Umsetzung der Weltraumsicherheitsstrategie durch die Bundeswehr
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Umsetzung der Weltraumsicherheitsstrategie durch die Bundeswehr
Deutscher Bundestag Drucksache 21/5438
21. Wahlperiode 17.04.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Desiree Becker, Donata Vogtschmidt, Sonja Lemke, Nicole
Gohlke, Gökay Akbulut, Janina Böttger, Maik Brückner, Mirze Edis, Katrin
Fey, Vinzenz Glaser, Ates Gürpinar, Jan Köstering, Stella Merendino, Charlotte
Antonia Neuhäuser, Cansu Özdemir, Lea Reisner, Zada Salihović, Ulrich Thoden,
Christin Willnat und der Fraktion Die Linke
Umsetzung der Weltraumsicherheitsstrategie durch die Bundeswehr
Mit der im November 2025 veröffentlichten Weltraumsicherheitsstrategie
(WSS) will die Bundesregierung u. a. die Bundeswehr zu militärischen
Einsätzen im Weltraum befähigen. Diese Notwendigkeit wird begründet mit der
allgemeinen verschlechterten Sicherheitslage durch die wachsende Bedrohung
durch Russland (WSS, S. 11), die zunehmende Bedeutung des Weltraums für
moderne und technologisierte Gesellschaften und die nicht näher
quantifizierten militärischen Kapazitäten anderer Staaten im Weltraum.
Zur Umsetzung der WSS plant die Bundesregierung einen Ausbau der
militärischen Kapazitäten und Infrastruktur (WSS, S. 11). Das betrifft zum einen
organisatorisch das Weltraumkommando, zum anderen konkret die Beschaffung
von entsprechenden Waffensystemen und Waffentechnologien, wie z. B.
„hypersonische Flugsysteme“ (WSS, S. 44, Nummer 4) Insgesamt sollen bis in die
Mitte der 2030-er Jahre hinein wenigstens 35 Mrd. Euro für die Aufrüstung
bereitgestellt werden. (www.handelsblatt.com/politik/deutschland/verteidigung-b
und-investiert-35-milliarden-euro-in-weltraumsicherheit/100157997.html)
Nach Auffassung der Fragesteller leistet die WSS einen Beitrag zur weiteren
Aufrüstung und Militarisierung im Weltraum. Innerhalb von zehn Jahren sollen
umfangreiche neue Strukturen auf- und ausgebaut werden, wie z. B. beim
Weltraumkommando, ohne die Zielsetzungen, die damit einhergehende
Finanzierung sowie personellen Aufwuchs transparent zu machen. Es fehlt an einer
Präzisierung der Einsatzgrundsätze im Sinne des „verhaltensbasierten Ansatzes“
der Bundesregierung als auch eine Einordnung der negativen Folgen einer
Beteiligung Deutschlands am Wettrüsten im Weltraum sowie der Implikationen
für die bestehenden weltraumspezifischen Rüstungskontrollabkommen, allen
voran des Weltraumvertrages von 1967.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche Bundesministerien sind an der Umsetzung der
Weltraumsicherheitsstrategie beteiligt, und welches Bundesministerium ist dabei
federführend?
2. Welche ressortübergreifenden Gremien, wie z. B. der Nationale
Sicherheitsrat, sind in welchem Umfang und mit welchen Befugnissen an der
Umsetzung der Weltraumsicherheitsstrategie beteiligt?
3. Welche organisatorischen und strukturellen Maßnahmen plant die
Bundesregierung von 2026 bis 2029 zur Stärkung des Weltraumkommandos,
insbesondere in Bezug auf
a) Veränderungen der Personalstärke (inklusive der anfallenden Kosten),
und
b) Bereitstellung von militärischem Material und Infrastruktur (inklusive
anfallender Kosten)?
4. Wie hat sich die Personalstärke des Weltraumkommandos seit 2021
entwickelt, und aus welchen fachlichen und militärischen Bereichen wurden
und werden seit 2021 bis heute Soldatinnen und Soldaten für das
Weltraumkommando der Bundeswehr in welchem Umfang rekrutiert oder
abgeordnet?
5. Bis wann plant die Bundesregierung die Einrichtung einer
Weltraumakademie (Weltraumsicherheitsstrategie, S. 46, Nummer 4) mit wie vielen
Ausbildungsplätzen, und mit welchem zusätzlichen Finanzierungsbedarf
rechnet die Bundesregierung?
6. Wie viele Soldatinnen und Soldaten haben seit 2024 am Werdegang
„Weltraum“ teilgenommen, und wie viele Plätze sind dafür eingerichtet,
und werden diese in den nächsten Jahren aufgestockt, wann soll das
Satellitenbetriebs- und Kontrollzentrums beim Weltraumkommando
einsatzbereit sein (bitte auch die anvisierte Personalstärke, die geplanten
zusätzlichen Fähigkeiten und die Gesamtkosten, inklusive der
Bewirtschaftung angeben)?
7. In welchem Umfang plant die Bundesregierung einen personellen und
finanziellen Aufwuchs sowie den strukturellen Ausbau des
Weltraumlagezentrums in Uedem im Zeitraum von 2026 bis 2029 (bitte die
entsprechenden Haushaltstitel und Verwendungszwecke angeben)?
8. Was versteht die Bundesregierung unter „weltraumsystemergänzenden
terrestrischen Resilienz-Maßnahmen“ (WSS, S. 46, Nummer 15), und mit
welchem Zweck sollen sie initiiert werden, und welche Strukturen sollen
dafür ausgebaut werden (bitte die geplanten Investitionen angeben)?
9. Welche Bundesministerien und jeweiligen Abteilungen werden an der
Erstellung der in der Weltraumsicherheitsstrategie (WSS. 44, Nummer 11)
angekündigten Bestandsaufnahme über Weltraumabhängigkeiten,
Vulnerabilitäten und sicherheitsrelevanter Weltrauminfrastruktur beteiligt
werden, und bis wann plant die Bundesregierung diese Bestandsaufnahme
fertigzustellen?
10. Unter welchen Umständen und in welcher Form will die Bundesregierung
den Deutschen Bundestag und die Öffentlichkeit über Gefährdungslagen
im Weltraum informieren?
11. Wie viele Vorfälle bedrohlichen Verhaltens durch welche anderen Akteure
im Weltraum wurden seit 2022 von Deutschland und der NATO
registriert?
12. Wie viele Störungen deutscher und europäischer Satelliten sind seit 2022
bis heute registriert worden, und
a) durch welche Staaten oder Unternehmen wurden die Störungen
verursacht, und
b) in wie vielen dieser Fälle konnten Störungen auf staatliche russische
oder chinesische Aktivitäten zurückgeführt werden?
13. Ab einer Annäherung von wie vielen Kilometern stuft die
Bundesregierung das Überfliegen und Begleiten von deutschen Satelliten als
verdächtig ein?
14. Verfügen nach Kenntnis der Bundesregierung derzeit andere NATO-
Staaten über Fähigkeiten, Satelliten im Weltraum zu überfliegen und zu
begleiten?
15. Wie bewertet die Bundesregierung die Notwendigkeit der Entwicklung
einer Einsatzdoktrin oder Einsatzgrundsätzen sowie von „Rules of
Engagement“ für den aktiven Einsatz der Bundeswehr im Weltraum, und
a) was ist ggf. der derzeitige Planungsstand hinsichtlich der Entwicklung
einer solchen Einsatzdoktrin, eines Einsatzgrundsatzes oder auch von
„Rules of Engagement“, und
b) stimmt sich die Bundesregierung bei der Entwicklung solcher
Doktrinen und Einsatzregeln auch mit anderen Staaten ab, und mit welchen
Ergebnissen?
16. Inwieweit plant die Bundesregierung, eine derartige Einsatzdoktrin,
Einsatzgrundsätze oder „Rules of Engagement“ auch öffentlich zugänglich zu
machen und anderen Staaten zu kommunizieren?
17. In welcher Form ist das Weltraumkommando der Bundeswehr
eingebunden in die Umsetzung der Overarching Space Policy der NATO, und
welchen Zugriff bzw. Zugang erhalten andere NATO-Staaten auf die
Kapazitäten des Weltraumkommandos?
18. Welchen personellen, materiellen und finanziellen Beitrag hat die
Bundesregierung bislang zur US-geführten Operation Olympic Defender (OOC)
geleistet, und wie viele Übungen wurden im Rahmen von OOC bislang
durchgeführt (bitte auch den Namen, die beteiligten Staaten und
Zielsetzung der Übung angeben)?
19. Auf welche Weise will die Bundesregierung im Rahmen von OOC den
Schutz und die Verteidigung von Weltraumsystemen ausbauen sowie die
Resilienz gegenüber Gefahren und Bedrohungen aus dem Weltraum
erhöhen (WSS, S. 45, Nummer 3)?
20. Wie viel Personal aus welchen Abteilungen des Bundesministeriums der
Verteidigung ist den beiden Arbeitsgruppen der Combined Space
Operations Initiative (CSpO) zugewiesen, und welche verbindlichen
Vereinbarungen wurden seit 2019 von den Arbeitsgruppen getroffen?
21. Welchen Zeitplan verfolgt die Bundesregierung bei der Aufstellung des
European Space Component Commands (WSS, S. 45, Nummer 11), und
welche Aufgaben soll es übernehmen, und mit welchen anderen Staaten
führt die Bundesregierung bereits Gespräche über eine Beteiligung am
European Space Component Command oder plant, diese zu führen?
22. Aus welchen strategischen Überlegungen heraus und auf welcher
wissenschaftlichen Basis hat die Bundesregierung entschieden, dass die
Entwicklung hypersonischer Raumflugzeuge bzw. Raumgleiter ein wichtiger
Beitrag zur Sicherheit im Weltraum ist?
23. In welcher Höhe sollen Haushaltsmittel für die Entwicklung
hypersonischer Flugzeuge bzw. Raumgleiter bereitgestellt werden (bitte den
jeweiligen Haushaltstitel angeben), und
a) mit welchem Entwicklungszeitraum bzw. zu wann rechnet die
Bundesregierung mit der Fertigstellung eines vollumfänglich
einsatzfähigen, bemannten hypersonischen Flugzeuges, und
b) bestehen Pläne, hypersonische Flugzeuge für einen möglichen Einsatz
als Hyperschallwaffe zu konzipieren, produzieren zu lassen und
einzusetzen?
Berlin, den 13. April 2024
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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