Protokoll der 91. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages
Text
Protokoll der 91. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages
Plenarprotokoll 21/91
Deutscher Bundestag
Stenografischer Bericht
91. Sitzung
Berlin, Dienstag, den 8. September 2026
Inhalt:
Begrüßung der neuen Abgeordneten Katrin Zschau
Glückwünsche zum Geburtstag der Abgeordneten Jan-Wilhelm Pohlmann, Svenja Stadler, Mandy Eißing, Kerstin Vieregge, Saskia Esken und Mechthild Heil
Erweiterung der Tagesordnung
Tagesordnungspunkt 1:
Eidesleistung des Bundesministers für Verkehr
Tagesordnungspunkt 2:
Eidesleistung des Bundesministers für Gesundheit
Präsidentin Julia Klöckner
Steffen Bilger, Bundesminister BMV
Dr. Carsten Linnemann, Bundesminister BMG
Zusatzpunkt 1:
Einspruch gegen eine Ordnungsmaßnahme gemäß § 39 der Geschäftsordnung
Tagesordnungspunkt 3:
a) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes über die Feststellung des Bundeshaushaltsplans für das Haushaltsjahr 2027 (Haushaltsgesetz 2027 – HG 2027)
Drucksachen 21/7300, 21/7650
b) Unterrichtung durch die Bundesregierung: Finanzplan des Bundes 2026 bis 2030
Drucksache 21/7301
Lars Klingbeil, Bundesminister BMF
Allgemeine Finanzdebatte (einschließlich Einzelpläne 08, 20, 32 und 60)
Tagesordnungspunkt 4:
Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Haushaltsbegleitgesetzes 2027
Drucksache 21/7860
Dr. Michael Espendiller (AfD)
Dr. Mathias Middelberg (CDU/CSU)
Dr. Sebastian Schäfer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Dr. Thorsten Rudolph (SPD)
Dr. Dietmar Bartsch (Die Linke)
Christian Haase (CDU/CSU)
Georg Schroeter (AfD)
Kathrin Michel (SPD)
Claudia Müller (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Florian Oßner (CDU/CSU)
Wolfgang Wiehle (AfD)
Elisabeth Kaiser, Staatsministerin BMF
Katharina Beck (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Dr. Matthias Hiller (CDU/CSU)
Frauke Heiligenstadt (SPD)
Einzelplan 12
Bundesministerium für Verkehr
Steffen Bilger, Bundesminister BMV
Wolfgang Wiehle (AfD)
Isabel Cademartori (SPD)
Tarek Al-Wazir (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Sascha Wagner (Die Linke)
Stephan Stracke (CDU/CSU)
Marcus Bühl (AfD)
Truels Reichardt (SPD)
Matthias Gastel (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Jorrit Bosch (Die Linke)
Carl-Philipp Sassenrath (CDU/CSU)
Stefan Henze (AfD)
Anja Troff-Schaffarzyk (SPD)
Dr. Paula Piechotta (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Carl-Philipp Sassenrath (CDU/CSU)
Henning Rehbaum (CDU/CSU)
Dr. Rainer Kraft (AfD)
Henning Rehbaum (CDU/CSU)
René Bochmann (AfD)
Stefan Seidler (fraktionslos)
Uwe Schmidt (SPD)
Alexis L. Giersch (AfD)
Florian Oßner (CDU/CSU)
Einzelplan 16
Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit
Carsten Schneider, Bundesminister BMUKN
Georg Schroeter (AfD)
Mark Helfrich (CDU/CSU)
Lorenz Gösta Beutin (Die Linke)
Claudia Müller (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Lorenz Gösta Beutin (Die Linke)
Christoph Schmid (SPD)
Lorenz Gösta Beutin (Die Linke)
Dr. Rainer Kraft (AfD)
Christoph Schmid (SPD)
Karsten Hilse (AfD)
Christian Moser (CDU/CSU)
Dr. Jan-Niclas Gesenhues (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Dr. Fabian Fahl (Die Linke)
Esra Limbacher (SPD)
Dr. Paul Schmidt (AfD)
Dr. Reza Asghari (CDU/CSU)
Karsten Hilse (AfD)
Dr. Reza Asghari (CDU/CSU)
Julia Schneider (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Violetta Bock (Die Linke)
Anna Aeikens (CDU/CSU)
Marcel Queckemeyer (AfD)
Dr. Thomas Gebhart (CDU/CSU)
Dr. Michael Blos (AfD)
Uwe Feiler (CDU/CSU)
Einzelplan 24
Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung
Dr. Karsten Wildberger, Bundesminister BMDS
Ruben Rupp (AfD)
Martin Gerster (SPD)
Ricarda Lang (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Sascha Wagner (Die Linke)
Ralph Brinkhaus (CDU/CSU)
Sergej Minich (AfD)
Armand Zorn (SPD)
Jeanne Dillschneider (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Sebastian Maack (AfD)
Jeanne Dillschneider (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Donata Vogtschmidt (Die Linke)
Dr. Konrad Körner (CDU/CSU)
Sonja Lemke (Die Linke)
Robin Jünger (AfD)
Dr. Carolin Wagner (SPD)
Franziska Hoppermann (CDU/CSU)
Parsa Marvi (SPD)
Mechthilde Wittmann (CDU/CSU)
Einzelplan 09
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
Katherina Reiche, Bundesministerin BMWE
Leif-Erik Holm (AfD)
Daniel Walter (SPD)
Katrin Uhlig (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Janine Wissler (Die Linke)
Dr. Klaus Wiener (CDU/CSU)
Wolfgang Wiehle (AfD)
Dr. Nina Scheer (SPD)
Dr. Rainer Kraft (AfD)
Dr. Nina Scheer (SPD)
Michael Kellner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Jörg Cezanne (Die Linke)
Michael Kießling (CDU/CSU)
Enrico Komning (AfD)
Sebastian Roloff (SPD)
Julian Joswig (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Hans Koller (CDU/CSU)
Lisa Badum (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Steffen Kotré (AfD)
Dr. Klaus Wiener (CDU/CSU)
Daniel Bettermann (SPD)
Erhard Brucker (AfD)
Carl-Philipp Sassenrath (CDU/CSU)
Dr. Malte Kaufmann (AfD)
Carl-Philipp Sassenrath (CDU/CSU)
Nächste Sitzung
Anlage
Entschuldigte Abgeordnete
Präsidentin Julia Klöckner:
Guten Morgen, alle zusammen! Hiermit eröffne ich die Sitzung und begrüße Sie. Willkommen zurück in Berlin! Ich hoffe, Sie und wir alle haben gute Gespräche aus den Wahlkreisen mitgebracht und bringen die Erkenntnisse hier in die Haushaltswoche mit ein.
Bevor wir in die Tagesordnung eintreten, begrüße ich sehr gerne eine neue Kollegin in unserer Mitte. Für den ausgeschiedenen Abgeordneten Frank Junge hat Katrin Zschau die Mitgliedschaft im Deutschen Bundestag erworben. Liebe Frau Kollegin Zschau, herzlich willkommen bei uns. Auf gute Zusammenarbeit!
(Beifall)
Außerdem haben wir noch einige Geburtstagsgratulationen. Wir haben hier die Tradition, dass den Anwesenden, die einen runden oder halbrunden Geburtstag haben, gratuliert wird, es sei denn, sie widersprechen. Nachträglich gratuliere ich dem Kollegen Jan-Wilhelm Pohlmann zum 40. Geburtstag – das darf gewürdigt werden –,
(Beifall)
der Kollegin Svenja Stadler zum 50. Geburtstag,
(Beifall)
der Kollegin Mandy Eißing ebenfalls zum 50. Geburtstag
(Beifall)
und auch der Kollegin Kerstin Vieregge zum 50. Geburtstag
(Beifall)
sowie der Kollegin Saskia Esken zum 65. Geburtstag
(Beifall)
und abschließend der Kollegin Mechthild Heil, ebenfalls zum 65. Geburtstag.
(Beifall)
Alles Gute im Namen des gesamten Hauses!
Ich komme nun, liebe Kolleginnen und Kollegen, zur Tagesordnung. Der Abgeordnete Martin Sichert hat fristgerecht Einspruch gegen den ihm in der 90. Sitzung erteilten Ordnungsruf eingelegt. Dem Einspruch wurde nicht abgeholfen. Der Einspruch wurde als Unterrichtung verteilt.
Gemäß § 39 unserer Geschäftsordnung ist der Einspruch auf die Tagesordnung zu setzen. Der Bundestag hat dann über den Einspruch ohne Aussprache zu entscheiden.
Die Entscheidung über den Einspruch wird als Zusatzpunkt 1 nach den Eidesleistungen aufgerufen.
Nun kommen wir zu den Eidesleistungen. Es war ein bewegter Sommer, auch mit Personalentscheidungen. Ich rufe deshalb die Tagesordnungspunkte 1 und 2 auf:
1 Eidesleistung des Bundesministers für Verkehr
2 Eidesleistung des Bundesministers für Gesundheit
Der Herr Bundespräsident hat mir mitgeteilt, dass er am 29. Juli 2026 gemäß Artikel 64 Absatz 1 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland auf Vorschlag des Herrn Bundeskanzlers den Bundesminister für Verkehr, Herrn Patrick Schnieder, die Bundesministerin für Gesundheit, Frau Nina Warken, und den Bundesminister für besondere Aufgaben, Herrn Thorsten Frei, aus ihren Ämtern als Bundesminister bzw. Bundesministerin entlassen hat.
An dieser Stelle möchte ich Ihnen, lieber Herr Patrick Schnieder, im Namen des gesamten Hauses für Ihre als Bundesminister geleisteten Dienste und die gute Zusammenarbeit sehr herzlich danken.
(Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der AfD)
Auch Ihnen, Herr Thorsten Frei, möchte ich für Ihre bisherige Arbeit als Bundesminister im Namen unseres Deutschen Bundestages danken. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und alles Gute für Ihre neue Aufgabe als Fraktionsvorsitzender.
(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Und ich darf auch Ihnen, Frau Nina Warken, im Namen des gesamten Hauses sehr herzlich danken für die geleisteten Dienste als Bundesministerin. Für Ihre neue Aufgabe wünsche ich Ihnen alles Gute.
(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Liebe Kolleginnen und Kollegen, der Herr Bundespräsident hat mir ebenfalls mitgeteilt, dass er am 29. Juli 2026 Herrn Steffen Bilger zum Bundesminister für Verkehr, Herrn Dr. Carsten Linnemann zum Bundesminister für Gesundheit und Frau Nina Warken zur Bundesministerin für besondere Aufgaben ernannt hat.
Nach Artikel 64 Absatz 2 des Grundgesetzes leistet ein neuer Bundesminister bei der Amtsübernahme den in Artikel 56 vorgesehenen Eid.
Frau Warken, Sie haben diesen Eid als Ministerin in dieser Wahlperiode bereits geleistet und werden deshalb nicht erneut vereidigt; das zur Erläuterung. Im Namen des gesamten Hauses möchte ich Ihnen für Ihre neue, verantwortungsvolle Aufgabe viel, viel Kraft wünschen.
Bevor ich Herrn Steffen Bilger zur Eidesleistung zu mir bitte, eine kurze Erläuterung noch für unsere Besucherinnen und Besucher: Ich werde den Ministern gleich eine Ausgabe unseres deutschen Grundgesetzes zur Eidesleistung vorhalten. Ich bitte die Mitglieder dieses Hauses, sich bei der Eidesleistung von den Plätzen zu erheben. Und ich darf auch die Besucherinnen und Besucher bitten, sich zu erheben. Es geht hier um einen besonderen Hoheitsakt. Sich zu erheben, ist auch Ausdruck dafür, dass man das anerkennt. Ganz herzlichen Dank.
Ich darf nun den Bundesminister Herrn Steffen Bilger zur Eidesleistung zu mir bitten.
(Die Anwesenden erheben sich)
Herr Bundesminister, ich möchte Sie bitten, den in unserem Grundgesetz vorgesehenen Eid hier vor der Öffentlichkeit zu leisten.
Steffen Bilger, Bundesminister für Verkehr:
Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde, so wahr mir Gott helfe.
Präsidentin Julia Klöckner:
Ich danke Ihnen, Herr Bundesminister. Sie haben den Eid, der in unserem Grundgesetz vorgesehen ist, geleistet. Ich wünsche Ihnen alles Gute, viel Kraft und Gottes Segen.
(Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken)
Ich darf nun den Bundesminister für Gesundheit, Herrn Dr. Carsten Linnemann, zu mir bitten.
Herr Bundesminister, ich bitte Sie, den in unserem Grundgesetz vorgesehenen Eid vor der Öffentlichkeit zu leisten.
Dr. Carsten Linnemann, Bundesminister für Gesundheit:
Frau Präsidentin, ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde, so wahr mir Gott helfe.
Präsidentin Julia Klöckner:
Herr Bundesminister, Sie haben den in unserem Grundgesetz vorgesehenen Eid geleistet. Ich wünsche Ihnen alles Gute. Herzlichen Glückwunsch! Gottes Segen für Ihre Arbeit.
(Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der AfD und der Linken)
Ich danke Ihnen allen.
Nun darf ich zu dem angekündigten Einspruch gemäß § 39 der Geschäftsordnung des Kollegen Martin Sichert kommen und rufe Zusatzpunkt 1 auf:
Einspruch gegen eine Ordnungsmaßnahme
gemäß § 39 der Geschäftsordnung
Der Einspruch wurde Ihnen als Unterrichtung verteilt. Der Bundestag hat über den Einspruch jetzt ohne Aussprache zu entscheiden. Deshalb kommen wir gleich zur Abstimmung.
(Dr. Michael Espendiller [AfD]: Was hat er denn gemacht?)
– Zu der Frage, was er denn gemacht hat: Das kann man nachlesen. Wie ich eben sagte, ist die Unterrichtung ausgeteilt worden. Sie können es gerne nachlesen.
Wer stimmt für den Einspruch des Abgeordneten Martin Sichert? – Wer stimmt dagegen? – Wer enthält sich? – Ich stelle das Ergebnis fest: Für den Einspruch des Abgeordneten Sichert hat die AfD-Fraktion gestimmt. Dagegen haben alle anderen gestimmt. Der Einspruch ist zurückgewiesen.
Ich rufe die Tagesordnungspunkte 3a und 3b auf:
a) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes über die Feststellung des Bundeshaushaltsplans für das Haushaltsjahr 2027 (Haushaltsgesetz 2027 – HG 2027)
Drucksachen 21/7300, 21/7650
Überweisungsvorschlag: Haushaltsausschuss
b) Beratung der Unterrichtung durch die Bundesregierung
Finanzplan des Bundes 2026 bis 2030
Drucksache 21/7301
Überweisungsvorschlag: Haushaltsausschuss
Im Rahmen der Haushaltsberatungen sind für die heutige Aussprache im Anschluss an die 45-minütige Einbringung des Haushaltes sieben Stunden und 30 Minuten, für Mittwoch acht Stunden, für Donnerstag neun Stunden sowie für Freitag vier Stunden und 30 Minuten vereinbart worden.
Das Wort hat nun zur Einbringung des Haushaltes der zuständige Bundesminister der Finanzen, Herr Lars Klingbeil. Bitte sehr.
(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU)
Lars Klingbeil, Bundesminister der Finanzen:
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich konnte diesen Sommer viel in unserem Land unterwegs sein: In meinem Wahlkreis in der Lüneburger Heide, in Wahlkämpfen, als Finanzminister auf meiner Investitionstour, die mich auch in den kommenden Monaten noch in viele Orte in unserem Land führen wird. Ich habe dabei viele Menschen getroffen, die sich Sorgen machen, Sorgen um ihren Arbeitsplatz, Sorgen um die Rente, Sorgen um die Sicherheit. Und immer wieder ergab sich die große Frage, die sich wie folgt zusammenfassen lässt: Kann unser Land in dieser neuen Welt eigentlich noch Schritt halten?
Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich erlebe Deutschland als ein Land mit Diskussionsbedarf, mit Redebedarf. Die Sorgen, die die Menschen haben, sind real. Aber bei vielen Begegnungen, die ich im Land habe, erlebe ich auch, wie viel Kraft in Deutschland steckt. Ich habe gesehen, wie investiert wird, wie Neues entsteht, wie Menschen anpacken. Nach Jahren, in denen eine Krise auf die nächste folgte, wächst an vielen Stellen in unserem Land wieder etwas, was uns viel zu lange gefehlt hat, nämlich Zuversicht. Genau darum geht es auch bei diesem Haushalt. Es geht um neues Vertrauen in unsere eigene Stärke.
Wenn wir über die Lage unseres Landes sprechen, dann ist die Wahrheit: Es ist nicht alles schwarz oder weiß. Ich erlebe Menschen mit Angst um ihren Arbeitsplatz in der Industrie, im Mittelstand. Die Zahl der Insolvenzen erreichte im ersten Halbjahr den höchsten Stand seit 2005. Gleichzeitig gab es im ersten Halbjahr 2026 mehr als 350 000 Neugründungen von Gewerben; gut 8 Prozent mehr als im Vorjahr. Bei den Start-ups sehen wir einen Rekordwert mit mehr als 3 000 Neugründungen in den ersten sechs Monaten. Bei den sogenannten Unicorns, also den Start-ups mit einem Wert von über 1 Milliarde Euro, sind wir inzwischen die Nummer eins in Europa.
(Zuruf von der Linken: Donnerwetter!)
Ich erlebe, dass unsere Wirtschaft wegen der Handelskonflikte weniger nach China exportiert und weniger Geschäfte in den USA macht. Wir in Deutschland haben diese Handelskonflikte nicht zu verantworten, aber wir sehen, dass sie hier Arbeitsplätze und Wohlstand kosten. Gleichzeitig erlebe ich, wie die Wirtschaft darauf reagiert, wie Unternehmen neue Märkte und Handelspartner in der Welt finden, wie sie stärker das Potenzial des europäischen Binnenmarktes nutzen. Wo Türen zugehen, da öffnen sich neue. Im Juni haben deutsche Unternehmen mehr exportiert als je zuvor. „Made in Germany“ ist gefragt, liebe Kolleginnen und Kollegen, gerade jetzt.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Aktuell korrigieren die Wirtschaftsinstitute ihre Prognosen reihenweise nach oben. Das hat auch mit unserem Handeln hier zu tun. Die öffentlichen Investitionen zeigen Wirkung, und die Reformen, die wir auf den Weg gebracht haben, tragen dazu bei.
Ich treffe Unternehmerinnen und Unternehmer, die sich über den Standort beschweren und mit dem Abbau von Arbeitsplätzen drohen. Ich will das hier sagen: Manche Kritik, die uns von dort entgegenschlägt, ist auch berechtigt.
(Jörn König [AfD]: Nein!)
Aber genauso treffe ich Unternehmerinnen und Unternehmer, die sagen: „Wir investieren gerade jetzt in Deutschland“, weil sie an das Talent, an die Ideen und an die Leistungsbereitschaft der Menschen hier in unserem Land glauben – Investoren, die Rechenzentren bauen, Start-ups, die die Robotik von morgen entwickeln und dabei auf die besten Köpfe und die besten Ideen in unserem Land setzen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, das ist der Standortpatriotismus, den ich mir wünsche. Kein Schönreden. Die Probleme sehen. Verantwortung übernehmen – hier investieren, hier Arbeitsplätze schaffen, hier etwas Neues aufbauen. Davon brauchen wir mehr in unserem Land. Und dafür arbeiten wir als Koalition.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Alle diese Begegnungen, die ich hier beschreibe, zeigen mir dabei eins: Unser Land ist nicht entweder verunsichert oder zuversichtlich. Nein, es ist beides gleichzeitig. Das spüren wir doch alle. Das ist die Realität in Deutschland im Jahr 2026. Gute Politik heißt daher für mich, mit beidem umzugehen, mit Empathie auf die Fragen und die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger zu reagieren und gleichzeitig so zu handeln, dass die Chancen auf eine gute Zukunft in unserem Land größer werden.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich erlebe übrigens auch, dass sich Menschen in unserem Land Sorgen machen um ihre Zukunft, weil rassistische Anfeindungen und völkisches Gedankengut für sie wieder stärker zur Herausforderung im Alltag werden. Viele von ihnen oder ihre Familien haben unser Land mit aufgebaut. Sie sind nach Deutschland gekommen, haben dieses Land wirtschaftlich stärker, kulturell reicher gemacht. Sie sind stolz darauf, Teil unseres Landes zu sein.
(Dr. Bernd Baumann [AfD]: Reden Sie mal von den Clans!)
Ich finde: Auch wir sollten stolz darauf sein, dass diese Menschen Teil unseres Landes sind.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken)
In diesem Jahr feiern wir 65 Jahre Anwerbeabkommen mit der Türkei. Millionen Menschen sind gekommen, haben hier gearbeitet, Familien gegründet, Unternehmen aufgebaut und Deutschland dabei zu ihrem Zuhause gemacht. Das ist Teil unserer gemeinsamen deutschen Geschichte. Deswegen muss gerade in diesen Tagen klar sein: Wir akzeptieren in der Demokratie keinen Rassismus und keine Politik der Ausgrenzung. Wir akzeptieren nicht, wenn von rechts außen unser Land in ein „wir“ und ein „die anderen“ eingeteilt wird. Wir akzeptieren nicht, wenn Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Hautfarbe, ihrer Religion oder ihrer sexuellen Identität ausgegrenzt werden.
(Jörn König [AfD]: Ihr grenzt uns aus!)
Wer zu Deutschland gehört, das entscheidet sich nicht an einem Nachnamen, der Hautfarbe oder daran, wo die Eltern geboren sind. Unser „wir“ ist größer, liebe Kolleginnen und Kollegen.
(Beifall bei der SPD, der CDU/CSU und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Unser Land steht im Jahr 2026 vor Herausforderungen. Deutschland findet und Deutschland erfindet sich gerade neu in einer Welt, die radikal anders geworden ist. Russlands Krieg gegen die Ukraine bedroht Deutschland und Europa. Ja, wir sind mittendrin, unsere Sicherheitspolitik neu auszurichten. Die US-Zölle und die aggressive chinesische Industrie- und Wechselkurspolitik zerstören Arbeitsplätze hier in unserem Land. Deswegen sind wir mittendrin, unsere Wirtschaftspolitik neu auszurichten. Kriege und Konflikte, etwa der sinnlose Krieg im Iran, unterbrechen Lieferketten und machen fossile Energie und damit das Leben auch hier bei uns in Deutschland teurer. Deswegen sind wir mittendrin, uns unabhängiger zu machen, indem wir auf erneuerbare Energien setzen.
Aber zur Wahrheit gehört auch, liebe Kolleginnen und Kollegen, dass wir uns in Deutschland zu lange auf dem Status quo ausgeruht haben. Mir geht es überhaupt nicht darum, Schuldige zu suchen. Aber wir brauchen hier die gemeinsame Feststellung und den gemeinsamen Geist, dass jetzt die notwendigen Schritte unternommen werden müssen, um unser Land nach vorne zu bringen. Ich finde, es reicht nicht mehr, dass wir uns von Krise zu Krise hangeln. Wir müssen unsere eigene Stärke erhöhen und unsere eigene Resilienz in einer unsicheren Welt stärken und dafür politische Entscheidungen treffen.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU – Dr. Alice Weidel [AfD]: Erzählen Sie uns mal etwas zu den Finanzen! Zahlen!)
Meine Vision ist ein Deutschland der Zukunft, das souverän und krisenfest ist, ein starkes Land, das innovativ und dabei auch sozial ist.
Der Regierungsentwurf des Bundeshaushaltes 2027 zeigt, wie herausfordernd die Zeiten sind, in denen wir heute handeln müssen.
(Dr. Alice Weidel [AfD]: Wo ist denn der Finanzplan des Bundes?)
Dieser Haushalt folgt aber klaren Prinzipien: Wir investieren in unsere Zukunft. Wir investieren in unsere Sicherheit. Und wir schaffen uns Freiheit, damit wir auch morgen noch handeln können.
(Dr. Michael Espendiller [AfD]: Wie mit den ganzen Schulden? Die müssen wir zurückzahlen! Das Einzige, was wächst, sind die Zinsen!)
Dieser Haushalt bildet ein neues Fundament für Wachstum, für Beschäftigung und für soziale Sicherheit. Dieser Haushalt spiegelt wider, wie sehr sich Dinge in unserem Land verändern, wo die Herausforderungen, aber auch die Chancen liegen.
Lassen Sie mich bei der Beschreibung des Haushaltes mit den Chancen beginnen. Wir bauen die Infrastruktur von morgen. Wir machen aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität ein einzigartiges Zukunftsprogramm für unser Land.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU – Georg Schroeter [AfD]: Schulden! Schulden!)
Und ja, um den Investitionsstau in unserem Land hinter uns zu lassen, nehmen wir Schulden auf. Die Gegner dieses Sondervermögens, die jetzt die Schulden kritisieren,
(Dr. Michael Espendiller [AfD]: Ja! – Dr. Bernd Baumann [AfD]: Die haben wir vorher auch kritisiert!)
sind die gleichen Leute, die mit ihrer Ideologie dafür gesorgt haben, dass die Infrastruktur in unserem Land viel zu lange vernachlässigt wurde, liebe Kolleginnen und Kollegen.
(Beifall bei der SPD – Zurufe von der AfD)
Diese Ideologie trägt Verantwortung dafür, dass der Alltag für viele Bürgerinnen und Bürger heute schwerer geworden ist, Verantwortung dafür, dass Unternehmen ein langsames Internet, schlechte Transportwege oder Familien mangelnde Betreuungsmöglichkeiten für die Kinder haben.
(Dr. Bernd Baumann [AfD]: Dafür tragen Sie die Verantwortung! Sie haben regiert! – Georg Schroeter [AfD]: Ihr wart doch die ganze Zeit in der Regierung!)
Ich will das hier sehr klar sagen: Die schwarze Null wurde zu einem Fetisch. Als die Zinsen fast bei null lagen, hätten wir investieren können.
(Dr. Bernd Baumann [AfD]: Gesunde Haushaltspolitik!)
Das haben wir verschlafen.
Diese Regierung holt das jetzt aber auf, liebe Kolleginnen und Kollegen.
(Beifall bei der SPD – Lachen bei Abgeordneten der AfD – Marcel Queckemeyer [AfD]: Was für ein Traumtänzer!)
Es ist richtig, dass wir in unsere Zukunft investieren und dass mit der zukunftsfeindlichen Politik der letzten Jahre Schluss ist.
(Dr. Bernd Baumann [AfD]: Sie haben doch regiert! – Dr. Michael Espendiller [AfD]: Wie wollen Sie denn die 80 Milliarden Euro Zinsen bezahlen, die bis 2030 rauskommen?)
Wir bringen die Infrastruktur in unserem Land durch Investitionen jetzt auf Vordermann. Bis Ende Juli konnten bereits mehr als 50 Milliarden der 500 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen investiert werden.
(Marcel Queckemeyer [AfD]: Aus den Sonderschulden!)
Die Bagger rollen. Brücken und Schienen werden repariert, Schulen, Kitas, Krankenhäuser werden saniert,
(Dr. Bernd Baumann [AfD]: Haushaltslöcher werden gestopft!)
Feuerwehrhäuser, Sportplätze und bezahlbare Wohnungen neu gebaut.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir alle sehen das doch in unseren Wahlkreisen: Die Mittel kommen vor Ort an. Gleichzeitig sehen wir aber, wie groß der Bedarf ist. In Mecklenburg-Vorpommern zum Beispiel werden nun 38 Feuerwehrgerätehäuser modernisiert, sieben Polizeistandorte auf Stand gebracht und 600 Millionen Euro aus dem Sondervermögen genutzt, um Schulen zu sanieren. Das sind wertvolle Investitionen in den Zusammenhalt und in die Modernisierung unseres Landes. Es ist gut, dass wir das umsetzen.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Die Investitionen sind heute der entscheidende Wachstumsimpuls. Die neuen Wachstumszahlen der Institute zeigen, da sind sich die Ökonomen einig: Es sind unsere Investitionen, die die Wirtschaft ankurbeln.
(Dr. Michael Espendiller [AfD]: Es sind die Sonderschulden! Das ist kein nachhaltiges Wachstum, Herr Minister! Das ist ein Strohfeuer!)
Das haben wir hier im Deutschen Bundestag gemeinsam entschieden. Und ich sage in aller Klarheit: Diese Investitionen sind gut für unser Land.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Deutschland baut, und Deutschland baut vor allem Dinge, die uns allen gehören: die Kita, in die unsere Kinder gehen, die Brücke, über die wir fahren, das Krankenhaus, auf das alle angewiesen sein könnten, die Bahn, die Menschen miteinander verbindet. Diese Investitionen sind das Fundament für eine gute Zukunft unseres Landes.
Diesen Investitionskurs führen wir konsequent fort. 2027 stehen insgesamt 118 Milliarden Euro für Investitionen zur Verfügung. Im Kernhaushalt belaufen sich die Investitionen stabil auf rund 50 Milliarden Euro. Wir investieren weiter in die wirtschaftliche Stärke und eine lebenswerte Zukunft:
17,7 Milliarden Euro allein aus dem Sondervermögen gehen 2027 in Schienen, in Brücken, in Tunnel, in Straßen, in Wasserwege.
(Dr. Michael Espendiller [AfD]: Da haben Sie doch vorher beim Verkehr gekürzt!)
9 Milliarden Euro gehen in die Digitalisierung, etwa für schnelles Internet oder eine moderne Verwaltung.
(Dr. Michael Espendiller [AfD]: Da haben Sie auch im Kernhaushalt gekürzt!)
Wir investieren mehr in künstliche Intelligenz, in Rechenzentren, in Hightech.
(Dr. Michael Espendiller [AfD]: Auch da haben Sie im Kernhaushalt gekürzt!)
Mit dem Sondervermögen steigern wir die Investitionen in Forschung und Entwicklung,
(Dr. Michael Espendiller [AfD]: Auch das haben Sie gekürzt!)
im Jahr 2027 um 60 Prozent im Vergleich zu 2026. So fördern wir beispielsweise ein KI-Datenzentrum in Berlin, und in Sachsen fördern wir Europas größtes Halbleiterprojekt. Damit bauen wir die deutsche Führungsposition in Europa weiter aus.
3,5 Milliarden Euro gehen in die Modernisierung unserer Krankenhäuser, damit es für alle in unserem Land eine gute Gesundheitsversorgung geben kann.
Im Kernhaushalt erhöhen wir die Mittel für den sozialen Wohnungsbau noch einmal um 25 Prozent auf 5 Milliarden Euro. Die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum ist eine der drängendsten Fragen unserer Zeit,
(Jörn König [AfD]: Warum wohl?)
und darauf reagiert diese Koalition.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Und, liebe Kolleginnen und Kollegen, wir investieren massiv in den Klimaschutz. Wir waren es, die den Klima- und Transformationsfonds mit über 100 Milliarden Euro ausgestattet und damit Investitionen in den Klimaschutz für die nächsten Jahre sichergestellt haben. Wir fördern die Elektromobilität und den Ausbau der Energienetze. Das ist nicht nur gute Klimapolitik, sondern auch eine Politik für Wachstum, für Wirtschaft und für Arbeitsplätze.
(Zuruf von der AfD: Ihr seid die Besten!)
Ich erinnere mich aber auch, dass bei den Koalitionsverhandlungen über die Frage gerungen wurde, ob man von dem Ziel abrücken sollte, 2045 klimaneutral zu sein. Für mich ist sehr klar: Wir müssen an diesen Klimazielen festhalten. Man muss sich nur die Situation im Sommer ansehen; in diesem Jahr knapp 16 000 Hitzetote, Niedrigwasser und Waldbrände. Es ist für mich absolut richtig, dass wir einen konsequenten Weg beim Klimaschutz gehen, liebe Kolleginnen und Kollegen.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Genauso wichtig ist: Wir investieren in Familien, in gute Chancen für unsere Kinder und Enkel. Wir erhöhen das BAföG und ermöglichen damit mehr jungen Menschen ein Studium.
(Dr. Michael Espendiller [AfD]: Und Sie kürzen das Elterngeld!)
3,5 Milliarden Euro gehen in den Ausbau von Ganztagsgrundschulen, und weitere 1,4 Milliarden Euro stellen wir aus dem Sondervermögen für Kitas, für Schulen und für Hochschulen zur Verfügung. 1,5 Milliarden Euro für die Kitabetreuung stellen wir vom Bund den Ländern zur Verfügung.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir investieren in unsere Kommunen. 100 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen stehen den Ländern zur Verfügung. Viele Bundesländer haben sich entschieden, davon mindestens 60 Prozent an die Kommunen weiterzugeben. Das ist wichtig, um die Handlungsfähigkeit der Kommunen zu stärken. Das Sondervermögen ist dafür ein wichtiger Schritt. Ich will hier aber auch betonen: Es darf nicht der einzige Schritt sein. Wir brauchen handlungsfähige Kommunen, und da sind wir als Bund mit den Ländern in der Verantwortung.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Ja, ich bin stolz darauf, dass wir diesen Investitionsrückstand beenden. Eine Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung hat gerade gezeigt,
(Dr. Alice Weidel [AfD]: Noch keine Zahl!)
dass wir mehr als je zuvor in Bildung, in Digitalisierung, in Klimaschutz investieren.
(Dr. Alice Weidel [AfD]: 20 Minuten und keine Zahl, Herr Finanzminister!)
Die Zukunftsquote liegt so hoch wie noch nie. Mit dem Sondervermögen haben wir sichergestellt, dass das kein Strohfeuer ist, sondern dass dieser Weg in den nächsten Jahren konsequent weitergegangen wird.
(Dr. Alice Weidel [AfD]: Mit Schulden! – Dr. Michael Espendiller [AfD]: Natürlich ist das Geld weg! Was wollen Sie denn dann machen?)
Natürlich braucht es Zeit, bis die Investitionen überall ankommen und umgesetzt sind. Aber wir müssen weiter Tempo machen, schneller planen, schneller genehmigen, schneller bauen.
(Dr. Alice Weidel [AfD]: Mit einem verfassungswidrigen Haushalt!)
Dafür haben wir hier im Deutschen Bundestag – ich will mich bei den Fraktionen dafür bedanken – die Gesetze geändert.
(Dr. Alice Weidel [AfD]: Mit dem Sie den diesen verfassungswidrigen Haushalt möglich gemacht haben! – Dr. Bernd Baumann [AfD]: Mit den Linken und den Grünen und der CDU!)
Und es bleibt unsere Pflicht, dass wir Hindernisse aus dem Weg räumen, um unser Land weiter modernisieren zu können.
Wenn ich in der Welt unterwegs bin, dann bekomme ich oft mit, wie andere auf uns schauen.
(Dr. Alice Weidel [AfD]: Auf einen verfassungswidrigen Haushalt!)
Sie sehen Deutschland als einen attraktiven Standort. Sie sehen, welch hohe Innovationskraft, welch hochqualifizierte Beschäftigte und welch starke Unternehmen wir in Deutschland haben.
(Dr. Alice Weidel [AfD]: Wann kommen denn jetzt die Zahlen?)
Ich will, dass wir diese riesengroßen Potenziale für unser Land nutzen. Für mich als Finanzminister heißt das:
(Dr. Alice Weidel [AfD]: Zahlen!)
Wir müssen noch viel besser werden, wenn es um private Investitionen geht.
(Dr. Alice Weidel [AfD]: Immer noch keine Zahlen!)
Wir brauchen mehr Kapital für Wachstum und für Innovation.
(Dr. Bernd Baumann [AfD]: Das verbrauchen Sie doch, das Kapital! – Dr. Michael Espendiller [AfD]: Und kürzen doch das Kindergeld! – Dr. Alice Weidel [AfD]: Wie viel denn? Mal eine Zahl!)
– Was sind Sie denn heute so nervös?
(Dr. Alice Weidel [AfD]: Sie sollen doch einfach eine Zahl nennen!)
Hören Sie doch auf, dazwischenzubrüllen.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Seien Sie ein bisschen anständig! Sie kommen doch noch zu Wort.
(Dr. Alice Weidel [AfD]: Zahlen! – Dr. Michael Espendiller [AfD]: Sie sind Finanzminister! Sie sollen zum Haushalt sprechen!)
Präsidentin Julia Klöckner:
Ganz kurz, Herr Bundesminister. –
(Dr. Alice Weidel [AfD]: Er sagt nichts zu den Zahlen!)
Kolleginnen und Kollegen der AfD, Sie sind als Nächstes dran. Und dann können Sie all das, was Ihnen auf der Seele brennt,
(Dr. Alice Weidel [AfD]: Zahlen!)
in Ihre Reden hineinlegen.
(Dr. Alice Weidel [AfD]: Er muss die Zahlen nennen! Er ist der Finanzminister! Es ist eine Haushaltsdebatte!)
Bitte sehr, Herr Bundesminister.
Lars Klingbeil, Bundesminister der Finanzen:
Ich will, dass Start-ups, die hier in Deutschland gegründet werden, auch hier in Deutschland wachsen und eben nicht in die USA oder nach Asien abwandern. Ich will mich nicht damit abfinden, dass die Forschung für künstliche Intelligenz zwar hier gefördert wird, aber die Geschäftsmodelle dann woanders entstehen.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU – Dr. Alice Weidel [AfD]: Das hat alles keinen Zweck!)
Ich sage auch sehr klar: Das ist für mich nicht nur eine wirtschaftliche Frage, sondern auch eine gesellschaftliche Frage; denn ich will nicht, dass am Ende Menschen wie Peter Thiel oder Elon Musk in der Hand haben, wie sich unsere Wirtschaft und unsere Gesellschaft im digitalen Zeitalter entwickeln. Zwei Männer, die wenig von der Demokratie halten. Zwei Männer, die von Wettbewerb reden, aber in Monopolen arbeiten. Die Konzentration von Macht, Geld und Ideologie in den Händen von so wenigen Männern halte ich für demokratiegefährdend.
(Beifall bei der SPD sowie des Abg. Dr. Dietmar Bartsch [Die Linke])
Deswegen müssen wir in unserem Land investieren, damit wir hier stärker werden. Wir müssen an unserer eigenen Stärke arbeiten, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Unsere Forschungslandschaft zeigt: Ideen und Talent haben wir. Wir sind in Europa 27 Mitgliedstaaten mit 450 Millionen Bürgerinnen und Bürgern. Wir sind eine Macht. Wir sind der zweitgrößte Markt der Welt, und Partner wie Kanada, Australien und Brasilien wollen mit uns zusammenarbeiten und suchen den Kontakt. Wir sollten ihre ausgestreckte Hand annehmen. Wir sollten selbstbewusster auftreten und zeigen, dass sich Freiheit, Demokratie und eine starke soziale Marktwirtschaft im digitalen Zeitalter behaupten können.
(Dr. Alice Weidel [AfD]: Was für ein Finanzminister!)
Dafür müssen wir hier die Entscheidung treffen. Und das, liebe Kolleginnen und Kollegen, tun wir mit diesem Haushalt.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Und ja,
(Dr. Alice Weidel [AfD]: Jetzt kommt die Zahl!)
wir brauchen Kapital – Geld, um zu investieren, Geld, um zu wachsen.
(Dr. Alice Weidel [AfD]: Viel!)
Vielen Unternehmen fehlt dann aber auch das Kapital für den nächsten Wachstumsschritt. Genau das will ich ändern. Deswegen arbeitet die Bundesregierung mit Hochdruck daran, dass die Kapitalmarktunion in Europa vorangebracht wird. Es ist ein wirklicher Gamechanger, wenn wir mit 27 europäischen Staaten einen gemeinsamen Kapitalmarkt haben.
(Dr. Alice Weidel [AfD]: Kapitalmarktunion! Ja, das ist ein richtiger Gamechanger!)
Mit dem Zukunftsfonds mobilisieren wir Milliarden an Wachstumskapital und Wagniskapital. Wir haben die private Altersvorsorge neu aufgestellt, sodass auch private Sparerinnen und Sparer dazu beitragen können, dass Milliarden für Investitionen bereitstehen.
(Dr. Alice Weidel [AfD]: Das ist zum Fremdschämen! Die gesamte Regierung hier!)
Es ist der richtige Weg, neben den öffentlichen Investitionen auch mehr private Investitionen zu ermöglichen.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, so kraftvoll, wie wir in Infrastruktur und Innovation investieren,
(Dr. Alice Weidel [AfD]: Sie verschulden sich kraftvoll!)
so kraftvoll investieren wir auch in unsere Sicherheit und in die Verteidigungsfähigkeit.
(Zuruf des Abg. Marcel Queckemeyer [AfD])
Und ja, auch hier gilt: Das kostet Geld.
Die Ausgaben für Verteidigung steigen im Jahr 2027 und bis 2029, wenn wir die NATO-Quote von 3,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes erreichen. Wir kommen unseren internationalen Verpflichtungen nach. Aber ich will es hier in aller Deutlichkeit sagen: Wir investieren nicht in unsere Verteidigung, um Krieg zu führen. Wir investieren in unsere Verteidigung, damit kein Mensch mehr in Deutschland Krieg erleben muss, liebe Kolleginnen und Kollegen. Deswegen ist es wichtig, dass wir in die Verteidigung investieren.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Die letzten Tage und Wochen haben doch gezeigt, wie dringend das ist. Russlands Krieg macht nicht an der Grenze der Ukraine halt. Die hybriden Angriffe häufen sich überall in Europa.
(Dr. Alice Weidel [AfD]: Eine Finanzdebatte ohne Zahlen!)
Sie richten sich nun auch ganz direkt gegen uns. Der gescheiterte Drohnenangriff in Leipzig war ein Einschnitt.
(Zuruf von der AfD: Habt ihr Beweise?)
Darauf haben wir als Bundesregierung, eng abgestimmt mit unseren internationalen Partnern, reagiert mit angemessenen und konsequenten Maßnahmen. Wir machen uns vor Putin nicht klein, liebe Kolleginnen und Kollegen. Dafür tragen wir Verantwortung, und diese Verantwortung nehmen wir wahr.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Mit der Änderung der Schuldenbremse haben wir die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass wir das Geld in die Hand nehmen können, das es braucht. „Whatever it takes“ hat der Bundeskanzler es genannt. Whatever it takes: Wir tun das, was es braucht, um Freiheit und Sicherheit zu gewährleisten. Wir holen auf, was jahrzehntelang versäumt wurde. Wir investieren in unsere Bundeswehr,
(Zurufe der Abg. Dr. Michael Espendiller [AfD] und Dr. Alice Weidel [AfD])
und wir halten Schritt mit technologischen Innovationen und legen einen größeren Fokus auf die Abwehr von Drohnen und Cyberangriffen. Whatever it takes:
(Dr. Alice Weidel [AfD]: Was ist denn das für ein Redenschreiber?)
Das heißt auch, neue Schulden zu machen. Ohne neue Schulden sich zu verteidigen, ist wie ohne Rakete zum Mond zu fliegen, liebe Kolleginnen und Kollegen.
(Dr. Alice Weidel [AfD]: Das ist aber schön! – Dr. Bernd Baumann [AfD]: Das ist doch Unsinn! Die ganze Bundeswehr ist ohne Schulden aufgebaut worden!)
Klar ist aber auch – und da sind Boris Pistorius und ich uns einig –: Wenn wir so viel Geld in die Hand nehmen, dann wollen wir auch, dass Arbeitsplätze hier entstehen.
(Dr. Alice Weidel [AfD]: Was ist denn das für ein Unsinn?)
Wenn wir so viel Geld in die Hand nehmen, wollen wir sehen, dass Innovationen, beispielsweise im Bereich der künstlichen Intelligenz, hier bei uns entstehen.
(Dr. Alice Weidel [AfD]: Natürliche Intelligenz wäre gut!)
Mein Anspruch ist, dass die Verteidigungsausgaben auch unsere deutsche und europäische Souveränität steigern.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir leben nach wie vor in einem angespannten wirtschaftlichen Umfeld.
(Dr. Alice Weidel [AfD]: Sehr angespannt!)
Die deutsche Wirtschaft ist in den letzten Jahren kaum gewachsen. Insbesondere die Coronapandemie, aber auch die Energiekrise zu Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine haben uns als Land gefordert. Wir mussten die Bürgerinnen und Bürger und die Unternehmen mit vielen Hunderten Milliarden Euro entlasten. Das war richtig. Wir haben das Land in einer schwierigen Phase zusammengehalten.
Aber ja, das hat auch Lücken in den Haushalt gerissen. Für 2027 ist es uns gelungen, eine Lücke von rund 34 Milliarden Euro zu schließen. Das waren harte Verhandlungen in der Koalition, die jetzt sicherlich auch im Parlament noch weitergehen. Das waren schmerzhafte Kompromisse, die uns abverlangt wurden. In einer angespannten Haushaltslage mussten wir priorisieren und dabei auch die Einnahmebasis stärken. Es ist die Pflicht dieser Regierung und auch von mir als Finanzminister, den Haushalt in den Griff zu bekommen. Und das heißt dann beispielsweise auch, dass bei Finanzhilfen und Subventionen gekürzt werden muss – und vor allem dort, wo nur wenige einen Vorteil haben, aber alle die Kosten tragen.
Wir investieren jetzt kräftig in die Zukunft unseres Landes, und gleichzeitig bringen wir die laufenden Ausgaben wieder unter Kontrolle. Beides gehört zusammen. Wir investieren dort, wo Deutschland stärker werden muss. Wir reformieren dort, wo Strukturen nicht mehr funktionieren. Und wir sorgen dafür, dass Menschen auch in Zukunft eine stabile Rente, ein gutes Gesundheitssystem und eine würdige Pflege im Alter haben werden.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Wenn ich jetzt bei der Rente bin, lassen Sie mich einige Punkte nennen: Die gesetzliche Rente bleibt die wichtigste Säule der Altersversorgung. Mit den Vorschlägen der Rentenkommission werden wir die umlagefinanzierte gesetzliche Rente durch einen kapitalgedeckten Baustein ergänzen, damit langfristig das Rentenniveau der heute Jüngeren wieder steigt. Mit der Reform der privaten Altersvorsorge machen wir zum 01.01.2027 die private Vorsorge so einfach zugänglich wie nie zuvor, damit auch die etwas fürs Alter sparen können, die nicht viel verdienen. Mit der Frühstartrente investieren wir von klein auf in eine gute Altersversorgung aller Kinder, die in unserem Land geboren werden.
(Zuruf des Abg. Stefan Schmidt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Die Betriebsrente soll bei mehr Unternehmen zum Einsatz kommen. Und mit der Einführung der Aktivrente haben wir es lukrativer und attraktiver gemacht, dass Rentnerinnen und Rentner sich im Alter noch etwas hinzuverdienen können.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Das sind die Fortschritte, die wir in der Rente schon jetzt verabredet haben.
Ich will aber auch in aller Klarheit und Deutlichkeit sagen: Was wir nicht zulassen werden – und da sind wir uns in der Spitze der Koalition einig –, ist, dass unter dem Schlagwort „Reformen“ ein systematischer Abbau unseres Sozialstaates betrieben wird.
(Beifall bei der SPD sowie der Abg. Dr. Anja Weisgerber [CDU/CSU])
Wir brauchen einen funktionierenden Sozialstaat, damit Deutschland ein starkes Land sein kann. Eine gute Kinderbetreuung: Das ist der Sozialstaat. Lohnfortzahlung, wenn man krank ist: Das ist der Sozialstaat. Kurzarbeitergeld, wenn eine Krise Arbeitsplätze bedroht: Das ist der Sozialstaat. Dass man bei einer Krebserkrankung nicht auch noch finanziell ins Bodenlose fällt und dem Ruin entgegensieht: Das ist der Sozialstaat.
Das gehört zu einem starken Deutschland, und wir wollen ein soziales Land bleiben. Das macht Deutschland aus, und dafür steht diese Koalition, liebe Kolleginnen und Kollegen.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU – Dr. Bernd Baumann [AfD]: Sagen Sie mal was zu den Clans!)
Gleichzeitig müssen wir den Bundeshaushalt in den Griff bekommen, damit wir dauerhaft ein solides Fundament haben.
(Dr. Alice Weidel [AfD]: Jetzt kommen die Zahlen – endlich! Reden wir endlich über den Bundeshaushalt!)
Ein Staat, der seinen gesamten finanziellen Spielraum für die laufenden Kosten verbraucht, der verliert irgendwann die Fähigkeit, seine Zukunft zu gestalten. Wir konsolidieren, damit wir wieder mehr gestalten können.
(Dr. Michael Espendiller [AfD]: Konsolidiert wird da gar nichts!)
Investieren und konsolidieren gehören deshalb zusammen. Wir investieren heute in die Stärke von morgen, und wir schaffen gleichzeitig die finanziellen Spielräume, die dieses Land auch in Zukunft braucht.
(Dr. Michael Espendiller [AfD]: Hä? – Dr. Alice Weidel [AfD]: Sie machen ja das Gegenteil!)
Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich habe davon gesprochen, dass Abstiegsängste gerade genauso real sind wie die Zuversicht in unserem Land, die Zuversicht, dass es besser werden kann.
(Dr. Bernd Baumann [AfD]: Ja, das merken Sie ja bei den Wahlen!)
Alle wissen und spüren: Veränderungen kommen. Die entscheidende Frage ist, ob Menschen Fortschritt als Bedrohung oder Fortschritt als Verbesserung erleben. Deswegen tragen wir in der Politik eine besondere Verantwortung. Veränderung muss gerecht sein. Sie darf nicht dazu führen, dass die einen immer neue Chancen bekommen und die anderen das Gefühl haben, dass sie zurückbleiben. Um dieses Versprechen glaubhaft rüberzubringen und auch vorzuleben, haben wir als Bundesregierung eine besondere Verantwortung.
Wenn wir Vertrauen für die notwendigen Veränderungen zurückgewinnen wollen, muss die Frage der Gerechtigkeit in den Mittelpunkt gerückt werden. Das muss der Maßstab aller Entscheidungen sein. Dazu gehört eine gute öffentliche Infrastruktur, die Teilhabe und Chancen ermöglicht. Aber Gerechtigkeit zeigt sich doch gerade auch an diesen Stellen: der Bibliothek, dem Schwimmbad, einer guten Schule, einer guten Kita, dem Sportplatz um die Ecke. Wer viel Geld hat, kann sich diese Leistungen auch privat kaufen. Aber die allermeisten Menschen in unserem Land sind darauf angewiesen, dass unser Gemeinwesen funktioniert. Deswegen ist die Investitionsoffensive auch eine Gerechtigkeitsoffensive, liebe Kolleginnen und Kollegen.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU – Dr. Alice Weidel [AfD]: Jetzt kommen aber endlich die Zahlen!)
Mir ist wichtig, dass die Reformvorhaben dieser Regierung eng mit den Gewerkschaften und den Arbeitgebern abgestimmt sind. Unterschiedliche Perspektiven und Interessen müssen an einen Tisch. Der Dialog, den wir mit den Sozialpartnern begonnen haben, bleibt deswegen wichtig. Es ist doch das Wesen unserer Demokratie, dass am Ende nicht der eine den anderen dominiert, sondern dass unser Land davon lebt, dass aus verschiedenen Interessen eine gemeinsame Entscheidung wird. Und genau das ist die Stärke unserer Demokratie. Diese Fähigkeit zum demokratischen Kompromiss dürfen wir in unserer Gesellschaft, aber auch hier im Parlament nicht verlieren, liebe Kolleginnen und Kollegen.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Wer arbeitet und dieses Land am Laufen hält, hat das Recht auf Respekt, auf gute Arbeitsbedingungen und einen fairen Anteil am Wohlstand verdient.
(Dr. Michael Espendiller [AfD]: Deswegen besteuern Sie die so hoch!)
Deswegen stärken wir die Tarifbindung. Wir stellen diejenigen besser, die arbeiten, wenn andere freihaben.
(Dr. Alice Weidel [AfD]: Das stimmt doch gar nicht!)
Wer sonntags oder feiertags im Krankenhaus, bei der Polizei, in der Gastronomie oder an vielen anderen Stellen dafür sorgt, dass dieses Land funktioniert, soll auch finanziell etwas davon haben. Deswegen verbessern wir die steuerliche Behandlung von Sonn- und Feiertagszuschlägen.
Gute Arbeit entscheidet sich nicht nur am Bruttolohn. Entscheidend ist auch, was am Ende bei den Menschen ankommt. Und genau deswegen entlasten wir mit unserer Reform der Einkommensteuer vor allem Familien mit kleinen und mittleren Einkommen.
(Zuruf des Abg. Dr. Michael Espendiller [AfD])
Es waren harte Verhandlungen in der Koalition, und wir haben uns auf ein Entlastungsvolumen von 10 Milliarden Euro geeint. Es ist kein Geheimnis, dass ich mir mehr hätte vorstellen können. Aber wichtig war bei dieser Entscheidung für 10 Milliarden Euro, dass wir dort entlasten, wo es am dringendsten gebraucht wird: bei den kleinen und mittleren Einkommen und bei den Familien. Es muss einen Unterschied im Alltag machen.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Zur Gegenfinanzierung nehmen wir sehr hohe Einkommen stärker in die Verantwortung. Die Reichensteuer greift etwas früher. Außerdem führen wir eine Superreichensteuer für Menschen mit besonders hohen Einkommen ein. Ganz oben etwas mehr beitragen, damit arbeitende Familien in der Mitte etwas mehr in der Tasche haben: Ich finde, liebe Kolleginnen und Kollegen, das ist fair. Und deswegen werden wir dabei auch bleiben.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir haben in den letzten Jahren einen Verlust des Vertrauens in die Politik erlebt. Manche trauen dem Staat nicht mehr zu, Probleme zu lösen. Das ist kein Phänomen, das sich auf Deutschland alleine beschränkt. Das ist Ausdruck einer Vielzahl von Krisen, die uns in den letzten Jahren begleitet und auf die wir viel zu häufig nur reagiert haben.
Die Welt wird ruckelig bleiben; das wird sich in den kommenden Jahren nicht ändern. Aber ich möchte, dass wir uns als Land davon ein Stück weit freier machen. Ich will, dass Deutschland in Zukunft so stark und so souverän ist, dass nicht jede Krise uns massiv herausfordert, dass nicht jeder neue Konflikt die Preise bei uns nach oben treibt, dass wir uns aus Abhängigkeiten lösen und Gestaltungsmöglichkeiten zurückholen, sei es etwa in Fragen von Energie und Rohstoffen oder in Zukunft auch bei künstlicher Intelligenz. Ich glaube, dass das möglich ist. Ich bin überzeugt, dass wir gerade richtige Schritte dafür anstoßen.
Wenn das gelingt, dann kommt der Glaube zurück, dass wir unsere Zukunft selbst in die Hand nehmen können, dann wächst auch das Vertrauen in die politische Mitte. Ich bin fest davon überzeugt, dass uns das gelingen kann, und auch, dass uns das gelingen muss.
Ich habe am Anfang gesagt, liebe Kolleginnen und Kollegen, dass ich viel im Land unterwegs bin. Zwischen Rostock und München liegen 775 Kilometer. Genauso viel Schiene wird in diesem Jahr generalsaniert. Wer heute an einer Baustelle steht, hört Lärm und sieht eine Umleitung. Vertrauen entsteht nicht dadurch, dass Politik den Menschen sagt: „Sei zuversichtlich.“ Vertrauen entsteht, wenn sich tatsächlich etwas verändert: Wenn die Brücke wieder steht, wenn der Zug wieder pünktlich fährt, wenn die Schule saniert ist, wenn der Arbeitsplatz wieder sicher ist, wenn die Menschen spüren: Dieses Land kriegt es hin.
Und genau darum geht es bei unserem Haushalt: Wir bauen, wir reformieren, wir machen Deutschland sicherer. Deutschland hat allen Grund, an seine eigene Stärke zu glauben.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Dieses Land erfindet sich gerade neu, es gewinnt an Stärke. Und das ist keine Vision für die ferne Zukunft, sondern wir sind längst mittendrin. Die Stärken unseres Landes: Das ist das, was in Deutschland gut läuft. Und ich sage hier auch sehr klar: Das lassen wir uns von niemandem kaputtreden.
Ich möchte, dass wir in zehn Jahren auf diese Zeit zurückblicken und sagen können: Als es darauf ankam, haben wir die richtigen Entscheidungen getroffen. Wir haben Deutschland stärker gemacht. Wir haben die Demokratie verteidigt, als die Rechtsextremisten sie zerstören wollten. Wir haben unsere Sicherheit gestärkt, als Putin uns bedroht hat. Wir haben die Wirtschaft wieder nach vorne gebracht und neue Arbeitsplätze geschaffen.
(Georg Schroeter [AfD]: Bei VW!)
Ich bin fest davon überzeugt: Wir können das erreichen. Unser Land kann das, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Vielen Dank.
(Anhaltender Beifall bei der SPD – Beifall bei der CDU/CSU – Christian Görke [Die Linke]: Das war ja wieder ein Feuerwerk!)
Präsidentin Julia Klöckner:
Bevor die AfD in der Aussprache beginnt, darf ich noch, weil einige auf die Regierungsbank geschaut haben und ein neues, aber irgendwie auch bekanntes Gesicht sehen, den Staatsminister für Sport und Ehrenamt im Bundeskanzleramt herzlich hier begrüßen. Es ist Ronald Rauhe, dem einen oder anderen sicherlich als Kanu-Olympiasieger bekannt. Herzlich willkommen! Alles Gute für Sie!
(Beifall)
Nun, liebe Kolleginnen und Kollegen, rufe ich die allgemeine Finanzdebatte einschließlich der Einzelpläne 08, 20, 32 und 60 sowie Tagesordnungspunkt 4 auf:
4 Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Haushaltsbegleitgesetzes 2027
Drucksache 21/7860
Überweisungsvorschlag: Haushaltsausschuss (f) Finanzausschuss Verteidigungsausschuss Ausschuss für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend Ausschuss für Wohnen, Stadtentwicklung, Bauwesen und Kommunen
Ich eröffne die Aussprache. Das Wort hat für die AfD-Fraktion der Abgeordnete Dr. Michael Espendiller. Bitte sehr.
(Beifall bei der AfD)
Dr. Michael Espendiller (AfD):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kollegen! Liebe Zuschauer im Saal und an den Bildschirmen! Ich hatte am Samstag wie Millionen andere Deutsche das zweifelhafte Vergnügen, tanken zu müssen. 2,42 Euro für den Liter Diesel! Und an alle bei den etablierten Parteien oder den Medien, die sich wundern, warum so viele Leute AfD wählen: Ein Spritpreis von 2,42 Euro ist Grund genug, AfD zu wählen; das alleine reicht. Denn an der Zapfsäule sitzt der Finanzminister mit im Auto – ob Sie das wollen oder nicht –:
(Zuruf des Abg. Tarek Al-Wazir [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Energiesteuer: 47 Cent, CO2-Abgabe: 17 Cent, Mehrwertsteuer noch einmal 39 Cent, erhoben auch auf die Energiesteuer und die CO2-Abgabe. In Deutschland werden selbst Steuern besteuert. An jedem Liter Diesel verdient der Staat damit mehr als 1 Euro mit. Der Finanzminister könnte das ändern. Er tut es nicht; er macht das Gegenteil.
In diesem Haushaltsentwurf steht, was der Bund 2027 am Sprit und am Heizen mitverdienen möchte: 35,6 Milliarden Euro Energiesteuer und 20 Milliarden Euro CO2-Abgabe, zusammen 55,6 Milliarden Euro – plus Mehrwertsteuer. Die CO2-Abgabe allein steigt gegenüber diesem Jahr um ein Fünftel.
(Zuruf der Abg. Frauke Heiligenstadt [SPD])
Das ist kein Naturereignis, das ist eine politisch gewollte Entscheidung. Dieser Raub am Bürger ist gewollt.
(Beifall bei der AfD)
Damit zu den Zahlen des Haushaltsentwurfs von Lars Klingbeil. Die Einnahmen des Bundes sollen 437 Milliarden Euro betragen. Allein die Steuern bringen 7,5 Milliarden Euro mehr als im Vorjahr. Sie haben also mehr Geld als je zuvor, nicht weniger. Und die Ausgaben? 669 Milliarden Euro,
(Dr. Alice Weidel [AfD]: Wahnsinn!)
alle Töpfe zusammengerechnet: Kernhaushalt und die diversen Sondervermögen. Die Lücke dazwischen füllt diese Bundesregierung mit neuen Schulden: 204 Milliarden Euro. Fast jeder dritte Euro, den Sie ausgeben, ist geliehen.
(Dr. Alice Weidel [AfD]: Wahnsinn! Ehrlich!)
Nach der alten Schuldenbremse von März 2025 wären nur 63,3 Milliarden Euro an Krediten zulässig gewesen. 63,3 Milliarden Euro neue Schulden zusammen mit Rekordsteuereinnahmen: Geld genug, möchte man meinen. Dann kam aber der Putsch gegen die Finanzverfassung. Ein abgewählter Bundestag hat in seinen letzten Tagen das Grundgesetz umgeschrieben, damit die Politik weiter Geld verschwenden kann. Sie haben die Regeln nicht eingehalten. Sie haben sie einfach abgeschafft und nennen das solide Finanzpolitik.
(Beifall bei der AfD – Dr. Alice Weidel [AfD]: Plünderung ist das! – Zuruf des Abg. Marcel Queckemeyer [AfD])
Das hat einen Preis, und der Preis heißt: Zinsen. In diesem Entwurf stehen 41 Milliarden Euro alleine für die Zinsen. 41 Milliarden Euro, das muss man sich mal vorstellen! Das ist mehr, als die Ministerien für Gesundheit, Bildung, Familie, Wirtschaft, Justiz, Digitales und Umwelt zusammen zur Verfügung haben – Geld für sechs Ministerien, das wir nur für die Zinsen ausgeben.
Aber es wird noch schlimmer: In Ihrem eigenen Finanzplan sind es 2030 über 80 Milliarden Euro. Das ist keine wilde Prognose von mir, das ist die offizielle Planung dieser Schuldenregierung.
(Beifall bei der AfD)
Die Kosten von Friedrich Merz’ Kanzlerschaft treiben uns in den Ruin.
Trotz dieses ganzen Geldes, Rekordeinnahmen und Rekordschulden, geht dieser Haushalt immer noch nicht auf. Er funktioniert nur mit verfassungswidrigen Buchungstricks: verschieben, umdeklarieren, umbuchen.
Verschoben: Die Tilgung der Coronaschulden beginnt jetzt 2033 – über 9 Milliarden Euro im Jahr, die nicht zurückgezahlt werden müssen.
Umdeklariert: 4 Milliarden Euro für Brücken, Straßen und Schienen wandern jetzt in den Verteidigungsetat. Begründung: verteidigungsrelevant. Damit dürfen sie unbegrenzt auf Pump finanziert werden.
(Dr. Bernd Baumann [AfD]: Unfassbar!)
Umgebucht: Seit 2020 hat der Bund Darlehen von rund 30 Milliarden Euro an Krankenkassen, Pflegekassen und die Arbeitsagentur vergeben. Zurückgezahlt wurde nicht mal 1 Milliarde; denn Darlehen gelten als finanzielle Transaktionen und zählen bei der Schuldenbremse nicht mit. Sie verschulden jetzt also auch noch die Beitragszahler in Ihrem Schuldenwahn gleich mit.
(Beifall bei der AfD)
Gespart wird in diesem Haushalt nur an einer einzigen Stelle: beim Bürger – nicht bei der Politik und auch nicht beim Staat. Und da schaue ich jetzt zu den Grünen und zu den Linken: Wir könnten das beenden, vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. Uns fehlen dazu gerade einmal acht Stimmen. Sie müssen nur ein Blatt Papier unterschreiben; aber das tun Sie nicht. Ihre Brandmauer ist Ihnen wichtiger als Rechtsstaat und Demokratie. Und damit erlauben Sie diesem Finanzminister das Überschreiten einer jeden roten Linie. Das ist keine Opposition, das ist Komplizenschaft.
(Beifall bei der AfD)
Und was macht die Regierung mit dem ganzen Geld? Kommt davon eigentlich etwas bei den Leuten an? Fragen Sie die Leute draußen! Die Antwort lautet: Nein, bei mir kommt nichts an. – Die Bahn funktioniert nicht mehr. Die Sicherheit wird nicht mehr gewährleistet. Einen Arzttermin muss man selbst zahlen, wenn man ihn schnell braucht. Wir bezahlen immer mehr und bekommen immer weniger.
Der Finanzminister verweist gern auf sein Sondervermögen: Investitionen in Straßen und Schulen, alles sieht wieder hübsch aus, und das sei nun wirklich ein Verdienst der Sozialdemokratie. Zweierlei übersieht der Finanzminister dabei:
Erstens. Die Investitionen werden durch seine schuldenfinanzierte Baupreisexplosion ungleich teurer, als wenn man das ein wenig strecken würde.
Und zweitens. Eine sanierte Schule macht weder unsere Schüler klüger noch unsere Bürger glücklicher,
(Zuruf der Abg. Frauke Heiligenstadt [SPD])
wenn sie dafür vom Staat so ausgepresst werden, dass sie sich ihr eigenes Leben nicht mehr leisten können.
(Beifall bei der AfD)
Das war die Realität in diesem Sommer: Eingepfercht zwischen Steuern, Abgaben und hohen Lebenshaltungskosten mussten die Leute sich überlegen, wie sie überhaupt noch einen Urlaub finanzieren können. Sie standen an der Eisdiele und haben überlegt, wie viele Kugeln Eis sie den Kindern noch kaufen können. Sie glauben, mit Ihrem riesigen Schuldenprogramm Wählerstimmen zu erzeugen. Doch das ist Käse. Niemand freut sich über glatte Straßen, die er wegen der Spritpreise für den Sonntagsausflug sowieso nicht mehr benutzen kann.
(Beifall bei der AfD)
Sie geben massenhaft Geld für völlig unnötigen Quatsch aus: 46 Milliarden Euro führen Sie an die Europäische Union ab – Transfers, mit denen in anderen Ländern Straßen gebaut werden, aber halt nicht in Deutschland. Gut 12 Milliarden Euro geben Sie für Waffen für die Ukraine aus, die einen Krieg verlängern, in dem Menschen sterben, und die Herrn Selenskyj von jeder diplomatischen Lösung abhalten. Für die dümmste Energiepolitik der Welt stehen in diesem Haushalt fast 30 Milliarden Euro an Subventionen: EEG-Förderung, Strompreiskompensation, Industriestrompreis, Zuschuss zu den Netzkosten. Das sind 10 Prozent mehr als im Vorjahr. Das ist kein Klimaschutz, das ist Preisverschleierung. Damit wirklich niemand merkt, was diese bekloppte Energiewende wirklich kostet, zahlt der Bürger die Differenz jetzt nicht über die Stromrechnung, sondern über seine Steuern.
(Beifall bei der AfD)
Sie geben weiterhin Geld aus für Ihre NGOs und last, but not least auch für Ihre Migration, Tendenz steigend.
Und Sie geben Geld aus für ein riesengroßes Heer an Beamten, das die Bürokratie aufrechterhält und weiter ausbaut. Der Bund führt 539 000 Stellen. Neu geschaffen davon werden über 12 000 – und rund 96 Prozent davon ohne jede Befristung. Und gleichzeitig ist jede sechste Stelle unbesetzt: 94 000 Stellen ohne einen Menschen drauf. Der Apparat wächst also nicht, weil er mehr Arbeit hat, er wächst, weil er wachsen will. Die Personalausgaben steigen um 7,5 Prozent und damit schneller als der Haushalt selbst. Und die Kosten der politischen Führung, also von Ministerien, Kanzleramt, Leitungsstäben, sind seit 2019 preisbereinigt um ein Fünftel gestiegen; die Reallöhne der Menschen, die das alles bezahlen müssen, sind im gleichen Zeitraum gesunken.
Angesichts der völlig ungeklärten Pensionsfrage müsste diese Regierung eigentlich sagen: Wir machen ein Moratorium. Wir stellen erst mal keine Verwaltungsbeamten mehr ein. – Sie machen aber das Gegenteil – außer natürlich bei den Finanzkontrolleuren, dem Bundesrechnungshof; da sparen Sie mit Freude.
(Beifall bei der AfD)
Ganz allgemein müssen wir uns die Frage stellen: Brauchen wir in einer Zeit, in der sich Arbeitsprozesse zunehmend automatisieren lassen, überhaupt noch so viele Beamte? Wir müssen verfassungsrechtlich zulässige Wege finden, die Zahl der Beamten und deren Kosten in Bund und Ländern deutlich zu reduzieren; denn hier hat sich längst ein Akzeptanzproblem entwickelt. Die Leute, die draußen arbeiten und das alles mit ihren Steuern bezahlen, sehen: Diese Beamtenjobs sind praktisch unkündbar, trotzdem besser bezahlt im Vergleich zum Durchschnittsverdienst, und die Pensionen sind höher als die Renten. Gemessen an dem, was normale Arbeitnehmer verdienen und wie sie und ihre Familien für das Alter und beim Thema Gesundheit abgesichert sind, sind Beamte deutlich überprivilegiert. Und hier muss die Politik ran, insbesondere wenn sie die nötige Akzeptanz für die notwendigen Reformen schaffen möchte.
(Beifall bei der AfD)
Und Reformen sind nötig. Es ist nun einmal leider bittere Realität, dass nicht nur diese Regierung, sondern sämtliche Regierungen der etablierten Parteien vorher das Land vollkommen an die Wand gefahren haben. Wir sind nicht mehr wettbewerbsfähig. Wir sind kaum noch Technologieführer. Und die Regierung vernichtet jeden weiteren Tag Industrie und Arbeitsplätze. Es kommen harte Zeiten auf uns zu in Deutschland, und in denen wird jeder seinen Beitrag leisten müssen. Diese Regierung aber schont viele und belastet über Gebühr die, die ohnehin schon einen erheblichen Beitrag leisten.
Alles steht und fällt mit echtem Wirtschaftswachstum. Der Volkswirt rechnet mit der Budgetsemielastizität. Das heißt, 1 Prozent Wirtschaftswachstum verbessert den Saldo des Staates um rund 22 Milliarden Euro. Ihre eigene Projektion sagt für dieses Jahr ein halbes Prozentpünktchen Wirtschaftswachstum voraus und für das nächste knapp 1 Prozent – und das bei 500 Milliarden Euro Sonderschulden. Deutschland ist inzwischen ein so investitionsfeindlicher und innovationsfeindlicher Standort, dass hier niemand mehr investieren will. So bekommen wir kein Wachstum.
Der Kanzler hat gestern in seiner Pressekonferenz zu Sachsen-Anhalt sinngemäß gesagt, die größten Probleme seien Krisen, Krieg und künstliche Intelligenz. Meine Güte, Herr Kanzler!
Geschichtlich betrachtet leben wir in einem goldenen Zeitalter. Die Lebenserwartung ist gestiegen, der Lebensstandard ist gestiegen, ein Durchschnittsbürger kann sich heute Dinge leisten, die vor hundert Jahren selbst für die Reichsten Luxus waren. Und mit der künstlichen Intelligenz stehen wir am Beginn der nächsten technischen Revolution, die einen Riesensprung für unsere Wirtschaft bedeuten kann, wenn wir es klug angehen.
Was aber macht die Regierung? Was macht der Mainstream in ganz Europa? Er verteufelt sie. Und wer eine Technologie verteufelt, weil er sie nicht versteht, statt sie zu beherrschen, der hat am Ende ein gigantisches Wohlstandsproblem.
(Beifall bei der AfD)
Mit KI kann man in kürzester Zeit Fähigkeiten anwenden, die man vorher noch gar nicht hatte. Wer da nicht auf der Höhe der Zeit bleibt, hat schon verloren.
Herr Minister, mit diesem Haushalt nimmt der Bund mehr ein als je zuvor. Er gibt mehr aus als je zuvor. Und er leiht sich mehr Geld als je zuvor. Bei den Leuten kommt davon allerdings nichts an außer der Rechnung. Wir werden Ihnen deshalb wieder einen eigenen Haushaltsentwurf vorlegen – mit der alten Schuldenbremse, mit einem kleineren Staatsapparat und mit Entlastungen für diejenigen, die das alles bezahlen.
Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.
(Anhaltender Beifall bei der AfD – Dr. Bernd Baumann [AfD]: Bravo!)
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die Fraktion der CDU/CSU hat Herr Abgeordneter Dr. Mathias Middelberg das Wort. Bitte sehr.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Dr. Mathias Middelberg (CDU/CSU):
Geschätzte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! Nach dieser Hundertprozent-Schwarzmalerrede kommen wir zur Sache zurück und zu einer ausgewogenen Betrachtung der Lage dieses Landes.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD – Lachen bei der AfD – Zuruf: Gott sei Dank! – Dr. Bernd Baumann [AfD]: Ja, dafür ist die Bundesregierung angetreten! – Dr. Michael Espendiller [AfD]: Jetzt bin ich gespannt!)
Dieser Haushaltsentwurf, den der Bundesfinanzminister Lars Klingbeil und die Bundesregierung hier vorlegen und einbringen in die Beratungen in dieser Woche, ist vor allen Dingen eines: Er ist ein Investitionshaushalt.
(Dr. Michael Espendiller [AfD]: Das ist ein Schuldenhaushalt! – Jörn König [AfD]: Mehr Schulden als Investitionen! – Dr. Bernd Baumann [AfD]: Das wissen Sie doch besser!)
Wir haben Rekordinvestitionen – fast 120 Milliarden Euro – in diesem Haushalt. Wenn wir drei Jahre zurückrechnen: Im Jahr 2024 hatten wir lediglich 74 Milliarden Euro an Investitionen. Das heißt, den Investitionsanteil steigern wir um 60 Prozent.
(Dr. Michael Espendiller [AfD]: Das ist doch irre, was Sie machen! Also, da haben Sie Sachen eingerechnet! Die Darlehen an die BA mit 5,2 Milliarden Euro!)
Es wird hier wirklich investiert im Land, und das kann man auch nicht einfach wegreden.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Präsidentin Julia Klöckner:
Ganz kurz, bevor sich das heute hier so einschleicht: Herr Kollege Espendiller, Sie waren doch gerade eben dran,
(Dr. Michael Espendiller [AfD]: Der fängt jetzt wieder an, Quatsch zu reden!)
und ich finde, es gehört zur Fairness, einem Kollegen zuzuhören.
(Andreas Mattfeldt [CDU/CSU]: Das finde ich aber auch!)
Es kommen noch weitere AfD-Abgeordnete, und dann können Sie darauf antworten. – Bitte sehr.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD)
Dr. Mathias Middelberg (CDU/CSU):
Vielen Dank, Frau Präsidentin; das ist hilfreich, weil wir uns wirklich der Fakten versichern müssen.
Sie haben eben Wachstumserwartungen genannt, die schon lange nicht mehr aktuell sind. Die Institute, zum Beispiel das ifo, aber auch andere, haben ihre Prognosen für dieses Jahr und die folgenden Jahre deutlich verändert, deutlich korrigiert, und zwar deutlich nach oben korrigiert.
(Dr. Bernd Baumann [AfD]: Minimal!)
Das ifo-Institut in München hatte für dieses Jahr 0,8 Prozent Wachstum vorhergesagt; es rechnet jetzt mit 1,4 Prozent.
(Dr. Alice Weidel [AfD]: Ja, aber nominal!)
Im kommenden Jahr rechnen die mit 1,2 Prozent und dann mit 0,8 Prozent Wachstum. Das heißt, wir sind jetzt mit diesem Land wieder auf einem Wachstumspfad.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD – Lachen bei der AfD – Dr. Bernd Baumann [AfD]: Das ist doch Unsinn! Mit Rekordverschuldung! Strohfeuer!)
Nachdem wir sieben Jahre aufsummiert wirtschaftlichen Stillstand hatten, haben wir jetzt wieder Wachstum in Deutschland – und das wahrscheinlich drei Jahre in Folge.
(Dr. Bernd Baumann [AfD]: Ja, Superschulden!)
Das ist ein Erfolg dieser Bundesregierung, und das ist ein Erfolg dieser Investitionspolitik.
(Dr. Bernd Baumann [AfD]: Nein!)
Das kann man nicht wegreden.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD – Dr. Bernd Baumann [AfD]: Katastrophe!)
Und, Kollege Espendiller, Sie sollten auch die wachsenden Exportzahlen sehen. Die bringen das nämlich zum Ausdruck. Und Sie sollten die wachsenden Auslandsinvestitionen sehen, also das Interesse des Auslands, der ausländischen Unternehmen und Investoren, am Standort Deutschland zu investieren.
(Dr. Michael Espendiller [AfD]: Glauben Sie das wirklich?)
Die sehen, dass hier an diesem Standort vieles gut läuft; sie wollen hier investieren.
(Dr. Michael Espendiller [AfD]: Die Zahlen sind Horror!)
Sonst wären diese Auslandsinvestitionen im Jahresvergleich nicht um 50 Prozent gestiegen.
(Dr. Michael Espendiller [AfD]: Ja, wenn ich klein anfange, kann ich leicht 50 Prozent haben!)
Auf die Entwicklung der Start-ups, der Unicorns und anderes hat der Bundesminister hingewiesen.
Und das zeigt: Die Entwicklung ist nicht in allen Punkten wunderbar, um das mal klar zu sagen; wir haben viele Probleme, gerade in der Automobilindustrie – das sehen wir – und in der Industrie insgesamt. Aber wir sehen auch sehr viele positive Entwicklungen, und die sollten wir nicht außer Acht lassen.
Jede Volkswirtschaft ändert sich, auch international; auch in Deutschland werden wir das erleben.
(Dr. Bernd Baumann [AfD]: Wir sind Schlusslicht!)
Nicht alle Branchen werden so bleiben, wie sie sind. Wir werden Arbeitsplätze verlieren. Entscheidend ist, dass wir in anderen Branchen, mit anderen Technologien neue Arbeitsplätze aufbauen, und gerade deshalb investieren wir. Und deswegen ist das richtig, was diese Bundesregierung macht.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Ich will Ihnen, weil Sie das völlig ausgeblendet haben – ist ja auch verständlich –, auch zum Thema „Haushaltskonsolidierung und Sparen“ was sagen.
(Dr. Michael Espendiller [AfD]: Habe ich nicht gerade diverse Vorschläge gemacht?)
Wir sparen ganz konkret mit dieser Bundesregierung. Jedes der Ressorts hat in diesem Jahr in den Planungen für den Haushalt 2027 1 Prozent des Etats eingespart; das macht zusammen 4 Milliarden Euro aus. Wir werden diese Sparrate jetzt auf 2 Prozent per annum anheben. Das heißt, in den Folgejahren wird hier entsprechend mehr eingespart werden.
Wir haben uns mit dem Thema „Finanzhilfen und Steuervergünstigungen“ sehr intensiv in den Verhandlungsrunden befasst. Wir haben in einer ersten Runde für das kommende Jahr, also für 2027, knapp 3 Milliarden Euro einsparen können. Weil aber schon viele Mittel für 2027 vergeben sind, wird sich das weiter aufsummieren. Wir werden 2030 aus diesen Maßnahmen bei einem Einsparbeitrag von 8 Milliarden Euro landen.
(Dr. Bernd Baumann [AfD]: Sie machen Rekordschulden! Sie sparen gar nichts! – Dr. Michael Espendiller [AfD]: In 25 Jahren sind Sie fertig mit den 200 Milliarden Schulden!)
Ich bin sehr dafür, dass wir diese Sparrunde bei den Finanzhilfen fortsetzen. Wir führen auch – das verfolgen Sie – eine Diskussion über Wohngeld, über Elterngeld. Das sind schwierige Debatten für uns, aber auch bei diesen Posten sparen wir.
(Zuruf des Abg. Dr. Michael Espendiller [AfD])
Wir sparen auch beim Personal, sind aber leider – das sage ich ehrlich – noch nicht voll im Soll; das ist das Problem. Wir sparen in einzelnen Ressorts – die machen das auch treu und brav –, aber wir haben insgesamt in der Bereichsausnahme einen Personalaufbau. Das liegt allerdings daran, dass wir vor allen Dingen in das Thema Sicherheit personell investieren müssen. Das heißt, das sind vor allen Dingen Stellen für zusätzliche Soldaten, für Polizei, für Zoll und für anderes.
Wir werden aber in Zukunft stärker darauf achten müssen, dass nicht alles, was an Personal in bestimmten Ressorts anfällt – ich nenne mal die zivile Verwaltung, auch im Bereich des BMVg –, in die Bereichsausnahme gerechnet wird. Das ist sicherlich ein Sachverhalt, den wir künftig noch prüfen werden; denn – das muss die klare Vorgabe sein, das sage ich auch für meine Fraktion sehr deutlich – wir wollen die Vorgabe, die wir im Koalitionsvertrag versprochen haben, 2 Prozent Einsparungen beim Personal per annum, einhalten. Diese muss am Ende dieser Regierungszeit erfüllt sein.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD – Dr. Michael Espendiller [AfD]: Insgesamt oder pro Jahr?)
Beim Thema „Wachstum und Sparen“ gibt es allerdings auch einen wirklich ernsten Befund – und das sehen wir auch selbstkritisch –: dass wir bei Ausgaben von 640 Milliarden Euro über alle Haushalte, Sondervermögen und die Bereichsausnahme hinweg 204 Milliarden Euro nur über neue Kredite finanzieren. Das ist ein Sachverhalt, der wirklich ernst zu nehmen ist. 32 Prozent Kreditfinanzierungsrate dürfen kein Dauerzustand sein. Wir müssen auf einen Pfad zurückkommen, auf dem wir diese Rate der Kreditfinanzierung schrittweise abbauen. Das ist zwingend erforderlich.
(Dr. Michael Espendiller [AfD]: Steht in der Finanzplanung nicht drin!)
Da hilft auch nicht der Hinweis auf die Gesamtverschuldungsquote. Die Gesamtverschuldungsquote ist noch niedrig. Wir sind aber eben auch nicht mit den starken Wachstumsraten ausgestattet wie andere Länder.
(Dr. Michael Espendiller [AfD]: Haben Sie das nicht gerade noch gefeiert?)
Und wir haben auch nicht die junge Bevölkerung, die andere Länder haben, die sich eine stärkere Verschuldung leisten können. Das heißt, das werden wir kritisch im Blick behalten müssen.
(Beifall bei der CDU/CSU – Dr. Bernd Baumann [AfD]: Was heißt denn das?)
Deshalb – und das habe ich eben schon angedeutet – werden wir bei dem Thema „Sparrunde und Einsparung“ weiter ansetzen müssen und hier weiter intensivieren müssen. Die Finanzhilfen des Bundes sind in den letzten sieben Jahren, von 2019 bis zu diesem Jahr, von 8 auf fast 60 Milliarden Euro gestiegen. Diese Entwicklung kann so nicht bleiben, die müssen wir wenigstens in Teilen zurückdrehen. Dabei – und das sage ich ausdrücklich – ist auch nicht jedes Programm, auf dem „Klima“ geschrieben steht, automatisch ein Tabu,
(Georg Schroeter [AfD]: Oh, oh, oh!)
weil viele dieser Programme nicht wirklich den Ertrag in Sachen Klimaschutz bringen, den man erwartet hat und den man sich erhoffen konnte.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU – Zuruf der Abg. Lisa Badum [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Wir müssen alle diese Programme sehr genau und klar evaluieren, und wir müssen fragen, wie wir jeden einzusetzenden Euro möglichst effizient für Klimaschutz verwenden. Wir sehen, dass die Wärmepumpenförderung vor allen Dingen dazu geführt hat, dass Wärmepumpen in Deutschland besonders teuer waren.
(Georg Schroeter [AfD]: Aha! – Dr. Michael Espendiller [AfD]: Aha!)
In anderen europäischen Ländern waren sie sehr viel billiger. Also vielleicht kann man mit dem schrittweisen Abbau von Förderraten mit weniger Geld noch viel mehr Klimaschutz erzeugen. Wir müssen das Geld intelligenter ausgeben.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Wichtig ist, dass wir aus dem Sondervermögen nicht nur in öffentliche Investitionen gehen, sondern dass wir auch private Investitionen fördern; denn die privaten Investitionen tragen unsere wirtschaftliche Entwicklung zu 85 Prozent. 85 Prozent unserer wirtschaftlichen Entwicklung sind private Investitionen; deswegen werden wir die in Zukunft noch stärker anreizen müssen.
Wir haben einiges auf diesem Weg getan. Ich nenne die Entlastungen bei den Energiepreisen, etwa die Senkung der Netzentgelte, Absenkung der Stromsteuer, Streichung der Gaspreisumlage, Einführung des Industriestrompreises sowie die Sonderabschreibungen, Abbau der Luftverkehrsteuer, Senkung der Gastrosteuer, die Entlastung der Arbeitnehmer bei der Pendlerpauschale.
Jetzt werden wir die Dinge umsetzen müssen, die noch anstehen: das Rentenpaket – das hat der Minister angesprochen – oder das Berichtsentlastungsgesetz zum Bürokratieabbau. Alle diese Maßnahmen werden wir jetzt angehen müssen, um auch die privaten Investitionen zu fördern. Wir sind auf einem guten Weg, aber wir müssen das Tempo auf diesem Weg noch weiter intensivieren.
Herzlichen Dank.
(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat Herr Abgeordneter Dr. Sebastian Schäfer das Wort. Bitte.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Dr. Sebastian Schäfer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Bundesrat, Bundesverfassungsgericht und Bundesrechnungshof: Das sind wesentliche Kernpfeiler unserer bundesrepublikanischen Ordnung. Diese drei Kernpfeiler, davon zwei Verfassungsorgane, haben Ihnen, Herr Finanzminister, und Ihnen, Herr Bundeskanzler erklärt, dass sie diesen Haushaltsentwurf der Bundesregierung nicht mittragen können, sondern ihm widersprechen.
(Georg Schroeter [AfD]: Richtig!)
Meine Damen und Herren, das zeigt auf, was Sie hier vorgelegt haben. In diesen Zeiten, wo wir so dringend Verlässlichkeit und Stabilität brauchen, wird ein Zahlenwerk vorgelegt, notdürftig zusammengeflickt, das für sehr viel Verunsicherung sorgt, gerade bei den Familien und Alleinerziehenden in unserem Land, die es ohnehin am schwersten haben.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Beim Wohngeld soll gekürzt werden, beim Elterngeld. Der Kindersofortzuschlag – 25 Euro im Monat für die Kinder, die in den allerärmsten Familien groß werden – soll ersatzlos gestrichen werden. In der Pflege sorgen Ihre Pläne für Verunsicherungen bei Pflegebedürftigen und für Verärgerungen bei den Angehörigen. Aber da hört die Verunsicherung noch lange nicht auf, die Sie mit ihrem Haushaltsentwurf stiften. Wenn es um Zukunft geht, dann sehen wir neue Buchungstricks, dann sehen wir einen steil abfallenden Pfad bei den Investitionen in den nächsten Jahren, der künstlich nach oben gerechnet wird. Ihr Haushalt kürzt uns die Zukunft weg.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Das müssen wir als Haushaltsgesetzgeber dringend korrigieren; denn Rechentricks helfen der Infrastruktur nicht. Wenn Sie sich ehrlich machen würden – und das fordern nicht nur der Bundesrechnungshof und die Bundesbank, das fordert auch der eigene Beirat des Finanzministers für das Sondervermögen – und die Investitionsquote nicht massiv verzerrt berechnen würden, dann würden Sie feststellen, dass dieser Haushalt die Vorgabe des Grundgesetzes nicht erfüllt.
(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Sie investieren schlicht zu wenig im Kernhaushalt.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Dr. Michael Espendiller [AfD]: Sie können mit uns vors Verfassungsgericht gehen! Aber das möchten Sie ja nicht!)
Und das ist ein Problem für unseren Standort. Der Sachverständigenrat hat das sehr klar ausgeführt. Bis 2030 lassen Sie mit diesem Finanzgebaren mehr als 2 Prozent Wachstum liegen. Das können wir uns einfach nicht leisten.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Dr. Michael Espendiller [AfD]: Ja offensichtlich schon, weil Sie klagen ja nicht mit uns!)
Was wir uns auch nicht leisten können: Ausgerechnet in diesem Sommer kürzen Sie beim Klimaschutz und nutzen Mittel für den Klimaschutz in Milliardenhöhe: 13 Milliarden Euro in den nächsten Jahren, um Haushaltslöcher zu stopfen, die Sie mit Ihrer falschen Steuerpolitik mit den Milliarden für den gefräßigen Markus Söder selbst gerissen haben.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Ich nehme eine gewisse Unruhe in der Union wahr, was diesen Haushaltsentwurf angeht. Die gleiche Union, die im Bundestagswahlkampf angetreten ist, ohne neue Schulden und mit Reformen beim Bürgergeld und Bürokratieabbau das Land zu sanieren, die verantwortet jetzt 1 Billion Euro geplante Verschuldung zwischen 2026 und 2030, die salbadert immer noch von Steuersenkungen ohne Gegenfinanzierung jenseits jeder Realität,
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
und die will wieder keine Reform der Schuldenbremse, obwohl es doch sonnenklar ist, dass wir mit diesem Status quo unserer Finanzverfassung, mit dieser völlig entgrenzten Verschuldung schon mittelfristig nicht mehr weitermachen können.
Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, nutzen Sie das Haushaltsverfahren! Bauen Sie diesen Haushalt um für mehr Wirtschaftswachstum, für eine gerechte Verteilung der Belastungen, für mehr Sicherheit und Vorsorge für all die Menschen in unserem Land, die den Laden jeden Tag am Laufen halten.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Dieses Land hat einen besseren Haushalt verdient. Dieses Land hat eine bessere Regierung verdient.
Herzlichen Dank.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die Fraktion der SPD hat nun Herr Abgeordneter Dr. Thorsten Rudolph das Wort. Bitte.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Dr. Thorsten Rudolph (SPD):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt ist eine Zäsur.
(Dr. Michael Espendiller [AfD]: Für die SPD!)
Deshalb dürfen wir nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Wir müssen sehr genau hinschauen: Welche Entscheidungen dieser Regierung sind notwendig? Welche Entscheidungen sind richtig, aber müssen besser erklärt werden? Und welche Vorhaben müssen wir noch einmal überprüfen?
„Augen zu und durch“ wäre jetzt die falsche Antwort. Das heißt nicht, dass jede unpopuläre Reform falsch ist. Politik darf sich nicht von Umfragen treiben lassen. Aber Politik muss wahrnehmen, wenn Vertrauen verloren geht. Und sie muss dann prüfen, sie muss erklären, und sie muss sich, wo nötig, korrigieren. Das ist keine Schwäche. Das ist gerade die Stärke des demokratischen Systems, meine Damen und Herren.
(Beifall bei der SPD sowie der Abg. Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Gleichzeitig gilt: Diese Regierung muss handlungsfähig bleiben. Die Ampel ist am Ende an einem Haushalt gescheitert, an 4 Milliarden Euro. Diese Regierung darf nicht an einem Haushalt scheitern, und sie wird nicht an einem Haushalt scheitern.
(Dr. Michael Espendiller [AfD]: Weil Sie genug Sonderschulden macht!)
Wir hatten für 2027 eine Lücke von 34 Milliarden Euro. Diese Lücke ist geschlossen. Dahinter stehen schwierige Entscheidungen; sie wurden ja eben genannt: Einsparungen, Belastungen, Reformen. Natürlich werden wir uns im parlamentarischen Verfahren jede einzelne dieser Maßnahmen noch einmal ansehen. Und natürlich können Union und SPD gemeinsam entscheiden, etwas zu verändern. Aber dann gilt ein ziemlich einfacher Grundsatz: Wer eine Einsparung herausnimmt, der muss eine andere hereinnehmen. Denn am Ende müssen die 34 Milliarden Euro vollständig gedeckt sein.
Dann höre ich in den letzten Wochen trotz all dieser Kürzungen und Einsparungen immer wieder, man müsse jetzt mal richtig anfangen zu sparen. Da frage ich mich dann schon: Sprechen wir eigentlich noch über denselben Haushalt? Wir konsolidieren quer durch alle Ressorts. Wir treffen Entscheidungen bei Gesundheit und Rente, die uns allen nicht leichtfallen. Wir reformieren unsere sozialen Sicherungssysteme,
(Dr. Michael Espendiller [AfD]: Sie sparen nur beim Bürger!)
damit sie auch in 20 und 30 Jahren noch funktionieren, damit die Beiträge für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nicht immer weiter steigen.
Wer jetzt sagt: „Beim Sozialstaat geht noch viel mehr“, der sollte sagen, bei wem genau: bei Rentnerinnen und Rentnern, bei Familien, bei Kranken, bei Menschen mit kleinem Einkommen? Wer den Sozialstaat kaputtspart, meine Damen und Herren, der konsolidiert nicht den Haushalt. Er spaltet diese Gesellschaft.
(Beifall bei der SPD)
Und eins ist sicher: Diesen Weg gehen wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten nicht mit.
An einer anderen Stelle müssen wir dagegen mehr tun: bei unserer Sicherheit. Putins Krieg und die Bedrohung Europas, der Rückzug der USA aus der transatlantischen Verantwortung, Drohnenangriffe, Cyberangriffe, Sabotage an unserer Energieinfrastruktur: Das ist keine abstrakte Gefahrenlage, das ist die Realität. Deshalb war es doch richtig, für Verteidigung und Sicherheit eine Bereichsausnahme von der Schuldenbremse zu schaffen. Denn diese notwendigen Ausgaben können wir nicht durch zusätzliche Einsparungen und Kürzungen finanzieren. Dabei muss man zwei Dinge verstehen.
Erstens. Wenn wir an einer Stelle 10 Milliarden Euro weniger ausgeben, dann haben wir nicht 10 Milliarden Euro mehr für andere Dinge. Bereichsausnahme heißt: Wir können für Sicherheit zusätzliche Kredite aufnehmen. Oder wir tun es eben nicht. Aber wir können das Geld nicht woanders ausgeben.
Zweitens. Wer wissen will, ob Deutschland sich diese Schulden leisten kann – das war heute auch vielfach Thema –, der muss auf die Schuldenquote schauen.
(Zuruf des Abg. Dr. Michael Espendiller [AfD])
Da stellen wir fest, dass unsere Wirtschaft in diesem Jahr nominal genauso stark wächst wie unser gesamtstaatliches Defizit: beide um rund 4 Prozent. Das heißt: Fundamental bleibt die Schuldenquote konstant. Natürlich kann sie sich wegen unterschiedlicher Buchungszeitpunkte und Buchungssystematiken verändern, aber fundamental ändert das nichts. Natürlich müssen wir genau hingucken, wofür wir Schulden machen, und wir müssen uns die Zahlen genau angucken. Aber wer bei einer konstanten Schuldenquote von einem Weg in den Schuldenstaat oder einer Schuldenfalle spricht, der beschreibt jedenfalls nicht die ökonomische Realität in diesem Land, meine Damen und Herren.
(Beifall bei der SPD – Dr. Michael Espendiller [AfD]: Das steht doch im Finanzplan drin, Herr Kollege!
Gleichzeitig investieren wir auch 2027 wieder 120 Milliarden Euro in unser Land: in Schienen und Straßen, in Schulen und Kitas, in Krankenhäuser, Digitalisierung, Forschung und Wohnungsbau.
(Dr. Michael Espendiller [AfD]: In Entwicklungshilfe!)
Damit reparieren wir nicht nur, was jahrzehntelang liegen geblieben ist.
(Jörn König [AfD]: Was in Ihrer Regierung liegen geblieben ist!)
Wir stärken unsere Wettbewerbsfähigkeit, und wir schaffen Wachstum.
Es wurde eben gesagt: Die Wachstumsprognosen sind von vielen Instituten auf 1,2, 1,3 bzw. 1,4 Prozent angehoben worden. Die einen schauen bei diesem Sondervermögen vor allem auf die Schulden und beklagen sie. Die anderen schauen vor allem auf eine angeblich fehlende Zusätzlichkeit und angebliche Buchungstricks und beklagen sie. Wir Sozialdemokraten schauen darauf, dass am Ende gebaut wird. Denn Brücken werden nun einmal nicht durch politische Klagelieder saniert, meine Damen und Herren.
(Beifall bei der SPD)
Ich habe es gesagt: Die Wachstumsprognosen gehen wieder deutlich nach oben, und das nach Jahren der Stagnation. Das ist kein Zufall. Das ist das Ergebnis einer Politik, die investiert.
(Dr. Michael Espendiller [AfD]: Weil sie Sonderschulden macht!)
Ich sage das an dieser Stelle ganz selbstbewusst: Dieses Wachstum trägt eine sozialdemokratische Handschrift. Wir haben für diese Investitionen gekämpft. Jetzt wirken sie, meine Damen und Herren.
(Beifall bei der SPD)
Ja, die Zeiten sind hart, die Entscheidungen auch. Aber diese Koalition sorgt für Stabilität. Diese Koalition wird einen Haushalt verabschieden. Wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten sorgen dafür, dass diese Stabilität sozial bleibt. Wir bringen den Haushalt in Ordnung. Wir investieren in die Zukunft. Wir sichern unser Land. Und wir bringen Deutschland wieder auf Wachstumskurs. Es geht aufwärts!
Vielen Dank.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU – Zuruf des Abg. Peter Boehringer [AfD])
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die Fraktion Die Linke hat nun Herr Abgeordneter Dr. Dietmar Bartsch das Wort. Bitte sehr.
(Beifall bei der Linken – Mirze Edis [Die Linke], an die AfD gewandt: Jetzt könnt ihr noch was lernen!)
Dr. Dietmar Bartsch (Die Linke):
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Der CDU-Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt ist krachend gescheitert. Er wurde nie von den Bürgerinnen und Bürgern gewählt, und nach 200 Tagen wurde er abgewählt.
Ich will deutlich darauf hinweisen: Die schwarz-rot-gelbe Regierung ist abgewählt worden. Dieses Debakel steht sinnbildlich für die Merz-CDU:
(Maik Brückner [Die Linke]: Jawohl!)
Sie regieren, aber die Mehrheit will Sie und Ihre Politik nicht mehr.
(Beifall bei der Linken)
Das ist das Ergebnis von Sachsen-Anhalt. Das ist auch ein Misstrauensvotum gegen Ihre Kanzlerschaft, Herr Merz. Und Berlin und Mecklenburg-Vorpommern werden folgen.
Was hat Lars Klingbeil eben gesagt? „Vertrauen entsteht […], wenn die Menschen spüren: Dieses Land kriegt es hin.“ Diese Koalition kriegt es nicht hin, meine Damen und Herren.
(Beifall bei der Linken sowie des Abg. Andreas Audretsch [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Rekordverluste für die Union in Sachsen-Anhalt treffen auf Ihre Rekordschulden in Berlin und auf ein rekordverdächtiges Chaos in der Regierung. Sehen Sie da eventuell einen Zusammenhang?
Eben war die Vereidigung der Minister. Ich wünsche denen übrigens viel Erfolg, auch wenn ich an der einen oder anderen Stelle Zweifel habe. Aber Ihr Kabinettsumbau vor der Sommerpause
(Frauke Heiligenstadt [SPD]: Die Generaldebatte ist morgen, Herr Bartsch!)
war desolater als der Auftritt der Nationalmannschaft im Fußball bei der WM. Ich frage Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen von der Union: Wie lange darf ein Kanzler eine Belastung für die Bürgerinnen und Bürger sein, für die Unternehmen, für die eigene Partei? Julian Nagelsmann musste gehen. Für Friedrich Merz sollten keine anderen Maßstäbe gelten, meine Damen und Herren.
(Beifall bei der Linken – Christian Görke [Die Linke]: Genau! Ganz meiner Meinung!)
Liebe Kolleginnen und Kollegen, mehr als 200 Milliarden Euro neue Schulden im kommenden Jahr, und Lars Klingbeil spricht von „Lücken“ im Haushalt. Herr Middelberg hat wenigstens gesagt, man müsse das ernst nehmen. Nie hat eine Bundesregierung stärker auf Kredite gesetzt.
Ich will mal daran erinnern: Als Kanzlerkandidat haben Sie, Herr Merz, neue Schulden ausgeschlossen. Als Kanzler planen Sie in Ihrer Amtszeit jetzt 1 Billion Euro neue Schulden. Ich meine, ich bin kein Gegner von Investitionen. Aber 1 Billion Euro Schulden ist schlicht der Wahnsinn. Megaschulden, kaum Wachstum und Reformen, die nur auf dem Papier existieren: Das ist der katastrophale Dreiklang Ihrer Regierung, meine Damen und Herren.
(Beifall bei der Linken)
Wenn ich dann hier in Ihren Reden höre, die Institute hätten reihenweise das Wirtschaftswachstum nach oben korrigiert, muss ich sagen: Das ist ein Witz angesichts von 500 Milliarden Euro neuer Schulden, von Bereichsausnahmen und Megaschulden. Ehrlich gesagt: Das ist ein Witz.
Sie sind aus der Partei von Wolfgang Schäuble. Ich meine, ich habe die schwarze Null damals irre gefunden, aber 80 Milliarden Euro Zinszahlungen im Jahre 2030: Das ist doch nicht mehr normal. Da würde Herr Schäuble wirklich Magenkrämpfe kriegen, wenn er das sehen würde.
Meine Damen und Herren, Herr Klingbeil, Sie reden von Reformen und Entlastungen, von Investitionen in die Zukunft.
(Zuruf der Abg. Frauke Heiligenstadt [SPD])
Ich bin total dafür,
(Frauke Heiligenstadt [SPD]: Ja was denn nun?)
in die marode Infrastruktur und in die Entlastung für normale Menschen zu investieren, gar keine Frage. Aber bei beiden Herausforderungen fehlt in Ihrem Haushaltsentwurf jeglicher Ansatz. Ihre Investitionen sind eine beispiellose Mogelpackung; Herr Schäfer hat völlig zu Recht darauf verwiesen. Wo sind denn die Baukräne? Natürlich bin ich für jedes Feuerwehrhaus in Mecklenburg-Vorpommern; das ist überhaupt gar keine Frage. Aber es gibt keinen Aufbruch.
Ich meine: Herr Kanzler, Herr Klingbeil, Herr Middelberg, Sie schwärmen von den 3 000 neuen Start-ups im ersten Halbjahr. Ich begrüße das. Chapeau für jeden, der das trotz Ihrer Politik macht! Aber die Wahrheit ist doch auch, dass 180 000 Betriebe im letzten Jahr untergegangen sind. Das kostet Arbeitsplätze, und das geht an die Substanz, meine Damen und Herren.
(Beifall bei der Linken – Georg Schroeter [AfD]: Sehr richtig!)
Sie reden von Entlastungen. Die Wahrheit ist doch: Sie sind die größte Belastungskoalition des letzten Jahrzehnts.
(Heiterkeit des Abg. Georg Schroeter [AfD])
Anstatt etwa die Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel zu streichen – ich meine, Ihr Kollege, Herr Kuban, hat ja diesen sinnvollen Vorschlag gemacht –, greift der Bundesfinanzminister den Bürgern mit der sogenannten Zuckersteuer ins Portemonnaie, letztlich um Löcher im Haushalt zuzukleben. Um die Gesundheit geht’s Ihnen doch null Komma null; das ist doch die Wahrheit. Angesichts der Gier nach dem Geld der Bürger wunder ich mich, dass auf Cola light und Radler zukünftig nicht auch noch Mineralölsteuer fällig wird.
(Heiterkeit bei Abgeordneten der Linken – Beifall der Abg. Ina Latendorf [Die Linke])
Meine Damen und Herren, merken Sie noch was? Jeder dritte Euro, den Sie ausgeben, stammt aus Krediten, und zwar Krediten, die Ihnen die Bürgerinnen und Bürger dieses Landes ermöglicht haben. So kann Herr Pistorius in den nächsten Jahren 600 Milliarden Euro für die maßlose Aufrüstung der Bundeswehr ausgeben. Aber für Entlastungen ist kein Euro da? Das ist eine Bankrotterklärung, meine Damen und Herren.
(Beifall bei der Linken)
Meine Damen und Herren, über 5 000 Personen in Deutschland besitzen mittlerweile ein Vermögen von über 100 Millionen Euro: Das entspricht einem Drittel des Gesamtvermögens im Land. 60 Prozent aller Vermögen werden inzwischen vererbt. Gleichzeitig besitzt die untere Hälfte der Bevölkerung kaum Vermögen. Und in Ostdeutschland ist die Situation noch einmal katastrophaler. Ich will noch einmal sagen: Schauen Sie auf das Wahlergebnis!
Und Sie erzählen den Menschen: Leistung muss sich lohnen. – Arbeit wird doch bei uns hoch besteuert, während riesige Erbschaften und Vermögen geschont werden; das ist die Wahrheit. Wer jeden Morgen aufsteht und dieses Land am Laufen hält, der wird zur Kasse gebeten. Wer ein Millionenvermögen erbt, der wird privilegiert. Statt dieser Entwicklung entgegenzuwirken, verschärfen Sie sogar noch die Ungleichheit. Das ist und bleibt inakzeptabel.
(Beifall bei der Linken sowie der Abg. Dr. Zoe Mayer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Die Wahrheit ist doch: Die Arbeitnehmer machen mit Ihrer Politik ein sattes Minus. Oder wie Stefan Bach vom DIW sagt – ich will ihn zitieren –: „Für die Entlastung der arbeitenden Mitte ist das Geld ausgegangen.“
Meine Damen und Herren, Sie zementieren mit Ihrer Steuerpolitik, dass diejenigen, die echte Leistung bringen, die Zahlmeister sind. Arbeit wird im Schnitt mit mehr als 40 Prozent besteuert,
(Jörn König [AfD]: Das ist Quatsch! In der Spitze wohl eher!)
während Vermögen mit 25 Prozent abgegolten wird. 1 Prozent – 1 Prozent! – der vermögensbezogenen Steuern fällt hierzulande an. In den USA und in Großbritannien sind das 3 bis 4 Prozent; die Länder sind wirklich nicht verdächtig, irgendwie sozialistisch zu sein. Vielleicht sollten wir uns wenigstens an denen mal orientieren. Das ist überhaupt keine Leistungsgerechtigkeit. Das ist Zementierung von Ungleichheit, meine Damen und Herren.
(Beifall bei der Linken)
Wer Reichtum nicht antastet, kann Arbeit nicht entlasten. Ihr Haushalt ist dafür ein Beweis. Ihre Steuerpolitik schadet dem Ansehen einer funktionierenden Demokratie. Sie tun zu wenig für die Mehrheit und viel zu viel für die wohlhabende Minderheit. Das ist die Wahrheit Ihres Haushalts.
Meine Damen und Herren, eine Bemerkung zu Ihrem „Jahrhundertprojekt“ – so hat der Fraktionsvorsitzende der CDU das ja bezeichnet –: die Vorschläge der Rentenkommission. Ich sage ganz klar: Dass fleißige Bürgerinnen und Bürger nach 45 Jahren Arbeit nicht mehr abschlagsfrei in Rente gehen sollen, ist kein Jahrhundertprojekt, sondern das ist eine Jahrhundertdummheit, meine Damen und Herren.
(Beifall der Abg. Agnes Conrad [Die Linke] und Ina Latendorf [Die Linke])
Diese Reformvorschläge sind kein „Gesamtkunstwerk“, wie die Arbeitsministerin es bezeichnet. Höhere Beiträge einerseits und Rentenkürzungen nach Jahrzehnten der Arbeit andererseits wären eine soziale Unverschämtheit,
(Beifall bei der Linken)
und das in einem Land – darauf will ich verweisen –, in dem die Renten ohnehin 10 Prozentpunkte unter dem EU-Durchschnitt liegen. Das ist doch die Wahrheit.
10 Prozentpunkte unter dem Durchschnitt, und trotzdem reden Sie über eine sogenannte Rentenreform. Meine Fraktion sagt ganz klar: Wer 45 Jahre gearbeitet hat, der hat seinen Beitrag geleistet und der muss auch abschlagsfrei in Rente gehen können.
(Beifall bei der Linken)
Meine Damen und Herren, Ihr Haushalt, den Sie hier vorgelegt haben, schafft keine Zukunft. Er häuft Schulden an, ohne dass reales Wachstum geschaffen wird. Das bisschen ist, ehrlich gesagt, eine Witznummer bei diesen Verschuldungsarien, die Sie vorhaben. Sie schonen große Vermögen und belasten die arbeitende Mitte auf Jahrzehnte.
Ihre Veränderungen sind eben nicht gerecht, wie Sie das vorgeben, Herr Klingbeil. Kürzungen beim Elterngeld, Kürzungen beim Wohngeld, Kürzungen beim Kindersofortzuschlag: Dadurch werden fast 2 Millionen arme Kinder noch schlechter gestellt. Das ist und bleibt für uns inakzeptabel, meine Damen und Herren.
(Beifall bei der Linken)
Ihr Haushalt ist finanzpolitisch unsolide, wirtschaftlich kurzsichtig, und er ist vor allen Dingen sozial ungerecht. Meine Fraktion wird Ihr haushaltspolitisches Harakiri ablehnen. Ich wünsche mir, dass es in den Haushaltsberatungen wirklich noch Verbesserungen gibt. Ich wünsche mir selbstbewusste Haushälter, insbesondere von der Regierungskoalition, und dass wir in den Beratungen Veränderungen zum Guten hinbekommen.
Herzlichen Dank.
(Beifall bei der Linken sowie der Abg. Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die Fraktion der CDU/CSU hat nun Herr Abgeordneter Christian Haase das Wort. Bitte.
(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)
Christian Haase (CDU/CSU):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Finanzminister Klingbeil! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ein Bundeshaushalt ist kein Wunschzettel. Er ist ein Versprechen, vor allem an diejenigen, die noch gar nicht mitentscheiden können: unsere Kinder und Enkel. Und auch Reformen in unserem Land sind kein Selbstzweck. Sie sind nichts anderes als die Erneuerung des Generationenvertrages.
Meine Damen und Herren, der Haushalt 2027 entscheidet deshalb über mehr als Milliardenbeträge und Haushaltsstellen. Er entscheidet darüber, ob wir den Staat wieder auf ein solides Fundament stellen, ob wir weiter die Probleme von heute mit dem Geld von morgen bezahlen.
(Dr. Rainer Kraft [AfD]: Genau das macht ihr!)
Solide Finanzen sind keine Sparideologie. Sie sind konservative Verantwortung.
(Dr. Bernd Baumann [AfD]: Ihr macht das ja!)
Wir haben einen Staat, der immer viel verspricht, immer mehr verteilt und immer weniger fragt, was davon dauerhaft finanzierbar ist.
(Dr. Bernd Baumann [AfD]: Das ist die CDU!)
Der Bundeshaushalt 2027 muss deshalb eine einfache Botschaft senden: Der Staat muss nicht alles tun, was wünschenswert ist. Er muss das finanzieren, was notwendig ist.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Dieser Haushaltsentwurf für 2027 macht dabei tatsächlich das erste Mal seit Jahren wieder einen Unterschied, der im Hinblick auf die nächsten Jahre sicherlich als Startschuss gelten kann: Seit über 15 Jahren, zuletzt von CDU/CSU und FDP durchgesetzt, haben wir den Einstieg in eine strukturelle Haushaltskonsolidierung geschafft. Die Einsparungen durch die Konsolidierungsmaßnahmen betragen 17 Milliarden Euro. Das war ein großer Kraftakt und verdient Lob für diese Bundesregierung.
(Dr. Michael Espendiller [AfD]: 2 Milliarden bei der Gesundheit!)
Auf zwei weitere wesentliche und gute Aspekte dieses Haushaltsentwurfes will ich dabei ausdrücklich hinweisen: Mit rund 118 Milliarden Euro setzen wir unsere Wachstumsoffensive wirksam fort: für Straßen, Brücken, Wasserwege und die ganze Verkehrsinfrastruktur genauso wie für Krankenhäuser, Wohnungsbau und Energieinfrastruktur. Schwarz-Rot investiert damit das dritte Jahr in Folge kontinuierlich in die Zukunft unseres Landes.
Diese Investitionen, gepaart mit einem unbedingten Reformwillen, machen sich langsam auch im Wirtschaftswachstum und in der Stimmung in den Unternehmen bemerkbar. Die Richtung stimmt, und wir werden weiter daran arbeiten, dass die wirtschaftliche Prosperität unseres Landes steigt.
(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)
Der nächste große Ausgabenblock, mit dem die Koalition einen Schwerpunkt gebildet hat, sind die Ausgaben für Sicherheit und Verteidigung. Wir sprechen hier von rund 130 Milliarden Euro. Denn eins ist doch klar – das sage ich vor allen Dingen in Richtung der extremen Linken und der extremen Rechten in diesem Parlament, die dem Aggressor die Stange halten –:
(Dr. Michael Espendiller [AfD]: Aha!)
Russland versucht seit Jahren, unser Land zu destabilisieren:
(Dr. Michael Espendiller [AfD]: Aha!)
durch Flugzeuge, die unseren Luftraum verletzen, durch Anschläge auf unsere Infrastruktur,
(Zuruf des Abg. Kay Gottschalk [AfD])
durch Drohnen, die militärische und zivile Flughäfen lahmlegen, und gleichzeitig durch Bots und Fake News, die den digitalen Raum überschwemmen und für Unsicherheit sorgen.
(Dr. Michael Espendiller [AfD]: Aha!)
Das Ziel ist für jeden, der es sehen will und der fehlerfrei von eins bis drei zählen kann, erkennbar: Verunsicherte Menschen sollen in die Arme der Extremisten getrieben werden, die vermeintliche Lösungen präsentieren.
Ich kann an dieser Stelle nur unumwunden zugeben: Ja, auch mir geht es manchmal nicht schnell genug. Ja, auch hier und da würde ich sagen: Unser Sozialstaat muss einer härteren Kur unterzogen werden, und wir müssen den Sozialmissbrauch in Deutschland stärker bekämpfen.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Aber eins ist doch klar in diesem Land: CDU und CSU lieben dieses Land und wollen es nicht wie Sie abschaffen.
(Zuruf von der AfD: Das glaube ich nicht!)
Für unser Land werden wir bei allen Differenzen weiter hart arbeiten, und deswegen schützen wir unser Land. Dieser Haushalt trägt mit seinen Ausgaben für innere und äußere Sicherheit dazu bei. Dass das den linken und rechten Extremisten hier im Land nicht passt, weiß ich.
(Georg Schroeter [AfD]: Oijoijoi!)
Stellen Sie sich da auf Gegenwind ein.
(Beifall bei der CDU/CSU – Desiree Becker [Die Linke]: Und Sie sollten sich mal mit der deutschen Geschichte auseinandersetzen!)
Ich möchte meine Rede nicht ohne Selbstkritik bestreiten und daraus eine Pflichtaufgabe für uns machen. Ich hatte eingangs erwähnt, dass diese Koalition erstmals seit 2009 wieder zur Haushaltskonsolidierung beiträgt. So weit, so gut. Ich weiß, dass das vielen nicht leichtfällt. Trotz unserer Sparbemühungen steigen die Gesamtausgaben erneut an. Die Ursache sind die steigenden Zinskosten,
(Dr. Michael Espendiller [AfD]: …, die Sie verursachen!)
die unsere Bemühungen leider wieder zunichtemachen. Der Bund wird, sofern es uns nicht gelingt, diesen Trend zu durchbrechen, im Zeitraum von 2025 bis 2033, also innerhalb von neun Jahren, eine Gesamtverschuldung von 1,7 Billionen Euro anhäufen. Zur Vergegenwärtigung: Das ist genauso viel wie in den 75 Jahren zuvor. Diesen Trend, meine Damen und Herren, gilt es zu durchbrechen.
(Dr. Michael Espendiller [AfD]: Wie denn? Wie machen Sie es denn jetzt?)
Das werden wir nur mit mehr Reformen, mehr Wachstum, mehr Haushaltskonsolidierung und einem entschlossenen Willen schaffen.
(Zuruf des Abg. Jörn König [AfD])
Die Aufgaben sind groß. Lassen Sie sie uns anpacken!
(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die AfD Fraktion hat Herr Abgeordneter Georg Schroeter das Wort. Bitte.
(Beifall bei der AfD)
Georg Schroeter (AfD):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Bundesfinanzminister Klingbeil! Werte Kolleginnen und Kollegen! Werte Zuschauer, hören Sie gut zu, was wir heute machen. Hier geht es um sehr, sehr viel Geld, und die junge Generation wird die Schulden, die hier heute diskutiert werden, bezahlen müssen.
(Beifall bei der AfD)
Für 2027 erwartet der Bund 395 Milliarden Euro, vielleicht 437 Milliarden Euro Steuereinnahmen. Dem stehen bereits knapp 42 Milliarden Euro Zinsausgaben gegenüber. Die geplante Zinslast entspricht bereits jetzt 10,6 Prozent der gesamten Steuereinnahmen des Bundes. Jeder zehnte Euro wird für den Schuldendienst ausgegeben. Mit diesen 42 Milliarden Euro an Zinszahlungen wird keine Brücke gebaut, keine Schule digitalisiert, keine Steuer gesenkt und kein Forschungsprojekt finanziert. Es sind Zinskosten des bestehenden und weiterwachsenden Schuldenbergs. Wer heute jeden politischen Wunsch auf Pump finanziert, nimmt dem Staat morgen die Freiheit, zu handeln.
(Beifall bei der AfD)
Die Rechnung kommt später, und sie kommt unabhängig davon, welche politischen Aufgaben in der Zukunft dringend gelöst werden müssen.
Der Finanzminister rühmt sich eines sehr moderaten Wirtschaftswachstums. Dieses ist aber durch Schulden finanziert und daher ein Strohfeuer mit horrenden Kosten nicht nur an Zinsen, sondern auch an Kosten für den politischen Willen des Bürgers in der nicht mehr allzu fernen Zukunft.
Ein Staat verliert seine finanzielle Handlungsfähigkeit nicht von jetzt auf gleich. Er verliert sie Milliarde für Milliarde, über die das deutsche Volk nicht mehr frei entscheiden kann, weil für die heutige Unvernunft bezahlt werden muss.
(Beifall bei der AfD)
Besonders alarmierend ist deshalb der Blick über das Jahr 2027 hinaus. Die jährliche Zinsbelastung wird in den kommenden Jahren auf rund 80 Milliarden Euro steigen, und zwar bereits im Jahre 2030. Damit werden am Ende dieses Jahrzehnts 20 Prozent der Steuereinnahmen auf Zinszahlungen entfallen. Das ist der Punkt, an dem aus abstrakter Staatsverschuldung eine konkrete politische Einschränkung wird. Aus trockenen Zahlen wird eine Belastung für die Demokratie. So weit darf es nicht kommen.
(Beifall bei der AfD)
Wir müssen dem heute entgegensteuern.
Doch nun – wir reden über den Einzelplan 20 – ein Themenwechsel zum Bundesrechnungshof, zu einem wichtigen Instrument zum Gegensteuern und damit zu einer Institution zur Bewahrung der Freiheit und Demokratie. Der Bundesrechnungshof ist eine von der Regierung unabhängige Behörde; das wissen viele nicht. Für uns als Abgeordnete ist er eine bedeutende Einrichtung zur Kontrolle der Qualität der öffentlichen Finanzen. Ausgerechnet hier meint unser Finanzminister, dies sei bei den deutlich erweiterten Ausgaben nicht notwendig, und reduziert die Anzahl der Prüfer. Der Bundesrechnungshof kann seine gesetzlich vorgegeben Aufgaben so nicht erfüllen.
(Beifall bei der AfD)
Das geht so nicht. Eine Stellenkürzung beim Bundesrechnungshof ist nicht zulässig. Sie haben gehört, dass in anderen Behörden 12 000 neue Stellen geschaffen werden; hier geht es um 30 bis 36 Stellen, die gestrichen werden sollen. Nichtsdestotrotz müssen wir erleben, wie eine neue Häuptlingsstelle in Person der stellvertretenden Präsidentin geschaffen worden ist, nach dem Motto: Wenn die Union die Stelle des Präsidenten des Bundesrechnungshofs besetzen möchte, dann will die SPD die Stelle der Stellvertretung besetzen. Das brauchen wir nicht. Der Bundesrechnungshof braucht Prüfer, nicht Häuptlinge.
(Beifall bei der AfD – Dr. Bernd Baumann [AfD]: Unabhängige!)
Beim Einzelplan des Bundesrechnungshofes wird die Alternative für Deutschland die Rücknahme der vorgesehenen Stellenkürzungen verlangen. Auch für die vom Bundesrechnungshof gewünschte Aufstockung um sechs Stellen werden wir uns einsetzen. Für den überbordenden Schuldenhaushalt brauchen wir Kontrolleure. Wir wollen versuchen, das in der nächsten Runde umzusetzen.
Danke schön.
(Beifall bei der AfD)
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die Fraktion der SPD hat Frau Abgeordnete Kathrin Michel das Wort. Bitte sehr.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Kathrin Michel (SPD):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Herr Minister! Am kommenden Haushalt hängt viel. Rund 555 Milliarden Euro wird der Bund im Jahr 2027 ausgeben. Mehr als 118 Milliarden Euro davon werden wir investieren. Dahinter steht eine entscheidende Frage: Wie machen wir unser Land wirtschaftlich stärker, moderner und handlungsfähiger?
Mit dem Sondervermögen haben wir einen gewaltigen Investitionsschub ausgelöst. Und dieser Investitionsschub kommt an. Das Geld fließt in Straßen und Schienen, in Schulen und Feuerwehrhäuser, in Digitalisierung, Energieinfrastruktur und Forschung. Zum dritten Mal in Folge investieren wir auf Rekordniveau. Das ist richtig.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Denn Deutschland muss wieder wettbewerbsfähiger werden. Wir müssen Wertschöpfung und gute Arbeitsplätze in unserem Land halten. Aber wir müssen früher handeln. Wirtschaftspolitik darf nicht erst beginnen, wenn Arbeitsplätze verloren gehen. Wir müssen heute entscheiden, welche Wertschöpfung und welche industriellen Fähigkeiten Deutschland auch in zehn Jahren noch braucht. Denn am Ende geht es genau darum, was bei den Menschen ankommt. Die Menschen beurteilen uns nicht danach, wie viele Milliarden wir in den Haushalt schreiben. Sie beurteilen uns danach, was diese Milliarden in ihrem Leben bewirken. Die Menschen erwarten zu Recht einen Staat, der funktioniert, Probleme löst und sorgfältig mit ihrem Geld umgeht. Deshalb müssen aus Milliarden Ergebnisse werden. Aus Investitionen müssen Wachstum, Wertschöpfung und gute Arbeit entstehen. Und deshalb reicht mir auch die Debatte „Schulden – ja oder nein?“ überhaupt nicht aus.
Wir haben den finanziellen Spielraum erweitert, weil investiert werden muss. Das war richtig.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD)
Aber mehr finanzieller Spielraum bedeutet eben auch mehr Verantwortung. Ja, klar, wir müssen priorisieren,
(Dr. Michael Espendiller [AfD]: Tun Sie ja nicht!)
und ja, wir müssen konsolidieren.
(Dr. Michael Espendiller [AfD]: Tun Sie auch nicht!)
Doch Konsolidierung darf nicht reflexartig heißen, zuerst über Leistungskürzungen zu reden.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD)
Wir müssen auch den Staat selbst besser machen, Doppelzuständigkeiten abbauen, Verfahren vereinfachen, Prozesse beschleunigen und Strukturen überprüfen, nicht mit dem Rasenmäher oder mit der Kettensäge, sondern mit dem Skalpell.
Der Einzelplan 08 zeigt, was das konkret bedeutet. Wir stärken erneut den Zoll – gegen Schwarzarbeit, Steuerhinterziehung und Finanzkriminalität. Das schafft Fairness und sichert Einnahmen.
Doch gleichzeitig brauchen wir digitale Verfahren und funktionierende Prozesse; denn mehr Geld allein macht noch keinen modernen Staat, und damit bin ich bei meinem entscheidenden Punkt. Das ist für mich moderne Haushaltspolitik: nicht nur fragen, wie viel wir ausgeben, sondern auch, was wir damit erreichen. Wir haben unserem Land einen gewaltigen finanziellen Spielraum für Investitionen gegeben, und jetzt müssen wir beweisen, dass wir daraus einen gewaltigen Modernisierungsschub entfalten können – für eine starke Wirtschaft, für gute Arbeit und Wertschöpfung in unserem Land, für einen Sozialstaat, der auch morgen trägt, und für einen Staat, auf den sich die Menschen verlassen können. Denn innere, äußere und soziale Sicherheit gehören untrennbar zusammen.
(Beifall bei der SPD)
Wirtschaftliche Stärke ist die Voraussetzung dafür, dass wir alle drei dauerhaft gewährleisten können. Genau das ist unser Auftrag.
Glück auf!
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat Frau Abgeordnete Claudia Müller das Wort. Bitte.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Claudia Müller (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Lassen Sie uns zum Geschäftsbereich der Ostbeauftragten sprechen, und heute heißt das: über Sachsen-Anhalt sprechen. 43,8 Prozent der Wählenden in Sachsen-Anhalt jubeln. Aber 56,2 Prozent tun dies nicht, und unter ihnen sind viele, die seit Sonntagabend Angst haben,
(Dr. Bernd Baumann [AfD]: Die Sie denen einreden!)
Angst, ihre Liebe nicht mehr auf offener Straße küssen zu können, Angst, als Pflegekraft aus Vietnam oder aus Syrien nicht mehr willkommen zu sein, Angst, dass der Verein, in dem sie sich seit Jahren engagieren, nächstes Jahr kein Geld mehr bekommt.
(Dr. Bernd Baumann [AfD]: Nur wenn er links-grün unterwandert ist! – Dr. Rainer Kraft [AfD]: Die Vereine sollen auch kein Geld kriegen!)
Die AfD verspricht ein Land, das viele Menschen glauben noch zu kennen, und malt das Bild der heilvollen Vergangenheit, als man mit der starken D-Mark zahlte, Rollenbilder klar waren und die Welt nicht aus den Fugen geraten war,
(Dr. Bernd Baumann [AfD]: … und die Grünen noch nicht da waren!)
und das Ganze verkauft mit einem breiten Grinsen. Das Paradoxe: Dieses Land gab es so nie und schon gar nicht bei uns im Osten. Mit der D-Mark kam die Treuhand und für viele massenhafte Arbeitslosigkeit. 400 Kilometer entfernt tobte ein blutiger Krieg im ehemaligen Jugoslawien, und „schwul“ war ein Schimpfwort. Aber dieses Bild des besseren Gestern verfing bei 43,8 Prozent der Wählenden in Sachsen-Anhalt.
(Georg Schroeter [AfD]: Wähler! Das waren Wähler! – Jörn König [AfD]: Wählen die immer noch? – Weiterer Zuruf von der AfD: Wähler!)
Das Versprechen des besseren Gestern kann aber niemand einhalten. Zum ersten Mal in der Geschichte müssen Sie von der AfD das auch verantworten.
(Dr. Michael Espendiller [AfD]: Sagen Sie noch was zum Haushalt? Oder brauchen Sie ein Taschentuch?)
Dass Sie das können, bezweifle ich.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD – Maximilian Kneller [AfD]: Kommt noch was zum Thema? – Dr. Bernd Baumann [AfD]: Frau Präsidentin, mal was zum Thema!)
Sie werden merken: Luftschlösser stürzen besonders schnell ein.
(Maximilian Kneller [AfD]: Kandidieren Sie doch für den Landtag in Sachsen-Anhalt!)
Chaos und Stillstand werden Ihre hoffentlich kurze Zeit an der Macht charakterisieren.
(Dr. Michael Espendiller [AfD]: Ich glaube, die Grünen waren kurz an der Regierung, ne?)
Und jubeln Sie nicht zu früh: Stabile demokratische Mehrheiten sind weiterhin möglich, in West wie in Ost.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD – Lachen bei Abgeordneten der AfD – Georg Schroeter [AfD]: Na selbstverständlich! Weil wir ja da sind! Deswegen gibt es demokratische Mehrheiten! – Dr. Bernd Baumann [AfD]: Sagen Sie mal was zum Haushalt! – Dr. Michael Espendiller [AfD]: Zum Thema!)
Präsidentin Julia Klöckner:
Ganz kurz: Wenn Sie von der AfD der Kollegin bitte schlichtweg mal zuhören könnten. Das wäre einfach angebracht, weil das umgekehrt auch der Fall war. Man kann kommentieren, aber nicht dauerhaft.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD – Dr. Michael Espendiller [AfD]: Zum Thema muss sie aber reden!)
Bitte sehr.
Claudia Müller (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Das Ergebnis in Sachsen-Anhalt ist Auftrag an uns alle und besonders auch an die Ostbeauftragte. Ich habe dazu aber leider noch nichts vernommen. Wo sind die Ideen zur Unterstützung der 56,2 Prozent, die Ideen, wie wir in Zukunft Kultur, Demokratiebildung, Gesellschaft und Gemeinschaft in Sachsen-Anhalt erhalten?
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Clara Bünger [Die Linke])
Wir können und dürfen nicht achselzuckend danebenstehen. Deswegen, liebe Frau Kaiser: Wirken Sie auch auf Ihre Kabinettskollegin Prien ein, dass das Programm „Demokratie leben!“ auszubauen und zu stabilisieren ist.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Dr. Thorsten Rudolph [SPD] und Clara Bünger [Die Linke] – Dr. Bernd Baumann [AfD]: Nee!)
Die Initiativen brauchen Stabilität und nicht noch mehr Angst. Lassen Sie uns gemeinsam Sicherheit und Hoffnung verbreiten!
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Esther Dilcher [SPD] – Dr. Bernd Baumann [AfD]: Nee! – Jörn König [AfD]: Wollen Sie die Wähler kaufen?)
Denn der Unterschied zwischen der AfD und den demokratischen Mehrheiten ist einfach:
(Dr. Michael Espendiller [AfD]: … Wir werden gewählt, Sie nicht!)
Chaos zerstört, Stabilität baut auf.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Lachen bei Abgeordneten der AfD – Dr. Bernd Baumann [AfD]: Das sieht der Wähler anders! Da sind Sie instabil!)
Demokratische Stabilität heißt: erneuerbare Energien, Freiheitsenergien, konsequent ausbauen und die Menschen dort finanziell beteiligen, wo die Energie erzeugt wird. Chaos heißt: den Hahn für russisches Gas wieder aufdrehen und uns zurück in die Abhängigkeit von russischen Kriegsverbrechern begeben.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Frauke Heiligenstadt [SPD])
Stabilität heißt: Entscheidungen über dieses Land werden in diesem Land gefällt.
(Dr. Michael Espendiller [AfD]: Nicht in der Europäischen Union?)
Chaos heißt, dass man sich zuerst mal bei amerikanischen Techoligarchen bedankt und Zusammenarbeit anbietet.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Dr. Wiebke Esdar [SPD] – Dr. Michael Espendiller [AfD]: Wäre es Soros gewesen, wäre es okay gewesen!)
Stabilität heißt, weiterhin Teil des größten Binnenmarktes der Welt zu sein. Chaos heißt: Raus aus der EU.
(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Darum geht es jetzt – hier und bei den nächsten Landtagswahlen: demokratische Stabilität mit uns oder Chaos mit der AfD.
(Dr. Bernd Baumann [AfD]: Das sieht der Wähler anders!)
Und da erwarte ich klare Kante von Ihnen, Frau Kaiser.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Dr. Michael Espendiller [AfD]: Kein Wort zum Haushalt!)
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die CDU/CSU-Fraktion hat nun Herr Abgeordneter Florian Oßner das Wort. Bitte.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Florian Oßner (CDU/CSU):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Bundesminister Lars Klingbeil! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Dieser Bundeshaushalt ist mehr als nur eine Zusammenstellung von Einnahmen und Ausgaben. Er zeigt, welche Prioritäten ein Land setzt; er zeigt, wofür heute Geld ausgegeben wird und welche Möglichkeiten wir damit für morgen schaffen.
Deutschland steht vor großen Herausforderungen. Der internationale Wettbewerb wird härter. Unsere Unternehmen kämpfen mit hohen Kosten und zu viel Bürokratie. Die demografische Entwicklung setzt unsere sozialen Sicherungssysteme unter Druck. Und gleichzeitig müssen wir unsere Infrastruktur modernisieren, unsere innere und äußere Sicherheit stärken sowie unseren Staat leistungsfähiger machen. All das steckt in diesem Haushalt. Wir stellen damit die Weichen für die Zukunft unseres Landes, meine Damen und Herren.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Es reicht jedoch nicht, einfach immer mehr Geld auszugeben. Wir müssen die Finanzarchitektur unseres Bundeshaushalts Schritt für Schritt verändern, weg von immer höheren konsumtiven Ausgaben, hin zu mehr Investitionen, die Wachstum schaffen, Produktivität erhöhen und Perspektiven ermöglichen. Das wird ein immenser Kraftakt; aber wir müssen das auch im Sinne zukünftiger Generationen gemeinsam meistern, meine lieben Kolleginnen und Kollegen.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD)
Der Regierungsentwurf umfasst im Kernhaushalt Ausgaben von rund 555 Milliarden Euro. 2027 stehen aus dem Kernhaushalt, dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität sowie dem Klima- und Transformationsfonds insgesamt knapp 120 Milliarden Euro für Investitionen zur Verfügung; allein im Kernhaushalt liegen die Investitionen bei rund 50 Milliarden Euro. Die bereinigte Investitionsquote steigt damit auf 10,8 Prozent.
Wir investieren in Straßen, Schienen und Wasserstraßen. Wir investieren in Digitalisierung und Energieinfrastruktur. Wir investieren in Forschung, Entwicklung und in unsere Hochschulen. Das ist entscheidend für unser Land, und das lassen wir uns auch von keinem schlechtreden.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Genau deshalb müssen Investitionen Priorität haben, besonders dort, wo öffentliche Ausgaben und Mittel zusätzlich privates Kapital mobilisieren und Wachstum ermöglichen. Dieser Hebel ist entscheidend; denn der Staat ist am Ende definitiv nicht der bessere Unternehmer.
(Georg Schroeter [AfD]: Richtig! – Dr. Michael Espendiller [AfD]: Sollen wir mal klatschen?)
Deshalb müssen wir konsequent umsteuern. Wir sollten uns nichts vormachen: Die Kreditaufnahme, die vor allem durch unsere sicherheits- und verteidigungspolitischen Aufgaben geprägt ist, ist weiterhin sehr hoch. Im Frühjahr bestand für 2027 noch eine Haushaltslücke von 34 Milliarden Euro. Dieser Handlungsbedarf ist nun im Regierungsentwurf sukzessive vollständig aufgelöst worden. Das ist ein wichtiger Erfolg. Aber die Konsolidierungsarbeit geht weiter und muss zu einem dauerhaften Prinzip staatlichen Handelns werden; denn nur damit lässt sich langfristig auch das Vertrauen in den Investitionsstandort Deutschland erhalten.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD)
Dabei gilt: Prioritäten setzen, Wirkung überprüfen, Unnötiges streichen. Alle Ressorts leisten ihren Sparbeitrag. Hinzu kommen Effizienzgewinne durch Modernisierung, der Abbau von Finanzhilfen und Steuervergünstigungen sowie Reformen in den sozialen Sicherungssystemen. Lasst uns deshalb gemeinsam hier im Haus für eine ausgewogene Reform der Rente und der Pflege und für eine Einkommensteuersenkung kämpfen! Das ist Zukunftspolitik für unser Land.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD)
Wer jede bestehende Subvention verteidigt, jede Förderstruktur unangetastet lässt und jede konsumtive Ausgabe automatisch fortschreibt, der darf sich am Ende nicht wundern, wenn für Straßen, Schienen, Digitalisierung und Forschung immer weniger übrig bleibt. Wer Bürokratie abbaut und Prozesse digitalisiert, entlastet Unternehmen, Bürger und die Verwaltung. Dies setzt Ressourcen frei, die an anderer Stelle dringend gebraucht werden. Wir geben immer noch zu viel für Dinge aus, die nicht unbedingt notwendig sind. Angesichts der Verschuldung müssen wir den Rotstift auch beim Staatskonsum ansetzen. Ein moderner Staat muss nicht überall größer werden. Er muss besser und effizienter werden.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Wachstum ist nicht eine Floskel oder ein Selbstzweck. Wachstum bedeutet Arbeitsplätze. Wachstum bedeutet höhere Einnahmen. Deshalb stärken wir die Investitionsbedingungen. Wir reduzieren schrittweise die Unternehmensbesteuerung. Wir senken Energiekosten. Wir beschleunigen Planungs- und Genehmigungsverfahren. Wir stärken Forschung und Schlüsseltechnologien. Mit dem Deutschlandfonds mobilisieren wir zusätzlich privates Risikokapital. Eine soziale Marktwirtschaft, die Eigenverantwortung stärkt, Arbeit belohnt und Leistungen zielgerichtet organisiert,
(Dr. Rainer Kraft [AfD]: So eine hätten wir auch gern!)
bleibt auch in Zukunft stark. Dafür müssen wir kämpfen.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, wir werden unser Land sicherer machen, wir werden unsere Infrastruktur erneuern, wir werden unsere Wirtschaft wieder wettbewerbsfähiger machen. Dafür müssen wir den Bundeshaushalt weiter umbauen: weg von einer Finanzpolitik, die immer neue konsumtive Verpflichtungen aufbaut, hin zu einer Finanzpolitik, die stärker investiert, priorisiert und Zukunft ermöglicht. Starke Staatsfinanzen entstehen durch eine starke Wirtschaft, einen effizienten Staat und kluge Investitionen.
Das ist der Kurs: Konsolidieren, Reformieren und Investieren – für mehr Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit, für einen handlungsfähigen Staat und für ein Deutschland, das seiner Rolle als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt auch noch in zehn Jahren gerecht wird.
Herzliches „Vergelts Gott!“ fürs Zuhören.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die AfD-Fraktion hat Herr Abgeordneter Wolfgang Wiehle das Wort. Bitte.
(Beifall bei der AfD)
Wolfgang Wiehle (AfD):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Diese Regierung gibt fast 40 Milliarden Euro für eine sogenannte Transformation aus – eine Transformation hin zu weniger Arbeit, weniger Wohlstand, aber zu höheren Preisen.
(Beifall bei der AfD)
Das ist ein historisch einmaliger Verrat an der Zukunft Deutschlands.
Alte Parteien und alte Medien erzählen den Leuten tagein, tagaus das ermüdende Narrativ vom Klima. Stichworte gibt der Weltklimarat, den genau diese Politiker dafür gegründet haben. Physiknobelpreisträger John F. Clauser hält dagegen: Im Klimarat arbeitet man viel zu wenig mit exakten Messungen und viel zu viel mit spekulativen Modellen.
(Beifall bei der AfD)
Die Transformation stützt sich eben nicht auf wissenschaftliche Beweise. Sie verleiht aber viel Macht denjenigen, die den politisch erzeugten Energienotstand verwalten.
(Beifall bei der AfD)
Die Interessen der Bürger, die arbeiten und leben wollen, kommen dabei völlig unter die Räder, und das kann nicht so weitergehen.
Fast 40 Milliarden Euro umfasst der sogenannte Klima- und Transformationsfonds, KTF. Der größte Teil davon sind Kosten der Energiewende. Bezahlen müssen es die Bürger: heute mit CO2-Preisen auf Kraftstoff und fürs Heizen, künftige Generationen beim mühsamen Abzahlen der Sonderschulden. Dieser Haushalt beweist, dass die grüne Transformation von Merkel, Scholz und Merz eine wirtschaftliche Katastrophe ist.
(Beifall bei der AfD)
Die Energiewende macht den Strom immer teurer.
(Tarek Al-Wazir [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ein Blick auf die Tankstellen zeigt, was gerade teurer wird!)
Fast 30 Milliarden Euro jährliche Subventionen aus KTF und Einzelplan 60 sollen den Anstieg bremsen. Davon könnte man so viele der berühmten Kugeln Eis von Herrn Trittin kaufen, dass sie für eine Kette zweimal zum Mond hin und wieder zurück reichen. Es ist unglaublich!
(Beifall bei der AfD – Andreas Audretsch [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Trump und Putin treiben die Energiepreise hoch! Das ist die Realität!)
Über 3 Milliarden Euro pumpen Union und SPD in Wasserstoffprojekte. Die Stahlindustrie soll Hochöfen künftig mit Wasserstoff statt mit Kohle betreiben.
(Jörn König [AfD]: Welche Stahlindustrie? Die ist doch schon weg!)
Viele Stahlkonzerne winken ab: Viel zu teuer! – Immer mehr Stahlwerke in Deutschland werden geschlossen, wie zum Beispiel das von ArcelorMittal in Duisburg. Und was ist die Antwort der Regierung? Die Politik wird nicht geändert, nein, aber die Subventionen werden erhöht! Da schüttelt man doch den Kopf.
(Beifall bei der AfD)
Diese Transformation führt in eine ineffiziente Wirtschaft, die dauerhaft von Subventionen abhängig ist. Große Volkswirtschaften wie die USA und China machen das nicht mit. Die Konkurrenz auf dem Weltmarkt verschärft sich. Deutschland steht deshalb vor der Deindustrialisierung. Fast 200 000 Industriearbeitsplätze brechen jedes Jahr weg, Steuereinnahmen sinken, und die Verschuldung wächst. Ihre Politik, Herr Merz – er ist abwesend – und Herr Klingbeil, führt immer tiefer in die Schuldenkrise. Wir müssen umkehren, und zwar sofort!
(Beifall bei der AfD)
Die AfD stoppt die Energiewende. Das ist der einzige Weg aus dieser Falle. Wir werden in den kommenden Wochen erneut beantragen, den Klima- und Transformationsfonds aufzulösen.
(Beifall bei der AfD)
10 Milliarden Euro Sonderschulden jedes Jahr ersparen wir so unseren Kindern und Enkeln. Von über 20 Milliarden Euro CO2-Abgaben entlasten wir die Bürger. Beim Tanken sparen sie fast 20 Cent pro Liter. Die Kernkraft hat mit uns wieder eine Perspektive. Wir beschaffen günstiges Erdgas aus allen verfügbaren Quellen. Auch Strom und Heizen werden für die Bürger so endlich wieder bezahlbar.
(Beifall bei der AfD)
Wir wollen verstärkt das tun, was die Menschheit seit Jahrtausenden macht: Wir passen uns an den ständigen Klimawandel an. Für Krankenhäuser, Seniorenheime, Schulen usw. muss es ganz konkret mehr Klimaanlagen geben. Das ist ein Gebot der Stunde.
(Beifall bei der AfD)
Die AfD beendet die sogenannte Transformation. Wir erhalten Arbeitsplätze, wir erhalten Wohlstand, wir senken die Energiepreise. Wirkliche Politik für die Bürger braucht weniger Ideologie und mehr gesunden Menschenverstand. So hat Deutschland wieder Zukunft.
(Beifall bei der AfD)
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die Bundesregierung hat nun Frau Elisabeth Kaiser, Staatsministerin beim Bundesminister der Finanzen und Beauftragte der Bundesregierung für Ostdeutschland, das Wort. Bitte sehr.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Elisabeth Kaiser, Staatsministerin beim Bundesminister der Finanzen:
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Mit Blick auf Sachsen-Anhalt müssen wir leider feststellen, dass wir gerade einen enormen Verlust an Vertrauen in unser politisches System und unsere Handlungsfähigkeit als Staat erleben.
(Georg Schroeter [AfD]: Nein, nein, nein! Der Bürger hat entschieden! – Jörn König [AfD]: Nur in eure Parteien!)
Und diese Resignation und Unzufriedenheit höre und spüre ich in vielen Gesprächen vor Ort. Angesichts der zahlreichen Krisen unserer Zeit ist natürlich die Sehnsucht nach einfachen Antworten sehr groß, aber ebenso gefährlich.
Die AfD als Wahlgewinnerin in Sachsen-Anhalt gefährdet mit ihrer rückwärtsgewandten Politik das, was viele Menschen im Osten seit der Wende mit viel Mühe und Fleiß aufgebaut haben. Deshalb möchte ich mich bei allen Wählerinnen und Wählern bedanken, die mit ihrer Stimme gezeigt haben: Wir wollen ein Sachsen-Anhalt, das der Welt zugewandt bleibt.
(Beifall bei der SPD sowie der Abg. Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] – Georg Schroeter [AfD]: Deswegen haben sie AfD gewählt!)
Eure Stimme ist so unglaublich wichtig! Gemeinsam werden wir in den kommenden Jahren sehr genau darauf achten, dass sich die AfD an die verfassungsrechtlichen Spielregeln hält.
(Beifall der Abg. Dr. Wiebke Esdar [SPD])
Ich sage auch ganz deutlich: Der Bund ist jetzt in einer besonderen Verantwortung, diejenigen zu unterstützen, die sich für demokratische Werte in Sachsen-Anhalt engagieren.
(Maximilian Kneller [AfD]: Wollen Sie nicht vielleicht irgendwann mal was zum Haushalt sagen und Ihren Job machen?)
Ebenso muss die Bundesregierung unter Beweis stellen, dass wir die Probleme, die die Menschen beschäftigen, auch lösen. Deshalb werde ich als Ostbeauftragte meinen Einsatz für gleichwertige Lebensverhältnisse und für eine engagierte Zivilgesellschaft in Ostdeutschland fortführen. Ich freue mich über jede parlamentarische Unterstützung, Frau Müller.
(Beifall bei der SPD)
Ostdeutschland ist eine Region der Zukunft: als Spitzenreiter beim Ausbau erneuerbarer Energien, mit exzellenten Forschungseinrichtungen und patentstarken Hochschulen, mit Pharma und Chemie in Mitteldeutschland, mit Medizintechnik in Magdeburg.
(Jörn König [AfD]: Pharma und Chemie ist bald weg bei den Energiepreisen!)
Wir erwarten erstmals seit 2022 wieder Wachstum in Deutschland, und dafür sind auch und gerade die enormen Investitionen des Bundes verantwortlich. Diesen Weg werden wir konsequent weitergehen.
Wir müssen uns auch dafür einsetzen, dass sich Konzerne nicht zurückziehen. Das VW-Werk in Zwickau braucht zügig einen Zukunftsplan. Die Schließungsfantasien müssen aufhören. Die Beschäftigten in Mosel, aber auch die Zulieferer im Umfeld brauchen Klarheit und vor allen Dingen eine Perspektive.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD)
Ein weiterer Schwerpunkt meiner Arbeit bleibt die Unterstützung von zivilgesellschaftlichem Engagement; denn das bildet Vertrauen und zeigt, dass wir unser Umfeld, unser Miteinander selbst gestalten können. Deswegen werde ich auch meinen machen!-Wettbewerb fortsetzen, mit dem wir Engagement für Zusammenhalt auszeichnen.
Wir schaffen in Halle mit dem Zukunftszentrum für Deutsche Einheit und Europäische Transformation einen Ort von internationaler Strahlkraft in Sachsen-Anhalt.
(Dr. Götz Frömming [AfD]: Wo ihn Siegmund dann einweiht!)
Das erst recht – jetzt; das ist besonders wichtig.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD)
Dieser Ort lebt vom internationalen Austausch, und er steht für eine Tradition von fortschrittlichem Denken in dieser Region.
Außerdem geht es um Sichtbarkeit und Teilhabe.
(Maximilian Kneller [AfD]: Dieses ganze Sozialthema! Das ist genau der Grund, warum Sie abgewählt werden! Sichtbarkeit und Teilhabe, das ist so ein Quatsch! Wir sind alles keine Fünfjährigen!)
In den Vorwahlumfragen zur Wahl in Sachsen-Anhalt haben 74 Prozent der Befragten die Ansicht geäußert, dass Politik und Wirtschaft immer noch zu stark von westdeutschen Perspektiven bestimmt werden. Der Elitenmonitor zeigt uns, dass das oftmals leider tatsächlich noch so ist: Kein einziges der größten 100 Unternehmen in diesem Land hat einen Vorstandsvorsitzenden aus Ostdeutschland. Weniger als 5 Prozent der Bundesrichter und nur 10 Prozent der wichtigsten Medienmacher kommen aus dem Osten. – Da müssen wir ran, um ostdeutschen Perspektiven Gehör und Sichtbarkeit zu verschaffen. Ich danke Ihnen allen für Unterstützung, dieses Vorhaben zu realisieren.
Danke schön.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU – Maximilian Kneller [AfD]: Lächerlich, was Sie hier abliefern! Ehrlich!)
Vizepräsidentin Andrea Lindholz:
Die nächste Rednerin in dieser Debatte ist für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Katharina Beck.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Katharina Beck (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Liebe Bürgerinnen und Bürger! Meine Rede heute kann ich nicht ohne die Erwähnung der tektonischen Verschiebung durch die führende Partei in Sachsen-Anhalt halten.
(Maximilian Kneller [AfD]: Endlich sagt es mal einer!)
Das Wahlergebnis der AfD hat sich verdoppelt, und das der CDU hat sich halbiert. Ich muss Ihnen sagen – so sehr ich in unfassbar vielerlei Hinsicht diese Regierung kritisiere –, dass auch mich dieses Ergebnis sehr anfasst. Die CDU hat nämlich den Anspruch, für Menschenwürde für alle zu stehen – die AfD in Sachsen-Anhalt nicht. Das ist ein entscheidender Unterschied, und das Ergebnis ist sehr besorgniserregend.
(Zuruf des Abg. Steffen Janich [AfD])
Gleichzeitig müssen wir uns alle hier, die sich dem Grundgesetz und der universellen Menschenwürde verpflichtet fühlen, fragen, was wir falsch gemacht haben, auch in der Finanzpolitik.
(Zuruf von der AfD: Alles!)
Seit vielen Jahren kennt diese Politik nur eine Richtung: Entlastungen und Steuersenkungen in Milliardenhöhe, von denen überproportional die oberen Einkommen etwas haben, und Maßnahmen, von denen vor allem die sehr hohen Vermögen profitiert haben. In diese Richtung geht auch die aktuell geplante sogenannte Einkommensteuerreform – die ja keine ist –, die für die untersten 20 bis 30 Prozent der Menschen mit Arbeit überhaupt keine Entlastung bringt. Es wird behauptet, untere Einkommen würden entlastet. Bei den untersten Einkommen kommt aber nichts an.
(Georg Schroeter [AfD]: Wer nichts zahlt, wird auch nicht entlastet!)
Ich wiederhole, dass sich die SPD hier sehr stark hinterfragen muss. Viele unterste Einkommen hätte man mit einer Senkung der Sozialabgaben mitentlasten können, wie wir Grüne es wiederholt gefordert haben.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Zuruf des Abg. Jörn König [AfD])
Das „Wohlstand für alle“-Versprechen erodiert, und das merken die Menschen: die vielen geplanten Kürzungen im Haushalt, im Sozialen, bei Alleinerziehenden, beim Wohngeld oder beim Kindersofortzuschlag. Und noch dazu ein Kanzler, der öffentlich behauptet, es werde nicht gekürzt. Oder das Gesundheitssparpaket, das – anders als behauptet – keine Reform ist, sondern ein Sparpaket unter anderem auf Kosten von psychisch Kranken und der Kindergesundheit, während die Interessen finanzstärkerer Gruppen gewahrt bleiben. Strukturelle Reformen ja, aber nur als Reform getarnte unsoziale Kürzungen nein!
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Meinen Sie, die Menschen merken nicht, dass Sie parallel irre Gerechtigkeitslücken nicht angehen, obwohl Sie sie in- und auswendig kennen, unter anderem, weil wir Grüne sie dauernd in den Bundestag einbringen? Sie wollen lieber 0,4 Milliarden Euro beim Unterhaltsvorschuss und damit bei 860 000 Kindern sparen, als endlich die uralte Ausnahme für Immobilienkonzerne bei der Gewerbesteuer zu streichen, was ganz allein ein Dreifaches bringen würde, nämlich 1,5 Milliarden Euro.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Sie wollen, liebe SPD, dass man weiter die irre Zahl von 300 Wohnungen erben kann, ab der man keine Steuern zahlen muss, während diejenigen mit mittleren Erbschaften fair ihren Beitrag leisten. Das sind nur wenige von vielen milliardenschweren Gerechtigkeitslücken, die Sie easy schließen könnten. Das würde gesamtstaatlich helfen. Handeln Sie endlich!
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Pascal Meiser [Die Linke])
Hinzu kommt das Problem der Unglaubwürdigkeit. Das muss einfach besser werden in der demokratischen Mitte. Ein Beispiel: Sie von der CDU/CSU – bitte hören Sie zu! – können nicht vor der Wahl erzählen, dass man zig Milliarden Euro beim Bürgergeld einsparen könne und auf keinen Fall Schulden aufnehmen dürfe, um dann quasi am Tag nach der Wahl Schulden aufnehmen zu wollen
(Georg Schroeter [AfD]: Ihr habt es doch ermöglicht!)
und den Ihnen vorher bekannten Realitäten ins Auge zu blicken, dass man beim Bürgergeld nur einige Millionen, aber keine Milliarden einsparen kann.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Ein weiteres Beispiel: die Zweckentfremdung von Teilen des Sondervermögens und jetzt auch des KTFs – entgegen den Interessen einer breiten Allianz der Industrie, auch der Stahlindustrie, liebe AfD.
(Zuruf des Abg. Dr. Rainer Kraft [AfD])
Das alles ist wissentlich unglaubwürdig und unseriös, liebe CDU/CSU. Das ist ein großes Problem für die Glaubwürdigkeit der demokratischen Mitte. Vorher ehrlich sein, dann seriös handeln – das ist die Devise.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Jörn König [AfD]: Die Stahlindustrie habt ihr totgemacht durch eure Politik!)
Von so was kommen auch die sinkenden Kompetenzwerte der CDU/CSU in ihrem Kernthema Wirtschaft; denn Unternehmen können rechnen und wollen Verlässlichkeit. Wir Grüne haben schönerweise Kompetenzwerte. Aber die wahrgenommene Wirtschaftskompetenz der AfD steigt noch viel mehr – und das, obwohl sie mit dem angestrebten Austritt aus dem Euro das absolute Desaster für unsere exportorientierte Wirtschaft hervorrufen würde.
Fachkräfte und Fremdenhass habe ich noch gar nicht angesprochen.
Vizepräsidentin Andrea Lindholz:
Frau Kollegin, die Redezeit ist um.
Katharina Beck (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Das tut mir am meisten weh für die Wählerinnen und Wähler der AfD, die für soziale Sicherheit und wirtschaftlichen Aufschwung wählen –
Vizepräsidentin Andrea Lindholz:
Frau Kollegin, kommen Sie bitte zum Schluss!
Katharina Beck (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
– und das Gegenteil von Ihrem Programm bekommen. Ich hoffe, das ist uns ein Weckruf. Werden wir besser!
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Vizepräsidentin Andrea Lindholz:
Der nächste Redner in dieser Debatte ist Dr. Matthias Hiller für die Unionsfraktion.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Dr. Matthias Hiller (CDU/CSU):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! 555 Milliarden Euro Ausgaben, knapp 119 Milliarden Euro Nettokreditaufnahme, fast 110 Milliarden Euro für Verteidigung: Das sind drei Zahlen aus dem Regierungsentwurf zum Haushalt 2027. Und ich gebe es zu: Es sind beachtliche Summen, über die wir heute sprechen. Deswegen müssen wir heute auch die Fragen beantworten: Wofür sind diese Ausgaben notwendig? Und setzen wir die richtigen Zeichen im Haushalt 2027?
Wir investieren erneut auf Rekordniveau in Straßen, in Schienen, in die Digitalisierung, in Forschung und Entwicklung und auch in unsere Energieinfrastruktur. Deswegen stellt sich die Frage: Warum tun wir das? Weil eine funktionierende Infrastruktur die Grundlage für wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und Wohlstand ist, weil Forschung Zukunft bedeutet und weil unsere Unternehmen dort investieren und Arbeitsplätze schaffen, wo die Rahmenbedingungen stimmen. Deswegen wollen wir diese Schwerpunkte im Haushalt 2027 setzen.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD)
Es gibt einen zweiten Bereich, in dem wir handeln müssen: Das ist unsere innere und äußere Sicherheit. Der russische Angriff auf die Ukraine war eine Zäsur in der Geopolitik. Deswegen ist es auch richtig, dass in diesem Haushalt mehr in die Verteidigung investiert wird. Wir erleben immer mehr Bedrohungen durch Terrorismus, durch Sabotage, durch Cyberangriffe, durch Spionage, durch Desinformation und durch Angriffe auf unsere kritische Infrastruktur – erst wieder in den letzten Tagen. Deswegen ist es richtig, dass wir im Haushalt 2027 auch in diese Bereiche investieren.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD)
Wir Deutschen haben lange davon profitiert, dass andere Nationen einen erheblichen Teil unseres Schutzes gewährleistet haben. Diese Zeiten sind vorbei. Am Ende ist die Entscheidung, vor der wir stehen, vielleicht ganz einfach: Entweder wir geben einen Teil unserer Freiheit, unserer Eigenständigkeit und unserer Souveränität ab, oder wir stehen gemeinsam für ein Land und für Europa ein und investieren in Innovation und in Sicherheit. Dann müssen wir aber auch in der Lage sein, uns zu verteidigen. Deswegen ist es, wie gesagt, richtig, dass die Schwerpunkte im Haushalt 2027 so gesetzt sind wie dargelegt.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD)
Meine sehr geehrten Damen und Herren, Investitionen und Sicherheit sind aber nur zwei Teilbereiche unserer Aufgabe. Der dritte Teilbereich sind die Reformen, die in diesem Land dringend notwendig sind. Deutschland wird seit einigen Jahren wieder als „kranker Mann Europas“ bezeichnet.
(Zuruf von der AfD: Richtig!)
Wenn ein Patient krank ist, gibt es grundsätzlich zwei Alternativen: Entweder er schiebt die Behandlung auf und kann hoffen, vielleicht von selbst gesund zu werden, oder er tut alles dafür, gesund zu werden.
(Dr. Fabian Fahl [Die Linke]: In Ihrem Gesundheitssystem nicht mehr so wirklich!)
Vielleicht ist das auch die entscheidende Frage heute: Wollen wir noch einige gute Jahre hier verbringen und Reformen aufschieben und alle Herausforderungen auf die zukünftige Generation übertragen?
Ich will es klar sagen: Wir haben große Reformen vor uns, und es ist richtig, diese Reformen heute anzugehen. In unserem Rentensystem müssen Veränderungen geschafft werden. Im Gesundheitssystem sind wir schon einen Teil des Weges gegangen; aber auch hier sind weitere Reformen notwendig. Beim Thema Bürokratieabbau müssen wir weitergehen und natürlich auch beim Abbau der Staatsverschuldung. Verantwortliche Politik muss diese Aufgaben heute lösen und darf sie nicht auf die jüngere Generation übertragen.
Mit dem Haushaltsentwurf 2027 schließen wir eine Finanzierungslücke von 34 Milliarden Euro. 17 Milliarden Euro kommen durch Haushaltskonsolidierung zustande. Und ich will es offen ansprechen: Das kann nur ein erster Schritt zur Haushaltskonsolidierung sein. Dass die anstehenden Schritte sicherlich anstrengend sein werden – und da spreche ich jetzt nicht über das Parlament, sondern vor allem davon, dass wir die Bürgerinnen und Bürger in diesem Land bei den Reformen mitnehmen müssen –, das ist klar; aber wir müssen diese Themen heute angehen.
Jetzt will ich auf das vergangene Wochenende zu sprechen kommen. Unser Land hat da zwei ganz unterschiedliche Bilder gezeigt: Auf der einen Seite die Wahl in Sachsen-Anhalt, bei der 750 000 Menschen Parteien am rechten und linken Rand gewählt haben. Das muss uns als Union zu denken geben.
(Lachen des Abg. Georg Schroeter [AfD] – Zuruf von der AfD: Ungefähr zehn Jahre zu spät!)
Kurz davor hat unser Land aber etwas ganz anderes gezeigt: Am Samstag erreichte mit der „Spectrum“-Rakete von Isar Aerospace erstmals von Deutschland aus eine privat entwickelte Rakete das Weltall.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie der Abg. Kathrin Michel [SPD] – Zuruf des Abg. Mirze Edis [Die Linke])
Isar Aerospace wurde 2018 als Start-up gegründet. Nicht einmal acht Jahre nach der Gründung schafft es ein deutsches Start-up, eine eigens entwickelte Rakete mit fünf Satelliten in den Weltraum zu bringen.
(Jörn König [AfD]: Können wir die Regierung endlich auf den Mond schießen!)
Das ist ein Zeichen für das moderne Deutschland und eben ein anderes Bild von diesem Land, als es die AfD zeichnet.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU – Zuruf des Abg. Maximilian Kneller [AfD])
Und Isar Aerospace ist kein Einzelfall. Herr Minister Klingbeil, Sie haben es angesprochen: Im letzten Jahr sind in diesem Land 3 500 Start-ups gegründet worden. Wir sind jetzt im September, und allein bis jetzt sind in diesem Jahr 3 000 Start-ups gegründet worden. Unser Land steckt voller Ideen, voll hervorragender Menschen. Es gibt Unternehmen, die entwickeln wollen. Es gibt noch Gründergeist in diesem Land. Die Aufgabe der Politik muss sein, diesen Gründergeist weiter zu mobilisieren.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Der vorliegende Haushaltsentwurf bietet eine gute Grundlage für das weitere parlamentarische Verfahren. Ich freue mich auf die Beratungen.
Vielen Dank.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Vizepräsidentin Andrea Lindholz:
Den Schluss in dieser Debatte macht Frauke Heiligenstadt für die SPD-Fraktion.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Frauke Heiligenstadt (SPD):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wir leben tatsächlich in bewegten Zeiten. Von der Verunsicherung der Menschen ist ja schon sehr häufig gesprochen worden – Verunsicherung infolge von Krisen, die in erster Linie durch einen kriegerischen Aggressor namens Putin ausgelöst worden sind und durch einen Präsidenten, der etwas größenwahnsinnig ist. Und alle beide sind Freunde der Rechtsaußenpartei hier in diesem Bundestag.
(Jörn König [AfD]: Mit uns redet die Welt!)
Die Menschen sind verunsichert und wollen entsprechende Antworten haben. Die Antwort darauf ist allerdings nicht Populismus, auch nicht Extremismus, Nationalismus oder Rassismus, sondern die Antwort auf diese Verunsicherung kann im Sinne Willy Brandts nur sein:
(Dr. Michael Espendiller [AfD]: … mehr Schulden!)
mehr Demokratie, als wir tatsächlich jetzt schon praktizieren,
(Beifall bei Abgeordneten der SPD – Dr. Rainer Kraft [AfD]: 78 Prozent Wahlbeteiligung!)
mehr Zusammenhalt in unserem Land
(Beifall bei Abgeordneten der SPD)
und mehr Solidarität miteinander und in unserer Gesellschaft.
(Jörn König [AfD]: Wir wollen mehr direkte Demokratie!)
Was meine ich mit „mehr Demokratie“? Mehr Demokratie heißt
(Dr. Michael Espendiller [AfD]: …, dass die SPD gewählt werden muss!)
auch mehr Kompromiss, mehr aufeinander zugehen, mehr zuhören, mehr Verständnis zeigen.
(Maximilian Kneller [AfD]: 44 Prozent bei 78 Prozent Wahlbeteiligung!)
Aber mehr Demokratie heißt auch: in jedem Fall klare Haltung zeigen den Feinden der Demokratie gegenüber,
(Georg Schroeter [AfD]: Deswegen haben die die SPD nicht gewählt!)
Haltung zeigen für die Würde des Menschen,
(Beifall bei Abgeordneten der SPD)
für die Pressefreiheit, für die Demonstrationsfreiheit, für staatliche Institutionen, Haltung gegen Populismus. Das muss die Antwort auf den Sonntag des vergangenen Wochenendes sein, meine sehr verehrten Damen und Herren.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD, der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Jörn König [AfD]: Also weiter wie bisher! Hat ja super geklappt!)
Der Haushalt ist immer in Zahlen gegossene Politik. Dieser Haushalt versucht, genau diesen Kompromiss für die Demokratie abzubilden.
(Dr. Michael Espendiller [AfD]: Durch mehr Schulden! Sie machen Wahlen unmöglich, weil die Leute die Schulden nicht abwählen können!)
Und ja, natürlich haben wir als Parlament die Aufgabe, das ein oder andere nachzusteuern, zu ergänzen, zu verbessern und hoffentlich
(Dr. Michael Espendiller [AfD]: „Hoffentlich“? Hoffnung?)
mit gutem Wirtschaftswachstum, wie die entsprechenden Wirtschaftsinstitute es ja belegen, dann tatsächlich auch nachbessern zu können.
Aber eines ist doch ganz klar: Wir Demokratinnen und Demokraten können Kompromiss, und wir haben auch die Verantwortung, Kompromisse einzugehen und uns nicht wegzuducken, sondern den Menschen ehrlich zu sagen, wie die Situation ist
(Jörn König [AfD]: Wie sie durch Sie herbeigeführt ist!)
und was wir tatsächlich ändern können.
Im Gegensatz dazu haben die Rednerinnen und Redner auf der rechten Seite des Hauses auf der einen Seite gesagt: „Keine Schulden machen, damit keine Zinsen entstehen!“, und gleichzeitig haben sie gesagt: „Sämtliche Steuern, zum Beispiel auf Benzin, absolut auf null senken!“
(Dr. Michael Espendiller [AfD]: Das hat hier niemand gesagt! Das ist eine Lüge, Frau Kollegin! Wir wollen die Steuern senken! Sie lügen gerade!)
Die entsprechenden Mindereinnahmen des Haushaltes würden dazu beitragen, dass keine Schulen saniert werden würden, keine Straßen saniert werden würden, keine Brücken gebaut werden würden. Diese AfD würde den nachfolgenden Generationen tatsächlich eine marode Demokratie hinterlassen. Wir werden das nicht zulassen.
(Beifall bei der SPD sowie der Abg. Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] – Zuruf von der AfD: Sie haben das Wochenende nicht so gut verbracht, oder?)
Vizepräsidentin Andrea Lindholz:
Weitere Wortmeldungen liegen zur allgemeinen Finanzdebatte nicht vor.
Wir kommen zu Tagesordnungspunkt 4. – Vielleicht machen wir noch die Abstimmung, bevor Sie alle den Saal verlassen? Es ist nur ein Vorschlag. – Interfraktionell wird die Überweisung des Entwurfs eines Haushaltsbegleitgesetzes 2027 auf Drucksache 21/7860 an die in der Tagesordnung aufgeführten Ausschüsse vorgeschlagen. Gibt es weitere Überweisungsvorschläge? – Das sehe ich nicht. Dann verfahren wir wie vorgeschlagen.
Jetzt kommen wir zum Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Verkehr, Einzelplan 12.
Wer die Plätze tauschen möchte, der macht das jetzt noch in Ruhe.
(Andreas Mattfeldt [CDU/CSU]: Ich sitze ganz bequem!)
– Prima, dass schon mal einer bequem sitzt.
Dann eröffne ich hiermit die Aussprache. Es beginnt für die Bundesregierung der Bundesminister für Verkehr. – Lieber Herr Bilger, herzlichen Glückwunsch noch zur Vereidigung!
(Beifall bei der CDU/CSU – Dr. Reinhard Brandl [CDU/CSU]: Guter Mann!)
Steffen Bilger, Bundesminister für Verkehr:
Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! In den ersten Wochen meiner Amtszeit war ich viel unterwegs in unserem Land. Dabei habe ich viele Menschen getroffen, die unserer Infrastruktur, unserer Mobilität ein Gesicht geben. Besonders eindrücklich in Erinnerung geblieben ist mir das Gespräch mit einem Zugbegleiter. Er hat mir berichtet, wie häufig er beleidigt wird, wie oft er bereits körperlich angegriffen wurde, und er hat mir auch gesagt, was er von uns, von der Politik erwartet, nämlich dass wir ihn und seine Kolleginnen und Kollegen unterstützen – so wie es nun beispielsweise mit dem Einsatz von Bodycams für Zug
Anzeige gekürzt – vollständiger Text im Original.
Relationen
- part_of_vorgang → Begrüßung des neuen Staatsministers für Sport und Ehrenamt im Bundeskanzleramt, Ronald Rauhe (Ansprache)
- part_of_vorgang → Bekanntgabe der Entlassung des Bundesministers für besondere Aufgaben, Thorsten Frei (Mitteilung)
- part_of_vorgang → Bekanntgabe der Entlassung des Bundesministers für Verkehr, Patrick Schnieder (Mitteilung)
- part_of_vorgang → Bekanntgabe der Ernennung der bisherigen Bundesministerin für Gesundheit, Nina Warken, zur Bundesministerin für besondere Aufgaben (Mitteilung)
- part_of_vorgang → Bekanntgabe der Ernennung von Dr. Carsten Linnemann zum Bundesminister für Gesundheit; Vereidigung (Vereidigung)
- part_of_vorgang → Bekanntgabe der Ernennung von Steffen Bilger zum Bundesminister für Verkehr; Vereidigung (Vereidigung)
- part_of_vorgang → Eintritt der Abg Katrin Zschau (SPD) in den Deutschen Bundestag als Nachfolgerin für den ausgeschiedenen Abg Frank Junge (Mandatsbeginn: 20. (Mitteilung)
- part_of_vorgang → Erteilung eines Ordnungsrufes an den Abg Martin Sichert (AfD) (Abstimmung)
- part_of_vorgang → Finanzplan des Bundes 2026 bis 2030 (1. Beratung)
- part_of_vorgang → Gesetz über die Feststellung des Bundeshaushaltsplans für das Haushaltsjahr 2027 (Haushaltsgesetz 2027 - HG 2027) (1. Beratung (Einzelpläne))
- part_of_vorgang → Haushaltsbegleitgesetz 2027 (1. Beratung (Einzelpläne))
- part_of_vorgang → Verzicht des Abg Frank Junge (SPD) auf die Mitgliedschaft im Deutschen Bundestag (Mandatsende: 19.07.2026) (Mitteilung)
- spoke_in ← Alexis L. Giersch (Rede)
- spoke_in ← Anja Troff-Schaffarzyk (Rede)
- spoke_in ← Anna Aeikens (Rede)
- spoke_in ← Armand Zorn (Rede)
- spoke_in ← Carl-Philipp Sassenrath (Rede)
- spoke_in ← Carolin Wagner (Rede)
- spoke_in ← Carsten Schneider (Rede)
- spoke_in ← Christian Haase (Rede)
- spoke_in ← Christian Moser (Rede)
- spoke_in ← Christoph Schmid (Rede)
- spoke_in ← Claudia Müller (Rede)
- spoke_in ← Daniel Bettermann (Rede)
- spoke_in ← Daniel Walter (Rede)
- spoke_in ← Dietmar Bartsch (Rede)
- spoke_in ← Donata Vogtschmidt (Rede)
- spoke_in ← Elisabeth Kaiser (Rede)
- spoke_in ← Enrico Komning (Rede)
- spoke_in ← Erhard Brucker (Rede)
- spoke_in ← Esra Limbacher (Rede)
- spoke_in ← Fabian Fahl (Rede)
- spoke_in ← Florian Oßner (Rede)
- spoke_in ← Franziska Hoppermann (Rede)
- spoke_in ← Frauke Heiligenstadt (Rede)
- spoke_in ← Georg Schroeter (Rede)
- spoke_in ← Hans Koller (Rede)
- spoke_in ← Henning Rehbaum (Rede)
- spoke_in ← Isabel Cademartori (Rede)
- spoke_in ← Janine Wissler (Rede)
- spoke_in ← Jan-Niclas Gesenhues (Rede)
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- spoke_in ← Jörg Cezanne (Rede)
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- spoke_in ← Julia Schneider (Rede)
- spoke_in ← Karsten Hilse (Rede)
- spoke_in ← Karsten Wildberger (Rede)
- spoke_in ← Katharina Beck (Rede)
- spoke_in ← Katherina Reiche (Rede)
- spoke_in ← Kathrin Michel (Rede)
- spoke_in ← Katrin Uhlig (Rede)
- spoke_in ← Klaus Wiener (Rede)
- spoke_in ← Konrad Körner (Rede)
- spoke_in ← Lars Klingbeil (Rede)
- spoke_in ← Leif-Erik Holm (Rede)
- spoke_in ← Lisa Badum (Zwischenfrage)
- spoke_in ← Lorenz Gösta Beutin (Zwischenfrage)
- spoke_in ← Malte Kaufmann (Kurzintervention)
- spoke_in ← Marcel Queckemeyer (Rede)
- spoke_in ← Marcus Bühl (Rede)
- spoke_in ← Mark Helfrich (Rede)
- spoke_in ← Martin Gerster (Rede)
- spoke_in ← Mathias Middelberg (Rede)
- spoke_in ← Matthias Gastel (Rede)
- spoke_in ← Matthias Hiller (Rede)
- spoke_in ← Mechthilde Wittmann (Rede)
- spoke_in ← Michael Blos (Rede)
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- spoke_in ← Michael Kellner (Rede)
- spoke_in ← Michael Kießling (Rede)
- spoke_in ← Nina Scheer (Rede)
- spoke_in ← Parsa Marvi (Rede)
- spoke_in ← Paula Piechotta (Rede)
- spoke_in ← Paul Schmidt (Rede)
- spoke_in ← Rainer Kraft (Kurzintervention)
- spoke_in ← Ralph Brinkhaus (Rede)
- spoke_in ← René Bochmann (Rede)
- spoke_in ← Reza Asghari (Rede)
- spoke_in ← Ricarda Lang (Rede)
- spoke_in ← Robin Jünger (Rede)
- spoke_in ← Ruben Rupp (Rede)
- spoke_in ← Sascha Wagner (Rede)
- spoke_in ← Sebastian Maack (Kurzintervention)
- spoke_in ← Sebastian Roloff (Rede)
- spoke_in ← Sebastian Schäfer (Rede)
- spoke_in ← Sergej Minich (Rede)
- spoke_in ← Sonja Lemke (Zwischenfrage)
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- spoke_in ← Steffen Bilger (Rede)
- spoke_in ← Steffen Kotré (Rede)
- spoke_in ← Stephan Stracke (Rede)
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- spoke_in ← Uwe Schmidt (Rede)
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- spoke_in ← Wolfgang Wiehle (Rede)