Unternehmensaufgaben in Mittelstand und Handwerk
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Unternehmensaufgaben in Mittelstand und Handwerk
Deutscher Bundestag Drucksache 21/4818
21. Wahlperiode 19.03.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Sandra Stein, Dr. Alaa Alhamwi, Dr. Sandra Detzer, Julian
Joswig, Michael Kellner, Claudia Müller, Dr. Ophelia Nick, Sylvia Rietenberg,
Katrin Uhlig und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Unternehmensaufgaben in Mittelstand und Handwerk
Der deutsche Mittelstand steht zunehmend unter Druck. Während
Medienberichte über Stellenabbau in großen Industrieunternehmen in den letzten
Monaten stetig zugenommen haben, vollzieht sich der Stellenabbau in Mittelstand
und Handwerk größtenteils geräuschlos, obwohl ca. 53 Prozent aller
sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in diesen Unternehmen arbeiten (www.ifm-b
onn.org/statistiken/mittelstand-im-einzelnen/beschaeftigte, siehe auch www.kf
w.de/PDF/Download-Center/Konzernthemen/Research/PDF-Dokumente-KfW-
Mittelstandsatlas/Mittelstandsatlas-2024/KfW-Mittelstandsatlas-2024.pdf). So
wurden beispielsweise in der Branche des Groß- und Außenhandels, die
traditionell von mittelständischen Unternehmen geprägt ist, kürzlich mehr als 43 000
Stellen abgebaut (Konjunktur: BGA – Großhandel verliert 43 000 Jobs in
einem Jahr; www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/konjunktur-bga-grossha
ndel-verliert-43000-jobs-in-einem-jahr/100151956.html).
Auch die zunehmende Zahl an Unternehmensaufgaben – sowohl im Mittelstand
als auch im Handwerk – wird kaum thematisiert. Einer KfW (Kreditanstalt für
Wiederaufbau)-Studie zufolge planten für die Jahre 2024 und 2025 rund 60 000
Handwerksbetriebe und mit diesen insgesamt 231 000 mittelständische
Unternehmen, ihre Betreibe zu schließen – darunter etwa 21 000
Handwerksunternehmen und mit diesen insgesamt 43 000 mittelständische Betriebe, die
aufgrund gescheiterter oder fehlender Nachfolgeregelungen ihren Betrieb
einstellen mussten (www.deutsche-handwerks-zeitung.de/nachfolger-vergeblich-gesu
cht-mittelstand-droht-stilles-sterben-357628/).
Dieses als „stilles Sterben“ bekannte Phänomen beschreibt den schleichenden
Rückzug von Unternehmen, die aufgrund struktureller Mängel wie der
fehlenden Nachfolge, steigender Bürokratie oder Fachkräftemangel nicht mehr
konkurrenzfähig sind. Anders als bei großflächigem Stellenabbau oder Insolvenzen
bleibt dieser Prozess häufig im Verborgenen und wird erst dann
wahrgenommen, wenn die Lücken in der Wirtschaft bereits spürbar sind.
Angesichts der großen Bedeutung des Mittelstands für Arbeitsplätze,
dezentraler Wirtschaftsstrukturen und des Erhalts von Strukturen in ländlichen
Räumen – die besonders stark unter Druck stehen – ist es auch nach Ansicht der
Fragestellenden dringend erforderlich, dieser Entwicklung mit gezielten
Maßnahmen entgegenzuwirken und diese Regionen gezielt zu stärken.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Liegen der Bundesregierung Zahlen vor, wie viele Arbeitsplätze in
mittelständischen Unternehmen (bis 250 Mitarbeitende) in Deutschland in den
vergangenen zwei Jahren abgebaut worden sind (bitte nach Jahren,
Branchen, Unternehmensgröße, Bundesland und Grad der Ländlichkeit nach
Thünen-Typologie aufgeschlüsselt listen)?
2. Liegen der Bundesregierung Zahlen vor, wie viele Arbeitsplätze in
Handwerksbetrieben in Deutschland in den vergangenen zwei Jahren abgebaut
worden sind (bitte nach Jahren, Branchen, Unternehmensgröße,
Bundesland und Grad der Ländlichkeit nach Thünen-Typologie aufgeschlüsselt
listen)?
3. In welchen Branchen und Bundesländern ist der Stellenabbau besonders
stark, und welche Gründe sieht die Bundesregierung hier, und wie wird sie
mit welchen konkreten Maßnahmen gegensteuern?
4. Wie viele Unternehmensaufgaben, die nicht auf eine Insolvenz
zurückzuführen sind, gab es nach Kenntnis der Bundesregierung in den
vergangenen zwei Jahren
a) unter deutschen mittelständischen Unternehmen,
b) unter deutschen Handwerksbetrieben,
(bitte nach Jahren, Bundesland und Branche aufschlüsseln)?
5. Liegen der Bundesregierung Zahlen vor, wie viele kleine, mittlere und
Handwerksbetriebe in den letzten zwei Jahren von Großbetrieben
aufgekauft wurden (bitte nach Jahren und Branchen aufschlüsseln)?
6. Wie viele Insolvenzen gab es nach Kenntnis der Bundesregierung unter
mittelständischen und Handwerksbetrieben in den vergangenen zwei
Jahren (bitte nach Jahren, Bundesland und Branche aufschlüsseln)?
7. Welche Erklärungen liegen der Bundesregierung vor zu den
Unterschieden bei Betriebsaufgaben zwischen ländlich und urban geprägten sowie
zwischen strukturstarken und strukturschwachen Regionen Deutschlands?
8. Worin sieht die Bundesregierung allgemein die Gründe für steigende
Unternehmensaufgaben im Mittelstand und im Handwerk?
9. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung darüber vor, ob der in
Deutschland vorherrschende Fachkräftemangel zu einem verdeckten
Stellenabbau führt?
10. Welche volkswirtschaftlichen Auswirkungen erwartet die
Bundesregierung für Deutschland, wenn der Trend zu Unternehmensaufgaben in
Mittelstand und Handwerk anhält?
11. Welche Auswirkungen auf die Resilienz der deutschen Wirtschaft erwartet
die Bundesregierung, wenn der Trend zu Unternehmensaufgaben in
Mittelstand und Handwerk anhält?
12. Welche konkreten Maßnahmen plant oder prüft die Bundesregierung, um
Unternehmensaufgaben bei mittelständischen und Handwerksbetrieben im
Allgemeinen zu verhindern?
13. Welche Maßnahmen plant oder prüft die Bundesregierung, um
Unternehmensaufgaben gezielt in ländlichen Regionen zu verhindern?
14. Gibt es Pläne, ein bundesweites Monitoring- oder Frühwarnsystem
einzurichten, um stille Betriebs- und Stellenverluste besser zu erfassen?
15. Wann plant die Bundesregierung, einen Gesetzentwurf für die im
Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD angekündigte Rechtsform der
Gesellschaft mit gebundenem Vermögen vorzulegen?
Berlin, den 3. März 2026
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
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ISSN 0722-8333
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