Unabhängigkeit der Justiz in Deutschland im Lichte der Gemeinsamen Erklärung der deutschsprachigen Justizminister vom 15. September 2026
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Unabhängigkeit der Justiz in Deutschland im Lichte der Gemeinsamen Erklärung der deutschsprachigen Justizminister vom 15. September 2026
Deutscher Bundestag Drucksache 21/8083
21. Wahlperiode 21.09.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Stephan Brandner, Peter Bonhof, Ulrich von Zons, Stefan
Möller, Gereon Bollmann, Rainer Galla, Thomas Fetsch, Martina Kempf, Knuth
Meyer-Soltau, Dr. Christoph Birghan und der Fraktion der AfD
Unabhängigkeit der Justiz in Deutschland im Lichte der Gemeinsamen Erklärung
der deutschsprachigen Justizminister vom 15. September 2026
Am 15. September 2026 haben die Justizminister Deutschlands, Liechtensteins,
Luxemburgs, Österreichs und der Schweiz in Berlin eine Gemeinsame
Erklärung zur Unabhängigkeit der nationalen und internationalen Justiz abgegeben.
Darin bekräftigen sie, dass eine unabhängige Justiz „Garantin von Freiheit und
Rechtssicherheit“ sei (vgl. www.bmjv.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2
026/0915_Treffen_deutschsprachige_JMK.html). Nach Auffassung der
Fragesteller wirft diese Erklärung mit Blick auf die innerstaatliche Rechtslage in
Deutschland Fragen der Glaubwürdigkeit auf. Der Gerichtshof der
Europäischen Union hat bereits mit Urteil vom 27. Mai 2019 (Rechtssache C‑508/18)
festgestellt, dass deutsche Staatsanwaltschaften aufgrund des Weisungsrechts
der Landesjustizminister (§§ 146, 147 des Gerichtsverfassungsgesetzes) keine
hinreichende Gewähr für Unabhängigkeit gegenüber der Exekutive bieten, um
als „ausstellende Justizbehörde“ für einen Europäischen Haftbefehl zu gelten.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche konkreten innerstaatlichen Konsequenzen zieht die
Bundesregierung aus der Gemeinsamen Erklärung der deutschsprachigen
Justizministerinnen und Justizminister vom 15. September 2026?
2. Welche Rolle spielten Fragen der Resilienz der Justiz bei dem Treffen
konkret, und welche Maßnahmen wurden hierzu vereinbart oder diskutiert?
3. Hält die Bundesregierung den in der Gemeinsamen Erklärung erhobenen
Anspruch, eine unabhängige Justiz sei „Garantin von Freiheit und
Rechtssicherheit“, für innerstaatlich durch die tatsächliche Verfassungspraxis
gedeckt, wenn anders als im klassischen Modell strikter Gewaltenteilung eine
weitreichende Verschränkung statt Trennung der Staatsgewalten besteht
(vgl. Vorbemerkung der Fragesteller; www.bmjv.de/DE/rechtsstaat_kompa
kt/rechtsstaat_grundlagen/gewaltenteilung/gewaltenteilung_artikel.html),
und wie begründet sie ihre Ansicht?
4. Sieht die Bundesregierung angesichts des sinkenden Vertrauens der
Bevölkerung in das Bundesverfassungsgericht die Notwendigkeit, das
Wahlverfahren zu reformieren, wie es aktuell die ehemalige Verfassungsrichterin
Prof. Dr. Gertrude Lübbe-Wolff fordert (www.zeit.de/politik/deutschland/2
026-09/gertrude-luebbe-wolff-bundesverfassungsgericht-afd-sachsen-an
halt), und wie begründet sie ihre Auffassung?
5. Hält die Bundesregierung eine Reform der Wahl der Richter des
Bundesverfassungsgerichts für notwendig, um die in der Gemeinsamen Erklärung
formulierten Grundsätze auch innerstaatlich konsequent umzusetzen, und
wie begründet sie ihre Ansicht (vgl. Frage 4)?
6. Hält die Bundesregierung eine Reform des externen Weisungsrechts
gegenüber Staatsanwälten für notwendig, um die in der Gemeinsamen Erklärung
formulierten Grundsätze auch innerstaatlich konsequent umzusetzen, und
wie begründet sie ihre Ansicht?
Berlin, den 21. September 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
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ISSN 0722-8333
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