Erkenntnisse deutscher Sicherheitsbehörden zu mutmaßlichen Beteiligungen deutscher Staatsangehöriger an Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien
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Erkenntnisse deutscher Sicherheitsbehörden zu mutmaßlichen Beteiligungen deutscher Staatsangehöriger an Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien
Deutscher Bundestag Drucksache 21/6372
21. Wahlperiode 10.06.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Sascha Lensing, Dr. Gottfried Curio, Dr. Christian Wirth,
Dr. Bernd Baumann, Christopher Drößler, Jochen Haug, Martin Hess, Steffen
Janich, Markus Matzerath, Arne Raue, Gerold Otten, Stefan Keuter, Uwe Schulz,
Tobias Teich, Dr. Alexander Gauland, Rainer Galla, Udo Theodor Hemmelgarn,
Dr. Daniel Zerbin, Dr. Malte Kaufmann und der Fraktion der AfD
Erkenntnisse deutscher Sicherheitsbehörden zu mutmaßlichen Beteiligungen
deutscher Staatsangehöriger an Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien
Nach Medienberichten sowie im Zusammenhang mit Ermittlungen
ausländischer Strafverfolgungsbehörden wird über mutmaßliche Kriegsverbrechen
während des Bosnienkrieges berichtet (www.welt.de/politik/ausland/article6a0d489
1f540d04af2889687/sarajevo-menschen-safaris-im-bosnien-krieg-jetzt-ermittel
t-oesterreich-gegen-wochenend-scharfschuetzen.html). Dabei stehen
insbesondere Vorwürfe im Raum, wonach ausländische Freiwillige oder nichtreguläre
Kämpfer während der Belagerung Sarajevos gezielt Gewalt gegen Zivilisten
ausgeübt haben sollen. Medienberichten zufolge führen Behörden in Österreich
und Italien hierzu Ermittlungen wegen möglicher Kriegsverbrechen und
weiterer schwerer Straftaten.
Der Bosnienkrieg sowie die Belagerung Sarajevos zählen zu den schwersten
bewaffneten Konflikten Europas seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Die
strafrechtliche und historische Aufarbeitung möglicher Kriegsverbrechen sowie
die Analyse transnationaler Gewalt- und Unterstützungsstrukturen besitzen
nach Auffassung der Fragesteller auch weiterhin sicherheits- und
rechtspolitische Bedeutung. Dies gilt insbesondere mit Blick auf heutige
Auslandskämpfer-, Extremismus- und Gewaltphänomene mit
grenzüberschreitenden Bezügen.
Darüber hinaus werfen aktuelle Berichte (vgl. www.abendzeitung-muenche
n.de/bayern/toeten-als-vergnuegen-hier-sollen-zivilisten-auf-menschenjagd-ge
wesen-sein-darunter-auch-deutsche-art-1095214) Fragen hinsichtlich möglicher
Erkenntnisse deutscher Sicherheitsbehörden über Beteiligungen deutscher
Staatsangehöriger, in Deutschland ansässiger Personen oder
grenzüberschreitender paramilitärischer, gewaltorientierter beziehungsweise krimineller
Netzwerke auf.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung zu mutmaßlichen
Kriegsverbrechen ausländischer Freiwilliger oder nichtregulärer Kämpfer
während des Bosnienkrieges, insbesondere während der Belagerung
Sarajevos, vor?
2. Welche Bundesbehörden verfügen ggf. über Erkenntnisse zu den in
Medienberichten geschilderten Sachverhalten?
3. Liegen deutschen Sicherheitsbehörden Erkenntnisse über eine mögliche
Beteiligung deutscher Staatsangehöriger an den genannten Taten vor?
4. Liegen Erkenntnisse über eine mögliche Beteiligung von Personen mit
Wohnsitz oder gewöhnlichem Aufenthalt in Deutschland vor?
5. Haben nach Kenntnis der Bundesregierung deutsche Sicherheitsbehörden
oder Strafverfolgungsbehörden jemals Ermittlungen im Zusammenhang
mit den genannten Vorwürfen geführt oder geprüft?
6. Wenn Frage 5 mit Ja beantwortet wird, hat die Bundesregierung Kenntnis
darüber, wann diese Ermittlungen geführt wurden, durch welche
Behörden sie erfolgten und aus welchen Gründen sie ggf. eingestellt wurden
(vgl. Frage 5)?
7. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung ggf. über mögliche
Verbindungen der genannten Personen (vgl. Frage 4) zu paramilitärischen,
gewaltorientierten oder kriminellen Netzwerken vor?
8. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über mögliche
Rekrutierungs-, Unterstützungs- oder Finanzierungsstrukturen in
Deutschland im Zusammenhang mit freiwilligen Kämpfern im ehemaligen
Jugoslawien vor?
9. Bestand oder besteht nach Kenntnis der Bundesregierung ein
Informationsaustausch deutscher Behörden mit österreichischen oder italienischen
Behörden zu den aktuell bekannt gewordenen Ermittlungen?
10. Welche Rolle spielten nach Kenntnis der Bundesregierung internationale
Polizeiorganisationen oder Institutionen wie Europol, Interpol oder das
Internationale Strafgericht für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) bei der
Aufarbeitung der genannten Sachverhalte?
11. Wurden deutschen Behörden durch internationale Partnerbehörden
Hinweise, Daten oder Erkenntnisse zu möglichen deutschen Tatverdächtigen
übermittelt?
12. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung zu sogenannten
Auslandskämpfern, ausländischen Freiwilligen oder sonstigen nichtregulären
Kämpfern im Bosnienkrieg allgemein vor?
13. Welche historischen Erkenntnisse oder archivierten Vorgänge deutscher
Sicherheitsbehörden bestehen zu ausländischen Freiwilligen oder
paramilitärischen Strukturen im Zusammenhang mit dem Bosnienkrieg?
14. Welche sicherheitspolitischen Schlussfolgerungen zieht die
Bundesregierung aus möglichen transnationalen Gewalt- und Unterstützungsstrukturen
während der Jugoslawienkriege für heutige Auslandskämpfer-,
Extremismus- und Gewaltphänomene?
15. Welche Bedeutung misst die Bundesregierung der weiteren historischen
und strafrechtlichen Aufarbeitung möglicher Kriegsverbrechen im
ehemaligen Jugoslawien bei?
16. Hat die Bundesregierung Kenntnis von aktuellen oder abgeschlossenen
Ermittlungsverfahren anderer europäischer Staaten im Zusammenhang mit
den genannten Vorwürfen, und wenn ja, welche?
Berlin, den 3. Juni 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
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ISSN 0722-8333
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