Protokoll der 141. Sitzung des 20. Deutschen Bundestages
177 Reden und Erklärungen – die Suche findet sie einzeln
- Rede von Nancy Faeser (Bundesministerin des Innern und für Heimat) – Gesetzes zur Verbesserung der Rückführung (Rückführungsverbesserungsgesetz)
- Rede von Dr. Hendrik Hoppenstedt (CDU/CSU) – Gesetzes zur Verbesserung der Rückführung (Rückführungsverbesserungsgesetz)
- Rede von Filiz Polat (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Gesetzes zur Verbesserung der Rückführung (Rückführungsverbesserungsgesetz)
- Rede von Dr. Bernd Baumann (AfD) – Gesetzes zur Verbesserung der Rückführung (Rückführungsverbesserungsgesetz)
- Rede von Stephan Thomae (FDP) – Gesetzes zur Verbesserung der Rückführung (Rückführungsverbesserungsgesetz)
- Rede von Stephan Thomae (FDP) – Gesetzes zur Verbesserung der Rückführung (Rückführungsverbesserungsgesetz)
- Rede von Clara Bünger (DIE LINKE) – Gesetzes zur Verbesserung der Rückführung (Rückführungsverbesserungsgesetz)
- Rede von Clara Bünger (DIE LINKE) – Gesetzes zur Verbesserung der Rückführung (Rückführungsverbesserungsgesetz)
- Rede von Robert Farle (fraktionslos) – Gesetzes zur Verbesserung der Rückführung (Rückführungsverbesserungsgesetz)
- Rede von Clara Bünger (DIE LINKE) – Gesetzes zur Verbesserung der Rückführung (Rückführungsverbesserungsgesetz)
- Rede von Dirk Wiese (SPD) – Gesetzes zur Verbesserung der Rückführung (Rückführungsverbesserungsgesetz)
- Rede von Alexander Hoffmann (CDU/CSU) – Gesetzes zur Verbesserung der Rückführung (Rückführungsverbesserungsgesetz)
- Rede von Alexander Hoffmann (CDU/CSU) – Gesetzes zur Verbesserung der Rückführung (Rückführungsverbesserungsgesetz)
- Rede von Dirk Wiese (SPD) – Gesetzes zur Verbesserung der Rückführung (Rückführungsverbesserungsgesetz)
- Rede von Christoph de Vries (CDU/CSU) – Gesetzes zur Verbesserung der Rückführung (Rückführungsverbesserungsgesetz)
- Rede von Helge Limburg (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Gesetzes zur Verbesserung der Rückführung (Rückführungsverbesserungsgesetz)
- Rede von Manuel Höferlin (FDP) – Gesetzes zur Verbesserung der Rückführung (Rückführungsverbesserungsgesetz)
- Rede von Detlef Seif (CDU/CSU) – Gesetzes zur Verbesserung der Rückführung (Rückführungsverbesserungsgesetz)
- Rede von Helge Lindh (SPD) – Gesetzes zur Verbesserung der Rückführung (Rückführungsverbesserungsgesetz)
- Rede von Matthias Helferich (fraktionslos) – Gesetzes zur Verbesserung der Rückführung (Rückführungsverbesserungsgesetz)
- Rede von Max Lucks (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Gesetzes zur Verbesserung der Rückführung (Rückführungsverbesserungsgesetz)
- Rede von Mechthilde Wittmann (CDU/CSU) – Gesetzes zur Verbesserung der Rückführung (Rückführungsverbesserungsgesetz)
- Rede von Gülistan Yüksel (SPD) – Gesetzes zur Verbesserung der Rückführung (Rückführungsverbesserungsgesetz)
- Rede von Felix Banaszak (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Wirtschaftsstandort Deutschland stärken, Wirtschaft unterstützen – Abbau überflüssiger und belastender Bürokratie
- Rede von Julia Klöckner (CDU/CSU) – Wirtschaftsstandort Deutschland stärken, Wirtschaft unterstützen – Abbau überflüssiger und belastender Bürokratie
- Rede von Sebastian Roloff (SPD) – Wirtschaftsstandort Deutschland stärken, Wirtschaft unterstützen – Abbau überflüssiger und belastender Bürokratie
- Rede von Leif-Erik Holm (AfD) – Wirtschaftsstandort Deutschland stärken, Wirtschaft unterstützen – Abbau überflüssiger und belastender Bürokratie
- Rede von Reinhard Houben (FDP) – Wirtschaftsstandort Deutschland stärken, Wirtschaft unterstützen – Abbau überflüssiger und belastender Bürokratie
- Rede von Dr. Klaus Wiener (CDU/CSU) – Wirtschaftsstandort Deutschland stärken, Wirtschaft unterstützen – Abbau überflüssiger und belastender Bürokratie
- Rede von Reinhard Houben (FDP) – Wirtschaftsstandort Deutschland stärken, Wirtschaft unterstützen – Abbau überflüssiger und belastender Bürokratie
- Rede von Janine Wissler (DIE LINKE) – Wirtschaftsstandort Deutschland stärken, Wirtschaft unterstützen – Abbau überflüssiger und belastender Bürokratie
- Rede von Lukas Benner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Wirtschaftsstandort Deutschland stärken, Wirtschaft unterstützen – Abbau überflüssiger und belastender Bürokratie
- Rede von Jens Spahn (CDU/CSU) – Wirtschaftsstandort Deutschland stärken, Wirtschaft unterstützen – Abbau überflüssiger und belastender Bürokratie
- Rede von Felix Banaszak (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Wirtschaftsstandort Deutschland stärken, Wirtschaft unterstützen – Abbau überflüssiger und belastender Bürokratie
- Rede von Jens Spahn (CDU/CSU) – Wirtschaftsstandort Deutschland stärken, Wirtschaft unterstützen – Abbau überflüssiger und belastender Bürokratie
- Rede von Andreas Audretsch (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Wirtschaftsstandort Deutschland stärken, Wirtschaft unterstützen – Abbau überflüssiger und belastender Bürokratie
- Rede von Jens Spahn (CDU/CSU) – Wirtschaftsstandort Deutschland stärken, Wirtschaft unterstützen – Abbau überflüssiger und belastender Bürokratie
- Rede von Jens Spahn (CDU/CSU) – Wirtschaftsstandort Deutschland stärken, Wirtschaft unterstützen – Abbau überflüssiger und belastender Bürokratie
- Rede von Esra Limbacher (SPD) – Wirtschaftsstandort Deutschland stärken, Wirtschaft unterstützen – Abbau überflüssiger und belastender Bürokratie
- Rede von Enrico Komning (AfD) – Wirtschaftsstandort Deutschland stärken, Wirtschaft unterstützen – Abbau überflüssiger und belastender Bürokratie
- Rede von Dr. Thorsten Lieb (FDP) – Wirtschaftsstandort Deutschland stärken, Wirtschaft unterstützen – Abbau überflüssiger und belastender Bürokratie
- Rede von Hansjörg Durz (CDU/CSU) – Wirtschaftsstandort Deutschland stärken, Wirtschaft unterstützen – Abbau überflüssiger und belastender Bürokratie
- Rede von Alexander Bartz (SPD) – Wirtschaftsstandort Deutschland stärken, Wirtschaft unterstützen – Abbau überflüssiger und belastender Bürokratie
- Rede von Misbah Khan (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Wirtschaftsstandort Deutschland stärken, Wirtschaft unterstützen – Abbau überflüssiger und belastender Bürokratie
- Rede von Misbah Khan (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Wirtschaftsstandort Deutschland stärken, Wirtschaft unterstützen – Abbau überflüssiger und belastender Bürokratie
- Rede von Klaus-Peter Willsch (CDU/CSU) – Wirtschaftsstandort Deutschland stärken, Wirtschaft unterstützen – Abbau überflüssiger und belastender Bürokratie
- Rede von Dr. Zanda Martens (SPD) – Wirtschaftsstandort Deutschland stärken, Wirtschaft unterstützen – Abbau überflüssiger und belastender Bürokratie
- Rede von Nancy Faeser (Bundesministerin des Innern und für Heimat) – Gesetzes zur Modernisierung des Staatsangehörigkeitsrechts (StARModG)
- Rede von Nancy Faeser (Bundesministerin des Innern und für Heimat) – Gesetzes zur Modernisierung des Staatsangehörigkeitsrechts (StARModG)
- Rede von Alexander Throm (CDU/CSU) – Gesetzes zur Modernisierung des Staatsangehörigkeitsrechts (StARModG)
- Rede von Filiz Polat (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Gesetzes zur Modernisierung des Staatsangehörigkeitsrechts (StARModG)
- Rede von Dr. Gottfried Curio (AfD) – Gesetzes zur Modernisierung des Staatsangehörigkeitsrechts (StARModG)
- Rede von Dr. Marco Buschmann (Bundesminister der Justiz) – Gesetzes zur Modernisierung des Staatsangehörigkeitsrechts (StARModG)
- Rede von Gökay Akbulut (DIE LINKE) – Gesetzes zur Modernisierung des Staatsangehörigkeitsrechts (StARModG)
- Rede von Dirk Wiese (SPD) – Gesetzes zur Modernisierung des Staatsangehörigkeitsrechts (StARModG)
- Rede von Philipp Amthor (CDU/CSU) – Gesetzes zur Modernisierung des Staatsangehörigkeitsrechts (StARModG)
- Rede von Gülistan Yüksel (SPD) – Gesetzes zur Modernisierung des Staatsangehörigkeitsrechts (StARModG)
- Rede von Philipp Amthor (CDU/CSU) – Gesetzes zur Modernisierung des Staatsangehörigkeitsrechts (StARModG)
- Rede von Dr. Manuela Rottmann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Gesetzes zur Modernisierung des Staatsangehörigkeitsrechts (StARModG)
- Rede von Philipp Amthor (CDU/CSU) – Gesetzes zur Modernisierung des Staatsangehörigkeitsrechts (StARModG)
- Rede von Lamya Kaddor (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Gesetzes zur Modernisierung des Staatsangehörigkeitsrechts (StARModG)
- Rede von Konstantin Kuhle (FDP) – Gesetzes zur Modernisierung des Staatsangehörigkeitsrechts (StARModG)
- Rede von Gülistan Yüksel (SPD) – Gesetzes zur Modernisierung des Staatsangehörigkeitsrechts (StARModG)
- Rede von Alexander Hoffmann (CDU/CSU) – Gesetzes zur Modernisierung des Staatsangehörigkeitsrechts (StARModG)
- Rede von Canan Bayram (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Gesetzes zur Modernisierung des Staatsangehörigkeitsrechts (StARModG)
- Rede von Hakan Demir (SPD) – Gesetzes zur Modernisierung des Staatsangehörigkeitsrechts (StARModG)
- Rede von Claudia Raffelhüschen (FDP) – Erbschaftsteuer – Privilegien bei Milliardenerbschaften streichen
- Rede von Christian Freiherr von Stetten (CDU/CSU) – Erbschaftsteuer – Privilegien bei Milliardenerbschaften streichen
- Rede von Tim Klüssendorf (SPD) – Erbschaftsteuer – Privilegien bei Milliardenerbschaften streichen
- Rede von Kay Gottschalk (AfD) – Erbschaftsteuer – Privilegien bei Milliardenerbschaften streichen
- Rede von Katharina Beck (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Erbschaftsteuer – Privilegien bei Milliardenerbschaften streichen
- Rede von Christian Görke (DIE LINKE) – Erbschaftsteuer – Privilegien bei Milliardenerbschaften streichen
- Rede von Maximilian Mordhorst (FDP) – Erbschaftsteuer – Privilegien bei Milliardenerbschaften streichen
- Rede von Olav Gutting (CDU/CSU) – Erbschaftsteuer – Privilegien bei Milliardenerbschaften streichen
- Rede von Jan Korte (DIE LINKE) – Erbschaftsteuer – Privilegien bei Milliardenerbschaften streichen
- Rede von Olav Gutting (CDU/CSU) – Erbschaftsteuer – Privilegien bei Milliardenerbschaften streichen
- Rede von Carlos Kasper (SPD) – Erbschaftsteuer – Privilegien bei Milliardenerbschaften streichen
- Rede von Bruno Hönel (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Erbschaftsteuer – Privilegien bei Milliardenerbschaften streichen
- Rede von Fritz Güntzler (CDU/CSU) – Erbschaftsteuer – Privilegien bei Milliardenerbschaften streichen
- Rede von Armand Zorn (SPD) – Erbschaftsteuer – Privilegien bei Milliardenerbschaften streichen
- Rede von Sebastian Brehm (CDU/CSU) – Erbschaftsteuer – Privilegien bei Milliardenerbschaften streichen
- Rede von Maximilian Mordhorst (FDP) – Erbschaftsteuer – Privilegien bei Milliardenerbschaften streichen
- Rede von Sebastian Brehm (CDU/CSU) – Erbschaftsteuer – Privilegien bei Milliardenerbschaften streichen
- Rede von Matthias W. Birkwald (DIE LINKE) – Erbschaftsteuer – Privilegien bei Milliardenerbschaften streichen
- Rede von Matthias W. Birkwald (DIE LINKE) – Erbschaftsteuer – Privilegien bei Milliardenerbschaften streichen
- Rede von Matthias W. Birkwald (DIE LINKE) – Erbschaftsteuer – Privilegien bei Milliardenerbschaften streichen
- Rede von Matthias W. Birkwald (DIE LINKE) – Erbschaftsteuer – Privilegien bei Milliardenerbschaften streichen
- Rede von Sebastian Brehm (CDU/CSU) – Erbschaftsteuer – Privilegien bei Milliardenerbschaften streichen
- Rede von Frauke Heiligenstadt (SPD) – Erbschaftsteuer – Privilegien bei Milliardenerbschaften streichen
- Rede von Sören Pellmann (DIE LINKE) – Sammelübersicht 478 zu Petitionen
- Rede von Swantje Henrike Michaelsen (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Sammelübersicht 479 zu Petitionen
- Rede von Sören Pellmann (DIE LINKE) – Aktuelle Stunde: Industriestandort Ostdeutschland sichern und ausbauen
- Rede von Sören Pellmann (DIE LINKE) – Aktuelle Stunde: Industriestandort Ostdeutschland sichern und ausbauen
- Rede von Carsten Schneider (Beauftragter der Bundesregierung für Ostdeutschland) – Endgültiges Ergebnis
- Rede von Sepp Müller (CDU/CSU) – Endgültiges Ergebnis
- Rede von Michael Kellner (Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz) – Endgültiges Ergebnis
- Rede von Enrico Komning (AfD) – Endgültiges Ergebnis
- Rede von Gerald Ullrich (FDP) – Endgültiges Ergebnis
- Rede von Gerald Ullrich (FDP) – Endgültiges Ergebnis
- Rede von Christian Görke (DIE LINKE) – Endgültiges Ergebnis
- Rede von Christian Görke (DIE LINKE) – Endgültiges Ergebnis
- Rede von Hannes Walter (SPD) – Endgültiges Ergebnis
- Rede von Jana Schimke (CDU/CSU) – Endgültiges Ergebnis
- Rede von Dr. Paula Piechotta (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Endgültiges Ergebnis
- Rede von Friedhelm Boginski (FDP) – Endgültiges Ergebnis
- Rede von Friedhelm Boginski (FDP) – Endgültiges Ergebnis
- Rede von Friedhelm Boginski (FDP) – Endgültiges Ergebnis
- Rede von Sven Schulze, Minister (Sachsen-Anhalt) – Endgültiges Ergebnis
- Rede von Katrin Budde (SPD) – Endgültiges Ergebnis
- Rede von Felix Banaszak (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Endgültiges Ergebnis
- Rede von Jens Lehmann (CDU/CSU) – Endgültiges Ergebnis
- Rede von Carlos Kasper (SPD) – Endgültiges Ergebnis
- Rede von Dr. Marco Buschmann (Bundesminister der Justiz) – Gesetzes zur Fortentwicklung des Völkerstrafrechts
- Rede von Ingmar Jung (CDU/CSU) – Gesetzes zur Fortentwicklung des Völkerstrafrechts
- Rede von Sonja Eichwede (SPD) – Gesetzes zur Fortentwicklung des Völkerstrafrechts
- Rede von Stephan Brandner (AfD) – Gesetzes zur Fortentwicklung des Völkerstrafrechts
- Rede von Boris Mijatović (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Gesetzes zur Fortentwicklung des Völkerstrafrechts
- Rede von Clara Bünger (DIE LINKE) – Gesetzes zur Fortentwicklung des Völkerstrafrechts
- Rede von Macit Karaahmetoğlu (SPD) – Gesetzes zur Fortentwicklung des Völkerstrafrechts
- Rede von Axel Müller (CDU/CSU) – Gesetzes zur Fortentwicklung des Völkerstrafrechts
- Rede von Robin Wagener (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Gesetzes zur Fortentwicklung des Völkerstrafrechts
- Rede von Dr. Volker Ullrich (CDU/CSU) – Gesetzes zur Fortentwicklung des Völkerstrafrechts
- Rede von Tilman Kuban (CDU/CSU) – Einsetzung einer Kommission zur Überprüfung der sicherheitsrelevanten Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und China
- Rede von Esra Limbacher (SPD) – Einsetzung einer Kommission zur Überprüfung der sicherheitsrelevanten Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und China
- Rede von Dr. Malte Kaufmann (AfD) – Einsetzung einer Kommission zur Überprüfung der sicherheitsrelevanten Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und China
- Rede von Maik Außendorf (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Einsetzung einer Kommission zur Überprüfung der sicherheitsrelevanten Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und China
- Rede von Dr. Gesine Lötzsch (DIE LINKE) – Einsetzung einer Kommission zur Überprüfung der sicherheitsrelevanten Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und China
- Rede von Carl-Julius Cronenberg (FDP) – Einsetzung einer Kommission zur Überprüfung der sicherheitsrelevanten Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und China
- Rede von Dr. Jens Zimmermann (SPD) – Einsetzung einer Kommission zur Überprüfung der sicherheitsrelevanten Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und China
- Rede von Nicolas Zippelius (CDU/CSU) – Einsetzung einer Kommission zur Überprüfung der sicherheitsrelevanten Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und China
- Rede von Maik Außendorf (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Einsetzung einer Kommission zur Überprüfung der sicherheitsrelevanten Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und China
- Rede von Nicolas Zippelius (CDU/CSU) – Einsetzung einer Kommission zur Überprüfung der sicherheitsrelevanten Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und China
- Rede von Dr. Sandra Detzer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Einsetzung einer Kommission zur Überprüfung der sicherheitsrelevanten Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und China
- Rede von Andreas Larem (SPD) – Einsetzung einer Kommission zur Überprüfung der sicherheitsrelevanten Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und China
- Rede von Kerstin Griese (Parl. Staatssekretärin beim Bundesminister für Arbeit und Soziales) – Und Schlussabstimmung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zu dem Übereinkommen Nr. 184 der Internationalen …
- Rede von Dr. Ottilie Klein (CDU/CSU) – Und Schlussabstimmung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zu dem Übereinkommen Nr. 184 der Internationalen …
- Rede von Beate Müller-Gemmeke (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Und Schlussabstimmung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zu dem Übereinkommen Nr. 184 der Internationalen …
- Rede von René Springer (AfD) – Und Schlussabstimmung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zu dem Übereinkommen Nr. 184 der Internationalen …
- Rede von Carl-Julius Cronenberg (FDP) – Und Schlussabstimmung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zu dem Übereinkommen Nr. 184 der Internationalen …
- Rede von Susanne Ferschl (DIE LINKE) – Und Schlussabstimmung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zu dem Übereinkommen Nr. 184 der Internationalen …
- Rede von Angelika Glöckner (SPD) – Und Schlussabstimmung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zu dem Übereinkommen Nr. 184 der Internationalen …
- Rede von Max Straubinger (CDU/CSU) – Und Schlussabstimmung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zu dem Übereinkommen Nr. 184 der Internationalen …
- Rede von Renate Künast (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Und Schlussabstimmung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zu dem Übereinkommen Nr. 184 der Internationalen …
- Rede von Stephan Protschka (AfD) – Und Schlussabstimmung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zu dem Übereinkommen Nr. 184 der Internationalen …
- Rede von Axel Knoerig (CDU/CSU) – Und Schlussabstimmung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zu dem Übereinkommen Nr. 184 der Internationalen …
- Rede von Karl Bär (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Nahrungsmittelversorgung sicherstellen – Selbstversorgungsgrad in Deutschland und Europa erhalten
- Rede von Albert Stegemann (CDU/CSU) – Nahrungsmittelversorgung sicherstellen – Selbstversorgungsgrad in Deutschland und Europa erhalten
- Rede von Susanne Mittag (SPD) – Nahrungsmittelversorgung sicherstellen – Selbstversorgungsgrad in Deutschland und Europa erhalten
- Rede von Peter Felser (AfD) – Nahrungsmittelversorgung sicherstellen – Selbstversorgungsgrad in Deutschland und Europa erhalten
- Rede von Ingo Bodtke (FDP) – Nahrungsmittelversorgung sicherstellen – Selbstversorgungsgrad in Deutschland und Europa erhalten
- Rede von Ingo Bodtke (FDP) – Nahrungsmittelversorgung sicherstellen – Selbstversorgungsgrad in Deutschland und Europa erhalten
- Rede von Albert Stegemann (CDU/CSU) – Nahrungsmittelversorgung sicherstellen – Selbstversorgungsgrad in Deutschland und Europa erhalten
- Rede von Ingo Bodtke (FDP) – Nahrungsmittelversorgung sicherstellen – Selbstversorgungsgrad in Deutschland und Europa erhalten
- Rede von Ina Latendorf (DIE LINKE) – Nahrungsmittelversorgung sicherstellen – Selbstversorgungsgrad in Deutschland und Europa erhalten
- Rede von Dr.-Ing. Zoe Mayer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Nahrungsmittelversorgung sicherstellen – Selbstversorgungsgrad in Deutschland und Europa erhalten
- Rede von Artur Auernhammer (CDU/CSU) – Nahrungsmittelversorgung sicherstellen – Selbstversorgungsgrad in Deutschland und Europa erhalten
- Rede von Dr. Franziska Kersten (SPD) – Nahrungsmittelversorgung sicherstellen – Selbstversorgungsgrad in Deutschland und Europa erhalten
- Rede von Frank Rinck (AfD) – Nahrungsmittelversorgung sicherstellen – Selbstversorgungsgrad in Deutschland und Europa erhalten
- Rede von Frank Rinck (AfD) – Nahrungsmittelversorgung sicherstellen – Selbstversorgungsgrad in Deutschland und Europa erhalten
- Rede von Dr. Sandra Detzer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Unterrichtung durch die Bundesregierung
- Rede von Michael Grosse-Brömer (CDU/CSU) – Unterrichtung durch die Bundesregierung
- Rede von Markus Töns (SPD) – Unterrichtung durch die Bundesregierung
- Rede von Bernd Schattner (AfD) – Unterrichtung durch die Bundesregierung
- Rede von Gerald Ullrich (FDP) – Unterrichtung durch die Bundesregierung
- Rede von Bernd Riexinger (DIE LINKE) – Unterrichtung durch die Bundesregierung
- Rede von Fabian Funke (SPD) – Unterrichtung durch die Bundesregierung
- Rede von Stefan Rouenhoff (CDU/CSU) – Unterrichtung durch die Bundesregierung
- Rede von Victor Perli (DIE LINKE) – Gut, das verstehe ich. Es sind die letzten Tage der Linken-Fraktion.
- Rede von Andreas Schwarz (SPD) – Gut, das verstehe ich. Es sind die letzten Tage der Linken-Fraktion.
- Rede von Andreas Mattfeldt (CDU/CSU) – Gut, das verstehe ich. Es sind die letzten Tage der Linken-Fraktion.
- Rede von Dr. Sebastian Schäfer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Gut, das verstehe ich. Es sind die letzten Tage der Linken-Fraktion.
- Rede von Dr. Michael Espendiller (AfD) – Gut, das verstehe ich. Es sind die letzten Tage der Linken-Fraktion.
- Rede von Otto Fricke (FDP) – Gut, das verstehe ich. Es sind die letzten Tage der Linken-Fraktion.
- Rede von Wiebke Papenbrock (SPD) – Gut, das verstehe ich. Es sind die letzten Tage der Linken-Fraktion.
- Rede von Dr. Silke Launert (CDU/CSU) – Gut, das verstehe ich. Es sind die letzten Tage der Linken-Fraktion.
- Rede von Manuel Gava (SPD) – Gut, das verstehe ich. Es sind die letzten Tage der Linken-Fraktion.
- Erklärung von Manuel Gava (SPD) – Zu Protokoll gegebene Rede zur Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zu dem Übereinkommen Nr. 184 der …
Text
Protokoll der 141. Sitzung des 20. Deutschen Bundestages
Plenarprotokoll 20/141
Deutscher Bundestag
Stenografischer Bericht
141. Sitzung
Berlin, Donnerstag, den 30. November 2023
Inhalt:
Glückwünsche zum Geburtstag der Abgeordneten Michael Brand (Fulda) und Gereon Bollmann
Wahl des Abgeordneten Holger Mann und der Frau Iris Gleicke als stellvertretende Mitglieder des Stiftungsrates der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
Tagesordnungspunkt 7:
Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Verbesserung der Rückführung (Rückführungsverbesserungsgesetz)
Drucksache 20/9463
Nancy Faeser, Bundesministerin BMI
Dr. Hendrik Hoppenstedt (CDU/CSU)
Filiz Polat (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Dr. Bernd Baumann (AfD)
Stephan Thomae (FDP)
Clara Bünger (DIE LINKE)
Robert Farle (fraktionslos)
Clara Bünger (DIE LINKE)
Dirk Wiese (SPD)
Alexander Hoffmann (CDU/CSU)
Christoph de Vries (CDU/CSU)
Helge Limburg (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Manuel Höferlin (FDP)
Detlef Seif (CDU/CSU)
Helge Lindh (SPD)
Matthias Helferich (fraktionslos)
Max Lucks (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Mechthilde Wittmann (CDU/CSU)
Gülistan Yüksel (SPD)
Tagesordnungspunkt 8:
Beschlussempfehlung und Bericht des Wirtschaftsausschusses zu dem Antrag der Fraktion der CDU/CSU: Wirtschaftsstandort Deutschland stärken, Wirtschaft unterstützen – Abbau überflüssiger und belastender Bürokratie
Drucksachen 20/6408, 20/9271
Felix Banaszak (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Julia Klöckner (CDU/CSU)
Sebastian Roloff (SPD)
Leif-Erik Holm (AfD)
Reinhard Houben (FDP)
Dr. Klaus Wiener (CDU/CSU)
Janine Wissler (DIE LINKE)
Lukas Benner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Jens Spahn (CDU/CSU)
Felix Banaszak (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Andreas Audretsch (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Esra Limbacher (SPD)
Enrico Komning (AfD)
Dr. Thorsten Lieb (FDP)
Hansjörg Durz (CDU/CSU)
Alexander Bartz (SPD)
Misbah Khan (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Klaus-Peter Willsch (CDU/CSU)
Dr. Zanda Martens (SPD)
Tagesordnungspunkt 9:
Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Modernisierung des Staatsangehörigkeitsrechts (StARModG)
Drucksache 20/9044
Nancy Faeser, Bundesministerin BMI
Alexander Throm (CDU/CSU)
Filiz Polat (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Dr. Gottfried Curio (AfD)
Dr. Marco Buschmann, Bundesminister BMJ
Gökay Akbulut (DIE LINKE)
Dirk Wiese (SPD)
Philipp Amthor (CDU/CSU)
Gülistan Yüksel (SPD)
Dr. Manuela Rottmann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Lamya Kaddor (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Konstantin Kuhle (FDP)
Gülistan Yüksel (SPD)
Alexander Hoffmann (CDU/CSU)
Canan Bayram (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Hakan Demir (SPD)
Tagesordnungspunkt 10:
Beschlussempfehlung und Bericht des Finanzausschusses zu dem Antrag der Abgeordneten Christian Görke, Dr. Gesine Lötzsch, Klaus Ernst, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE: Erbschaftsteuer – Privilegien bei Milliardenerbschaften streichen
Drucksachen 20/7295, 20/9562
in Verbindung mit
Zusatzpunkt 2:
Beschlussempfehlung und Bericht des Finanzausschusses zu dem Antrag der Abgeordneten Kay Gottschalk, Carolin Bachmann, Marc Bernhard, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Erbschaft- und Schenkungsteuer abschaffen
Drucksachen 20/6388, 20/8438
Claudia Raffelhüschen (FDP)
Christian Freiherr von Stetten (CDU/CSU)
Tim Klüssendorf (SPD)
Kay Gottschalk (AfD)
Katharina Beck (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Christian Görke (DIE LINKE)
Maximilian Mordhorst (FDP)
Olav Gutting (CDU/CSU)
Jan Korte (DIE LINKE)
Carlos Kasper (SPD)
Bruno Hönel (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Fritz Güntzler (CDU/CSU)
Armand Zorn (SPD)
Sebastian Brehm (CDU/CSU)
Maximilian Mordhorst (FDP)
Matthias W. Birkwald (DIE LINKE)
Frauke Heiligenstadt (SPD)
Namentliche Abstimmung
Ergebnis
Tagesordnungspunkt 28:
a)Antrag der Fraktion der CDU/CSU: Kapitalmarkt für Kleinanleger attraktiver machen
Drucksache 20/9496
b)Antrag der Fraktion der CDU/CSU: Datenschutz und Cybersicherheit für Autofahrer stärken
Drucksache 20/9497
c)Erste Beratung des von den Abgeordneten Dr. Götz Frömming, Marcus Bühl, Nicole Höchst, weiteren Abgeordneten und der Fraktion der AfD eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Steigerung der Leistungsfähigkeit der kommunalen Bildungsinfrastruktur
Drucksache 20/7669
d)Erste Beratung des von den Abgeordneten Thomas Seitz, Tobias Matthias Peterka, Carolin Bachmann, weiteren Abgeordneten und der Fraktion der AfD eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zum Erhalt von Streuobstwiesen und Kleinbrennereien
Drucksache 20/9499
e)Antrag der Abgeordneten Thomas Seitz, Tobias Matthias Peterka, Carolin Bachmann, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Gleichbehandlung zwischen kleinen Brennereien und kleinen Brauereien herstellen
Drucksache 20/9506
f)Antrag der Abgeordneten Jan Wenzel Schmidt, Kay Gottschalk, Albrecht Glaser, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Zinsen beim Studienkredit der Kreditanstalt für Wiederaufbau deckeln – Kostenfalle stoppen
Drucksache 20/9507
g)Antrag der Abgeordneten Ina Latendorf, Dr. Gesine Lötzsch, Susanne Ferschl, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE: Recht auf kostenfreie Schuldnerberatung für alle gesetzlich garantieren
Drucksache 20/9492
in Verbindung mit
Zusatzpunkt 3:
a)Bericht des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung gemäß § 56a der Geschäftsordnung: Technikfolgenabschätzung (TA) – Mögliche gesundheitliche Auswirkungen verschiedener Frequenzbereiche elektromagnetischer Felder (HF-EMF)
Drucksache 20/5646
b)Antrag der Abgeordneten Clara Bünger, Nicole Gohlke, Gökay Akbulut, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE: Kriminalisierung der Seenotrettung verhindern
Drucksache 20/9493
Tagesordnungspunkt 29:
a)Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Digitales zu dem Antrag der Fraktion der CDU/CSU: Europäische KI-Verordnung – Für eine engagierte und innovationsfreundliche Mitgestaltung Deutschlands bei der Regulierung Künstlicher Intelligenz in Europa
Drucksachen 20/7583, 20/9477
b)Beschlussempfehlung und Bericht des Verkehrsausschusses zu dem Antrag der Abgeordneten Dr. Harald Weyel, Dr. Dirk Spaniel, Wolfgang Wiehle, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Vorschläge der Europäischen Kommission für einen möglichen Führerscheinentzug für Personen über 70 Jahre im EU-Ministerrat ablehnen
Drucksachen 20/7580, 20/9203
c)–n)Beratung der Beschlussempfehlungen des Petitionsausschusses: Sammelübersichten 473, 474, 475, 476, 477, 478, 479, 480, 481, 482, 483 und 484 zu Petitionen
Drucksachen 20/9373, 20/9374, 20/9375, 20/9376, 20/9377, 20/9378, 20/9379, 20/9380, 20/9381, 20/9382, 20/9383, 20/9384
Sören Pellmann (DIE LINKE)
Swantje Henrike Michaelsen (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
in Verbindung mit
Zusatzpunkt 4:
a)Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Menschenrechte und humanitäre Hilfe zu dem Antrag der Abgeordneten Martin Sichert, Jürgen Braun, Jörn König, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Stabilität in autonomen kurdischen Regionen im Irak und in Syrien herstellen – Schutzzonen einrichten
Drucksachen 20/6722, 20/9519
b)Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Digitales zu dem Antrag der Abgeordneten Anke Domscheit-Berg, Ralph Lenkert, Nicole Gohlke, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE: Recht auf schnelles Internet für alle
Drucksachen 20/1818, 20/9569
c)Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Digitales zu dem Antrag der Abgeordneten Anke Domscheit-Berg, Dr. Petra Sitte, Nicole Gohlke, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE: Keine Privatadressen im Impressum
Drucksachen 20/2031, 20/9567
d)Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Inneres und Heimat zu dem Antrag der Abgeordneten Anke Domscheit-Berg, Martina Renner, Nicole Gohlke, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE: Ausnutzung von IT-Sicherheitslücken durch Bundesbehörden verbieten
Drucksachen 20/2079, 20/9565
e)Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Digitales zu dem Antrag der Abgeordneten Dr. Petra Sitte, Nicole Gohlke, Gökay Akbulut, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE: Schluss mit Netzsperren unter Umgehung der Gerichte
Drucksachen 20/2080, 20/9568
f)Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Inneres und Heimat zu dem Antrag der Abgeordneten Anke Domscheit-Berg, Dr. Petra Sitte, Nicole Gohlke, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE: Für ein Offlinezugangsgesetz
Drucksachen 20/8712, 20/9563
g)Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Ernährung und Landwirtschaft zu dem Antrag der Abgeordneten Ina Latendorf, Dr. Gesine Lötzsch, Klaus Ernst, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE: Agrarbetriebe und insbesondere den Gartenbau absichern
Drucksachen 20/8570, 20/9561
h)Zweite und dritte Beratung des von den Abgeordneten Dr. Gottfried Curio, Dr. Bernd Baumann, Martin Hess, weiteren Abgeordneten und der Fraktion der AfD eingebrachten Entwurfs eines Fünften Gesetzes zur Änderung des Staatsangehörigkeitsgesetzes
Drucksachen 20/4845, 20/5827
i)Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Ernährung und Landwirtschaft zu dem Antrag der Abgeordneten Ina Latendorf, Cornelia Möhring, Dr. Gesine Lötzsch, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der DIE LINKE: Keine Doppelstandards bei giftigen Chemikalien – Exportverbot für nicht zugelassene Pflanzenschutzmittel
Drucksachen 20/8953, 20/9572
j)Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Inneres und Heimat zu dem Antrag der Abgeordneten Martina Renner, Nicole Gohlke, Gökay Akbulut, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE: Kein Kauf und Einsatz von Spähsoftware durch Bundesbehörden
Drucksachen 20/683, 20/9564
k)Beschlussempfehlung und Bericht des Rechtsausschusses zu dem Streitverfahren vor dem Bundesverfassungsgericht 2 BvE 13/23
Drucksache 20/9535
Zusatzpunkt 5:
Aktuelle Stunde auf Verlangen der Fraktion DIE LINKE: Industriestandort Ostdeutschland sichern und ausbauen
Sören Pellmann (DIE LINKE)
Carsten Schneider, Beauftragter der Bundesregierung für Ostdeutschland
Sepp Müller (CDU/CSU)
Michael Kellner, Parl. Staatssekretär BMWK
Enrico Komning (AfD)
Gerald Ullrich (FDP)
Christian Görke (DIE LINKE)
Hannes Walter (SPD)
Jana Schimke (CDU/CSU)
Dr. Paula Piechotta (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Friedhelm Boginski (FDP)
Sven Schulze, Minister (Sachsen-Anhalt)
Katrin Budde (SPD)
Felix Banaszak (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Jens Lehmann (CDU/CSU)
Carlos Kasper (SPD)
Tagesordnungspunkt 11:
Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Fortentwicklung des Völkerstrafrechts
Drucksache 20/9471
Dr. Marco Buschmann, Bundesminister BMJ
Ingmar Jung (CDU/CSU)
Sonja Eichwede (SPD)
Stephan Brandner (AfD)
Boris Mijatović (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Clara Bünger (DIE LINKE)
Macit Karaahmetoğlu (SPD)
Axel Müller (CDU/CSU)
Robin Wagener (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Dr. Volker Ullrich (CDU/CSU)
Tagesordnungspunkt 12:
Antrag der Fraktion der CDU/CSU: Einsetzung einer Kommission zur Überprüfung der sicherheitsrelevanten Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und China
Drucksache 20/9323
Tilman Kuban (CDU/CSU)
Esra Limbacher (SPD)
Dr. Malte Kaufmann (AfD)
Maik Außendorf (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Dr. Gesine Lötzsch (DIE LINKE)
Carl-Julius Cronenberg (FDP)
Dr. Jens Zimmermann (SPD)
Nicolas Zippelius (CDU/CSU)
Maik Außendorf (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Dr. Sandra Detzer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Andreas Larem (SPD)
Tagesordnungspunkt 13:
Zweite Beratung und Schlussabstimmung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zu dem Übereinkommen Nr. 184 der Internationalen Arbeitsorganisation vom 21. Juni 2001 über den Arbeitsschutz in der Landwirtschaft
Drucksachen 20/8655, 20/9389
Kerstin Griese, Parl. Staatssekretärin BMAS
Dr. Ottilie Klein (CDU/CSU)
Beate Müller-Gemmeke (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
René Springer (AfD)
Carl-Julius Cronenberg (FDP)
Susanne Ferschl (DIE LINKE)
Angelika Glöckner (SPD)
Max Straubinger (CDU/CSU)
Renate Künast (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Stephan Protschka (AfD)
Axel Knoerig (CDU/CSU)
Tagesordnungspunkt 18:
Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Ernährung und Landwirtschaft zu dem Antrag der Fraktion der CDU/CSU: Nahrungsmittelversorgung sicherstellen – Selbstversorgungsgrad in Deutschland und Europa erhalten
Drucksachen 20/5215, 20/9259
in Verbindung mit
Zusatzpunkt 6:
Antrag der Fraktion der CDU/CSU: Keine nationalen Alleingänge – Die Zulassung des Wirkstoffs Glyphosat auch auf nationaler Ebene verlängern
Drucksache 20/9494
in Verbindung mit
Zusatzpunkt 7:
Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Ernährung und Landwirtschaft zu dem Antrag der Abgeordneten Bernd Schattner, Stephan Protschka, Peter Felser, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Landwirte in Deutschland unterstützen – Bedarfsgerechten Pflanzenschutz nach guter fachlicher Praxis gewährleisten
Drucksachen 20/9321, 20/9560
Karl Bär (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Albert Stegemann (CDU/CSU)
Susanne Mittag (SPD)
Peter Felser (AfD)
Ingo Bodtke (FDP)
Albert Stegemann (CDU/CSU)
Ingo Bodtke (FDP)
Ina Latendorf (DIE LINKE)
Dr.-Ing. Zoe Mayer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Artur Auernhammer (CDU/CSU)
Dr. Franziska Kersten (SPD)
Frank Rinck (AfD)
Tagesordnungspunkt 15:
Unterrichtung durch die Bundesregierung: Nationales Reformprogramm 2023
Drucksache 20/6200
Dr. Sandra Detzer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Michael Grosse-Brömer (CDU/CSU)
Markus Töns (SPD)
Bernd Schattner (AfD)
Gerald Ullrich (FDP)
Bernd Riexinger (DIE LINKE)
Fabian Funke (SPD)
Stefan Rouenhoff (CDU/CSU)
Tagesordnungspunkt 16:
Antrag der Abgeordneten Dr. Gesine Lötzsch, Victor Perli, Susanne Ferschl, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE: Schuldenbremse für die Jahre 2023 und 2024 aussetzen
Drucksache 20/9491
Victor Perli (DIE LINKE)
Andreas Schwarz (SPD)
Andreas Mattfeldt (CDU/CSU)
Dr. Sebastian Schäfer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Dr. Michael Espendiller (AfD)
Otto Fricke (FDP)
Wiebke Papenbrock (SPD)
Dr. Silke Launert (CDU/CSU)
Anlage 1
Entschuldigte Abgeordnete
Anlage 2
Zu Protokoll gegebene Rede zur Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zu dem Übereinkommen Nr. 184 der Internationalen Arbeitsorganisation vom 21. Juni 2001 über den Arbeitsschutz in der Landwirtschaft
(Tagesordnungspunkt 13)
Manuel Gava (SPD)
Der gesamte und damit endgültige Stenografische Bericht der 141. Sitzung wird am 5. Dezember 2023 veröffentlicht.
Präsidentin Bärbel Bas:
Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich wünsche Ihnen allen einen schönen guten Morgen. Die Sitzung ist eröffnet.
Bevor wir beginnen, gratuliere ich nachträglich dem Kollegen Michael Brand zum 50. Geburtstag und dem Kollegen Gereon Bollmann zum 70. Geburtstag.
(Beifall)
Alles Gute im Namen des ganzen Hauses für das neue Lebensjahr!
Dann haben wir noch eine Wahl durchzuführen. In den Stiftungsrat der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur sollen auf Vorschlag der Fraktion der SPD der Abgeordnete Holger Mann als Nachfolger für die Abgeordnete Sylvia Lehmann als stellvertretendes Mitglied sowie Frau Iris Gleicke als Nachfolgerin für Herrn Professor Dr. Rainer Eckert als stellvertretendes Mitglied gewählt werden. – Ich sehe keinen Widerspruch. Dann sind Sie damit einverstanden. Damit sind die Kollegin Frau Gleicke und der Kollege Herr Mann als stellvertretende Mitglieder des Stiftungsrates gewählt. Vielen Dank.
Ich rufe nun Tagesordnungspunkt 7 auf:
Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Verbesserung der Rückführung (Rückführungsverbesserungsgesetz)
Drucksache 20/9463
Überweisungsvorschlag: Ausschuss für Inneres und Heimat (f) Rechtsausschuss Ausschuss für Arbeit und Soziales
Für die Aussprache wurde eine Dauer von 68 Minuten vereinbart.
Ich eröffne die Aussprache. Das Wort hat zuerst für die Bundesregierung die Bundesministerin des Innern und für Heimat, Nancy Faeser.
(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
Nancy Faeser, Bundesministerin des Innern und für Heimat:
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordnete! Sehr geehrte Gäste! Meine Damen und Herren! Deutschland hat eine erstaunliche Entwicklung gemacht: von der Nation, die zwei Weltkriege und millionenfaches Leid verantwortete, hin zu einem Land, in dem Menschen Schutz suchen vor Krieg und Terror; ein Land, das sich weltweit für Frieden einsetzt. Ein solidarisches Land!
(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
Damit wir dieses Land sein können, braucht es aber auch klare Regeln und Gesetze; Regeln, die angewendet werden; Gesetze, die befolgt und kontrolliert werden. Dazu gehört auch, dass diejenigen, die in Deutschland kein Bleiberecht haben, unser Land wieder verlassen müssen – schnell und zuverlässig.
(Zuruf der Abg. Beatrix von Storch [AfD])
Das ist eine Voraussetzung dafür, dass Migration in der Gesellschaft insgesamt anerkannt wird und Integration funktioniert.
(Beifall bei der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Genau deshalb haben wir spürbar gehandelt – auf vielen Ebenen. Auf der europäischen Ebene haben wir eine Regelung, die wirklich beachtlich ist, hin zu einem europäischen Asylsystem. Wir haben mit temporären Grenzkontrollen Schleuser stärker an den Binnengrenzen bekämpft, um so auch irreguläre Migration zu bekämpfen.
(Dr. Alice Weidel [AfD]: Das stimmt doch gar nicht!)
Die Zahl der Abschiebungen ist in diesem Jahr schon um 27 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum. Dennoch gibt es weiteren Änderungsbedarf; denn dass Ausreisepflichtige Deutschland verlassen müssen, ist eine Selbstverständlichkeit – eigentlich. Doch in der Praxis gibt es immer wieder Schwierigkeiten, diese Selbstverständlichkeiten umzusetzen. Das ist übrigens auch in vielen anderen europäischen Staaten der Fall.
Deshalb beraten wir heute das umfangreichste Gesetz zur Verbesserung der rechtlichen Rahmenbedingungen von Rückführungen, das eine Bundesregierung jemals vorgelegt hat, meine Damen und Herren.
(Beifall bei der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Mit diesem Gesetz schaffen wir die notwendigen Voraussetzungen, um Ausweisungen und Rückführungen konsequent umzusetzen. Konkret vorgesehen ist, den Ausreisegewahrsam von 10 auf 28 Tage zu verlängern,
(Beatrix von Storch [AfD]: Das ist ja der helle Wahnsinn!)
um den Behörden mehr Zeit für die Abschiebung zu geben.
Ebenfalls vorgesehen ist, Straftäter und Gefährder konsequenter und schneller abzuschieben. Das gilt insbesondere für die Organisierte Kriminalität.
(Beifall bei der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Beatrix von Storch [AfD]: Genau!)
Dafür erleichtern wir die Möglichkeit, Mitglieder krimineller Vereinigungen auszuweisen; denn wer in kriminellen Netzwerken operiert, muss die Folgen spüren, auch was das Aufenthaltsrecht angeht. Der Rechtsstaat darf sich nicht auf der Nase herumtanzen lassen. Das gilt umso mehr im Umgang mit dem islamistischen Terrorismus und seinen Unterstützern.
(Zuruf der Abg. Beatrix von Storch [AfD])
Sie müssen wir besonders scharf ins Visier nehmen, gerade angesichts der barbarischen Hamasmorde vom 7. Oktober.
Ich will es auch heute noch einmal sehr deutlich sagen: Wer Verbrechen und Terrorakte bejubelt, wer jüdisches Leben bedroht, wer Israels Existenz- und, ja, auch Israels Selbstverteidigungsrecht bestreitet, stellt sich gegen die Grundwerte unserer Verfassung und gegen die Staatsräson unseres Landes, meine Damen und Herren.
(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP – Beatrix von Storch [AfD]: Und wer ist das? Sagen Sie doch mal, wer das ist!)
Wir werden den Kampf gegen Antisemitismus deshalb weiter mit aller Härte führen und die notwendigen rechtlichen Konsequenzen ziehen.
(Beatrix von Storch [AfD]: Gegen wen?)
Um Rückführungen und Abschiebungen effektiver durchführen zu können, müssen wir verhindern, dass Ausreisepflichtige untertauchen. Deshalb schaffen wir – natürlich unter strengen rechtsstaatlichen Voraussetzungen – zusätzliche Möglichkeiten, Wohnungen und auch Gemeinschaftsunterkünfte zu betreten.
Wir wollen verhindern, dass Abschiebungen scheitern, indem geltendes Recht missbraucht wird, etwa durch offensichtlich aussichtslose Asylfolgeanträge. Zukünftig genügt – selbstverständlich nach sorgfältiger Prüfung – die Mitteilung des BAMF, dass es kein weiteres Asylverfahren geben wird, um eine Abschiebung durchzuführen.
Das Gesetz zielt zudem darauf ab, Schleuser härter zu bestrafen und auszuweisen. Diesem menschenverachtenden Geschäft werden wir einen Riegel vorschieben, meine Damen und Herren.
(Beifall bei der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Wenn Schleuser mindestens zu einem Jahr Freiheitsstrafe verurteilt werden, wiegt das Ausweisungsinteresse künftig besonders schwer. Eine Abschiebung wird dann leichter. Auch das Strafmaß bei Schleusungsdelikten wird erhöht. Und wir schließen eine Regelungslücke, die vorher übrigens niemand beachtet hat: Künftig ist auch die Schleusung von Kindern strafbar, meine Damen und Herren.
(Beifall bei der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
All diese Maßnahmen sind notwendig, um irreguläre Migration wirksam zu begrenzen.
(Beatrix von Storch [AfD]: Illegale Migration!)
Sie sind aber auch nötig – das sage ich in aller Deutlichkeit auch an die rechte Seite dieses Hauses –, um das individuelle Grundrecht auf Asyl zu schützen.
(Beifall bei der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Dieses Recht wollen wir bewahren. Und jene, die ein Recht auf Asyl in Deutschland haben, wollen wir auch gut in unsere Gesellschaft integrieren. Dafür stärken wir Integrationskurse. Dafür wollen wir Asylsuchenden und Geduldeten einen früheren und leichteren Zugang zum Arbeitsmarkt ermöglichen; auch das ist dringend notwendig.
(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie des Abg. Matthias W. Birkwald [DIE LINKE] – Beatrix von Storch [AfD]: Asylsuchende müssen nicht integriert werden!)
Frühestens nach drei und spätestens nach sechs Monaten in Deutschland soll es nun möglich sein, eine Arbeit aufzunehmen. Auch geduldete Menschen sollen künftig im Regelfall eine Beschäftigungserlaubnis bekommen. Denn Arbeit ist der entscheidende Faktor für Integration, meine Damen und Herren.
(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
Der Bund muss einen rechtlichen Rahmen schaffen, der es den Ländern ermöglicht, Rückführungen möglichst effektiv zu vollziehen. Als wir den vorliegenden Gesetzentwurf erstellt haben, sind wir deshalb von Anfang an umfassend darauf eingegangen, was gerade die Länder und auch die Kommunen an Vorschriften, an Erleichterungen, an Beschleunigungen im Verfahren haben wollten. Wir haben sie eingebunden. Deshalb darf ich mich bei den Ländern und Kommunen auch ganz herzlich dafür bedanken, wie umfangreich sie an diesem Gesetzesvorhaben mitgearbeitet haben. Vielen Dank dafür!
(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
Meine Damen und Herren, ich bin sehr davon überzeugt: Wenn wir Schutzsuchenden auch in Zukunft helfen wollen, müssen wir die Rechtsordnung schützen, die uns das ermöglicht. Wer kein Recht hat, zu bleiben, muss Deutschland wieder verlassen. Diesen Grundsatz müssen wir durchsetzen können; denn andernfalls überfordern wir unser Gemeinwesen und schaden dem berechtigten Anliegen jener, die wirklich unseren Schutz brauchen. Deshalb bitte ich Sie um Unterstützung für den vorliegenden Gesetzentwurf.
Vielen Dank.
(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
Präsidentin Bärbel Bas:
Als Nächster hat das Wort für die CDU/CSU-Fraktion Dr. Hendrik Hoppenstedt.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Dr. Hendrik Hoppenstedt (CDU/CSU):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Unser Land befindet sich in einer akuten multiplen Krise: einer Haushaltskrise, einer Wirtschaftskrise, aber vor allen Dingen auch einer Migrationskrise. Alle diese Krisen – man könnte wahrscheinlich noch viel mehr nennen – münden in einer Vertrauenskrise in die demokratische Politik, weil die Menschen auf breiter Front das Vertrauen verlieren, dass diese Regierung, schlimmstenfalls gleich der ganze Staat, die Probleme dieses Landes auch in nur halbwegs zufriedenstellender Weise lösen kann.
Das gilt insbesondere für die akute Migrationskrise. In diesem Jahr werden voraussichtlich deutlich mehr als 300 000 Menschen Asylanträge in Deutschland stellen. Die Asylantragsstellungszahlen in Ihrer Regierungszeit sind explodiert. Bei den Erstanträgen haben wir dieses Jahr doppelt so viele wie in 2021. Die Aufnahmekapazitäten in den Gemeinden und Städten sind erschöpft. Es gibt dort keine Unterkünfte mehr, keine Integrationskapazitäten mehr, und es gibt vor allen Dingen auch immer weniger Aufnahmebereitschaft bei den Menschen vor Ort. Deshalb muss ein Baustein einer neuen Migrationspolitik sein, dass ausreisepflichtige Ausländer effektiv in ihre Herkunftsstaaten zurückgeführt werden.
Der vorliegende Gesetzentwurf enthält – lassen Sie mich das klar sagen – durchaus einige vernünftige und auch richtige Maßnahmen, die wir als CDU/CSU-Bundestagsfraktion übrigens schon seit Langem fordern. Dazu zählen die Erleichterungen bei der Abschiebehaft und beim Ausreisegewahrsam,
(Beatrix von Storch [AfD]: Das fordern Sie, seitdem Sie nicht mehr regieren!)
die den Behörden bessere Möglichkeiten an die Hand geben, die gesetzliche Ausreisepflicht durchzusetzen. Dennoch bringt dieser Gesetzentwurf keine migrationspolitische Zeitenwende; denn er wird der Migrationskrise und ihrer Dimension schlicht nicht gerecht, und zwar aus drei wesentlichen Gründen.
Erstens. Frau Faeser, dieser Gesetzentwurf kommt viel zu spät. Schon vor vier Jahren, als die Abschiebung des Bremer Clanchefs Miri spektakulär gescheitert ist, hat Horst Seehofer ein ganzes Bündel an Maßnahmen aufgeschrieben – die sich übrigens in weiten Teilen in Ihrem heute vorliegenden Gesetzentwurf wiederfinden –, um die Rückführungen zu erleichtern und zu verbessern. Gescheitert ist das seinerzeit an Christine Lambrecht, der damaligen SPD-Justizministerin.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Als dann Anfang dieses Jahres offensichtlich bei Ihnen die Erkenntnis wuchs, dass es doch richtig war, jetzt ein paar von diesen Vorschlägen umzusetzen, da haben Sie im Februar den Auftakt gemacht. Sie haben dann einen sehr langen Umweg über die Ministerpräsidentenkonferenz im Mai gemacht. Und jetzt endlich, am 30. November, haben wir heute hier in diesem Hause die erste Lesung. Das ist das neue Deutschlandtempo der selbsternannten Fortschrittskoalition! So wird das nichts!
(Beifall bei der CDU/CSU)
Zweitens. Der Gesetzentwurf wird im Ergebnis nur eine sehr überschaubare Wirkung haben. Frau Faeser, Sie selber gehen in der Begründung Ihres Gesetzentwurfs davon aus, dass das 600 zusätzliche Abschiebungen ausmacht, und zwar pro Jahr – so steht das da; aktuell übrigens bei 1 000 Antragstellungen pro Tag.
(Zuruf von der CDU/CSU: Hört! Hört! Großer Erfolg!)
Das ist also die Umsetzung der vollmundigen Ankündigungen von Bundeskanzler Scholz: „Wir müssen endlich im großen Stil diejenigen abschieben, die kein Recht haben, in Deutschland zu bleiben.“
Drittens werden die wenigen richtigen Maßnahmen in diesem Gesetzentwurf durch migrationspolitische Entscheidungen konterkariert, die Sie in den vergangenen zwei Jahren getroffen haben und die exakt in die entgegengesetzte Richtung zielen: mehr Zuwanderung, mehr Anreize für irreguläre Migration, weniger Rückführungen. Sie haben die Bleibemöglichkeiten für abgelehnte Asylbewerber ausgeweitet. Sie haben den Spurwechsel ermöglicht. Sie haben den Zweck der Begrenzung des Zugangs aus dem Aufenthaltsgesetz gestrichen.
(Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Gucken Sie mal in den Koalitionsvertrag in Bayern!)
Und jetzt, parallel zu Ihrem Rückführungsgesetz, hat die Bundesregierung auch noch die Ausweitung der Beschäftigungsduldung beschlossen; ich nehme an, um die Zustimmung der Grünen zu erkaufen. Abgelehnte Asylbewerber können so doch in Deutschland bleiben, sobald sie nur einen Job vorweisen können.
(Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: In Niedersachsen, in NRW!)
Das alles geht in die falsche Richtung und trägt dazu bei, dass die irreguläre Migration nach Deutschland hoch bleiben wird.
Ich rate Ihnen: Schauen Sie sich einfach noch einmal die 26 Punkte an, die unser Fraktionsvorsitzender dem Bundeskanzler im Oktober dieses Jahres überreicht hat. Ich will sie nicht alle nennen, aber die wichtigsten gehören hier noch mal hin: Stoppen Sie die freiwilligen Aufnahmeprogramme! Setzen Sie den Familiennachzug von subsidiär Schutzberechtigten aus! Erweitern Sie die Liste der sicheren Herkunftsstaaten um Algerien, Marokko, Tunesien und Indien!
(Beifall bei der CDU/CSU)
Sorgen Sie dafür, dass Asylbewerber und ausreisepflichtige Personen dauerhaft nur die abgesenkten Sozialleistungen des Asylbewerberleistungsgesetzes erhalten! Und kümmern Sie sich endlich um funktionierende Rückführungsabkommen mit den Herkunftsländern!
(Zuruf vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Die Sie nicht hinbekommen haben!)
Was wir brauchen, meine Damen und Herren, ist eine Migrationspolitik aus einem Guss und nicht mehr dieses Stückwerk. Meine Sorge ist nämlich – und da, Frau Ministerin, glaube ich fast, dass wir eine Gemeinsamkeit haben, auch wenn es nur sehr wenige sind –, dass uns die Zeit wegrennt. Wenn nämlich die irreguläre Migration nicht sehr schnell und sehr spürbar begrenzt wird, dann verlieren wir die Akzeptanz für Humanität gegenüber den wirklich schutzbedürftigen Menschen, die auch weiter eine sichere Bleibe in Deutschland haben sollen.
Herzlichen Dank.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Präsidentin Bärbel Bas:
Als Nächste hat das Wort für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Filiz Polat.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP)
Filiz Polat (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Mit dem Rückführungsverbesserungsgesetz setzt das Innenministerium die Beschlüsse der Ministerpräsidentenkonferenzen um und geht darüber hinaus. Wir haben es schon damals gesagt: Gesetzgeber ist und bleibt das Parlament; denn die Entscheidung treffen am Ende wir, und wir müssen diese auch verantworten.
Der Regelungsbereich des Gesetzes ist ausgesprochen breit. Der Ausreisegewahrsam soll deutlich verlängert und die Abschiebehaft ausgeweitet werden. Durchsuchungen in Gemeinschaftsunterkünften sollen erleichtert werden, sodass künftig auch völlig unbeteiligte Personen, auch Familien, damit rechnen müssen, dass Polizistinnen und Polizisten ihre Wohnung betreten.
(Beatrix von Storch [AfD]: Ist ja fürchterlich!)
Bestimmte Personen sollen ohne Verurteilung allein auf Verdacht ausgewiesen werden können. Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma befürchtet, dass es dadurch bald wieder zu Sippenhaft völlig unbescholtener Menschen kommen könnte.
(Dr. Bernd Baumann [AfD]: Sippenhaft! Unglaublich!)
Das müssen wir ernst nehmen.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Clara Bünger [DIE LINKE])
Gegen diese Maßnahmen haben die beiden großen Kirchen, die Wohlfahrtsverbände, Amnesty International, Pro Asyl, Terre des Hommes, der Deutsche Juristinnenbund, der Deutsche Anwaltverein und die Gesellschaft für Freiheitsrechte und zahlreiche andere verfassungs- und europarechtliche Vorbehalte vorgebracht; denn der Entwurf sieht Eingriffe in elementare Grundrechte vor: in das Recht auf Freiheit, auf Unverletzlichkeit der Wohnung und auf die Privatsphäre.
(Beatrix von Storch [AfD]: Was ist denn mit dem Recht auf Leben der hier Lebenden?)
Diese Eingriffe treffen nicht nur, wie immer wieder gesagt wird, Straftäter/-innen, die schwere Straftaten begehen, sondern auch Schutzsuchende und Geduldete insgesamt, darunter zum größten Teil Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Wir werden deshalb in den Beratungen, Frau Ministerin, genau prüfen, ob diese Grundrechtseingriffe gerechtfertigt sind.
Auch bei der Debatte um die Kriminalisierung von Seenotretter/-innen in den letzten Tagen gehen zahlreiche Juristinnen und Juristen davon aus, dass ehrenamtliche Seenotretter/-innen Ermittlungen fürchten müssen. Wir begrüßen deshalb, Frau Ministerin, dass hier das Innenministerium klargestellt hat, dass diese Intention nicht beabsichtigt ist.
(Zuruf des Abg. Josef Oster [CDU/CSU])
Dies wird entsprechend in den Beratungen berücksichtigt, meine Damen und Herren.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP)
Denn für die Koalition gilt – so steht es auch im Koalitionsvertrag –: Menschen, die lebensrettende Hilfe leisten, dürfen nicht Gefahr laufen, dafür belangt zu werden. Darin sind wir uns einig.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP)
Grundsätzlich möchte ich für meine Fraktion betonen, dass im Hinblick auf die Debatte um ausreisepflichtige Personen, Herr Hoppenstedt – und auch in Ihrer Fraktion gab es sehr viel Offenheit für das Chancen-Aufenthaltsrecht; das haben Sie hier im Parlament selbst dokumentiert –, der Fokus mehr auf Bleiberechtsregelungen liegen sollte und vor allem auf der freiwilligen Ausreise.
(Zuruf von der CDU/CSU: Hört! Hört!)
Die Zahl der freiwilligen Ausreisen ist derzeit doppelt so hoch wie die der zwangsweisen Abschiebungen.
(Thorsten Frei [CDU/CSU]: Das ist ja auch das Normalste von der Welt, Frau Polat!)
Sie sind mit weniger Härten für die Betroffenen verbunden und bedeuten eine große Entlastung der beteiligten Behörden.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP und der Abg. Clara Bünger [DIE LINKE])
Ich möchte in Erinnerung rufen, dass die rechtlichen Verschärfungen unter Seehofer nicht zu mehr Abschiebungen,
(Zuruf von der CDU/CSU: Doch!)
aber zu einer härteren Abschiebepraxis geführt haben, zu mehr Gerichtsverfahren
(Lamya Kaddor [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Richtig!)
und einer starken Belastung der Justiz. Auch das müssen wir beachten.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD – Thorsten Frei [CDU/CSU]: Wir hatten doppelt so viele Rückführungen wie jetzt! Doppelt so viele!)
Meine Damen und Herren, noch einmal in Richtung der Union, weil dieses Narrativ für mich schwer erträglich ist:
(Christoph de Vries [CDU/CSU]: Das ist jetzt aber Ihr eigenes Gesetz, über das Sie reden!)
Wer sagt, wir hätten ein Abschiebedefizit, verkennt, wer die Menschen sind, die in unseren Kommunen unter der Ausreisepflicht leben müssen. Die allermeisten von ihnen haben eine Duldung.
(Zuruf des Abg. Alexander Throm [CDU/CSU])
Die Gründe dafür sind vielfältig, so vielfältig wie die Lebensgeschichten dieser Menschen. Sie sind geduldet, weil sie sich zum Beispiel in einer Ausbildung befinden und eine Ausbildungsduldung haben, die die CDU/CSU-Fraktion mit verabschiedet hat,
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP – Widerspruch bei Abgeordneten der CDU/CSU)
oder weil sie nicht in ihr Herkunftsland abgeschoben werden können. Zum Beispiel sind nach wie vor unter den Ausreisepflichtigen viele Afghaninnen und Afghanen. Diese können wir und wollen wir auch nicht abschieben, meine Damen und Herren.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP – Zuruf von der AfD: Doch, wir wollen!)
Auch für sie müssen wir Perspektiven schaffen.
Was stattdessen den Betroffenen und den Kommunen tatsächlich hilft, ist, Chancen zu bieten, Herr Hoffmann, und Perspektiven zu schaffen. Ein Teil des Gesetzpaketes wird sich genau diesen konstruktiven Lösungen widmen: Wir reduzieren etwa die unnötige Bürokratie, indem Aufenthaltstitel länger gelten. Wir sorgen dafür, dass Geflüchtete und Geduldete schneller arbeiten dürfen. Wir verbessern die Beschäftigungsduldung, und auch die Aufenthaltserlaubnis bei Ausbildung weiten wir aus. – Genau das machen wir. Herr Hoppenstedt, haben Sie keine Angst. Das hilft unserer Wirtschaft, das hilft unseren Gastronomen,
(Alexander Hoffmann [CDU/CSU]: Das ist lange widerlegt! – Zuruf der Abg. Beatrix von Storch [AfD])
und letztendlich hilft es der gesamten Gesellschaft, weil wir einen Arbeitskräfte- und einen Fachkräftemangel haben, meine Damen und Herren.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP)
Sowohl der Deutsche Industrie- und Handelskammertag als auch die Flüchtlingsverbände sind sich darin einig. Dafür haben sie sehr viele konkrete Vorschläge gemacht. Auch diese wollen wir im parlamentarischen Verfahren berücksichtigen.
Wir sind überzeugt, Frau Präsidentin, dass uns diese konstruktiven Lösungen für die Gesellschaft viel mehr bringen. Davon profitieren wir letztendlich alle.
Danke sehr.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP)
Präsidentin Bärbel Bas:
Als Nächster hat das Wort für die AfD-Fraktion Dr. Bernd Baumann.
(Beifall bei der AfD)
Dr. Bernd Baumann (AfD):
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Hat es in der Weltgeschichte je etwas Vergleichbares gegeben? Deutschland wirkt wie ein gigantischer Magnet auf bald alle Fremden dieser Erde, zieht Millionenscharen aus allen Armutsgebieten an. Die Folge: dreistellige Milliardensummen an Kosten, verwahrloste Stadtteile, Araberclans, versagende Schulen, Gewalt auf den Straßen, Frauen in Angst wie nie zuvor und eine Bevölkerung, die nicht mehr weiß, wie ihr geschieht. Wie konnte es so weit kommen?
Das Ganze ist passiert, weil hierzulande eine ganze politische Klasse aus Parteien und Medien versagt hat, weil sie linken Spinnereien verfallen ist, eine politische Klasse, die schlicht verrückt geworden ist, meine Damen und Herren!
(Beifall bei der AfD – Katharina Dröge [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Was für eine Wortwahl!)
Unsere Bevölkerung will, dass dieser Wahnsinn aufhört – alle Wahlen, alle Umfragen zeigen das –, und die Regierung tut so, als wolle sie reagieren.
(Zurufe vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Die Ampelkoalition bringt heute unter lautem Pressegetöse ein Gesetz zur Verbesserung von Rückführung ein. Wörtlich verspricht Kanzler Scholz Abschiebungen „im großen Stil“. Aber was bringt das Gesetz tatsächlich? Winzigste Mikroveränderung. Nur ein Beispiel: Verlängerung des Ausreisegewahrsams auf 28 Tage.
(Widerspruch der Abg. Clara Bünger [DIE LINKE])
Experten der Bundespolizei sagen – reden Sie mal mit denen –:
(Zuruf von der SPD)
Ausreisegewahrsam unter einem halben Jahr bringt gar nichts. Das ist sinnlos! Reine Makulatur, meine Damen und Herren!
(Beifall bei der AfD – Zuruf der Abg. Clara Bünger [DIE LINKE])
Und so geht es im ganzen Gesetz weiter, weil Sie gar nicht wirklich abschieben wollen; und Sie geben das ja auch noch offen zu. Sie schreiben selber in der Gesetzesbegründung, durch das Gesetz würden pro Jahr allenfalls 600 Asylanten zusätzlich abgeschoben, nicht mehr, sondern ganze 600. Angesichts von 300 000 endgültig Abzuschiebenden ist das ein Anteil von 0,002. Das sind zwei Tausendstel. Diese Dosis ist nicht mal homöopathisch. Das ist nichts, null. Sie wollen die Wähler für dumm verkaufen und verschwenden hier unsere Zeit im Parlament!
(Beifall bei der AfD – Zuruf von der SPD: Nein, Sie verschwenden sie!)
Warum machen Sie keinen größeren Wurf, warum nur 600? Weil Sie gar nicht anders können; sonst gehen Ihre linken Parteiideologen und die grüne Basis auf die Barrikaden.
(Widerspruch der Abg. Lamya Kaddor [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
All diese Einwanderungsfanatiker und Migrationsfreunde würden aufschreien. Das ist der Grund. Diese Ampelregierung ist zu jeder echten Asylreform unfähig, meine Damen und Herren!
(Beifall bei der AfD)
Aber heute haben wir hier auch die CDU gehört. Die würde ja so gerne abschieben, wenn nur die Wähler sie wieder an die Regierung bringen würden. Du lieber Gott: Die CDU war doch gerade 16 Jahre an der Macht und hat jedes Jahr mehr Abschiebungen versprochen und hat jedes Jahr ihr Versprechen gebrochen: Es wurden immer weniger abgeschoben. Am Ende war es nur noch die Hälfte. Schlimmer kann man politisch gar nicht lügen. Auch in Bundesländern, in denen die CDU regiert, wird kaum abgeschoben, weil auch Sie nicht wollen. Den wirklichen Willen dazu haben nur wir, meine Damen und Herren.
(Beifall bei der AfD – Zuruf der Abg. Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Und wer den Willen hat, der weiß auch, dass Abschiebungen allein gar nicht reichen. Sie müssen eingebettet sein in ein Gesamtsystem moderner Migrationspolitik mit Antworten auf den heutigen modernen, gigantischen Migrationsdruck, von dem unsere Verfassungsväter noch gar keine Ahnung hatten und nicht haben konnten. Wir brauchen neue, moderne Lösungen für die heutigen gigantischen Probleme. Diese Lösung muss aus drei Elementen bestehen.
Erstens. Wir brauchen endlich – endlich! – einen lückenlosen Grenzschutz an unseren deutschen Außengrenzen in Europa, und das bedeutet die sofortige Zurückweisung aller illegalen Migranten an unseren Grenzen, und zwar ohne Wenn und Aber, meine Damen und Herren.
(Beifall bei der AfD)
Wir brauchen zugleich Zentren außerhalb Europas, wo glasklar überprüft wird, ob Schutzgründe vorliegen. Die große Masse der Migranten, bei denen das nicht der Fall ist, kommt dann nicht länger über unsere Grenzen, weil wir ihnen vorher klargemacht haben: Ihr kommt hier nicht rein!
(Beifall bei der AfD)
Und auch für all die schutzlosen Kriegs- und Bürgerkriegsflüchtlinge müssen Schutzzonen die Lösung sein: außerhalb Europas, am besten in der Nähe ihrer Heimat. Da verstehen sie die Sprache, das ist ihre Kultur.
(Zuruf der Abg. Katrin Göring-Eckardt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Und wenn jetzt die üblichen Bedenkenträger sagen: „Aber dagegen stehen doch Richtlinien und Konventionen der EU“, dann sage ich Ihnen: Wenn Deutschland, das größte Land Europas, den politischen Willen hat, wird ganz Europa umsteuern. Denn schon alle Staaten Osteuropas machen mit: Ungarn, Polen, Tschechien, Slowakei. Alle Staaten Nordeuropas machen mit: Dänemark, Schweden, Finnland. Im Süden machen mit: Italien und Österreich. Und im Westen schwenkt gerade selbst Holland um. Wenn Deutschlands Führung den politischen Willen hätte, wäre alles möglich. Aber Sie haben ihn nicht. Wir von der AfD haben ihn. Wir setzen das durch – voll und ganz!
(Beifall bei der AfD – Zuruf vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wie denn?)
Zweitens. Abschaffung aller Pull-Faktoren, die Armutsmigranten herlocken: keine falsche Perspektive mehr auf schnelle deutsche Staatsbürgerschaft, kein Familiennachzug mehr für Leute, die nur vorübergehend hier Schutz genießen, und nur noch Sachleistungen zum alltäglichen Leben. Alle bestehenden Pull-Faktoren müssen weg. Wir müssen den Asylmagneten abschalten, meine Damen und Herren – endgültig, ein für alle Mal.
(Beifall bei der AfD)
Drittens. Rückführung aller illegalen und aller abgelehnten Asylbewerber in ihre Heimatländer oder in sichere Drittländer.
„Aber das geht doch nicht“, sagen da die linken NGOs, die Grünen, die Jusos und die ganzen Profiteure der Asylindustrie. Sie verschanzen sich hinter einem Gestrüpp von Gesetzen, die nur zu einem Zweck gemacht wurden: Abschiebungen zu verhindern.
Dazu sagen wir Ihnen: All das kann man ändern, wenn man nur will; denn alle Gesetze sind von Menschen gemacht. Und Menschen können sie wieder ändern, wenn sie den Willen dazu haben, den Mut und die Kraft. Die Ampelparteien und die Union haben das nicht.
(Zurufe von der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Wir haben sie. Machen Sie den Weg frei! Deutschland hat es verdient, meine Damen und Herren!
(Beifall bei der AfD – Gülistan Yüksel [SPD]: Sie bestimmt nicht!)
Präsidentin Bärbel Bas:
Als Nächster hat das Wort für die FDP-Fraktion Stephan Thomae.
(Beifall bei der FDP und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD)
Stephan Thomae (FDP):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Nach dieser ja doch sehr schrillen Rede, die wir soeben gehört haben, will ich mal ein paar Worte zur Einordnung des Ganzen, zu der Situation sagen, in der wir uns befinden, gerade weil der Ukrainekrieg in den zweiten Winter geht, der das Regieren und die Politik in Europa und in Deutschland total verändert hat, nicht nur sicherheitspolitisch, sondern auch in der Energiepolitik und ebenso in der Migrationspolitik.
Es gab schon lange keine Regierung mehr, die in eine solche Krise hinein gegründet worden ist. Es gab zunächst mal die Coronakrise, in der sich diese Regierung gebildet hat. Diese Krise war noch nicht ganz vorbei, da begann der Ukrainekrieg, der auch erhebliche Folgen in Sachen Migration mit sich gebracht hat. Wir haben immer noch etwa 1 Million Ukraineflüchtlinge bei uns im Land. Und in diesem Jahr werden es etwa eine halbe Million weiterer Menschen sein, die nach Deutschland kommen, zusätzlich zu denen, die in den vergangenen Jahren zu uns gekommen sind. Das bringt unser Land – die Gemeinden, die Kommunen, die Kindergärten, die Schulen – natürlich an Limits. Deswegen erwarten die Menschen völlig zu Recht, dass diese Regierung wirksame, verhältnismäßige, sinnvolle und rechtsstaatliche Maßnahmen ergreift, um dieser Lage Herr zu werden – nicht uferlos, aber wirksam und evidenzbasiert, mit Ziel und Augenmaß.
Dazu ergreift diese Regierung eine ganze Reihe von Maßnahmen, zum Beispiel im Bereich der Zuzugsbeschränkung. Wir haben gerade in der letzten Sitzungswoche zwei weitere Länder zu sicheren Herkunftsstaaten erklärt: Georgien und Moldau. Wir haben Grenzkontrollen intensiviert.
(Zurufe von der CDU/CSU)
Und endlich geht es mit der GEAS-Reform voran, die dazu dient, die europäischen Grenzen besser abzusichern. Dinge, die lange liegen geblieben sind, kommen jetzt endlich auf den Weg, meine Damen und Herren.
(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD)
Wir ergreifen aber auch Maßnahmen, um Einwanderung besser zu steuern. Indem wir die Arbeitskräfteeinwanderung in unseren Arbeitsmarkt schneller ermöglichen, nehmen wir den Migrationsdruck aus der Fluchtbewegung und dem Asylsystem heraus. Wir haben das Chancen-Aufenthaltsrecht eingeführt und verbessert,
(Zuruf von der CDU/CSU)
damit mehr Menschen aus den Sozialsystemen in den Arbeitsmarkt hineinkommen. All das sind Maßnahmen, um den Druck im Land zu mildern.
(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Präsidentin Bärbel Bas:
Ich will Sie in Ihrem Redefluss nicht stören. Aber möchten Sie eine Zwischenfrage des Kollegen Alexander Hoffmann zulassen?
Stephan Thomae (FDP):
Ich bin gerade mittendrin
(Dorothee Bär [CDU/CSU]: Jetzt halt nicht mehr!)
und würde das gerne noch ein bisschen weiter ausführen.
Das Gesetz, über dessen Entwurf wir heute diskutieren, dient dazu, Rückführungen zu verbessern. Es ist von Migrationsabkommen die Rede gewesen; auch die werden gerade auf den Weg gebracht und verhandelt. Es werden mehr solcher Abkommen geschlossen werden. Und was wir heute vorlegen, ist ein Gesetz zur Verbesserung der Rückführungen. „Abschiebung“ ist kein Begriff aus dem Wörterbuch eines Unmenschen, sondern das ist die notwendige, sinnvolle und konsequente Vollendung einer behördlichen, vielleicht auch gerichtlichen Entscheidung. Wenn ein Asylantrag abgelehnt worden ist, dann muss daraus die Ausreise der betreffenden Person folgen.
(Beifall bei der FDP)
Dazu gibt es eine Ausreiseberatung, Hilfe und Unterstützung. Es gibt eine Aufforderung. Und wenn jemand dieser Aufforderung nicht nachkommt, dann muss der Staat irgendwann seine Entscheidung umsetzen, er muss sie vollziehen, er muss sie vollstrecken, und dann muss eben die Abschiebung erfolgen.
Die Abschiebung ist momentan die komplizierteste, aufwendigste, langwierigste und mühsamste Form, eine Entscheidung zu vollstrecken. Aber es ist eben eine notwendige Entscheidung, meine Damen und Herren. Was wir jetzt machen, ist, dass dieser Vollzug einer behördlichen Entscheidung nicht mehr so mühsam, langwierig, aufwendig und kompliziert ist, sondern dass es leichter und einfacher geht. Dazu ergreifen wir in diesem Gesetz über 40 Einzelmaßnahmen.
Ich will nur ein paar aufzählen, damit Sie sehen, was alles im Gesetz steht. Wir verlängern die Dauer des Ausreisegewahrsams auf maximal 28 Tage. Nur noch wenige Abschiebungen werden angekündigt. Eine Abschiebung von Straftätern sowie eine Ausweisung von Schleusern und Mitgliedern krimineller Organisationen wird erleichtert. Es wird auch leichter werden, Handys von Geflüchteten auszulesen, um ihre Identität, Staatsangehörigkeit und Fluchtwege besser nachzuvollziehen. Und wir werden Betretungsrechte erweitern, damit sich jemand nicht auf einfachste Art und Weise der Abschiebung entziehen kann, indem er einfach sein Zimmer verlässt.
Das ist eine ganze Reihe von Maßnahmen, die am Ende ein Geflecht, eine Struktur ergeben, die zeigt, dass diese Regierung das, was früher eine leere Drohung gewesen ist, nämlich die Abschiebung auch zu vollstrecken, schärfer gestellt wird. Sie zeigt, dass wir in der Asylpolitik nach und nach eine Zeitenwende einleiten und neue Paradigmata setzen, indem wir reguläre Einwanderung in den Arbeitsmarkt erleichtern, aber irreguläre Einwanderung begrenzen und erschweren. Das ist eine Wende in der Asylpolitik.
Ich danke Ihnen.
(Beifall bei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Präsidentin Bärbel Bas:
Als Nächste hat das Wort für die Fraktion Die Linke Clara Bünger.
(Beifall bei der LINKEN)
Clara Bünger (DIE LINKE):
Sehr geehrte Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr verehrte Gäste auf den Tribünen! Die Ampel ist mit dem Versprechen angetreten, eine andere Migrationspolitik als Seehofer zu machen. Sie wollte Rechte erweitern, statt diese einzuschränken, und sie wollte mehr Teilhabemöglichkeiten für geflüchtete Menschen schaffen. Das war auch ein Anliegen vieler junger Abgeordneter der Grünen Jugend und der Jusos. Dass Sie heute einen solchen Gesetzentwurf vorlegen, hätte ich vor einem Jahr nicht gedacht; denn das, was die Ampel jetzt vorgelegt hat, könnte direkt aus Seehofers Feder stammen.
(Zuruf von der CDU/CSU)
Offensichtlich hat sich die Ampel dem gesellschaftlichen Druck von rechts unterworfen; denn Sie folgen ihrer Logik, indem Sie in den ersten Sätzen Ihres Gesetzentwurfs Geflüchtete als Problem der Kommunen identifizieren. Als Lösung präsentieren Sie eine verbesserte Abschiebung. Ihr Gesetzentwurf wird keine Kommune entlasten, aber Geflüchtete noch mehr entrechten und ihre Lebensumstände noch weiter verschlechtern.
(Beifall der Abg. Dr. Petra Sitte [DIE LINKE])
Dazu zwei Beispiele. Erstens. Sie wollen das Recht auf Freiheit einschränken, indem Sie die Abschiebehaft massiv ausweiten, um Geflüchtete leichter abzuschieben. Dabei haben Asylsuchende nichts verbrochen, sondern nur einen Asylantrag gestellt. Das ist keine Straftat.
(Zuruf des Abg. Thorsten Frei [CDU/CSU])
Schon jetzt ist jede zweite Abschiebungshaft rechtswidrig. Diese Probleme werden sich in Zukunft noch verschärfen.
Zweitens. Sie greifen drastisch in das Grundrecht auf Unverletzlichkeit der Wohnung ein, indem Sie es Behörden erlauben, in Gemeinschaftsunterkünften beliebige Zimmer zu durchsuchen, um ausreisepflichtige Personen ausfindig zu machen.
(Dr. Bernd Baumann [AfD]: Na so was!)
Ich halte das im Gegensatz zu Ihnen, Frau Faeser, für einen unzulässigen Eingriff in Grundrechte von schutzsuchenden Menschen.
(Beifall bei der LINKEN – Dorothee Bär [CDU/CSU]: Eh man sich versteckt, oder was?)
Die Verschärfungen stoßen außerdem auf erhebliche grundrechtliche, europarechtliche und völkerrechtliche Bedenken, und das nicht nur bei mir, sondern auch bei Verbänden wie Pro Asyl, Amnesty International und dem Paritätischen Gesamtverband.
(Thorsten Frei [CDU/CSU]: Die sind so wie Sie!)
Die bittere Wahrheit ist: Die vorgeschlagenen Verschärfungen werden Hunderttausenden Geflüchteten das Leben zur Hölle machen. Sie werden aber nicht dazu führen, dass wesentlich mehr Menschen abgeschoben werden. Sie haben selbst gesagt und erkannt, dass es nur 600 Personen betreffen wird.
Deswegen werden Union und AfD sich mit diesem Gesetzentwurf auch nicht zufriedengeben.
(Thorsten Frei [CDU/CSU]: Genau! Damit kann man sich auch nicht zufriedengeben!)
Schon jetzt hören wir aus den Reihen der Union, dass die Verschärfungen nicht weit genug gehen. Die Rechten werden das Spiel also weitertreiben.
Präsidentin Bärbel Bas:
Frau Bünger, Entschuldigung, gestatten Sie eine Zwischenfrage oder Zwischenbemerkung des Abgeordneten Farle?
Clara Bünger (DIE LINKE):
Nein, er leistet keinen Beitrag zu der sachlichen Debatte. – Schon jetzt hören wir von rechts – er hätte ja genau das gesagt –, dass das Spiel weiterbetrieben werden soll. Die Rechten werden genau dieses Spiel weitertreiben, indem sie in der nächsten Sitzungswoche die nächsten Angriffe auf Geflüchtete starten werden. Deshalb sage ich ganz klar in Richtung Grüne und SPD: Sie sollten mal darüber nachdenken, bis wohin Sie den Rechten eigentlich noch hinterherlaufen wollen. Wo sind Ihre roten Linien bei Menschenrechten? Das frage ich Sie ernsthaft.
(Beifall bei der LINKEN)
Wir als Linke sind mittlerweile die einzige Fraktion in diesem Parlament, die bei der Spirale der Entrechtung nicht mitmacht. Wir sind die Einzigen, die klipp und klar sagen: Die Geflüchteten sind nicht das Problem, sondern die Ausstattung der Kommunen und die Verteilung von Reichtum in diesem Land, die Verteilung zwischen oben und unten. Das betrifft übrigens alle Menschen in diesem Land.
(Beifall bei der LINKEN)
Wir sind die einzige Partei, die sagt: Abschiebungen lösen keine Probleme. Abschiebungen bauen keine Wohnungen. Abschiebungen schaffen keine Kitaplätze. Abschiebungen stellen keine Lehrerinnen und Lehrer ein. Abschiebungen verbessern keine Arbeitsbedingungen in Kliniken und sichern keine Renten. Statt in großem Stil abzuschieben, sollten Sie endlich in großem Stil soziale Politik machen.
Vielen Dank.
(Beifall bei der LINKEN)
Präsidentin Bärbel Bas:
Bevor ich den nächsten Redner aufrufe, hat das Wort zu einer Kurzintervention der Abgeordnete Robert Farle.
Robert Farle (fraktionslos):
Sehr geehrte Frau Präsidentin, vielen Dank für die Möglichkeit, mit einer Kurzintervention etwas dazu zu sagen.
Liebe Dame von den Linken, es ist erschütternd. Ich glaube langsam, dass Die Linke in diesem Land kein Verhältnis zur Demokratie und zur Aufrechterhaltung eines funktionierenden deutschen Staatswesens hat. Was Sie fordern, sind die Fortsetzung der Zerstörung unseres Landes durch offene Grenzen
(Zuruf des Abg. Daniel Baldy [SPD])
und keinen Schutz mehr für unsere eigene Bevölkerung. Sie sind zusammen mit den Grünen diejenigen, die diese Republik unterwandern und kaputtmachen wollen. Das will ich nicht, und das wollen auch die Bürger dieses Landes keinen Tag mehr erleben.
Die Grenzkontrollen bringen etwas; das konnte man gestern im „Focus“ lesen. Die Zahl derjenigen, die glauben, einfach in unser Land kommen zu können, wenn sie nur wollen – auch ohne einen ordentlichen Aufenthaltstitel oder ohne eine Genehmigung –, muss zurückgehen. Unser Staat muss sagen: „Wir akzeptieren nur diejenigen, die etwas zu unserem Sozialprodukt beitragen“, statt unsere Bürger auszumisten und unser Land auszupressen.
(Katja Mast [SPD]: Unerträglich!)
Vielen Dank.
Präsidentin Bärbel Bas:
Herr Farle, bleiben Sie bitte stehen. – Frau Bünger, möchten Sie antworten?
Clara Bünger (DIE LINKE):
Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Der Wortbeitrag vom Kollegen Farle hat deutlich gemacht, wer in diesem Land nicht auf dem Boden unserer Demokratie steht.
(Beifall bei der LINKEN, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP)
Sie von rechts greifen alle Institutionen an; Sie von rechts greifen die Demokratie an. Sie stehen hier jede Woche und reden über Fake News. Sie bringen keine Fakten, nichts, Sie haben keine Grundlage. Sie haben mit keiner Kommune geredet. Aber Sie wollen auf dem Rücken der Kommunen Ihre rechte Politik machen. Statt Vorschläge zu machen, wie man die Kommunen unterstützt und ganz konkret etwas dazu beiträgt, machen Sie gar nichts außer rechtspopulistische Hetze.
(Beifall bei der LINKEN, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Wir als Linke sind diejenigen, die sagen: Wir müssen endlich den Blick auf das Soziale lenken. Wir sagen – das habe ich eben hier am Rednerpult gesagt –: Wir müssen Kitaplätze schaffen, Schulen bauen. Wir müssen Renten sichern. Darüber müssen wir reden.
(Zuruf des Abg. Martin Hess [AfD])
Sie sind diejenigen, die jede Woche hier die rechtspopulistische Scheiße auf die Tagesordnung bringen, und niemand anderes.
(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Präsidentin Bärbel Bas:
Frau Bünger, trotz aller Emotionen: Das Wort „Scheiße“ war unparlamentarisch.
(Heiterkeit bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
Ich bitte, es nicht weiter zu gebrauchen.
(Sebastian Hartmann [SPD]: „Ausmisten“ und „erpressen“ sind auch unparlamentarisch!)
Jetzt kommen wir wieder zur Debatte zurück. Das Wort hat als Nächster für die SPD-Fraktion Dirk Wiese.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
Dirk Wiese (SPD):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Am heutigen Tag beraten wir hier im Deutschen Bundestag in erster Lesung zwei wichtige Gesetzentwürfe: zum einen das Rückführungsverbesserungsgesetz und zum anderen die Reform des Staatsangehörigkeitsrecht. Diese beiden Gesetzentwürfe reihen sich in eine klare Linie ein, die diese Ampelkoalition verfolgt. Wir wollen auf der einen Seite Migration stärker steuern und ordnen. Das ist in der herausfordernden Situation, in der sich unser Land befindet, in der sich viele Kommunen befinden, auch eine Erwartungshaltung der Bürgerinnen und Bürger. Aber auf der anderen Seite wollen wir genauso gut der großen Herausforderung in diesem Land, nämlich der Fachkräfte- und Arbeitskräftelücke, begegnen. Wenn ich heute Morgen noch einmal die Meldungen aus dem DIHK-Fachkräftereport lese, in dem eindringlich darauf hingewiesen wird, wie groß die Fachkräftelücke in den nächsten Jahren sein wird, dann stelle ich fest: Es ist genau diese Herausforderung, die wir als Ampelkoalition angehen wollen. Also: auf der einen Seite mehr Steuerung und Ordnung und auf der anderen Seite ein Ja zur Zuwanderung in dieses Land. Wir brauchen Arbeitskräfte in den nächsten Jahren.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD und der FDP)
Präsidentin Bärbel Bas:
Herr Wiese, gestatten Sie eine Zwischenfrage oder Zwischenbemerkung des Kollegen Hoffmann aus der CDU/CSU-Fraktion?
Dirk Wiese (SPD):
Ja, selbstverständlich.
Präsidentin Bärbel Bas:
Sie haben das Wort.
Alexander Hoffmann (CDU/CSU):
Danke, Herr Kollege Wiese, dass Sie die Zwischenfrage zulassen. – Ich sage es Ihnen ganz ehrlich: Ich war heute früh zusammen mit einem Kollegen von den Grünen zu Gast bei Phoenix. Sie sagen es jetzt auch. Der Kollege Thomae hat es vorhin auch gesagt. Sie erzählen immer: Wir reduzieren illegale Migration und lösen gleichzeitig unser Fachkräfteproblem durch Migration. – Es ist diese links-grüne Blase, die das den Menschen de facto seit Jahren vorgaukelt. Die Zahlen sagen aber etwas anderes. Wir haben ja Erfahrungen sammeln können. Schauen Sie sich die Zahlen derer an, die seit 2015 zu uns gekommen sind. Von denjenigen, die arbeiten dürfen, sind ganze 47 Prozent – 47 Prozent! – in Arbeit, und das im Wesentlichen im Niedriglohnsektor.
(Zuruf des Abg. Matthias W. Birkwald [DIE LINKE])
Noch desaströser sieht es bei den Menschen aus, die aus der Ukraine zu uns gekommen sind. Sie alle dürfen arbeiten. Ich will Ihnen die Zahl nennen: 19 Prozent sind in Arbeit. Im Übrigen gibt es andere europäische Länder, in denen die Arbeitsquote bei 70 Prozent liegt.
Präsidentin Bärbel Bas:
Kommen Sie zu Ihrer Frage oder Zwischenbemerkung.
Alexander Hoffmann (CDU/CSU):
Ich frage Sie, Herr Kollege Wiese: Wie können Sie in Ansehung dieser Zahlen immer noch wahrheitswidrig das Märchen von der Fachkräftemigration aus Ländern, die krisen- und migrationsbehaftet sind, aufrechterhalten?
(Tino Chrupalla [AfD]: Der Märchenautor ist die CDU gewesen! – Dr. Alice Weidel [AfD]: Das Märchen kommt doch von der CDU!)
Danke.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Dirk Wiese (SPD):
Erst einmal bin ich Ihnen sehr dankbar für die Zwischenfrage, weil mir das die Möglichkeit gibt, etwas weiter auszuführen und darauf einzugehen. – Ich will einen Punkt sehr klar und deutlich machen: Die von uns vorgelegten Vorschläge gehen genau in die Richtung, die ich vorgetragen habe. Auf der einen Seite wollen wir stärker steuern und ordnen und zugleich weiterhin attraktiv für Fachkräftezuwanderung bleiben. Auf der anderen Seite müssen wir dafür sorgen, dass die Menschen, die bereits bei uns sind, durch eine erleichterte Arbeitsaufnahme einen stärkeren Anreiz bekommen, hier letztendlich auch Fuß zu fassen.
Gleichzeitig haben wir als Ampelkoalition in den vergangenen Monaten mit Lebenslügen aufgeräumt. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: das Chancen-Aufenthaltsrecht. Es gibt viele Menschen bei uns im Land, die im Status der Duldung sind. Selbst Abgeordnete aus Ihrer Fraktion schreiben, wenn Abschiebungen anstehen, Protestbriefe.
(Alexander Hoffmann [CDU/CSU]: Ich habe von denen geredet, die arbeiten dürfen!)
– Sehr geehrter Herr Hoffmann, ich kann nichts dafür, dass Ihre Fraktion Ihren Namen heute nicht auf die Rednerliste gesetzt hat. Aber vielleicht hören Sie mir jetzt mal zu.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Zuruf der CDU/CSU: Das ist so billig!)
Das Chancen-Aufenthaltsrecht ist eine Möglichkeit, dass die Menschen, die schon bei uns im Land sind und die mit ihrer eigenen Hände Arbeit ihr Geld verdienen, eine Bleibeperspektive bekommen.
(Alexander Hoffmann [CDU/CSU]: Die Zahlen, Herr Kollege!)
Das hat die Ampelkoalition richtigerweise auf den Weg gebracht, und es ist letztendlich auch etwas, was viele in Ihrer Fraktion unterstützt haben und richtig fanden.
(Alexander Hoffmann [CDU/CSU]: Ja, gehen Sie mal auf die Zahlen ein!)
Darum werden wir als Ampelkoalition genau das machen: Wir werden steuern und ordnen, und wir werden gleichzeitig attraktiv für Fachkräftezuwanderung bleiben.
Ich sage Ihnen eines zum Abschluss – dann können Sie weiter Zwischenrufe machen –: Wenn Sie die Migrationsdebatte in diesem Land so weiterführen wie in den letzten Monaten, dann werden diejenigen, die wir brauchen, einen Bogen um dieses Land machen.
(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
Sie sind mit Ihren Äußerungen ein Risiko für die Zukunft des Wirtschaftsstandortes in dieser Republik.
(Dorothee Bär [CDU/CSU]: Ach du liebe Güte! Das glauben Sie doch hoffentlich nicht selber!)
Das hat nicht nur der DIHK heute Morgen bestätigt.
Lassen Sie mich auf den Gesetzentwurf eingehen. Was wir mit dem Rückführungsverbesserungsgesetz auf den Weg bringen, ist notwendig. Denn es gibt illegale Migration. Es gibt Menschen, die über den Asylweg in dieses Land kommen und keine Bleibeperspektive haben, die sich hier auch nicht an die Spielregeln halten. Darum war es für diese Bundesregierung und die Ampelkoalition wichtig, gemeinsam mit den Bundesländern und den kommunalen Spitzenverbänden zu schauen: Wo gibt es Hindernisse? Welche Hürden führen dazu, dass Rückführungen scheitern?
Ich möchte auf zwei Aspekte eingehen. Dieses Gesetz enthält die Ausweitung der Dauer des Abschiebegewahrsams von 10 auf 28 Tage. Ja, das ist eine Härte und ein Eingriff. Und ja, ich kann auch verstehen, wenn darüber intensiv diskutiert wird. Aber wir haben Rückmeldungen aus den Bundesländern und den Kommunen bekommen,
(Alexander Throm [CDU/CSU]: Herr Wiese, die gab es schon 2019! Da haben Sie es abgelehnt!)
dass ein Zeitraum von zehn Tagen, wenn jemand in Abschiebegewahrsam genommen wird, oft nicht ausreichend ist, um gegebenenfalls die letzten Passersatzpapiere zu beschaffen. In diesem Fall musste man eine Person, die hier auch Straftaten begangen hat, am elften Tag wieder aus dem Abschiebegewahrsam entlassen. Das geht aus meiner Sicht, wenn man es abwägt, nicht. Darum ist es richtig, dass wir an diesem Punkt die Hinweise aus den Bundesländern ernst nehmen.
Es ist auch richtig, dass wir uns angeschaut haben, was passieren muss, um zu verhindern, dass sich jemand seiner Abschiebung entzieht, indem er sich in anderen Räumlichkeiten der Gemeinschaftsunterkunft als in den eigenen versteckt. Ja, auch dies ist ein Eingriff für diejenigen, die davon betroffen sind. Und ja, auch das muss man sich rechtlich ganz genau anschauen. Aber in der Abwägung, die man zu treffen hat, ob eine Abschiebung scheitert oder ob man auch einen anderen Raum betreten darf, wenn eine Abschiebung vollzogen werden muss, ist es richtig, eine entsprechende Möglichkeit zu eröffnen.
Genauso ist es richtig, die Abschiebung von Straftätern und Gefährdern zu erleichtern und gleichzeitig die Schleuserkriminalität schärfer zu verfolgen. Auch das sind richtige Vorschläge, die heute auf dem Tisch liegen. Dafür bin ich dem Bundesinnenministerium dankbar; denn das ist ein großer Unterschied zur Arbeit des vorherigen Bundesinnenministers. Man kann vieles Richtige auf dem Papier aufschreiben. Das Entscheidende ist aber, dass man es auch umsetzt.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP – Zurufe von der CDU/CSU)
Und dafür brauchte es tatsächlich erst die jetzige Bundesregierung. Das werden wir jetzt gemeinsam auf den Weg bringen.
Ja, das ist ein wichtiges Gesetzgebungspaket; aber das allein wird nicht ausreichen. Es ist genauso wichtig, dass die Bundesregierung den Schwerpunkt auf Migrationsabkommen mit den Ländern legt, die sich momentan oft noch weigern, Menschen zurückzunehmen. Diesen Ländern wollen wir Angebote machen, zum Beispiel über eine stärkere Fachkräftezuwanderung, und gleichzeitig mit ihnen auf Augenhöhe verhandeln. Denn nur wenn wir es hinbekommen, mehr Migrationsabkommen mit Ländern gerade in Nordafrika, aber auch im Nahen Osten zu schließen, wird das insgesamt dazu führen, dass wir Migration stärker steuern und ordnen können. Dafür setzen wir uns ein.
Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
Präsidentin Bärbel Bas:
Als Nächster hat das Wort für die CDU/CSU-Fraktion Christoph de Vries.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Christoph de Vries (CDU/CSU):
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Frau Innenministerin! Lieber Herr Kollege Wiese, ich muss anerkennend sagen: In Sachen Realitätsverlust stehen Sie dem Bundeskanzler nach seiner Regierungserklärung wirklich keinen Millimeter nach. Das muss ich nach Ihrer Rede feststellen.
(Beifall bei der CDU/CSU – Katja Mast [SPD]: Sie stehen Ihrem Fraktionsvorsitzenden in nichts nach!)
Für ein funktionierendes rechtsstaatliches Asylsystem ist es einfach unabdingbar, dass diejenigen, die kein Bleiberecht haben und deren Asylantrag rechtskräftig abgelehnt ist, unser Land auch wieder verlassen. Und wenn sie das nicht freiwillig tun, dann muss der Staat für die Rückführung Sorge tragen. Von dieser Selbstverständlichkeit – das wissen wir doch alle – sind wir derzeit in unserem Land meilenweit entfernt. Und dieser Missstand trägt auch dazu bei, dass die Akzeptanz unseres Asylsystems insgesamt bei den Bürgerinnen und Bürgern schwindet. Das können wir überall ablesen.
Deshalb begrüßen wir auch im Grundsatz, dass die Ampel mit diesem Gesetzentwurf erste Anstrengungen unternimmt, Ausreisepflichten konsequenter durchzusetzen und Abschiebehürden zu beseitigen. Aber es verhält sich in diesem Fall umgekehrt zu Neil Armstrong und der Mondlandung. Für ihn war es ein kleiner Schritt, jedoch ein großer Schritt für die Menschheit. Dieses Gesetz hingegen ist ein gewaltiger Schritt für die Ampel, aber nur ein winziger Schritt, um die Migrationskrise in unserem Land zu überwinden.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Und warum ist das so? Das Gesetz enthält Verbesserungen, die zahlenmäßig fast gar nichts bringen. Die Bundesregierung geht in ihren Abschätzungen davon aus, dass dadurch jährlich 600 Personen mehr abgeschoben werden sollen,
(Dr. Lukas Köhler [FDP]: Quatsch!)
und das bei Tausenden Neuankünften, die wir in den letzten Monaten zu verzeichnen haben. Vor diesem Hintergrund ist das Gesetz doch eigentlich ein Witz, meine Damen und Herren. Das muss man an dieser Stelle auch einmal sagen.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie des Abg. Albrecht Glaser [AfD])
Und es zeigt auf, wie ambitionslos die Innenministerin beim Thema Abschiebung in Wirklichkeit ist. Das, was Sie vorhaben, wird hinten und vorne nicht reichen. Die Frage ist ja: Warum haben Sie denn im letzten Jahr nicht einmal 13 000 Abschiebungen hinbekommen, Frau Innenministerin?
(Nancy Faeser, Bundesministerin: Weil die Länder dafür zuständig sind!)
Ich will Ihnen sagen, warum das so ist. Ganz einfach: Es war bis zu den herben Wahlpleiten in Hessen und Bayern überhaupt nie das Ziel dieser Bundesregierung, Ausreisepflichten in diesem Land konsequenter durchzusetzen und mehr abzuschieben. Das ist doch die Wahrheit.
(Stephan Thomae [FDP]: Das machen die Kommunen, nicht der Bund! – Gegenruf des Abg. Thorsten Frei [CDU/CSU]: Ja, aber die Rechtsgrundlage dafür schaffen!)
Und von Ihrer im Koalitionsvertrag angekündigten Rückführungsoffensive sehen wir bis heute nichts.
(Lamya Kaddor [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Was ist denn Ihr Vorschlag?)
Bedeutsame Migrationsabkommen? Kein einziges liegt bis heute vor.
Gleichzeitig verschärfen Sie die Migrationskrise durch immer neue Pull-Faktoren, die Sie selber schaffen. Ich will Ihnen nur zwei Beispiele nennen:
Erstens. Ich möchte daran erinnern, dass die Ampel diese Woche ihren Gesetzentwurf zum Turbostaatsbürgerschaftsrecht einbringt. Dazu kann ich nur sagen: Herzlichen Glückwunsch zu so viel Realitätsverlust!
(Stephan Thomae [FDP]: Strengere Voraussetzungen als bisher! – Dr. Lukas Köhler [FDP]: Strengere Regeln für Antisemiten! Die Union überrascht mich immer wieder!)
Jetzt wird die deutsche Staatsbürgerschaft nach kürzester Zeit für ein Butterbrot vergeben.
Zweitens. Mit dem Chancen-Aufenthaltsrecht – es ist angesprochen worden – ermöglichen Sie den Spurwechsel vom Asylsystem in die Arbeitsmigration. Tatsächlich reduzieren Sie mit diesem Gesetz die Zahl der Ausreisepflichtigen stärker als durch Rückführung oder freiwillige Ausreisen.
(Stephan Thomae [FDP]: Wir erhöhen die Zahl der Menschen in Arbeit!)
Bis Ende September gab es 43 000 ausreisepflichtige Menschen.
(Beifall bei der CDU/CSU – Stephan Thomae [FDP]: Und die jetzt in Arbeit sind!)
Ich kann Ihnen nur sagen: Wenn wir so mit illegaler Migration umgehen, dann brauchen wir uns auch nicht zu wundern, wenn immer mehr Menschen nach Deutschland kommen.
(Beifall bei der CDU/CSU – Dr. Lukas Köhler [FDP]: Sie wollen den Fachkräftemangel verschlafen! Das ist sehr interessant von der Union!)
Liebe Kolleginnen und Kollegen, eins ist doch auch klar: Wenn wir die Migrationskrise überwinden wollen, dann brauchen wir grundlegende Änderungen in der Migrationspolitik, damit die Zahlen sinken. Friedrich Merz hat hierzu 26 Vorschläge gemacht.
(Dr. Bernd Baumann [AfD]: Die sind von uns!)
Sie müssen hier endlich handeln. Und ich frage mich auch: Warum verhindert der Kanzler eigentlich eine Stärkung der Zuständigkeiten der Bundespolizei beim Thema Rückführung, obwohl sich alle Ministerpräsidenten darüber einig waren? Es gibt doch gute Gründe dafür, dass die Bundespolizei mit der Fallbearbeitung – von illegal eingereisten Personen, wenn sie diese an Bahnhöfen aufgreift, bis hin zur Rückführung – betraut wird.
(Dirk Wiese [SPD]: Das haben Ihre Innenminister damals abgelehnt im Bundesrat!)
– Ja, aber jetzt lehnt es Olaf Scholz ab, gegen den Willen aller Ministerpräsidenten.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Und es ist doch ein Skandal, dass selbst Personen, die zur Festnahme ausgeschrieben sind, gegen Meldeauflagen wieder auf freien Fuß gesetzt werden, weil Abschiebehaftplätze in den Ländern fehlen. Das darf so nicht bleiben, liebe Kolleginnen und Kollegen.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Eins ist klar: Wenn wir die Migrationskrise überwinden wollen, dann müssen wir auch die Kontrolle bei der Einreise zurückgewinnen, liebe Kolleginnen und Kollegen. Und es war ein schweres Versäumnis, Frau Innenministerin, dass Sie über Monate notifizierte Grenzkontrollen in Deutschland verhindert haben. Solche Kontrollen sind vom Kanzler und von den Ministerpräsidenten gegen Ihren Widerstand beschlossen worden.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Schauen wir uns die Bilanz der letzten vier Wochen einmal an – das ist doch ein Riesenerfolg –: 11 000 festgestellte illegale Einreisen, 4 800 Zurückweisungen, 670 vollstreckte Haftbefehle. Alles in vier Wochen! Das sind wichtige Schritte zur Eindämmung illegaler Migration. Wir sind der Überzeugung: Solange wir keine europäische Lösung haben, werden wir auf diese Maßnahmen auch nicht verzichten können.
Vielen Dank.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Präsidentin Bärbel Bas:
Als Nächster hat das Wort für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Helge Limburg.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP)
Helge Limburg (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir erleben gegenwärtig die Flucht von vielen Menschen aus verschiedenen Ländern nach Europa und natürlich auch nach Deutschland. Der Kollege Thomae hat es bereits gesagt: Ein großer Anteil davon sind noch immer Ukrainerinnen und Ukrainer, die vor dem verbrecherischen russischen Angriffskrieg auf ihr Land zu uns fliehen. Die Unterbringung, die Versorgung, die Betreuung, die Beschulung dieser Menschen und vieles mehr sind natürlich eine große Herausforderung für unsere Länder, insbesondere für die Kommunen. Ich möchte an dieser Stelle einmal sagen: Allen, die daran haupt- und ehrenamtlich in unserem Land mitwirken, gilt unser aller großer Dank.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Dr. Lukas Köhler [FDP] und Clara Bünger [DIE LINKE])
Meine Damen und Herren, die öffentliche Debatte in den vergangenen Monaten fokussierte sich leider viel zu selten auf die Frage, was wir tun können, um die Kommunen bei dieser Arbeit zu unterstützen. Sie drehte sich auch nicht um die Frage der humanitären Hilfe, also was wir tun können, um möglichst vielen Menschen ein Leben in Freiheit, Sicherheit und Würde in ihren Heimatländern zu ermöglichen. Und selbst die Frage, wie wir dem Arbeitskräftemangel in unserem Land auch dadurch begegnen können, dass wir mehr Geflüchteten Zugang zum Arbeitsmarkt geben, stand viel zu lange nicht im Mittelpunkt der Debatte.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD)
Es ist sehr gut, Frau Ministerin, dass dieser Gesetzentwurf damit jetzt Schluss macht und wir Geflüchteten schneller erlauben, zu arbeiten.
Die Union hat stattdessen – nicht wahr, Herr Merz? – eine Debatte über Zahnarztbehandlungen und eine Arbeitspflicht angezettelt. Liebe Kolleginnen und Kollegen, bevor wir über eine Pflicht, zu arbeiten, nachdenken, sollten wir doch erst einmal über eine Erlaubnis, zu arbeiten, diskutieren.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP – Thorsten Frei [CDU/CSU]: Die gibt es doch!)
Herr Kollege Hoppenstedt, ich habe Ihnen genau zugehört. Ihre Aussage, dass dann ja jede Person, nur weil sie einen Job hat, hierbleiben dürfe, finde ich schon befremdlich. Ja, in der Tat ist das Ziel dieser Politik, dass wir den Firmen, die händeringend nicht nur nach Fachkräften, sondern auch nach Arbeitskräften suchen, die Mitarbeitenden nicht mehr quasi von der Werkbank weg abschieben, sondern den betreffenden Menschen erlauben, hier zu arbeiten und damit zum Wohlstand in diesem Land beizutragen.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP)
Ich weiß ja nicht, was die Firmen in Ihrem Wahlkreis sagen; aber bei uns gibt es jedenfalls einen sehr großen Bedarf an Arbeitskräften und Arbeitserlaubnissen.
(Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Die CDU in Niedersachsen sieht das auch so!)
Meine Damen und Herren, die Debatte fokussierte sich in der Tat vor allem auf immer härtere Eingriffe in die Grundrechte von Geflüchteten. Die Logik, damit Menschen abzuschrecken, hierherzukommen, wird aber nicht funktionieren. Wer aus Afghanistan, Syrien, dem Sudan oder dem Jemen flieht, der flieht um sein Leben und wird sich auch nicht durch noch so repressive Maßnahmen von Behörden davon abhalten lassen.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP – Thorsten Frei [CDU/CSU]: Wenn man aus dem Sudan kommt, gibt es viele Möglichkeiten, wohin man gehen kann! Dann muss man nicht nach Deutschland!)
Diese Realität anzuerkennen, Herr Frei, würde uns allen guttun, weil es uns auf den Boden der Tatsachen zurückführen würde. Es ist in der Tat gut, dass die Ampelkoalition sich im Haushaltsverfahren auf eine Aufstockung der Mittel für humanitäre Hilfe geeinigt hat.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD)
Meine Damen und Herren, klar, auch Abschiebungen können in einem Rechtsstaat die Folge eines rechtskräftig abgeschlossenen Verfahrens sein, wenn es keine Perspektive auf ein Bleiberecht gibt.
(Beatrix von Storch [AfD]: Nicht können, sondern müssen!)
Aber das sollte kein Grund für markige Sprüche und verbale Überbietungswettbewerbe sein. Eine Abschiebung bleibt ein tiefer Einschnitt, eine traumatisierende Erfahrung und sollte deshalb in einem Rechtsstaat so schonend wie irgend möglich durchgeführt werden.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP)
Meine Damen und Herren, wir werden als Deutscher Bundestag, wie es unsere Aufgabe ist, den Gesetzentwurf in aller Gründlichkeit beraten. Der Deutsche Bundestag ist, auch wenn einige öffentliche Äußerungen anderes suggerieren, nicht das Erfüllungsorgan der Ministerpräsidentenkonferenz,
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP)
die im Grundgesetz nicht mal Erwähnung findet, sondern wir haben eine eigene Pflicht zur Abwägung und Beratung.
Frau Präsidentin, meine Damen und Herren, wir können über vieles reden. Aber wir verhandeln nicht über die Grundlagen und Grundpfeiler unseres demokratischen Rechtsstaats.
(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Nach Artikel 25 Grundgesetz sind die allgemeinen Regeln des Völkerrechts Bestandteil unserer Rechtsordnung. Das gilt für die Genfer Flüchtlingskonvention, die Europäische Menschenrechtskonvention und natürlich auch für das Seerechtsübereinkommen.
Ich komme zum Schluss. Der deutsche Gesetzgeber kann und wird nicht – auch wenn es die Sorge gab – Seenotrettung unter Strafe stellen; sie ist durch das Seerechtsübereinkommen Jedermannspflicht auf See. In dieser Frage wird es am Ende keine Zweideutigkeiten geben.
Ich freue mich auf die Beratungen.
Vielen Dank.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP)
Präsidentin Bärbel Bas:
Als Nächster hat das Wort für die FDP-Fraktion Manuel Höferlin.
(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Manuel Höferlin (FDP):
Verehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Unser Migrationssystem ist aus der Balance.
(Lachen des Abg. Tino Chrupalla [AfD])
Das sagen nicht nur viele, die in den Kommunen davon betroffen sind. Das ist übrigens auch nicht erst seit ein paar Monaten der Fall.
(Tino Chrupalla [AfD]: Schönen guten Morgen!)
Es ist schon interessant, wenn ich die Kommentare aus der Union höre; denn alles, was im Moment zu dem Thema Rückführungen rechtlich möglich ist, haben Sie auf den Weg gebracht. Das Rückführungsgesetz, so wie es jetzt ist, so wie wir Rückführungen derzeit gestalten, basiert auf Ihrer rechtlichen Grundlage. Genau daran gehen wir; denn wir brauchen in Deutschland eine neue Struktur des Migrationssystems, meine Damen und Herren.
(Beifall bei der FDP – Thorsten Frei [CDU/CSU]: Aber das ist keine neue Struktur, mit Verlaub!)
Es gibt nicht nur die Rückführung von abgelehnten Asylbewerbern, sondern es gibt im Prinzip ein Viertürenmodell.
Die erste Tür: Wir haben die Kriegsflüchtlinge, die hierherkommen. Das sind im Moment immer noch viele Flüchtlinge aus der Ukraine, die zu Recht hier sind. Es gibt überhaupt keine Diskussion, dass Menschen, die vor Krieg fliehen, hier Schutz suchen.
Die zweite Tür: Wir haben ein Asylsystem für Menschen – das ist eine Lehre aus unserer Geschichte –, die persönlich verfolgt sind und hier Schutz suchen können. Das wird einzeln geprüft, und wenn sie einen Anspruch haben, dann können sie hierbleiben. Da setzen wir unsere Erfahrungen um.
(Dr. Bernd Baumann [AfD]: Da gab es keine Massenmigration und Armutsmigration! Das waren politisch Verfolgte! Was ganz anderes!)
Die dritte Tür – das haben Sie jahrzehntelang negiert –: Wir brauchen Fachkräfteeinwanderung, die auch wirklich funktioniert, und Leute, die hierherkommen. Sie haben jahrzehntelang die Erkenntnis abgelehnt, dass wir ein Einwanderungsland sind. Das haben wir bereits auf den Weg gebracht.
(Beifall bei der FDP und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD)
Jetzt sind wir bei der vierten Tür, über die wir heute reden, nämlich die Tür, die die Menschen wieder zurückführt, die hier keinen Anspruch haben, zu bleiben, weil der Asylantrag geprüft und abgelehnt wurde. Das sind eben keine Asylbewerber mehr, sondern es sind abgelehnte Asylbewerber, die den Rechtsweg durchschritten haben. Darum kümmern wir uns heute. Das ist übrigens auch nichts anderes als Rechtsstaatlichkeit.
(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Wir machen ein Migrationssystem aus einem Guss. Das haben Sie nie geschafft, obwohl Sie es vorhin kritisiert haben.
Es geht also heute einerseits um den humanitären Schutz und die Verantwortung, die wir dort haben, der für die Menschen da ist, die es wirklich brauchen, und es geht andererseits um Rechtsstaatlichkeit. Übrigens ist das auch ein Gebot der Fairness für diejenigen, die entweder hierherkommen, weil sie eine Arbeitskraft sind und einen ordentlichen Weg nach Deutschland gesucht haben oder weil sie hier wirklich Schutz brauchen. Die Menschen erwarten auch, dass diejenigen, die hier keinen Schutz bekommen können, wieder gehen, weil unsere Kapazitäten – das sagen uns die Kommunen – beschränkt sind, meine Damen und Herren. Es ist unsere Pflicht, das umzusetzen. Das haben Sie jahrzehntelang nicht geschafft.
(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Deswegen ist es richtig, dass wir Bedingungen daran knüpfen, welche Menschen nicht hierbleiben können, dass wir genauer hinschauen müssen und dass wir die Möglichkeiten der Rückführung besser zuschärfen können. Es ist gesagt worden: Wir gehen Maßnahmen wie zum Beispiel den Wegfall aufschiebender Wirkung von Widersprüchen und Klagen an. Wir verlängern den Ausreisegewahrsam – es ist genannt worden – auf 28 Tage. Wenn gesagt wird, das reicht nicht: Wir haben mit der Bundespolizei gesprochen, und die sagen uns, jeder Tag mehr zählt und hilft ihnen. Das heißt, wir machen wirklich effektiv Dinge, die dazu führen können, dass diejenigen, die keinen Anspruch haben, zu bleiben, auch wieder gehen müssen, wenn sie nicht freiwillig gehen. Übrigens: Aus dem Ausreisegewahrsam kann jeder sofort in sein Land zurückkehren. Es ist keine Haft, meine Damen und Herren.
(Beifall bei der FDP)
Wir stärken auch die Möglichkeiten der Rechtsdurchsetzung. Ja, wir reden darüber, inwiefern wir dort den Grundrechtsschutz weiter sicherstellen müssen und wie man das umsetzt. Es ist richtig, dass wir uns alle Dinge im Gesetz, die die Regierung vorschlägt – übrigens auf Vorschlag und in Einigung mit den Ministerpräsidenten –, genau angucken. Am Ende, meine Damen und Herren, beheben wir Fehler der Vergangenheit. Wir schützen diejenigen, die hier Schutz brauchen, und wir bringen unser Asylsystem wieder in eine Balance, weil am Ende der Rechtsstaat auch durchgesetzt wird und die, die hier nicht bleiben können, auch wieder gehen müssen, meine Damen und Herren.
Vielen Dank.
(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Präsidentin Bärbel Bas:
Als Nächster hat das Wort für die CDU/CSU-Fraktion Detlef Seif.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Detlef Seif (CDU/CSU):
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Im vergangenen Jahr wurden über 23 000 geplante Rückführungen abgesagt, 7 000 alleine deshalb, weil die Ausreisepflichtigen nicht auffindbar waren. Die Union mahnt deshalb seit Längerem an, dass die von der Bundesregierung angekündigte Rückführungsoffensive auch umgesetzt werden muss.
Die Verbesserung der Befugnisse, die im heutigen Gesetzentwurf vorgesehen sind, ist richtig und zu begrüßen. Das kann aber nur ein erster Schritt sein. Dringend gefragt sind jetzt Abkommen mit den Herkunftsländern, damit diese ihre Staatsbürger auch zurücknehmen. Meine Damen und Herren, es ist zwar interessant, wenn die Bundesregierung zurzeit mit Kirgistan und Usbekistan verhandelt, gerade jetzt sind aber Abkommen mit den maßgeblichen Ländern wichtig, und zwar auch mit der Türkei und dem Irak – bei der Bundesregierung aktuell absolute Fehlanzeige.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Das Hauptproblem des ungebremsten Zustroms von Migranten kann weder durch eine verbesserte Rückführung noch durch viele weitere nationale Maßnahmen gelöst werden. Das aktuelle europäische Asylsystem krankt daran, dass sich viele Menschen, die keinen Schutzanspruch haben, auf den Weg nach Europa und Deutschland machen. Denn gerade bei Deutschland wissen sie: Wenn du es einmal geschafft hast, ist eine absolut hohe Wahrscheinlichkeit gegeben, dass du auf Dauer in diesem Land bleiben kannst.
Die Situation wird dadurch verschärft, dass andere Mitgliedstaaten europäisches Recht bewusst brechen. Sie unterlassen die Registrierung, damit ihre Zuständigkeit nicht nachgewiesen werden kann. Sie missachten die Dublin-Verordnung und nehmen Personen, für deren Verfahren sie zuständig wären, einfach nicht zurück. Und zudem – das ist die Krönung des Ganzen – urteilen deutsche Verwaltungsgerichte, dass viele Länder, darunter auch Italien und Griechenland, noch nicht einmal menschenwürdige Unterbringungsmöglichkeiten haben. Dadurch wird Deutschland zuständig für Zigtausende weitere Verfahren. Das ist absolutes europäisches Asylchaos.
(Beifall bei der CDU/CSU – Zuruf des Abg. Julian Pahlke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
So naiv kann man doch gar nicht sein, zu glauben, dass diese Unwuchten im europäischen Asylsystem durch die vorgesehenen Änderungen des GEAS behoben werden können. Deshalb ist ein völlig neuer Ansatz gefragt. Nur die grundsätzliche Verlagerung von Asylverfahren in sichere Drittstaaten wird den Anreiz nehmen, sich auf den gefährlichen Weg in die Europäische Union zu machen.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Wenn die Menschen wissen, dass sie am Ende einer gefährlichen und kostspieligen Überfahrt in einen sicheren Drittstaat gebracht werden und auch nur dort einen Asylanspruch geltend machen können, wird die irreguläre Migration und damit auch – als sehr positive Nebenwirkung – das Sterben im Mittelmeer ein Ende haben.
(Beifall bei der CDU/CSU – Dr. Bernd Baumann [AfD]: Hätten Sie doch 16 Jahre machen können!)
Die Union fordert deshalb die Schaffung der rechtlichen und tatsächlichen Möglichkeit, um Asylverfahren uneingeschränkt in Drittstaaten durchführen zu können. Und was macht die Bundesregierung? Sie teilt im Beschlusspapier der Ministerpräsidentenkonferenz vom 6. November 2023 mit, dass sie die Zulässigkeit eines solchen Vorhabens prüfen werde.
Meine Damen und Herren, was wir jetzt brauchen, ist keine Verzögerungstaktik, kein Prüfkatalog, sondern ein Masterplan.
(Beifall bei der CDU/CSU – Dr. Bernd Baumann [AfD]: Hatten Sie doch auch nicht!)
Es brennt im Karton. Bundesregierung und EU-Kommission sind gefordert und müssen sich mit allem Nachdruck dafür einsetzen,
(Dr. Bernd Baumann [AfD]: Sie hatten 16 Jahre Zeit und haben das Gegenteil gemacht!)
dass Asylverfahren zukünftig in sichere Drittstaaten verlagert werden. Das ist der einzig wirksame Weg.
Vielen Dank.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Präsidentin Bärbel Bas:
Als Nächster hat das Wort für die SPD-Fraktion Helge Lindh.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
Helge Lindh (SPD):
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Werte Union! Amnesie rechtfertigt keine Amnestie, das muss ich schon sagen,
(Jens Spahn [CDU/CSU]: Da kann der Kanzler mitreden!)
und es ist schon relativ dreist, jahrzehntelang mit eigenen Bundesinnenministern maßgeblich Verantwortung getragen zu haben bzw. in zahlreichen Bundesländern auch im Bereich Rückführung Verantwortung zu tragen
(Zuruf von der CDU/CSU: Während Sie auf der Bremse standen!)
und so zu tun, als hätte man mit der jetzigen Struktur des Systems, an dem wir arbeiten, nichts zu tun. Wenn es eine Partei gibt, die über die Situation und die Organisation von Migration in Deutschland Rechenschaft ablegen muss, ist das die Union.
(Zuruf der Abg. Dr. Silke Launert [CDU/CSU])
Wir arbeiten im Sinne von Praktikabilität gerade daran, es vernünftig zu machen.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
Ich verstehe Sie nicht: In diversen Sendungen und auch mir gegenüber sagen Abgeordnete der Union, das Thema Abschiebung bzw. Rückführung sei irrelevant, es sei eine irrelevante Fragestellung. Und plötzlich sagen Sie heute im Plenum: Es muss mehr und effektiver abgeschoben werden. Was ihr macht, reicht nicht, es ist ein Tropfen auf den heißen Stein. – Das ist entweder schlicht unredlich, oder Sie verstehen sich selbst nicht.
(Christoph de Vries [CDU/CSU] Was verstehen Sie denn?)
Auch heute fordern Sie wieder Ordnung und Regularität in der Migration; das unterschreiben wir sofort. Aber dann dürften Sie auch nicht Aufnahmeprogramme wie das für Afghanistan blockieren, sondern Sie müssten sie flammend befürworten. Das, was Sie tun, ist aber humanitär inakzeptabel, und es ist auch logisch inakzeptabel.
Dann das Thema Beschäftigungsduldung: Dabei geht es nicht, wie eben behauptet wurde – das ist ja schon fast verschwörungstheoretisch –, um ein Erkaufen der Zustimmung der Grünen. Nein, das steht im Koalitionsvertrag, und meine Fraktion hat das ausdrücklich unterstützt. Wir unterstützen das insbesondere deswegen, weil uns diverse Unternehmer im Sinne von Verlässlichkeit dazu aufgefordert haben, darunter nicht wenige mit CDU-Parteibuch.
Wenn Sie heute als große Entwicklung das Thema Migrationsabkommen entdecken, dann müssten Sie applaudieren. Ich habe in der Vergangenheit, in den vier Jahren der letzten Legislatur, keinerlei erfolgreichen Versuch zum Migrationsabkommen gesehen. Hier haben wir jetzt – und zwar nicht nach Schauprinzipien, sondern mit Vernunft und Verlässlichkeit –
(Zurufe von der CDU/CSU)
einen Sonderbevollmächtigten eingesetzt, dem es darauf ankommt, funktionierende Migrationsabkommen zu entwickeln.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD und der FDP – Alexander Hoffmann [CDU/CSU]: Realitätsverweigerung!)
Mit weniger Schein, weniger Unehrlichkeit und endlich mal ein wenig Demut Verantwortung tragen:
(Dr. Silke Launert [CDU/CSU]: Das stünde Ihnen gut zu Gesicht, sich selbst mal zu hinterfragen, wie Sie sich verhalten haben!)
Das ist doch eigentlich ein konservatives Prinzip.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD)
An Die Linke gerichtet, muss ich sagen: Es steht nicht im ersten Satz des Gesetzentwurfes, dass geflüchtete Personen ein Problem sind. Da steht, dass der völkerrechtswidrige Angriff Putins auf die Ukraine Kommunen, Bund und Länder vor Herausforderungen stellt. Da sollten wir uns, glaube ich, alle einig sein.
Ich glaube, es ist auch wichtig, noch mal deutlich zu machen: Wir regeln in dem Gesetzentwurf, über den wir hier sprechen, Ausreise, Rückführung und Abschiebung nicht aus der Perspektive des Sozialstaates, sondern aus der Perspektive des Rechtsstaates.
(Zuruf von der FDP: Sehr richtig!)
Es geht um Umsetzung des Rechtsstaates, und es geht um Klarheit. Das scheint mir auch wichtig zu sein, und das ist ein Unterschied gegenüber der Vergangenheit.
Diese Innenministerin und wir setzen uns mit den Kommunen zusammen. Sie brüllen: Wir sind die Kämpfer für die Kommunen. – Wir setzen das um. Diverse Vorschläge sind auf Wunsch der Ausländerbehörden Teil dieses Gesetzentwurfes, wie die Verbesserung bei den Arbeitsverboten, die Praktikabilität oder auch die Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis für subsidiär Schutzberechtigte.
Da sind wir Dienstleister der Ausländerbehörden. Deshalb laden wir auch eine Sachverständige aus einer Ausländerbehörde ein, weil wir die Kommunen ernst nehmen, weil wir hier nicht diese Schaufensterpolitik vorführen wollen, die Sie lärmend produzieren.
Wir werden konkret im Bündnis mit Bund, Ländern und Kommunen und auch mit vielen Ministerpräsidenten unterschiedlicher Parteibücher, auch der CDU, ganz sachlich, nüchtern und auf dem Boden des Rechtsstaates umsetzen, was Ihnen nicht gelungen ist.
Vielen Dank.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
Präsidentin Bärbel Bas:
Als Nächster hat das Wort der fraktionslose Abgeordnete Matthias Helferich.
(Julian Pahlke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Da klatscht nicht mal mehr die AfD!)
Matthias Helferich (fraktionslos):
Frau Präsidentin! Vielleicht vorab: Sie sehen heute toll aus, tolles Haar! Ihr Friseur ist wirklich jeden Euro der 13 000 Euro Steuergeld wert.
(Frauke Heiligenstadt [SPD]: Was ist das denn? Das ist ja widerlich! – Zuruf der Abg. Gülistan Yüksel [SPD])
Meine Damen und Herren! Liest man Ihren Entwurf des Rückführungsverbesserungsgesetzes, könnte man meinen, Sie hätten verstanden. Natürlich ist es richtig, schneller, unbürokratischer und offensiver abschieben zu wollen. Natürlich ist es richtig, die Höchstdauer des Ausreisegewahrsams von 10 Tagen auf 28 Tage zu verlängern. Und natürlich ist es richtig, dass Behörden auch andere Räumlichkeiten als die des abzuschiebenden Ausländers betreten dürfen.
Aber was von Ihren ambitionierten Ankündigungen zu halten ist, zeigt die Tagesordnung des heutigen Sitzungstages. In wenigen Stunden werden Sie die weitere Aushöhlung unseres Staatsangehörigkeitsrechts forcieren. Sie wollen die bevölkerungspolitische Transformation betonieren und die Auflösung Deutschlands als Land der Deutschen unumkehrbar machen. Mehrfache Staatsangehörigkeiten, Turboeinbürgerung und unsere deutsche Staatsangehörigkeit als Ramschware.
(Gülistan Yüksel [SPD]: Es geht um Menschen, die schon länger als zehn Jahre hier leben! Das sollten Sie sich vielleicht mal merken!)
– Schreien Sie doch nicht so! – Das Rückführungsverbesserungsgesetz soll nur Ihren wahren Tatplan verschleiern: Abschiebung durch Einbürgerung auf ewig unmöglich zu machen.
(Gülistan Yüksel [SPD]: Das ist doch falsch, was Sie erzählen!)
Schon jetzt werden aus Ihren Reihen Stimmen laut, Palästinenser aus Gaza oder Afghanen aus Pakistan aufzunehmen. Es ist die Vorhut – da gehören Sie ganz besonders dazu – des nächsten migrationspolitischen Großangriffs auf das deutsche Volk.
(Helge Lindh [SPD]: Widerlich! „Großangriff“!)
Wer es gut mit Deutschland meint, fordert Remigration, millionenfache Remigration, ein Bündel von politischen Maßnahmen, welche friedlich und rechtsstaatlich die Demografie harmonisieren,
(Lamya Kaddor [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Immer nur die gleiche Leier!)
die Identität des Staatsvolkes, Frau Kaddor, erhalten und die Transformation in einen Vielvölkerstaat verhindern.
(Lamya Kaddor [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Absurd! Sie machen sich lächerlich!)
Bis dahin sollten Sie alle die Aufnahme von Afghanen oder wahlweise Afrikanern,
(Lamya Kaddor [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das glauben Sie doch selber nicht, was Sie da erzählen!)
Frau Kaddor, in der eigenen Luxusbude erklären. Nutzen Sie das Formular, das wir Ihnen allen zugeschickt haben,
(Zuruf: Das können Sie behalten!)
und nehmen Sie selbst Migranten auf!
Ich helfe Ihnen gerne beim Ausfüllen, Frau Präsidentin.
(Clara Bünger [DIE LINKE]: Rechte Hetze, nichts dahinter! – Matthias W. Birkwald [DIE LINKE]: So ein Blödsinn! – Lamya Kaddor [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist eine Frechheit! – Zurufe von der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Peinlich!)
Präsidentin Bärbel Bas:
In der Tat werde ich mir das noch mal anschauen. Sie wissen, dass ich dieses widerliche Flugblatt im Ältestenrat deutlich kritisiert habe.
(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der FDP und der LINKEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Und es ist mindestens einen Ordnungsruf wert, weil Sie mich gerade in einer Art und Weise angesprochen haben, die hier im Präsidium nicht geduldet wird.
Vielen Dank.
(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der FDP und der LINKEN)
Jetzt hat aber das Wort für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Max Lucks.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP)
Max Lucks (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Ich muss schon sagen: Nach dieser Rede der Schäbigkeit und des entgrenzten Hasses auf unser Land bin ich sehr dankbar, dass die demokratischen Fraktionen hier im Haus bei aller Unterschiedlichkeit in der Debatte eins eint:
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Wir geben unsere Empathie für die Schicksale von Menschen nicht auf, und wir sind stolz auf unser Land, weil unser Land denen Schutz gibt, die Schutz brauchen.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP)
Eine Wahrheit ist aktuell aber auch: Unser Land schiebt zu oft die Falschen ab. Wir sprechen manchmal über Rückführungen, als gäbe es einen Überbietungswettbewerb der Zahlen, und vergessen dabei Schicksale, die so nicht passieren sollten.
So das Schicksal der jesidischen Familie Kheyri, die vor dem Genozid des „Islamischen Staates“ geflohen war und im Allgäu eine neue Heimat gefunden hatte. Am vergangenen Montag ist diese Familie, die niemals straffällig geworden ist, in den Irak abgeschoben worden, dorthin, wo Jesiden tagtäglich der Bedrohung durch Islamisten ausgesetzt sind. Zwei Töchter sind noch hier, ihre zwei kleinen Geschwister nicht. Diese zwei kleinen Geschwister sprechen kein Kurdisch oder Arabisch, sie sprechen nur deutsch, weil Deutschland das Land ist, in dem diese Familie zum ersten Mal in ihrem Leben Schutz durch einen Staat erfahren hat.
Noch im Januar hat unser Parlament einstimmig den Genozid an den Jesiden anerkannt. Meine Damen und Herren, sollte ein solches Problem nicht groß genug sein für Herkunftsländerleitsätze, für Innenministerkonferenzen, für uns als Gesetzgeber? Meine Fraktion schlägt vor, für diese Menschen, für Jesidinnen und Jesiden, eine Lösung zu finden, zum Beispiel im Aufenthaltsgesetz, sodass sie nicht mehr abgeschoben werden. Wir laden alle demokratischen Fraktionen dazu ein, daran mitzuwirken.
Danke schön.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP)
Präsidentin Bärbel Bas:
Als Nächste hat das Wort für die CDU/CSU-Fraktion Mechthilde Wittmann.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Mechthilde Wittmann (CDU/CSU):
Frau Präsidentin! Frau Bundesministerin! Sehr geehrte Damen und Herren! Wir sprechen heute über ein Rückführungsverbesserungsgesetz, das Sie selbst in der Ampelkoalition anzweifeln und dessen Wirksamkeit Sie selbst gar nicht betonen wollen. In der Tat ist es so, dass dieses Rückführungsverbesserungsgesetz – das haben wir bereits von den Vorrednern gehört – diverse Maßnahmen und Festschreibungen enthält, bei denen man eigentlich davon ausgehen sollte: Sie sind längst Usus, sie sind längst Rechtslage, und sie können längst durchgesetzt werden, weil sie in einem Rechtsstaat notwendig sind.
Ich darf zum Beispiel daran erinnern, dass festgeschrieben werden soll, dass die Durchsuchung von Wohnungen nun insoweit erleichtert wird, dass zum Beispiel auch das Nachbarzimmer mit angeschaut werden kann. Wo kommen wir denn da hin, wenn es so einfach ist, einfach das Zimmer zu wechseln, und schon war alles obsolet, was an polizeilichen Einsätzen möglich ist und notwendig wurde?
(Beifall bei der CDU/CSU)
Denn derjenige, der sich hier entzieht, hält sich ja längst illegal auf und weiß, dass er gehen muss. Er zeigt dem Rechtsstaat die lange Nase und sagt: Nein, das Recht gilt vielleicht für andere, aber nicht für mich. – Deswegen, meine Damen und Herren, muss auch durchgesetzt werden, was der Rechtsstaat an Mitteln hat, wenn es sich um unrechtmäßiges Verhalten handelt.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Das Gleiche gilt natürlich auch für die Durchsuchung von Datenträgern und Mobilgeräten. Denn wenn jemand absichtlich und wissentlich verschleiert, wie seine Identität ist oder aus welchem Herkunftsland er kommt, um alle diejenigen Vorzüge genießen zu können, die gerade für die Länder ausgesprochen werden, wo es eine besondere Schutzwürdigkeit gibt, dann muss es möglich sein, wenn er zwar den Pass verloren hat, aber Gott sei Dank sein Handy nicht, dass wenigstens über das Handy feststellbar ist, zu welchem Staat er gehört und welche Rechtsfolgen er deswegen zu erwarten hat.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Meine sehr verehrten Damen und Herren, ein Tatbestand, der jetzt festgeschrieben werden soll, wurde noch gar nicht erwähnt, nämlich dass wir als Ausweisungstatbestand nunmehr auch im § 54 Absatz 1 des Aufenthaltsgesetzes die Organisierte Kriminalität haben. Ja, das sollte doch selbstverständlich sein! Insoweit haben Sie natürlich ein Stück weit recht. Aber das, was in diesem Gesetz festgeschrieben werden soll, ist etwas, was eigentlich nur das Minimum dessen sein kann, was die Ministerpräsidenten aus der Praxis, die sie in ihren Ländern erleben, seit Monaten flehentlich erbeten haben.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Meine Damen und Herren, natürlich ist es eine ganz große Besonderheit, dass wir heute direkt danach über das Staatsangehörigkeitsrecht reden.
(Manuel Höferlin [FDP]: Das macht Sinn! Es ist Absicht, dass wir das zusammen aufsetzen!)
Denn mit der beschleunigten Einbürgerung von nahezu allen Staatsangehörigkeitsinhabern machen wir doch nichts anderes, als sie genau in den Schutz zu stellen, dass eine Rückführung gerade nicht mehr möglich ist.
(Gülistan Yüksel [SPD]: Erzählen Sie doch nichts Falsches!)
Deswegen ist das, was wir heute in diesem Parlament betreiben, ein Paradoxon.
(Beifall bei der CDU/CSU – Manuel Höferlin [FDP]: Das Gegenteil ist der Fall! Es ist alles aus einem Guss! Es ist genau das, was Sie fordern!)
Lassen Sie mich auf ein Letztes eingehen. Sie sagen, es habe keine Rückführungsabkommen gegeben und nichts davon habe gewirkt. Mein lieber Herr Kollege Lindh, wer genau hat denn den hocherfolgreichen EU-Türkei-Deal verhandelt? Wer denn? Nicht mal die SPD hat sich daran beteiligt, sondern es war die unionsgeführte Bundesregierung, die diesen Erfolg erreicht hat.
(Helge Lindh [SPD]: Von der Kanzlerin, von der Sie sich distanzieren!)
Von ehemals 1 Million Menschen, die über die türkische Grenze gekommen sind, konnte bereits im Folgejahr die Zahl auf nur noch 26 000 reduziert werden. Was anderes ist das als ein grandioser Erfolg?
(Beifall bei der CDU/CSU)
Genau zu solchen Abkommen müssen wir wieder kommen. Deswegen bedarf es vieler Maßnahmen. Die wichtigste Maßnahme aber, um das Sterben in der Sahara und auf dem Mittelmeer zu verhindern, ist, dass die Menschen sich nicht mehr auf den Weg machen. Dafür sind alle Anzeichen aus diesem Lande notwendig, dass es hier nichts zu erwarten gibt, dass nichts dieses Risiko, wenn es nicht wahre, blanke Verfolgungsnot ist, rechtfertigt.
Ich danke Ihnen.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Präsidentin Bärbel Bas:
Als Nächste hat das Wort für die SPD-Fraktion Gülistan Yüksel.
(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP)
Gülistan Yüksel (SPD):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Gerade in der aktuellen Debatte zur Rückführung kann es nicht oft genug gesagt werden: Menschen, die vor Gewalt, Krieg und Unterdrückung zu uns fliehen, muss Zuflucht und Schutz gewährt werden.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
Als Ampelkoalition haben wir uns zu einer ordnenden und humanitären Migrationspolitik verpflichtet. Wir wollen Migrationspolitik vorausschauend und realistisch gestalten, und zwar mit guten Regeln, damit alle davon profitieren. Und ja, dazu gehört auch, dass diejenigen, deren Asylantrag abgelehnt wurde und die unter keinen Umständen ein Bleiberecht haben, Deutschland auch wieder verlassen müssen.
Deshalb möchte die Bundesregierung einige gesetzliche Regelungen anpassen, damit Abschiebemaßnahmen der Behörden nicht weiter verhindert oder erschwert werden. Diese Vorschläge werden im parlamentarischen Verfahren beraten, und dabei werden wir die grundrechtlichen Vorbehalte der Zivilgesellschaft genau prüfen.
Auch wenn wir nach wie vor für eine Trennung von Asyl- und Erwerbsmigration stehen, wollen wir gute und pragmatische Lösungen für die Menschen, die hier im Lande sind.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
Deshalb erleichtern wir Asylsuchenden und Geduldeten den Zugang zum Arbeitsmarkt. Geduldeten erteilen wir zukünftig im Regelfall eine Beschäftigungserlaubnis. Dies schafft klare Richtlinien für die Kommunen und bundesweite Einheitlichkeit. Zudem lockern wir das Arbeitsverbot für Geflüchtete, die sich in Erstaufnahmeeinrichtungen befinden. Zukünftig dürfen sie spätestens nach sechs Monaten arbeiten; bisher waren es neun Monate. So stärken wir die Integration und Teilhabe. Gleichzeitig bekämpfen wir damit Arbeitskräftemangel und bereichern den Jobmarkt. Das ist gut für unser Land und gut für die Menschen, liebe Kolleginnen und Kollegen.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
Bevor jetzt die rechte Seite, die heute ja sehr ruhig ist, schreit, wir würden einfach alle aufnehmen, was sie ja sonst immer tut – diese Hetze ist einfach unsäglich –: Personen, die Deutschland verlassen müssen oder etwa ihre Identitätserklärung verweigern, bleiben von dieser Regelung ausgeschlossen. Die neuen Maßnahmen sollen gezielt Schutzsuchenden zugutekommen, die einen wertvollen Beitrag zur deutschen Gesellschaft leisten können und wollen.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, auch wenn nicht alle Geflüchteten bei uns bleiben können; die meisten haben einen Anspruch auf Asyl. Dieses Menschenrecht werden wir weiterhin verteidigen.
Herzlichen Dank.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
Präsidentin Bärbel Bas:
Vielen Dank. – Ich schließe die Aussprache.
Interfraktionell wird Überweisung des Gesetzentwurfs auf Drucksache 20/9463 an die in der Tagesordnung aufgeführten Ausschüsse vorgeschlagen. – Ich sehe keine anderen Überweisungsvorschläge. Dann verfahren wir wie vorgeschlagen.
Ich rufe auf den Tagesordnungspunkt 8:
Beratung der Beschlussempfehlung und des Berichts des Wirtschaftsausschusses (9. Ausschuss) zu dem Antrag der Fraktion der CDU/CSU
Wirtschaftsstandort Deutschland stärken, Wirtschaft unterstützen – Abbau überflüssiger und belastender Bürokratie
Drucksachen 20/6408, 20/9271
Für die Aussprache wurde eine Dauer von 68 Minuten vereinbart.
Ich eröffne die Aussprache. Zuerst hat Felix Banaszak das Wort für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP)
Felix Banaszak (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Lassen Sie mich mit einem Bekenntnis beginnen: Ich hasse Bürokratie. Ganz persönlich: Ich, Felix Banaszak, hasse Bürokratie. Nichts nervt mich mehr; ich finde es todesnervig. Es treibt mich in den Wahnsinn, wenn ich wieder einmal für einen einfachen Antrag im Amt glaube, mein Studium wiederholen oder eine andere Ausbildung machen zu müssen. Ich hasse es einfach.
Ich glaube, so geht es vielen in diesem Raum, so geht es wahrscheinlich auch vielen auf den Tribünen.
(Tino Chrupalla [AfD]: Sie haben noch nie einen Antrag ausgefüllt!)
Und vor allem geht es sehr vielen Unternehmerinnen und Unternehmern so, die diese Bürokratie nicht nur als eine persönliche Belastung empfinden, sondern die diese Bürokratie auch davon abhält, kluge Investitionsentscheidungen zu treffen, beispielsweise in den Standort Deutschland. Deswegen ist vollkommen klar, dass wir dieses Problem nicht einfach als irgendeines, das man irgendwann mal angehen kann, betrachten, sondern dass wir es jetzt sehr ernsthaft angehen.
(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Weil das so ist, meine Damen und Herren, möchte ich an dieser Stelle gerne mit einigen Mythen zum Thema Bürokratieabbau aufräumen. Der erste Mythos ist, dass Bürokratie immer die Folge von irgendwelchen komischen grün-linken Vorstellungen zum Klimaschutz, zu Arbeitnehmer/-innenrechten, Menschenrechten, Kinderarbeit oder so etwas ist.
(Thorsten Frei [CDU/CSU]: Aber ein Indiz ist es schon!)
Der zweite Mythos ist, dass die Unionsfraktion, die diesen Antrag eingebracht hat, über den wir heute entscheiden, mit Bürokratie noch nie etwas zu tun hatte und schon immer hart dagegen gekämpft hat. Und der dritte Mythos ist, dass sich Bürokratie dadurch abbauen lässt, dass man darüber redet.
Ich möchte mit dem ersten Mythos beginnen. Ich denke dabei an Gerd Müller. Einige von Ihnen erinnern sich noch an ihn,
(Michael Grosse-Brömer [CDU/CSU]: Super Mittelstürmer!)
viele von Ihnen mochten ihn noch nie so besonders gerne. Sie gucken wahrscheinlich gerade, ob in Ihren Redemanuskripten das Wort „Lieferkettensorgfaltsgesetz“ drin ist.
(Thorsten Frei [CDU/CSU]: Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz!)
Das war ein Gesetz von Gerd Müller.
(Jens Spahn [CDU/CSU]: Macht es ja nicht besser!)
Seien Sie doch nicht immer so hart zu Gerd Müller! Seien Sie doch nicht immer so hart zu Ihren Leuten, Herr Spahn, Frau Klöckner; das werden Sie sicherlich gleich sein.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP – Jens Spahn [CDU/CSU]: Macht es nicht besser!)
Nehmen Sie doch auch die großen Fortschritte zur Kenntnis, die mit Gerd Müller und mit vielen weiteren Gesetzen von Ministerinnen und Ministern aus Ihrer Riege einhergegangen sind, über die Sie gleich reden werden.
Zum zweiten Mythos, dass die Union mit alldem nie etwas zu tun hatte. Man müsste angesichts der Reden, in denen man gleich hört,
(Thorsten Frei [CDU/CSU]: Was Sie schon alles wissen!)
wie die Bürokratie über Jahrzehnte angewachsen ist – eine Regel nach der anderen –, denken, dass die Grünen in den letzten 20 Jahren eine absolute Mehrheit in diesem Laden gehabt hätten. Das ist ja gar nicht der Fall. Es waren Ihre unionsgeführten Regierungen, die eine Regelung nach der anderen in die Gesetze, in die Verordnungen geschrieben haben,
(Julia Klöckner [CDU/CSU]: Noch unkonkreter geht es nicht!)
über die wir heute reden. Deswegen: Wir helfen gerne dabei, das anzugehen.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Gerald Ullrich [FDP] – Thorsten Frei [CDU/CSU]: Was ist denn jetzt der Wert Ihrer Rede?)
Der dritte Mythos ist, dass sich Bürokratie dadurch abbauen lässt, dass man auf irgendwelchen Podien und in Talkshows darüber redet, dass jetzt endlich mal was getan werden muss. Das wird dann mit so großen Begriffen getan wie: „One in, one out“ – nein, das reicht nicht aus –, „One in, two out“, „One in, three out“. Mal gucken, wie viele solcher Begriffe es werden.
(Jens Spahn [CDU/CSU]: „One out“ reicht heute!)
Bürokratie baut man dadurch ab, dass man sich anschaut, wo sie entstanden ist, meine Damen und Herren. Und das hat Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck in den letzten Monaten intensiv gemacht – mit der ganzen Bundesregierung und vor allem mit denen, die unter dieser unnötigen Bürokratie leiden.
Man muss doch mal anerkennen, dass wir das meiste, was wir an Bürokratie in unseren Gesetzen und Verordnungen haben, nicht deswegen haben, weil sich irgendwelche wahnwitzigen Beamten gedacht haben: „Mensch, wie können wir den Leuten das Leben so schwer wie möglich machen?“, sondern weil damit meistens eine Idee verbunden war und dann eben Kollateralschäden entstanden sind.
(Thorsten Frei [CDU/CSU]: „Nie ist die Bürokratie so stark gestiegen wie im letzten Jahr“! Aussage Normenkontrollrat!)
Von daher baut man Bürokratie dadurch ab, dass man sich Gesetz für Gesetz, Verordnung für Verordnung anschaut und genau guckt, wo etwas entsteht, was wir nicht wollen. Dabei sind 140 Regelungen herausgekommen; 80 davon wurden direkt abgeschafft, 60 davon befinden sich in der Prüfung. Das ist der Weg, wie man Bürokratie abbaut: nicht durchs Reden, sondern durchs Machen!
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP – Thorsten Frei [CDU/CSU]: Nein, Sie bauen keine Bürokratie ab! Sie bauen auf! Plus 54 Prozent! – Jens Spahn [CDU/CSU]: Jetzt ist noch gar nichts abgeschafft! Gar nichts ist abgeschafft bis jetzt! Wo ist denn das Gesetz?)
Das zeichnet diesen Wirtschaftsminister aus, das zeichnet diese Bundesregierung aus.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Damen und Herren auf der Tribüne und zu Hause, seien Sie sich sicher, dass diese Regierung, bis sie in einigen Jahren
(Jens Spahn [CDU/CSU]: In einigen Wochen!)
sich zur Wiederwahl stellen wird, noch mehr erledigen wird,
(Julia Klöckner [CDU/CSU]: Das ist eine Drohung!)
um Bürokratie abzubauen, damit nicht nur die persönliche Bedrängnis durch viele Formulare, sondern eben auch das Investitionsrisiko durch die überbordende Bürokratie, für die Sie verantwortlich sind,
(Thorsten Frei [CDU/CSU]: Nein, Sie! Meine Güte!)
endlich ein Ende hat.
Vielen Dank.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP)
Präsidentin Bärbel Bas:
Als Nächste hat das Wort für die CDU/CSU-Fraktion Julia Klöckner.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Julia Klöckner (CDU/CSU):
Frau Bundestagspräsidentin! Herr Bundesminister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Herr Banaszak, auch Sie scheinen den gleichen Redenschreiber wie der Kanzler zu haben: viele Worte, nichts gesagt, Wolkenschieberei hier wieder.
(Beifall bei der CDU/CSU – Sebastian Roloff [SPD]: Das sagen Sie? – Felix Banaszak [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ich bin in der Lage, meine Reden selbst zu schreiben, Frau Klöckner!)
Das ist echt wieder goldig gewesen. Vielleicht hören Sie mal auf den Normenkontrollrat – wenn Sie uns schon nicht glauben, dann glauben Sie wenigstens dem Normenkontrollrat –, der ganz klar festgestellt hat, dass die Bürokratie unter einer Bundesregierung nie so angestiegen ist wie unter dieser Ampelregierung. Das sagt der Normenkontrollrat.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD – Jens Spahn [CDU/CSU]: So ist es nämlich!)
„Transformative Angebotspolitik“ hat der Bundeswirtschaftsminister seine Politik genannt. Das heißt nach Habeck’scher Manier übersetzt: Ich baue die Wirtschaft genau so um, wie wir Grünen das schon immer gewollt haben:
(Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ja, genau!)
alles auf erneuerbare Energien – und das immer schneller –, dafür teure Energieimporte, Regulierungen, Auflagen, Lenkung und Geld für diejenigen, die unserer Gesinnung folgen. Selbst bei den neuen Sektorleitlinien für die Hermesbürgschaften in Ihrem Ministerium folgen Sie dieser Einteilung in die gute und die schlechte Wirtschaft. Um das unterteilen zu können, sind natürlich Dokumentationen, Regulierungen und Reglementierungen notwendig, also zusätzliche Bürokratie. Allein das Energieeffizienzgesetz hat die Bürokratieauflagen Ihrer Bundesregierung mehr als bei jeder anderen in die Höhe schießen lassen. Aber genau das Gegenteil wäre in dieser Zeit notwendig.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Für sein Vorgehen braucht Bundesminister Habeck Geld, sehr viel Geld. Denn die neuen Probleme, die seine Politik bei den Unternehmen verursacht, werden einfach wegsubventioniert.
(Esra Limbacher [SPD]: Welche Bürokratie haben Sie denn abgeschafft?)
Minister Habecks Instrument für seine planwirtschaftlichen Spiele war der KTF: trickreiches Umwidmen von Geld, das er überhaupt nicht hat – am Haushaltsgesetzgeber vorbei,
(Jens Spahn [CDU/CSU]: Hört! Hört!)
ganz nach dem Motto: Wenn der Christian bockt, wird mit der KTF-Kohle gezockt.
(Heiterkeit und Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Gab es mal wieder Ampelstreit, hieß es: Kompromiss KTF. Die Wirtschaft stöhnt über höhere Energiepreise: Geld aus dem KTF. Die Wirtschaft leidet unter neuen Regulierungen: Geld aus dem KTF.
(Jens Spahn [CDU/CSU]: Große Schatzkiste!)
Sie, Herr Habeck, greifen den Unternehmen ständig in die Speichen, um Ihren Traum vom Umbau unseres Landes auszuleben – ohne Maß und Mitte. Augen zu und durch!
(Beifall bei der CDU/CSU)
Aber diese grünen Turbotransformationsträume sind in der Sackgasse gelandet. Den Praxistest haben sie nicht bestanden. Das Verfassungsgericht hat klar geurteilt.
Jetzt braucht es eben – und das fordern wir – die wirtschaftspolitische Wende hier in Deutschland. Denn Deutschland ist mit dieser Ampelregierung in eine Wirtschaftskrise gerutscht: Rezession, geringstes BIP-Wachstum im Euroraum. Wohin Ihre grünen Transformationspolitikträume führen, konnten wir schon beim Heizungsgesetz sehen. Sie wollten in den Heizungskeller reinregieren. Das Ergebnis: Öl- und Gasheizungen feiern ein Comeback. Das Interesse an Wärmepumpen sinkt trotz Förderung.
Sie machen aber immer so weiter mit Mikromanagement, mit Bürokratie, mit Subventionen. Dieses Mal nennen Sie es einfach nur „Industriestrategie“. Sie sagen, die Projekte, die mit dem Klima- und Transformationsfonds verbunden seien, beträfen – ich zitiere – den „wirtschaftlichen Kern Deutschlands“.
(Andreas Audretsch [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Was denn sonst?)
Das muss einem Angst machen, wenn ein Bundeswirtschaftsminister glaubt, dass das der wirtschaftliche Kern Deutschlands sei.
(Felix Banaszak [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Fragen Sie doch mal Tanja Gönner vom BDI, Frau Klöckner! Die kennen Sie doch auch!)
Den wirtschaftlichen Kern Deutschlands würden Sie besser schützen, wenn Sie aufhörten, die Wirtschaft mit immer mehr Bürokratie und Gängelung zu überziehen und sie daran zu hindern, ihre Arbeit zu machen, nämlich Deutschland stark zu halten.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Statt jetzt demütig Ihre Schlüsse aus dem Urteil aus Karlsruhe zu ziehen, beschimpfen Sie erst mal diejenigen, die sich um die Einhaltung der Verfassung sorgen. Sie fahren über eine rote Ampel, und wenn Sie daran erinnert werden, dass es Regeln gibt, beschimpfen und beleidigen Sie erst mal diejenigen, die Sie an die Regeln erinnern. Sie wollen aber, dass just diejenigen, die Sie beleidigt und beschimpft haben, Ihnen helfen, diese Verkehrsregeln auch noch zu ändern. Wer glaubt, er sei im Besitz der höchsten Moral, der glaubt auch, er dürfe über rote Ampeln fahren.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Das ist Ihre Art von Politik.
Erkennen Sie endlich: Standortnachteile lassen sich nicht unbegrenzt wegsubventionieren! Wir müssen wieder zurück zur sozialen Marktwirtschaft, und das bedeutet: Unternehmertum und Privatinitiative stärken.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU – Matthias W. Birkwald [DIE LINKE]: Wo bleibt das Soziale?)
Dazu brauchen wir vor allen Dingen gute Rahmenbedingungen statt immer neuer staatlicher Eingriffe.
(Beifall bei der CDU/CSU – Felix Banaszak [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sind Sie sicher, dass es mein Redenschreiber war, den Sie meinen?)
Deshalb, Herr Habeck, müssen wir zu einer marktwirtschaftlich orientierten Angebotspolitik zurück. Es geht nicht nur um Ihre Transformationsindustrien. Wir brauchen im Übrigen auch Exportgenehmigungen; Ihr Haus verzögert die. Unterstützen Sie die Unternehmen beim weltweiten Wettbewerb!
Wir haben in unserem Antrag zahlreiche Vorschläge für ganz konkreten Bürokratieabbau gemacht. Sie haben Vorschläge aus der Wirtschaft eingeholt, haben aber noch nicht mal zehn übernommen, und das Gesetz liegt immer noch nicht vor. Auch mit dem neuen Postgesetz haben Sie wieder neue Bürokratieauflagen geschaffen. Das heißt: Sie haben ein Belastungsmoratorium beschlossen, setzen es aber nicht um und beklagen sich, dass die Wirtschaft Deutschland verlässt. Wir können nur sagen: Machen Sie Schluss damit! Wegsubventionieren Ihrer Probleme ist zu teuer für dieses Land.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Präsidentin Bärbel Bas:
Als Nächster hat das Wort für die SPD-Fraktion Sebastian Roloff.
(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP)
Sebastian Roloff (SPD):
Vielen Dank. – Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir erleben es mit diesem Antrag und in dieser Debatte einmal mehr: Die legendäre, zumindest selbstzugeschriebene Wirtschaftskompetenz der Union besteht im Wesentlichen aus zwei Faktoren: zum einen große Entrüstung und zum anderen Phrasen zum Thema Bürokratieabbau.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
Das ist schön; das erleben wir hier regelmäßig.
Ich würde mir mehr ein paar konkretere Vorschläge wünschen; denn in der Zeit, in der sich hier wieder entrüstet wird – manchmal sogar wider besseres Wissen, also künstlich –, kann die Ampel konkrete Projekte und Erfolge vorweisen.
(Jens Spahn [CDU/CSU]: Aha!)
Wir haben das Wachstumschancengesetz auf den Weg gebracht,
(Jens Spahn [CDU/CSU]: Das hat es nicht durch den Bundesrat geschafft! Das ist Ihnen aufgefallen?)
und das Bürokratieentlastungsgesetz IV – das wissen Sie ganz genau – ist auf dem Weg. Und wenn beides so beschlossen wird, reduzieren wir die Bürokratiekosten für die Wirtschaft um 2,3 Milliarden Euro. Das ist mit Abstand das größte einzelne Entlastungspaket zur Bürokratiereduktion, das es jemals gab.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
Ich gönne Ihnen ja billige Schlagzeilen. So sagen Sie immer: Noch nie ist die Bürokratie so angestiegen wie unter der Ampel. – Ja, das sagt der Normenkontrollrat.
(Jens Spahn [CDU/CSU]: Ja!)
Aber warum sagt er das?
(Jens Spahn [CDU/CSU]: Weil es so ist! – Zuruf des Abg. Michael Donth [CDU/CSU])
Weil wir die Coronamaßnahmen hatten, weil wir die Strom- und Gaspreisbremsen haben, weil es eine ganze Reihe von Maßnahmen gab, die umgesetzt und abgewickelt werden mussten.
(Thorsten Frei [CDU/CSU]: Das Heizungsgesetz ist das Problem!)
Denen haben Sie teilweise zugestimmt. Machen Sie billige Punkte, wenn Sie meinen. Aber das qualifiziert Sie nicht für Regierungsverantwortung, sondern eher für die „Bild“-Zeitung.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD und der FDP und der Abg. Dr. Ingrid Nestle [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Es bleibt eine Binsenweisheit – wir haben das mit Sachverständigen im Wirtschaftsausschuss bei einem vergleichbaren Antrag auch schon diskutiert –, dass man nicht einfach „Bürokratieabbau“ schreien kann, und wenn dann geschnipst wird, auf einmal alles besser wird. Es ist eigentlich selbsterklärend – so viel Differenzierung in der Debatte muss sein –, dass wir unterschiedliche politische Ebenen haben, die ineinandergreifen müssen. Alleine 57 Prozent der Regelungen betreffen die Umsetzung von EU-Verordnungen; da können wir im Detail noch nicht mal viel machen. Dementsprechend ist es gut und richtig, dass der Bundeskanzler gemeinsam mit Frankreich einen Vorstoß unternommen hat und es gemeinsame Runden mit den Bundesländern und den Kommunen gibt, damit wir hier schnell Fortschritte machen – und das tun wir.
Was mich bei dieser ganzen Debatte noch viel mehr stört: Hier wird immer so getan, als wenn Bürokratieabbau – und ja, Bürokratie nervt mich auch; ich bin regelmäßig in Unternehmen und IHKs unterwegs, und das kommt natürlich oft – der große Heilsbringer sei und ein Konjunkturprogramm aus sich selber heraus wäre. Aber das ist falsch. Ich kann – mit Erlaubnis der Präsidentin – den Wirtschaftsweisen Achim Truger zitieren:
(Jens Spahn [CDU/CSU]: Den haben wir die letzten Wochen öfter gehört!)
„Bürokratieabbau ist absolut wichtig, aber damit löst man weder einen Riesen-Investitionsschub aus noch kann man damit eine Rezession verhindern.“
Zitat Ende.
(Jens Spahn [CDU/CSU]: Der muss es wissen!)
Dementsprechend brauchen wir für mehr Wirtschaftswachstum einen Zweischritt. Ja, wir müssen die Situation von Unternehmen womöglich verbessern – selbstverständlich – und Verfahren entschlacken. Wir müssen auf der anderen Seite aber auch investieren. Und da wird es bei der Union ganz dünn. Sie stellen sich immer stumm, wenn Sie sagen sollen, wo das Geld herkommen soll, und sind auch zu keinen Kompromissen bereit.
Dementsprechend – und da wäre es schön, wenn Sie sich mal ehrlich machen würden – kann man auf eine sehr sehenswerte Sendung, das „Duell des Tages“ auf WELT, verweisen, bei der Ihre Kollegin Jana Schimke im Duell mit dem neuen Bundesvorsitzenden der Jusos gefragt wurde,
(Jens Spahn [CDU/CSU]: Ach herrjemine!)
wo denn jetzt bitte die fehlenden Milliarden im Haushalt eigentlich herkommen sollen, die Sie ja quasi so bejubeln.
(Julia Klöckner [CDU/CSU]: Ist doch euer Problem! Ihr seid doch in der Regierung! – Tilman Kuban [CDU/CSU]: Wir bejubeln gar nichts!)
Da wurde im Zweifel immer nur auf Sozialabbau verwiesen. Daraufhin hat Philipp Türmer dargelegt, dass sogar das von Ihnen als Sozialabbau Vorgeschlagene von der Summe her gar nicht reichen würde. Daran hat man auch wieder gesehen, wie seriös der von Ihnen gewünschte Kahlschlag ist
(Thorsten Frei [CDU/CSU]: Aber wir müssen Ihre Arbeit jetzt nicht komplett übernehmen, oder? Machen Sie doch mal Vorschläge! Das ist die Aufgabe einer Regierungskoalition!)
und dass noch nicht mal der – wir lehnen den selbstverständlich ab – die nötigen Finanzen frei machen würde. Das reicht nicht aus, und das ist auch wirklich zu wenig für eine seriöse Debatte.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
Dementsprechend sollten wir die Zeichen der Zeit erkennen und auch auf international renommierte Experten hören. Zum Beispiel hat der dänische Ökonom Kirkegaard diese Woche im „Spiegel“ gesagt – ich zitiere mit Erlaubnis der Präsidentin –: „Die Schuldenbremse ist eine makroökonomische Verrücktheit.“
(Beifall der Abg. Leni Breymaier [SPD] – Jens Spahn [CDU/CSU]: Alle Linken der Welt vereint! – Julia Klöckner [CDU/CSU]: Ja, klar, das sagen die immer! Das ist mir schon klar! – Zuruf der Abg. Janine Wissler [DIE LINKE])
Und ich kann mich auch meinem Fraktionsvorsitzenden voll anschließen, der am Dienstag an dieser Stelle gesagt hat: Auch das ist Aufgabe der Politik: nicht wegducken und auf die alte Zeit verweisen, sondern neuen Herausforderungen mit neuem Blick begegnen und Lösungen finden. – Dem habe ich nichts hinzuzufügen.
Dieses Land hat es verdient, dass in seine Zukunft investiert wird.
(Tino Chrupalla [AfD]: Aber das Land hat euch nicht verdient!)
Ihr Antrag hilft uns nicht weiter. Deswegen werden wir der Empfehlung des Wirtschaftsausschusses folgen und ihn ablehnen.
Vielen Dank.
(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP)
Präsidentin Bärbel Bas:
Als Nächster hat das Wort für die AfD-Fraktion Leif-Erik Holm.
(Beifall bei der AfD)
Leif-Erik Holm (AfD):
Sehr geehrte Bürger! Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Woche für Woche reden wir uns hier den Mund fusselig zum Bürokratieabbau, der dringend notwendig ist. Gerade letzte Sitzungswoche hatten wir einen AfD-Antrag in dieser Debatte.
(Esra Limbacher [SPD]: Wir erinnern uns! – Felix Banaszak [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Es ist nicht besser geworden seitdem!)
Nur, von der Regierung kommt zu diesem wichtigen Thema: nichts. Es wäre für unser Land in der Tat sicher besser gewesen, Sie von der Ampel hätten sich darum intensiv gekümmert statt um Ihre verfassungswidrigen Haushaltstricks.
(Beifall bei der AfD)
Die Wirtschaft wartet zum Beispiel auf das lange angekündigte Bürokratieentlastungsgesetz IV.
(Jens Spahn [CDU/CSU]: Ja, wo ist das eigentlich?)
Neuester Stand: Es soll im nächsten Frühjahr kommen. Dann liegt die Verbändeabfrage ein langes Jahr zurück. Auch hier also Enttäuschung oder eher blankes Entsetzen, dass diese Scholz-Truppe nichts auf die Reihe bekommt.
Aber wenn es so weit sein wird, dann sagt die Regierung Danke für die vielen tollen Vorschläge der Unternehmen. 442 waren es an der Zahl; umgesetzt werden im Gesetz 10. Ist das wirklich Ihr Ernst? Die Wirtschaft erstickt in Bürokratismus, und das soll Ihre Antwort sein? Unternehmen wandern ab aus diesem Land, auch wegen des irren Bürokratismus. Dazu gehen die Energiekosten durch die Decke. Der Fachkräftemangel wird von Ihnen noch verstärkt durch ein höheres Bürgergeld. Die Abgaben und Steuern steigen weiter. Sie machen überall das Gegenteil von dem, was in dieser strukturellen Krise notwendig wäre. Sie können es nicht, und das kann man hier nicht oft genug festhalten.
(Beifall bei der AfD)
Ihr Heizungsgesetz: das nächste Bürokratiemonster. Ich erinnere nur an die Beratungsgespräche, die Heizungsbauer mit ihren Kunden durchführen und dokumentieren müssen. Der real existierende Sozialismus, er ist wieder auf dem Vormarsch in diesem Land – leider.
Der Normenkontrollrat beklagt, dass der Erfüllungsaufwand für Gesetze um über 50 Prozent gestiegen ist, um 9,3 Milliarden Euro. Davon entfallen allein auf das Heizungsgesetz 9,2 Milliarden Euro. Dazu der neue CO2-Zoll, der weitere vierteljährliche Berichte erfordert und dafür sorgt, dass die Produktion tendenziell weiter ins Ausland verlagert wird, sowie das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz, das 70 Prozent der Mittelständler nerven wird und das von von der Leyens EU-Kommission noch verschärft werden wird. Nein, es ist für die Wirtschaft keinerlei Rettung in Sicht mit dieser Ampel.
(Beifall bei der AfD)
Dabei wäre der Bürokratieabbau das Einfachste, was Sie machen können. Wenn Sie schon keine Kohle haben, weil Ihre Haushaltstricksereien, Ihre Hütchenspielerei im Haushalt aufgeflogen ist, dann sorgen Sie doch wenigstens für kostenlose Maßnahmen, die unseren geplagten Unternehmen etwas unter die Arme greifen könnten. Dann könnten sie wenigstens wieder etwas Hoffnung schöpfen, wenn sie nicht den ganzen Tag mit Nachweis- und Dokumentationspflichten beschäftigt sind.
Die Bürger und Unternehmer wollen keine weiteren Durchhalteparolen mehr vom Kanzler, wie wir sie am Dienstag wieder gehört haben: „You’ll never walk alone“ und so.
(Jens Spahn [CDU/CSU]: Nicht mal in Deutsch!)
Sie haben einfach keinen Bock mehr aufs Unterhaken. Sie wollen diese Ampel eigentlich eher abhaken. Das wäre das Gebot der Stunde.
(Beifall bei der AfD)
Sie wollen Taten sehen, die dafür sorgen, dass unsere Firmen und damit viele Arbeitsplätze weiter in Deutschland existieren können. Stattdessen kamen wieder nur Plattitüden von Scholz und keine Entschuldigung für all die Tricks für verfassungswidrige Haushalte, die zu noch mehr Unsicherheit auch in der Unternehmerschaft führen.
Jetzt fällt dieser Regierung am Jahresende auch noch auf – das ist die nächste Trickserei –, dass wir eine Notlage in 2023 haben. Am Ende des Jahres fällt das dieser Regierung auf! Wer soll denn das bitte schön glauben? Wir ziehen uns doch die Hosen nicht mit der Kneifzange an.
(Beifall bei der AfD)
Das ist doch unfassbar! Man kann doch nicht den einen Verfassungsbruch mit dem nächsten heilen.
Eines ist klar: Das muss vors Verfassungsgericht. Das ist auch mein Appell an die Union: dass Sie hier mitgehen. Ich sage es den Menschen draußen im Land: 25 Prozent der Abgeordneten hier brauchen wir. Die AfD kann diese Normenkontrollklage leider nicht alleine machen. Wir brauchen Sie dazu. Haben Sie bitte, sage ich mal, den Mumm in der Hose, das auch umzusetzen.
(Felix Banaszak [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Gehen Sie mir weg mit Ihrer Hose! Setzen Sie sich wieder hin, und lassen Sie Ihre Hose Ihre Hose sein! Herrgott! – Zuruf des Abg. Sebastian Roloff [SPD])
Wir brauchen diese Klage gegen einen weiteren verfassungswidrigen Haushalt 2023.
(Beifall bei der AfD)
Ja, wir haben eine Notlage in diesem Land. Wir haben eine Notlage – aber nur, weil wir diese Regierung haben.
(Matthias W. Birkwald [DIE LINKE]: Haben Sie ein Hosenproblem, Herr Holm?)
Hoffentlich nicht mehr lange!
(Beifall bei der AfD – Matthias W. Birkwald [DIE LINKE]: Herr Holm hat ein Hosenproblem! – Zuruf des Abg. Stefan Schmidt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Präsidentin Bärbel Bas:
Als Nächster hat das Wort für die FDP-Fraktion Reinhard Houben.
(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Reinhard Houben (FDP):
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Meine Damen und Herren von der Unionsfraktion, ich fände es schon angebracht, wenn Sie sich mit den Papieren auseinandersetzten, die Sie jetzt in den Prozess einbringen. Also, Ihr Antrag ist inzwischen 226 Tage alt.
(Dr. Gesine Lötzsch [DIE LINKE]: Ich dachte, 226 Seiten lang! – Sebastian Roloff [SPD]: So viel schafft die Union nicht! – Heiterkeit bei Abgeordneten der SPD)
– Schöne Bemerkung. – 226 Tage alt!
(Julia Klöckner [CDU/CSU]: Und Ihre Ankündigung, Bürokratie abzubauen, über zwei Jahre alt!)
– Ja, ist gut. Jeder muss ja mal ein Eigentor schießen dürfen hier im Plenum.
(Julia Klöckner [CDU/CSU]: Wenn man so einen Satz sagt, muss man mit einer Antwort rechnen!)
Also, meine Damen und Herren, 226 Tage ist es jetzt her, dass Sie das eingebracht haben,
(Julia Klöckner [CDU/CSU]: Fangen Sie doch noch mal an!)
und Sie meinen nicht, Ihren Antrag irgendwie verändern zu müssen.
(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Sie fordern in diesem Papier, dass wir nun endlich das Bürokratieentlastungsgesetz einbringen.
(Jens Spahn [CDU/CSU]: Ja! Macht mal! Wo ist es denn?)
– Mit dem Wachstumschancengesetz haben wir doch ein erstes Bürokratieentlastungsgesetz eingebracht.
(Jens Spahn [CDU/CSU]: Mit der Anzeigepflicht für inländische Steuergestaltung!)
Wenn Sie sich mal die einzelnen Forderungen in Ihrem eigenen Antrag anschauen würden, könnten Sie feststellen, dass Dinge, die Sie hier fordern, im Wachstumschancengesetz aufgenommen worden sind.
(Julia Klöckner [CDU/CSU]: Der Koalitionsausschuss kann sich ja auf nichts einigen! – Jens Spahn [CDU/CSU]: Wo ist denn das Entlastungsgesetz?)
Herr Spahn, Sie haben es eben selbst in einem Zwischenruf zugegeben; denn Sie haben gesagt: Ihr habt es ja noch nicht mal durch den Bundesrat gebracht.
(Jens Spahn [CDU/CSU]: Ja, genau!)
Was sollen Ihre wohlfeilen Reden hier, wenn Sie den Bundesrat nutzen, um dieses Wachstumschancengesetz zu verhindern?
(Beifall bei der FDP und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Thorsten Frei [CDU/CSU]: Dann müssen Sie mal sehen, welche Länder das aufgehalten haben!)
– Ja, Sachsen zum Beispiel hat es aufgehalten.
(Jens Spahn [CDU/CSU]: Niedersachsen!)
Herr Kretschmer brauchte eine Überlegungspause. Deswegen ist im Bundesrat dieses Gesetz ausgebremst worden, meine Damen und Herren.
(Thorsten Frei [CDU/CSU]: Das waren noch ein paar Länder mehr, oder?)
Hier stehen Sie und fordern: Wir müssen die Wirtschaft entlasten! – Aber wenn wir als Bundesregierung das konkret tun, dann stehen Sie auf der Bremse. Das ist einfach unehrlich.
(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Meine Damen und Herren von der Union, Sie schreiben relativ weit hinten in Ihrem Antrag – nicht auf der 226. Seite –,
(Heiterkeit bei Abgeordneten der FDP und der LINKEN)
dass Sie eine Modernisierung des Registermodernisierungsgesetzes haben wollen. Diese haben wir gemeinsam mit Ihren Stimmen, ich glaube, in der letzten oder vorletzten Woche hier im Hause beschlossen. Der Kollege Willsch kann Ihnen das bestätigen. Also, es wäre schon gut, wenn Sie Anträge einbringen würden, die wirklich up to date sind. Das würde Ihrer Argumentation nach außen wirklich guttun.
(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Jens Spahn [CDU/CSU]: Ach herrje! – Thorsten Frei [CDU/CSU]: So wird das nichts, Herr Houben!)
Präsidentin Bärbel Bas:
Herr Houben, gestatten Sie eine Zwischenfrage oder Zwischenbemerkung des Kollegen aus der CDU/CSU-Fraktion?
Reinhard Houben (FDP):
Ja, bei Herrn Wiener kann ich nicht Nein sagen.
Präsidentin Bärbel Bas:
Herr Wiener, Sie haben das Wort.
Dr. Klaus Wiener (CDU/CSU):
Vielen Dank, Herr Houben, dass Sie die Zwischenfrage zulassen. – Sie haben das Wachstumschancengesetz angesprochen. Sie sagen, das würde einen Unterschied machen. Aber es gibt ja Berechnungen, zum Beispiel vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln, nach denen das Wachstumschancengesetz das Bruttoinlandsprodukt bis zum Jahre 2028 um 0,05 Prozent erhöhen würde. Also worüber reden wir hier eigentlich?
(Matthias W. Birkwald [DIE LINKE]: Ist doch was! – Jens Spahn [CDU/CSU]: Über nichts!)
Das ist allenfalls eine Petitesse, dieses Wachstumschancengesetz.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD – Michael Grosse-Brömer [CDU/CSU]: Wumms!)
Reinhard Houben (FDP):
Herr Kollege Wiener, prozentual ist das natürlich relativ wenig, aber in der Summe sind das mehrere Milliarden Euro. Wenn die Union darauf verzichten möchte, soll sie das gerne der deutschen Wirtschaft gegenüber vortragen.
(Jens Spahn [CDU/CSU]: Teure 0,05 Prozent Wachstum!)
Wenn sie auf Milliardenentlastungen verzichten möchte, ist das in Ordnung.
(Julia Klöckner [CDU/CSU]: Interessant!)
Aber wir halten es weiterhin, auch bei diesem Prozentsatz – ob er stimmt oder nicht, will ich hier gar nicht debattieren –, für angebracht, dieses Gesetz einzubringen.
(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Wir haben das Zukunftsfinanzierungsgesetz in den Deutschen Bundestag eingebracht und in der letzten Sitzungswoche beschlossen. Auch dieses Gesetz entlastet die deutsche Wirtschaft und stärkt im Besonderen die Start-up-Szene hier in Deutschland. Das wird sicherlich Wirtschaftswachstum in Deutschland anregen und wieder stärken.
(Beifall bei Abgeordneten der FDP)
Meine Damen und Herren, das Bürokratieentlastungsgesetz ist noch nicht da; das ist eben schon angesprochen worden. Da es sich aber noch im Gesetzgebungsprozess befindet, würde ich mich noch nicht darauf festlegen, dass in diesem Bürokratieentlastungsgesetz tatsächlich nur zehn Maßnahmen umgesetzt werden. Es bietet ja eine einmalige Chance, unsere Wirtschaft zu entlasten. Weil Bürokratie eine Hydra ist, ist das ein Dauerprozess. Deswegen freue ich mich, dass inzwischen in allen Ministerien, koordiniert vom Kollegen Benjamin Strasser, nach Bürokratieabbaumöglichkeiten gesucht wird. So zum Beispiel auch im Wirtschaftsministerium. Dort beschäftigt man sich im Besonderen mit nationalen und europäischen Berichtspflichten. Auch an dieser Stelle wird gearbeitet.
Also: Aktualisieren Sie Ihre Anträge, dann kann man besser darüber debattieren. Ich sehe die Bundesregierung auf dem Weg der Bürokratisierung,
(Jens Spahn [CDU/CSU]: Ja, das sehen wir auch! Das stimmt! – Julia Klöckner [CDU/CSU]: Das stimmt! „Bürokratisierung“!
auf dem Weg, diese zu reduzieren und nicht auszubauen, Herr Spahn.
(Jens Spahn [CDU/CSU]: „Weg der Bürokratisierung“! Eijeijei!)
Vielen Dank.
(Beifall bei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Präsidentin Bärbel Bas:
Als Nächste hat das Wort für die Fraktion Die Linke Janine Wissler.
(Beifall bei der LINKEN)
Janine Wissler (DIE LINKE):
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Was die Unionsfraktion hier vorlegt, liest sich wie ein Wunschzettel mit den Allzeithits der Unternehmensverbände, der dem Leitbild folgt, dass Regulierungen grundsätzlich vor allem eine Belastung und schlecht sind.
Sie sagen in Ihrem Antrag, dass der Mindestlohn Mehraufwand für Unternehmen bedeutet. Ja. Aber warum wurde denn der gesetzliche Mindestlohn eingeführt? Er wurde eingeführt, weil immer mehr Menschen zu Hungerlöhnen arbeiten müssen.
(Matthias W. Birkwald [DIE LINKE]: So ist es!)
Deshalb wurde der gesetzliche Mindestlohn eingeführt. Und warum muss die Einhaltung nachgewiesen und kontrolliert werden? Weil es massenhaft Verstöße und Umgehungsversuche gibt.
(Beifall bei der LINKEN)
Um den Mindestlohn zu umgehen, entwickeln einige Unternehmen eine Kreativität, die man sich an anderer Stelle nur wünschen könnte.
(Beifall bei Abgeordneten der LINKEN)
Sonst ist es doch immer die Union, die auf die Überwachung oder Einhaltung von Gesetzen pocht. Sie sind doch die selbsternannte Law-and-Order-Partei.
(Thorsten Frei [CDU/CSU]: Ja!)
Aber wenn es um die Rechte von Beschäftigten oder um Umweltauflagen geht, nehmen Sie es nicht so genau mit Law and Order.
(Thorsten Frei [CDU/CSU]: Doch, doch, doch! Die Einhaltung von Gesetzen ist immer wichtig! – Zuruf des Abg. Jens Spahn [CDU/CSU])
Da ist das dann ein Bürokratieaufwand, den man abbauen kann, meine Damen und Herren.
(Beifall bei der LINKEN)
Warum führen denn immer mehr Länder und hoffentlich bald auch der Bund Tarifbindungsklauseln für öffentliche Aufträge ein? Weil immer mehr Unternehmen aus der Tarifbindung aussteigen,
(Thorsten Frei [CDU/CSU]: Das ist aber auch gemäß dem Recht! Steht im Grundgesetz drin! Koalitionsfreiheit!)
um Gewinne auf Kosten der Beschäftigten zu steigern. Und warum muss es auch hier Nachweise und Kontrollen geben? Weil sich nur so der Zweck der Regelung erreichen lässt, nämlich mehr Tarifbindung und keine öffentlichen Aufträge für Unternehmen, die Tarifflucht begehen und die sozialen und ökologischen Standards unterlaufen.
(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Thorsten Frei [CDU/CSU]: Es gibt aber keinen Koalitionszwang!)
Der Eindruck, den Sie hier erwecken, man müsste nur Vorschriften und Bürokratie abbauen, damit es allen besser geht, ist einfach falsch. Sie verschweigen, dass das, was Sie hier vorschlagen, bedeuten würde, dass viele Menschen, nämlich Beschäftigte, weniger Schutzrechte hätten als zuvor. Sie wollen zum Beispiel die Pflicht zur Dokumentation der Arbeitszeit von Minijobbern abschaffen. Damit öffnen Sie doch Tür und Tor für die massenhafte Umgehung des gesetzlichen Mindestlohns.
Wenn Sie Gründerschutzzonen vorschlagen, die Unternehmen in den ersten beiden Jahren weitgehend von bürokratischen Vorschriften befreien sollen: Darf man mal fragen, welche Vorschriften Sie meinen?
(Beifall bei Abgeordneten der LINKEN)
Arbeitsschutzvorschriften? Die Arbeitsstättenverordnung? Umweltauflagen? Woran muss man sich Ihrer Meinung denn noch halten, wenn man ein neues Unternehmen gründet? Und wie wollen Sie dann verhindern, dass es einen Missbrauch durch Kettengründungen gibt? Wenn man dauernd neue Unternehmen gründet, muss man dann nämlich keine Standards mehr einhalten. Oder müssen dann Beschäftigte und Kunden zum Beispiel damit rechnen, dass ihre Daten bei neugegründeten Unternehmen weniger geschützt werden? Das steht ja in Ihrem Antrag.
(Zuruf von der CDU/CSU)
Sie wollen die Schwellenwerte für die Bestellung von betrieblichen Datenschutzbeauftragten so erhöhen, dass nur noch ein Bruchteil der Unternehmen betroffen wäre.
Also das ist doch grotesk, was Sie hier vorschlagen!
(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Frank Bsirske [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Der Fairness halber sei erwähnt, dass ein paar wenige Vorschläge, die Sie in Ihrem Antrag formulieren, ganz sinnvoll sind. Aber grundsätzlich gilt, dass wir Regeln brauchen zum Schutz der Beschäftigten und für ökologische Standards wie das Lieferkettengesetz; und deren Einhaltung muss natürlich auch kontrolliert werden. Was Sie hier vorschlagen, bedeutet, Schutzrechte von Beschäftigten unter dem Vorwand des Bürokratieabbaus in die Tonne zu treten.
Eine unsinnige Regelung ist auch Ihr Vorschlag, dass die Bundesverwaltung nur noch dann eine Einstellung vornehmen kann, wenn an anderer Stelle eine Stelle wegfällt. Das ist absurd. Die Personalausstattung des Staates muss natürlich den Aufgaben folgen, die zu erledigen sind. Sie beklagen die lange Verfahrensdauer. Ja, warum haben wir die denn? Weil die ganze Zeit von einem „schlanken Staat“ geredet wurde, weil in den Planungsämtern Mittel und Stellen gekürzt wurden und es jetzt eben viel länger dauert, Bauanträge und alles andere zu bearbeiten.
Deshalb – ich komme zum Schluss –: Ihr Antrag verkennt die zentralen Herausforderungen, vor denen wir in diesem Land stehen. Wir müssen eine Transformation gestalten, und dafür braucht es massive öffentliche Investitionen, die Sie in trauter Eintracht mit der Ampel blockieren. Künftigen Generationen marode Schulen, bröckelnde Brücken und die Folgen des Klimawandels zu vererben, das hat nichts, aber auch gar nichts mit Generationengerechtigkeit zu tun. Deswegen muss diese vermaledeite Schuldenbremse endlich weg.
(Beifall bei der LINKEN)
Präsidentin Bärbel Bas:
Als Nächster hat das Wort für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Lukas Benner.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP)
Lukas Benner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir haben zum Normenkontrollrat hier jetzt schon einiges gehört. Ich glaube, man muss
(Julia Klöckner [CDU/CSU]: … ihn abschaffen, oder was?)
die Aussagen des Normenkontrollrates einmal in den Kontext setzen. Was waren die Hauptaufwandstreiber in den letzten drei Jahren?
(Jens Spahn [CDU/CSU]: Das Heizungsgesetz!)
2021 das Ganztagsförderungsgesetz, 2022 das Mindestlohngesetz, 2023 das Gebäudeenergiegesetz.
(Jens Spahn [CDU/CSU]: Genau! Problem richtig beschrieben! – Julia Klöckner [CDU/CSU]: Bürokratie ist Bürokratie!)
Wer sich also hierhinstellt und einfach behauptet, die Bürokratie sei gewachsen, der ist jetzt also gegen die Ganztagsförderung, gegen den Mindestlohn und gegen die Wärmewende?
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD)
Es ist doch so: Das Gebäudeenergiegesetz ist nur deswegen notwendig, weil Sie eine Politik gemacht haben, die sich auf billiges Gas von Autokraten stützte und die die Menschen im Stich lässt, wenn jetzt die Preise steigen. Deswegen brauchen wir dieses Gesetz, um die Menschen in den nächsten Jahren nicht alleine zu lassen.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD)
Aber schauen wir uns einmal Ihren Antrag an. Der ist nicht ganz so sehr aus der Zeit gefallen wie Ihr Fraktionsvorsitzender, der sich die 90er-Jahre zurückwünscht, aber er ist trotzdem ein bisschen zu alt.
(Jens Spahn [CDU/CSU]: Das habt ihr schön in die Whatsapp-Gruppe geschrieben: Jeder erwähnt einmal die 90er-Jahre! – Julia Klöckner [CDU/CSU]: Unbedingt erwähnen: 16 Jahre! – Gegenruf der Abg. Gabriele Katzmarek [SPD]: Das braucht man sich nicht aufzuschreiben!)
Ich empfehle Ihnen einen Blick in die Drucksache 20/9000. Das ist der Sonderbericht der Bundesregierung zum Bürokratieabbau, den wir hier an dieser Stelle vor wenigen Wochen besprochen haben. Darin befinden sich über 100 Maßnahmen, die diese Regierung bereits umgesetzt hat oder die in der Umsetzung sind. Das heißt: Ihre Aussage, die Ampel mache nichts, läuft vollends ins Leere. Wir sind dran, und wir werden auch weiter dranbleiben.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD)
Sie sprechen in Ihrem Antrag von der Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren. Lassen Sie uns doch einmal ein paar Sachen aufzählen. Wir haben hier erst vor wenigen Wochen ein Riesenpaket beschlossen, das die Mobilitätswende voranbringt und endlich verlässliche Infrastruktur sichert – etwas, das Sie nicht hinbekommen haben. Dazu gehört auch das Genehmigungsbeschleunigungsgesetz.
Meine Damen und Herren, wir dürfen nach 16 Jahren verschleppter Strukturreformen in diesem Land nicht dieselben Fehler wiederholen. Die USA und China fördern Schlüsselindustrien so massiv wie lange nicht mehr. Das ist die Realität. Aber dieser Realität stellen wir uns. Dieser Realität stellt sich Robert Habeck. Das Wirtschaftsministerium hat ein Tempo vorgelegt, das seinesgleichen sucht. Die Windenergie- und Solarpakete für den Ausbau der Erneuerbaren, die Wärmeplanung, all das mussten wir angehen, weil Sie es nicht getan haben. Deswegen haben wir so viel zu tun an dieser Stelle.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Und ja, wenn wir den Anschluss an die Realität nicht verlieren wollen, dann müssen wir über die Schuldenbremse reden. Dann müssen wir darüber reden, wo wir in Zeiten von multiplen Krisen das Geld für die notwendigen Investitionen herbekommen.
(Thorsten Frei [CDU/CSU]: Krise ist immer dann, wenn Sie regieren, oder?)
Das sagen ja nicht nur die Grünen seit Jahren, sondern das sagen auch „Economist“ und „Financial Times“ – bekannte Ökosozialisten natürlich.
(Julia Klöckner [CDU/CSU]: Aber auch den Normenkontrollrat hätte er erwähnen sollen! Goldig!)
Zu guter Letzt: Wer Bürokratie abbaut, braucht Pragmatismus und Augenmaß. Wir dürfen nicht immer einfach nur Verfahren kürzen, weil klar ist: Wer weniger prüft, ist zwar schneller. Aber Schutzfunktionen haben ihre Gründe. Wir schützen Umwelt, Mieterinnen, Arbeitnehmer.
(Thorsten Frei [CDU/CSU]: Sie sind ja ein echter Entbürokratisierer! – Julia Klöckner [CDU/CSU]: Ein Herzensanliegen!)
Wir schützen Rechtsschutz und Beteiligung. Das haben wir bisher gemacht, und das werden wir auch weiterhin machen.
Vielen Dank.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP)
Vizepräsidentin Yvonne Magwas:
Einen schönen guten Tag von meiner Seite, liebe Kolleginnen und Kollegen und l
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