Rede von Dr. Ottilie Klein (CDU/CSU) – Dr. Götz Frömming, Matthias Helferich,
Teil von Protokoll der 98. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages · TOP 6a und 6b: Dr. Götz Frömming, Matthias Helferich,.
Text
Rede von Dr. Ottilie Klein (CDU/CSU) – Dr. Götz Frömming, Matthias Helferich,
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und
Kollegen! Der 7. Oktober zeigt uns, wie wichtig eine
starke Gedenkkultur ist; denn in den vergangenen drei
Jahren ist der Judenhass zurück auf die Straßen unseres
Landes gekommen. 81 Jahre nach Ende des Holocausts
fühlen sich unsere jüdischen Mitbürger in Deutschland
nicht mehr sicher. Das ist zutiefst beschämend. Deshalb
brauchen wir gerade jetzt starke und präsente
Gedenkstätten, die über die furchtbaren Folgen des Judenhasses
berichten können.
Wenn wir uns die antisemitischen Exzesse in der
Linkspartei anschauen, wenn wir uns das Kokettieren
mit dem Nationalsozialismus bei der extremen Rechten,
wenn wir uns insgesamt das Erstarken der politischen
Ränder anschauen, dann muss die Antwort doch sein,
die Bildungsarbeit unserer Gedenkstätten zu stärken.
Denn hier wird doch am deutlichsten, wohin
Extremismus führt. Hier werden die Geschichten von Menschen
erzählt, die unter staatlichem Unrecht und unter Gewalt
leiden mussten. Die Gedenkstätten leisten unschätzbare
Arbeit in der Vermittlung von Geschichte; denn schon ein
Besuch vermittelt einen tieferen Eindruck der
Vergangenheit, als eine Unterrichtsstunde oder ein Sachbuch es
jemals könnte. Und genau deshalb setzt sich die
Bundesregierung für eine starke Gedenkkultur ein. Genau
deshalb stellen wir im kommenden Jahr noch einmal bis zu
10 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung. Das ist ein
echter Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Was die AfD hier fordert, ist nicht weniger als eine
Abkehr von den Grundsätzen unserer Erinnerungskultur
und auch unseres gesellschaftlichen Konsenses. Nicht
genug, dass die Erinnerung an die Verbrechen der
Nationalsozialisten als sogenannter Schuldkult abgetan
wird und dass in Sachsen-Anhalt wohl bald die Gelder
für Gedenkstättenbesuche gestrichen werden! Jetzt soll
die Geschichte insgesamt umgedeutet werden – übrigens
das übliche Playbook von Antidemokraten. Aus einer
ehrlichen Auseinandersetzung mit den Höhen und Tiefen
der deutschen Geschichte soll eine nationale
Wohlfühlshow mit Schlössern, Kirchen und Denkmälern werden,
die alles ausblendet, was nicht ins Bild passt.
(Dr. Götz Frömming [AfD]: Da müssen Sie
doch selber lachen!)
Und, meine Damen und Herren, lassen Sie mich auch
das noch sagen: Es hat schon eine gewisse Ironie, dass die
AfD damit zum Helfershelfer der Linken wird, die sich
sehr freuen wird, dass auch die SED-Vergangenheit keine
große Rolle mehr spielen soll.
Die Extreme arbeiten hier mal wieder Hand in Hand.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, es spricht überhaupt
nichts dagegen, dass wir uns im Rahmen unserer
Erinnerungskultur mit der gesamten Vielfalt der deutschen
Geschichte auseinandersetzen. Dafür gibt es ja auch bereits
Institutionen wie die Stiftung Orte der deutschen
Demokratiegeschichte, das Haus der Geschichte in Bonn, das
Deutsche Historische Museum hier in Berlin, die Stiftung
Flucht, Vertreibung, Versöhnung und viele weitere
Institutionen auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene.
So wirklich ernst meint es die AfD sowieso mit diesem
Antrag nicht; denn erst vor Kurzem haben wir in diesem
Hohen Haus über die Demokratiegeschichte debattiert.
Wir haben hier über unseren Antrag zu den Orten der
Demokratiegeschichte gesprochen, und dabei ging es ja
um eine Würdigung unserer Freiheitsgeschichte. Wenn es
Ihnen ernst wäre, dann hätten Sie unserem Antrag
zugestimmt. Haben Sie aber nicht; Sie haben sich
enthalten – mal wieder, muss man sagen. Konsistenz und
Glaubwürdigkeit, das passt eben nicht zu den
Algorithmen von Tiktok und Co. Das ist eben dann auch die
Politik, die man mit dieser Partei bekommt.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, als Koalition stehen
wir für eine Erinnerungskultur, die sich der historischen
Verantwortung dieses Landes bewusst ist, die sich ihr
stellt, und die die Gesamtheit der deutschen Geschichte
im Blick hat. Einseitige Neuinterpretationen, das
mutwillige Ausblenden unangenehmer Themen oder eine
Selbstbeweihräucherung angesichts gefühlter
historischer Größe lehnen wir ab. Das sind wir unserem Land,
uns selbst und, ja, sogar unserer Geschichte schuldig.
Vielen Dank.
Relationen
- part_of → Protokoll der 98. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages
- part_of_vorgang → Deutsche Erinnerungskultur neu ausrichten - Gedenkstättenkonzeption des Bundes durch eine Bundeskonzeption national bedeutsamer Gedenkstätte
- part_of_vorgang → Kulturschutzgebiete für identitätsstiftende Bauwerke und Landschaften etablieren
- spoke_in ← Ottilie Klein (Rede)