Rede von Dr. Andreas Scheuer (CDU/CSU) – Drucksachen 16/4900, 16/7367
Teil von Protokoll der 133. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 21: Drucksachen 16/4900, 16/7367 –.
Text
Rede von Dr. Andreas Scheuer (CDU/CSU) – Drucksachen 16/4900, 16/7367
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Weil einige Punkte von meinen Vorrednern schon
angesprochen wurden, möchte ich noch einmal
grundsätzlicher sagen, dass auch der Parlamentarische Beirat die
Nachhaltigkeit im Bereich des Verkehrs und der
Infrastruktur nicht mehr nur unter rein umweltpolitischen
Gesichtspunkten sieht. Wir haben die wirtschaftlichen,
sozialen und ökologischen Punkte mit den anderen Themen
verzahnt, wie zum Beispiel der Infrastrukturplanung,
dem Bau und dem Bereich der Demografie. Ich glaube
nämlich, dass Nachhaltigkeit nicht ausschließlich mit
Umweltthemen verzahnt werden darf.
Unsere Bundeskanzlerin Dr. Merkel hat die
Nachhaltigkeit in ihrer Haushaltsrede zum Leitprinzip der
deutschen Politik erklärt. Ich glaube, wir haben hier als
Parlamentarischer Beirat auch eine riesige Chance. Diese
Punkte werden der Politik immer negativ angelastet,
weil in der Öffentlichkeit immer gesagt wird, wir
Politiker würden nur bis zum nächsten Wahltag denken. Die
kollegiale und freundschaftliche Zusammenarbeit bei
diesem Thema, über das wir hier debattieren, ist ein
Beispiel dafür, dass wir ein Zukunftsausschuss sind und
über den nächsten Wahltag hinaus denken. Ich glaube,
das ist auch das Wesens- und Leitprinzip, das wir als
Parlamentarischer Beirat haben.
Natürlich gibt es an der einen oder anderen Stelle für
jede Fraktion heilige Kühe, also Dinge, bei denen es
schwierig ist, dazu überfraktionell Beschlüsse zu fassen.
Trotzdem denke ich, dass wir hier ein Signal dafür
gesetzt haben, dass Politik über die nächsten Wahltage
hinausschaut.
(Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und dem
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der FDP)
Der drastische Rückgang der Einwohnerzahlen und
die umfangreichen Wanderungsbewegungen, die auf
einer Powerpoint-Präsentation dargestellt wurden, haben
mich schon sehr umgetrieben, weil ich denke, dass es ein
zentrales Thema werden muss, wie wir mit
Wirtschaftsansiedlungen und einer Infrastrukturpolitik sich
entleerende Räume strukturpolitisch wieder aufwerten können.
Ich denke, das Bundesministerium für Verkehr, Bau und
Stadtentwicklung hat hier auch eine Bringschuld. Es
muss für die Themen, die wir in unserer Entschließung
angesprochen haben, einen Handlungs- und Aktionsrah-
Dr. Andreas Scheuermen vorgeben – beispielsweise für die technische und
soziale Infrastruktur. Hier geht es wirklich um
wesentliche Punkte der infrastrukturellen Daseinsvorsorge.
Meine Kollegen Vorredner haben diesen Bereich der
Raumordnungsplanung ja schon angesprochen.
Die Fakten der Bevölkerungsentwicklung sind klar.
Ich möchte aber noch ein strukturpolitisches Thema
ansprechen, das vor allem im Bereich der
Kommunikationstechnik angesiedelt ist. Ich glaube, der
Parlamentarische Beirat hat Anstöße dazu gegeben, über die Anträge
hinaus nachzudenken, die wir heute Vormittag zum
ländlichen Raum debattiert haben, und darauf hingewiesen,
dass die technische Infrastruktur sehr wichtig ist. Hier ist
nicht nur an Teer oder Beton zu denken, sondern
natürlich auch an das, was unter der Oberfläche liegt, nämlich
die Kabel und Sender – WiMAX-Systeme –, die als
schnelle Datenleitungen eingebaut werden und die wir
als Chance für den ländlichen Raum brauchen.
Vielleicht müssen wir gerade auch bei der
Wasserversorgung und der Abwasserentsorgung ein wenig
dezentraler denken. Das hat die Anhörung ja ergeben. Auch
wenn ich weiß, dass vor allem die Kommunen und die
Länder dafür zuständig sind, sage ich als
Bundespolitiker ganz bewusst: An ganz kleinen Beispielen sieht man,
dass wir die interkommunale Zusammenarbeit – ich
erwähne nur Räumdienste oder Ähnliches – unbedingt
ausbauen müssen. Wir als Bundespolitiker können
gerade bei der Förderung lenkend darauf hinwirken, dass
die ländlichen Räume im Vergleich zu den Städten und
Metropolregionen ihre Infrastruktur bewahren. Das geht
aber nur durch Zusammenarbeit.
(Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und dem
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der FDP)
Kollege Ernst Kranz hat es bereits angesprochen: Die
Arbeit im Beirat ist fraktionsübergreifend. Wir haben
diese Entschließung als parlamentarisches Meisterstück
– so will ich einmal sagen – hinbekommen. Wir haben
uns hier geeinigt und auch strittige Themen kollegial
besprochen. Von der Zielrichtung her waren wir uns
grundsätzlich einig, und wir wollen hier gemeinsam auftreten.
Wir wollen das ganze Parlament abbilden und die
Themen, die wir über die nächsten Wahlen hinaus zu
behandeln haben, manifest machen und ansprechen.
Ich möchte in dieser vorweihnachtlichen Stimmung
gerne mit einem Zitat von Saint Exupéry schließen
– vielleicht ist dies ein Vorsatz für 2008 –:
Was die Zukunft anbelangt, so haben wir nicht die
Aufgabe, sie vorherzusehen, sondern sie zu
ermöglichen.
Danke schön für Ihre Aufmerksamkeit.
(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD sowie
bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/
DIE GRÜNEN und des Abg. Patrick Döring
[FDP])Vizepräsidentin Petra Pau:
Das Wort hat der Kollege Lutz Heilmann für die
Fraktion Die Linke.