Rede von Hedi Wegener (SPD) – Gehring, Krista Sager, Priska Hinz (Herborn),
Teil von Protokoll der 193. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 8 a und 8 b: Gehring, Krista Sager, Priska Hinz (Herborn),.
Text
Rede von Hedi Wegener (SPD) – Gehring, Krista Sager, Priska Hinz (Herborn),
Guten Abend, Frau Präsidentin! Liebe Kollegen und
Kolleginnen! Liebe Gäste auf der Tribüne, Sie vertreten
sozusagen die Öffentlichkeit. Tragen Sie hinaus,
worüber wir hier reden!
Meine Kollegin Anita Schäfer hat schon das
Weihnachtsfest erwähnt. Wir können sagen: Alle Jahre wieder
sprechen wir über den Bericht des Wehrbeauftragten.
Mir fällt dazu noch ein: Mühsam ernährt sich das
Eichhörnchen. Wir haben ganz schön dicke Bretter zu
bohren; der Wehrbeauftragte greift immer wieder ähnliche
Themen auf, weil sie an ihn herangetragen werden.
Dazu gehört der Auslandseinsatz. Wir haben in
diesem Sommer den 250 000. Soldaten in den
Auslandseinsatz geschickt. Das ist doch eine Menge. Da ist es doch
ganz klar, dass das Thema Auslandseinsätze und all das,
was damit zusammenhängt, im Bericht des
Wehrbeauftragten einen breiten Raum einnehmen.
In vielen der anderen Eingaben werden die bereits seit
langem bekannten Probleme angesprochen.
Gebetsmühlenartig fordern wir hier im Parlament Abhilfe und
Verbesserung. In diesem Jahr sind das
Kasernensanierungsprogramm West und die Wehrsolderhöhung Thema
gewesen. Der vielleicht wichtigste Schritt in diesem Jahr
war die Steigerung der Mittel für den
Verteidigungshaushalt für 2009 um 1,7 Milliarden Euro. Allein 600
Millionen Euro stehen zusätzlich für militärische
Beschaffungen zur Verfügung. Für das Sonderprogramm „Sanierung
Kasernen West“ stehen von 2009 bis 2011 542 Millionen
Euro zur Verfügung. Aber was nutzt es, wenn der
Bundestag all diese Veränderungen und Steigerungen
beschließt, wenn, wie ich höre, in einigen Wehrbereichen
die Mittel nur schleppend abgerufen werden?
Wir erwarten von unseren Soldatinnen und Soldaten
höchste Motivation und größtmöglichen Einsatz. Das
können wir aber nur tun, wenn wir ihre Anliegen und
Sorgen ernst nehmen und uns darum kümmern. Wir im
Ausschuss tun das; das kann ich eigentlich für alle
Fraktionen sagen. Wie immer gibt uns der Bericht des
Wehrbeauftragten ein gutes Bild von der Stimmung im
Inneren der Bundeswehr. Herr Robbe, auch von uns ganz
herzlichen Dank an Sie und Ihr Team! (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten
der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/
DIE GRÜNEN)
Wir entnehmen Ihrem Bericht, dass viele Dinge viel
zu lange dauern. Das zeigt: Geld ist nicht alles. Die
Vorsitzende des Verteidigungsausschusses hat letzte Woche
in der Haushaltsdebatte gesagt, dass „Sprachkenntnisse,
interkulturelle und soziale Kompetenz,
Innovationsfähigkeit, technisches Verständnis, Leistungs- und
Einsatzbereitschaft, psychische und physische Belastbarkeit“
wichtige Voraussetzungen seien, die die Soldatinnen und
Soldaten erfüllen müssten. Das unterschreibe ich sofort.
Gleichzeitig müssen wir uns bewusst sein, dass sich
diese Anforderungen anhören, als suchten wir eine
Spitzenkraft für ein global agierendes Unternehmen. Wenn
die Bundeswehr das ist und auf dem Markt um die
besten Köpfe konkurrieren muss, dann muss sie auch etwas
anbieten können.
Mit dem Dienstrechtsneuordnungsgesetz haben wir
kleine Erfolge erzielt. So wird beispielsweise dem
Kommando Spezialkräfte eine Prämie gezahlt. Besonders
wichtig ist die vorgesehene Erhöhung des
Auslandsverwendungszuschlages. Angesichts der Gefahrenlage ist
dies aus unserer Sicht durchaus gerechtfertigt.
(Beifall des Abg. Ernst-Reinhard Beck [
Reutlingen] [CDU/CSU])
– Danke schön, Herr Kollege Beck. – Das alles soll aber
nur ein erster Schritt sein.
Die Zulage von 600 Euro für Ärzte und Piloten der
Bundeswehr ist für die Betroffenen positiv – der
Wehrbeauftragte hat es schon gesagt –; sie führt aber zu einer
Ungleichbehandlung. Diese Ungleichbehandlung kann
zur Unzufriedenheit in der Truppe beitragen. Ich wage
ganz einfach die Prognose, dass wir im nächsten oder
übernächsten Bericht von Ihnen, Herr Robbe, dazu etwas
finden werden.
Außerdem löst dieses Heftpflaster nicht die
strukturellen Probleme, zum Beispiel im Sanitätsdienst; meine
Vorrednerinnen haben das angesprochen. Uns lag zur
letzten Sitzung ein Bericht vor, der auch nicht gerade
Mut macht. Die Situation im Sanitätsdienst wird nämlich
schlechter und nicht besser. Nach jüngsten Zahlen sind
noch immer 300 der 3 100 Dienstposten für
Sanitätsoffiziere nicht besetzt. Nach Einschätzung des Inspekteurs
wird es auch in Zukunft nicht möglich sein, die
Zielvorgabe zu erreichen.
Eine leichte Verbesserung im Vergleich zum
vorangegangenen Berichtsjahr können wir beim Assistenz-,
Pflege- und Rettungspersonal verzeichnen; etwa 80
Prozent der Dienstposten sind besetzt. Das Problem bleibt
aber. Gewährleistung der bestmöglichen Versorgung der
im Ausland befindlichen Truppen bei gleichzeitiger
Aufrechterhaltung der Versorgung der Soldatinnen und
Soldaten im Inland, das ist unser Anspruch.
Meine Herren und Damen, die Bundeswehr wird sich
noch einiges einfallen lassen müssen, um in Zukunft
genügend Menschen davon zu überzeugen, in der
Bundeswehr Dienst zu tun. Das kann nicht alles über Geld
laufen; dazu gehören die Vereinbarkeit von Familie und
Beruf – das ist schon genannt worden – sowie eine
angemessene Unterbringung und Ausstattung.
Ich möchte ganz am Schluss noch einen Punkt
erwähnen. Der Wehrbeauftragte hat die Fitness der Soldaten
bemängelt. Das ist umso besorgniserregender, als von
der körperlichen Verfassung die Sicherheit im Einsatz
abhängt. Das Problem von Unsportlichkeit und
Übergewicht geht mit der Entwicklung in der Gesellschaft
einher, ist aber auch auf den Ausfall von Sporteinheiten
während der Dienstzeit zurückzuführen. Der Sport
kommt oft zu kurz. Es reicht nicht, theoretisch
ausreichend Sportausbilder und Trainingsanlagen zu haben,
wenn der Dienstplan letzten Endes dafür nichts hergibt.
Aber auch die Bundeswehr ist ein Spiegel der
Bevölkerung, genau wie es die Abgeordneten sind, und da gibt es
sone und sone.