COVID-19-Impfschäden ernst nehmen und deren medizinische Behandlung sicherstellen
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COVID-19-Impfschäden ernst nehmen und deren medizinische Behandlung sicherstellen
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/774
21. Wahlperiode 07.07.2025
Antrag
der Abgeordneten Martin Sichert, Dr. Christina Baum, Carina Schießl,
Claudia Weiss, Kay-Uwe Ziegler, Thomas Dietz, Joachim Bloch, Tobias
Ebenberger, Nicole Hess, Dr. Christoph Birghan, Birgit Bessin, Kerstin
Przygodda, Alexis L. Giersch, Martina Kempf, Stefan Möller, Dr. Paul Schmidt,
Gereon Bollmann, Thomas Fetsch, Alexander Arpaschi, Erhard Brucker, Udo
Theodor Hemmelgarn, Stefan Henze, Gerrit Huy, Steffen Janich, Dr. Michael
Kaufmann, Kurt Kleinschmidt, Maximilian Kneller, Manuel Krauthausen,
Reinhard Mixl, Gerold Otten, Dr. Rainer Rothfuß, Lars Schieske, Jan Wenzel
Schmidt, Georg Schroeter, Otto Winfried Strauß, Martina Uhr, Sven Wendorf
und der Fraktion der AfD
COVID-19-Impfschäden ernst nehmen und deren medizinische Behandlung
sicherstellen
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Die Impfkampagne gegen COVID-19 begann am 27. Dezember 2020 mit dem Ziel,
die Pandemie einzudämmen und eine Rückkehr zur Normalität zu ermöglichen.1
Viele Menschen, die sich, ob freiwillig oder unter beruflichem und/oder sozialem
Druck, haben impfen lassen, leiden unter dem sogenannten Post-Vac-Syndrom, das
sich durch langanhaltende gesundheitliche Beeinträchtigungen wie Atemnot,
Herzstechen, Nervenschmerzen und Muskelschwäche äußert. Diese Symptome können so
gravierend sein, dass Betroffene arbeitsunfähig werden und in existenzielle Not geraten.
Trotz dieser schweren gesundheitlichen Folgen werden Anträge auf Anerkennung von
Impfschäden oft mit der Begründung abgelehnt, dass keine ausreichenden
wissenschaftlichen Nachweise für das Syndrom vorlägen. Dies führt dazu, dass Erkrankte
nicht nur mit ihren Beschwerden kämpfen, sondern auch mit einem bürokratischen
System, das ihre Leiden nicht angemessen anerkennt. Gesundheitsminister Karl
Lauterbach, der zunächst die Impfstoffe als „nebenwirkungsfrei“ bezeichnete, räumte
später ein, dass diese Aussage übertrieben war. Dennoch gibt es bislang keine
strukturierten Hilfsmaßnahmen für Post-Vac-Betroffene, die auf schnelle und unbürokratische
Unterstützung angewiesen sind. Die Bundesregierung muss daher ihrer Verantwortung
gerecht werden und dringend handeln, um medizinische Versorgung, finanzielle
Hilfen und wissenschaftliche Forschung in diesem Bereich sicherzustellen.2
1 www.wiwo.de/my/politik/deutschland/corona-impfstoff-wie-der-kampf-gegen-das-virus-nun-
gewonnenwerden-kann/26728672.html
2 www.mdr.de/nachrichten/deutschland/gesellschaft/corona-impfung-post-vac-syndrom-102.html
Die Bundesregierung hat in der Vergangenheit die COVID-19-Impfung als sicher und
„nebenwirkungsfrei“ beworben, so zum Beispiel der ehemalige
Bundesgesundheitsminister Prof. Dr. Karl Lauterbach in einer Sendung mit Anne Will im Februar 2022.3
Eine kritische Aufarbeitung dieser Fehlinformationen ist jedoch ausgeblieben. Einer
Antwort auf die Mündliche Frage des Abgeordneten der AfD-Bundestagsfraktion
Tobias Matthias Peterka vom 29. März 20234 ist zu entnehmen, dass die
Bundesregierung keine Absicht hat, sich mit den Folgen dieser Aussage auseinanderzusetzen, und
verweist lediglich auf bestehende Überwachungs- und Informationssysteme, ohne
anzuerkennen, dass diese Maßnahmen für viele Betroffene nicht ausreichen. Dies hat
dazu geführt, dass viele Menschen, die schwere gesundheitliche Beeinträchtigungen
nach der Impfung erlitten haben, allein gelassen werden und mit bürokratischen
Hürden kämpfen.5
Besonders problematisch ist die Diskrepanz zwischen den erwarteten und den
tatsächlich anerkannten Impfschäden. Während Hersteller eine Quote schwerwiegender
Nebenwirkungen von bis zu 0,6 Prozent angaben6 – was bei 192 Millionen verabreichten
Dosen über eine Million Betroffene bedeuten könnte –, wurden bis Januar 2024 nur
467 Fälle offiziell als Impfschäden anerkannt. Diese enorm niedrige
Anerkennungsquote legt nahe, dass die Hürden für eine Entschädigung unangemessen hoch sind.
Statt eine faire und transparente Anerkennungspraxis sicherzustellen, werden die
meisten Anträge abgelehnt, wodurch die Betroffenen in eine existenzielle Notlage geraten.
Die Einrichtung einer bundesweiten Post-Vac-Hotline ist daher dringend erforderlich.
Viele Menschen mit gesundheitlichen Beschwerden nach einer COVID-19-Impfung
wissen nicht, an wen sie sich wenden können. Obwohl anerkannte Impfschäden selten
sind, berichten zahlreiche Betroffene von langanhaltenden Symptomen, die
medizinisch schwer einzuordnen sind. Dies führt oft zu Verunsicherung,
Orientierungslosigkeit und einem Gefühl der Hilflosigkeit.
Eine zentrale Anlaufstelle kann dazu beitragen, Betroffene gezielt zu informieren,
medizinische Ansprechstellen zu vermitteln und den tatsächlichen Hilfebedarf besser zu
erfassen. Erfahrungen mit der bayerischen Post-Vac-Hotline zeigen, dass der
Beratungsbedarf hoch, die Kapazitäten jedoch regional begrenzt und überlastet sind. Eine
bundesweite Hotline würde diese Versorgungslücke schließen, eine einheitliche
Beratung sicherstellen und gleichzeitig das Gesundheitssystem entlasten, indem sie
Anfragen bündelt und Menschen gezielt an geeignete Fachstellen weiterleitet. Darüber
hinaus trägt eine bundesweite Hotline zur wissenschaftlichen Datenerhebung bei. Sie
kann helfen, Versorgungslücken zu identifizieren und langfristige Verbesserungen in
der medizinischen Betreuung von Post-Vac-Betroffenen anzustoßen.
Zum 01.04.2023 startete das bayerischen Gesundheitsministeriums eine Hotline zum
Post-Vac-Syndrom, die Menschen mit anhaltenden gesundheitlichen Beschwerden
nach einer Corona-Impfung den Weg zu Einrichtungen und Angeboten weisen soll,
die individuelle medizinische Beratung bieten. Schon nach kurzer Zeit war diese
Hotline überlastet.7
Die Hürden für die Anerkennung von Impfschäden sind derzeit hoch, was dazu führt,
dass viele Betroffene trotz erheblicher gesundheitlicher Einschränkungen keine
Entschädigung erhalten. Die derzeitige Praxis setzt eine klare Kausalität zwischen Imp-
3 www.welt.de/kultur/medien/plus236891587/Karl-Lauterbach-bei-Anne-Will-Die-Talkshow-als-Dokument-
des-Scheiterns.html
4 https://dip.bundestag.de/vorgang/%C3%A4u%C3%9Ferungen-des-bundesministers-karl-lauterbach-zu-ne-
benwirkungen-von-corona-impfungen/297932?f.deskriptor=Impfung&rows=25&pos=25
5 www1.wdr.de/nachrichten/westfalen-lippe/corona-impfschaeden-westfalen-lippe-100.html; www.pharma-
zeutische-zeitung.de/467-anerkannte-impfschaeden-in-deutschland-144995/
6 www.pei.de/DE/newsroom/dossier/coronavirus/sicherheitsbericht-covid-19-impfstoffe-aktuell.html
7 www.deutschlandfunk.de/voellige-ueberlastung-von-hotline-fuer-corona-impfschaeden-zum-auftakt-
100.html
fung und Schaden voraus, die in vielen Fällen schwer nachzuweisen ist. Um eine
gerechtere Bewertung sicherzustellen, sollten wissenschaftliche Erkenntnisse über
dokumentierte Nebenwirkungen stärker berücksichtigt und standardisierte
Diagnosekriterien entwickelt werden.
Zudem fehlt es an einer ausreichenden medizinischen Versorgung für
Impfgeschädigte. Die wenigen existierenden Spezialambulanzen sind massiv überlastet, und es
gibt keine flächendeckenden Anlaufstellen für Betroffene. Während die Regierung
darauf verweist, dass das Paul-Ehrlich-Institut Verdachtsmeldungen sammelt, bleibt
offen, wie konkret geholfen wird. Notwendig wäre ein umfassender Ausbau
spezialisierter Anlaufstellen und eine strukturelle Verbesserung der medizinischen Betreuung.8
Darüber hinaus hat die Bundesregierung es versäumt, die Kommunikation zur
Impfkampagne kritisch zu hinterfragen. Während sie sich nun darauf beruft, dass über
mögliche Nebenwirkungen informiert wurde, wurden Impfungen zuvor als sicher und ohne
langfristige Risiken dargestellt. Eine ehrliche Auseinandersetzung mit dieser
Fehlinformation und eine klare Verantwortungsübernahme sind jedoch notwendig, um das
Vertrauen in zukünftige Gesundheitsmaßnahmen nicht weiter zu untergraben. Die
öffentliche Kommunikation über die Sicherheit der COVID-19-Impfstoffe war nicht
immer kohärent. Während anfänglich mögliche Risiken kaum thematisiert wurden, gibt
es inzwischen offizielle Anerkennungen bestimmter Nebenwirkungen. Es ist
notwendig, dass sich die Bundesregierung mit der Frage auseinandersetzt, wie künftige
Impfkampagnen transparenter und verantwortungsvoller kommuniziert werden können.
Seit Beginn der COVID-19-Impfkampagne wurden Nebenwirkungen beobachtet, die
in einigen Fällen zu schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen geführt haben.
Bestehende Überwachungsmechanismen wie das Paul-Ehrlich-Institut sammeln
Verdachtsmeldungen, jedoch fehlt es an einer strukturierten wissenschaftlichen
Untersuchung langfristiger Folgen. Um Betroffenen gerecht zu werden, ist eine gezielte
Erforschung dieser gesundheitlichen Einschränkungen notwendig.
Die fehlende Anerkennung der realen Probleme von Impfgeschädigten, die hohe
Ablehnungsquote bei Entschädigungsanträgen und die mangelnde medizinische
Unterstützung zeigen, dass die Bundesregierung ihrer Verantwortung nicht gerecht wird. Es
ist dringend erforderlich, strukturelle Verbesserungen vorzunehmen, um eine faire
Entschädigung, bessere medizinische Versorgung und eine ehrliche Aufarbeitung der
Impfkampagne sicherzustellen.
Menschen, die gesundheitliche Schäden nach einer COVID-19-Impfung erlitten
haben, dürfen nicht allein gelassen werden. Eine transparente Aufarbeitung, eine
gerechtere Entschädigungspraxis und der Ausbau medizinischer Versorgungsangebote sind
dringend erforderlich, um diesen Betroffenen die Unterstützung zu geben, die sie
benötigen. Durch ihre Verantwortung für die COVID-19-Impfkampagne, steht die
Bundesregierung in der besonderen Pflicht, eine angemessene Versorgung von Patienten
mit entsprechenden Impfnebenwirkungen und Impfschäden sicherzustellen.9
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung daher auf,
1. eine bundesweite Post-Vac-Hotline einzurichten und zu betreiben, die als zentrale
Anlaufstelle für Betroffene dient, mit medizinisch geschultem Personal besetzt
ist und eine strukturierte Erfassung von Beschwerden ermöglicht;
8 www.mdr.de/nachrichten/deutschland/gesellschaft/corona-impfung-post-vac-syndrom-102.html
9 www.allgemeine-zeitung.de/politik/politik-deutschland/coronavirus-impfung-doch-nicht-
nebenwirkungsfrei-1711359; www.welt.de/politik/deutschland/article244010887/Post-Vac-Syndrom-Das-Thema-Impf-
schaeden-gehoert-in-die-Mitte-der-Gesellschaft.html
2. die Hotline regelmäßig zu evaluieren, deren Wirksamkeit zu überprüfen und eine
enge Zusammenarbeit mit spezialisierten medizinischen Einrichtungen
sicherzustellen, um eine bestmögliche Versorgung der Betroffenen zu gewährleisten;
3. ein flächendeckendes Netzwerk spezialisierter Ambulanzen aufzubauen und so
sicherzustellen, dass Betroffene nicht weiter durch überlastete Einrichtungen
abgewiesen werden;
4. eine Stiftung für Impfgeschädigte zu schaffen, die unbürokratische Hilfen
bereitstellt und durch den Bund finanziert wird, um so für die Betroffenen zermürbende
Entschädigungsprozesse zu vermeiden;
5. die Anerkennungspraxis von Impfschäden grundlegend zu reformieren, indem
eine unabhängige Überprüfung der Verfahren erfolgt und die
Entschädigungsverfahren transparenter und effizienter gestaltet werden, um sicherzustellen, dass
Betroffene schneller und unbürokratischer Unterstützung erhalten;
6. mindestens fünf Jahre zweckgebundene Forschungsmittel zur Untersuchung der
Ursachen, Diagnostik und Behandlung des Post-Vac-Syndroms bereitzustellen,
um wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse zu gewinnen und wirksame
Therapieansätze für Betroffene zu entwickeln.
Berlin, den 27. Mai 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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