Von der Einführung einer Übergewinnsteuer absehen - Den hohen Kraftstoffpreisen durch gezielte Maßnahmen begegnen
Text
Von der Einführung einer Übergewinnsteuer absehen - Den hohen Kraftstoffpreisen durch gezielte Maßnahmen begegnen
Antrag
der Abgeordneten Kay Gottschalk, Hauke Finger, Jörn König, Andreas Mayer,
Iris Nieland, Marcel Queckemeyer, Christian Reck, Diana Zimmer, Alexander
Arpaschi, Dr. Christina Baum, Carsten Becker, Joachim Bloch, Dr. Michael
Blos, René Bochmann, Erhard Brucker, Thomas Dietz, Tobias Ebenberger,
Micha Fehre, Boris Gamanov, Alexis L. Giersch, Rainer Groß, Dr. Ingo Hahn,
Mirco Hanker, Udo Theodor Hemmelgarn, Olaf Hilmer, Steffen Janich, Rocco
Kever, Kurt Kleinschmidt, Heinrich Koch, Dr. Maximilian Krah, Sergej Minich,
Reinhard Mixl, Arne Raue, Dr. Rainer Rothfuß, Dr. Paul Schmidt, Georg
Schroeter, Bernd Schuhmann, Sven Wendorf, Dr. Daniel Zerbin, Kay-Uwe
Ziegler, Jörg Zirwes, Ulrich von Zons und der Fraktion der AfD
Von der Einführung einer Übergewinnsteuer absehen – Den hohen
Kraftstoffpreisen durch gezielte Maßnahmen begegnen
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Laut Presseberichten forderte Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) am
04.04.2026 zusammen mit den Wirtschafts- und Finanzministern aus Österreich,
Italien, Portugal und Spanien in einem Brief die EU-Kommission auf, ein Instrument für
„eine Sondersteuer auf überhöhte Krisengewinne von Energiekonzernen“ vorzulegen.1
Darüber hinaus forderte er einen Preisdeckel für Benzin und Diesel sowie eine
Aussetzung der Energiesteuer.
Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) lehnte diese Vorschläge jedoch am
10.04.2026 ab und griff stattdessen den langjährigen AfD-Vorschlag auf2, die
Pendlerpauschale zu erhöhen.3 Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) war „befremdet über
1 ZDF Heute, 04.04.2026, Übergewinnsteuer: Klingbeil drängt EU-Kommission zur Prüfung; www.zdf-
heute.de/politik/ausland/klingbeil-spritpreise-uebergewinnsteuer-oelkonzerne-eu-kommission-100.html
2 Bundestag.de, 23.10.2025, Finanzen - Antrag - hib 543/2025, AfD will Pendlerpauschale für Autofahrer
erhöhen; www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-1117548; Bund der Steuerzahler, 24.10.2026,
Pendlerpauschale für Autofahrer: AfD für rückwirkende Erhöhung; www.steuerzahler.de/bayern/
newsticker-archiv/newsticker/news/pendlerpauschale-fuer-autofahrer-afd-fuer-rueckwirkende-
erhoehung/?L=0&cHash=ac48b7e5338fb83ae13e6a40b4277286; Bundestag.de, 17.11.2026, Antrag fordert
höhere Pendlerpauschale; www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2023/kw46-de-pendler-entlasten-977844
3 Bayerischer Rundfunk, 10.04.2026, Koalitionsstreit um Spritpreisentlastungen: Reiche greift SPD an;
www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/koalitionsstreit-um-spritpreisentlastungen-reiche-greift-
spdan,VGOGJUL
Deutscher Bundestag Drucksache 21/5326
21. Wahlperiode 14.04.2026
den öffentlichen Schlagabtausch“4 und forderte „seine Parteifreundin zur
Zurückhaltung auf“.5 Am 11.04.2026 lehnte Merz die Forderungen vom Vizekanzler Lars
Klingbeil (SPD) insgesamt dann ab, da sie zu Angebotsproblemen führen würden6, während
Lars Klingbeil trotz Absage des Kanzlers auf die Markteingriffe pochte.7
Am Montag, den 13.04.2026, gaben Friedrich Merz und Lars Klingbeil bekannt, dass
sie sich bei der Koalitionsklausur darauf geeinigt hätten, die Energiesteuer auf
Kraftstoffe für zwei Monate zu senken und eine steuerfreie Entlastungsprämie von 1.000
Euro zu planen. Dabei hieß es, die Entlastungen sollen durch „kartellrechtliche oder
steuerrechtlich abgesicherte Maßnahmen gegenüber den
Mineralölwirtschaftsunternehmen" finanziert werden. Lars Klingbeil verwies in diesem Zusammenhang
nochmal explizit darauf hin, „[…] dass die EU-Kommission aktuell einen ,
Energiekrisenbeitrag‘ der Konzerne prüfe, also eine Übergewinnsteuer auf europäischer Ebene.“8
Verkehrsverbände befürchteten am 11.04.2026 aufgrund der zögerlichen Haltung der
Bundesregierung eine Pleitewelle und forderten die Bundesregierung zu schnellerem
Handeln gegen die gestiegenen Preise auf.9
Die AfD forderte bereits am 19.03.2026 – und bekräftigte dies auf ihrer
Fraktionsklausur nun nochmal10 – neben der Erhöhung der Pendlerpauschale und der „Abflachung
der Tarifstruktur in der Einkommensteuer mit dem Ziel: mehr netto vom brutto“
1. Absenkung der Energiesteuer auf das europäische Mindestmaß,
2. Absenkung der Mehrwertsteuer auf alle Kraftstoffe von 19 Prozent auf 7 Prozent
und
3. Die sofortige Abschaffung der CO2-Steuer.11
Übergewinnsteuern helfen nicht die hohen Kraftstoffpreise zu senken. Durch die
Folgen des Israel-USA-Iran-Krieges, u. a. der Sperrung der Straße von Hormuz, kommt
es zu globalen Lieferengpässen und Risikoaufschlägen.12
4 SPIEGEL, 12.04.2026, Debatte über Entlastungen - CDU-Wirtschaftsflügel unterstützt Reiche im Streit mit
Merz; www.spiegel.de/politik/deutschland/katherina-reiche-cdu-wirtschaftsfluegel-unterstuetzt-
wirtschaftsministerin-im-streit-mit-friedrich-merz-a-9e8ed9b4-5b9f-4e0d-964e-df68a13f0382
5 Bayerischer Rundfunk, 12.04.2026, Koalition ringt weiter um Entlastungen bei Spritpreisen;
www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/koalition-ringt-weiter-um-entlastungen-bei-
spritpreisen,VGa3UBe
6 SPIEGEL, 12.04.2026, Debatte über Entlastungen – CDU-Wirtschaftsflügel unterstützt Reiche im Streit
mit Merz; www.spiegel.de/politik/deutschland/katherina-reiche-cdu-wirtschaftsfluegel-unterstuetzt-
wirtschaftsministerin-im-streit-mit-friedrich-merz-a-9e8ed9b4-5b9f-4e0d-964e-df68a13f0382
7 SPIEGEL, 11.04.2026, Klingbeil pocht trotz Absage des Kanzlers auf Markteingriffe; www.spie-
gel.de/wirtschaft/lars-klingbeil-spd-fordert-markteingriffe-zur-senkung-der-spritpreise-a-9e653478-5885-
473f-b15f-bad6c4cb17d3
8 Bayerischer Rundfunk, 13.04.2026, Hohe Spritpreise: Diese Entlastungen plant die Koalition;
www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/spritpreise-diese-entlastungen-sind-geplant,VGf68su
9 ZDF Heute, 11.04.2026, Hilfe gefordert: Verkehrsverbände richten Brandbrief an Merz; www.zdf-
heute.de/wirtschaft/energiekrise-verkehr-verbaende-kritik-merz-hilfe-100.html
10 AfDBundestag.de, 12.04.2026, Klausurtagung vom 10. bis 12. April 2026; https://afdbundestag.de/klausur-
tagung-cottbus/; AfDBundestag.de, 12.04.2026, Positionspapier des AK 09 zur Fraktionsklausur im April
2026; AfDBundestag.de, 12.04.2026, https://afdbt-cdn.b-cdn.net/wp-content/uploads/2026/04/Positionspa-
pier-Neue-Wirtschaftskraft-entfesseln.pdf; AfDBundestag.de, 14.04.2026, Koalitions-Ankündigungen sind
bittere Enttäuschung für Bürger und Wirtschaft; https://afdbundestag.de/koalitions-ankuendigungen-sind-
bittere-enttaeuschung-fuer-buerger-und-wirtschaft/
11 AfDBundestag.de, 19.03.2026, Gottschalk/ Schattner: Steuern auf Kraftstoffe aussetzen und Wirtschaft und
Bürger entlasten; https://afdbundestag.de/steuern-auf-kraftstoffe-aussetzen-und-wirtschaft-und-buerger-
entlasten/
12 T-online.de, 01.03.2026, Iran sperrt Straße von Hormus „Wird sich an der Tankstelle bemerkbar machen“;
www.t-online.de/finanzen/aktuelles/wirtschaft/id_101148702/strasse-von-hormus-von-iran-gesperrt-ben-
zin-diesel-und-heizoel-teurer.html; Berliner-Zeitung, 12.04.2026, Ölmarkt im Panikmodus: Tanker kehren
um, Energiepreise schießen weltweit nach oben; www.berliner-zeitung.de/news/hormus-krise-
eskaliertscheitern-der-iran-gespraeche-treibt-oelpreise-ueber-140-us-dollar-li.10029887; AfDBundestag.de,
22.11.2023, Kay Gottschalk: Stabilitätsorientierte Politik notwendig, um in Krisensituationen
Laut ARD ist „[e]ine Übergewinnsteuer […] eine temporäre Sondersteuer. Sie hat das
Ziel, außergewöhnlich hohe Zufallsgewinne von Konzernen abzuschöpfen, die extrem
über dem „normalen Gewinn“ liegen. Die Idee dahinter: Unternehmen sollen nicht nur
deshalb sehr viel mehr verdienen, weil Krieg, Knappheit oder Marktverwerfungen die
Preise nach oben treiben. In der aktuellen Diskussion geht es vor allem um die
Gewinne, die Mineralölkonzerne derzeit aufgrund der gestiegenen Preise an Tankstellen
machen.“13
Doch es ist gerade der deutsche Staat, der kräftig an steigenden Kraftstoff-
Erzeugerpreisen verdient, denn fast 60 Prozent der Kraftstoffpreise bestehen nur aus Steuern
und Abgaben (Energiesteuer, CO-Abgabe, 19 % Mehrwertsteuer).14 Die
Gewinnmargen der Mineralölkonzern verblassen dagegen.
Übergewinne lassen sich außerdem nur schwer sauber definieren und berechnen. Dies
führt zu Rechtsunsicherheit, Umgehungsstrategien und bürokratischen Mehraufwand.
Der Öl- und Gassektor ist darüber hinaus sehr kapitalintensiv und preisvolatil.
Übergewinnsteuern würden daher das Risiko-Profil verzerren und zu geringeren
Investitionen führen. Infolgedessen entstünde mittelfristig ein knapperes Angebot und
entsprechend eine höhere Importabhängigkeit und Preissensibilität.15
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
1. von den Plänen zur Einführung einer (nationalen oder sektorspezifischen)
Übergewinnsteuer für Öl- und Gasunternehmen abzusehen;
2. sich auf EU-Ebene dafür einzusetzen, dass kein Instrument für eine Sondersteuer
auf überhöhte Krisengewinne von Energiekonzernen vorgelegt wird.
Berlin, den 14. April 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Handlungsspielraum zu bewahren; https://afdbundestag.de/kay-gottschalk-stabilitaetsorientierte-politik-
notwendig-um-in-krisensituationen-handlungsspielraum-zu-bewahren/
13 Tagesschau.de, 11.04.2026, Energiepreis-Krise Wie eine Übergewinnsteuer funktionieren würde; www.ta-
gesschau.de/wirtschaft/energie/uebergewinnsteuer-mineraloelkonzerne-spritpreise-faq-100.html
14 ADAC, 09.04.2026, Benzinpreis und Dieselpreis: So entstehen die Spritpreise aktuell; www.adac.de/
verkehr/tanken-kraftstoff-antrieb/tipps-zum-tanken/7-fragen-zum-benzinpreis/
15 IFO Standpunkte, 23. Juni 2022, Acht Gründe, warum eine Übergewinnsteuer keine gute Idee ist;
www.ifo.de/DocDL/ifo_Standpunkt_2022_237_uebergewinnsteuer.pdf
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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