmbH über einen siebenköpfigen Beirat, der
auch Kontrollfunktionen ausübt und z. B. jedes Kompensationsprojekt vor
dessen Beginn genehmigen muss. Drei Mitglieder sind Abteilungsleiter (oder
Stellvertreter) im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung, des Auswärtigen Amts und des Bundesministeriums für
Wirtschaft und Energie, die aktuell zusätzlich in der Stiftung „Zukunft des
Kohlenstoffmarktes“, in der International Climate Action Transparency Initiative
(ICAT), im globalen Umweltfonds (GEF), im Grünen Klimafonds und im
Klimainvestitionsfonds leitende Positionen einnehmen. Ein weiteres Mitglied ist
„politischer Geschäftsführer“ von germanwatch und Sprecher der Klima-
Allianz Deutschland. Zugleich ist er ständiger Beobachter im „Sustainable
Finance“-Beirat der Bundesregierung (www.atmosfair.de/en/about_us/advisory_
board/).
Die ca. 70 Mitarbeiter des Germanwatch e. V. wiederum werden überwiegend
aus öffentlicher Projektförderung im Themenbereich Klimafinanzierung,
Lieferkettengesetz, internationale Klimapolitik und über mehrere Stiftungen
(Mercator-Stiftung, Stiftung KlimaWirtschaft, European Climate Foundation,
Oakland Foundation, Hewlett Foundation) finanziert. Allein DEHSt und
atmosfair gGmbH beschäftigen allein in Berlin mehr als 250 Mitarbeiter, die
marktübliche Gehälter beziehen.
Die Organisation „Gold Standard for the global goals“, die die
Klimaschutzprojekte der atmosfair gGmbH zertifiziert, wird wiederum von der
international operierenden gemeinnützigen Gold Standard Foundation betrieben, die
mindestens 50, maximal 200 Beschäftigte hat. Die eigentliche Gold-Standard-
Zertifizierung wird dabei nicht ausschließlich durch Gold Standard
durchgeführt, vielmehr bedient man sich sogenannter Validation/Verification Bodies
(VVBs). Dahinter verbergen sich durch von Gold Standard ausgebildete und
zugelassene weitere Prüf- und Audit-Organisationen mit nicht ermittelbarer
Personalstärke (globalgoals.goldstandard.org und vvb@goldstandarf.org).
Die atmosfair gGmbH weist bei einer Bilanzsumme von rund 46,3 Mio. Euro
einen Kassenbestand von rund 28,5 Mio. Euro (Ende 2023) auf. Dies
korrespondiert mit dem Anstieg der Rückstellungen gegenüber dem Vorjahr auf der
Passivseite (www.atmosfair.de/wp-content/uploads/atmosfair-2023-jahresberi
cht-german-web-version-122024.pdf).
Bereits seit mehreren Jahren hat die atmosfair gGmbH mit diesen Kochöfen
ähnliche Kompensationsmaßnahmen für andere Unternehmen, insbesondere
aus der Reisebranche, und verschiedene Verwaltungen durchgeführt.
Im Jahr 2023 erzielte die Firma atmosfair gGmbH Einnahmen von 33,4 Mio.
Euro, davon flossen 46 Prozent in die Finanzierung der Kochöfenprojekte, die
in Ruanda, Sambia, Nigeria, Malawi, Kenia und Äthiopien durchgeführt
werden oder wurden.
Die Reduzierung des Holzverbrauchs beim Kochen in den Ländern des
Globalen Südens ist vor allem aus Gründen der Verknappung des Rohstoffs Holz
und der Reduzierung der freiwerdenden gesundheitsschädlichen Rauchgase
ein Betätigungsfeld zahlreicher Akteure. So steht der Kochofen der atmosfair
gGmbh mit mehreren ähnlichen Produkten im Wettbewerb, z. B. mit dem
„Super Saver“ der Firma Envirofit, die davon bereits 1,6 Millionen Stück und
damit sehr viel mehr als die atmosfair gGmbH verkauft hat (envirofit.org).
Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
fördert seit Jahren den Bereich „clean cooking“ und unterstützt
energieeffizientes Kochen in den Ländern des Globalen Südens, meist in Projekten in
Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit
(GIZ) GmbH und dem Green Climate Fund (GCF; www.bmz.de/de/themen/kl
imawandel-und-entwicklung/klimafinanzierung/gruener-klimafonds-48210,
www.bmz.de/en/issues/climate-change-and-development/climate-financing/ex
ample-kenya-senegal-79816). Technik und Nutzen der geförderten Kochöfen
sind folglich seit Jahren bekannt.
In einem „Welt“-Artikel vom 18. Dezember 2025 hat sich der
Wissenschaftsredakteur Axel Bojanowski intensiv mit dem Geschäftsfeld der atmosfair
gGmbH beschäftigt. In diesem Artikel wird auch berichtet, dass sich der
Landesrechnungshof Hamburg mit dem dortigen CO2-Kompensationsprojekt, bei
dem es ebenfalls um Kochöfen der atmosfair gGmbH geht, kritisch
auseinandergesetzt hat. Bei der Umsetzung dieses Projektes soll es zu massiven
Auslieferungsverzögerungen der Kochöfen gekommen sein. Mit Hinweis auf den
Datenschutz, wird von der Firma atmosfair gGmbH jedoch keine Auskunft
über die genauen Verkaufszahlen gegeben.
Im Ergebnis hat die Stadt Hamburg entschieden, Projekte in Drittländern zur
Kompensation von CO2-Emissionen einzustellen (www.welt.de/politik/deutsc
hland/plus6943d1d23b6ec42d15041df8/klimaschutz-posse-wie-hamburg-in-ni
geria-oefen-kaufte-die-es-nicht-gab.html).
Es stellt sich den Fragestellern somit die Frage, wofür die von Hamburg und
von allen anderen Kooperationspartnern gezahlten Gelder, so nun auch die
vom Deutschen Bundestag, tatsächlich verwendet werden. Dabei ist es
offenkundig nicht so, dass die Kochöfen vollständig finanziert und verschenkt
werden, vielmehr haben die Familien vor Ort diese zu umgerechnet zwischen
30 und 55 Euro zu kaufen. Somit erzielt die Firma atmosfair gGmbH auch
Einnahmen aus dem Verkauf der Öfen.
1. Auf welche Gesamtsumme belaufen sich nach den Berechnungen oder
Schätzungen der Bundesregierung die jährlichen Ausgaben für die
Kompensation „klimaschädlicher“ Emissionen in der Bundesrepublik
Deutschland aufgrund einzelner Maßnahmen außerhalb des Etats des
Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (bitte ab dem Jahr 2020 tabellarisch darstellen)?
Haushaltsjahr Gesamtnettokosten in Euro
2020 2 138 312
2021 1 192 608
2022 4 842 500
2023 2 325 561
Haushaltsjahr Gesamtnettokosten in Euro
2024 4 794 078
2025 371 979
Die hier dargestellten Gesamtkosten pro Haushaltsjahr beziehen sich auf die
Kompensationsaufwendungen für Dienstreisen und -fahrten der
Bundesregierung und der Bundesverwaltung. Dies umfasst auch Dienstreisen und -fahrten
von Mitarbeitenden des Bundesministeriums für wirtschaftliche
Zusammenarbeit (BMZ) und Entwicklung, da die entsprechenden Reisedaten auf
Bundesebene aggregiert erfasst und die daraus resultierenden Emissionen zentral
kompensiert werden. Ebenfalls enthalten sind Kompensationsaufwendungen für
Großveranstaltungen des Bundes (inklusive der EU-Ratspräsidentschaft 2020
und der G7 Präsidentschaft 2022) sowie für sonstige Emissionen von
Bundesbehörden, die über das jährliche Vergabeverfahren des Umweltbundesamtes
abgewickelt werden.
Die Ausgaben im Haushaltsjahr 2025 waren niedrig, da nur wenige der
angebotenen Gutschriften die Mindestanforderungen erfüllten und bezuschlagt werden
konnten.
2. Auf welche Gesamtsumme belaufen sich nach den Berechnungen oder
Schätzungen der Bundesregierung die jährlichen Ausgaben für die
Kompensation „klimaschädlicher“ Emissionen aus dem Etat des
Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (bitte
ab dem Jahr 2020 tabellarisch darstellen)?
Haushaltsjahr Nettokosten in Euro
2020 19 635
2021 13 387
2022 29 765
2023 79 083
2024 85 340
2025 79 123
3. Wie viele Tonnen CO2 sind dadurch jährlich kompensiert worden (bitte
ab dem Jahr 2020 tabellarisch darstellen)?
Haushaltsjahr Summe von CO₂-Menge gekauft (t)
2020 438 637
2021 194 747
2022 180 000
2023 90 358
2024 185 476
2025 27 554
Die hier dargestellten Emissionsmengen beziehen sich auf die
Kompensationsaufwendungen für Dienstreisen und -fahrten der Bundesregierung und der
Bundesverwaltung sowie sonstige Emissionen von Bundesbehörden, die über das
jährliche Vergabeverfahren des Umweltbundesamtes abgewickelt wurden.
Dazu zählen auch die sonstigen Emissionen des BMZ.
4. Auf welche Gesamtsumme belaufen sich nach den Berechnungen oder
Schätzungen der Bundesregierung die jährlichen Ausgaben für die
Kompensation „klimaschädlicher“ Emissionen in der Bundesrepublik
Deutschland mit Bezug auf energieeffiziente Kochöfen in Drittländern
außerhalb des Etats des Bundesministeriums für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (bitte ab dem Jahr 2020 tabellarisch
darstellen)?
Hierzu liegen der Bundesregierung keine Informationen vor. Neben dem Bund
investieren sowohl die Länder und Kommunen als auch die Privatwirtschaft.
Für diese liegen der Bundesregierung keine aggregierten Zahlen vor.
5. Auf welche Gesamtsumme belaufen sich nach den Berechnungen oder
Schätzungen der Bundesregierung die jährlichen Ausgaben für die
Kompensation „klimaschädlicher“ Emissionen mit Bezug auf
energieeffiziente Kochöfen aus dem Etat des Bundesministeriums für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (bitte ab dem Jahr 2020 tabellarisch
darstellen)?
Haushaltsjahr Summe von Gesamtnettopreis
(Euro)
Effiziente Kochöfen
2020 9 817
2021 6 693
2022 29 765
2023 –
2024 85 340
2025 –
Diese Zahlen beziehen sich auf die Kompensation der gemeldeten Emissionen
aus dem Etat des BMZ. Für die Jahre 2020 und 2021 entstammen ca. die Hälfte
der Zertifikate aus Projekten für Kochöfen. Die Zahlen enthalten nicht die
Summen aus den kompensierten Emissionen der Dienstreisen und -fahrten,
diese liegen nur in aggregierter Form für die Bundesverwaltung vor.
6. Wie viele Tonnen CO2 sind jährlich durch energieeffiziente Kochöfen
kompensiert worden (vgl. Frage 5; bitte ab dem Jahr 2020 tabellarisch
darstellen)?
Haushaltsjahr Summe von CO₂-Menge gekauft (t)
Effiziente Kochöfen
2020 1 100
2021 750
2022 1 009
2023 –
2024 3 295
2025 –
Diese Zahlen beziehen sich auf die Kompensation aus dem Etat des BMZ. Die
Zahlen enthalten nicht Emissionen der Dienstreisen und -fahrten, diese liegen
in aggregierter Form für die Bundesverwaltung vor.
7. Wenn sich die Bundesregierung im Rahmen der Entwicklungshilfe an
der Verbreitung der Kochöfen im Globalen Süden beteiligen will, warum
beschränkt sie sich nicht darauf, dies im Rahmen des Etats des
Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zu
tun?
Die Kompensation von Treibhausgasemissionen (THG), die aus dem Betrieb
der Bundesverwaltung entstehen, ist von der Entwicklungszusammenarbeit
(EZ) zu unterscheiden. Durch den Erwerb von
Emissionsminderungszertifikaten kompensiert die Bundesverwaltung die entstandenen THG. Diese
Zertifikate werden generiert durch Minderung von THG an anderer Stelle, die
Verbreitung energieeffizienter Kochöfen in Entwicklungsländern ist dabei eine
mögliche Form. Im Unterschied dazu dient die Verbreitung von energieeffizienten
Kochöfen im Rahmen der EZ entwicklungspolitischen Zielen. Es handelt sich
demnach um unterschiedliche Ziele, die von verschiedenen Bundesressorts
entsprechend ihrer Zuständigkeiten verfolgt werden.
8. Wie viele Kochöfen hat das Bundesministerium für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung mit welchem Betrag bisher im Rahmen
seines Etats insgesamt bezahlt oder subventioniert (bitte tabellarisch seit
Förderbeginn nach Jahren aufschlüsseln)?
9. Wie viele Kochöfen hat das Bundesministerium für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung mit welchem Betrag außerhalb seines
Etats insgesamt bezahlt oder subventioniert (bitte tabellarisch seit
Förderbeginn nach Jahren aufschlüsseln?
Die Fragen 8 und 9 werden zusammen beantwortet.
Die Zahl der durch das BMZ im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit
geförderten Kochöfen lässt sich nicht beziffern. Die Förderung von
energieeffizienten Kochöfen ist lediglich ein Bestandteil entwicklungspolitischer Vorhaben
zur Förderung sauberer Kochenergie.
10. Hat das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung im Rahmen seines Etats Gelder für Kochöfen der Firma
atmosfair gGmbH zur Verfügung gestellt?
Im Rahmen der Kompensation von Emissionen hat das BMZ über eigene
Ausschreibungen im Jahr 2020 und 2021 Zertifikate von der atmosfair gGmbH
erworben. Die THG-Minderungen dieser Zertifikate stammen ungefähr hälftig
aus Kochöfen-Projekten. Die gesamten Kosten (bemessen an der Menge der zu
kompensierenden THG) beliefen sich 2020 auf 19 635 Euro, im Jahr 2021 auf
13 387 Euro. Seit 2022 erwirbt das BMZ Zertifikate über Ausschreibungen des
Umweltbundesamtes. In den Jahren 2022 und 2024 hat die atmosfair gGmbH
den Zuschlag erhalten, bei denen die Zertifikate aus Kochöfen-Projekten
stammen. Die Kosten für die durch das BMZ erworbenen Zertifikate beliefen sich
im Jahr 2022 auf 29 765 Euro und im Jahr 2024 auf 85 340 Euro.
11. Worin besteht für die Bundesregierung die Rationale, außerhalb des Etats
des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung ein Geflecht von Nichtregierungsorganisationen (NGOs),
Stiftungen, Dienststellen und gGmbHs um die atmosfair gGmbH, die
allesamt ihr Geschäftsfeld um „Klimaschutz“ und um die freiwillige
Kompensation von „klimaschädlichen“ Emissionen aufgebaut haben, mit
Projekten zu betrauen, die in ähnlicher Form vom Bundesministerium für
wirtschaftliche Zusammenarbeite und Entwicklung bereits finanziert
werden, und wird dadurch der Grundsatz der Redundanzvermeidung
(Dopplung von Aufgaben) bei der Entwicklungszusammenarbeit
tangiert?
Die Bundesregierung erwirbt Kompensationsgutschriften über eine öffentlich
jährlich stattfindende Ausschreibung, die das Umweltbundesamt im Auftrag
der Bundesregierung durchführt. Im Übrigen wird auf die Antwort zu Frage 7
verwiesen.
12. Verfügt die Bundesregierung über Erkenntnisse oder Schätzungen, wie
viele Beschäftigte in der Bundesrepublik Deutschland ihre berufliche
Existenz vollständig oder überwiegend auf die Kompensation
„klimaschädlicher Gase“ gründen?
Hierüber liegen der Bundesregierung keine Informationen vor.
13. Wie viele Beschäftigte in der Bundesverwaltung gründen ihre berufliche
Existenz vollständig oder überwiegend auf die Kompensation
„klimaschädlicher Gase“?
Es gibt weder in den Bundesministerien noch im Umweltbundesamt
Beschäftigte, die ihre berufliche Existenz vollständig oder überwiegend auf die
Kompensation von Treibhausgasemissionen der Bundesregierung gründen.
14. Teilt die Bundesregierung die Auffassung der Fragesteller, dass die von
Mitarbeitern verursachten Emissionen, die ihre berufliche Existenz
vollständig in der Kompensation „klimaschädlicher Gase“ gründen, in die
Kompensationsberechnungen einbezogen werden müssten, und wenn ja,
geschieht dies?
Es wird auf die Antwort zu Frage 13 verwiesen.
15. Hält die Bundesregierung die Beteiligung einer Vielzahl von NGOs,
Stiftungen, Dienststellen und gGmbHs, um gut eingeführte Kochöfen
herstellen zu lassen und zu verkaufen, für ein effizientes Mittel zur
Förderung des „clean cooking“ im Globalen Süden, und wenn ja, auf welcher
Daten- oder Evaluierungsgrundlage tut sie das?
Kochenergie ist ein komplexes Thema mit sozialen, kulturellen und
gesellschaftlichen Aspekten. Auf dieser Grundlage betrachtet die Bundesregierung
vielfältiges zivilgesellschaftliches Engagement für sauberes Kochen als
grundsätzlich zuträglich.
16. Hat sich die Bundesregierung zu der Frage eine Auffassung erarbeitet,
worauf sich materiell die „Gemeinnützigkeit“ der atmosfair gGmbH und
der anderen steuerlich bevorzugten NGOs, Stiftungen und gGmbHs
gründet, und wenn ja, welche Auffassung ist dies?
Nach der verfassungsmäßigen Ordnung obliegt die Beurteilung steuerlicher
Einzelfälle der jeweils zuständigen Landesfinanzbehörde. Der Bundesregierung
liegen regelmäßig keine über die öffentlich bekannten Informationen
hinausgehenden Kenntnisse über die konkrete Tätigkeit einzelner Körperschaften vor.
Eine Bewertung kann seitens der Bundesregierung nicht erfolgen. Die
Gemeinnützigkeit ist in der Abgabenordnung (§§ 51–68 AO) geregelt und wird durch
das Finanzamt festgestellt, sofern die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind.
17. Wie wird konkret durch die reduzierte Verwendung von Brennholz – also
eines CO2-neutral nachwachsenden Rohstoffs – die Netto-Emission an
CO2 reduziert, und wenn dies nicht der Fall ist, wie kann es sich bei der
Förderung der Brennholz-sparenden Kochöfen um eine Kompensation
für CO2-Emissionen handeln?
Die reduzierte Verwendung von Brennholz führt nur insoweit zu einer Netto-
CO₂-Reduktion, als das eingesparte Brennholz aus nicht nachhaltig
bewirtschafteten Quellen stammt (gemäß der im Projekt 6207 angewandten CDM-
Methodologie AMS-II.G). Zwar gilt Biomasse grundsätzlich als CO₂-neutral,
wenn sie im gleichen Maß nachwächst, in dem sie genutzt wird. In vielen
Projektregionen übersteigt jedoch die Nachfrage nach Biomasse die natürliche
Regenerationsfähigkeit der lokalen Wälder. In solchen Fällen führt die Entnahme
von Holz zu einer Verringerung der Kohlenstoffbestände im Ökosystem,
wodurch effektiv zusätzliches CO₂ in die Atmosphäre gelangt.
Daher wird nur der Anteil der eingesparten Biomasse, der als nicht erneuerbar
gilt, in Emissionsminderungen umgerechnet. Die Anerkennung von
Emissionsreduktionen hängt daher wesentlich von der Annahme ab, dass ohne den
Projekteinsatz ein relevanter Anteil der verwendeten Biomasse zur Degradation
von Kohlenstoffbeständen in Waldökosystemen beiträgt.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333