Unternehmensaufgaben in Mittelstand und Handwerk (Antwort zu Drs. 21/4818)
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Unternehmensaufgaben in Mittelstand und Handwerk (Antwort zu Drs. 21/4818)
Deutscher Bundestag Drucksache 21/5377
21. Wahlperiode 13.04.2026
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Sandra Stein, Dr. Alaa
Alhamwi, Dr. Sandra Detzer, weiterer Abgeordneter und der Fraktion
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
– Drucksache 21/4818 –
Unternehmensaufgaben in Mittelstand und Handwerk
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Der deutsche Mittelstand steht zunehmend unter Druck. Während
Medienberichte über Stellenabbau in großen Industrieunternehmen in den letzten
Monaten stetig zugenommen haben, vollzieht sich der Stellenabbau in Mittelstand
und Handwerk größtenteils geräuschlos, obwohl ca. 53 Prozent aller
sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in diesen Unternehmen arbeiten (www.ifm-
bonn.org/statistiken/mittelstand-im-einzelnen/beschaeftigte, siehe auch www.
kfw.de/PDF/Download-Center/Konzernthemen/Research/PDF-Dokumente-Kf
W-Mittelstandsatlas/Mittelstandsatlas-2024/KfW-Mittelstandsatlas-2024.pdf).
So wurden beispielsweise in der Branche des Groß- und Außenhandels, die
traditionell von mittelständischen Unternehmen geprägt ist, kürzlich mehr als
43 000 Stellen abgebaut (Konjunktur: BGA – Großhandel verliert 43 000 Jobs
in einem Jahr; www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/konjunktur-bga-gros
shandel-verliert-43000-jobs-in-einem-jahr/100151956.html).
Auch die zunehmende Zahl an Unternehmensaufgaben – sowohl im
Mittelstand als auch im Handwerk – wird kaum thematisiert. Einer KfW
(Kreditanstalt für Wiederaufbau)-Studie zufolge planten für die Jahre 2024 und 2025
rund 60 000 Handwerksbetriebe und mit diesen insgesamt 231 000
mittelständische Unternehmen, ihre Betreibe zu schließen – darunter etwa 21 000
Handwerksunternehmen und mit diesen insgesamt 43 000 mittelständische
Betriebe, die aufgrund gescheiterter oder fehlender Nachfolgeregelungen ihren
Betrieb einstellen mussten (www.deutsche-handwerks-zeitung.de/
nachfolgervergeblich-gesucht-mittelstand-droht-stilles-sterben-357628/).
Dieses als „stilles Sterben“ bekannte Phänomen beschreibt den schleichenden
Rückzug von Unternehmen, die aufgrund struktureller Mängel wie der
fehlenden Nachfolge, steigender Bürokratie oder Fachkräftemangel nicht mehr
konkurrenzfähig sind. Anders als bei großflächigem Stellenabbau oder
Insolvenzen bleibt dieser Prozess häufig im Verborgenen und wird erst dann
wahrgenommen, wenn die Lücken in der Wirtschaft bereits spürbar sind.
Angesichts der großen Bedeutung des Mittelstands für Arbeitsplätze,
dezentraler Wirtschaftsstrukturen und des Erhalts von Strukturen in ländlichen
Räumen – die besonders stark unter Druck stehen – ist es auch nach Ansicht der
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie
vom 13. April 2026 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Fragestellenden dringend erforderlich, dieser Entwicklung mit gezielten
Maßnahmen entgegenzuwirken und diese Regionen gezielt zu stärken.
1. Liegen der Bundesregierung Zahlen vor, wie viele Arbeitsplätze in
mittelständischen Unternehmen (bis 250 Mitarbeitende) in Deutschland in
den vergangenen zwei Jahren abgebaut worden sind (bitte nach Jahren,
Branchen, Unternehmensgröße, Bundesland und Grad der Ländlichkeit
nach Thünen-Typologie aufgeschlüsselt listen)?
Nach Angaben der Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit (BA)
ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Betrieben, in
denen weniger als 250 Personen beschäftigt sind, in den vergangen beiden
Jahren geringfügig gesunken, während die Gesamtbeschäftigung in diesem
Zeitraum leicht gestiegen ist.
Weitere Informationen nach Branchen und Bundesländern können den Tabellen
in „Anlage 1 Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit“
entnommen werden. Auswertungen der Statistik der BA nach dem Grad der
Ländlichkeit liegen nicht vor.
2. Liegen der Bundesregierung Zahlen vor, wie viele Arbeitsplätze in
Handwerksbetrieben in Deutschland in den vergangenen zwei Jahren
abgebaut worden sind (bitte nach Jahren, Branchen, Unternehmensgröße,
Bundesland und Grad der Ländlichkeit nach Thünen-Typologie
aufgeschlüsselt listen)?
Auswertungen der Statistik der BA liegen nach der Klassifikation der Berufe
auch für Handwerksberufe vor, eine statistische Auswertung nach
„Handwerksbetrieben“ ist jedoch nicht möglich. Der Bundesregierung liegen daher keine
Kenntnisse über die Zahl der abgebauten Arbeitsplätze in Handwerksbetrieben
vor.
3. In welchen Branchen und Bundesländern ist der Stellenabbau besonders
stark, und welche Gründe sieht die Bundesregierung hier, und wie wird
sie mit welchen konkreten Maßnahmen gegensteuern?
Nach Angaben der Beschäftigungsstatistik der BA ist der größte absolute
Rückgang bei sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in den letzten Jahren
bundesweit in der Vermittlung und Überlassung von Arbeitskräften zu
verzeichnen, gefolgt vom Einzelhandel und der Herstellung von
Metallerzeugnissen. Weitere Informationen, wie die Entwicklung nach Bundesländern, können
den Tabellen in „Anlage 1 Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für
Arbeit“ entnommen werden.
Einen umfassenden Überblick über die zahlreichen Maßnahmen der
Bundesregierung, die branchenübergreifend der Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit
dienen und zugleich einem Stellenabbau entgegenwirken, bietet der aktuelle
Jahreswirtschaftsbericht der Bundesregierung 2026 (www.bundeswirtschaftsmi
nisterium.de/Redaktion/DE/Publikationen/Wirtschaft/jahreswirtschaftsbericht-2
026.pdf?__blob=publicationFile&v=1).
4. Wie viele Unternehmensaufgaben, die nicht auf eine Insolvenz
zurückzuführen sind, gab es nach Kenntnis der Bundesregierung in den
vergangenen zwei Jahren
a) unter deutschen mittelständischen Unternehmen,
b) unter deutschen Handwerksbetrieben,
(bitte nach Jahren, Bundesland und Branche aufschlüsseln)?
Hierzu liegen der Bundesregierung keine Zahlen vor.
5. Liegen der Bundesregierung Zahlen vor, wie viele kleine, mittlere und
Handwerksbetriebe in den letzten zwei Jahren von Großbetrieben
aufgekauft wurden (bitte nach Jahren und Branchen aufschlüsseln)?
Hierzu liegen der Bundesregierung keine Zahlen vor.
6. Wie viele Insolvenzen gab es nach Kenntnis der Bundesregierung unter
mittelständischen und Handwerksbetrieben in den vergangenen zwei
Jahren (bitte nach Jahren, Bundesland und Branche aufschlüsseln)?
Die Bundesregierung erhebt selbst keine eigenen Insolvenzdaten. Detaillierte
Daten zu Unternehmensinsolvenzen, aufgeschlüsselt nach verschiedenen
Merkmalen wie Wirtschaftszweigen, Unternehmensgrößen oder Rechtsform, sind
grundsätzlich auf der Hauptdatenbank des Statistischen Bundesamtes GENE-
SIS verfügbar unter: www-genesis.destatis.de/datenbank/online/statistic/52411/
details
7. Welche Erklärungen liegen der Bundesregierung vor zu den
Unterschieden bei Betriebsaufgaben zwischen ländlich und urban geprägten sowie
zwischen strukturstarken und strukturschwachen Regionen
Deutschlands?
8. Worin sieht die Bundesregierung allgemein die Gründe für steigende
Unternehmensaufgaben im Mittelstand und im Handwerk?
Die Fragen 7 und 8 werden gemeinsam beantwortet.
Gemäß dem Nachfolge-Monitoring Mittelstand 2025 vom Januar 2026 der
Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hegen bis 2029 jährlich rund 114.000
KMU‑Inhaberinnen und KMU-Inhaber Stilllegungspläne für ihren Betrieb. Die
KfW führt aus, dass in diesen Fällen eine Stilllegung entweder der derzeit
einzig denkbare Weg oder zumindest eine ernsthaft erwogene Alternative sei. Als
Gründe für eine geplante Stilllegung wurden in der zugrunde liegenden
Befragung am häufigsten Altersgründe (52 Prozent), fehlendes Interesse in der
Familie (47 Prozent) sowie zu viel Bürokratie (42 Prozent) genannt; ferner nannten
21 Prozent fehlenden Erfolg bei der Nachfolgersuche. 17 Prozent gaben an,
dass die Geschäftssituation einen Verkauf verhindere, und 11 Prozent, dass die
Nachfolgersuche zu aufwendig sei. Zur regionalen Verteilung von
Betriebsaufgaben liegen der Bundesregierung keine Zahlen vor.
9. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung darüber vor, ob der in
Deutschland vorherrschende Fachkräftemangel zu einem verdeckten
Stellenabbau führt?
Der Bundesregierung liegen über diesen Zusammenhang keine gesicherten
wissenschaftlichen Erkenntnisse vor.
10. Welche volkswirtschaftlichen Auswirkungen erwartet die
Bundesregierung für Deutschland, wenn der Trend zu Unternehmensaufgaben in
Mittelstand und Handwerk anhält?
11. Welche Auswirkungen auf die Resilienz der deutschen Wirtschaft
erwartet die Bundesregierung, wenn der Trend zu Unternehmensaufgaben in
Mittelstand und Handwerk anhält?
Die Fragen 10 und 11 werden gemeinsam beantwortet.
Der Fortbestand rentabler Betriebe ist für die Zukunftsfestigkeit des deutschen
Mittelstands, die Sicherung von Arbeitsplätzen und die gesamtwirtschaftliche
Entwicklung von zentraler Bedeutung. Insbesondere im ländlichen Raum sind
erfolgreiche Unternehmensübergaben auch strukturpolitisch von großer
Relevanz. Daher unterstützt die Bundesregierung Unternehmensnachfolgen mit
zahlreichen finanziellen und nicht-finanziellen Instrumenten (siehe
gemeinsame Antwort zu den Fragen 12 und 13). Konkrete Zahlen zu den
volkswirtschaftlichen Auswirkungen von Unternehmensaufgaben liegen der
Bundesregierung nicht vor.
12. Welche konkreten Maßnahmen plant oder prüft die Bundesregierung, um
Unternehmensaufgaben bei mittelständischen und Handwerksbetrieben
im Allgemeinen zu verhindern?
13. Welche Maßnahmen plant oder prüft die Bundesregierung, um
Unternehmensaufgaben gezielt in ländlichen Regionen zu verhindern?
Die Frage 12 und 13 werden gemeinsam beantwortet.
Die Bundesregierung unterstützt Unternehmensübergaben branchenunabhängig
und deutschlandweit mit vielfältigen finanziellen und nicht-finanziellen
Instrumenten wie beispielsweise der gemeinsam von KfW und vom
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie betriebenen Unternehmensnachfolgebörse
nexxt-change und den zinsverbilligten ERP-/KfW-Förderkrediten wie dem
ERP-Förderkredit Gründung und Nachfolge, bei dem eine Bürgschaftsbank
eine 100‑prozentige Garantie für die jeweilige Hausbank übernimmt. Auch der
ERP-Gründerkredit StartGeld und der ERP-Förderkredit KMU stehen sowohl
Neu- als auch Nachfolgegründungen offen. Darüber hinaus ist die KfW
insbesondere mit den Regionalpartnern der Unternehmensnachfolgebörse
nexxtchange, unter anderem Industrie- und Handelskammern sowie
Handwerkskammern, in den Bundesländern in engem Austausch, um bei der
Weiterentwicklung der Börse eine enge Abstimmung und Vernetzung mit weiteren
Unterstützungsangeboten zu erreichen.
14. Gibt es Pläne, ein bundesweites Monitoring- oder Frühwarnsystem
einzurichten, um stille Betriebs- und Stellenverluste besser zu erfassen?
Die Statistik der BA berichtet monatlich ausführlich über die
Beschäftigungsentwicklung nach Branchen, Betriebsgrößen, Berufen und Regionen. Die
interaktiven Statistiken „Strukturwandel nach Berufen“ sowie „Auswirkungen der
ökologischen Transformation auf den Arbeitsmarkt“ stellen darüber hinaus
anschaulich die zeitlichen Entwicklungen in Branchen und Berufen dar, die
besonders stark von aktuellen Veränderungen betroffen sind. Die monatliche
Analyse „Frühindikatoren am Arbeitsmarkt“ betrachtet bereits Indikatoren wie die
Arbeitsmarktnachfrage und frühzeitige Arbeitsuchendmeldungen, die auf
mögliche Stellenverluste hinweisen.
15. Wann plant die Bundesregierung, einen Gesetzentwurf für die im
Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD angekündigte Rechtsform
der Gesellschaft mit gebundenem Vermögen vorzulegen?
Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz und das
Bundesministerium der Finanzen haben im März 2026 zur Umsetzung des
Koalitionsvertrages ein Rahmenkonzept für die Einführung einer neuen Rechtsform
„Gesellschaft mit gebundenem Vermögen“ (GmgV) vorgelegt. Die dazu
eingeleitete Länder- und Verbändebeteiligung ist noch nicht abgeschlossen. Daran
schließt sich die Auswertung der Stellungnahmen an. Ein konkreter Zeitplan
für die weiteren Schritte liegt daher noch nicht vor.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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