Zahlen von Freiwilligendiensten und die Auswirkungen geplanter Haushaltskürzungen
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Zahlen von Freiwilligendiensten und die Auswirkungen geplanter Haushaltskürzungen
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/1526
21. Wahlperiode 09.09.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Mandy Eißing, Nicole Gohlke, Dr. Michael Arndt, Desiree
Becker, Anne-Mieke Bremer, Maik Brückner, Kathrin Gebel, Mareike Hermeier,
Christian Görke, Ates Gürpinar, Maren Kaminski, Cansin Köktürk, Ina Latendorf,
Sonja Lemke, Stella Merendino, Sören Pellmann, Evelyn Schötz, Julia-Christina
Stange und der Fraktion Die Linke
Zahlen von Freiwilligendiensten und die Auswirkungen geplanter
Haushaltskürzungen
Rund 55 000 Jugendliche und junge Erwachsene bis zum Alter von 27 Jahren
absolvieren jährlich nach ihrem Schulabschluss einen
Jugendfreiwilligendienst – darunter das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ), das Freiwillige
Ökologische Jahr (FÖJ) sowie den Internationalen Jugendfreiwilligendienst (IJFD).
Diese Programme ermöglichen jungen Menschen über einen Zeitraum von
sechs bis 18 Monaten ein gesellschaftliches Engagement in sozialen,
ökologischen oder kulturellen Einrichtungen und leisten zugleich einen Beitrag zur
persönlichen und beruflichen Orientierung. Ergänzt werden sie seit 2011 durch
den Bundesfreiwilligendienst (BFD), der nach Aussetzung der Wehrpflicht
eingeführt wurde und allen Altersgruppen offensteht. Ziel ist es, bürgerschaftliches
Engagement zu fördern, insbesondere im sozialen, ökologischen und
kulturellen Bereich, in der Integration sowie im Zivil- und Katastrophenschutz. In der
Praxis zeigt sich, dass Freiwillige im BFD teilweise Tätigkeiten übernehmen,
die sich nicht immer klar von regulären Arbeitsverhältnissen abgrenzen lassen
– was mitunter zu Diskussionen über eine mögliche Substitution von
Arbeitsplätzen und über Lohndumping führt.
Trotz der von der Bundesregierung im Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU
und SPD angekündigten Verbesserungen – etwa der Erhöhung des
Taschengeldes und dem Ausbau von Plätzen und Strukturen – sieht der aktuelle
Haushaltsentwurf keine entsprechende Aufstockung vor. Stattdessen plant die
Bundesregierung gravierende Kürzungen. Der Kabinettsentwurf für den
Bundeshaushalt 2025 sieht vor, die Mittel für die Freiwilligendienste um rund 14 Prozent
und somit um 17 Mio. Euro zu kürzen (vgl. Kapitel 17 03, Titelgruppe
„Freiwilligendienste“).
Diese Kürzungen gefährden die Verlässlichkeit und den Bestand der
Freiwilligendienste erheblich. Bereits heute besteht ein Mangel an verfügbaren
Plätzen – der Abbau droht diesen weiter zu verschärfen. Gleichzeitig wird in
politischen Debatten ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr ins Spiel gebracht –
dessen Umsetzung jedoch weitaus höhere Kosten verursachen würde als die
bestehenden Freiwilligendienste (vgl. www.ifo.de/DocDL/ifo_Forschungsbericht_1
44_Wiedereinfuehrung-Wehrpflicht.pdf).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie viele Freiwilligenplätze gibt es aktuell?
2. Wie viele Personen (Frauen, Männer, Divers) leisten aktuell einen
Freiwilligendienst (bitte nach Freiwilligendienst, Bundesland bzw. Ausland,
Geschlecht und Alter aufschlüsseln)?
3. Wie viele Personen (Frauen, Männer, Divers) leisteten 2023 und 2024
Bundesfreiwilligendienst oder einen sogenannten freiwilligen Wehrdienst
im Heimatschutz (bitte nach Jahren, Bundesländern, Geschlecht und Alter
aufschlüsseln)?
4. Wie viele Personen (Frauen, Männer, Divers) leisteten zwischen Januar
und September 2025 einen Bundesfreiwilligendienst oder einen
sogenannten freiwilligen Wehrdienst im Heimatschutz (bitte nach Monat,
Bundesland, Geschlecht und Alter aufschlüsseln), und wie entwickelte sich seit
2023 der Anteil der über 27-Jährigen, die Bundesfreiwilligendienst oder
einen sogenannten freiwilligen Wehrdienst im Heimatschutz leisteten
(bitte nach Jahren, Altersgruppen über und unter 27 Jahren,
Bundesländern sowie nach Geschlecht aufschlüsseln)?
5. Wie entwickelte sich zwischen Januar und August 2025 der Anteil der
über 27-Jährigen, die Bundesfreiwilligendienst oder einen sogenannten
freiwilligen Wehrdienst im Heimatschutz leisteten (bitte nach Monat,
Altersgruppen über und unter 27 Jahren, Bundesländern sowie nach
Geschlecht aufschlüsseln)?
6. Sind der Bundesregierung Fälle bekannt, in denen die
Arbeitsmarktneutralität in den Freiwilligendiensten nicht eingehalten wurde, wenn ja, wie
viele Fälle sind bekannt, und welche Maßnahmen wurden ergriffen?
7. Wie viele Arbeitsuchende leisteten seit 2023 Bundesfreiwilligendienst
oder einen sogenannten freiwilligen Wehrdienst im Heimatschutz (bitte
nach Jahr, Geschlecht, Altersgruppen über und unter 27 Jahren sowie
Bundesländern aufschlüsseln)?
8. Welchen Bildungsabschluss hatten die Bundesfreiwilligendienstleistenden
seit 2023 (bitte nach Jahr und jeweiligem Anteil von Haupt- bzw.
Volksschulabschluss, Abschluss der polytechnischen Oberschule,
Realschuloder gleichwertiger Abschluss, Fachhochschul- oder Hochschulreife, ohne
allgemeinen Schulabschluss, ohne Angabe zur Art des Abschlusses sowie
nach Bundesländern aufschlüsseln)?
9. Wie viele der aktuell rund 110 000 Freiwilligenplätze würden durch die
Haushaltskürzungen in den Bundesländern und im Ausland wegfallen
(bitte jeweils nach Jahr, Bundesland bzw. Ausland, Anzahl der
bestehenden und wegfallenden Freiwilligen- bzw. Bundesfreiwilligenplätze
auflisten)?
10. Welche Auswirkungen wird die Einführung eines verpflichtenden
Gesellschaftsjahrs nach Einschätzung der Bundesregierung auf die
Freiwilligendienste haben?
a) Welche finanziellen Ressourcen plant die Bundesregierung für das
verpflichtende Gesellschaftsjahr ein, und aus welchen Haushaltstiteln
soll diese Förderung erfolgen?
b) Wie begründet die Bundesregierung die Notwendigkeit eines
verpflichtenden Gesellschaftsjahrs bei einer bereits existierenden
Möglichkeit der Absolvierung eines Freiwilligendienstes?
11. Mit welchen Auswirkungen auf die Träger der Freiwilligendienste
aufgrund der Haushaltskürzungen rechnet die Bundesregierung?
12. Fanden im Vorfeld der Erarbeitung der Kürzungspläne für 2025 darüber
Beratungen mit Trägern der Freiwilligendienste statt, wenn ja, welche
(bitte entsprechend nach Beteiligten und Datum aufführen), und wie
waren die Reaktionen?
13. Womit begründet die Bundesregierung die Mittelkürzungen, vor dem
Hintergrund, dass die Freiwilligendienste durch Demokratiebildung und
gelebte Inklusion einen wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen
Zusammenhalt und gegen extremistische Tendenzen und Ausgrenzung leisten?
14. Sieht die Bundesregierung einen Widerspruch in der Ankündigung im
Koalitionsvertrag, Plätze und Strukturen sukzessive ausbauen sowie das
Taschengeld erhöhen zu wollen, und den anstehenden Mittelkürzungen im
Haushalt 2025, wenn ja, wie sollen neue Stellen geschaffen und
Taschengeld erhöht werden trotz der massiven Einsparungen, und wenn nein,
warum nicht?
15. Findet nach wie vor der mit Wirkung vom 1. September 2023 eingesetzte
Betreuungsschlüssel von nunmehr einer Fachkraft für 30 bis 40
Freiwillige (Korridor) Anwendung, und liegen der Bundesregierung Erkenntnisse
darüber vor, inwieweit der abgesenkte Betreuungsschlüssel in der Praxis
Anwendung findet und zu einer Verbesserung der Betreuungsqualität
geführt hat (vgl. Bundestagsdrucksache 20/8512)?
16. Wie stellt die Bundesregierung sicher, dass in Zukunft Freiwilligendienste
überjährig finanziert werden und somit Träger nicht mehr in
Planungsunsicherheit geraten?
17. Wie will und wird die Bundesregierung die im Koalitionsvertrag
vereinbarten Ziele zur Stärkung der Freiwilligendienste umsetzen?
a) Wie soll die europäische und internationale Jugendarbeit,
insbesondere für Auszubildende, konkret gestärkt werden?
b) Wann, und in welchem Umfang werden die Plätze in den
Freiwilligendiensten nachfragegerecht ausgebaut (bitte entsprechend für FSJ, FÖJ,
IJFD und BFD aufschlüsseln)?
c) Wann, und in welcher Höhe plant die Bundesregierung die Erhöhung
des Taschengeldes in den Freiwilligendiensten, um das im
Koalitionsvertrag formulierte Ziel zu erreichen, Jugendlichen eine Teilnahme
unabhängig vom Geldbeutel der Eltern zu ermöglichen?
d) Wird die Bundesregierung initiativ werden, damit das Taschengeld
beim Freiwilligendienst nicht mehr auf den Unterhalt angerechnet
wird?
e) Wird die Bundesregierung den kostenlosen Erhalt von Deutschland-
Tickets für Freiwillige ermöglichen, wenn ja, ab wann, und wenn nein,
warum nicht?
f) Wird die Bundesregierung sich für eine Verbesserung der
Teilzeitmöglichkeiten einsetzen, und hat sie dafür die von ihrer
Vorgängerregierung geführten Länder- und Verbändebeteiligung für den Entwurf
eines Gesetzes zur Erweiterung der Teilzeitmöglichkeit in den
Jugendfreiwilligendiensten sowie im BFD für Personen vor Vollendung des
27. Lebensjahres und zur Umsetzung weiterer Änderungen
(Freiwilligen-Teilzeitgesetz) weiter fortgesetzt?
g) Wann, und in welcher Form soll der Internationale
Jugendfreiwilligendienst konkret gestärkt werden?
18. Wie will die Bundesregierung, wie im Koalitionsvertrag angekündigt, die
überjährige Finanzierung sicherstellen?
19. Wie stellt sich die Bundesregierung die konkrete Ausgestaltung des im
Koalitionsvertrag angekündigten Freiwilligendienstes Bevölkerungsschutz
vor, insbesondere im Hinblick auf die geplante Integration von
Modellprojekten eines freiwilligen Handwerksjahres in Zusammenarbeit mit den
Handwerkskammern?
20. Welche Zielgruppen, Einsatzbereiche und Rahmenbedingungen (z. B.
Dauer, Vergütung, Anerkennung) sind für den Freiwilligendienst
Bevölkerungsschutz geplant, und inwiefern soll sich dieser von bestehenden
Freiwilligendiensten unterscheiden?
Berlin, den 3. September 2025
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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