Förderung internationaler Freiwilligendienste durch den Bund
Text
Förderung internationaler Freiwilligendienste durch den Bund
Deutscher Bundestag Drucksache 21/4725
21. Wahlperiode 17.03.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Nyke Slawik, Claudia Roth, Misbah Khan, Denise
Loop, Dr. Anja Reinalter, Ulle Schauws, Jamila Schäfer und der
Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Förderung internationaler Freiwilligendienste durch den Bund
Der Deutsche Bundestag hat für das Haushaltsjahr 2026 und die Folgejahre
zusätzliche Mittel für den Bundesfreiwilligendienst (BFD) sowie verschiedene
Jugendfreiwilligendienste bewilligt. Dies ist ein wichtiges Signal zur Stärkung
des bürgerschaftlichen Engagements junger Menschen. Demgegenüber wurden
im Haushalt 2026 im Einzelplan des Bundesministeriums für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) die Mittel für den Titel
Entwicklungspolitische Austausch- und Entsendedienste, aus welchem auch das
internationale Freiwilligenprogramm „weltwärts“ finanziert wird, um rund 4 Mio.
Euro gekürzt. Dies steht nach Ansicht der Fragestellenden im Widerspruch zu
dem politischen Anspruch, Freiwilligendienste auszubauen und sozial offen zu
gestalten.
Der Deutsche Bundestag hat die Bundesregierung außerdem dazu aufgefordert,
die Weichen zu stellen, damit die Plätze für Freiwilligendienste ausgebaut
werden können, und die Rahmenbedingungen für Freiwilligendienstleistende
attraktiver auszugestalten (siehe Bundestagsdrucksache 21/3076). Dazu gehören
Vorschläge für eine angemessene, chancengerechte Anpassung des
Freiwilligengelds und zusätzliche Leistungen, beispielsweise für den öffentlichen
Personennahverkehr (ÖPNV), gefördert mit Bundesmitteln.
Internationale Freiwilligendienste sind dabei nicht nur Instrumente des
bürgerschaftlichen Engagements, sondern zugleich ein zentraler Bestandteil der
Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik Deutschlands. Programme wie
„kulturweit“, angesiedelt im Auswärtigen Amt, leisten durch ihren Einsatz an
Deutschen Auslandsschulen, Goethe-Instituten, UNESCO-Projektschulen und
Partnerinstitutionen weltweit einen wichtigen Beitrag zur internationalen
Verständigung, zur Stärkung multilateraler Kooperation sowie zur nachhaltigen
Vernetzung junger Menschen mit internationalen Organisationen und Partnerländern.
Ähnliches gilt für die Programme „Internationaler Jugendfreiwilligendienst“
(IJFD), gefördert durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren,
Frauen und Jugend und „weltwärts“ des Bundesministeriums für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.
Gleichzeitig berichten Trägerorganisationen des Internationalen
Jugendfreiwilligendienstes (IJFD), dass der seit 2011 unveränderte Pro-Platz-Fördersatz von
350 Euro pro Freiwilligem und Monat angesichts erheblich gestiegener Reise-,
Unterbringungs- und pädagogischer Kosten nicht mehr auskömmlich ist.
In der Folge komme es zu einem Abbau von Plätzen, zur Aufgabe von
Einsatzländern und zu steigenden Eigenbeiträgen der Freiwilligen.
Dies steht nach Ansicht der Fragestellenden im Widerspruch zum Anspruch der
Bundesregierung, internationale Freiwilligendienste sozial offen,
niedrigschwellig und divers zu gestalten. In der Antwort der Bundesregierung auf die
Kleine Anfrage auf Bundestagsdrucksache 21/3765 hat die Bundesregierung
ausgeführt, dass unterrepräsentierte Gruppen gezielt angesprochen, individuell
unterstützt sowie im Monitoring und in jährlichen Freiwilligenbefragungen
erfasst würden.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie die Bundesregierung die
Förderung internationaler Freiwilligendienste insgesamt ausgestaltet.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche internationalen Freiwilligendienste werden derzeit durch welche
Bundesministerien und in welcher Höhe gefördert (bitte nach Programm,
zuständigem Ressort, Zielgruppe und thematischem Schwerpunkt
aufschlüsseln)?
2. Welche Positionen werden in den in Frage 1 erfragten Programmen
jeweils durch Bundesmittel gefördert (bitte je Programm getrennt
ausweisen: Taschengeld bzw. Unterhalt, (Sozial-)Versicherungen, pädagogische
Begleitung und Seminare, Reisekosten, Visa- und Verwaltungsgebühren,
Unterkunft, Verwaltungspauschalen), und welche Positionen müssen
Teilnehmende typischerweise vorfinanzieren bzw. über Eigenbeiträge
abdecken?
3. Wie haben sich die Fördersätze pro Person der in Frage 1 erfragten
Programme seit 2011 entwickelt, und aus welchen Gründen wurden diese
gegebenenfalls angepasst oder nicht angepasst?
4. Welche Informationen liegen der Bundesregierung hinsichtlich der
Kostenentwicklung zur Finanzierung von Freiwilligenplätzen in den
jeweiligen in Frage 1 erfragten Programmen über den Zeitraum der vergangenen
15 Jahre vor, und welche inflationsbedingten oder weiteren Effekte
schlagen dabei in welchem Umfang zu Buche?
5. Warum sieht die Bundesregierung die unterschiedliche Handhabung
zwischen den in Frage 1 erfragten Programmen als sachlich gerechtfertigt an,
insbesondere im Hinblick auf Zielsetzung, Dauer, Einsatzform und
pädagogische Begleitung?
6. Wie hoch sind im Vergleich die durchschnittlichen Leistungen des Bundes
pro Freiwilligen im Bundesfreiwilligendienst, insbesondere im Hinblick
auf Taschengeld, Versicherung und pädagogische Begleitung?
7. Aus welchen Gründen liegt die Pro-Platz-Förderung im IJFD deutlich
unter dem Niveau der Leistungen im Bundesfreiwilligendienst?
8. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung dazu, wie sich im Vergleich
die Förderkonditionen und Teilnehmendenzahlen in den von der EU
geförderten Freiwilligendiensten entwickeln?
9. Wie haben sich die Teilnehmendenzahlen in den durch den Bund
geförderten internationalen Freiwilligendiensten in den letzten zehn Jahren
entwickelt (bitte nach Programm aufschlüsseln), und wie bewertet die
Bundesregierung dies?
10. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung darüber, dass
Trägerorganisationen Plätze abbauen, Einsatzländer aufgeben oder sich aus bestimmten
Programmen zurückziehen?
11. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung darüber vor, dass Träger
in andere Programme wechseln oder internationale Freiwilligendienste
zunehmend ohne Bundesförderung durchführen?
12. Welche Daten liegen der Bundesregierung zu Abbruchquoten im
Bewerbungsverfahren sowie zur sozialen Zusammensetzung der Teilnehmenden
in den in Frage 1 erfragten Programmen vor?
13. Welche Daten werden in den in Frage 1 erfragten Programmen jeweils zu
Eigenbeiträgen erhoben (z. B. Anteil der Teilnehmenden mit Eigenbeitrag,
Median bzw. Spannweite der Beiträge, Befreiungs- oder
Härtefallregelungen), und wenn keine systematische Erhebung erfolgt, aus welchen
Gründen nicht, und welche Maßnahmen plant die Bundesregierung, um diese
Datenlücke zu schließen?
14. Inwieweit werden finanzielle Zugangshürden (z. B. Eigenanteile,
Vorfinanzierung) im Monitoring und in den jährlichen Freiwilligenbefragungen
systematisch erfasst?
15. Welche Schlussfolgerung zieht die Bundesregierung aus Berichten von
Trägern, wonach insbesondere junge Menschen aus
einkommensschwächeren Haushalten, mit Flucht- oder Migrationsgeschichte oder ohne
akademischen Hintergrund durch steigende Kosten von einer Teilnahme
abgehalten werden?
16. Wie bewertet die Bundesregierung die bestehenden Regelungen für
internationale Freiwilligendienste im Hinblick auf ihre soziale Zugänglichkeit?
17. Welche konkreten Maßnahmen wurden in den vergangenen fünf Jahren
auf Grundlage des Monitorings vorgenommen, um den darüber
festgestellten Entwicklungen zu begegnen?
18. Plant die Bundesregierung, die Platzkapazitäten von internationalen
Freiwilligendiensten in den kommenden Jahren auszubauen, konstant zu
halten oder anzupassen, und auf welcher Grundlage erfolgt diese Planung?
19. Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung, um eine verlässliche
Finanzierung und Planungssicherheit für die in Frage 1 erfragten
Programme zu gewährleisten?
Berlin, den 3. März 2026
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
Relationen
- asked ← Anja Reinalter (Kleine Anfrage)
- asked ← Claudia Roth (Kleine Anfrage)
- asked ← Denise Loop (Kleine Anfrage)
- asked ← Jamila Schäfer (Kleine Anfrage)
- asked ← Misbah Khan (Kleine Anfrage)
- asked ← Nyke Slawik (Kleine Anfrage)
- asked ← Ulle Schauws (Kleine Anfrage)
- authored ← Claudia Roth
- authored ← Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
- authored ← Nyke Slawik
- part_of_vorgang → Förderung internationaler Freiwilligendienste durch den Bund (Kleine Anfrage)