Entwurf eines Achten Gesetzes zur Änderung des Kraftfahrzeugsteuergesetzes (Entschließungsantrag zu Drs. 21/2672, 21/3109)
Text
Entwurf eines Achten Gesetzes zur Änderung des Kraftfahrzeugsteuergesetzes (Entschließungsantrag zu Drs. 21/2672, 21/3109)
Deutscher Bundestag Drucksache 21/3114
21. Wahlperiode 03.12.2025
Entschließungsantrag
der Abgeordneten Hauke Finger, Kay Gottschalk, Jan Wenzel Schmidt, Jörn König,
Reinhard Mixl, Iris Nieland, Thomas Korell, Leif-Erik Holm, Steffen Kotré, Dr. Malte
Kaufmann, Marc Bernhard, Dirk Brandes, Enrico Komning, Raimond Scheirich,
Bernd Schattner, Uwe Schulz, Mathias Weiser, Adam Balten, Dr. Rainer Kraft,
Wolfgang Wiehle, René Bochmann, Alexis L. Giersch, Lars Haise, Stefan Henze,
Maximilian Kneller, Ulrich von Zons, Carsten Becker, Hans-Jürgen Goßner,
Andreas Mayer, Volker Scheurell, Otto Strauß, Christian Reck, Manfred Schiller,
Dr. Christoph Birghan, Joachim Bloch, Dr. Michael Blos, Erhard Brucker, Rainer
Groß, Udo Theodor Hemmelgarn, Rocco Kever, Kurt Kleinschmidt, Heinrich Koch,
Achim Köhler, Edgar Naujok, Denis Pauli, Carina Schießl, Dr. Paul Schmidt, Bernd
Schuhmann, Thomas Stephan, Jörg Zirwes und der Fraktion der AfD
zu der dritten Beratung des Gesetzentwurfs der Bundesregierung
– Drucksachen 21/2672, 21/2966, 21/3109 –
Entwurf eines Achten Gesetzes zur Änderung des
Kraftfahrzeugsteuergesetzes
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Die Bundesregierung hat mit dem Entwurf eines Achten Gesetzes zur Änderung
des Kraftfahrzeugsteuergesetzes (Drs. 21/2672) die Verlängerung der
Kraftfahrzeugsteuerbefreiung für batterieelektrische Fahrzeuge bis 2035 und damit die
weitere expansive Ausweitung einer einseitigen, klimapolitisch motivierten
Förderstrategie eingeleitet. Neuzulassungen und Umrüstungen auf Elektrofahrzeuge
werden bis mindestens Ende 2030 steuerlich begünstigt, mit einer zehnjährigen
Steuerbefreiung, die bis 2035 wirkt. Die damit verbundenen fiskalischen
Mindereinnahmen werden von der Bundesregierung selbst mit bis zu 380 Millionen Euro
jährlich ab dem Jahr 2030 beziffert.1 Diese Regelung stellt eine fortgesetzte
staatliche Lenkung des Mobilitätsverhaltens dar, deren tatsächlicher Beitrag zur glo-
1 Referentenentwurf Bundesministerium der Finanzen, Entwurf eines Achten Gesetzes zur Änderung
des Kraftfahrzeugsteuergesetzes; www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Gesetzestexte/Ge
setze_Gesetzesvorhaben/Abteilungen/Abteilung_III/21_Legislaturperiode/2025-10-14-8-Aenderung-
Kraftfahrzeugsteuergesetz/1-Referentenentwurf.pdf?__blob=publicationFile&v=2)
balen CO₂-Minderung zweifelhaft ist, zumal der Anteil Deutschlands am
weltweiten CO₂-Ausstoß unter zwei Prozent liegt und die Klimawirkung
einzelstaatlicher Maßnahmen wissenschaftlich umstritten bleibt.
Gleichzeitig führt die forcierte Elektrifizierung des Verkehrs zu neuen
geopolitischen Abhängigkeiten von rohstoffexportierenden Drittstaaten, insbesondere im
Bereich von Lithium, Nickel und Kobalt.2 Diese Rohstoffe stammen häufig aus
politisch instabilen Regionen oder werden unter Bedingungen abgebaut, die
menschenrechtlich und ökologisch problematisch sind. Die Bundesregierung setzt mit
ihrer Steuer- und Förderpolitik faktisch auf eine einseitige, politisch bevorzugte
Technologie. Dies birgt industriepolitische Risiken, konterkariert
marktwirtschaftliche Prinzipien und beeinträchtigt Deutschlands technologische
Souveränität.
Zudem profitieren von der Kfz-Steuerbefreiung überwiegend Käufer
hochpreisiger Elektrofahrzeuge, während einkommensschwächere Bevölkerungsgruppen
die Belastungen durch höhere Stromkosten, Netzentgelte und
Steuermindereinnahmen mittelbar mittragen müssen.3 Die soziale und fiskalische Nachhaltigkeit
der Maßnahme ist daher fraglich. Vor diesem Hintergrund erscheinen eine
grundlegende Neubewertung und Korrektur der bisherigen Steuervergünstigungen für
Elektrofahrzeuge notwendig.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
1. die Befreiung von Elektrofahrzeugen von der Kraftfahrzeugsteuer gemäß
§ 3d des Kraftfahrzeugsteuergesetzes mit Wirkung für zukünftige
Neuzulassungen aufzuheben und eine gleichmäßige, technologieneutrale Besteuerung
aller Fahrzeugtypen sicherzustellen;
2. eine unabhängige wissenschaftliche Evaluierung des tatsächlichen
ökologischen Nutzens der bisherigen Kfz-Steuerbefreiung vorzulegen, insbesondere
unter Einbeziehung
a) des weltweiten CO₂-Kontextes,
b) des deutschen Strommixes,
c) der CO₂-Bilanz von Batterieproduktion und Recycling,
d) der ökologischen Auswirkungen des Rohstoffabbaus,
e) der infrastrukturellen Zusatzbelastungen durch Mehrgewicht und
Ladeinfrastrukturbedarf;
3. eine umfassende Analyse der rohstoffbedingten Abhängigkeiten
Deutschlands im Bereich der Elektrofahrzeugindustrie vorzulegen und darzustellen,
welche Risiken für nationale Versorgungssicherheit und industrielle
Eigenständigkeit bestehen;
4. zu prüfen, inwieweit eine verursachergerechtere Kfz-Steuerstruktur
entwickelt werden kann, die Faktoren wie Fahrzeuggewicht,
Infrastrukturbelastung und tatsächliche Nutzung berücksichtigt;
5. die Taxierungsbedingungen der unterschiedlichen Verkehrstechnologien
gleichberechtigt zu gestalten, um Wettbewerb zwischen den verschiedenen
Fahrzeugantriebssystemen zu ermöglichen;
2 Umweltbundesamt, Wien Report 850; www.umweltbundesamt.at/fileadmin/site/publikationen/rep08
50.pdfWien
3 Ecowoman; www.ecowoman.de/freizeit/mobilitaet/wer-ist-typischer-kaeufer-von-elektroautos-1529
6. ein Konzept vorzulegen, wie die klimapolitisch motivierte
planwirtschaftliche Steuerlenkung zugunsten einer innovationsfördernden, marktoffenen
und souveränitätsorientierten Mobilitätspolitik zurückgeführt werden kann.
Berlin, den 2. Dezember 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Begründung
Die aktuelle Ausgestaltung der Kfz-Steuerbefreiung für Elektrofahrzeuge führt zu einem zunehmenden Eingriff
in Marktprozesse und setzt einseitig auf ein technologisches Modell, dessen langfristige ökologische,
geopolitische und wirtschaftliche Tragfähigkeit ungesichert ist.4
Eine verantwortungsvolle Verkehrspolitik muss sich an den Bedürfnissen der Bürger orientieren. Im Vordergrund
muss die Freiheit der Bürger in der Wahl des Verkehrsmittels stehen. Individuelle Mobilität muss bezahlbar
bleiben. Eine kritische Neubewertung der Steuerbefreiung ist daher notwendig, um fiskalische Belastungen zu
begrenzen, soziale Ungleichgewichte abzubauen und Deutschlands technologische und wirtschaftliche
Eigenständigkeit zu sichern.
4 Institut für Seltene Erden und Metalle AG; https://institut-seltene-erden.de/neue-studie-der-e-mobil-bw-zeigt-loesungsansaetze-fuer-roh
stoffproblematik-der-elektromobilitaet-auf
Cresti et al.: „Vulnerabilities and capabilities in the EU Automotive industry: Leveraging Input-Output Analysis and Economic Comple
xity“; https://arxiv.org/abs/2501.01781
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ISSN 0722-8333
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