Zahlen von Freiwilligendiensten und die Auswirkungen geplanter Haushaltskürzungen (Antwort zu Drs. 21/1526)
Text
Zahlen von Freiwilligendiensten und die Auswirkungen geplanter Haushaltskürzungen (Antwort zu Drs. 21/1526)
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/1814
21. Wahlperiode 23.09.2025
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Mandy Eißing, Nicole Gohlke,
Dr. Michael Arndt, weiterer Abgeordneter und der Fraktion Die Linke
– Drucksache 21/1526 –
Zahlen von Freiwilligendiensten und die Auswirkungen geplanter
Haushaltskürzungen
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Rund 55 000 Jugendliche und junge Erwachsene bis zum Alter von 27 Jahren
absolvieren jährlich nach ihrem Schulabschluss einen
Jugendfreiwilligendienst – darunter das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ), das Freiwillige
Ökologische Jahr (FÖJ) sowie den Internationalen Jugendfreiwilligendienst (IJFD).
Diese Programme ermöglichen jungen Menschen über einen Zeitraum von
sechs bis 18 Monaten ein gesellschaftliches Engagement in sozialen,
ökologischen oder kulturellen Einrichtungen und leisten zugleich einen Beitrag zur
persönlichen und beruflichen Orientierung. Ergänzt werden sie seit 2011
durch den Bundesfreiwilligendienst (BFD), der nach Aussetzung der
Wehrpflicht eingeführt wurde und allen Altersgruppen offensteht. Ziel ist es,
bürgerschaftliches Engagement zu fördern, insbesondere im sozialen,
ökologischen und kulturellen Bereich, in der Integration sowie im Zivil- und
Katastrophenschutz. In der Praxis zeigt sich, dass Freiwillige im BFD teilweise
Tätigkeiten übernehmen, die sich nicht immer klar von regulären
Arbeitsverhältnissen abgrenzen lassen – was mitunter zu Diskussionen über eine mögliche
Substitution von Arbeitsplätzen und über Lohndumping führt.
Trotz der von der Bundesregierung im Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU
und SPD angekündigten Verbesserungen – etwa der Erhöhung des
Taschengeldes und dem Ausbau von Plätzen und Strukturen – sieht der aktuelle
Haushaltsentwurf keine entsprechende Aufstockung vor. Stattdessen plant die
Bundesregierung gravierende Kürzungen. Der Kabinettsentwurf für den
Bundeshaushalt 2025 sieht vor, die Mittel für die Freiwilligendienste um rund 14
Prozent und somit um 17 Mio. Euro zu kürzen (vgl. Kapitel 17 03, Titelgruppe
„Freiwilligendienste“).
Diese Kürzungen gefährden die Verlässlichkeit und den Bestand der
Freiwilligendienste erheblich. Bereits heute besteht ein Mangel an verfügbaren
Plätzen – der Abbau droht diesen weiter zu verschärfen. Gleichzeitig wird in
politischen Debatten ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr ins Spiel gebracht –
dessen Umsetzung jedoch weitaus höhere Kosten verursachen würde als die
bestehenden Freiwilligendienste (vgl. www.ifo.de/DocDL/ifo_Forschungsberi
cht_144_Wiedereinfuehrung-Wehrpflicht.pdf).
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren,
Frauen und Jugend vom 23. September 2025 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
1. Wie viele Freiwilligenplätze gibt es aktuell?
Die konkreten, verfügbaren Zahlen für die Jugendfreiwilligendienste (JFD)
sind dem Open-Data-Auftritt des Bundesministeriums für Bildung, Familie,
Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) unter dem Link: https://daten.bmbfsfj.b
und.de/daten zu entnehmen. Im entsprechenden Suchfeld kann nach einem
Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ), Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ) oder
Internationalen Jugendfreiwilligendienst (IJFD) differenziert werden.
Im Bundesfreiwilligendienst (BFD) können im Jahr 2025 rund 35 870 BFD-
Vereinbarungen mit einer Laufzeit von einem Jahr abgeschlossen werden.
2. Wie viele Personen (Frauen, Männer, Divers) leisten aktuell einen
Freiwilligendienst (bitte nach Freiwilligendienst, Bundesland bzw. Ausland,
Geschlecht und Alter aufschlüsseln)?
Die Daten können den nachfolgenden Links zu den entsprechenden Statistiken
entnommen werden:
BFD: www.bundesfreiwilligendienst.de/fileadmin/de.bundesfreiwilligendienst/
content.de/Service_Menue_Kopf/Presse/Statistiken/BFD_Statistik_08_202
5.pdf
FSJ: https://daten.bmbfsfj.bund.de/resource/blob/258256/b7c8a968aedf1ee18d
db5da2d7089e31/2024-2025-auflistung-fsj-data.xlsx
FÖJ: https://daten.bmbfsfj.bund.de/resource/blob/257894/a80c2d5258667d4c6
69bae65702c44c5/2024-2025-foej-auflistung-gesamt-data.xlsx
IJFD:
https://daten.bmbfsfj.bund.de/daten/daten/internationaler-jugendfreiwilligendie
nst--137026.
3. Wie viele Personen (Frauen, Männer, Divers) leisteten 2023 und 2024
Bundesfreiwilligendienst oder einen sogenannten freiwilligen
Wehrdienst im Heimatschutz (bitte nach Jahren, Bundesländern, Geschlecht
und Alter aufschlüsseln)?
Die Daten können den nachfolgenden Links zu den entsprechenden Statistiken
entnommen werden:
www.bundesfreiwilligendienst.de/fileadmin/de.bundesfreiwilligendienst/conten
t.de/Service_Menue_Kopf/Presse/Statistiken/OEFF_BFD_Statistik_2023.pdf
www.bundesfreiwilligendienst.de/fileadmin/de.bundesfreiwilligendienst/conten
t.de/Service_Menue_Kopf/Presse/Statistiken/OEFF_BFD_Statistik_2024.pdf.
Die Angaben zum freiwilligen Wehrdienst können nachfolgender tabellarischer
Aufstellung entnommen werden.
Alter 2023 2024
männlich weiblich männlich weiblich
Baden-Württemberg 17–21 124 13 48 9
22–26 9 1 11 1
27–31 6 1 1 1
32–36 1 0 0 0
37–41 0 1 0 0
Alter 2023 2024
männlich weiblich männlich weiblich
Bayern 17–21 205 18 124 15
22–26 32 3 24 3
27–31 10 0 7 1
32–36 2 0 1 2
37–41 1 0 0 0
52–56 1 0 0 0
Berlin 17–21 100 10 38 9
22–26 10 2 6 0
27–31 3 0 1 0
37–41 1 0 1 0
Brandenburg 17–21 18 3 5 0
22–26 3 1 3 0
27–31 1 0 0 0
Bremen 17–21 0 0 3 0
22–26 0 0 0 1
Hessen 17–21 0 0 2 0
Mecklenburg-Vorpommern 17–21 5 0 4 0
22–26 2 0 0 0
Niedersachsen 17–21 45 6 143 21
22–26 4 2 37 2
27–31 2 0 6 1
32–36 0 0 4 0
37–41 1 0 0 0
42–46 0 0 1 0
52–56 0 0 2 0
Nordrhein-Westfalen 17–21 32 4 14 2
22–26 6 1 2 0
52–56 0 0 1 0
Rheinland-Pfalz 17–21 14 2 21 5
22–26 1 0 3 1
32–36 0 0 1 0
Saarland 17–21 1 0 4 0
22–26 0 0 2 0
Sachsen 17–21 0 0 1 0
Sachsen-Anhalt 17–21 36 4 11 1
22–26 3 0 0 0
27–31 1 0 0 0
37–41 0 1 0 0
Schleswig-Holstein 17–21 28 4 13 1
22–26 5 1 2 0
27–31 1 0 0 0
32–36 1 0 0 0
57–62 0 1 0 0
Thüringen 17–21 10 1 9 0
22–26 1 1 1 0
gesamt 726 81 557 76
Im Freiwilligen Wehrdienst im Heimatschutz haben keine Personen mit dem
Geschlechtseintrag divers ihren Dienst geleistet.
4. Wie viele Personen (Frauen, Männer, Divers) leisteten zwischen Januar
und September 2025 einen Bundesfreiwilligendienst oder einen
sogenannten freiwilligen Wehrdienst im Heimatschutz (bitte nach Monat,
Bundesland, Geschlecht und Alter aufschlüsseln), und wie entwickelte
sich seit 2023 der Anteil der über 27-Jährigen, die
Bundesfreiwilligendienst oder einen sogenannten freiwilligen Wehrdienst im Heimatschutz
leisteten (bitte nach Jahren, Altersgruppen über und unter 27 Jahren,
Bundesländern sowie nach Geschlecht aufschlüsseln)?
5. Wie entwickelte sich zwischen Januar und August 2025 der Anteil der
über 27-Jährigen, die Bundesfreiwilligendienst oder einen sogenannten
freiwilligen Wehrdienst im Heimatschutz leisteten (bitte nach Monat,
Altersgruppen über und unter 27 Jahren, Bundesländern sowie nach
Geschlecht aufschlüsseln)?
Die Fragen 4 und 5 werden gemeinsam beantwortet.
Die Daten können dem nachfolgenden Link zu der entsprechenden Statistik
entnommen werden: www.bundesfreiwilligendienst.de/fileadmin/de.bundesfrei
willigendienst/content.de/Service_Menue_Kopf/Presse/Statistiken/BFD_Statist
ik_08_2025.pdf.
Die Statistik für September 2025 liegt noch nicht vor.
Der Anteil der Personen, die 27 Jahre und älter sind, ist seit 2023 auf
gleichbleibendem Niveau. Es wird daher auf die Verteilung nach den Altersgruppen
aus der oben genannten Statistik verwiesen.
Das Modell „Dein Jahr für Deutschland“ – Freiwilliger Wehrdienst im
Heimatschutz wurde zum 30. Juni 2025 eingestellt. Die letzten Einstellungen erfolgten
im April 2025.
Die Angaben zum freiwilligen Wehrdienst können nachfolgenden
tabellarischen Aufstellungen entnommen werden.
Alter 2025
Jan Feb Mrz Apr
männlich weiblich männlich männlich männlich weiblich
Baden-Württemberg 17–21 4 0 0 0 2 0
22–26 0 0 0 0 1 0
27–31 1 0 0 0 1 0
Bayern 17–21 45 6 0 3 18 2
22–26 7 1 0 0 7 0
27–31 1 0 0 1 1 0
32–36 1 0 0 0 1 0
37–41 0 0 0 0 1 0
52–56 0 0 0 0 1 0
57–62 0 0 0 0 1 0
Hessen 17–21 1 0 0 0 0 0
Niedersachsen 17–21 48 3 0 0 18 1
22–26 6 0 0 0 10 0
27–31 3 0 0 0 1 0
32–36 1 0 0 0 0 0
37–41 1 0 0 0 0 0
Rheinland-Pfalz 17–21 9 0 2 0 5 0
22–26 3 1 1 0 1 0
Alter 2025
Jan Feb Mrz Apr
männlich weiblich männlich männlich männlich weiblich
Schleswig-Holstein 17–21 17 2 0 0 1 0
22–26 3 1 0 0 0 0
27–31 1 0 0 0 1 0
37–41 1 0 0 0 0 0
Thüringen 17–21 0 0 0 0 3 0
22–26 0 0 0 0 1 1
42–46 0 0 0 0 1 1
gesamt 153 14 3 4 76 5
Im Übrigen wird auf die Antwort zu Frage 3 verwiesen.
6. Sind der Bundesregierung Fälle bekannt, in denen die
Arbeitsmarktneutralität in den Freiwilligendiensten nicht eingehalten wurde, wenn ja, wie
viele Fälle sind bekannt, und welche Maßnahmen wurden ergriffen?
Der Bundesregierung liegen keine statistischen Daten zu Verstößen gegen die
Arbeitsmarktneutralität vor.
7. Wie viele Arbeitsuchende leisteten seit 2023 Bundesfreiwilligendienst
oder einen sogenannten freiwilligen Wehrdienst im Heimatschutz (bitte
nach Jahr, Geschlecht, Altersgruppen über und unter 27 Jahren sowie
Bundesländern aufschlüsseln)?
Das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA)
erhebt im BFD die Variable „Arbeitsuchende“ nicht.
Die Angaben zum freiwilligen Wehrdienst können nachfolgender tabellarischer
Aufstellung entnommen werden.
männlich weiblich
unter 27 Jahre 27 Jahre und älter unter 27 Jahre 27 Jahre und älter
2023 2024 2025 2023 2024 2025 2023 2024 2025 2023
Baden-
Württemberg
83 32 4 2 1 1 7 4 0 1
Bayern 75 62 26 2 5 0 5 8 4 0
Berlin 64 38 0 2 1 0 7 9 0 0
Brandenburg 15 3 0 1 0 0 2 0 0 0
Bremen 0 3 0 0 0 0 0 1 0 0
Hessen 0 1 1 0 0 0 0 0 0 0
Niedersachsen 13 37 2 1 3 0 1 2 0 0
Nordrhein-
Westfalen
24 4 0 0 1 0 4 1 0 0
Rheinland-Pfalz 14 22 11 0 1 0 2 5 1 0
Saarland 1 4 0 0 0 0 0 0 0 0
Sachsen-Anhalt 1 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Schleswig-
Holstein
28 13 0 2 0 0 5 1 0 0
Thüringen 8 5 0 0 0 0 2 0 0 0
gesamt 326 224 44 10 12 1 35 31 5 1
8. Welchen Bildungsabschluss hatten die
Bundesfreiwilligendienstleistenden seit 2023 (bitte nach Jahr und jeweiligem Anteil von Haupt- bzw.
Volksschulabschluss, Abschluss der polytechnischen Oberschule,
Realschul- oder gleichwertiger Abschluss, Fachhochschul- oder
Hochschulreife, ohne allgemeinen Schulabschluss, ohne Angabe zur Art des
Abschlusses sowie nach Bundesländern aufschlüsseln)?
Das BAFzA erhebt im BFD nicht die jeweiligen Schulabschlüsse.
9. Wie viele der aktuell rund 110 000 Freiwilligenplätze würden durch die
Haushaltskürzungen in den Bundesländern und im Ausland wegfallen
(bitte jeweils nach Jahr, Bundesland bzw. Ausland, Anzahl der
bestehenden und wegfallenden Freiwilligen- bzw. Bundesfreiwilligenplätze
auflisten)?
11. Mit welchen Auswirkungen auf die Träger der Freiwilligendienste
aufgrund der Haushaltskürzungen rechnet die Bundesregierung?
Die Fragen 9 und 11 werden gemeinsam beantwortet.
Die Zentralstellen des FSJ verteilen ihre Förderbudgets in eigener
Verantwortung auf die ihnen angeschlossenen Träger und Einsatzstellen.
Im BFD kann mit den für 2025 und die Folgejahre verfügbaren
Haushaltsmitteln allen Zentralstellen der Mittelbedarf mindestens in der Höhe abgedeckt
werden, die dem Verbrauch im Jahr 2024 entspricht.
10. Welche Auswirkungen wird die Einführung eines verpflichtenden
Gesellschaftsjahrs nach Einschätzung der Bundesregierung auf die
Freiwilligendienste haben?
a) Welche finanziellen Ressourcen plant die Bundesregierung für das
verpflichtende Gesellschaftsjahr ein, und aus welchen Haushaltstiteln
soll diese Förderung erfolgen?
b) Wie begründet die Bundesregierung die Notwendigkeit eines
verpflichtenden Gesellschaftsjahrs bei einer bereits existierenden
Möglichkeit der Absolvierung eines Freiwilligendienstes?
Die Fragen 10 bis 10b werden gemeinsam beantwortet.
Die Einführung eines verpflichtenden Gesellschaftsjahres ist im
Koalitionsvertrag nicht vorgesehen.
12. Fanden im Vorfeld der Erarbeitung der Kürzungspläne für 2025 darüber
Beratungen mit Trägern der Freiwilligendienste statt, wenn ja, welche
(bitte entsprechend nach Beteiligten und Datum aufführen), und wie
waren die Reaktionen?
Das BMBFSFJ ist mit allen Freiwilligendienstakteuren in einem regelmäßigen
Austausch. Hierbei werden auch Aspekte der Haushaltsmittelentwicklung und
-nutzung diskutiert.
13. Womit begründet die Bundesregierung die Mittelkürzungen, vor dem
Hintergrund, dass die Freiwilligendienste durch Demokratiebildung und
gelebte Inklusion einen wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen
Zusammenhalt und gegen extremistische Tendenzen und Ausgrenzung leisten?
14. Sieht die Bundesregierung einen Widerspruch in der Ankündigung im
Koalitionsvertrag, Plätze und Strukturen sukzessive ausbauen sowie das
Taschengeld erhöhen zu wollen, und den anstehenden Mittelkürzungen
im Haushalt 2025, wenn ja, wie sollen neue Stellen geschaffen und
Taschengeld erhöht werden trotz der massiven Einsparungen, und wenn
nein, warum nicht?
Die Fragen 13 und 14 werden gemeinsam beantwortet.
Im 2. Regierungsentwurf für das Jahr 2025 hätten Erhöhungen in den Titeln der
Freiwilligendienste nicht mehr zu zusätzlichen Plätzen geführt, weil mit diesen
Geldern nur der bereits seit letztem Sommer laufende Freiwilligenjahrgang
2024/2025 sowie der seit Monaten von allen Akteuren vorbereitete und
ausfinanzierte jetzige Freiwilligendienstjahrgang 2025/2026 bezahlt werden.
Erhöhungen sind erst mit Blick auf den Regierungsentwurf für 2026 und die
Finanzplanung 2027 bis 2029 zielführend.
Im nunmehr vorliegenden Regierungsentwurf für das Jahr 2026 sowie in der
mittelfristigen Finanzplanung 2027 bis 2029 wurden die Titelansätze für den
BFD und die JFD um jährlich insgesamt 25 Mio. Euro erhöht und damit eine
mehrjährige Planung für die Freiwilligendienstakteure ermöglicht.
15. Findet nach wie vor der mit Wirkung vom 1. September 2023 eingesetzte
Betreuungsschlüssel von nunmehr einer Fachkraft für 30 bis 40
Freiwillige (Korridor) Anwendung, und liegen der Bundesregierung Erkenntnisse
darüber vor, inwieweit der abgesenkte Betreuungsschlüssel in der Praxis
Anwendung findet und zu einer Verbesserung der Betreuungsqualität
geführt hat (vgl. Bundestagsdrucksache 20/8512)?
Nach Rückmeldung der Freiwilligendienst-Akteure wird dieser erfolgreich
angewendet.
16. Wie stellt die Bundesregierung sicher, dass in Zukunft
Freiwilligendienste überjährig finanziert werden und somit Träger nicht mehr in
Planungsunsicherheit geraten?
18. Wie will die Bundesregierung, wie im Koalitionsvertrag angekündigt, die
überjährige Finanzierung sicherstellen?
Die Fragen 16 und 18 werden gemeinsam beantwortet.
Um die Unsicherheit, die aus jährlich schwankenden Etatwerten resultiert, zu
beseitigen, sieht der Koalitionsvertrag für die laufende Legislaturperiode eine
Sicherung der Überjährigkeit der Finanzierung vor. Diese „überjährige
Sicherung der Finanzierung“ wird durch die erhöhten Etatansätze 2026 und die
durchgeschriebenen Finanzplanwerte 2027 bis 2029 eingelöst.
17. Wie will und wird die Bundesregierung die im Koalitionsvertrag
vereinbarten Ziele zur Stärkung der Freiwilligendienste umsetzen?
Auf die Antwort zu Frage 13 wird verwiesen.
a) Wie soll die europäische und internationale Jugendarbeit, insbesondere
für Auszubildende, konkret gestärkt werden?
Die internationale Mobilität von Auszubildenden in der beruflichen Bildung ist
der Bundesregierung ein wichtiges Anliegen. Deshalb fördert die
Bundesregierung nationale Mobilitätsprogramme wie z. B. „AusbildungWeltweit“, die das
europäische Mobilitätsprogramm Erasmus+ ergänzen. Zur Stärkung der
internationalen Mobilität von Auszubildenden werden zudem Mittel für die
programmübergreifende Beratung, Information und Vernetzung eingesetzt.
Im Rahmen der aktuell beginnenden Verhandlungen über das EU-Programm
Erasmus 2028ff wird sich die Bundesregierung auch für eine angemessene
Berücksichtigung der Berufsbildung einsetzen.
So setzt sie sich für eine Stärkung des EU-Programms Erasmus+ für allgemeine
und berufliche Bildung, Jugend und Sport sowie eine Verbesserung des
Programmzugangs ein. Entsprechend dem Vorschlag der Europäischen
Kommission vom 17. Juli 2025 wird das aktuell noch eigenständige EU-Programm
Europäisches Solidaritätskorps mit seinen verschiedenen
Freiwilligendienstangeboten in Erasmus+ integriert werden.
b) Wann, und in welchem Umfang werden die Plätze in den
Freiwilligendiensten nachfragegerecht ausgebaut (bitte entsprechend für FSJ, FÖJ,
IJFD und BFD aufschlüsseln)?
Die Freiwilligendienste sind mit Beginn der aktuellen Legislaturperiode wieder
mit einer mehrjährigen Planungssicherheit ausgestattet. Wie viele Plätze genau
mit den nunmehr in Aussicht stehenden Mitteln insbesondere ab 2026
finanziert werden können, hängt von vielen jedes Jahr neu zu kalkulierenden
Parametern ab, die zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht feststehen, sondern
erfahrungsgemäß immer erst zum Jahresbeginn des konkreten Haushaltsjahres
absehbar sind. Die Bundesregierung befindet sich im engen Austausch mit den
Zentralstellen und allen weiteren Akteurinnen und Akteuren der
Freiwilligendienste zur Klärung, wie diese Gelder in möglichst viele und trotzdem
qualitativ attraktive Plätze im FSJ, FÖJ, BFD und IJFD investiert werden können.
c) Wann, und in welcher Höhe plant die Bundesregierung die Erhöhung
des Taschengeldes in den Freiwilligendiensten, um das im
Koalitionsvertrag formulierte Ziel zu erreichen, Jugendlichen eine Teilnahme
unabhängig vom Geldbeutel der Eltern zu ermöglichen?
Für einen höheren Bundes-Zuschuss zum Taschengeld (der nur im BFD
möglich wäre, in den JFD beschränkt sich die Bundeszuständigkeit auf den
Zuschuss zur pädagogischen Begleitung) wäre eine massive zusätzliche Erhöhung
der Haushaltsansätze notwendig. Politische Maßnahmen im Sinne der
Fragestellung sind Gegenstand laufender Beratungen.
d) Wird die Bundesregierung initiativ werden, damit das Taschengeld
beim Freiwilligendienst nicht mehr auf den Unterhalt angerechnet
wird?
Politische Maßnahmen im Sinne der Fragestellung sind Gegenstand laufender
Beratungen innerhalb der Bundesregierung.
e) Wird die Bundesregierung den kostenlosen Erhalt von Deutschland-
Tickets für Freiwillige ermöglichen, wenn ja, ab wann, und wenn nein,
warum nicht?
Im Jahr 2021 wurde der Bundeszuschuss zum Taschengeld um 50 Euro
monatlich erhöht. Dies soll den BFD-Einsatzstellen eine höhere Taschengeldzahlung
an die Freiwilligen für den Erwerb eines ÖPNV-Tickets ermöglichen.
f) Wird die Bundesregierung sich für eine Verbesserung der
Teilzeitmöglichkeiten einsetzen, und hat sie dafür die von ihrer
Vorgängerregierung geführten Länder- und Verbändebeteiligung für den Entwurf
eines Gesetzes zur Erweiterung der Teilzeitmöglichkeit in den
Jugendfreiwilligendiensten sowie im BFD für Personen vor Vollendung des
27. Lebensjahres und zur Umsetzung weiterer Änderungen
(Freiwilligen-Teilzeitgesetz) weiter fortgesetzt?
Das Gesetz zur Erweiterung der Teilzeitmöglichkeit in den JFD sowie im
Bundesfreiwilligendienst für Personen vor Vollendung des 27. Lebensjahres und
zur Umsetzung weiterer Änderungen (Freiwilligen-Teilzeitgesetz) ist am
29. Mai 2024 in Kraft getreten (BGBl. 2024 I Nr. 170). Damit wurden die
Teilzeitmöglichkeiten für Freiwilligendienstleistende deutlich vereinfacht und
erweitert. Die im Rahmen dieses Gesetzgebungsverfahrens durchgeführte
Länder- und Verbändebeteiligung wurde regulär abgeschlossen.
g) Wann, und in welcher Form soll der Internationale
Jugendfreiwilligendienst konkret gestärkt werden?
Zur fachlichen Stärkung und Qualitätssicherung im IJFD finden kontinuierlich
und regelmäßig Gespräche mit allen zentralen Akteuren im IJFD statt. Dabei
stehen auch Maßnahmen zur inhaltlichen Weiterentwicklung des
Freiwilligendienstes im Mittelpunkt, wie etwa Strategien zur Diversifizierung des
Teilnehmendenkreises, Maßnahmen zur Verwaltungsverschlankung sowie die
Digitalisierung von zuwendungsrechtlichen Verfahren.
19. Wie stellt sich die Bundesregierung die konkrete Ausgestaltung des im
Koalitionsvertrag angekündigten Freiwilligendienstes
Bevölkerungsschutz vor, insbesondere im Hinblick auf die geplante Integration von
Modellprojekten eines freiwilligen Handwerksjahres in Zusammenarbeit
mit den Handwerkskammern?
20. Welche Zielgruppen, Einsatzbereiche und Rahmenbedingungen (z. B.
Dauer, Vergütung, Anerkennung) sind für den Freiwilligendienst
Bevölkerungsschutz geplant, und inwiefern soll sich dieser von bestehenden
Freiwilligendiensten unterscheiden?
Die Fragen 19 und 20 werden gemeinsam beantwortet.
Die Bundesregierung prüft aktuell, mit welcher Konzeption das im
Koalitionsvertrag zum Ausdruck gebrachte politische Anliegen am besten umgesetzt
werden kann.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
Relationen
- answered_by → Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend
- authored ← Bundesregierung
- part_of_vorgang → Zahlen von Freiwilligendiensten und die Auswirkungen geplanter Haushaltskürzungen (Antwort)