Abschiebungen in den Irak (Antwort zu Drs. 21/1246)
Text
Abschiebungen in den Irak (Antwort zu Drs. 21/1246)
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/1416
21. Wahlperiode 29.08.2025
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Clara Bünger, Anne-Mieke Bremer,
Katrin Fey, weiterer Abgeordneter und der Fraktion Die Linke
– Drucksache 21/1246 –
Abschiebungen in den Irak
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Die Zahl der Abschiebungen in den Irak ist in den letzten Jahren stark
angestiegen. 2024 wurden 699 Menschen in das Land abgeschoben. 2023 lag diese
Zahl noch bei 300, 2022 bei 77 (vgl. dazu die regelmäßigen Kleinen Anfragen
der Fraktion Die Linke zu Abschiebungen). Hintergrund sind Vereinbarungen,
die die deutsche und die irakische Regierung im Mai 2023 getroffen haben.
Details dieser Vereinbarungen sind nicht öffentlich bekannt.
Medienrecherchen zufolge soll es bei den Absprachen um eine „umfassende Kooperation“
gehen. So sei etwa auch vereinbart worden, im Irak Sprachschulen,
Berufsqualifizierung und Ausbildung zu fördern (www.tagesschau.de/investigativ/nd
r-wdr/migrationsabkommen-deutschland-irak-100.html).
Von den Irak-Abschiebungen sind immer wieder auch Überlebende des
Völkermords an den Jesidinnen und Jesiden betroffen. Besondere Kritik rief im
Juli 2025 die Abschiebung einer jesidischen Familie mit vier Kindern aus
Brandenburg hervor, die trotz eines laufenden Gerichtsverfahrens erfolgte.
Das Brandenburger Innenministerium erklärte auf Anfrage des Rundfunks
Berlin-Brandenburg (rbb), es habe vor der Abschiebung mit dem Bundesamt
für Migration und Flüchtlinge (BAMF) Rücksprache gehalten. Das BAMF
habe mitgeteilt, es lägen keine Gründe vor, die der Abschiebung
entgegenstünden. Während die Abschiebung bereits lief, entschied jedoch das
Verwaltungsgericht Potsdam im Eilverfahren, dass ernstliche Zweifel an der
Rechtmäßigkeit der Ablehnung des Asylantrags der Familie als „offensichtlich
unbegründet“ bestünden. Zuvor hatte die Familie neue Informationen und Dokumente
vorgelegt. Brandenburgs Innenminister René Wilke kündigte daraufhin
zunächst an, die Familie in Absprache mit Bundesbehörden nach Deutschland
zurückholen zu wollen. Kurz darauf bestätigte das Gericht allerdings im
Hauptsacheverfahren die Ablehnung des Asylantrags der Familie, es änderte
die Ablehnung lediglich von „offensichtlich unbegründet“ zu „unbegründet“.
In der Folge will das Brandenburgische Innenministerium die Familie nun
doch nicht mehr zurückholen (www.tagesschau.de/inland/regional/brandenbur
g/jesidische-familie-abschiebeflug-irak-100.html, www.tagesschau.de/inland/i
nnenpolitik/abschiebungen-irak-afghanistan-100.html, www.spiegel.de/panora
ma/gesellschaft/abschiebung-in-den-irak-jesidische-familie-wird-nicht-zuruec
kgeholt-a-41ff3a28-7498-4211-a337-bf7be8e55886).
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums des Innern
vom 29. August 2025 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
1. Kann die Bundesregierung konkretere Angaben zu den Inhalten der in
der Vorbemerkung der Fragesteller genannten Verständigung mit der
irakischen Regierung machen?
a) Unter welchen Umständen ist die irakische Regierung bereit,
ausreisepflichtige irakische Staatsangehörige aus Deutschland
zurückzunehmen, und unter welchen Voraussetzungen sind irakische
Behörden bereit, Passersatzpapiere auszustellen?
b) War die Regionalregierung der Autonomen Region Kurdistan in die
Gespräche und Verhandlungen über die Rücknahme irakischer
Staatsbürger involviert?
c) Waren Zusagen der irakischen Regierung hinsichtlich der Aufnahme
und Versorgung abgeschobener Personen Thema der Gespräche, und
wenn ja, hat die irakische Regierung diesbezüglich Zusagen
gemacht, und wenn ja, welche?
d) Wie erklärt sich die Bundesregierung, dass die irakische Regierung
mittlerweile bereit ist, eine große Zahl an Abschiebungen zu
akzeptieren, nachdem jahrelang nur wenige Personen aus Deutschland
dorthin abgeschoben werden konnten (www.fluechtlingsrat-bayer
n.de/aenderung-abschiebungspraxis-irak/)?
e) Erhält die irakische Regierung eine Gegenleistung für die
Abschiebungen, und wenn ja, wie sieht diese aus?
f) Ist die in der Vorbemerkung der Fragesteller zitierte Information
zutreffend, dass zwischen deutschen und irakischen
Regierungsvertretern eine „umfassende Kooperation“ vereinbart wurde, und wenn ja,
was beinhaltet diese genau, und welche Angaben kann die
Bundesregierung ggf. zur Umsetzung dieser Vereinbarungen machen?
Die Fragen 1 bis 1f werden gemeinsam beantwortet.
Es wird auf die Antwort der Bundesregierung zu Frage 24 der Kleinen Anfrage
der Fraktion DIE LINKE. auf Bundestagsdrucksache 20/8046 verwiesen.
2. Wie viele Personen wurden seit 2020 aus Deutschland in den Irak
abgeschoben (bitte nach Jahren aufschlüsseln)?
Die Angaben können der nachfolgenden Tabelle entnommen werden.
Anzahl vollzogener Abschiebungen (Zielland Irak)
2020 2021 2022 2023 2024 Januar - Juni 2025
27 52 77 300 699 328
3. Wie viele dieser Abschiebungen erfolgten per Charterflug (bitte die
Flüge einzeln mit Datum auflisten und auch die Fluggesellschaft, die
beteiligten Bundesländer, die Zahl der Begleitbeamten, den Abflughafen, den
Zielflughafen und die Kosten sowie ggf. Kostenübernahme durch
Frontex angeben)?
Hinsichtlich der Beantwortung nach den Fluggesellschaften verweist die
Bundesregierung darauf, dass das verfassungsrechtlich verbürgte Frage- und
Informationsrecht des Parlaments zwar auf Beantwortung gestellter Fragen in der
Öffentlichkeit hin angelegt ist. Wenn das Informationsinteresse des Parlaments
aber auf Auskünfte zielt, die zur Wahrung berechtigter
Geheimhaltungsinteressen nicht öffentlich kundgegeben werden können, sind nach der
Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts Formen der Informationsvermittlung zu
suchen, die beiden Interessen Rechnung tragen (vgl. Entscheidungen des
Bundesverfassungsgerichts 124, 161 [193]). Im vorliegenden Fall ist die Einstufung
der Benennung der Fluggesellschaften als Verschlusssache (VS) sowohl zur
Wahrung von Staatswohlinteressen als auch zur Wahrung berechtigter,
grundrechtlich geschützter Interessen der betroffenen Fluggesellschaften notwendig.
Eine Veröffentlichung der Fluggesellschaften berührt auch durch Artikel 12 des
Grundgesetzes geschützte Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse dieser
Fluggesellschaften und kann sich gegebenenfalls negativ auf die Wahrnehmung dieser
Fluggesellschaften in der Öffentlichkeit auswirken.
Eine öffentliche Benennung der Fluggesellschaften, die Rückführungsflüge
anbieten, birgt die Gefahr, dass diese Unternehmen öffentlicher Kritik ausgesetzt
werden und in der Folge für die Beförderung von ausreisepflichtigen Personen
in die Heimatländer nicht mehr zur Verfügung stehen. Damit werden
Rückführungen weiter erschwert oder sogar unmöglich gemacht, so dass staatliche
Interessen an der Ausführung des Aufenthaltsgesetzes negativ beeinträchtigt
werden.
Um gleichwohl dem parlamentarischen Informationsanspruch nachzukommen,
ist dieser Teil der Antwort mit dem Geheimhaltungsgrad „VS – Nur für den
Dienstgebrauch“ gemäß § 2 Absatz 2 Nummer 4 der Allgemeinen
Verwaltungsvorschrift des Bundesministeriums des Innern zum materiellen und
organisatorischen Schutz von Verschlusssachen eingestuft worden, er wird
gesondert in der Anlage 1 übermittelt, die nicht zur Veröffentlichung bestimmt ist.*
* Das Bundesministerium des Innern hat die Antwort als „VS – Nur für den Dienstgebrauch“ eingestuft. Die Antwort ist im Parlamentssekretariat des Deutschen
Bundestages hinterlegt und kann dort von Berechtigten eingesehen werden.
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4. Wie viele Minderjährige waren unter den Abgeschobenen (bitte nach
Jahren aufschlüsseln)?
Die Angaben können der nachfolgenden Tabelle entnommen werden.
Alter 2020 2021 2022 2023 2024 Januar - Juni 2025
< 18 0 0 1 11 37 18
5. Wie viele Frauen waren unter den Abgeschobenen (bitte nach Jahren
aufschlüsseln)?
Die Angaben können der nachfolgenden Tabelle entnommen werden.
Geschlecht 2020 2021 2022 2023 2024 Januar-Juni 2025
weiblich 0 0 1 14 48 31
6. Kann die Bundesregierung Angaben dazu machen, wie viele der
Abgeschobenen seit 2020 über 60 bzw. über 70 Jahre alt waren, und wenn ja,
welche?
Die Angaben können der nachfolgenden Tabelle entnommen werden.
Alter 2020 2021 2022 2023 2024 Januar - Juni 2025
60-69 1 0 2 5 11 5
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7. Kann die Bundesregierung Angaben dazu machen, wie viele Familien
seit 2020 in den Irak abgeschoben wurden, und wenn ja, welche?
Zuständig für aufenthaltsbeendende Maßnahmen sind die Länder. Daten im
Sinne der Fragestellung werden statistisch beim Bund nicht erfasst. Daher kann
die Bundesregierung hierzu keine Angaben machen.
8. Wie verteilen sich die Abschiebungen in den Irak seit 2020 auf die
Bundesländer?
Die Angaben können der nachfolgenden Tabelle entnommen werden.
Veranlasser 2020 2021 2022 2023 2024 Jan-Jun
2025
Brandenburg - 2 - 4 14 6
Berlin 1 3 5 5 10 3
Baden-Württemberg 2 1 6 29 124 51
Bayern 15 16 31 114 219 68
Hessen 1 1 3 18 61 19
Hamburg - - - 4 8 3
Mecklenburg-
Vorpommern
- - - 3 11 6
Niedersachsen 1 5 5 6 7 21
Nordrhein-Westfalen 3 19 10 82 106 70
Rheinland-Pfalz - 1 - 1 16 21
Schleswig-Holstein - 2 3 6 28 27
Saarland - - 1 - 5 2
Veranlasser 2020 2021 2022 2023 2024 Jan-Jun
2025
Sachsen 3 2 3 12 51 13
Sachsen-Anhalt - - - 8 18 5
Thüringen - - - 4 9 6
Bundespolizei 1 - 10 4 12 7
Gesamt 27 52 77 300 699 328
9. Wie viele der seit 2020 abgeschobenen Personen stammten nach
Kenntnis der Bundesregierung aus der Autonomen Region Kurdistan?
10. Hat die Bundesregierung Kenntnis davon, wie viele Jesidinnen und
Jesiden unter den Abgeschobenen seit 2020 waren, und wenn ja, welche?
Die Fragen 9 und 10 werden gemeinsam beantwortet.
Zuständig für aufenthaltsbeendende Maßnahmen sind die Länder. Daten im
Sinne der Fragestellung werden statistisch beim Bund nicht erfasst. Daher kann
die Bundesregierung hierzu keine Angaben machen.
11. Wie viele Abschiebungen in den Irak scheiterten seit 2020 vor bzw. nach
Übergabe an die Bundespolizei, und was waren jeweils die Gründe dafür
(bitte nach Jahren und nach den Gründen differenzieren)?
Die Angaben können der nachfolgenden Tabelle entnommen werden.
Scheiterungsgrund Januar - Juni 2025
vor während
und nach
Gesamt
Ablehnung der Übernahme von BPOL
gem. Bestimmungen über die
Rückführung ausländischer Staatsangehöriger
auf dem Luftweg.
0 4 4
Aktiver Widerstand 0 1 1
Aus medizinischen Gründen 0 5 5
Beförderungsverweigerung LVG/
Luftfahrzeugführer/Reederei/Schiffskapitän
0 6 6
Fehlender Rückführungsplatz 3 0 3
Fehlendes/ungültiges
Heimreisedokument
0 1 1
Nicht erfolgte Zuführung (einschl.
Absage am Tag der Maßnahme)
258 0 258
Passiver Widerstand 0 4 4
Sonstige Gründe 4 5 9
Stornierung des Ersuchens (bis
spätestens am Vortag der Maßnahme)
205 0 205
Übernahmeverweigerung im Zielstaat 0 1 1
Gesamt 470 27 497
Scheiterungsgrund 2024
vor während
und nach
Gesamt
Ablehnung der Übernahme von BPOL
gem. Best Rück Luft (VS-NfD)
0 11 11
Aktiver Widerstand 0 3 3
Aus medizinischen Gründen 0 4 4
Beförderungsverweigerung LVG/
Luftfahrzeugführer/Reederei/Schiffskapitän
0 43 43
Den Flug/die Schiffspassage
betreffende Gründe
0 5 5
Fehlender Rückführungsplatz 6 5 11
Fehlendes/ungültiges
Heimreisedokument
0 2 2
Nicht erfolgte Zuführung (einschl.
Absage am Tag der Maßnahme)
563 0 563
Passiver Widerstand 0 11 11
Rechtsmittel 0 3 3
Selbstverletzung bzw. Versuch 0 1 1
Sonstige Gründe 7 5 12
Stornierung des Ersuchens (bis
spätestens am Vortag der Maßnahme)
478 0 478
Gesamt 1 054 93 1 147
Scheiterungsgrund 2023
vor während
und nach
Gesamt
Aktiver Widerstand 0 4 4
Aus medizinischen Gründen 0 2 2
Beförderungsverweigerung LVG/
Luftfahrzeugführer/Reederei/Schiffskapitän
0 21 21
Nicht erfolgte Zuführung 56 0 56
Passiver Widerstand 0 14 14
Rechtsmittel 0 3 3
Sonstige Gründe 4 0 4
Stornierung des Ersuchens 166 0 166
Übernahmeverweigerung BPOL 0 7 7
Gesamt 226 51 277
Scheiterungsgrund 2022
vor während
und nach
Gesamt
Beförderungsverweigerung LVG/
Luftfahrzeugführer/Reederei/Schiffskapitän
0 4 4
Den Flug/die Schiffspassage
betreffende Gründe
0 3 3
Nicht erfolgte Zuführung 2 0 2
Stornierung des Ersuchens 38 0 38
Gesamt 40 7 47
Scheiterungsgründe 2021
vor während
und nach
Gesamt
Rechtsmittel 0 2 2
Stornierung des Ersuchens 80 0 80
Gesamt 80 2 82
Scheiterungsgründe 2020
vor während
und nach
Gesamt
Passiver Widerstand 0 1 1
Sonstige Gründe 3 0 3
Stornierung des Ersuchens 29 0 29
Gesamt 32 1 33
12. Bekommen Personen, die in den Irak abgeschoben werden, nach
Kenntnis der Bundesregierung ein sogenanntes Handgeld, und wenn ja, in
welcher Höhe (bitte ggf. nach Bundesländern differenziert darstellen)?
Die Zuständigkeit für die Auszahlung des sog. Handgeldes liegt bei den
Ländern. Nach Kenntnis der Bundesregierung erhalten Rückzuführende in den Irak
ein Handgeld in Höhe von 200 Euro.
13. Wie viele Personen sind seit 2020 mit einer finanziellen Förderung des
Bundes oder der Bundesländer in den Irak ausgereist (bitte nach Jahren
aufschlüsseln), und wie viele Frauen, wie viele Minderjährige waren
unter den Ausgereisten?
In den nachstehenden Tabellen werden die geförderten freiwilligen Ausreisen
mit Zielland Irak dargestellt.
Für die Jahre 2020 bis 2023 wurden Zahlen des Bund-Länder-Programms RE-
AG/GARP verwendet, während für die Jahre 2024 und 2025 Daten des
Ausländerzentralregisters (AZR) ausgewertet wurden. Dies begründet sich mit der
Einführung neuer Speichersachverhalte im AZR im November 2022. Da die
Implementierung der Speichersachverhalte mehrere Monate in Anspruch
genommen hat, wurden auch für die Jahre 2022 und 2023 aufgrund der höheren
Validität REAG/GARP-Daten herangezogen. In der Auswertung für 2024 und
2025 wurden alle Speichersachverhalte des AZR berücksichtigt, die eine
Förderung auf Bundes-, Landes- bzw. Kommunalebene abbilden. Einzelne
Förderprogramme werden im AZR nicht erfasst. Es wird daher darauf hingewiesen,
dass der Bundesregierung über die genannten AZR-Eintragungen hinaus keine
Zahlen zu den Förderprogrammen der Bundesländer vorliegen.
Anzahl der geförderten Ausreisen in den Irak über das Bund-Länder-
Programm REAG/GARP
Jahr der
geförderten Ausreise
Insgesamt darunter
weiblich (volljährig
und
minderjährig)
darunter zum
Zeitpunkt der
Ausreise
minderjährig
2020 680 209 181
2021 699 205 149
2022 907 263 251
2023 809 260 239
Quelle: Internationale Organisation für Migration (IOM), BAMF, Stand: 31.12.2023
Anzahl der geförderten Ausreisen in den Irak durch Bundes-, Landes,-
und/oder Kommunalmittel oder durch sonstige öffentliche Mittel
Jahr der
geförderten Ausreise
Insgesamt darunter
weiblich (volljährig
und
minderjährig)
darunter zum
Zeitpunkt der
Ausreise
minderjährig
2024 1.108 254 228
2025 777 213 152
Quelle: AZR; Stand: 31.07.2025
14. Bieten deutsche Auslandsvertretungen im Irak aus Deutschland
abgeschobenen Personen bzw. aus Deutschland mit einer finanziellen
Förderung zurückgekehrten Personen eine Betreuung, Beratung oder
Unterstützungsleistungen an, und wenn ja, welche, und gibt es beispielsweise
Stipendien oder andere Fördermöglichkeiten, damit abgeschobene
Personen die deutsche Schule in Erbil besuchen können?
Die Bundesregierung implementiert, u. a. im Irak, über die Deutsche
Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) das Programm „Zentren für
Migration und Entwicklung“. Diese Zentren unterstützen Menschen entlang des
gesamten Migrationszyklus: bei der regulären Arbeits- und
Ausbildungsmigration, der regionalen Migration sowie der Reintegration im Herkunftsland. Die
Zentren im Irak arbeiten hierzu eng mit der Zivilgesellschaft, dem Privatsektor
und internationalen Organisationen zusammen und stehen allen Interessierten
offen. Es wird zudem auf die bestehenden Unterstützungsmöglichkeiten für
(insbesondere freiwillige) Rückkehrerinnen und Rückkehrer zur Reintegration
verwiesen, die auf der Webseite www.returningfromgermany.de eingesehen
werden können.
15. Gibt es einen Austausch zwischen deutschen und irakischen Behörden
über die Situation von aus Deutschland abgeschobenen Personen, und
wenn ja, was wurde dort mit welchem Ergebnis besprochen, und welche
Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung ggf. daraus, und wenn
nein, liegen der Bundesregierung anderweitige Informationen über die
Situation von aus Deutschland abgeschobenen Personen im Irak vor, und
wenn ja, welche?
Rückgeführt werden irakische Staatsangehörige, die in der Bundesrepublik
Deutschland über kein Aufenthaltsrecht verfügen und vollziehbar
ausreisepflichtig sind. Die Bundesregierung bespricht mit der irakischen Regierung
regelmäßig verschiedene Aspekte der bilateralen Migrationskooperation,
insbesondere die durch die Bundesrepublik Deutschland oder die Europäische Union
angebotenen Maßnahmen der freiwilligen Rückkehr und der Reintegration.
Eine spezifische, einzelfallbezogene Beobachtung im Sinne der Fragestellung
erfolgt nach dem Abschluss von Rückführungsmaßnahmen grundsätzlich nicht.
16. Wie hat das BAMF seit 2022 über die Asylanträge von Asylsuchenden
aus dem Irak entschieden (bitte nach Jahren und nach Asylberechtigung,
Flüchtlingseigenschaft, subsidiärem Schutz, Abschiebungsverbot,
Ablehnung als unbegründet, Ablehnung als offensichtlich unbegründet,
Ablehnung als unzulässig aufschlüsseln), und wie lauten diese Zahlen für die
Gruppe jesidischer Asylsuchender aus dem Irak (bitte hier zusätzlich
auch nach Geschlecht differenzieren)?
Die Angaben können den folgenden Tabellen entnommen werden.
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17. Wie haben die Verwaltungsgerichte seit 2022 über die Klagen von
Asylsuchenden aus dem Irak gegen BAMF-Bescheide entschieden (bitte wie
in Frage 16 aufschlüsseln), und wie lauten diese Zahlen für die Gruppe
jesidischer Asylsuchender aus dem Irak?
Die Angaben können den folgenden Tabellen entnommen werden.
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4
18. Wie viele ausreisepflichtige irakische Staatsangehörige mit und ohne
Duldung leben derzeit in Deutschland (bitte nach Bundesländern
differenziert darstellen, bitte auch nach Duldungsgründen aufschlüsseln)?
Die Angaben können den nachstehenden Tabellen entnommen werden.
Ausreisepflichtige Iraker Gesamt Ausreisepflichtige mit
Duldung
Ausreisepflichtige ohne
Duldung
Alle Länder 20 878 18 923 1 955
Baden-Württemberg 2 360 2 226 134
Bayern 3 096 2 775 321
Berlin 817 716 101
Brandenburg 375 359 16
Bremen 71 64 7
Hamburg 575 376 199
Hessen 847 780 67
Mecklenburg-Vorpommern 362 345 17
Niedersachsen 2 392 2 153 239
Nordrhein-Westfalen 5 632 5 184 448
Rheinland-Pfalz 551 493 58
Saarland 102 89 13
Sachsen 796 697 99
Sachsen-Anhalt 287 245 42
Schleswig-Holstein 2 054 1 914 140
Thüringen 561 507 54
Ausreisepflichtige mit Duldung nach Duldungsgründen Gesamt
gesamt 18 923
Duldung nach § 60a Abs. 1 AufenthG 333
Duldung nach § 60a Abs. 2 Satz 1 AufenthG
Abschiebungshindernisse n. § 60 Abs. 1-5,7 AufenthG
299
Duldung nach § 60a Abs. 2 Satz 1 AufenthG als unbegleiteter
Minderjähriger gem. § 58 Abs. 1a AufenthG
36
Duldung nach § 60a Abs. 2 Satz 1 AufenthG aufgrund fam.
Bindungen
2 447
Duldung nach § 60a Abs. 2 Satz 1 AufenthG aus
medizinischen Gründen
49
Duldung nach § 60a Abs. 2 Satz 1 AufenthG aus sonstigen
Gründen
7 167
Duldung nach § 60a Abs. 2 Satz 1 AufenthG bei Anordnung
der aufschiebenden Wirkung nach § 80 Absatz 5 VwGO
23
Duldung nach § 60a Abs. 2 Satz 1 AufenthG bei fehlendem
Absehen von einer Vollstreckung nach § 456a StPO
3
Duldung nach § 60a Abs. 2 Satz 1 AufenthG bei
stattgegebenem Eilantrag gemäß § 123 VwGO
18
Duldung nach § 60a Abs. 2 Satz 1 AufenthG fehlendes,
aber erforderliches Einvernehmen einer Stelle nach § 72 (4)
AufenthG
2
Duldung nach § 60a Abs. 2 Satz 1 AufenthG wegen eines
Asylfolgeantrags erteilt
384
Duldung nach § 60a Abs. 2 Satz 1 AufenthG, weil konkrete
Maßnahmen zur Aufenthaltsbeendigung bevorstehen
337
Duldung nach § 60a Abs. 2 Satz 3 AufenthG i. V. m. § 60c
Abs. 1 AufenthG (Ausbildungsduldung, Anspruch)
334
Ausreisepflichtige mit Duldung nach Duldungsgründen Gesamt
Duldung nach § 60a Abs. 2 Satz 3 AufenthG i. V. m. § 60c
Abs. 7 AufenthG (Ausbildungsduldung, Ermessen)
27
Duldung nach § 60a Abs. 2 Satz 3 AufenthG i. V. m. § 60d
Abs. 1 AufenthG (Beschäftigungsduldung, Regelanspruch,
Beschäftigter)
319
Duldung nach § 60a Abs. 2 Satz 3 AufenthG i. V. m. § 60d
Abs. 4 AufenthG (Beschäftigungsduldung, Ermessen,
Beschäftigter)
4
Duldung nach § 60a Abs. 2 Satz 3 AufenthG i. V. m. § 60c
Abs. 6 Satz 2 AufenthG (Arbeitsplatzsuche nach
Ausbildungsabschluss)
3
Duldung nach § 60a Abs. 2 Satz 3 AufenthG i. V. m. § 60d
Abs. 1 AufenthG (Beschäftigungsduldung, Regelanspruch,
Ehegatte/Lebenspartner)
88
Duldung nach § 60a Abs. 2 Satz 3 AufenthG i. V. m. § 60d
Abs. 2 AufenthG (Beschäftigungsduldung, Regelanspruch,
minderjährige ledige Kinder)
13
Duldung nach § 60a Abs. 2 Satz 3 AufenthG i. V. m. § 60d
Abs. 4 i. V. m. Abs. 1 AufenthG (Beschäftigungsduldung,
Ermessen, Ehegatte/Lebenspartner)
9
Duldung nach § 60a Abs. 2 Satz 3 AufenthG i. V. m. § 60d
Abs. 4 i. V. m. Abs. 2 AufenthG (Beschäftigungsduldung,
Ermessen, minderjährige ledige Kinder)
1
Duldung nach § 60a Abs. 2 Satz 1 AufenthG (Altfall) 3
Duldung nach § 60a Abs. 2 Satz 1 AufenthG wegen fehlender
Reisedokumente
5 011
Duldung nach § 60a Abs. 2 Satz 2 AufenthG 2
Duldung nach § 60a Abs. 2 Satz 3 AufenthG 1 086
Duldung nach § 60a Abs. 2b AufenthG 55
Duldung nach § 60a Absatz 2 Satz 3 AufenthG in Verbindung
mit § 60c Absatz 6 Satz 1 AufenthG (Suche nach weiterem
Ausbildungsplatz)
7
Duldung nach § 60a AufenthG (alt) 7
Duldung nach § 60b Abs. 1 AufenthG (Duldung für Personen
mit ungeklärter Identität)
856
Quelle: BAMF, Stand: 31.07.2025, vorläufige Zahlen
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ISSN 0722-8333]
Relationen
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