Queeres Leben stärken - Christopher-Street-Days schützen
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Queeres Leben stärken - Christopher-Street-Days schützen
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/2575
21. Wahlperiode 05.11.2025
Antrag
der Abgeordneten Maik Brückner, Clara Bünger, Nicole Gohlke, Dr. Michael
Arndt, Anne-Mieke Bremer, Mandy Eißing, Katrin Fey, Kathrin Gebel,
Christian Görke, Ates Gürpinar, Dr. Gregor Gysi, Mareike Hermeier, Luke
Hoß, Maren Kaminski, Ferat Koçak, Jan Köstering, Ina Latendorf, Sonja
Lemke, Stella Merendino, Bodo Ramelow, David Schliesing, Evelyn Schötz,
Julia-Christina Stange, Aaron Valent, Donata Vogtschmidt, Christin Willnat
und der Fraktion Die Linke
Queeres Leben stärken – Christopher-Street-Days schützen
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Der Hass und die Gewalt gegen queere Menschen haben in den vergangenen Jahren
massiv zugenommen, insbesondere gegen transgeschlechtliche Menschen. Das
Bundeskriminalamt spricht in seinem Lagebericht von einem „besorgniserregenden
Anstieg queerfeindlicher Straftaten“ (www.bka.de/DE/AktuelleInformationen/
StatistikenLagebilder/Lagebilder/SicherheitLSBTIQ/SicherheitLSBTIQ_node.html).
Hinzu kommt ein großes Dunkelfeld, da nur ein kleiner Teil der Straftaten gegen
queere Menschen zur Anzeige gebracht wird (ebenda). Auch Bundeskanzler Friedrich
Merz brachte hierzu auf Nachfrage am 7.7.2025 seine Sorge zum Ausdruck: „Wir tun
alles, um Menschen, die queer sind, ein gutes und auch ein sicheres Leben in unserer
Gesellschaft zu ermöglichen. Ich stehe auch persönlich dafür ein, dass das so ist und
dass das auch besser wird. So wie es gegenwärtig ist, kann es mit den vielfältigen
Bedrohungen nicht bleiben.“ (Plenarprotokoll 21/17, S. 1639).
Queere Menschen gehörten während des Nationalsozialismus zu einer verfolgten
Opfergruppe. Es dauerte viele Jahrzehnte bis sie als Opfergruppe anerkannt wurden und
ihres Leids erinnert wurde. Bundespräsident Dr. Frank Walter Steinmeier wies am
3. Juni 2018 in einer Rede am Mahnmal für die Verfolgten Homosexuellen des
Nationalsozialismus in Berlin darauf hin, bat um Vergebung für die auch nach 1945
fortgesetzte Verfolgung und fügte hinzu: „Ihnen allen hier am Denkmal, und allen Schwulen,
Lesben und Bisexuellen, allen Queers, Trans- und Intersexuellen in unserem Land,
Ihnen allen rufe ich heute zu: Auch Ihre sexuelle Orientierung, auch Ihre sexuelle
Identität stehen selbstverständlich unter dem Schutz unseres Staates. Auch Ihre Würde ist
so selbstverständlich unantastbar, wie sie es schon ganz am Anfang hätte sein sollen.“
(www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Frank-Walter-Steinmeier/Reden/-
2018/06/180603-Gedenken-Homo-NS-Verfolgung.html#:~:text=Bundespr%C3%-
A4sident%20Frank%20Walter%20Steinmeier%20hat,ist%20Ihnen%20bisher%20-
versagt%20geblieben).
Queere Menschen wurden in beiden deutschen Nachkriegsstaaten kriminalisiert und
massiv diskriminiert. Schwule und bisexuelle Männer saßen nur wegen ihrer Liebe im
Gefängnis. Lesbischen Frauen wurde das Sorge- und Umgangsrecht für ihre Kinder
entzogen. Trans
tergeschlechtliche Kinder wurden und werden oftmals traumatisierenden
Genitaloperationen unterzogen. Queeren Menschen ist durch staatliches Handeln wie Nicht-H
deln (durch fehlenden staatlichen Schutz) massives Leid widerfahren. Noch heute sind
queere Menschen nicht in allen Rechtsfeldern nicht-queeren Menschen gleichgestellt.
Sie sind besonders von Gewalt und Diskriminierung sowie von Armut und
Wohnungslosigkeit betroffen. Queeres Leben ist gefährdet.
Sicherheit für queere Menschen hängt ab von guten Strukturen der Community, einer
inklusiven Sozial-, Bildungs- und Kulturpolitik sowie einer guten Diskriminierungs-
und Gewaltprävention. Hier gibt es Handlungsbedarf, da Strukturen zunehmend durch
rechte Kampagnen bedroht sind und die Finanzierung (u. a. durch Projekt-Förderung
des Bundes, der Länder und der EU) oft prekär ist.
Während der Christopher-Street-Day (CSD)-Saison 2025 fanden bundesweit mehr als
270 Demonstrationen und Paraden statt, an denen sich mehrere Millionen Menschen
beteiligten. Noch nie haben so viele CSD- bzw. Pride-Veranstaltungen in Großstädten,
aber besonders in Kleinstädten und in ländlichen Regionen stattgefunden wie in
diesem Jahr. Seit einigen Jahren kommt es zu Störungen und Gegenprotesten aus
rechtskonservativen und rechtsextremen Kreisen. Gewaltvorfälle im Umfeld von CSDs
haben stark zugenommen. Vereinzelt wurden CSDs aus Sicherheitsgründen abgesagt
oder fanden nicht wie geplant statt (https://cemas.io/blog/rechtsextreme-mobilisie-
rung-gegen-csds-2025/). Der polizeiliche Schutz der Teilnehmenden vor Angriffen ist
bei der An- und Abreise nicht immer gewährleistet (https://taz.de/Rueckreise-vom-
CSD-Bautzen/!6103145/). Auch berichten CSD-Veranstalter*innen, dass die
Zusammenarbeit mit den kommunalen Behörden nicht immer reibungslos verläuft.
II. Der Deutsche Bundestag bekräftigt, dass queeren Menschen ein gutes und ein
sicheres Leben in unserer Gesellschaft ermöglicht werden sollte, sie ihr Recht auf
eine friedliche Versammlung voll umfänglich wahrnehmen können sollen und
fordert die Bundesregierung auf,
1. auf der Innenministerkonferenz (IMK) erneut die Sicherheitslage queerer
Mens
m
lizeilicher Meldedienste zu erfassen sowie Opfer queerfeindlicher
Hasskriminalität besser zu unterstützen;
2. gemeinsam mit der IMK und im Dialog mit Versammlungsbehörden und der
queeren Community rechtzeitig eine Gesamtstrategie zu erarbeiten, um 2026 die
sichere Teilnahme an CSD-/Pride-Veranstaltungen und die umfassende
Wahrnehmung des Grundrechts auf Versammlungsfreiheit zu gewährleisten. Dabei
sollten die eingesetzten Beamtinnen und Beamten im Vorfeld für queeres
Lebenswelten und den Hass und die Gewalt gegen sie geschult sein;
3. das Programm „Queer leben“ auszubauen und weiterzuentwickeln. Die
Prävention gegen queerfeindliche Diskriminierung und Hassgewalt sowie die Strukturen
der queeren Communities in den Kommunen sind dabei zu stärken. Es braucht
flächendeckende Beratungs- und Unterstützungsangebote gerade für junge
queere Menschen im ländlichen Raum. Das Grundrecht auf
Versammlungsfreiheit für queere Menschen darf nicht weiter gefährdet werden. Dazu bedarf eines
Monitorings der CSD/Prides, bei dem auch Beschwerden von Veranstalter*innen
und Teilnehmenden dokumentiert werden.
Berlin, den 4. November 2025
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
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ISSN 0722-8333]
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