Finanzströme, Profiteure und Vermögensabschöpfung bei der Schleuserkriminalität
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Finanzströme, Profiteure und Vermögensabschöpfung bei der Schleuserkriminalität
Deutscher Bundestag Drucksache 21/5472
21. Wahlperiode 21.04.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Tobias Matthias Peterka, Dr. Alexander Gauland, Sascha
Lensing, Knuth Meyer-Soltau, Dr. Christoph Birghan, Thomas Fetsch, Lukas
Rehm, Gerold Otten, Sven Wendorf, Joachim Bloch, Stefan Keuter, Dr. Paul
Schmidt, Dr. Maximilian Krah, Jörg Zirwes, Edgar Naujok, Dr. Daniel Zerbin,
Udo Theodor Hemmelgarn, Iris Nieland, Thomas Dietz, Achim Köhler, Otto
Strauß, Gereon Bollmann, Kurt Kleinschmidt, Rocco Kever, Marc Bernhard,
Dr. Malte Kaufmann, Uwe Schulz, Bernd Schattner, Dr. Michael Blos und
der Fraktion der AfD
Finanzströme, Profiteure und Vermögensabschöpfung bei der
Schleuserkriminalität
Schleuserkriminalität ist nach übereinstimmender Einschätzung nationaler und
internationaler Sicherheitsbehörden ein hochprofitables, transnationales
Geschäftsmodell der Organisierten Kriminalität (OK). Schleuserkriminalität ist ein
arbeitsteiliges Netzwerkphänomen, bei dem kriminelle Strukturen regelmäßig
aus einer Vielzahl spezialisierter Akteure bestehen, deren Tätigkeit auf die
Generierung, Verschleierung und Abschöpfung erheblicher finanzieller Erträge
ausgerichtet ist.
Lagebilder (www.bka.de/DE/AktuelleInformationen/StatistikenLagebilder/Lag
ebilder/Schleusungskriminalitaet/schleusungskriminalitaet_node.html) und
internationale Analysen (www.consilium.europa.eu/de/policies/migrant-smuggl
ing-human-trafficking/) weisen darauf hin, dass Schleusungsleistungen häufig
gegen erhebliche finanzielle Gegenleistungen erbracht werden und komplexe
Zahlungs- und Verschleierungsmechanismen zum Einsatz kommen, um
finanzielle Spuren zu verwischen und die steuernden oder profitierenden Akteure
vor staatlichem Zugriff zu schützen. Zugleich bestehen Schnittstellen zu
Geldwäsche, informellen Zahlungssystemen, digitalen Zahlungsformen sowie zur
Nutzung legaler Geschäfts- oder Vermögensstrukturen.
Vor diesem Hintergrund ist für die strategische Bewertung der Bekämpfung der
Schleuserkriminalität von zentraler Bedeutung, ob staatliche Maßnahmen
tatsächlich geeignet sind, die finanziellen Grundlagen dieser Netzwerke zu
treffen, Hintermänner und Profiteure zu identifizieren und kriminelle Erträge
nachhaltig abzuschöpfen. Die vorliegende Kleine Anfrage zielt daher auf eine
vertiefte Betrachtung der finanziellen Dimension der Schleuserkriminalität und
ihrer Bedeutung für die Wirksamkeit der OK-Bekämpfung. Gegenstand der
Kleinen Anfrage sind ausschließlich aggregierte und strategische Erkenntnisse.
Operative Details zu einzelnen Ermittlungsverfahren werden ausdrücklich nicht
begehrt.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung zur wirtschaftlichen
Bedeutung der Schleuserkriminalität als Einnahmequelle organisierter
krimineller Netzwerke vor?
2. Welche Bandbreiten finanzieller Entgelte für Schleusungsleistungen sind
der Bundesregierung nach Lagebildern und Analysen bekannt, und
inwieweit variieren diese nach Routen, Transportarten oder
Organisationsformen?
3. Welche typischen Zahlungs- und Abwicklungsformen werden nach
Kenntnis der Bundesregierung im Zusammenhang mit
Schleuserkriminalität genutzt, etwa Bargeld, Drittmittler, informelle Zahlungssysteme,
digitale Zahlungsdienste oder Kryptowährungen?
4. Inwieweit liegen der Bundesregierung Erkenntnisse darüber vor, dass
Finanzströme aus der Schleuserkriminalität systematisch verschleiert oder
über arbeitsteilige Finanzdienstleister innerhalb krimineller Netzwerke
abgewickelt werden?
5. Welche Rolle spielen nach Kenntnis der Bundesregierung legale
Geschäftsstrukturen, Immobilien oder Unternehmensbeteiligungen bei der
Verschleierung, Sicherung oder Investition von Erträgen aus der
Schleuserkriminalität?
6. In welchem Umfang werden Maßnahmen der Vermögensabschöpfung bei
Ermittlungen wegen Schleuserkriminalität eingesetzt, und welche
Bedeutung misst die Bundesregierung diesen Maßnahmen für die nachhaltige
Schwächung der Netzwerke bei?
7. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung dazu vor, ob
Vermögensabschöpfung im Bereich der Schleuserkriminalität überwiegend
nachgeordnete Tatbeteiligte oder tatsächlich die steuernden beziehungsweise
profitierenden Akteure betrifft?
8. Welche strukturellen oder rechtlichen Herausforderungen sieht die
Bundesregierung bei der Sicherung, Einziehung und tatsächlichen
Realisierung von Vermögenswerten aus der Schleuserkriminalität, insbesondere
bei transnationalen Sachverhalten?
9. Inwieweit werden Erkenntnisse der Financial Intelligence Unit (FIU)
systematisch zur Identifizierung von Finanzströmen und Hintermännern der
Schleuserkriminalität genutzt?
10. Welche Rolle spielt die internationale Zusammenarbeit, insbesondere mit
europäischen Partnern und EU-Agenturen, bei der Aufklärung und
Abschöpfung grenzüberschreitender Finanzströme aus der
Schleuserkriminalität?
11. Welche Indikatoren oder Bewertungsmaßstäbe nutzt die Bundesregierung
derzeit, um den Erfolg finanzbezogener Maßnahmen gegen
Schleuserkriminalität zu beurteilen, über die Anzahl der Verfahren hinaus?
12. Inwieweit werden finanzielle Wirkungsindikatoren, etwa zur Schwächung
von Netzwerken oder zur Reduzierung deren Handlungsfähigkeit, in die
strategische Bewertung der Schleuserkriminalitätsbekämpfung
einbezogen?
13. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung ggf. dazu vor, dass
finanzielle Abhängigkeiten oder Schuldverhältnisse genutzt werden, um
geschleuste Personen im Einflussbereich krimineller Netzwerke zu halten
oder weiter auszubeuten?
14. Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung aus den bisherigen
Erfahrungen mit der finanziellen Bekämpfung der Schleuserkriminalität
für die Weiterentwicklung ihrer Strategie gegen arbeitsteilige und
transnationale OK-Strukturen?
15. Inwieweit beabsichtigt die Bundesregierung ggf., künftige Lagebilder
oder strategische Bewertungen zur Schleuserkriminalität stärker auf
Finanzströme, Profiteure und die tatsächliche Wirkung von
Vermögensabschöpfungsmaßnahmen auszurichten?
Berlin, den 13. April 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
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ISSN 0722-8333
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