Psychische Belastungen in der Arbeitswelt
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Psychische Belastungen in der Arbeitswelt
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/3153
21. Wahlperiode 08.12.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Anne Zerr, Janine Wissler, Doris Achelwilm, Dr. Dietmar
Bartsch, Desiree Becker, Janina Böttger, Jörg Cezanne, Agnes Conrad, Mirze
Edis, Christian Görke, Cem Ince, Cansin Köktürk, Tamara Mazzi, Pascal Meiser,
Zada Salihović, Lisa Schubert, Ines Schwerdtner, Isabelle Vandre, Sarah Vollath,
Sascha Wagner und der Fraktion Die Linke
Psychische Belastungen in der Arbeitswelt
Psychische Belastung bei der Arbeit hat viele Ursachen –
Leistungsverdichtung, mangelnde soziale Unterstützung, überlange und ungünstige Verteilung
der Arbeitszeit oder Umgebungsfaktoren wie Lärm, Beleuchtung oder Hitze.
Zusätzlich können externe Faktoren, wie Krieg oder die andauernde
Lebenshaltungskostenkrise, eine psychische Belastung für Beschäftigte darstellen.
Jüngste Daten aus dem DAK-Gesundheitsreport 2025 bestätigen, dass psychische
Erkrankungen unter den Top-3-Gründen für eine Krankschreibung liegen (https://
caas.content.dak.de/caas/v1/media/142382/data/8f878876acd7ba6e3076622bcc
006219/gesundheitsreport2025-ebook.pdf). Die Gemeinsame Deutsche
Arbeitsschutzstrategie (GDA) stellt fest, dass sich „angesichts der sich in der
Arbeitswelt vollziehenden digitalen Transformation auch Veränderungen der
psychischen Belastung bei der Arbeit“ (www.gda-portal.de/DE/GDA/3-GDA-Peri
ode/AP-Psyche) ergeben und hat psychische Belastungen zu einem der
Arbeitsschwerpunkte der dritten GDA-Periode (von 2021 bis 2024) erklärt. Aufgrund
der Corona-Pandemie wurde die dritte GDA-Periode bis Ende 2025 verlängert.
Auch die Bundesregierung plant die Stärkung der „Prävention von psychischen
Erkrankungen“ (Verantwortung für Deutschland. Koalitionsvertrag zwischen
CDU, CSU und SPD (KoalV), S. 16). Jedoch existiert weiterhin keine Anti-
Stress-Verordnung, die aus Sicht der Fragesteller geeignet wäre, Beschäftigte
vor den Auswirkungen psychischer Belastung bei der Arbeit zu schützen.
Bereits am 3. Mai 2013 hatte der Bundesrat eine entsprechende Verordnung
beschlossen (Bundesratsdrucksache 315/13).
Mit dieser Kleinen Anfrage sollen der aktuelle Stand psychischer Belastungen
in der Arbeitswelt und die diesbezüglichen Vorhaben der Bundesregierung
erfragt werden.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie viele Arbeitsunfähigkeitstage (AU-Tage) in Millionen aufgrund von
psychischen und Verhaltensstörungen gab es nach aktuellsten Daten nach
Kenntnis der Bundesregierung im Jahr 2024, und wie stellen sich diese
Werte im Vergleich zu den Jahren 2004, 2009, 2014 und 2019 dar (sollten
für das Jahr 2024 keine Daten vorliegen, bitte stattdessen die Daten des
jüngsten verfügbaren Jahres verwenden, bitte für die einzelnen Jahre
sowohl in absoluten Zahlen als auch als Anteil an allen Diagnosegruppen
darstellen, bitte nach Geschlecht, Branche und Alter differenzieren)?
2. Wie viele durchschnittliche AU-Tage je 100 Versicherte bzw. je GKV-
Mitgliedsjahr (GKV = gesetzliche Krankenversicherung) in der
Diagnosegruppe Psychische und Verhaltensstörungen gab es nach aktuellsten Daten
nach Kenntnis der Bundesregierung im Jahr 2024, und wie stellt sich
dieser Wert im Vergleich zu den Jahren 2004, 2009, 2014 und 2019 dar
(sollten für das Jahr 2024 keine Daten vorliegen, bitte stattdessen die Daten
des jüngsten verfügbaren Jahres verwenden, bitte für die einzelnen Jahre
sowohl in absoluten Zahlen als auch als Anteil an allen Diagnosegruppen
darstellen, bitte nach Geschlecht, Branchen und Alter differenzieren)?
3. Welche Wirtschaftszweige und Wirtschaftsabschnitte bzw. Berufsgruppen
und Tätigkeiten weisen nach Kenntnis der Bundesregierung im Jahr 2024
besonders erhöhte Durchschnittszahlen bezüglich der „Diagnosetage je
GKV-Mitgliedsjahr“ in der Diagnosegruppe Psychische und
Verhaltensstörungen auf (bitte nach Geschlecht differenzieren)?
4. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung darüber vor, wie die
Häufigkeit von AU-Tagen je 100 Versicherte bzw. je GKV-Mitgliedsjahr
in der Diagnosegruppe Psychische und Verhaltensstörungen in den
verschiedenen Erwerbseinkommensdezilen verteilt ist?
5. Wie viele Personen sind nach aktuellsten Daten nach Kenntnis der
Bundesregierung im Jahr 2024 wegen verminderter Erwerbsfähigkeit
aufgrund psychischer Erkrankungen vorzeitig in die Rente eingetreten, und
wie stellt sich dieser Wert im Vergleich zu den Jahren 2004, 2009, 2014
und 2019 dar (sollten für das Jahr 2024 keine Daten vorliegen, bitte
stattdessen die Daten des jüngsten verfügbaren Jahres verwenden, bitte für die
einzelnen Jahre sowohl in absoluten Zahlen als auch als Anteil an allen
Renteneintritten darstellen, bitte nach Geschlecht und Altersgruppen
differenzieren)?
6. Wie viele Personen haben nach aktuellsten Daten nach Kenntnis der
Bundesregierung im Jahr 2024 aufgrund psychischer Erkrankungen einen
Antrag auf Reha bei ihrem Rentenversicherungsträger gestellt, und wie stellt
sich dieser Wert im Vergleich zu den Jahren 2004, 2009, 2014 und 2019
dar (sollten für das Jahr 2024 keine Daten vorliegen, bitte stattdessen die
Daten des jüngsten verfügbaren Jahres verwenden, bitte für die einzelnen
Jahre sowohl in absoluten Zahlen als auch als Anteil an allen Reha-
Anträgen darstellen, bitte nach Geschlecht und Altersgruppen
differenzieren)?
7. Auf wie viele Tage beliefen sich nach aktuellsten Daten nach Kenntnis der
Bundesregierung die durchschnittlichen Ausfallzeiten bei psychischen
Erkrankungen im Jahr 2024, und wie stellt sich dieser Wert im Vergleich zu
den Jahren 2004, 2009, 2014 und 2019 sowie jeweils im Vergleich zum
Durchschnitt aller Erkrankungen dar (sollten für das Jahr 2024 keine
Daten vorliegen, bitte stattdessen die Daten des jüngsten verfügbaren Jahres
verwenden, bitte nach Geschlecht und Altersgruppen differenzieren)?
8. Wie hoch waren nach aktuellsten Daten nach Kenntnis der
Bundesregierung im Jahr 2024 die Produktionsausfallkosten und
Bruttowertschöpfungsausfälle, die durch psychische Erkrankungen verursacht wurden, und
wie stellen sich diese Werte im Vergleich zu den Jahren 2004, 2009, 2014
und 2019 dar (sollten für das Jahr 2024 keine Daten vorliegen, bitte
stattdessen die Daten des jüngsten verfügbaren Jahres verwenden)?
9. Wie häufig sind Beschäftigte nach Kenntnis der Bundesregierung den
folgenden Faktoren psychischer Belastung ausgesetzt
a) starker Termin- und Leistungsdruck,
b) verschiedene Arbeiten gleichzeitig machen,
c) häufige Arbeitsunterbrechungen,
d) arbeiten an der Grenze der Leistungsfähigkeit,
e) Unterforderung,
f) monotones Arbeiten
(bitte die aktuellen verfügbaren Daten angeben und nach Alter,
Geschlecht, Branche sowie Basisarbeit, Facharbeit und hochqualifizierter
Arbeit unterteilen)?
10. Wie häufig verfügen nach Kenntnis der Bundesregierung Beschäftigte
über die folgenden genannten Ressourcen, um psychischen Belastungen
am Arbeitsplatz gewachsen zu sein
a) Einfluss auf die Arbeitsmenge,
b) selbst entscheiden, wann Pausen gemacht werden,
c) eigene Arbeit selbst planen,
d) Unterstützung durch Kolleginnen und Kollegen,
e) Unterstützung durch Vorgesetzte
(bitte die aktuellen verfügbaren Daten angeben und nach Alter,
Geschlecht, Branche sowie Basisarbeit, Facharbeit und hochqualifizierter
Arbeit unterteilen)?
11. Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil der
Beschäftigten in der Gesamtwirtschaft, für die eine Gefährdungsbeurteilung unter
Berücksichtigung psychischer Belastungen durchgeführt wurde (bitte nach
Betriebsgrößen und Branchen aufschlüsseln)?
12. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über die Ursachen für
die Zunahme von psychischen Belastungen in der Arbeitswelt vor (bitte
herangezogene Quellen benennen)?
13. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung zu dem Zusammenhang
vom empfundenen Druck, permanent erreichbar sein zu müssen, und
psychischen Belastungen vor?
14. Welche Ergebnisse hat die Schwerpunktsetzung im Hinblick auf
psychische Erkrankungen in der dritten GDA-Periode, die dieses Jahr zu Ende
geht, erbracht?
15. Welche Vorhaben plant die Bundesregierung in der laufenden
Legislaturperiode, um psychische Belastungen am Arbeitsplatz zu reduzieren und
die Prävention psychischer Erkrankungen zu stärken (bitte ausführen und
begründen)?
Berlin, den 4. Dezember 2025
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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