Burn-out, psychische Belastungen und Suizidgefährdung in der deutschen Landwirtschaft
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Burn-out, psychische Belastungen und Suizidgefährdung in der deutschen Landwirtschaft
Deutscher Bundestag Drucksache 21/6862
21. Wahlperiode 06.07.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Christian Reck, Stephan Protschka, Peter Felser, Danny
Meiners, Bernd Schattner, Julian Schmidt, Bernd Schuhmann, Dr. Michael Blos,
Steffen Janich, Enrico Komning, Dario Seifert, Lars Schieske, Stefan Schröder
und der Fraktion der AfD
Burn-out, psychische Belastungen und Suizidgefährdung in der deutschen
Landwirtschaft
Die auf Depressionen bei Landwirten spezialisierte Psychotherapeutin Karen
Hendrix äußerte sich gegenüber dem „Tagesspiegel“, dass sie aus Erfahrung
wisse, dass jeder Landwirt ungefähr drei andere Landwirte kenne, die Suizid
begangen hätten (www.tagesspiegel.de/gesellschaft/psychiaterin-uber-depressio
nen-unter-bauern-jeder-landwirt-kennt-ungefahr-drei-andere-landwirte-die-suiz
id-begangen-haben-13060516.html).
Landwirte stehen unter enormem Druck. Explodierende Kosten, fallende
Preise, immer neue Auflagen (www.agrarheute.com/land-leben/tabu-thema-selbstm
orde-landwirten-erschreckend-viele-landwirte-suizid-begehen-640097). Das
erzeugt Frust und Existenzängste. Studien zeigen, dass die Suizidrate bei
einigen Landwirten weit über dem nationalen Durchschnitt liegt (www.agrarheut
e.com/management/suizid-landwirten-eu-studie-zeigt-gruende-631548).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche Behörden, Institutionen oder Stellen erfassen nach Kenntnis der
Bundesregierung in Deutschland berufsspezifische Daten zu psychischen
Erkrankungen, Burn-out-Syndromen und versuchten und/oder erfolgten
Suiziden (bitte die Behörden, Institutionen oder Stellen nach
Bundesländern auflisten)?
2. Welche der in Frage 1 erfragten Behörden, Institutionen oder Stellen
erfassen nach Kenntnis der Bundesregierung die psychischen Erkrankungen,
Burn-out-Syndrome und versuchten und/oder erfolgten Suizide speziell in
landwirtschaftlichen Betrieben (bitte die Behörden, Institutionen oder
Stellen nach Bundesländern auflisten)?
3. Welche Beratungsstellen zu Burn-out, psychischen Erkrankungen und
Suizidgefährdung bei Landwirten sind der Bundesregierung ggf. bekannt,
und wie ist nach Kenntnis der Bundesregierung die finanzielle
Unterstützung dieser – vermutlich auch teils privaten – Stellen seitens der
öffentlichen Hand (bitte alle Beratungsstellen je Bundesland mit dem jeweiligen
Budgetrahmen der letzten zehn Jahre und die finanzierende Stelle, sofern
der Bundesregierung bekannt, detailliert auflisten)?
4. Sollten einzelne oder alle der in Frage 3 erfragten Beratungsstellen in den
vergangenen Jahren oder im letzten Jahr nach Kenntnis der
Bundesregierung weniger finanzielle Unterstützung erhalten haben (ausgehend vom
Wert im Jahr 2020), warum ist das nach Kenntnis der Bundesregierung so
(bitte je Beratungsstelle, sofern der Bundesregierung bekannt, detailliert
begründen)?
5. Wie häufig wurden nach Kenntnis der Bundesregierung die
unterschiedlichen Beratungs-, Präventions- und Unterstützungsangebote speziell für
Landwirte mit psychischen Belastungen in den vergangenen zehn Jahren
angenommen (bitte mit jeweiligen Fallzahlen pro Jahr nach
Bundesländern erbeten, sofern der Bundesregierung bekannt, detailliert auflisten)?
6. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung ggf. über psychische
Belastungen, Burn-out-Syndrome, Depressionen oder andere psychische
Erkrankungen unter Landwirten in Deutschland vor?
7. Welche Ursachen für psychische Belastungen unter Landwirten sieht die
Bundesregierung ggf. (bitte, sofern der Bundesregierung bekannt,
detailliert auflisten)?
8. Hat die Bundesregierung Kenntnis, in wie vielen Fällen in den
vergangenen zehn Jahren allgemein psychische Erkrankungen der Auslöser für die
Hofaufgabe waren (wenn ja, bitte nach Krankheitsbild und jeweiliger
Anzahl je Bundesland aufschlüsseln)?
9. Liegen der Bundesregierung Erkenntnisse darüber vor, ob Landwirte im
Vergleich zur Gesamtbevölkerung oder zu anderen Berufsgruppen
signifikant unterschiedliche psychische Erkrankungen oder Suizidgefährdungen
aufweisen (bitte die Zahlen nach Gesamtbevölkerung und Berufsgruppe je
Bundesland, sofern der Bundesregierung bekannt, detailliert angeben)?
10. Lassen sich aus den in Frage 9 erfragten Daten nach Kenntnis der
Bundesregierung auch signifikante Unterschiede zwischen Voll- und
Nebenerwerbslandwirten, Familienbetrieben und Agrargenossenschaften und/oder
Agrar-GmbHs etc., bzw. nach Hofgrößen darstellen (wenn ja, bitte nach
Bundesländern detailliert aufschlüsseln)?
11. Gibt es bundesweit und/oder nach Kenntnis der Bundesregierung
bundeslandbezogene Erhebungen oder Auswertungen zu Suizidversuchen oder
vollendeten Suiziden bei Landwirten (bitte je Bundesland, sofern der
Bundesregierung bekannt, aufstellen)?
12. Wenn Frage 11 verneint wird, warum gibt es diese Erhebungen
Auswertungen nicht (bitte detailliert begründen)?
13. Welche Rolle für die psychische Gesundheit von Landwirten spielen nach
Erkenntnis der Bundesregierung folgende Faktoren: wirtschaftlicher
Druck, Extremwetterereignisse, Tierseuchen, Bürokratiebelastung,
Dokumentationspflichten, Hofübergabe bzw. Nachfolgeregelung, soziale
Stellung, gesellschaftliche Konfliktlagen und allgemeine Zukunftsängste
(bitte jeweils, sofern der Bundesregierung bekannt, detailliert begründen)?
14. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung ggf. zu regionalen
Schwerpunktbereichen bzw. besonderen Belastungsregionen (bitte die
Belastungsgründe bzw. Krankheitsbilder nach Bundesländern und Regionen,
sofern der Bundesregierung bekannt, auflisten)?
15. Welche konkreten Maßnahmen hält die Bundesregierung ggf. für
erforderlich, um psychische Belastungen, Burn-out-Syndrome und
Suizidgefährdungen unter Landwirten frühzeitig zu erkennen und Betroffenen
rechtzeitig ein Beratungs- und/oder Präventionsangebot aktiv anzubieten (bitte
die einzelnen Maßnahmen, sofern zutreffend, auflisten und beschreiben)?
16. Plant die Bundesregierung eine bundesweite, wissenschaftliche
Untersuchung oder Datenerhebung zur psychischen Gesundheit und
Suizidgefährdung unter Landwirten?
17. Wenn Frage 16 bejaht wird, wer ist beziehungsweise wird mit der
Durchführung dieser Untersuchung betraut, und wann ist mit dem Ergebnis
dieser Untersuchung zu rechnen?
18. Wenn Frage 16 verneint wird, warum nicht (bitte detailliert begründen)?
19. Wie viele niedergelassene Psychiater, Psychotherapeuten und Fachärzte
für Psychosomatik sind in ländlichen Regionen mit hoher
landwirtschaftlicher Prägung je 100 000 Einwohner verfügbar, und wie unterscheidet sich
diese Versorgungsdichte vom Bundesdurchschnitt?
20. Welche durchschnittlichen Wartezeiten auf einen ambulanten
Therapieplatz bestehen nach Kenntnis der Bundesregierung in ländlich geprägten
Regionen im Vergleich zu städtischen Regionen, und welche Maßnahmen
ergreift die Bundesregierung, um die Unterversorgung im ländlichen
Raum zu beheben?
21. Inwiefern sind nach Kenntnis der Bundesregierung telemedizinische und
digitale Angebote zur psychologischen Beratung speziell für Landwirte
verfügbar, erstattet und in der Praxis erreichbar, insbesondere in Gebieten
ohne ausreichende Breitbandversorgung?
22. Welche Leistungen erbringt nach Kenntnis der Bundesregierung die
Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) im
Bereich psychischer Erkrankungen, vor allem Depressionen verschiedener
Ausprägungsgrade, eventuell Traumafolgestörungen und
Suizidprävention, und wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung das Budget
dieser Leistungen in den letzten zehn Jahren entwickelt?
23. Sind psychische Erkrankungen und Burn-out-Syndrome bei Landwirten
als Berufskrankheit anerkannt oder anerkennungsfähig, und wenn nein,
prüft die Bundesregierung eine entsprechende Erweiterung der
Berufskrankheiten-Liste?
24. Wie viele Landwirte haben in den letzten zehn Jahren
Erwerbsminderungsrente aufgrund psychischer Erkrankungen beantragt und erhalten,
und wie hat sich diese Zahl entwickelt?
25. Gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung bundesweit einheitliche
Screening-Instrumente zur Früherkennung psychischer Belastungen bei
Landwirten, etwa im Rahmen von Betriebsberatungen durch die SVLFG
oder Landwirtschaftskammern, und wenn ja, wie werden diese nach
Kenntnis der Bundesregierung eingesetzt und ausgewertet?
26. Welche Rolle spielen nach Kenntnis der Bundesregierung Tierärzte,
Maschinenringe, Landwirtschaftsberater und Lieferanten als potenzielle
Frühwarnsysteme für psychische Krisen bei Landwirten, und fördert die
Bundesregierung entsprechende Schulungsprogramme für diese
Multiplikatoren?
27. Hat die Bundesregierung eine Folgenabschätzung zur psychischen
Belastungswirkung neuer bürokratischer Auflagen, insbesondere im Bereich
Dokumentationspflichten, Cross-Compliance-Kontrollen und
Nachhaltigkeitsberichterstattung, auf landwirtschaftliche Betriebsinhaber
durchgeführt, und wenn nein, warum nicht?
Berlin, den 3. Juli 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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