Rede von Katharina Landgraf (CDU/CSU) – Gruß, Sibylle Laurischk, Ina Lenke, weiterer
Teil von Protokoll der 166. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 4 a bis 4 c: Gruß, Sibylle Laurischk, Ina Lenke, weiterer.
Text
Rede von Katharina Landgraf (CDU/CSU) – Gruß, Sibylle Laurischk, Ina Lenke, weiterer
Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und
Herren! Die Anträge bzw. der Gesetzentwurf der drei
Parteien sehen, zumindest wenn man die Überschriften
betrachtet, eigentlich gut aus. Man muss dafür sein. Denn
die Existenz von Kindern zu sichern und Familien zu
stärken, ist auf jeden Fall gut. Ich habe mir jetzt vor allen
Dingen die Anträge der Grünen und der FDP
angeschaut. Ich stelle zum Beispiel fest, dass im Grünen-
Antrag ein Mischmasch von Zuständigkeiten vorherrscht.
Die Verantwortung der Eltern fehlt. Darüber steht dort
überhaupt nichts.
Am meisten ärgere ich mich darüber, dass unter Punkt 2
im Antrag der Grünen steht, die Regierung schaue
untätig zu.
Ich muss fragen: Haben Sie nichts erkannt? Haben Sie
nichts gemerkt? Waren Sie nie anwesend, oder wollen Sie
das aus strategischen Gründen verschweigen? Die
Behauptung ist falsch, und wir können nachweisen – meine
Vorredner haben das schon gesagt –, was alles getan
wird und was wir weiterhin vorhaben.
(Johannes Singhammer [CDU/CSU]: Genau!)Es wird zum Beispiel von zentralen Barrieren
gesprochen, ohne das Wort zu erklären. Ich frage mich,
was Sie damit meinen. Meinen Sie eine bundespolitische
Barriere? Mir ist so etwas nicht bekannt.
Beim Antrag der FDP sieht es schon besser aus. Sie
haben einen besseren Bezug zu den Kompetenzebenen
der Länder und der Kommunen gefunden. Ebenso wie
bei den Grünen fehlt aber auch bei Ihnen die direkte
Ansprache der Eltern. Haben diese eine Verantwortung?
(Sibylle Laurischk [FDP]: Dazu habe ich eine
ganze Rede gehalten!)
– Das steht aber nicht definitiv im Antrag.
(Sibylle Laurischk [FDP]: Das habe ich doch
in meiner Rede ausgeführt!)
Auf Seite 2 steht ein interessanter Satz:
Die soziale Lage der Eltern darf nicht über den
Bildungsweg der Kinder und Jugendlichen
entscheiden.
Das stimmt.
Wir kommen jedoch nicht darum herum, zuzugeben,
dass die soziale Lage der Eltern letztlich doch
entscheidet. Unsere Aufgabe ist es, die Eltern zu stärken und
ihnen Kompetenzen an die Hand zu geben, damit die
Kinder einen besseren Zugang zur Bildung erhalten.
(Beifall bei der CDU/CSU – Zuruf von der
CDU/CSU: So ist es!)
Nun komme ich zu Aspekten, von denen ich hoffe,
dass andere sie noch nicht in dem Sinne angesprochen
haben. Ich denke aber ähnlich wie Sie, Frau Lopez. Wir
müssen mehr für die Eltern tun. Wir müssen die
Kompetenz der Eltern erhöhen, denn wir dürfen nicht nur an
den Symptomen der viel beklagten Kinderarmut
herumdoktern. Eltern brauchen Deutschland als ein
familienfreundliches und kindergerechtes Land. Sie brauchen
ebenfalls familienfreundliche Gemeinden, Landkreise
und Bundesländer. Wir müssen hier klar äußern:
Betreuungsangebote sind Ländersache. Die Kommunen haben
ebenso viele Kompetenzen. Durch unseren
Gesetzentwurf zur Förderung von Kindern unter drei Jahren
eröffnen wir die Möglichkeit, gemeinsam mit den
Kommunen und den Ländern etwas für die Eltern zu tun. Auf
diesem Wege haben wir die Möglichkeit, den Kindern
die frühkindliche Bildung zuteil werden zu lassen, die
uns vorschwebt.
Eltern brauchen das Angebot einer hochkarätigen
frühkindlichen Bildung. In meinem Heimatland Sachsen
wurden in diesem Bereich schon erste Schritte getan.
Wie ich gehört habe, gilt das auch für andere
Bundesländer, die auch die Mittel für die Weiterbildung von
Erzieherinnen und Erziehern, die schon in Arbeit sind, erhöht
haben. Es wurde ebenfalls ein neues Programm für die
Ausbildung von Erzieherinnen aufgelegt. Ich finde es
toll, dass im FDP-Antrag auch von Erziehern die Rede
ist. Ich finde es super, dass man auch die Männer in
diesem anspruchsvollen Beruf anspricht. Es tut unseren(C)
Katharina LandgrafKindern gut, wenn sich auch Männer an ihrer
Ausbildung und Betreuung beteiligen. Das soll auch ein Signal
unserer heutigen Debatte sein.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und
der FDP)
In Sachsen wird übrigens auch das
Ganztagesschulprogramm weiter gefördert. Dort steht nicht nur das
Bundesprogramm im Blickfeld. Wir haben ein
Landesprogramm, und Schulen werden mit Mitteln für
Honorare ausgestattet und können entscheiden, welche
ehrenamtlich Tätigen und welche Experten weitere
Nachmittagsangebote an Ganztagsschulen anbieten. Ich
finde das gut.
– Lehrer auch, aber auch andere von außen, zum
Beispiel aus den Vereinen.
Eltern brauchen eine familienfreundliche
Arbeitswelt. Sie brauchen familienfreundliche Arbeitsplätze
und familienfreundliche Arbeitszeiten. Es gilt kein
Anwesenheitsmythos. Vielmehr muss die Arbeitszeit
vereinbart werden. Dann ist die Motivation junger Eltern
am größten. Auch die Unternehmer haben Vorteile, das
müssten diese erkannt haben. Wir brauchen auch eine
Arbeitsagentur, die auch Mütter mit mehreren Kindern
vermitteln kann und will. Wir brauchen Netze, die zum
Beispiel durch Mehrgenerationenhäuser, Nachbarn,
Freunde, Paten, Großeltern und ehrenamtlich Tätige
gebildet werden.
(Elke Reinke [DIE LINKE]: Verantwortung
wegschieben!)
– Nein, das ist nicht ein Wegschieben von
Verantwortung. Liebe Frau Reinke, alle müssen sich dazu
bekennen. Vielleicht haben Sie es selbst nicht erlebt, aber wir
praktizieren es und tragen dazu bei, dass Umfeld und
Netz funktionieren. Die Grünen haben in ihrem Antrag
von Eltern-Kind-Zentren gesprochen. Unser
Mehrgenerationengedanke geht noch einen Schritt weiter, denn er
umfasst eine Generation mehr. Das müssen wir in
unserer modernen Zeit mit ihrer mobilen Arbeitswelt fördern.
Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird es den
Eltern ermöglichen, ihren Kindern eine verantwortliche
Erziehung angedeihen zu lassen und ihnen aus der
Familie heraus Selbstbewusstsein zu vermitteln. Die Familie
pflanzt das ein, was ein Kind braucht, nämlich die
Neugier auf die Welt und einen Wissensdurst, der zuerst in
der Familie akzeptiert werden muss, um dann später von
uns, von der Öffentlichkeit, weiter gefördert zu werden.
Vielen Dank.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie der Abg.
Helga Lopez [SPD])