Die Sonne ihren Job machen lassen - Für ein zukunftsfestes Netzpaket und Erneuerbare-Energien-Gesetz
Text
Die Sonne ihren Job machen lassen - Für ein zukunftsfestes Netzpaket und Erneuerbare-Energien-Gesetz
Antrag
der Abgeordneten Dr. Alaa Alhamwi, Katrin Uhlig, Michael Kellner, Dr. Julia
Verlinden, Dr. Sandra Detzer, Julian Joswig, Sandra Stein, Lisa Badum,
Swantje Henrike Michaelsen, Claudia Müller, Stefan Schmidt, Julia Schneider
und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Die Sonne ihren Job machen lassen – Für ein zukunftsfestes Netzpaket und
Erneuerbare-Energien-Gesetz
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Der Ausbau der erneuerbaren Energie ist nach vielen Jahren des Stillstands endlich
wieder auf dem richtigen Weg. Doch jetzt folgt ein Schlag nach dem nächsten gegen
die Freiheitsenergien. Die bekannt gewordenen Vorschläge zu einer EEG-Novelle,
dem Netzpaket und den Eckpunkten zum Gebäudemodernisierungsgesetz sprechen die
gleiche Sprache: Schluss mit Klimaschutz, Schluss mit dem Ausbau der Erneuerbaren,
die fossilen Energien kriegen eine unbegrenzte Nachspielzeit.
Die Bundesregierung aus CDU, CSU und SPD lässt die Menschen erst mit der Luxus-
Gas-Quote in die Kostenfalle fossiler Gasheizungen laufen und attackiert dann mit
ihrem Vorschlag einer Solarkiller-EEG-Novelle auch die Versorgung mit günstigem
Solarstrom. Millionen Menschen spüren bereits die Unabhängigkeit, die ihnen die
Solaranlage auf dem eigenen Dach gibt, Millionen mehr sollen diese Chance nun nicht mehr
bekommen. Dabei stellt die Solarenergie gerade in Süddeutschland einen großen Teil
des Erneuerbaren-Ausbaus, für viele ist sie der Einstieg in die Klimaneutralität. Ob auf
dem Scheunendach der Bauern, beim Handwerkerbetrieb oder der Doppelhaushälfte –
es soll maximal bürokratisch und unattraktiv werden, Solaranlagen auf dem Dach zu
installieren.
Der Netzausbau ist eine tragende Säule der Energiewende und muss entschlossen
vorangebracht werden. Nur ein Stromsystem mit einem digitalen Stromnetz, das
konsequent auf ein System mit 100 % erneuerbaren Energien ausgerichtet wird, kann den
Kostenvorteil der Erneuerbaren voll ausschöpfen. Der bekannt gewordene Entwurf
zum sogenannten „Netzpaket“ aus dem BMWE läuft diesem komplett entgegen.
Zudem ist er potenziell europarechtswidrig (https://background.tagesspiegel.de/energie-
und-klima/briefing/netzpaket-faellt-bei-eu-rechtspruefern-durch), zerstört durch den
pauschalen Redispatch-Vorbehalt die Finanzierungsgrundlage des Ausbaus der
erneuerbaren Energien, schafft zusätzliche Hürden beim Netzanschluss und entlässt
Verteilnetzbetreiber aus ihrer Verantwortung, die Stromnetze zukunftsfähig zu machen –
gerade in einer Phase, in der sie besonders gefordert sind. Fakt ist, dass ein drohender
bürokratischer Wildwuchs von etwa 850 unterschiedlichen Regelungen in den
verschiedenen Netzgebieten nicht zielführend ist.
Deutscher Bundestag Drucksache 21/4457
21. Wahlperiode 03.03.2026
Der Schlüssel liegt deshalb in einem ambitionierten Ausbau der erneuerbaren Energien
und der Netze, ihrer Digitalisierung sowie in der verbesserten Nutzung von
Speichertechnologien. Erneuerbare Energien und die Energiewende insgesamt sind
wirtschaftsfördernd und können ein zentraler Standortvorteil sein, zugleich sind sie ein eigener
Wirtschaftszweig, der inzwischen bereits halb so viele Menschen beschäftigt wie die
Automobilindustrie.
Fossile Gaskraftwerke beeinflussen den Strompreis noch immer stark und tragen zu
höheren Stromkosten bei, weil sie den Börsenstrompreis regelmäßig bestimmen.
Deshalb darf beim Ausbau der erneuerbaren Energien nicht nachgelassen werden: Wenn
Solar-, Wind- und andere erneuerbare Energien sowie Speicher konsequent ausgebaut
werden, kann künftig günstiger erneuerbarer Strom den Börsenpreis bestimmen.
Davon profitieren alle – von privaten Haushalten bis zu Unternehmen – langfristig durch
niedrigere Stromkosten.
Die Bundesministerin Katherina Reiche plant offensichtlich eine deutliche
Verzögerung der Energiewende und schafft erhebliche Planungs- und Investitionsunsicherheit.
Damit sinken die Chancen auf günstigeren Strom, während die Abhängigkeit von
fossilen Energieimporten steigt und so der Wirtschaftsstandort Deutschland geschwächt
wird. Statt Vorhaben, die den Ausbau der Erneuerbaren ausbremsen – der Abschaffung
wirtschaftlicher Betriebsmöglichkeiten, der Einführung prohibitiver Bürokratie für
Dachsolar, das Aushebeln des erneuerbaren Einspeisevorrangs, zusätzliche Hürden
beim Netzanschluss und die Privilegierung fossiler Großprojekte –, braucht es jetzt
entschlossenes Handeln. Nur so kann unsere Energieversorgung perspektivisch in
einem 100 %-erneuerbaren-Energiesystem verlässlich, bezahlbar, souverän und
klimafreundlich aufgestellt werden.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
1. die Einspeisevergütung für Photovoltaik-Aufdachanlagen beizubehalten und auf
die Einführung unnötiger bürokratischer Hürden zu verzichten, um damit das
Recht auf sauberen Solarstrom für die Menschen in Deutschland zu sichern;
2. für alle Arten von Solardachanlagen eine angemessene Förderung zu erhalten, so
dass weiterhin Landwirt*innen, Handwerkende und Gewerbetreibende und die
Bürger*innen ihren Stromverbrauch erneuerbar decken können;
3. den zentralen Baustein des Erneuerbare-Energien-Gesetzes, wonach
Erneuerbare-Energien-Anlagen unverzüglich und vorrangig angeschlossen werden
müssen und vorrangig einspeisen, zu erhalten und damit insbesondere Bürgerinnen
und Bürgern einen raschen Anschluss ihrer Anlagen zu ermöglichen;
4. allen Bürgerinnen und Bürgern, die an der Energiewende teilhaben möchten, ein
Recht auf Solar einzuräumen und hierfür unter anderem Konzepte wie Energy
Sharing, Mieter*innenstrommodelle sowie die Gemeinschaftliche
Gebäudeversorgung zu stärken und auszubauen. Haushalte und Betriebe sollen mit einem
Solarbonus direkt von der günstigen Solarenergie profitieren, indem sie bis zu 600
Stunden im Jahr unbürokratisch und kostenlos Strom erhalten;
5. den Roll-out von Smart Metern zu beschleunigen, sodass alle Haushalte über ein
solches Gerät verfügen können und damit Zugang zu räumlich und zeitlich
differenzierten Tarifen erhalten;
6. eine bessere Vergütung für gewerbliche Photovoltaikanlagen und besondere
Solaranlage wie Agri-PV, wie sie das Solarpaket I vorsieht, tatsächlich umzusetzen
und sich zu diesem Zweck stärker für eine beihilferechtliche Genehmigung durch
die Europäische Kommission einzusetzen;
7. noch in diesem Jahr eine Sonderausschreibung für Windenergie an Land von
zusätzlichen 5 Gigawatt durchzuführen und ab 2027 die Ausschreibungsmengen für
Windenergie an Land dauerhaft von 10 auf 15 Gigawatt anzuheben;
8. Regelungen zu schaffen, die Netzbetreiber verpflichten, grundlegende Verfahren
für den Netzausbau zu standardisieren, zu entbürokratisieren und zu
vereinheitlichen;
9. bundesweit alle relevanten Prozesse und technische Anforderungen hinsichtlich
des Netzanschlusses nach klaren politischen Vorgaben zu standardisieren;
10. von speicherhemmenden Regelungen Abstand zu nehmen und einen
bürokratiearmen, praxisnahen Ordnungsrahmen zu schaffen, der eine schnelle und
unkomplizierte Integration von Speichern in das Stromsystem ermöglicht und
sicherzustellen, dass Stromspeicher bei der Vergabe von Netzanschlüssen nicht
nachrangig behandelt werden;
11. einen Rahmen zu schaffen, in dem sich Speicher an Preissignalen der Strombörse
sowie an regionalen Netzgegebenheiten orientieren müssen. Speicher sind durch
ein ergänzendes Netz-Preissignal neben dem Marktpreissignal systemdienlich zu
steuern, um Netzengpässe zu vermeiden, und der dafür notwendige digitale
Netzausbau ist mit hoher Priorität zu beschleunigen;
12. die Stromsteuer für ausnahmslos alle auf das europäische Mindestmaß zu senken.
Berlin, den 3. März 2026
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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