eGovernment MONITOR 2026 - Vertrauensverlust und gescheiterte Digitalisierungsversprechen
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eGovernment MONITOR 2026 - Vertrauensverlust und gescheiterte Digitalisierungsversprechen
Deutscher Bundestag Drucksache 21/8885
21. Wahlperiode 03.11.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Ruben Rupp, Robin Jünger, Alexander Arpaschi, Sebastian
Maack, Tobias Ebenberger, Lars Haise, Edgar Naujok, Steffen Janich, Dr. Michael
Kaufmann, Micha Fehre, Beatrix von Storch, Ronald Gläser, Peter Bohnhof,
Thomas Ladzinski und der Fraktion der AfD
eGovernment MONITOR 2026 – Vertrauensverlust und gescheiterte
Digitalisierungsversprechen
Die Bundesregierung hat sich mit dem Bundesministerium für Digitales und
Staatsmodernisierung (BMDS) das digitalpolitische Leitbild „Digital First“
gesetzt und will Verwaltungsleistungen vollständig digital, schnell und einfach
anbieten (https://bmds.bund.de/themen/digitaler-staat). Bereits das
Onlinezugangsgesetz (OZG) von 2017 sah vor, dass sämtliche Verwaltungsleistungen
bis Ende 2022 digital verfügbar sein sollten, ein gesetzliches Ziel, das bis heute
verfehlt wurde (www.digitale-verwaltung.de/Webs/DV/DE/onlinezugangsgeset
z/onlinezugangsgesetz-node.html). Auch die Koalitionsverträge früherer
Bundesregierungen enthielten wiederholt das Versprechen, Bürokratie abzubauen
und die Verwaltung zu modernisieren.
Der eGovernment MONITOR 2026, eine repräsentative Studie der Initiative
D21 e. V. und der Technischen Universität München, durchgeführt von Kantar
unter der Schirmherrschaft des BMDS, zeigt nun, wie weit die tatsächliche
Wahrnehmung der Bürger von diesem Anspruch entfernt ist. Nur 32 Prozent
der Befragten bringen dem Staat großes oder sehr großes Vertrauen entgegen,
ein neuer Tiefstand (https://initiatived21.de/uploads/03_Studien-Publikationen/
eGovernment-MONITOR/2026/D21-eGovMon2026.pdf). Erstmals sinkt auch
das Vertrauen in Behörden und Ämter selbst, von 37 auf 34 Prozent (https://init
iatived21.de/uploads/03_Studien-Publikationen/eGovernment-MONITOR/202
6/D21-eGovMon2026.pdf). Lediglich 12 Prozent der Befragten stimmen der
Aussage zu, dass der Staat ihr Leben leichter macht (https://initiatived21.de/upl
oads/03_Studien-Publikationen/eGovernment-MONITOR/2026/D21-eGovMon
2026.pdf). 64 Prozent der Bürger erwarten, dass Verwaltungsleistungen ebenso
einfach online genutzt werden können wie Leistungen privater Unternehmen,
doch nur 15 Prozent sehen diese Erwartung derzeit erfüllt (https://initiatived2
1.de/uploads/03_Studien-Publikationen/eGovernment-MONITOR/2026/D21-e
GovMon2026.pdf). 26 Prozent konnten ihr letztes Verwaltungsanliegen
vollständig digital abwickeln, 24 Prozent erlebten einen Medienbruch, davon
68 Prozent unfreiwillig, und die Hälfte erledigte ihr Anliegen weiterhin
vollständig analog (https://initiatived21.de/uploads/03_Studien-Publikationen/eGov
ernment-MONITOR/2026/D21-eGovMon2026.pdf). Auch beim Einsatz
Künstlicher Intelligenz in der Verwaltung zeigt sich erhebliche Skepsis. 27 Prozent
der Befragten erwarten ausschließlich persönliche Nachteile durch deren
Einsatz (https://initiatived21.de/uploads/03_Studien-Publikationen/eGovernment-
MONITOR/2026/D21-eGovMon2026.pdf).
Vorabfassung - w
ird durch die lektorierte Version ersetzt.
Nach Auffassung der Fragesteller belegt der eGovernment MONITOR 2026
damit, dass die wiederholten Digitalisierungsversprechen der Bundesregierung,
vom Onlinezugangsgesetz bis zum aktuellen Leitbild „Digital First“ des
BMDS, bislang keine spürbare Verbesserung der tatsächlichen Nutzererfahrung
bewirkt haben. Die Kluft zwischen dem selbst formulierten Anspruch und der
von den Bürgern erlebten Realität wächst weiter, was sich unmittelbar im
sinkenden Vertrauen in Staat und Verwaltung niederschlägt.
Vor diesem Hintergrund besteht ein erhebliches parlamentarisches
Informationsbedürfnis darüber, welche konkreten Konsequenzen die Bundesregierung
aus diesen Befunden zieht und mit welchem Zeitplan die aufgezeigten
strukturellen Defizite behoben werden sollen.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche konkreten Konsequenzen zieht die Bundesregierung aus den
Ergebnissen des eGovernment MONITOR 2026 für die eigene
Digitalisierungsagenda?
2. Über welche internen Kennzahlen oder Monitoring-Daten verfügt die
Bundesregierung zum tatsächlichen, medienbruchfreien
Fertigstellungsgrad der im Rahmen des Onlinezugangsgesetzes zu digitalisierenden
Verwaltungsleistungen (bitte je Leistung und Verwaltungsebene
aufschlüsseln)?
3. Welche der ursprünglich für die OZG-Umsetzung vorgesehenen
Verwaltungsleistungen wurden nach Kenntnis der Bundesregierung bislang aus
welchen konkreten Gründen (z. B. technische, rechtliche, personelle
Hürden) noch nicht medienbruchfrei umgesetzt?
4. Welche konkreten Ursachen hat die Bundesregierung für die anhaltenden
Medienbrüche bei digitalen Verwaltungsverfahren intern identifiziert, und
welche dieser Ursachen wurden bislang durch welche Maßnahmen
behoben?
5. Mit welchem konkreten Zeit- und Maßnahmenplan will die
Bundesregierung die verbleibenden Medienbrüche beseitigen?
6. Welche internen Auswertungen liegen der Bundesregierung zur Nutzung
und Auffindbarkeit des Bundesportals vor und welche Schwachstellen
wurden dabei identifiziert?
7. Welche konkreten Maßnahmen und mit welchem Budget plant die
Bundesregierung, um die Auffindbarkeit digitaler Verwaltungsangebote über
das Bundesportal zu verbessern?
8. In welchen konkreten Verwaltungsverfahren des Bundes wird nach
Kenntnis der Bundesregierung derzeit Künstliche Intelligenz eingesetzt und für
welche Verfahren ist ein Einsatz bereits konkret geplant (bitte mit
Zeitpunkt der geplanten Einführung)?
9. Mit welchen konkreten technischen oder organisatorischen Vorgaben stellt
die Bundesregierung sicher, dass bei KI-gestützten Verwaltungsverfahren
ein menschlicher Ansprechpartner erreichbar bleibt?
10. Welche gesetzlichen oder untergesetzlichen Regelungen zur Transparenz
und Überprüfbarkeit von KI-Einsatz in der Verwaltung plant die
Bundesregierung und bis wann sollen diese vorliegen?
11. Welche internen Daten liegen der Bundesregierung zu regionalen
Unterschieden bei der Nutzung digitaler Verwaltungsangebote zwischen
städtischen und ländlichen Räumen vor (bitte nach Bundesländern bzw.
Kreistypen aufschlüsseln)?
Vorabfassung - w
ird durch die lektorierte Version ersetzt.
12. Mit welchem Budget und welchem Zeitplan fördert die Bundesregierung
konkret den Ausbau der digitalen Verwaltungsinfrastruktur im ländlichen
Raum (bitte Förderprogramme einzeln aufführen)?
13. Bis zu welchem Zeitpunkt plant die Bundesregierung, welche der im e
Government MONITOR 2026 aufgezeigten strukturellen Defizite konkret zu
beheben (bitte mit Zeitplan je Defizit)?
Berlin, den 2. November 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Vorabfassung - w
ird durch die lektorierte Version ersetzt.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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