Verwendung deutscher Steuermittel für Kühlschrankförderung in Kolumbien (Antwort zu Drs. 21/3259)
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Verwendung deutscher Steuermittel für Kühlschrankförderung in Kolumbien (Antwort zu Drs. 21/3259)
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/3624
21. Wahlperiode 13.01.2026
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Arne Raue, Rocco Kever, Denis Pauli,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 21/3259 –
Verwendung deutscher Steuermittel für Kühlschrankförderung in Kolumbien
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Im Rahmen der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit unterstützt die
Bundesregierung eine Vielzahl internationaler Projekte. Im Rahmen des Projekts
„Kolumbianisches NAMA –Grüne Kühlschränke für Haushalte“, das von der
Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH
gemeinsam mit kolumbianischen Partnern umgesetzt wird, hat die
Bundesregierung beispielsweise in den Jahren von 2019 bis 2022 in Kolumbien Projekte
zur Förderung energieeffizienter Kühlschränke mit deutschen Steuermitteln
finanziell unterstützt (www.bmz.de/de/laender/kolumbien/kernthema-klima-un
d-energie-just-transition-15078). Die erklärten Ziele dieser Maßnahmen waren
unter anderem die Reduktion von Treibhausgasemissionen, die Steigerung der
Energieeffizienz in privaten Haushalten sowie die Unterstützung der lokalen
Industrie. Dies sollte durch den Austausch alter Kühlgeräte gegen neue,
klimafreundlichere Modelle, den Aufbau von Recyclinginfrastrukturen sowie die
Förderung lokaler Produzenten erreicht werden (www.giz.de/de/weltweit/872
10.html).
Vor dem Hintergrund begrenzter Haushaltsmittel und wachsender
innenpolitischer Herausforderungen, wie etwa der wachsenden Altersarmut, steigenden
Energiekosten, maroden Verkehrsinfrastruktur oder dem
Wirtschaftsabschwung, wirft diese Förderpraxis bei den Fragestellern eine Reihe
grundlegender Fragen auf, sowohl im Hinblick auf die entwicklungspolitische
Zielgenauigkeit als auch auf die Angemessenheit und Verhältnismäßigkeit des
Mitteleinsatzes. Es stellt sich ihnen die Frage, inwiefern die Förderung von
Kühlschränken einen messbaren Beitrag zu den erklärten entwicklungspolitischen
und klimapolitischen Zielen leistet und ob der Mitteleinsatz in einem
sinnvollen Verhältnis zum tatsächlichen entwicklungspolitischen Bedarf sowie zu den
Wirkungen steht.
Angesichts der hohen Abgabenlast der deutschen Steuerzahler sowie im
Lichte multipler nationaler Herausforderungen, etwa im sozialen Bereich oder der
Energieversorgung, erscheint es den Fragestellern geboten, die internationale
Mittelverwendung kritisch zu hinterfragen und auf ihre Effizienz sowie ihren
Einklang mit den Interessen der eigenen Bürger hin zu prüfen. Insbesondere
gilt es nach ihrer Auffassung aus demokratischer und haushaltspolitischer
Sicht, kritisch zu hinterfragen, in welchem Umfang finanzielle Mittel für diese
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz,
Naturschutz und nukleare Sicherheit vom 13. Januar 2026 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Zwecke bereitgestellt wurden und wie transparent solche
Förderentscheidungen getroffen werden, nach welchen Kriterien Projekte ausgewählt und
bewertet werden, inwieweit eine regelmäßige Evaluierung und Erfolgskontrolle
stattfindet und wie die amtierende Bundesregierung ihre Entwicklungspolitik
zukünftig gestalten wird.
V o r b e m e r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
Die Bundesregierung unterstützt Entwicklungsländer in ihren Anstrengungen
ambitionierte Klimaschutzpolitik umzusetzen und so zur Erreichung der Ziele
des Pariser Abkommens beizutragen. Diese Unterstützung hilft die
internationalen Klimaschutzziele zu erreichen, da insbesondere in Schwellen- und
Entwicklungsländern die klimaschädlichen Emissionen in den kommenden
Jahrzehnten stark ansteigen können.
Alte Kühlgeräte enthalten häufig Kältemittel, die tausendfach stärker als
Kohlenstoffdioxid (CO₂) zur Erderwärmung beitragen oder ozonschädigend
wirken. Es ist im Interesse Deutschlands die Minderung von global wirksamen
Treibhausgasemissionen zu möglichst geringen Kosten zu erreichen.
Klimaschutz ist eine globale Aufgabe, und auch in Kolumbien eingesparte
Emissionen schützen das Klima in Deutschland und Europa.
Die privaten Anschaffungskosten der Endverbraucher werden im Rahmen der
deutschen Entwicklungszusammenarbeit (Official Development Assistance,
ODA) üblicherweise nicht direkt übernommen. Es werden stattdessen
Maßnahmen gefördert, die langfristige, systemische Effekte erzeugen. Bei Kühlgeräten
umfasst dies beispielsweise die Beratung und Schulung von Herstellern,
Händlern und Technikern beim Aufbau effizienter, FKW-freier
Kühlgeräteproduktion und -vertrieb, die Unterstützung bei der fachgerechten Rücknahme und
Entsorgung alter Geräte einschließlich Aufbau von Recyclingstrukturen, die
Förderung der Markteinführung energieeffizienter Kühlschränke durch
Preisnachlässe für Verbraucher, die alte Geräte zurückgeben, sowie den Aufbau
nachhaltiger Liefer- und Wartungsstrukturen. Ziel ist es, die Kombination aus
Klimaschutz, Ressourcenschonung und nachhaltiger wirtschaftlicher
Entwicklung zu fördern.
1. Weshalb hält die Bundesregierung Kühlgeräteförderung in Kolumbien
für ein geeignetes Mittel der deutschen Entwicklungs- oder
Klimapolitik?
Um die Klimaziele von Paris zu erreichen und insbesondere die 1,5-Grad-
Grenze nicht zu überschreiten, bedarf es sowohl nationaler, wie auch internationaler
Anstrengungen zur Vermeidung klimaschädlicher Emissionen. Deutschland
unterstützt daher sowohl national wie auch international Maßnahmen, die zur
Reduzierung von Treibhausgasen beitragen können.
Maßnahmen zum Aufbau eines klimafreundlichen Kühlgerätesektors sind ein
geeignetes Instrument der deutschen Entwicklungs- und Klimapolitik, weil der
Austausch alter, ineffizienter Kühlgeräte in Ländern wie Kolumbien
klimarelevante und global wirksame Treibhausgasemissionen zu geringen
Vermeidungskosten reduziert.
Grundsätzlich ist gleichwohl die Kühlgeräteförderung in Kolumbien kein
Schwerpunkt der deutschen Entwicklungs- oder Klimapolitik.
2. In welcher Höhe wurden in den Jahren von 2014 bis 2024 Mittel aus dem
Bundeshaushalt für Projekte zur Förderung energieeffizienter Kühlgeräte
in Kolumbien, nachfolgend Kühlschrankförderprojekte genannt,
bereitgestellt (bitte nach Jahren, Höhe der Förderung und Haushaltstitel
aufschlüsseln)?
In den Jahren 2014 bis 2024 hat die Bundesregierung selbst keine eigenen
Projekte zur Förderung energieeffizienter Kühlgeräte in Kolumbien gefördert.
Es wurden jedoch zwischen den Jahren 2019 und 2024 Bundesmittel in Höhe
von insgesamt 4 330 205,06 Euro für ein Projekt im Auftrag der Mitigation
Action Facility (ehemals NAMA Facility) zur Förderung klima- und
umweltfreundlicher Kühlgeräte in Kolumbien bereitgestellt. Die Mitigation Action
Facility ist eine Multigeberinitiative, an der Deutschland als eines der
Geberländer beteiligt ist. Das Projekt „Colombian NAMA for the domestic refrigeration
sector“ hatte ein Gesamtvolumen von 9 Millionen Euro. Die restlichen
Projektkosten wurden durch die dänische Regierung kofinanziert.
3. Welche Behörden, Institutionen und Unternehmen waren an der
Umsetzung dieser Kühlschrankförderprojekte im Auftrag der Bundesregierung
mit welchem zeitlichen Volumen involviert?
Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH
war von Januar 2019 bis Juni 2024 als für die Umsetzung des Projekts
verantwortliche Organisation beauftragt.
4. Welche in- bzw. ausländischen Unternehmen oder
Nichtregierungsorganisationen erhielten im Rahmen dieser Kühlschrankförderprojekte
welche direkten oder indirekten finanziellen Zuwendungen aus dem
Bundeshaushalt?
Direkte Empfänger der finanziellen Unterstützung für die Projektumsetzung
waren die GIZ sowie Bancóldex (die nationale Entwicklungsbank Kolumbiens
für Unternehmen).
Im Rahmen der finanziellen Zusammenarbeit, bei der die Mittel der GIZ und
von Bancóldex mit privaten und öffentlichen Ressourcen kolumbianischer
Akteure kombiniert wurden, sollten folgende Unternehmen und Organisationen
indirekt durch das Projekt einen verbesserten Zugang zu Finanzierung erhalten:
kolumbianische Haushaltskühlschrankhersteller (Haceb S.A., mabe Colombia
S.A.S., CHALLENGER S.A.S.), Corporación Red Verde (Post-Consumer-
Programm für Haushaltsgeräte). Darüber hinaus profitierten die
Entsorgungsunternehmen für Elektro- und Elektronikaltgeräte (WEEE) GAIA VITARE S.A.S.
und OCADE S.A.S.
5. In welchem Umfang wurden welche Termine in Verbindung mit o. g.
Kühlschrankförderprojekten im Sinne dieser Kleinen Anfrage in
Kolumbien durchgeführt (bitte nach Datum, Teilnehmerkreis, mit den Terminen
verbundenen finanziellen Aufwendungen aufschlüsseln)?
Im Rahmen des Projekts wurden während der Projektlaufzeit insgesamt 434
Personen geschult, womit das ursprüngliche Ziel von 200 Teilnehmenden
deutlich übertroffen wurde.
Die Schulungen fanden zwischen 2019 und 2023 sowohl persönlich als auch
virtuell statt, in einzelnen Fällen in Verbindung mit internationalen
Veranstaltungen wie der IEC-Generalversammlung im Jahr 2022.
Im Verlauf der Projektlaufzeit fanden in den folgenden Jahren folgende
Schulungsmaßnahmen statt:
2019
21 Personen des kolumbianischen Berufsbildungsdienstes SENA nahmen vom
2. bis 6. Dezember 2019 an einer Schulung zur sicheren Wartung und Reparatur
von Haushaltskühlschränken mit R600a teil.
2020
42 Personen aus drei nationalen Herstellern, zwei nationalen Prüflaboren sowie
WEEE-Managern nahmen zwischen dem 28. Oktober und dem 30. November
2020 an einer virtuellen Schulung zum Standard IEC 62552-1-2-3:2015 teil.
62 Kältetechnik-Ausbilder von SENA nahmen vom 30. November bis 4.
Dezember 2020 an einer Schulung zur sicheren Wartung und Reparatur von
Haushaltskühlschränken mit R600a teil.
2021
70 Servicetechniker der drei nationalen Unternehmen wurden zwischen
September und Dezember 2021 in der Wartung und Reparatur von
Haushaltskühlschränken mit dem Kältemittel R-600a geschult.
20 Personen nahmen zwischen dem 4. und 10. Juni 2021 an der virtuellen
Schulung zur Nutzung der Software ColApp für die Datenanalyse gemäß dem
internationalen Standard IEC 62552-1-2-3:2015 teil.
Vier Personen des nationalen Herstellers Challenger wurden virtuell in der
Bedienung von Leistungsmessgeräten geschult, die bei der Konstruktion und
Prüfung energieeffizienter Haushaltskühlschränke verwendet werden sollen.
2022
20 Servicetechniker der nationalen Hersteller wurden zwischen Januar und dem
30. März 2022 virtuell und persönlich in der Wartung und Reparatur von
Haushaltskühlschränken mit dem Kältemittel R600a geschult.
48 Servicetechniker der nationalen Hersteller wurden zwischen dem 15.
Februar und dem 18. März 2022 virtuell und persönlich in der Wartung und
Reparatur von Haushaltskühlschränken mit dem Kältemittel R600a geschult.
25 Servicetechniker der nationalen Hersteller wurden zwischen dem 23. Juni
und dem 25. Juni 2022 sowie vom 30. Juni bis zum 2. Juli 2022 virtuell in der
Wartung und Reparatur von Haushaltskühlschränken mit dem Kältemittel
R600a geschult.
17 Personen wurden zwischen dem 22. August und dem 29. August 2022 sowie
vom 1. bis zum 12. September 2022 virtuell in der Entwicklung und dem
Verständnis von Komponenten und Kühlsystemen für Haushaltsgeräte geschult.
Neun Servicetechniker der nationalen Hersteller wurden zwischen dem
19. Oktober und dem 20. Oktober 2022 persönlich in der Wartung und
Reparatur von Haushaltskühlschränken mit dem Kältemittel R600a geschult.
Zwei Personen der nationalen Hersteller MABE und Haceb nahmen an der IEC
Generalversammlung 2022 teil, die vom 31. Oktober bis zum 4. November
2022 stattfand.
2023
21 Servicetechniker der nationalen Hersteller wurden im Laufe des Februars
persönlich in der Wartung und Reparatur von Haushaltskühlschränken mit dem
Kältemittel R600a geschult.
Zwölf Personen der nationalen Hersteller wurden in der Produktionssicherheit
und den besten Praktiken zur sicheren Herstellung von Haushaltskühlschränken
mit dem Kältemittel R600a geschult.
15 Personen von WEEE-Managern wurden zwischen März und September
2023 in der Rückgewinnung und Nutzung von zurückgewonnenem Polyurethan
und Thermoplasten aus Haushaltskühlschränken geschult.
Zwölf Personen von WEEE-Managern wurden zwischen März und Oktober
2023 in Methoden für kosteneffizientes Management und Überwachung sowie
Technologien zum Zerlegen von Haushaltskühlschränken geschult.
6. Welche konkreten Ziele sollten mit den o. g. Kühlschrankförderprojekten
in Kolumbien erreicht werden, und inwieweit wurden diese nach
Einschätzung der Bundesregierung aus heutiger Sicht tatsächlich
verwirklicht?
Das übergeordnete Ziel des Projektes „Colombian NAMA for the domestic
refrigeration sector“ war es, eine Transformation im nationalen
Haushaltskühlsektor in Kolumbien zu erreichen, indem die Markteinführung
energieeffizienter Geräte ohne klimaschädliche fluorierte Treibhausgase (FKW) ermöglicht
und das ordnungsgemäße Management der Entsorgung und Verwertung am
Ende der Lebensdauer alter Kühlschränke unterstützt werden sollte.
Das Projekt ist aus Sicht der Bundesregierung als erfolgreich einzuschätzen, da
es dazu beigetragen hat, den Kühlschranksektor in Kolumbien nachhaltig und
klimafreundlich zu transformieren.
Heute produzieren alle drei kolumbianischen Hersteller von
Haushaltskühlschränken energieeffiziente Kühlschränke mit dem klimafreundlichen
Kältemittel R600a (Isobutan).
7. Wie viele Kühlgeräte wurden im Rahmen der Fördermaßnahmen im
Sinne dieser Kleinen Anfrage seit dem Beginn des Förderprogramms
insgesamt verteilt, ersetzt oder recycelt?
Während der Projektumsetzung wurden insgesamt 4 419 507 neue, in
Kolumbien national produzierte, FKW-freie und energieeffiziente Kühlschränke auf
den Markt gebracht. Insgesamt wurden 24 559 alte Kühlschränke ersetzt und
während der Projektumsetzung einer ordnungsgemäßen Entsorgung
unterzogen.
Im Rahmen des Projektes wurden keine Kühlgeräte kostenlos verteilt.
8. Nach welchen Kriterien wurde ausgewählt, welche Endverbraucher in
den Genuss der Neugeräte kommen?
Bei der Produktion und Vermarktung energieeffizienter, FKW-freier
Kühlschränke wurden mi Rahmen des Projekts Hersteller und Händler in
Kolumbien unterstützt. Die Förderung erfolgte finanziell auf Ebene der Hersteller und
Händler, nicht auf Ebene der Endverbraucher, um die Markteinführungskosten
zu senken und die fachgerechte Entsorgung alter Geräte zu ermöglichen.
9. Welche Wirkung auf die globale CO2-Bilanz wurde durch die
Bundesregierung im Vorfeld der Projekte kalkuliert, und welche realen
Einsparungen wurden bisher gemessen bzw. evaluiert?
Die potenziellen Wirkungen auf die Treibhausgasemissionen wurden im
Vorfeld des Projekts unter Berücksichtigung des kolumbianischen Kontextes
bewertet. Der Kühlsektor verursachte in Kolumbien im Jahr 2014 Emissionen in
Höhe von rund 4,5 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten. Vor diesem
Hintergrund wurde das Projekt als Beitrag zur Minderung klimaschädlicher
Emissionen konzipiert.
Für den Projektzeitraum von 2019 bis 2024 wurden durch das Projekt
Emissionsminderungen von insgesamt 844 683 Tonnen Kohlendioxid-Äquivalenten
ermittelt. Diese Einsparungen ergeben sich insbesondere aus dem Einsatz
energieeffizienter Kühlgeräte mit klimafreundlichen Kältemitteln sowie aus der
fachgerechten Entsorgung alter Geräte.
Darüber hinaus sind weitere Emissionsminderungen über die Lebensdauer der
mehr als 4,4 Millionen energieeffizienten, FKW-freien Kühlschränke zu
erwarten, die während der Projektlaufzeit auf den kolumbianischen Markt gebracht
wurden. Diese langfristigen Effekte werden erst nach Abschluss der
Nutzungsdauer vollständig quantifizierbar sein. Ebenfalls nicht berücksichtigt sind die
Emissionsminderungen, die infolge der veränderten regulatorischen
Rahmenbedingungen sowie des Kapazitätsaufbaus u. a. bei Herstellern eingetreten sind.
10. Welche Treibhausgasreduktion wurde pro eingesetzten Euro deutscher
Steuergelder durch diese Projekte konkret erreicht?
Auf Grundlage projektspezifischer Berechnungen wurden während der
Projektlaufzeit durch jeden aus dem Bundeshaushalt bereitgestellten Euro etwa
0,2 Tonnen CO₂-Äquivalent vermieden. Berücksichtigt man die
Emissionseinsparungen über die gesamte Lebensdauer der energieeffizienten, FKW-freien
Kühlschränke, erhöht sich die Einsparung auf etwa 0,62 Tonnen CO₂-
Äquivalent pro vom deutschen Staat bereitgestellten Euro.
11. In welchem Verhältnis stehen die Emissionseinsparungen dieser
Kühlschrankförderprojekte nach Kenntnis der Bundesregierung zu den
Gesamtemissionen Kolumbiens?
Laut der kolumbianischen Regierung betrugen die Nettoemissionen im Jahr
2021 186,5 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent.
12. Erfolgten die Vergaben adäquat zu den in der Europäischen Union für
Ausschreibungsverfahren geltenden Regelungen?
Ja.
13. Wenn keine Ausschreibungen erfolgt sind, weshalb sind diese nicht
erfolgt, wonach wurden die Lieferanten alternativ ausgewählt, und wurden
mehrere Anbieter angefragt?
Es wird auf die Antwort zu Frage 12 verwiesen.
14. Welche Kontrollmechanismen bestehen, um sicherzustellen, dass die für
Kühlschrankförderprojekte im Sinne dieser Kleinen Anfrage
bereitgestellten Mittel zweckentsprechend und effizient verwendet wurden?
Die GIZ verfügt über mehrere Kontrollmechanismen, die unter anderem
Folgendes umfassen:
Interne Kontrolle: Durchführung interner Überprüfungen von Beschaffungen,
Logistik, Anlagevermögen, Personalmanagement und Projektfinanzkonten, um
Abweichungen von internen Regeln und Vorschriften zu erkennen und
betrügerische Handlungen frühzeitig zu identifizieren.
Interne Audits: Durchführung interner Audits für GIZ-Projekte, Bereitstellung
von Handlungsempfehlungen und Sicherstellung der Umsetzung erforderlicher
Maßnahmen.
Kapazitätsaufbau-Workshops: Die GIZ führt Workshops zur Projektverwaltung
durch, um die Kapazitäten der Projektteams zu stärken, was integraler
Bestandteil des internen Kontrollsystems und der Compliance ist.
Externe Audits: Sicherstellung der Nachverfolgung und Koordination externer
Audits für GIZ-Projekte, um Transparenz und Rechenschaftspflicht zu
gewährleisten.
Darüber hinaus erstellte die GIZ jährliche Berichte über den Projektfortschritt
und einen Abschlussbericht am Ende des Projekts. Im Übrigen wird auf die
Antwort zu Frage 15 verwiesen.
15. Wurden Projekte zur Förderung energieeffizienter Kühlgeräte in
Kolumbien von unabhängigen Gutachtern evaluiert, und wenn ja, inwiefern
(bitte ggf. nach Ergebnissen und Kosten aufschlüsseln)?
Ja.
Das Projekt wurde von unabhängigen Experten (ein Konsortium aus AMBERO
Consulting Gesellschaft mbH und Oxford Policy Management) nach Hälfte der
Projektlaufzeit und am Ende des Projekts evaluiert. Empfehlungen aus der
Halbzeitbewertung des Projekts wurden ausgewertet, um Maßnahmen zur
Verbesserung der Projektdurchführung zu entwickeln. Die abschließende
Bewertung kam zu dem Schluss, dass das Projekt durch die Anpassung der Portfolios
der inländischen Kühlschrankhersteller und Importeure auf energieeffiziente
und FKW-freie Kühlschränke, einen Transformationspfad des Sektors
eingeschlagen hat. Das Austauschprogramm und die Bemühungen zur Entsorgung
von Elektro- und Elektronik-Altgeräten (WEEE) stehen jedoch immer noch vor
wichtigen Herausforderungen, die zu einer längeren Dauer der
Sektortransformation führen.
Diese Bewertungen hatten Gesamtkosten in Höhe von 51 030 Euro.
16. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über mögliche Fälle von
nicht zweckentsprechender oder nicht effizienter Verwendung von
Haushaltsmitteln für Kühlschrankförderprojekte im Sinne dieser Kleinen
Anfrage?
Externe Audits für das Projekt haben keine missbräuchliche Verwendung von
Mitteln festgestellt.
17. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über mögliche Fälle von
Fehlverwendung, Unterschlagung oder Korruption im Zusammenhang
mit den deutschen Fördergeldern für Kühlschrankförderprojekte im
Sinne dieser Kleinen Anfrage?
Externe Audits für das Projekt haben keine missbräuchliche Verwendung von
Mitteln festgestellt.
18. Verwaltungskosten in welcher Höhe fielen auf deutscher und nach
Kenntnis der Bundesregierung auf kolumbianischer Seite im Rahmen
von Kühlschrankförderprojekten im Sinne dieser Kleinen Anfrage an?
Die gesamten Verwaltungskosten, die der deutschen Regierung im Rahmen der
Projektdurchführung entstanden sind, beliefen sich auf 395 962,80 Euro.
19. Wie bewertet die Bundesregierung die Akzeptanz dieser
Fördermaßnahmen im Sinne dieser Kleinen Anfrage in der deutschen Bevölkerung?
Der Bundesregierung liegen keine repräsentativen Erhebungen zur Akzeptanz
dieser Fördermaßnahmen bei den Bürgerinnen und Bürgern in Deutschland vor.
20. Welche Alternativen zur Förderung energieeffizienter Kühlgeräte wurden
geprüft, und warum wurden diese ggf. verworfen?
Das Projektkonzept wurde von der GIZ in Zusammenarbeit mit dem
kolumbianischen Ministerium für Energie und Bergbau sowie dem Ministerium für
Umwelt und nachhaltige Entwicklung entwickelt, um die bereits hohen und
wachsenden Emissionen aus dem Kühlsektor zu reduzieren. Es wurde im Rahmen
eines wettbewerblichen Verfahrens eingereicht. Zum Zeitpunkt der Auswahl
des Projekts für die finanzielle Unterstützung (2017) gab es keine anderen
Projekte, die eine solche Unterstützung beantragt hatten.
21. Welche Kooperationen mit internationalen Organisationen gab es bei der
Umsetzung der Fördermaßnahmen im Sinne dieser Kleinen Anfrage?
Das Projekt wurde vom dänischen Ministerium für Klima, Energie und
Versorgung (KEFM) mitfinanziert. Es gab keine zusätzliche direkte Zusammenarbeit
mit anderen internationalen Organisationen während der Projektumsetzung.
22. In welchen Regionen außerhalb Kolumbiens plant die Bundesregierung
ggf. zukünftig, Kühlschrankförderprojekte im Sinne dieser Kleinen
Anfrage finanziell zu fördern?
Derzeit sind keine spezifischen Kühlschrankförderprojekte im Sinne dieser
Anfrage außerhalb Kolumbiens geplant.
23. Welche Kühlschrankförderprojekte im Sinne dieser Kleinen Anfrage hat
die Bundesregierung ggf. in der Vergangenheit außerhalb Kolumbiens
finanziert (bitte ggf. nach Empfängerland, Projektnamen, Höhe der
Förderung und Haushaltstitel aufschlüsseln)?
Die Bundesregierung hat in der Vergangenheit keine vergleichbaren
Kühlschrankförderprojekte im Sinne dieser Anfrage außerhalb Kolumbiens
gefördert, die Produktion und Anschaffung klimafreundlicher Endgeräte monetär
anreizt.
24. Welche Kühlschrankförderprojekte im Sinne dieser Kleinen Anfrage
fördert die Bundesregierung gegenwärtig außerhalb Kolumbiens (bitte nach
Empfängerland, Projektnamen, Höhe der Förderung und Haushaltstitel
aufschlüsseln)?
Die Bundesregierung fördert keine vergleichbaren Kühlschrankförderprojekte
im Sinne dieser Anfrage außerhalb Kolumbiens.
25. Wie hoch war der Eigenanteil Kolumbiens bei der Finanzierung von
Kühlschrankförderprojekten im Sinne dieser Kleinen Anfrage?
Im Rahmen des Projekts „Colombian NAMA for the domestic refrigeration
sector“ mobilisierte die kolumbianische Regierung insgesamt 4,45 Mio. Euro
zur Unterstützung der Projektaktivitäten. Hinzu kamen 11,63 Mio. Euro aus
dem Privatsektor. Damit lag der Beitrag aus Kolumbien 3,7-mal höher als der
der Bundesregierung.
26. Welche Bedingungen oder Auflagen (z. B. Rückbau alter Kühlschränke,
Verwendung bestimmter Technologien) waren mit der Förderung
verbunden?
Die Förderung war an die Unterstützung durch kolumbianische Ministerien, die
Bereitstellung öffentlicher und privater Mittel, FKW-freie Kältemittel,
internationale Energieeffizienzstandards und die sichere Entsorgung alter
Kühlschränke gebunden.
27. Nach welchen Umwelt- und Effizienzstandards wurden die geförderten
Kühlgeräte zertifiziert?
Die energieeffizienten und FKW-freien Kühlschränke, die mit Unterstützung
der Projektaktivitäten hergestellt wurden, sind gemäß IEC 62552-1-2-3:2015
zertifiziert.
28. Wie hoch schätzt die Bundesregierung die durchschnittliche Lebensdauer
der geförderten Kühlgeräte ein?
Gemäß internationaler Praxis wird die durchschnittliche Lebensdauer eines
Haushaltskühlschranks auf elf Jahre geschätzt.
29. Welche Kommunikationsmaßnahmen (z. B. PR-Kampagnen,
Veranstaltungen) wurden mit deutschen Haushaltsmitteln flankierend zu diesen
Kühlschrankförderprojekten in Kolumbien finanziert?
Das Projekt setzte zwei Hauptkampagnen um, die Endverbraucher über den
Kauf energieeffizienter Kühlschränke informierten. Themen waren
Energieeinsparungen, korrekte Entsorgung alter Geräte und die Nutzung staatlicher
Steuervergünstigungen.
Kolumbianische Partner unterstützten die Kommunikation, z. B. durch die
Präsentation des Projekts bei der COP26 in Glasgow und durch das
kolumbianische Umweltministerium in einer landesweit ausgestrahlten Fernsehsendung im
Juni 2021.
30. Welche Lehren zieht die Bundesregierung aus den bisherigen
Erfahrungen mit derartigen Projektfinanzierungen?
Erfahrungen zeigen, dass Klimaprojekte mit technischen und finanziellen
Kooperationselementen die Transformation emissionsintensiver Sektoren in
Partnerländern wirksam unterstützen. Der Erfolg hängt stark von den
Rahmenbedingungen in den Partnerländern ab, weshalb enge Abstimmung und
Unterstützung vor Ort entscheidend sind.
Der Fokus auf die Unterstützung der ersten Glieder der Lieferkette scheint eine
effektive Strategie zu sein, um finanzielle Unterstützung für die sektorweite
Transformation zu bieten, da Änderungen, die in diesem Stadium
vorgenommen werden, eher irreversibel sind und auch lange nach Abschluss des Projekts
weiterhin Ergebnisse liefern.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
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