Wirkung der Rohstoffstrategie 2020 auf Importabhängigkeiten bei seltenen Erden
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Wirkung der Rohstoffstrategie 2020 auf Importabhängigkeiten bei seltenen Erden
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/1194
21. Wahlperiode 12.08.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Raimond Scheirich, Leif-Erik Holm, Dr. Malte Kaufmann, Marc
Bernhard, Bernd Schattner, Uwe Schulz, Christian Reck, Adam Balten, Marcel
Queckemeyer, Thomas Korell und der Fraktion der AfD
Wirkung der Rohstoffstrategie 2020 auf Importabhängigkeiten bei Seltenen Erden
Die Versorgung Deutschlands mit strategisch wichtigen Rohstoffen –
insbesondere Seltenen Erden – ist seit Jahren Gegenstand industriepolitischer und
sicherheitspolitischer Debatten. Die Bundesregierung veröffentlichte im Januar
2020 eine Fortschreibung der „Rohstoffstrategie der Bundesregierung“, in der
unter anderem die Diversifizierung von Bezugsquellen, der Ausbau von
Recyclingstrukturen und die Unterstützung von Erkundungsvorhaben im In- und
Ausland als Ziele formuliert wurden (www.bundeswirtschaftsministerium.de/Reda
ktion/DE/Artikel/Industrie/rohstoffstrategie-bundesregierung.html).
Trotz dieser Zielsetzungen hat sich an der hohen Importabhängigkeit
Deutschlands bei Seltenen Erden wenig geändert. Im Jahr 2024 kamen 3 400 Tonnen
bzw. 65,5 Prozent aller nach Deutschland importierten Seltenen Erden aus
China (www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/04/PD25_N01
9_51). Gleichzeitig verschärft sich die weltweite Konkurrenz um diese
Rohstoffe, etwa durch geopolitische Spannungen oder zunehmende
Exportkontrollen Chinas. Die europäische Industrie, darunter die deutsche
Automobilwirtschaft, der Maschinenbau und der Energiesektor, sind auf stabile Lieferketten in
diesem Bereich angewiesen (www.kfw.de/PDF/Download-Center/Konzernthe
men/Research/PDF-Dokumente-Studien-und-Materialien/Studie-Rohstoffabhae
ngigkeit_IWC_ISI.pdf).
Auf Basis des Final Reports „Study on the critical raw materials for the EU
2023“ veröffentlichte die EU im Jahr 2023 eine Liste, die unter anderem fünf
leichte und zehn schwere Seltene Erden (LREEs und HREEs) als kritische
Rohstoffe für den EU-Binnenmarkt identifiziert (https://single-market-econom
y.ec.europa.eu/sectors/raw-materials/areas-specific-interest/critical-raw-materia
ls_en).
Wirtschaftsverbände empfehlen seit Jahren eine Fortschreibung der
Rohstoffstrategie der Bundesregierung (https://bdi.eu/artikel/news/bdi-zum-rohstoffkon
gress-deutschlands-abhaengigkeit-ist-so-hoch-wie-nie, https://www.vbw-
bayern.de/Redaktion/Frei-zugaengliche-Medien/Abteilungen-GS/
Wirtschaftspolitik/2023/Downloads/231211_Rohstoffstudie_final.pdf). Bis heute wurde
die Rohstoffstrategie nicht erneut fortgeschrieben. Es stellt sich den
Fragestellern die Frage, inwieweit sie angesichts veränderter globaler
Rahmenbedingungen überhaupt noch als handlungsleitend angesehen werden kann.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie viele Tonnen leichte und schwere Seltene Erden wurden nach
Kenntnis der Bundesregierung in Deutschland seit 2018 bis heute jährlich
verbraucht (bitte aufschlüsseln)?
2. Wie viele Tonnen leichte und schwere Seltene Erden wurden nach
Kenntnis der Bundesregierung seit 2018 bis heute jährlich importiert, und wie
viele Tonnen wurden in Deutschland gefördert (bitte aufschlüsseln)?
3. Wie hoch war nach Kenntnis der Bundesregierung der deutsche
Importanteil von leichten und schweren Seltenen Erden aus China, Myanmar,
Vietnam und Russland seit 2018 bis heute (bitte jahresweise aufschlüsseln)?
4. Ab welchem Importanteil in Prozent von leichten und schweren Seltenen
Erden liegt nach Ansicht der Bundesregierung grundsätzlich eine kritische
Importabhängigkeit Deutschlands vor?
5. Von welchen Staaten ist Deutschland nach aktueller Einschätzung der
Bundesregierung abhängig von Importen von leichten und schweren
Seltenen Erden (bitte Gründe erläutern)?
6. Welche konkreten Maßnahmen hat die Bundesregierung seit
Veröffentlichung der Rohstoffstrategie im Januar 2020 bis heute umgesetzt, um die
Versorgung mit Seltenen Erden resilienter zu gestalten (bitte jahresweise
aufschlüsseln)?
7. Woran bemisst und wie bewertet die Bundesregierung die Wirksamkeit
der in der Rohstoffstrategie 2020 formulierten Ziele und Maßnahmen mit
Blick auf die Seltenen Erden aktuell?
8. Fanden Ressortabstimmungen und Evaluierungen zur Fortschreibung oder
Überarbeitung der Rohstoffstrategie seit Beschluss der Rohstoffstrategie
bis heute statt, und wenn ja, welche (bitte erläutern)?
9. Welche konkreten Planungen verfolgt die Bundesregierung derzeit zur
Aktualisierung oder Neufassung der Rohstoffstrategie, und wann ist mit
einer Veröffentlichung zu rechnen?
10. Welche deutschen Unternehmen sind nach Kenntnis der Bundesregierung
derzeit an ausländischen Explorations-, Förder- oder
Veredelungsprojekten zu Seltenen Erden beteiligt (bitte nach Land und
Unternehmensbeteiligung aufschlüsseln)?
11. Unterstützt die Bundesregierung gezielt Investitionen in
Raffinierungsoder Trennanlagen für Seltene Erden in Deutschland oder der EU, z. B.
durch staatliche Fördermittel, Beteiligungen oder
Kooperationsprogramme, und wenn ja, inwiefern?
12. Werden derzeit in Deutschland konkrete Recyclingprogramme oder
Recyclingprojekte zur Rückgewinnung von Seltenen Erden aus Altgeräten,
Dauermagneten, Windkraftanlagen oder E-Fahrzeugen staatlich gefördert,
und wenn ja, welche (bitte mit Mittelangaben, Projektträgern und
Förderlaufzeit auflisten)?
13. Sind der Bundesregierung inländische Lagerstätten von Seltenen Erden
bekannt, und wenn ja, wo liegen diese, und auf wie viele Tonnen wird das
jeweilige Vorkommen geschätzt?
14. Wie viele und welche inländischen Lagerstätten von Seltenen Erden
werden nach Kenntnis der Bundesregierung derzeit wirtschaftlich genutzt?
15. Welche Hemmnisse sieht die Bundesregierung für die kurzfristige
Erschließung inländischer Lagerstätten Seltener Erden, etwa im Erzgebirge
oder in Bayern?
16. Welche Maßnahmen sind aus Sicht der Bundesregierung notwendig, um
die europäische Rohstoffversorgung mit Seltenen Erden strategisch zu
stärken?
17. Sind der Bundesregierung die industriepolitischen Initiativen Frankreichs,
Kanadas oder Japans zur Stärkung der strategischen Rohstoffversorgung
mit Seltenen Erden bekannt, und wenn ja, welche Schlussfolgerungen für
ihr eigenes Handeln hat sie aus diesen Initiativen gezogen (https://innovati
onorigins.com/en/france-encourages-battery-recycling-projects/, https://w
ww.iea.org/policies/16639-international-resource-strategy-national-stockp
iling-system, https://www.canada.ca/en/campaign/critical-minerals-in-can
ada/canadian-critical-minerals-strategy.html)?
18. Welche Auswirkungen hat die Verschärfung der Exportkontrollen für
kritische Mineralien durch die chinesische Regierung (www.berliner-zeitun
g.de/news/china-drosselt-mineralien-lieferungen-an-westliche-ruestungsin
dustrie-li.2346634) auf die deutsche Wirtschaft?
19. Welchen Bedarf (Mengen, Qualität) an Seltenen Erden prognostiziert die
Bundesregierung kurz- und mittelfristig für die deutsche Industrie?
20. Durch welche Maßnahmen möchte die Bundesregierung erreichen, dass
vermehrt Rohstoffe im Inland gewonnen werden und so der
Rohstoffimport vermindert wird, gleichzeitig aber viele Recycling- bzw.
Rückgewinnungstechnologien hohen Energieeinsatz benötigen und die hohen
Energiepreise diese Technologien wirtschaftlich unattraktiv machen könnten?
Berlin, den 6. August 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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