Rede von Ernst Kranz (SPD) – Drucksachen 16/4900, 16/7367
Teil von Protokoll der 133. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 21: Drucksachen 16/4900, 16/7367 –.
Text
Rede von Ernst Kranz (SPD) – Drucksachen 16/4900, 16/7367
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und
Kollegen! Ein erstes Thema des Parlamentarischen
Beirates für nachhaltige Entwicklung in dieser
Legislaturperiode war: „Demographischer Wandel und nachhaltige
Infrastrukturplanung“. Der Beirat hat hier eine
Expertenanhörung durchgeführt und nach anschließender
Beratung und Auswertung am 25. Mai hier in diesem Plenum
einen Bericht vorgelegt, der besprochen wurde.
Inzwischen ist die Beratung in den Ausschüssen
abgeschlossen. Der Beirat hat daraufhin eine Entschließung
formuliert, die uns heute vorliegt. Diese wurde im
federführenden Ausschuss für Verkehr, Bau und
Stadtentwicklung angenommen, und zwar einstimmig, also
von allen Fraktionen. Das ist wichtig; denn konsensuales
Vorgehen ist dem Beirat für Nachhaltigkeit sehr wichtig.
Legislaturperioden sind kurz, Nachhaltigkeit aber
beinhaltet vorausschauende und damit langfristige
Vorgehensweisen. Es ist für den Nachhaltigkeitsbeirat deshalb
von besonderer Bedeutung, Beschlüsse möglichst
konsensual zu fassen. Dadurch wird der hohen Bedeutung
der Themen für die gesamte Gesellschaft Rechnung
getragen, und die Arbeit des Beirats nachfolgender
Bundestage wird dadurch erleichtert, und zwar unabhängig
davon, ob die Mitglieder in der Regierung oder in der
Opposition sind. Das kann ja wechseln. Nicht zuletzt hat
sich dieses Prinzip für eine effektive und wirksame
Arbeit in diesem Beirat bisher bewährt.
Der Beirat erkennt in seinem Bericht die Leistung der
Bundesregierung an. Der „Städtebauliche Bericht 2004“und der „Raumordnungsbericht 2005“ zeigen, dass die
Regierung den richtigen Weg eingeschlagen hat, und
zwar weg vom Wachstum und hin zur Berücksichtigung
des Bevölkerungsrückgangs und des zunehmenden
Anteils älterer Menschen in unserer Gesellschaft. Der
Begriff Infrastruktur umfasst alle staatlichen und privaten
Einrichtungen, die für eine ausreichende
Daseinsvorsorge und wirtschaftliche Entwicklung erforderlich sind.
Eine ausreichend vorhandene, gut organisierte und gut
funktionierende Infrastruktur ist Grundvoraussetzung für
alle Akteure in der Volkswirtschaft. Infrastruktur ist
hierzulande selbstverständlich geworden, zu
selbstverständlich, wie ich finde. Man merkt erst dann, wie
wichtig Infrastruktur ist, wenn sie nicht ausreichend
vorhanden ist und ihre Aufgabe nicht mehr erfüllt.
Infrastruktur lässt sich in technische Infrastruktur
– das sind Einrichtungen der Verkehrs- und
Nachrichtenübermittlung, der Energie- und Wasserversorgung sowie
der Entsorgung – und soziale Infrastruktur – das sind
Schulen, Krankenhäuser, Sport- und Freizeitanlagen,
Einkaufsstätten sowie kulturelle Einrichtungen –
unterteilen. Wir haben uns erst einmal schwerpunktmäßig mit
der technischen Infrastruktur befasst. Die soziale
Infrastruktur wird in einem nachfolgenden Bericht erörtert
werden. Die Planung, Erstellung und Instandhaltung
einer Infrastruktur ist im Normalfall die Aufgabe des
Staates oder ihm verbundener Organe wie öffentlich-
rechtlicher Einrichtungen oder öffentlicher Unternehmen. Im
Zuge der Privatisierung von kommunalen und staatlichen
Betrieben und öffentlichen Aufgaben werden
insbesondere Erstellung und Instandhaltung der Infrastruktur
vermehrt von privaten und privatrechtlich organisierten
Firmen übernommen. Diese Entwicklung sollte man
kritisch verfolgen.
Die herausragende Bedeutung des Infrastrukturrechts
beruht auf der großen Bedeutung staatlicher und
kommunaler Infrastruktur. Die Zuständigkeiten greifen wie
Zahnräder ineinander. Gerade im verabschiedeten
Bundeshaushalt 2008 stellt der Einzelplan 12 als Haushalt für
technische Infrastruktur mit rund 13 Milliarden Euro den
größten Investitionshaushalt dar. Technische
Infrastruktur ist hochkomplex, und die investierten Mittel sind
langfristig angelegt. Aus diesem Grund ist eine intensive
Vorbereitung von Investitionen in die Infrastruktur
notwendig. Vor dem Hintergrund des demografischen
Wandels müssen diese Investitionen in technische
Infrastruktur mehr denn je auch künftige Generationen und deren
Belange berücksichtigen. Das ist notwendig, weil die
technische Infrastruktur gepflegt und unterhalten werden
muss. Nicht ausgelastete Kapazitäten der Infrastruktur
bedeuten erhöhte Kosten für die Nutzer. Damit wir diese
Aufgabe bewältigen können, ist eine verstärkte
Zusammenarbeit auf allen Ebenen, das heißt auf denen des
Bundes, der Länder und der Kommunen, erforderlich. Hierzu
heißt es im „Städtebaulichen Bericht 2004“ der
Bundesregierung: Die Schaffung und Sicherung eines
stadtverträglichen Verkehrs mit seinen positiven Folgen für die
städtische Umwelt und die Sicherung preiswerten
Wohnraums stellen zentrale Aufgaben der Stadtentwicklung
dar. Die demografischen Wandlungsprozesse erfordern
zudem Weitblick und rechtzeitige Anpassung auf allen
Ernst KranzFeldern der Stadtentwicklung. Vor allem vor dem
Hintergrund des vorhandenen hohen Investitionsbedarfs ist der
Bund gefordert, die Städte und Gemeinden zu
unterstützen. Insbesondere unter dem Stichwort „Bündelung“
kann es nicht nur die alleinige Aufgabe der Städte und
Gemeinden sein, die Probleme zu bewältigen. Daher wird
die Bundesregierung einen noch stärker integrativen
Ansatz ihrer für die Stadtentwicklung relevanten
Instrumente prüfen.
Wer die Literatur verfolgt, wird festgestellt haben,
dass es gerade in dieser Woche einige sehr interessante
genau dieses Thema aufgreifende Berichte gab. So war
es bisher üblich, dass wir Bauwerke vor allem aufgrund
ihrer Statik und des Kostenfaktors beurteilt haben. Auch
an dieser Stelle müssen wir umdenken. Nicht nur
sicherheitsrelevante, funktionale und ästhetische Aspekte,
sondern die Gesamtheit eines Bauwerks ist zu betrachten.
Dazu gab es einige interessante Ausführungen im
Dezemberheft des Deutschen Ingenieur-Blatts unter dem
Titel „Nachdenken über Nachhaltigkeit“. Darin wurde
auf integrierte, nachhaltige Planung eingegangen und
hervorgehoben, dass über die Wirtschaftlichkeit und
Nachhaltigkeit des Bauens nachgedacht werden muss.
In einer Broschüre der Bauindustrie wurde im
Dezember ein Artikel unter dem Titel „Ganzheitliches
Bauen – Baukompetenz nutzen, Klimaprobleme lösen“
veröffentlicht.
Neben den Planern betrifft das jetzt zunehmend auch
die Ingenieure und Architekten. Die Deutsche
Gesellschaft für nachhaltiges Bauen wurde initiiert.
Schwerpunkte ihrer Arbeit sollen umweltfreundliches Bauen,
Gesundheit und Bauen, Ressourcenschonung und die
Wirtschaftlichkeit beim Bauen insgesamt sein. Es gibt
im Hinblick auf die Nachhaltigkeit einen immer
größeren Bedarf an Beratung und Planung. Wir erhoffen uns,
dass damit Marktanteile in Deutschland errungen
werden können und dieses Wissen in Form von Planungs-
und Beratungsbeiträgen exportiert werden kann.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD und der
CDU/CSU)
Es muss eine ganzheitliche Betrachtung von Planung,
Bauausführung, dem Betrieb von Gebäuden bis hin zum
Rückbau von Gebäuden sowie der Wiederverwendung
von Baustoffen und Bauteilen geben. Man geht davon
aus, dass sich der Energieaufwand beim Bau und Betrieb
von Gebäuden durch integriertes Bauen gegenüber den
herkömmlichen Konzepten um bis zu 60 Prozent senken
lässt. Die Planungs- und Baukosten dafür sind nur
unwesentlich höher. Wer nachdenkt, erkennt, dass diese sich
bereits innerhalb weniger Jahre amortisieren.
Nicht nur die Umwelt und die Energieressourcen
haben etwas davon; vielmehr sparen Eigentümer und
Betreiber auch Geld. Wenn wir den Wohnungsbau
betrachten, sehen wir, dass wir damit ein Mittel in der Hand
haben, um die Betriebskosten in den Griff zu
bekommen. Auf diese Weise können wir das Ansteigen der
Mieten verhindern und dafür sorgen, dass Wohnungen
bezahlbar bleiben. Abschließend möchte ich kurz darauf hinweisen, dass
am Dienstag zu genau diesem Thema ein Kongress des
Bundesministeriums für Verkehr, Bau und
Stadtentwicklung hier in Berlin stattgefunden hat. „Nachhaltiges
Planen, Bauen und Betreiben von Gebäuden“ war die
Überschrift zu diesem Kongress.
Ich glaube, mit diesen Beispielen konnte ich gut
belegen, dass Nachhaltigkeit auch in unserem Ministerium
ihren Niederschlag findet und wir sie schon zu weiten
Teilen in der Praxis umgesetzt haben.
Vielen Dank.