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Protokoll der 49. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages

dip / plenarprotokoll 17.12.2025 · WP 21 · 21/49 · Original ↗

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Protokoll der 49. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages Plenarprotokoll 21/49 Deutscher Bundestag Stenografischer Bericht 49. Sitzung Berlin, Mittwoch, den 17. Dezember 2025 Inhalt: Antisemitischer Anschlag in Sydney Erweiterung und Abwicklung der Tagesordnung Absetzung des Tagesordnungspunktes 8 Nachträgliche Ausschussüberweisung Tagesordnungspunkt 1: Befragung der Bundesregierung Markus Frohnmaier (AfD) Friedrich Merz, Bundeskanzler Markus Frohnmaier (AfD) Friedrich Merz, Bundeskanzler Claudia Moll (SPD) Friedrich Merz, Bundeskanzler Michael Kellner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Friedrich Merz, Bundeskanzler Michael Kellner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Friedrich Merz, Bundeskanzler Jürgen Hardt (CDU/CSU) Friedrich Merz, Bundeskanzler Jürgen Hardt (CDU/CSU) Friedrich Merz, Bundeskanzler Janina Böttger (Die Linke) Friedrich Merz, Bundeskanzler Janina Böttger (Die Linke) Friedrich Merz, Bundeskanzler Marc Bernhard (AfD) Friedrich Merz, Bundeskanzler Marc Bernhard (AfD) Friedrich Merz, Bundeskanzler Parsa Marvi (SPD) Friedrich Merz, Bundeskanzler Parsa Marvi (SPD) Friedrich Merz, Bundeskanzler Hanna Steinmüller (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Friedrich Merz, Bundeskanzler Hanna Steinmüller (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Friedrich Merz, Bundeskanzler Dr. Martin Plum (CDU/CSU) Friedrich Merz, Bundeskanzler Dr. Martin Plum (CDU/CSU) Friedrich Merz, Bundeskanzler Janine Wissler (Die Linke) Friedrich Merz, Bundeskanzler Janine Wissler (Die Linke) Friedrich Merz, Bundeskanzler Andreas Mayer (AfD) Friedrich Merz, Bundeskanzler Andreas Mayer (AfD) Friedrich Merz, Bundeskanzler Carmen Wegge (SPD) Friedrich Merz, Bundeskanzler Carmen Wegge (SPD) Friedrich Merz, Bundeskanzler Dr. Konstantin von Notz (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Friedrich Merz, Bundeskanzler Dr. Konstantin von Notz (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Friedrich Merz, Bundeskanzler Thomas Erndl (CDU/CSU) Friedrich Merz, Bundeskanzler Thomas Erndl (CDU/CSU) Friedrich Merz, Bundeskanzler Evelyn Schötz (Die Linke) Friedrich Merz, Bundeskanzler Evelyn Schötz (Die Linke) Friedrich Merz, Bundeskanzler René Springer (AfD) Friedrich Merz, Bundeskanzler René Springer (AfD) Friedrich Merz, Bundeskanzler Dr. Franziska Kersten (SPD) Friedrich Merz, Bundeskanzler Agnieszka Brugger (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Friedrich Merz, Bundeskanzler Agnieszka Brugger (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Friedrich Merz, Bundeskanzler Alexander Throm (CDU/CSU) Friedrich Merz, Bundeskanzler Alexander Throm (CDU/CSU) Friedrich Merz, Bundeskanzler Lea Reisner (Die Linke) Friedrich Merz, Bundeskanzler Lea Reisner (Die Linke) Friedrich Merz, Bundeskanzler Tagesordnungspunkt 2: Abgabe einer Regierungserklärung durch den Bundeskanzler: Zum Europäischen Rat am 18. und 19. Dezember 2025 in Brüssel Friedrich Merz, Bundeskanzler Tino Chrupalla (AfD) Alexander Hoffmann (CDU/CSU) Tino Chrupalla (AfD) Dr. Matthias Miersch (SPD) Katharina Dröge (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Jens Spahn (CDU/CSU) Heidi Reichinnek (Die Linke) Siemtje Möller (SPD) Dr. Bernd Baumann (AfD) Alexander Hoffmann (CDU/CSU) Sara Nanni (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Janina Böttger (Die Linke) Johannes Schraps (SPD) Peter Boehringer (AfD) Patricia Lips (CDU/CSU) Dr. Norbert Röttgen (CDU/CSU) Tagesordnungspunkt 3: Fragestunde Drucksache 21/3237 Mündliche Frage 1 Nicole Gohlke (Die Linke) Mögliche Klarstellungen und Unterstützungsangebote der Bundesregierung zum Neutralitätsgebot für Lehrkräfte Antwort Mareike Lotte Wulf, Parl. Staatssekretärin BMBFSFJ Zusatzfragen Nicole Gohlke (Die Linke) Mündliche Frage 2 Dr. Ingo Hahn (AfD) Mögliche Maßnahmen der Bundesregierung hinsichtlich einer Altersgrenze für Inhalte zu Sexualität und geschlechtlicher Identität in Kindertageseinrichtungen Antwort Mareike Lotte Wulf, Parl. Staatssekretärin BMBFSFJ Zusatzfragen Dr. Ingo Hahn (AfD) Maik Brückner (Die Linke) Mündliche Frage 3 Nicole Gohlke (Die Linke) Kenntnisse der Bundesregierung zum Sanierungsbedarf an Schulgebäuden und Höhe von Unterstützungsleistungen des Bundes Antwort Mareike Lotte Wulf, Parl. Staatssekretärin BMBFSFJ Zusatzfragen Nicole Gohlke (Die Linke) Mündliche Frage 4 Mandy Eißing (Die Linke) Maßnahmen der Bundesregierung zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf Antwort Mareike Lotte Wulf, Parl. Staatssekretärin BMBFSFJ Zusatzfragen Mandy Eißing (Die Linke) Ates Gürpinar (Die Linke) Simone Fischer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Dr. Anja Reinalter (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Mündliche Frage 6 Dr. Anja Reinalter (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Position und mögliche Maßnahmen der Bundesregierung im Zuge der Empfehlung des Normenkontrollrates zur Abschaffung des Fernunterrichtsschutzgesetzes Antwort Mareike Lotte Wulf, Parl. Staatssekretärin BMBFSFJ Zusatzfragen Dr. Anja Reinalter (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Mündliche Frage 7 Stefan Schröder (AfD) Einschätzung der Bundesregierung zur Vergleichbarkeit von Leistungsanforderungen bei schulischen Abschlussprüfungen Antwort Mareike Lotte Wulf, Parl. Staatssekretärin BMBFSFJ Zusatzfragen Stefan Schröder (AfD) Maren Kaminski (Die Linke) Mündliche Frage 8 Bernd Schattner (AfD) Kenntnis der Bundesregierung zur Anzahl der Nichtversetzungen von Schülern Antwort Mareike Lotte Wulf, Parl. Staatssekretärin BMBFSFJ Zusatzfragen Bernd Schattner (AfD) Mündliche Frage 9 Stefan Schröder (AfD) Aktueller Stand der Unterrichtsversorgung in den Schulen der ostdeutschen Länder und eventuelle Unterstützungsangebote des Bundes Antwort Mareike Lotte Wulf, Parl. Staatssekretärin BMBFSFJ Zusatzfragen Stefan Schröder (AfD) Mündliche Frage 10 Maik Brückner (Die Linke) Verbesserung der Erkenntnisgrundlagen zur Anzahl der in der Sexarbeit tätigen Menschen Antwort Mareike Lotte Wulf, Parl. Staatssekretärin BMBFSFJ Zusatzfragen Maik Brückner (Die Linke) Mündliche Frage 11 Helge Limburg (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Einschätzung und mögliche Maßnahmen der Bundesregierung zu Ursachen der niedrigen Anzeigequote bei gewaltbetroffenen Frauen Antwort Mareike Lotte Wulf, Parl. Staatssekretärin BMBFSFJ Zusatzfragen Helge Limburg (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Zusatzpunkt 1: Aktuelle Stunde auf Verlangen der Fraktion Die Linke: Lehren aus dem Siebten Armuts- und Reichtumsbericht ziehen – Armut bekämpfen, Reichtum besteuern Ines Schwerdtner (Die Linke) Dr. Stefan Nacke (CDU/CSU) Ulrike Schielke-Ziesing (AfD) Kerstin Griese, Parl. Staatssekretärin BMAS Janine Wissler (Die Linke) Timon Dzienus (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Olav Gutting (CDU/CSU) Thomas Stephan (AfD) Jens Peick (SPD) Karoline Otte (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Anne-Mieke Bremer (Die Linke) Dr. Markus Reichel (CDU/CSU) Peter Bohnhof (AfD) Heike Heubach (SPD) Dr. Ottilie Klein (CDU/CSU) Tagesordnungspunkt 4: Antrag der Abgeordneten Ruben Rupp, Robin Jünger, Alexander Arpaschi, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Keine digitale Überwachung – Gegen jede Form einer Chatkontrolle Drucksache 21/3296 Pierre Lamely (AfD) Dr. Katja Strauss-Köster (CDU/CSU) Jeanne Dillschneider (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Sebastian Fiedler (SPD) Donata Vogtschmidt (Die Linke) Oliver Pöpsel (CDU/CSU) Tobias Ebenberger (AfD) Dr. Carolin Wagner (SPD) Dr. Konrad Körner (CDU/CSU) Tagesordnungspunkt 5: Antrag der Bundesregierung: Fortsetzung des Einsatzes bewaffneter deutscher Streitkräfte – Stabilisierung sichern, Wiedererstarken des IS verhindern, Versöhnung in Irak fördern Drucksache 21/3206 Dr. Johann David Wadephul, Bundesminister AA Dr. Daniel Zerbin (AfD) Sebastian Hartmann, Parl. Staatssekretär BMVg Sara Nanni (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Cansu Özdemir (Die Linke) Jürgen Hardt (CDU/CSU) Volker Mayer-Lay (CDU/CSU) Heinrich Koch (AfD) Derya Türk-Nachbaur (SPD) Thomas Silberhorn (CDU/CSU) Tagesordnungspunkt 6: Antrag der Abgeordneten Mandy Eißing, Nicole Gohlke, Doris Achelwilm, weiterer Abgeordneter und der Fraktion Die Linke: 28 Tage Elternschutz für den zweiten Elternteil ab Geburt des Kindes einführen Drucksache 21/2241 Mandy Eißing (Die Linke) Wolfgang Dahler (CDU/CSU) Gereon Bollmann (AfD) Truels Reichardt (SPD) Misbah Khan (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Dr. Konrad Körner (CDU/CSU) Dr. Anna Rathert (AfD) Nächste Sitzung Berichtigungen Anlage 1 Entschuldigte Abgeordnete Anlage 2 Schriftliche Antworten auf Fragen der Fragestunde Mündliche Frage 5 Stephan Brandner (AfD) Qualifikation der Beauftragten für die Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt, Sophie Koch Antwort Mareike Lotte Wulf, Parl. Staatssekretärin BMBFSFJ Mündliche Frage 12 Kerstin Przygodda (AfD) Möglicher Handlungsbedarf bezüglich von Genitalverstümmelung bedrohter Mädchen in Deutschland Antwort Mareike Lotte Wulf, Parl. Staatssekretärin BMBFSFJ Mündliche Frage 13 Misbah Khan (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Maßnahmen der Bundesregierung zur Entlastung von Alleinerziehenden Antwort Mareike Lotte Wulf, Parl. Staatssekretärin BMBFSFJ Mündliche Frage 14 Dr. Rainer Kraft (AfD) Mögliches Verbot sozialer Medien für Kinder und Jugendliche Antwort Mareike Lotte Wulf, Parl. Staatssekretärin BMBFSFJ Mündliche Frage 15 Dr. Rainer Kraft (AfD) Mögliche Bewertung von Abonnement-Geschäftsmodellen mit Erotikinhalten im Internet als Prostitution und etwaige diesbezügliche Maßnahmen Antwort Mareike Lotte Wulf, Parl. Staatssekretärin BMBFSFJ Mündliche Frage 16 Martin Reichardt (AfD) Mögliche zukünftige Erfassung von Daten zu islamischen Kindertagesstätten und saudi-arabisch finanzierten Privatschulen Antwort Mareike Lotte Wulf, Parl. Staatssekretärin BMBFSFJ Mündliche Frage 17 Sebastian Maack (AfD) Stand der Evaluation des Gesetzes über die Selbstbestimmung in Bezug auf den Geschlechtseintrag Antwort Mareike Lotte Wulf, Parl. Staatssekretärin BMBFSFJ Mündliche Frage 18 Sebastian Maack (AfD) Zukünftige Politik des BMFSFJ gegenüber staatlich geförderten Organisationen im Nachgang einer Kleinen Anfrage der Fraktion der CDU/CSU in der 20. Wahlperiode Antwort Mareike Lotte Wulf, Parl. Staatssekretärin BMBFSFJ Mündliche Frage 19 Tobias Matthias Peterka (AfD) Wichtigste sozialpolitische Maßnahmen in der 21. Wahlperiode Antwort Katja Mast, Parl. Staatssekretärin BMAS Mündliche Frage 20 Dr. Armin Grau (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Auswirkungen des Rechtskreiswechsels geflüchteter Ukrainer vom SGB II zum Asylbewerberleistungsgesetz auf die Kommunen Antwort Katja Mast, Parl. Staatssekretärin BMAS Mündliche Frage 21 Dr. Armin Grau (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Auswirkungen des Rechtskreiswechsels geflüchteter Ukrainer vom SGB II zum Asylbewerberleistungsgesetz auf die Arbeitsmarktintegration Antwort Katja Mast, Parl. Staatssekretärin BMAS Mündliche Frage 22 Timon Dzienus (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Änderungen bei Leistungssätzen und Gesundheitsleistungen für hilfsbedürftige ukrainische Geflüchtete durch das Leistungsrechtsanpassungsgesetz Antwort Katja Mast, Parl. Staatssekretärin BMAS Mündliche Frage 23 Timon Dzienus (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Einschätzung der Bundesregierung zu einer möglichen Schlechterstellung einer bestimmten Gruppe durch das Leistungsrechtsanpassungsgesetz Antwort Katja Mast, Parl. Staatssekretärin BMAS Mündliche Frage 24 Lisa Paus (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Mögliche Kompensation von Ländern und Kommunen für den Mehraufwand infolge des Rechtskreiswechsels ukrainischer Geflüchteter durch den Bund Antwort Katja Mast, Parl. Staatssekretärin BMAS Mündliche Frage 25 Lisa Paus (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Höhe erwarteter Entlastungen beim Bundeshaushalt und etwaiger Mehrkosten durch den Rechtskreiswechsel für ukrainische Geflüchtete Antwort Katja Mast, Parl. Staatssekretärin BMAS Mündliche Frage 26 Sylvia Rietenberg (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Unterschiede bei den Möglichkeiten einer verbindlichen Förderung des Arbeitsmarktzugangs für ukrainische Flüchtlinge nach dem Rechtskreiswechsel Antwort Katja Mast, Parl. Staatssekretärin BMAS Mündliche Frage 27 Bernd Schattner (AfD) Kenntnis der Bundesregierung zur Anzahl von Kindern an der Armutsgrenze in Deutschland Antwort Katja Mast, Parl. Staatssekretärin BMAS Mündliche Frage 28 Charlotte Antonia Neuhäuser (Die Linke) Kenntnisse der Bundesregierung zu möglichen Kontakten zwischen Vertretern der Bundesregierung und des Beratungsunternehmens Teneo Antwort Philipp Amthor, Parl. Staatssekretär BMDS Mündliche Frage 29 Dr. Anna Lührmann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Mögliche Ergebnisse der angekündigten Prüfung der Förderung europäischer sozialer Medien Antwort Philipp Amthor, Parl. Staatssekretär BMDS Mündliche Frage 30 Tarek Al-Wazir (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Ausgestaltung der Finanzierung des Förderprogramms zur Ertüchtigung des Netzanschlusses und der elektrischen Anlagen von Gebäuden Antwort Christian Hirte, Parl. Staatssekretär BMV Mündliche Frage 31 Tarek Al-Wazir (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Ausgestaltung der Finanzierung des Förderprogramms für den Aufbau von Ladeinfrastruktur in Depots und Betriebshöfen für Nutzfahrzeuge Antwort Christian Hirte, Parl. Staatssekretär BMV Mündliche Frage 32 Matthias Gastel (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Gründe für die Festlegung der maximalen Streckenlänge im Rahmen der Befreiung von Elektrifizierungsmaßnahmen im Entwurf des Infrastruktur-Zukunftsgesetzes Antwort Christian Hirte, Parl. Staatssekretär BMV Mündliche Frage 33 Matthias Gastel (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Aktueller Stand der Planungen für Stellwerke sowie mögliche Verzögerungen im Rahmen der Generalsanierung Hamburg–Berlin Antwort Christian Hirte, Parl. Staatssekretär BMV Mündliche Frage 34 Simone Fischer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Einschätzung und mögliche Maßnahmen der Bundesregierung zur aktuellen Versorgung pflegender Familien mit Rehabilitations- und Entlastungsangeboten Antwort Dr. Georg Kippels, Parl. Staatssekretär BMG Mündliche Frage 35 Dr. Julia Verlinden (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Mögliche Auswirkungen der EU-Neuregulierung von Gentechnik auf Unternehmen der deutschen Lebensmittelwirtschaft und Höhe ihres Jahresumsatzes Antwort Martina Englhardt-Kopf, Parl. Staatssekretärin BMLEH Mündliche Frage 36 Schahina Gambir (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Aktuelle Einschätzung der Sicherheitslage in Afghanistan in Bezug auf den Entzug von Aufnahmezusagen für afghanische Ortskräfte und Anzahl der Betroffenen Antwort Dr. Bärbel Kofler, Parl. Staatssekretärin BMZ Mündliche Frage 37 Hanna Steinmüller (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Mögliche Erhebung von Daten zur Überbelegung von Wohnraum und Einschätzung der Bundesregierung zu einem diesbezüglichen politischen Handlungsbedarf Antwort Sabine Poschmann, Parl. Staatssekretärin BMWSB Mündliche Frage 38 Christian Görke (Die Linke) Entlastungen und Förderungen der Bundesregierung beim Wohnen und bei der Mobilität Antwort Sabine Poschmann, Parl. Staatssekretärin BMWSB Mündliche Frage 39 Dr. Anna Lührmann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Zeitpunkt der Vorlage des Eckpunktepapiers für eine Digitalabgabe Antwort Dr. Wolfram Weimer, Staatsminister BK Mündliche Frage 40 Stefan Schmidt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Einschätzung der Bundesregierung zu den Kosten eines Standarddepots im Rahmen der Reform der privaten Altersvorsorge Antwort Dennis Rohde, Parl. Staatssekretär BMF Mündliche Frage 41 Stefan Schmidt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Gründe der Bundesregierung für die mögliche Nichtberücksichtigung von Empfehlungen der Fokusgruppe zur Reform der privaten Altersvorsorge Antwort Dennis Rohde, Parl. Staatssekretär BMF Mündliche Frage 42 René Springer (AfD) Kenntnisse der Bundesregierung zu Beteiligten im Zuge des G7-Kreditpakets für die Ukraine Antwort Dennis Rohde, Parl. Staatssekretär BMF Mündliche Frage 43 René Springer (AfD) Kenntnisse der Bundesregierung zu Gewährleistungen im Zuge des G7-Kreditpakets für die Ukraine Antwort Dennis Rohde, Parl. Staatssekretär BMF Mündliche Frage 44 Iris Nieland (AfD) Mögliche Pläne der Bundesregierung zur Entlastung der Verwaltungsgerichte angesichts steigender Asyl- und Aufenthaltsklagen Antwort Daniela Ludwig, Parl. Staatssekretärin BMI Mündliche Frage 45 Adam Balten (AfD) Kategorien der an die Zentrale Meldestelle zugeleiteten strafbaren Onlineinhalte und Anteil entsprechender Meldungen nach § 188 StGB Antwort Daniela Ludwig, Parl. Staatssekretärin BMI Mündliche Frage 46 Adam Balten (AfD) Anzahl und Herkunft der an die Zentrale Meldestelle im Jahr 2025 zugeleiteten Meldungen nach § 188 StGB sowie entstandene Bearbeitungskosten Antwort Daniela Ludwig, Parl. Staatssekretärin BMI Mündliche Frage 47 Kerstin Przygodda (AfD) Mögliche zukünftige statistische Erfassung von versuchten und vollendeten Tötungen im Namen der Familienehre Antwort Daniela Ludwig, Parl. Staatssekretärin BMI Mündliche Frage 48 Martin Reichardt (AfD) Mögliche zukünftige Erfassung der Anzahl von Kindern und Jugendlichen mit geänderten Geschlechtseinträgen nach dem Selbstbestimmungsgesetz Antwort Daniela Ludwig, Parl. Staatssekretärin BMI Mündliche Frage 49 Sascha Lensing (AfD) Aktuelle Position von Bundeskanzler Friedrich Merz zu Grenzkontrollen Antwort Daniela Ludwig, Parl. Staatssekretärin BMI Mündliche Frage 50 Sascha Lensing (AfD) Bindungswirkung und Umsetzungsstand des migrationspolitischen Entschließungsantrags der CDU/CSU vom 29. Januar 2025 Antwort Daniela Ludwig, Parl. Staatssekretärin BMI Mündliche Frage 51 Jan Köstering (Die Linke) Bewertung und Informationsstand der Bundesregierung bezüglich der Einsatzbereitschaft der Bundesländer im Katastrophenschutz Antwort Daniela Ludwig, Parl. Staatssekretärin BMI Mündliche Frage 52 Schahina Gambir (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Kenntnisse der Bundesregierung zu Reaktionen afghanischer Staatsangehöriger mit deutscher Aufnahmezusage auf das Ausstiegsangebot Antwort Daniela Ludwig, Parl. Staatssekretärin BMI Mündliche Frage 53 Clara Bünger (Die Linke) Vereinbarkeit der Aussage des Bundesministers Alexander Dobrindt zur Verantwortung Deutschlands mit Nichtaufnahmen von afghanischen Ortskräften Antwort Daniela Ludwig, Parl. Staatssekretärin BMI Mündliche Frage 54 Clara Bünger (Die Linke) Aktueller Stand der Gerichtsverfahren wegen Zurückweisungen trotz Asylgesuchs und Bilanz der Zurückweisungen seit dem 7. Mai 2025 Antwort Daniela Ludwig, Parl. Staatssekretärin BMI Mündliche Frage 55 Filiz Polat (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Mögliche Pläne der Bundesregierung zur Umsetzung und Weiterentwicklung der Schutz- und Familiennachzugsregelungen für Jesiden Antwort Daniela Ludwig, Parl. Staatssekretärin BMI Mündliche Frage 56 Filiz Polat (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Einschätzung der Bundesregierung zur Anzahl der von einem Arbeitsverbot betroffenen Personen bei Einstufung weiterer Länder als sichere Herkunftsstaaten Antwort Daniela Ludwig, Parl. Staatssekretärin BMI Mündliche Frage 57 Charlotte Antonia Neuhäuser (Die Linke) Kenntnisse der Bundesregierung zu möglichen Kontakten zwischen Vertretern der Bundesregierung und des Unternehmens TEHA Group S.p.A. Antwort Daniela Ludwig, Parl. Staatssekretärin BMI Mündliche Frage 58 Ayse Asar (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Mögliche Härtefallregelung im Wehrpflicht- oder Soldatengesetz für Doppelstaater zur Freistellung von der Musterung oder einem späteren Dienst Antwort Sebastian Hartmann, Parl. Staatssekretär BMVg Mündliche Frage 59 Ayse Asar (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Mittelverteilung des 35-Milliarden-Pakets für die Weltraumarchitektur der Bundeswehr bis 2029 Antwort Sebastian Hartmann, Parl. Staatssekretär BMVg Mündliche Frage 60 Jan Köstering (Die Linke) Kontakte der Bundeswehr mit Vertretern von kommunaler Politik, Wirtschaft und Hilfsorganisationen seit Bekanntgabe des Operationsplans Deutschland Antwort Sebastian Hartmann, Parl. Staatssekretär BMVg Mündliche Frage 61 Christian Görke (Die Linke) Mögliche Fortsetzung der Ausnahme von US-Sanktionen gegen Russland für Rosneft-Anteile in Deutschland Antwort Gitta Connemann, Parl. Staatssekretärin BMWE Mündliche Frage 62 Michael Kellner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Gründe der Bundesregierung für die Schaffung einer neuen Treuhandmöglichkeit im Außenwirtschaftsgesetz Antwort Gitta Connemann, Parl. Staatssekretärin BMWE Mündliche Frage 63 Michael Kellner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Vorteile eines Anteilspflegers im Rahmen der vorgesehenen Änderungen im Außenwirtschaftsgesetz nach Einschätzung der Bundesregierung Antwort Gitta Connemann, Parl. Staatssekretärin BMWE Mündliche Frage 64 Tobias Matthias Peterka (AfD) Erkenntnislage der Bundesregierung im Zuge ihrer Forderung nach einer Verbesserung des Schutzes von Rechtsanwälten bei Durchsuchungen Antwort Frank Schwabe, Parl. Staatssekretär BMJV Mündliche Frage 65 Dr. Lena Gumnior (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Maßnahmen der Bundesregierung zur Verbesserung des Korruptionsschutzes im Parlament Antwort Frank Schwabe, Parl. Staatssekretär BMJV Mündliche Frage 66 Iris Nieland (AfD) Mögliche Änderung des Jugendgerichtsgesetzes für die verstärkte Anwendung des Erwachsenenstrafrechts bei schweren Gewaltdelikten durch Jugendliche Antwort Frank Schwabe, Parl. Staatssekretär BMJV Mündliche Frage 67 Dr. Lena Gumnior (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Maßnahmen der Bundesregierung zum Abbau von Hürden bei der Rechtsdurchsetzung für von Gewalt betroffene Frauen mit Behinderung Antwort Frank Schwabe, Parl. Staatssekretär BMJV Mündliche Frage 68 Hanna Steinmüller (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Maßnahmen der Bundesregierung zur Verbesserung der Transparenz bei Betriebskostenabrechnungen Antwort Frank Schwabe, Parl. Staatssekretär BMJV Mündliche Frage 69 Helge Limburg (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Anzahl von Adoptionsverfahren zur Anerkennung einer gelebten Komutterschaft und Gründe für die dadurch entstehenden Kosten aus Sicht der Bundesregierung Antwort Frank Schwabe, Parl. Staatssekretär BMJV Mündliche Frage 70 Stephan Brandner (AfD) Einschätzung der Bundesjustizministerin Dr. Stefanie Hubig zu aktuellen Gefahren für die Meinungsfreiheit in Deutschland Antwort Frank Schwabe, Parl. Staatssekretär BMJV Mündliche Frage 71 Thomas Fetsch (AfD) Geplante gesetzliche Anpassungen des § 188 StGB Antwort Frank Schwabe, Parl. Staatssekretär BMJV Mündliche Frage 72 Thomas Fetsch (AfD) Mögliche Pläne der Bundesregierung für eine Reform des § 188 StGB Antwort Frank Schwabe, Parl. Staatssekretär BMJV Präsidentin Julia Klöckner: Guten Tag! Ich grüße Sie alle und eröffne hiermit die Sitzung. Liebe Kolleginnen und Kollegen, nach den Bildern aus Sydney vom vergangenen Wochenende fällt es mir schwer, uns allen schwer, heute einfach so in die Tagesordnung einzusteigen. Deshalb gestatten Sie mir bitte, unserer Sitzung etwas voranzustellen. Zunächst begrüße ich sehr herzlich den Geschäftsträger der Australischen Botschaft, Herrn Matt Alexander, (Beifall) und den Vertreter der Israelischen Botschaft, Herrn Nizar Amer, auf unserer Tribüne. Schön, dass Sie heute bei uns sind. (Beifall) Liebe Kolleginnen und Kollegen, unser Deutscher Bundestag trägt als Parlament eine sehr besondere Verantwortung gegenüber Jüdinnen und Juden. Aus unserer Geschichte, aus unserer Erfahrung folgt eben nicht nur Erinnerung. Es folgt ein Auftrag: Unser Auftrag ist es, die Stimme zu erheben, wenn Juden bedroht, wenn sie beleidigt und wenn sie angegriffen werden. Aber wie viel mehr müssen wir dies tun, wenn Juden gar ermordet werden, weil sie ihren Glauben leben. Am Bondi Beach in Sydney wollten Familien fröhlich das jüdische Lichterfest feiern. Was als Fest begann, das endete in blankem Entsetzen. Zwei Attentäter töteten 15 Menschen, und sie verletzten viele weitere. Die Menschen starben, weil sie frei und sichtbar ihr Judentum lebten. Wir trauern um die Toten, denken an ihre Familien und an alle, die noch um ihre Liebsten bangen in dieser Stunde. In Sydney wurde auch Alex Kleytman ermordet. Er entkam der Shoah, dem Menschheitsverbrechen, das Deutschland begangen hat. Nun wurde er wieder Opfer. Tausende Kilometer entfernt von Deutschland. Er wurde Opfer des Judenhasses und am Bondi Beach getötet – offenbar während er seine Frau mit seinem Körper vor den Kugeln schützte. Australien liegt geografisch weit entfernt, doch kann ich heute nicht mit dem Finger auf die andere Seite der Erdkugel zeigen. Ich zeige auch auf uns hier in Deutschland. Der Hass auf Jüdinnen und Juden wird ständig offener und lauter. Der Hass wird tödlich. Die Wahrheit ist: Sydney hätte auch in Deutschland liegen können. Zur bitteren Wahrheit gehört auch, dass selbst auf das Massaker am Bondi Beach teils mit offener oder stiller Genugtuung und Häme reagiert wurde. Die Opfer von Sydney traf keine Schuld. Der Hass traf sie ausschließlich, weil sie Juden waren. Als der Parlamentarische Rat, liebe Kolleginnen und Kollegen, unser Grundgesetz erarbeitete, stand eine Erkenntnis vor allem: Was im deutschen Namen geschehen war, das durfte nie wieder geschehen. Die erste Antwort auf die damalige millionenfache Entmenschlichung lautete: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Wer heute jüdisches Leben bedroht, der greift diese Antwort an. Wer die Ermordung von Juden relativiert, verlässt den Boden des zentralsten Grundwertes unserer Verfassung. Das wird dieser Deutsche Bundestag niemals tolerieren. (Beifall) Ich danke Ihnen. Wir treten in die Tagesordnung ein. Interfraktionell ist vereinbart worden, die Tagesordnung um die in der Zusatzpunktliste aufgeführten Punkte zu erweitern: ZP 1 Aktuelle Stunde auf Verlangen der Fraktion Die Linke Lehren aus dem Siebten Armuts- und Reichtumsbericht ziehen – Armut bekämpfen, Reichtum besteuern ZP 2 Weitere Überweisung im vereinfachten Verfahren (Ergänzung zu TOP 36) Beratung der Unterrichtung durch die Bundesregierung Baukulturbericht 2024/25 der Bundesstiftung Baukultur mit Stellungnahme der Bundesregierung Drucksache 20/11650 Überweisungsvorschlag: Ausschuss für Wohnen, Stadtentwicklung, Bauwesen und Kommunen (f) Ausschuss für Sport und Ehrenamt Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat Ausschuss für Tourismus Ausschuss für Kultur und Medien ZP 3 Aktuelle Stunde auf Verlangen der Fraktionen der CDU/CSU und SPD: Zu den Ergebnissen des Berliner Ukrainegipfels ZP 4 a) Zweite und dritte Beratung des von den Abgeordneten Dr. Malte Kaufmann, Leif-Erik Holm, Enrico Komning, weiteren Abgeordneten und der Fraktion der AfD eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Abschaffung des Gesetzes über die unternehmerischen Sorgfaltspflichten zur Vermeidung von Menschenrechtsverletzungen in Lieferketten (Lieferkettensorgfaltspflichtenabschaffungsgesetz – LkSAG) Drucksache 21/329 Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Arbeit und Soziales (11. Ausschuss) Drucksache 21/733 b) Beratung der Beschlussempfehlung und des Berichts des Ausschusses für Arbeit und Soziales (11. Ausschuss) zu dem Antrag der Abgeordneten Dr. Malte Kaufmann, Leif-Erik Holm, Carolin Bachmann, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD Bürokratiewende einleiten – EU-Lieferkettenrichtlinie zügig abschaffen Drucksachen 21/340, 21/733 ZP 5 Beratung der Beschlussempfehlung und des Berichts des Finanzausschusses (7. Ausschuss) zu dem Antrag der Abgeordneten Katharina Beck, Dr. Moritz Heuberger, Max Lucks, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Gerechtigkeitslücken im Steuersystem schließen – Ausnahmen bei Erbschaft- und Immobilienbesteuerung abbauen und organisierte Steuerhinterziehung wie Cum/Cum bekämpfen Drucksachen 21/2028, 21/… ZP 6 Beratung des Antrags der Abgeordneten Udo Theodor Hemmelgarn, Jan Wenzel Schmidt, Kay Gottschalk, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD Rat und Friedensinitiative der USA folgen – Die Risiken für Deutschland bei dem Umgang mit dem immunen russischen Staatsvermögen erkennen Drucksache 21/3309 ZP 7 Beratung des Antrags der Abgeordneten Leif-Erik Holm, Kay Gottschalk, Jörn König, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD Zölle durch positive Anreize für die USA senken Drucksache 21/3313 Überweisungsvorschlag: Ausschuss für Wirtschaft und Energie (f) Auswärtiger Ausschuss Finanzausschuss Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union Ausschuss für Digitales und Staatsmodernisierung ZP 8 Aktuelle Stunde auf Verlangen der Fraktion der AfD Digital Services Act abschaffen – Keine Einschränkung der Meinungsfreiheit im digitalen Raum durch die EU Von der Frist für den Beginn der Beratungen soll, soweit erforderlich, abgewichen werden. Tagesordnungspunkt 8 wird abgesetzt. An dieser Stelle wird nun Tagesordnungspunkt 13 mit einer Dauer von 60 Minuten beraten werden. Tagesordnungspunkt 23 wird nach Tagesordnungspunkt 12 mit einer Debattenzeit von nunmehr 30 Minuten aufgerufen. Außerdem mache ich auf eine nachträgliche Ausschussüberweisung im Anhang zur Zusatzpunktliste aufmerksam: Der am 5. Dezember 2025 (48. Sitzung) überwiesene nachfolgende Antrag soll zusätzlich dem Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz (6. Ausschuss) zur Mitberatung überwiesen werden: Beratung des Antrags der Abgeordneten Pascal Meiser, Janine Wissler, Doris Achelwilm, weiterer Abgeordneter und der Fraktion Die Linke Paketzustellerinnen und Paketzusteller wirksam vor Überlastung und Ausbeutung schützen Drucksache 21/2911 Überweisungsvorschlag: Ausschuss für Arbeit und Soziales (f) Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz Frage an Sie: Sind Sie damit einverstanden? – Ich sehe und höre keinen Widerspruch. Dann ist das so beschlossen. Ich rufe auf den Tagesordnungspunkt 1: Befragung der Bundesregierung Hierfür hat sich der Bundeskanzler zur Verfügung gestellt. Der Bundeskanzler hat mir zuvor mitgeteilt, dass er heute auf seine einleitenden Ausführungen verzichten möchte und wir direkt mit Fragen beginnen können. Für die Befragung des Bundeskanzlers sind insgesamt 60 Minuten vorgesehen. Eine Verlängerung ist nach unserer Geschäftsordnung nicht möglich. Bei mir läuft die Uhr mit den 60 Minuten runter, und insofern ist dann, wenn sie abgelaufen ist, die Zeit dieser Befragung um. Sie können Fragen zum Geschäftsbereich des Bundeskanzlers, zu den Kabinettssitzungen und allgemeine Fragen an den Bundeskanzler richten. Alle Fraktionen erhalten hierfür in mehreren Runden nacheinander das Wort. Beginnen werden wir mit der größten Oppositionsfraktion. Für die Hauptfrage und für die Antwort stehen jeweils eine Minute zur Verfügung, für eine Nachfrage des Fragestellers und die Antwort darauf 30 Sekunden. Weitere Nachfragen von weiteren Abgeordneten – das ist anders als sonst bei den Regierungsbefragungen – sind nicht möglich. Ich bitte alle, auch den Herrn Bundeskanzler, die Zeit einzuhalten. Kleine Orientierung noch: Oben bei der Uhr gibt es auch eine farbige Anzeige. Bei Grün ist man noch gut in der Zeit. Bei Gelb sollte man zum Schluss kommen. Bei Rot stelle ich das Mikrofon ab – auch für den Bundeskanzler, wenn es sein muss. Das wollte ich kurz noch einmal vorab sagen. Wir starten nun mit der AfD-Fraktion, und das Wort hat Herr Abgeordneter Markus Frohnmaier. Bitte sehr. Markus Frohnmaier (AfD): Herr Bundeskanzler, Sie haben Sicherheitsgarantien angekündigt und auch eine deutsche Beteiligung. Ihre Außenpolitiker, beispielsweise Herr Kiesewetter, aber auch Sie selber haben in deutschen Medien erklärt, dass dieser Einsatz deutscher Soldaten durchaus robust stattfinden könnte. Und Sie haben erklärt, dass beispielsweise bei Feuergefechten deutsche Soldaten diese auch erwidern würden. Wie viele deutsche Soldaten planen Sie im Rahmen dieser Sicherheitsgarantien in der Ukraine zu verwenden? Friedrich Merz, Bundeskanzler: Herr Abgeordneter, vielen Dank für die Frage. – Wir haben in den letzten Tagen hier in Berlin, von Sonntagmittag bis spät in die Nacht von Montag auf Dienstag, ausführlich über die Lage in der Ukraine beraten. Im Vordergrund stand die Frage, ob die Europäer, die Ukraine und die amerikanische Regierung eine gemeinsame Position finden, um mit der russischen Seite über ein Ende dieses schrecklichen Krieges zu verhandeln. Im Vordergrund steht für uns und auch für mich persönlich diese eine Frage: Wie können wir so schnell wie möglich den schrecklichen Krieg in der Ukraine, ausgelöst ausschließlich von Russland, beenden? Diese Frage steht im Vordergrund. (Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Seit Wochen besprechen wir in Europa zusammen mit der amerikanischen Regierung mögliche Sicherheitsgarantien, die der Ukraine für den Fall eines Waffenstillstands gegeben werden könnten. Präsidentin Julia Klöckner: Danke schön. Ihre Zeit ist abgelaufen. Friedrich Merz, Bundeskanzler: Über nichts anderes sprechen wir im Augenblick. Präsidentin Julia Klöckner: Danke sehr. – Eine Nachfrage, Herr Abgeordneter. Markus Frohnmaier (AfD): Herr Merz, leider haben Sie meine Frage nicht beantwortet. Aber wir haben ja noch eine zweite Möglichkeit: Wollen Sie deutsche Soldaten im Rahmen der Sicherheitsgarantien in die Ukraine entsenden? Das lässt sich mit Ja oder Nein beantworten – als kleiner Hinweis. Friedrich Merz, Bundeskanzler: Vielen Dank für den Hinweis, Herr Abgeordneter. – Es gibt Fragen auf dieser Welt, die nicht so einfach zu beantworten sind, wie Sie es sich vielleicht vorstellen. (Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Und diese Frage gehört dazu. Wir sprechen über Sicherheitsgarantien für die Ukraine nach einem Waffenstillstand, der mit Russland vereinbart werden muss. Und ich füge hinzu: Wir werden, jedenfalls solange ich mitsprechen kann, die Fehler des Jahres 2014 nicht wiederholen, die Ukraine ohne Sicherheitsgarantien weiter dem Zugriff von Russland auszusetzen. (Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Präsidentin Julia Klöckner: Danke sehr. – Damit ist die Frage beantwortet. Bevor die nächste Frage kommt, noch mal der Hinweis, dass hier im Plenarsaal nicht fotografiert werden darf und dass die Bilder auch nicht für Social Media oder sonst wo genutzt werden dürfen. Das ist allgemeine Erkenntnis. Jetzt hat für die SPD-Fraktion Frau Abgeordnete Claudia Moll das Wort. Bitte sehr. Claudia Moll (SPD): Vielen Dank. – Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, die Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Zukunft der Pflegeversicherung hat ihre Beratungen abgeschlossen. Wir wissen, dass die Einnahmesituation der Pflegeversicherung in den kommenden Jahren politische Entscheidungen verlangt. Viele Familien wünschen sich Sicherheit und Verlässlichkeit, wenn es um Pflege geht – heute und im Alter. Welche Botschaft möchten Sie Pflegebedürftigen, ihren Angehörigen und den Beitragszahlern dazu mitgeben, dass die Pflegeversicherung stabil bleibt und niemand Angst haben muss, bei der Pflege im Stich gelassen zu werden? Jeder von uns kann von heute auf morgen pflegebedürftig werden. Friedrich Merz, Bundeskanzler: Frau Kollegin, vielen Dank für diese Frage. – In der Tat, die Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Zukunft der Pflegeversicherung hat ihre Arbeit beendet – ich will aus meiner Sicht sagen: mit einem nicht befriedigenden Ergebnis. Wir werden im nächsten Jahr ausführlich über die Zukunft der Pflegeversicherung zu beraten haben. Wir haben der Pflegeversicherung in diesem Jahr im Wege von Darlehen Geld zur Verfügung gestellt, damit sie zahlungsfähig bleibt. Die Botschaft, die ich mitgeben möchte, ist ganz einfach die: Die Menschen, die in Deutschland pflegebedürftig werden, müssen sich auf die Solidarität unseres Sozialstaates auch in Zukunft verlassen können. Diejenigen, die pflegebedürftig werden und in ein Heim eingewiesen werden oder in ein Heim gehen müssen, müssen sich allemal darauf verlassen können, dass unser Sozialstaat auch ihnen hilft, selbst im Falle einer schwersten Pflegebedürftigkeit. (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD) Claudia Moll (SPD): Eine Nachfrage habe ich nicht. Aber ich freue mich, dass Sie das Ergebnis genauso enttäuschend fanden wie ich. Ich habe es nur nicht gesagt. (Heiterkeit bei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU) Danke. Präsidentin Julia Klöckner: Danke schön. – Wir kommen zur nächsten Hauptfrage. Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat Herr Abgeordneter Michael Kellner das Wort. Bitte sehr. Michael Kellner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, Ihr Kulturstaatsminister erhielt für seine Firma 30 000 Euro Exklusivsponsoring von der Landeskasse Hessen und organisiert mit der Weimer Media Group gegen Bezahlung Zugang zu Ihren Regierungsmitgliedern. Ihre Wirtschaftsministerin nimmt an einem von ihrem Lebensgefährten zu Guttenberg veranstalteten privaten Lobbytreffen in Tirol teil. (Stephan Brandner [AfD]: Das sind ja fast Zustände wie bei den Grünen!) Auf der Tagesordnung standen Sicherheits- und Verteidigungsthemen. Der griechische Verteidigungsminister war anwesend. Die Teilnahme wurde von ihr selbst als „privat“ definiert, und mit dieser Begründung werden dem Bundestag jegliche Auskunftsrechte verweigert. Ich frage Sie, Herr Bundeskanzler: Wie stellen Sie bei den Mitgliedern Ihrer Bundesregierung den angemessenen Umgang mit Interessenkonflikten sowie die Einhaltung geltender Integritätsregeln sicher? Wie schließen Sie Vorteilsnahme aus? (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Herr Kollege Kellner, alle Mitglieder der Bundesregierung unterliegen den Regeln des Bundesministergesetzes. (Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Und? Halten sie sich daran?) Ich gehe davon aus, dass sich alle Mitglieder der Bundesregierung an diese Regeln halten. Das schließt allerdings nicht aus, dass Mitglieder der Bundesregierung privaten Einladungen folgen, auch wenn ihre Lebenspartner Gastgeber sein sollten. Zum Staatsminister für Kultur und Medien will ich hier sehr klar und deutlich sagen: Ich habe keinen Zweifel daran, dass seine Angaben, dass er sich von allen Anteilen seiner Firma getrennt und die Geschäftsführung aufgegeben hat, zutreffend sind. Aber seine Familie darf nicht in Mithaftung genommen werden; sie darf das gemeinsam gegründete Unternehmen fortführen. Wir alle wünschen, dass so etwas möglich ist. Und ich persönlich wünsche mir, dass es auch in Zukunft möglich ist, Mitglieder für Staatsämter zu gewinnen, die vorher einer privatwirtschaftlichen Tätigkeit nachgegangen sind. (Beifall bei der CDU/CSU) Michael Kellner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Das ist mir zu simpel. Ehrlicherweise finde ich es nicht akzeptabel, dass Mitglieder der Bundesregierung einfach selber definieren, was privat ist und was nicht. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Daher meine Nachfrage an Sie: Sind Sie bereit, ein unabhängiges Ethikgremium, das für die Einhaltung von Transparenz- und Integritätsregeln zuständig wäre, einzurichten, damit nicht Ihre Regierungsmitglieder entscheiden müssen, was ihr Geschäftsgebaren oder was ihre Privatregeln angeht? (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Zuruf des Abg. Peter Boehringer [AfD]) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Herr Kollege Kellner, ich will zunächst einmal mit aller Entschiedenheit das Wort „Geschäftsgebaren“ im Zusammenhang mit Mitgliedern der von mir geführten Bundesregierung zurückweisen. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Das weise ich entschieden zurück. Wenn es Veranlassung geben sollte, das zu überprüfen, dann überprüfen wir das. Aber es gibt aus meiner Sicht keine Veranlassung, ein solches Instrument einzusetzen, wie Sie es gerade beschrieben haben. (Beifall bei der CDU/CSU – Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Dann soll er die Fragen beantworten! – Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Warum werden die Fragen nicht beantwortet? – Dr. Reinhard Brandl [CDU/CSU], an den Abg. Michael Kellner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] gewandt: Fragen Sie doch mal die Familie Graichen! – Gegenruf der Abg. Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Worüber wollten Sie sprechen?) Präsidentin Julia Klöckner: Nun hat für die Fraktion der CDU/CSU der Abgeordnete Herr Jürgen Hardt das Wort. Bitte sehr. Jürgen Hardt (CDU/CSU): Danke schön, Frau Präsidentin. – Herr Bundeskanzler, es ist gerade mal vier Wochen her, dass wir alle völlig überrascht wurden von den 28 Punkten eines sogenannten Friedensplans für die Ukraine, von dem offensichtlich auch in Europa kaum jemand etwas wusste, der de facto eine Kapitulation der Ukraine gegenüber Russland bedeutet hätte und deswegen für die Ukraine wie für Europa unannehmbar war. Sie haben dann einen Prozess gestartet, der ausgehend von einer Konferenz in Genf über Gespräche an vielen anderen Orten am Ende zu der Konferenz am Sonntag und Montag hier in Berlin geführt hat, die ein ganz großer Erfolg gewesen ist, zu dem ich Ihnen nur gratulieren kann. Es ist in unser aller Interesse, dass es gelungen ist, eine gemeinsame europäisch-amerikanisch-ukrainische Position zu formulieren. (Stephan Brandner [AfD]: Was war denn der konkrete Beitrag des Bundeskanzlers?) Leider ist das zunächst einmal ein Ergebnis auf der Seite der Genannten. Jetzt müssen wir hoffen, dass es gelingt, das auch durchzusetzen. Welche Schritte sind dazu jetzt erforderlich, welche Schritte werden unternommen? Haben Sie vielleicht noch Erkenntnisse – Präsidentin Julia Klöckner: Ihre Zeit ist abgelaufen. Danke. Jürgen Hardt (CDU/CSU): – über erste Reaktionen anderer? Friedrich Merz, Bundeskanzler: Vielen Dank, Herr Kollege. – Wir haben in der Tat am vergangenen Wochenende intensiv beraten. Wir haben diese Beratungen auch zum Anlass genommen, die von der amerikanischen Regierung vorgelegten Vorschläge noch einmal grundlegend zu überarbeiten. Aus den 28 Punkten des Vorschlags von vor vier Wochen sind jetzt 20 Punkte geworden, die wir weitgehend miteinander vereinbart haben. (Stephan Brandner [AfD]: Entbürokratisiert!) Und es geht jetzt darum, diese gemeinsame Position der Europäer, der Ukraine und der Vereinigten Staaten von Amerika Russland vorzulegen und Russland aufzufordern, auf der Basis dieser Vorschläge den Krieg in der Ukraine zu beenden. Das ist der nächste Schritt, und den werden vor allem die Amerikaner gehen. Präsidentin Julia Klöckner: Eine Nachfrage? – Bitte. Jürgen Hardt (CDU/CSU): Jetzt möchte ich Sie fragen, ob Sie auch der Meinung sind, dass wir die Unterstützung für die Ukraine in jedem Fall ungemindert fortsetzen müssen, mindestens so lange, wie nicht sicher ist, dass es eine nachhaltige Friedenslösung gibt. Was sind da die nächsten Schritte seitens der Bundesregierung speziell mit Blick auf 2026? Friedrich Merz, Bundeskanzler: Wir werden am morgigen Tag in Brüssel im Europäischen Rat darüber sprechen, ob wir ein weiteres Instrument nutzen, um die Ukraine in den nächsten Wochen, Monaten und, wenn notwendig, Jahren zu unterstützen. Ich will es von mir aus noch einmal sehr deutlich sagen: Ich werde keinen Zweifel daran lassen, weder hier noch in Brüssel, dass die feste Absicht der von mir geführten Bundesregierung ist, die Ukraine wirklich dauerhaft so lange zu unterstützen, wie es notwendig ist, um die gewalttätige Veränderung von Grenzen in Europa nicht zu akzeptieren. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Präsidentin Julia Klöckner: Danke sehr. Die Zeit abgelaufen. Friedrich Merz, Bundeskanzler: Das ist es, was mich leitet bei allen Gesprächen, die wir in den nächsten Stunden und Tagen führen. Präsidentin Julia Klöckner: Nun hat für die Fraktion Die Linke Frau Abgeordnete Janina Böttger das Wort. Bitte. Janina Böttger (Die Linke): Danke, Frau Präsidentin. – Herr Bundeskanzler, ich frage zum Chemiedreieck Mitteldeutschland. Der US-amerikanische Konzern Dow schließt seine Chemieanlagen in Ostdeutschland. Es drohen hier das Wegbrechen eines starken Industriekerns und der Verlust von Tausenden Industriearbeitsplätzen. Ich frage Sie: Was wollen Sie und Ihre Bundesregierung tun, um den Dominoeffekt, der in dieser Region droht, zu verhindern und die Arbeitsplätze zu retten? (Beifall bei der Linken sowie des Abg. Michael Kellner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Vielen Dank, Frau Kollegin, für die sehr berechtigte Frage. – Die Lage der deutschen chemischen Industrie erfüllt uns alle mit großer Sorge. Und das, was dort zurzeit mit Dow Chemical passiert, droht auch an anderen Standorten in Deutschland zu geschehen, wenn die Rahmenbedingungen für die chemische Industrie in Deutschland nicht schnell besser werden. Aber in diesem speziellen Fall sind wir mit dem Unternehmen im Gespräch. Es werden Gespräche geführt über eine mögliche Nachnutzung des Betriebsgeländes. Ich kann Ihnen versichern, dass ich persönlich, aber auch die Wirtschaftsministerin und alle, die an diesem Prozess beteiligt sind, alles tun werden, um industrielle Arbeitsplätze an diesem Standort, aber auch an vielen anderen Standorten in Deutschland zu erhalten. Ich will ausdrücklich sagen: Ich möchte, dass Deutschland ein Industriestandort bleibt, und dazu zählen auch Arbeitsplätze in der chemischen Industrie, einem unserer wichtigsten und erfolgreichsten Industriezweige, die wir in Deutschland haben. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Janina Böttger (Die Linke): Danke. – Dennoch ist es so, dass Dow jetzt schon angekündigt hat, die Anlagen nicht an einen Nachfolgeinvestor zu verkaufen. Sie blockieren sozusagen den Weiterbetrieb dieser Anlagen, und damit gefährden sie auch die Arbeitsplätze dort vor Ort. Deswegen frage ich Sie noch mal ganz konkret: Was tun Sie in diesem konkreten Fall, damit Dow den Widerstand gegen eine Nachfolgeinvestition aufgibt? Wäre auch ein staatlicher Einstieg, wie zum Beispiel bei PCK in Schwedt, ein Mittel der Wahl, um diese Schlüsselindustrie und die wichtigen Arbeitsplätze zu retten? (Beifall bei der Linken) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Frau Kollegin, die Nachricht, dass möglicherweise verhindert wird, dass die Anlagen an einen Nachnutzer veräußert werden, hat mich heute auch erreicht. Ich werde zunächst dem Sachverhalt auf den Grund gehen. Ich werde gegebenenfalls mit dem Unternehmen darüber sprechen, auch mit dem amerikanischen Vorstandsvorsitzenden, der schon vor geraumer Zeit auch bei mir war, um genau auf diese Probleme hinzuweisen. Ich werde ihm umgekehrt sagen, dass ich das nicht akzeptieren würde, wenn eine solche Nachnutzung des Betriebsgeländes dort systematisch verhindert wird. Das ist aus deutscher Sicht nicht hinnehmbar, – Präsidentin Julia Klöckner: Danke sehr. Friedrich Merz, Bundeskanzler: – und ich werde alles tun, um das auch zu vermeiden. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Präsidentin Julia Klöckner: Wir kommen nun zur zweiten Fraktionsrunde, und die startet mit der AfD-Fraktion. Herr Abgeordneter Marc Bernhard, bitte. Marc Bernhard (AfD): Herr Bundeskanzler, der Chef des Bundesverbandes der Deutschen Industrie spricht von der schwersten Wirtschaftskrise in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, weil Ihre angekündigten Reformen zu langsam oder eigentlich gar nicht kommen. Sie selbst haben ja gestern vor Ihrer eigenen Fraktion zugegeben, dass die Stimmung im Land sehr schlecht ist, und haben gesagt: das auch sehr zu Recht. – Es ist einfach die Wut über Ihre vielen gebrochenen Wahlversprechen. Im Moment werden jeden Monat 15 000 Arbeitsplätze in Deutschland vernichtet, weil Deutschland die höchsten Steuern und die höchsten Energiepreise der Welt hat. Herr Bundeskanzler, ich frage Sie: Wie viele Hunderttausend Arbeitsplätze müssen eigentlich noch vernichtet werden, bevor Sie endlich handeln und das tun, was jede vernünftige Regierung auf der Welt in so einer Situation tun würde, nämlich die Steuern und die Energiekosten spürbar zu senken? (Beifall bei der AfD) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Herr Kollege, ich weiß nicht, ob Sie an allen Parlamentsdebatten und Entscheidungen der letzten Monate teilgenommen haben. Wir haben im Bereich der Steuern schon vor der parlamentarischen Sommerpause ein umfangreiches Entlastungspaket beschlossen. Wir haben im zweiten Halbjahr 2025 umfangreiche Entlastungen bei den Energiepreisen vorgenommen und werden zu Beginn des Jahres 2026 eine Absenkung der Energiekosten in Deutschland um etwa 10 Milliarden Euro sehen. Wir wissen, dass das alles noch nicht genug ist. Wir werden deswegen einen Industriestrompreis in Deutschland ermöglichen. Wir werden eine Kraftwerksstrategie in Deutschland umsetzen, die dafür sorgt, dass wir auch wieder Gaskraftwerke bekommen, die Strom erzeugen. (Stephan Brandner [AfD]: Kernkraftwerke!) Ich weiß, dass das alles noch nicht genug ist angesichts der prekären Lage der deutschen Wirtschaft. Deswegen werden wir ganz intensiv auch im neuen Jahr weiter daran arbeiten – so wie wir das übrigens heute im Bundeskabinett mit entsprechenden Beschlüssen getan haben – und dafür sorgen, dass die Standortbedingungen in Deutschland wieder so werden, dass wir Wachstum und Beschäftigung ermöglichen. Präsidentin Julia Klöckner: Danke sehr. Die Zeit ist vorbei. Friedrich Merz, Bundeskanzler: Ich weiß, dass diese Aufgabe schwer ist. Sie ist möglicherweise auch schwerer, als wir sie eingeschätzt haben. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Präsidentin Julia Klöckner: Eine Nachfrage? Marc Bernhard (AfD): Herr Bundeskanzler, Deutschland hat doppelt so hohe Stromkosten wie unsere Nachbarländer, und jetzt kommen Sie doch tatsächlich mit einer Stromkostensenkung um 2 Cent daher, und das noch nicht mal für alle Unternehmen, sondern nur für einen gewissen Teil. Gleichzeitig erhöhen Sie aber zum Januar die CO2-Steuer auf 65 Euro pro Tonne. Im Ergebnis machen Sie Energie also nicht billiger, sondern teurer. Und Ihre Unternehmensteuerreform ist ja auch ein Witz: Ab 2028 1 Prozent, das ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Bis dahin sind die Unternehmen weg. Präsidentin Julia Klöckner: Ihre Zeit ist um. Danke. Marc Bernhard (AfD): Zwei Drittel der Unternehmen – Präsidentin Julia Klöckner: Nein, Ihre Zeit ist abgelaufen. Sie sehen das an dem roten Balken. Marc Bernhard (AfD): – wollen bereits verlagern. Friedrich Merz, Bundeskanzler: Herr Kollege, die Steuerpolitik der Bundesregierung betrifft nicht nur die Körperschaftsteuer. Wir haben für die Jahre 2025, 2026 und 2027 jeweils 30 Prozent degressive Abschreibung ermöglicht auf Investitionen in den Unternehmen. Das sind die höchsten Abschreibungssätze, die es in Deutschland für Unternehmen jemals gegeben hat. Und in der Energiepolitik leiden wir unter den Folgen der Energiepolitik der letzten Jahre und Jahrzehnte. (Stephan Brandner [AfD]: Die hat wer verantwortet?) Die versuchen wir zu korrigieren. Das ist nicht einfach, aber die Energiepreise sind im nächsten Jahr ungefähr wieder auf Vorkrisenniveau. Auf diesem Weg gehen wir weiter, – Präsidentin Julia Klöckner: Danke sehr. Friedrich Merz, Bundeskanzler: – damit Deutschland ein guter Standort bleibt. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Präsidentin Julia Klöckner: Für die Fraktion der SPD hat nun Herr Abgeordneter Parsa Marvi das Wort. Bitte sehr. Parsa Marvi (SPD): Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, ich habe eine Frage zur kürzlich verabschiedeten Föderalen Modernisierungsagenda. Sie haben zu Recht die über 200 Maßnahmen als einen wichtigen Baustein der dringend notwendigen Staatsreform bezeichnet. Der Tenor war: Wir machen das Leben für die Menschen in Deutschland einfacher und digitaler mit weniger Bürokratie, schnelleren Entscheidungen und einer serviceorientierten und bürgerfreundlichen Verwaltung. Entscheidend ist nun die konsequente und schnelle Umsetzung. Von daher meine Frage: Ist diese Föderale Modernisierungsagenda als Auftakt einer umfassenden Staatsreform zu verstehen? Wird diese fortgeschrieben? Welche weiteren Bausteine sind aus Ihrer Sicht notwendig? Und welche weiteren Vereinbarungen werden mit Ländern und Kommunen in Aussicht gestellt? Friedrich Merz, Bundeskanzler: Vielen Dank, Herr Kollege. – Sie sprechen ein Thema an, das zu den Prioritäten der Bundesregierung gehört, nämlich eine umfassende Digitalisierung und Staatsmodernisierung unseres Landes. Sie wissen, dass wir dafür sogar ein gesondertes Ministerium eingerichtet haben, das aber nicht zusätzlich hinzugekommen ist, sondern Kompetenzen bündelt, die es vorher verteilt auf insgesamt sechs Häuser in der Bundesregierung gegeben hat. Wir haben bei der Klausurtagung des Bundeskabinetts im Sommer die erste umfassende Modernisierungsagenda für den Bund bereits beschlossen; sie ist in der Umsetzung. Und wir haben in der vorletzten Woche mit den Ministerpräsidenten der 16 Bundesländer eine zusätzliche Modernisierungsagenda zwischen Bund und Ländern vereinbart mit weit über 200 verschiedenen Maßnahmen, die jetzt noch einmal die Digitalisierung und die Staatsmodernisierung auch im Verhältnis zwischen Bund, Ländern und Gemeinden auf den Weg bringen soll. Das geht jetzt Schritt für Schritt. Wir werden das im nächsten Jahr an den ersten sehr konkreten Beispielen sehen, wie zum Beispiel einem digitalen Personalausweis, digitalen Personaldokumenten usw. bis hin zur Work-and-Stay-Agentur. Präsidentin Julia Klöckner: Danke schön. Friedrich Merz, Bundeskanzler: Also: Wir haben eine umfassende Tagesordnung vorbereitet. Präsidentin Julia Klöckner: Danke sehr. – Haben Sie eine Nachfrage? – Bitte. Parsa Marvi (SPD): In der Agenda heißt es, dass die Umsetzung durch ein systematisches Monitoring bzw. ein Evaluierungssystem begleitet werden soll. Was genau ist vorgesehen, um die Umsetzung schnell und wirksam zu begleiten und Transparenz herzustellen? Friedrich Merz, Bundeskanzler: Wir haben mit Karsten Wildberger einen Minister für Digitalisierung und Staatsmodernisierung gewinnen können, der aus der Privatwirtschaft kommt und über umfassende Kenntnisse und Fähigkeiten verfügt, wie man Transformation ermöglicht. Und wir wenden hier Systeme und Methoden an, wie wir sie eigentlich nur aus der Privatwirtschaft kennen, nämlich mit Projektgruppen, mit Monitoring, mit Zeitplänen und mit Nacharbeiten, wenn diese Zeitpläne nicht eingehalten werden. Und genau das wird in dem zuständigen Ministerium aufgesetzt. Präsidentin Julia Klöckner: Danke sehr. Friedrich Merz, Bundeskanzler: Wir werden den Prozess so eng begleiten, – Präsidentin Julia Klöckner: Danke sehr. Die Zeit ist abgelaufen. Friedrich Merz, Bundeskanzler: – dass er erfolgreich wird. Präsidentin Julia Klöckner: Nun hat für Bündnis 90/Die Grünen Frau Abgeordnete Hanna Steinmüller das Wort. Bitte. Hanna Steinmüller (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Herr Bundeskanzler, Weihnachten steht vor der Tür. Viele machen sich gerade Gedanken über die Geschenke, die sie gegebenenfalls einkaufen, oder das Weihnachtsmenü. Aber für immer mehr Menschen wird die Frage nach Geschenken existenziell, weil die Mieten explodieren. Letzte Woche hat der Paritätische Bundesverband eine Studie herausgebracht, die sagt: 18,4 Millionen Menschen in Deutschland – fast jeder vierte Deutsche – sind von Armut bedroht, wenn man die Wohnkosten einbezieht. Ihre Ministerin Frau Hubig hat in den letzten Wochen und Monaten dreimal – genauer gesagt: am 2. September, am 16. September und am 4.12. – angekündigt, dass noch in diesem Jahr eine Mietrechtsnovelle zu erwarten sei. Das Ende des Jahres ist in zwei Wochen erreicht. Ankündigungen allein reichen nicht. Herr Bundeskanzler, wann ist mit dieser Mietrechtsnovelle zu rechnen? (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Frau Kollegin, wie der Zeitplan der Kollegin Hubig aussieht, kann ich Ihnen nicht beantworten; aber ich kann Ihnen sagen, dass wir bereits eine ganze Reihe von Entscheidungen im Hinblick auf die Schaffung von Wohnraum in Deutschland getroffen und das sogar hier im Deutschen Bundestag schon verabschiedet haben: Wir haben das Baugesetzbuch geändert. Wir haben den Kommunen die Möglichkeit gegeben, viel schneller zu bauen, bauen zu lassen. Wir haben das Bauplanungsrecht und das Bauordnungsrecht geändert, sodass jetzt sogar mit Fiktionen gearbeitet werden kann im Hinblick auf die Möglichkeit, neuen Wohnraum zu schaffen. (Zuruf von der Linken: Was haben denn die Mieterinnen und Mieter davon?) Wir sind hier also nicht nur im Mietrecht, sondern auch im Bereich Wohnungsbau unterwegs. Man kann nur das vermieten, was da ist. Wir kümmern uns darum, dass der Bestand größer wird. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Hanna Steinmüller (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Herr Bundeskanzler, Bauen allein reicht nicht. Die Mieten steigen aktuell schneller als die Löhne. Das ist auch volkswirtschaftlich ein Problem, weil die Kaufkraft sinkt. Eine Maßnahme, um schnell für breite Entlastung zu sorgen, wäre die Absenkung der Kappungsgrenzen, damit die Mieten für alle Mieterinnen und Mieter nicht so stark steigen. Warum stehen Sie, Herr Bundeskanzler, nicht auf der Seite der Mieterinnen und Mieter und kümmern sich um die Absenkung der Kappungsgrenzen? (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Frau Kollegin, wir tun sehr viel für die Mieterinnen und Mieter. Und vielleicht sollte ich hinzufügen: Wir sind in der Europäischen Union das Land mit der geringsten Eigenheimquote; es gibt kein Land in Europa, das eine geringere Eigenheimquote hat als Deutschland. Die Frage, wie wir mehr Wohnraum schaffen, ist vor allem auch eine Frage, wie wir mehr Eigentum schaffen, (Beifall bei der CDU/CSU) wie wir den Bestand insgesamt erhöhen. (Janine Wissler [Die Linke]: Sollen sich die Mieterinnen und Mieter jetzt ein Haus kaufen? Sollen sie sich jetzt auch noch Häuser kaufen?) – Das müssen Sie nicht teilen; aber ich will Ihnen aus meiner Sicht meine feste Überzeugung sagen: Die Bewirtschaftung des Mangels – Präsidentin Julia Klöckner: Danke sehr. Friedrich Merz, Bundeskanzler: – führt nicht zur Verbesserung der Lage der Mieterinnen und Mieter in Deutschland. (Beifall bei der CDU/CSU) Präsidentin Julia Klöckner: Danke sehr. – Für die CDU/CSU-Fraktion hat nun der Abgeordnete Herr Dr. Martin Plum das Wort. Bitte. Dr. Martin Plum (CDU/CSU): Frau Präsidentin! Herr Bundeskanzler! Keine andere Bundesregierung in der Geschichte unseres Landes hat sich beim Bürokratierückbau so ambitionierte Ziele (Stephan Brandner [AfD]: „Bemüht“!) gesetzt: rund 16 Milliarden Euro weniger Bürokratiekosten für die Wirtschaft, weitere 10 Milliarden Euro weniger Erfüllungsaufwand. Keine andere Bundesregierung hat in so kurzer Zeit so viel getan, um teure Bürokratie abzubauen: in sechs Monaten rund 3 Milliarden Euro an Bürokratieentlastungen. (Stephan Brandner [AfD]: 80 Gesetze mehr, hat Herr Spahn gestern gesagt!) Mit dem ersten Entlastungskabinett ist die Grundlage für weitere Entlastungen in Milliardenhöhe gelegt. Sie sind Treiber dieses Entlastungskurses, ganz persönlich. Werden Sie mit der gesamten Bundesregierung weiter so kraftvoll und entschlossen (Lachen der Abg. Janine Wissler [Die Linke]) diesen Entlastungskurs halten, und auf welche Entlastungen dürfen sich die Bürgerinnen und Bürger im neuen Jahr 2026 freuen? (Beifall bei der CDU/CSU – Stephan Brandner [AfD]: Ich glaube, jetzt kommt ein klares Nein!) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Vielen Dank, Herr Kollege, für die Frage und auch für die Zustimmung zu dem, was wir bisher gemacht haben. – Ich will genau das aufgreifen. Ich habe den Kolleginnen und Kollegen der Bundesregierung im November zugemutet, eine Kabinettssitzung abzuhalten, bei der wir nur bestehende Regulierungen zurückgenommen haben. Wir haben das „Entlastungskabinett“ genannt. Und entgegen der Hoffnung des einen oder anderen Kabinettsmitglieds habe ich angekündigt, dass wir das im nächsten Jahr erneut machen, dass wir uns im Bundeskabinett erneut nicht mit neuer Regulierung, sondern mit dem Abbau bestehender Regulierung beschäftigen. Ich will nicht das Wort „Abbau“ verwenden, sondern „Rückbau“ bestehender Regulierung, und ich will hinzufügen: Das Ganze geht nicht allein auf nationaler Ebene; wir brauchen hier auch eine gemeinsame Kraftanstrengung in der Europäischen Union. Ich bin sehr dankbar, dass es uns gelungen ist, auch in der Koalition mit vereinten Kräften, in Brüssel dafür zu sorgen, dass die ersten Erfolge erzielt werden konnten. Es gibt jetzt weniger Regulierung aus Brüssel, aus der Europäischen Union, und so gehen wir mit dem, was wir tun, Hand in Hand – auf der nationalen Ebene wie auf der europäischen. (Beifall bei der CDU/CSU) Präsidentin Julia Klöckner: Danke schön. – Eine Nachfrage? Dr. Martin Plum (CDU/CSU): Herr Bundeskanzler, Sie haben bereits die Modernisierungsagenda des Bundes angesprochen. Erstmals haben wir einen verbindlichen und konkreten Fahrplan, wie unser Land einfacher, digitaler und handlungsfähiger werden soll. Vor zwei Wochen ist dieser Fahrplan ergänzt worden durch die Föderale Modernisierungsagenda, die Sie gemeinsam mit den Ministerpräsidenten vereinbart haben. Wie können sich die Bürgerinnen und Bürger diesen Prozess der Modernisierung unseres Landes jetzt konkret vorstellen? Friedrich Merz, Bundeskanzler: Wir wollen, Herr Kollege, dass die Bürgerinnen und Bürger so schnell wie möglich merken, dass Doppelanträge überflüssig werden, dass das Prinzip „one stop only“ gilt. Mit anderen Worten: Sind die Daten einmal eingegeben bei einer Behörde, können sie von anderen Behörden mit verwendet werden. Die Bürger müssen nicht ständig ihre persönlichen Daten – Adresse, Geburtsdatum usw. – erneut eingeben. Es wird also das Prinzip gelten, dass man einmal die Daten eingibt, die dann von allen Behörden verwendet werden können. Präsidentin Julia Klöckner: Danke schön. Friedrich Merz, Bundeskanzler: Das setzt übrigens eine Änderung des Datenschutzrechts voraus; – Präsidentin Julia Klöckner: Danke sehr. Friedrich Merz, Bundeskanzler: – aber das werden wir auch machen. (Beifall bei der CDU/CSU) Präsidentin Julia Klöckner: Herzlichen Dank. – Für die Fraktion Die Linke hat Frau Abgeordnete Janine Wissler das Wort. Bitte sehr. (Claudia Moll [SPD]: Ich muss dann auch mal lachen!) Janine Wissler (Die Linke): Herr Bundeskanzler, Ihrem Kabinett gehört eine Wirtschaftsministerin an, die sich ständig zu Themen äußert, für die sie ausdrücklich nicht zuständig ist. So schlägt sie gegen die Vereinbarung im Koalitionsvertrag vor, dass man das Renteneintrittsalter erhöht und die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren schneller abschafft. Letzte Woche ist Frau Reiche dann noch einen Schritt weitergegangen und hat Nachverhandlungen zum Koalitionsvertrag gefordert. Sie haben als Kanzler ja immer gesagt: Wir haben einen Koalitionsvertrag, und der gilt. – Das haben Sie gesagt, wenn sich mal jemand aus der SPD kurzzeitig daran erinnert hat, dass die Wiedereinführung der Vermögensteuer ja im SPD-Wahlprogramm stand. Deshalb ist meine Frage an Sie: Was gilt denn jetzt? Gilt der Koalitionsvertrag auch für Frau Reiche? Und was gilt denn Ihr Wort als Bundeskanzler, der sich als Garant des Koalitionsvertrages hinstellt, wenn eine Ihrer Ministerinnen den Koalitionsvertrag immer wieder öffentlich infrage stellt? Oder müssen wir uns das als eine Art Rollenverteilung und Aufgabenteilung vorstellen? (Beifall bei der Linken) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Frau Kollegin, vielen Dank für diese Frage. – Wir haben einen Koalitionsvertrag, und dieser Koalitionsvertrag gilt. Aber kein Mitglied der Bundesregierung ist mit oder ohne diesen Koalitionsvertrag daran gehindert, zu denken. (Beifall bei der CDU/CSU) Es gibt Kolleginnen und Kollegen in der SPD-Fraktion, die denken über Themen nach, die meine Fraktion ablehnen würde. Es gibt Kolleginnen und Kollegen aus meiner Fraktion, die denken über Themen nach, die in der SPD auf wenig Zustimmung stoßen. Und es gibt eine Bundeswirtschaftsministerin, die die Verantwortung für die Wirtschaft der Bundesrepublik Deutschland hat. Und wenn sie Vorschläge macht, wie wir aus der Stagnation herauskommen, dann sind das Vorschläge, die der Sache dienen und die wir in der Koalition im besten kollegialen Geiste miteinander diskutieren. (Beifall bei der CDU/CSU) Präsidentin Julia Klöckner: Eine Nachfrage? – Bitte. Janine Wissler (Die Linke): Ich möchte wirklich niemandem das Denken verbieten. Im Gegenteil: Ich wünschte, es würde noch viel mehr nachgedacht. (Claudia Moll [SPD]: Ha, ha, ha!) Wir leben ja in einem Land, in dem viele Menschen Angst vor Altersarmut haben. Gerade Menschen, die in körperlich anstrengenden Berufen arbeiten, auf dem Bau, in der Pflege, im Schichtdienst, können nicht bis 67 arbeiten – und schon gar nicht bis 70. (Claudia Moll [SPD]: Sagt doch gar keiner!) Die müssen dann mit hohen Abschlägen in Rente gehen. Sie haben Angst vor Altersarmut, sie sind verunsichert durch die Aussagen Ihrer Wirtschaftsministerin. Was sagen Sie diesen Menschen denn? Sagen Sie: „Der Koalitionsvertrag gilt, es wird keinerlei Verschlechterungen in dieser Wahlperiode“ – Präsidentin Julia Klöckner: Danke sehr. Die Zeit ist abgelaufen. Janine Wissler (Die Linke): – „beim Renteneintrittsalter und bei der abschlagsfreien Rente geben“? (Beifall bei Abgeordneten der Linken) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Ich sage diesen Menschen, dass sie sich keine Sorgen machen müssen. Wir machen in der Bundesregierung im nächsten Jahr eine Reform des Alterssicherungssystems, indem wir die drei Säulen – die private Altersvorsorge, die betriebliche Altersversorgung und die gesetzliche Rentenversicherung – so neu zueinander gewichten, dass daraus ein Gesamtversorgungsniveau für unsere Bevölkerung werden kann, mit dem sie im Alter fest rechnen kann. (Beifall bei der CDU/CSU sowie der Abg. Claudia Moll [SPD]) Präsidentin Julia Klöckner: Wir kommen zur nächsten Fragerunde. – Für die AfD-Fraktion hat der Abgeordnete Herr Mayer das Wort. Bitte sehr. Andreas Mayer (AfD): Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, Sie klopfen sich und Ihrer Regierung auf die Schulter, weil die EU-Kommission angeblich – auf Druck aus Berlin – das Verbrennerverbot gekippt hätte. Die bürokratische Einigung sieht aber immer noch eine 90-prozentige statt 100-prozentige E-Quote ab 2035 vor, und die restlichen 10 Prozent erkaufen wir durch teuren grünen Stahl und nicht bezahlbare E-Fuels. Aus Kreisen Ihrer Europäischen Volkspartei heißt es, dass ohne Druck aus Polen und Italien gar nichts passiert wäre. Und so darf in Deutschland ab 2035 kein Dienstwagen in großen Unternehmensflotten mehr ein Verbrenner sein, in Italien aber beispielsweise schon. Der deutsche Verband der Automobilindustrie kritisiert die Einigung in Brüssel als bloßes Lippenbekenntnis und warnt, dass diese in der Praxis wirkungslos bleiben wird. Als AfD sind wir für echte Technologieoffenheit und gegen jede Form von Verboten, Quoten und CO2-Grenzwerten. Meine Frage: Hat der Verband der Automobilindustrie in Ihren Augen Unrecht, und haben die Bürger und Unternehmen kein Recht auf eine freie Wahl beim Autokauf? (Beifall bei der AfD) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Herr Kollege, die Bundesregierung fühlt sich dem Ziel der Klimaneutralität auch für die Automobilwirtschaft unverändert verpflichtet. Wir diskutieren auch mit der Europäischen Kommission über die Frage, wie wir dieses Ziel am besten erreichen können, und wir sind in der Koalition der Auffassung, dass das mit Technologieoffenheit besser geht als mit staatlicher Regulierung. Genau diesen Weg will die Kommission jetzt gehen – in Abänderung der Vorschriften, die es bisher schon gibt. Wir werden über die Details sicherlich noch zu sprechen haben; aber ich höre auch aus der Automobilindustrie durchaus zustimmende Bemerkungen zu dem, was gestern vorgeschlagen worden ist. Das ist ein Vorschlag der Kommission. Der geht aus meiner Sicht in die richtige Richtung. Über Details werden wir noch zu sprechen haben. Aber wir wollen beide Ziele erreichen: Klimaneutralität und Modernisierung unserer Automobilwirtschaft mit möglichst vielen Technologien, die dazu beitragen können. Und darin sind wir uns mit der Europäischen Kommission genauso einig wie mit allen Mitgliedstaaten der Europäischen Union. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Andreas Mayer (AfD): Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, erstmals in seiner Geschichte schließt Volkswagen einen Produktionsstandort, und zwar in Dresden, wo bisher der elektrische ID.3 gebaut wurde. Ford streicht die zweite Generation seiner E-Autos. Der Mercedes-Chef sieht im Verbrennerverbot keinen Nutzen fürs Klima. Und der BMW-Chef bezeichnet das Verbot als „Desaster“. Ist für Sie die mit CO2-Flottengrenzwerten erzwungene Elektromobilität wirklich ein Erfolgsmodell, obwohl ein Autokonzern nach dem anderen Arbeitsplätze abbaut und seine Elektrostrategie kippt? (Beifall bei der AfD) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Herr Kollege, die deutsche Automobilindustrie ist mehr als andere Automobilindustriestandorte auf der Welt in einer ziemlichen Krise. (Stephan Brandner [AfD]: Warum nur?) Sie versucht, diese Krise zu bewältigen. Wir versuchen, dabei zu helfen. Und ich will es noch einmal sehr deutlich sagen: Neben der chemischen Industrie, über die wir gerade gesprochen haben, ist auch die deutsche Automobilindustrie eine wichtige Säule unserer Volkswirtschaft. Ich möchte, dass diese deutsche Automobilindustrie die besten Bedingungen hat, um nicht nur im Inland Autos zu verkaufen, sondern auch auf Weltmärkten wettbewerbsfähig zu sein. Dem hat auch die Initiative gedient, die ich der Kommission gegenüber angestoßen habe. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Präsidentin Julia Klöckner: Für die SPD-Fraktion hat nun Frau Abgeordnete Carmen Wegge das Wort. Bitte. Carmen Wegge (SPD): Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, Sie haben Ihr Kabinett paritätisch besetzt. Das ist in der Bevölkerung sehr positiv wahrgenommen worden. Im Koalitionsvertrag haben wir uns auch darauf verständigt, dass wir ein Paritätsgesetz für den Deutschen Bundestag prüfen wollen. Deswegen frage ich Sie, wie Sie ganz persönlich zu den Themen „Gleichberechtigung“ und „Parität“ stehen. Friedrich Merz, Bundeskanzler: Ich danke Ihnen für das Kompliment. (Beifall des Abg. Dr. Jan-Marco Luczak [CDU/CSU]) Es trifft sogar in der Sache zu, dass wir es so gemacht haben, wie Sie es gerade gesagt haben. Ich will übrigens auch sagen: Wir haben uns im Koalitionsvertrag verabredet, aufbauend auf früheren Verabredungen, die Sie in früheren Koalitionen getroffen haben, dass wir auch die Spitzenpositionen in der Verwaltung zur Hälfte mit Frauen besetzen. Wir haben dieses Ziel, wenn ich die Zahl richtig im Kopf habe, mit 47 Prozent so gut wie erreicht. Was das Wahlrecht betrifft: Das ist eine schwierige Diskussion. Es hat vor einigen Jahren schon einmal einen Versuch in Brandenburg gegeben, ein solches Wahlrecht zu etablieren, indem die Parteien sozusagen verpflichtet werden, paritätisch besetzte Listen aufzustellen. Das hat das Bundesverfassungsgericht abgelehnt. Ob wir so etwas im Bund machen können, daran habe ich große Zweifel. Wenn Sie mich allerdings aus der Wahlrechtskommission heraus, die wir ja in der Koalition haben, eines Besseren überzeugen, dann bin ich offen für jede Diskussion. Aber ich glaube, wir sollten es den politischen Parteien überlassen, diese Entscheidungen zu treffen. Wir sollten sie nicht durch das Wahlrecht vorgeben. Das ist jedenfalls meine persönliche Auffassung. (Beifall bei der CDU/CSU) Präsidentin Julia Klöckner: Eine Nachfrage? Carmen Wegge (SPD): Vielen Dank. – Ich freue mich schon mal, dass Sie offen sind, darüber zu diskutieren; genau so sollte es auch sein. Vielleicht schaffen wir es dann ja auch, Sie zu überzeugen. Ich bin ja eine Frau, und wenn ich mich hier so umgucke, sehe ich ganz schön viele Männer. Der Frauenanteil hier ist in dieser Legislatur auch niedriger als in der Legislatur davor. Sie haben gerade gesagt, die Parteien müssten das vielleicht auch klären. Deswegen wäre meine Nachfrage: Was können wir denn über ein Paritätsgesetz hinaus dafür tun, dass viel mehr Frauen hier in diesem Parlament sitzen? Friedrich Merz, Bundeskanzler: Uns verbindet der Wunsch, genau dieses Ziel zu erreichen, und ich kann Ihnen sagen: Ich bin in meiner Partei, seitdem ich dort Vorsitzender bin, unermüdlich darum bemüht, genau dieses Ziel zu erreichen. Ich weiß, wie schwierig das ist. Ich will Ihnen das nur an einem Beispiel erläutern: Der große Teil der Kolleginnen und Kollegen, die in meiner Bundestagsfraktion sitzen, sind direkt gewählte Abgeordnete aus den Wahlkreisen. Sie sind nicht über eine Liste gewählt worden, sondern direkt gewählt in den Wahlkreisen. (Katharina Dröge [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Auch da kann man Frauen aufstellen! – Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Auch dafür gibt es Vorschläge!) Schlagen Sie mal vor, wie Sie so was durch die paritätische Besetzung der Wahlkreise regeln wollen! Präsidentin Julia Klöckner: Danke sehr. Friedrich Merz, Bundeskanzler: Wenn Sie dazu einen Vorschlag haben, bin ich interessiert, ihn zu hören, Frau Kollegin. (Katharina Dröge [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Mehr Frauen aufstellen!) Präsidentin Julia Klöckner: Danke sehr. Friedrich Merz, Bundeskanzler: Ich habe ihn bisher von Ihnen und von anderen allerdings nicht vernommen. (Beifall bei der CDU/CSU sowie des Abg. Mahmut Özdemir [Duisburg] [SPD]) Präsidentin Julia Klöckner: Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat der Abgeordnete Herr Dr. Konstantin von Notz das Wort. Bitte. Dr. Konstantin von Notz (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Frau Präsidentin! Herr Bundeskanzler, seit Jahren sehen wir Deutschland im Zentrum hybrider Angriffe, Desinformationskampagnen, breitangelegter Einflussnahmen auf unsere Wahlprozesse – immer zulasten demokratischer Parteien der Mitte, immer zugunsten extremer, russlandfreundlicher Parteien wie der AfD und dem BSW. Am Freitag hat Ihre Bundesregierung eine klare Zuordnung für eine relevante Kampagne während des Bundestagswahlkampfs gemacht. Sie als Bundesregierung haben den russischen Botschafter einbestellt. Was darüber hinaus gedenkt Ihre Bundesregierung zu tun, um diese Angriffe gegen Ihre Regierung und unser Land zu unterbinden? (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Herr Kollege von Notz, vielen Dank für diese Frage. – Es ist in der Tat eine beständig zunehmende Bedrohung unserer inneren Sicherheit, die nicht nur, aber auch und vor allem im Cyberraum aus Russland kommt. Wir haben in der Bundesregierung zunächst den Nationalen Sicherheitsrat eingerichtet, um mit dieser Institution die Koordinierung der zuständigen Behörden besser als bisher zu ermöglichen. Wir sind mit den Ländern und den Sicherheitsbehörden in Deutschland in einem ganz anderen Dialog miteinander, als wir das in der Vergangenheit waren. Das Zweite ist: Wir prüfen die Möglichkeit, über das Netz auch die Herkunftsorte dieser Angriffe nicht nur zu identifizieren, sondern auch zu beschädigen. Wir haben dazu zurzeit eine allgemeine Ermächtigungsgrundlage, eine gesetzliche Grundlage für die allgemeine Gefahrenabwehr im Gesetz über das Bundeskriminalamt. Präsidentin Julia Klöckner: Danke sehr. Friedrich Merz, Bundeskanzler: Ob wir weiter gehende Gesetzgebungsgrundlagen brauchen – – Präsidentin Julia Klöckner: Danke. Friedrich Merz, Bundeskanzler: Frau Präsidentin, lassen Sie mich zumindest diesen Satz – das ist ein wichtiges Thema – zu Ende sprechen. Präsidentin Julia Klöckner: Es tut mir leid. Friedrich Merz, Bundeskanzler: Wir prüfen, ob wir weitere Möglichkeiten haben, Rechtsgrundlagen zu schaffen, – Präsidentin Julia Klöckner: Danke sehr. Friedrich Merz, Bundeskanzler: – um uns gegen solche Angriffe in Zukunft noch besser zu wehren. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU) Präsidentin Julia Klöckner: Wir haben diese Regeln; es tut mir sehr leid. Umgekehrt: Die Fragesteller halten sie auch ein. – Eine Nachfrage, Herr von Notz? Dr. Konstantin von Notz (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Ja, sehr gerne. Ich hätte dem Bundeskanzler auch zehn Sekunden von meiner Zeit gegeben. Präsidentin Julia Klöckner: Das haben Sie leider nicht zu entscheiden. Dr. Konstantin von Notz (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Ja, ich weiß. Präsidentin Julia Klöckner: Unsere Geschäftsordnung regelt das anders. Dr. Konstantin von Notz (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Ich hoffe, das geht jetzt nicht alles von meiner Zeit ab. (Heiterkeit bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der CDU/CSU) Präsidentin Julia Klöckner: Ich gebe Ihnen zwei Sekunden; dann legen Sie aber los. Dr. Konstantin von Notz (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Das ist lieb. – Herr Bundeskanzler, ganz herzlichen Dank; das war eine interessante Antwort. Die Einrichtung des Nationalen Sicherheitsrats ist eine gute Sache. (Stephan Brandner [AfD]: War auch eine AfD-Idee! Schon seit Jahren!) Es geht jetzt darum, das konkret auf die Schiene zu setzen. Aber sagen Sie noch mal ganz konkret: Wie kann man das Delta in der Öffentlichkeit zwischen den tatsächlichen Angriffen und der Wahrnehmung in der Bevölkerung schließen? (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Präsidentin Julia Klöckner: Danke sehr. Friedrich Merz, Bundeskanzler: Wenn es um die Wahrnehmung der Öffentlichkeit geht – das scheint mir das eher kleinere Problem zu sein –, sind wir selbstverständlich bereit, darüber umfassend zu informieren. Das tun wir im Übrigen auch in den Berichten der Bundespolizei, des Bundeskriminalamtes, des Bundesamtes für Verfassungsschutz, des Bundesnachrichtendienstes. Also an Berichten und Erkenntnisquellen fehlt es uns in diesem Land nach meiner Einschätzung nicht. Es fehlt uns an Instrumenten, um diesen Angriffen wirksam begegnen zu können. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU – Dr. Konstantin von Notz [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Vielen Dank!) Präsidentin Julia Klöckner: Danke schön. – Mischkalkulatorisch haben Sie wieder Zeit reingeholt. Herzlichen Dank. Wir gehen weiter zur CDU/CSU-Fraktion. Herr Abgeordneter Thomas Erndl hat das Wort. Bitte sehr. Thomas Erndl (CDU/CSU): Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Herr Bundeskanzler, ich danke Ihnen sehr für die Übernahme von Verantwortung und einer Führungsrolle auch in komplexen geopolitischen Fragestellungen. Souveränes Handeln braucht auch militärische Stärke. Sie haben das Ziel ausgegeben, die Bundeswehr aufgrund unserer Wirtschaftskraft und Bevölkerungszahl zur konventionell stärksten Armee Europas zu machen. Das ist eine enorme Aufgabe für die Bundesregierung, aber auch für uns als Parlament. Wir begleiten das intensiv und haben vor Kurzem ein Wehrdienst-Modernisierungsgesetz beschlossen, um die Personallage hier auch zu verbessern. Wie beurteilen Sie diesen Schritt auch im Hinblick auf die NATO-Fähigkeitsziele, die wir zu erfüllen haben? Friedrich Merz, Bundeskanzler: Herr Kollege, vielen Dank für die Frage und auch für die Zustimmung zu dem, was wir in der Koalition bisher beschlossen haben. – Ich habe diesen Prozess natürlich begleitet, auch im Hinblick auf verschiedene Entscheidungen, die getroffen werden mussten bei dem Wehrdienst-Modernisierungsgesetz. Ich will allerdings auch hinzufügen: Wir müssen das, was wir gemeinsam beschlossen haben, dann auch ernst nehmen, indem wir eine Überprüfung der Zahlen spätestens im Jahr 2027 vornehmen. Wenn es uns nicht gelingt, die Zahlen, die wir für die Aufwuchsfähigkeit der Bundeswehr brauchen, schnell zu erreichen, so wie wir es gemeinsam miteinander verabredet haben, dann werden wir nicht umhinkommen, auch über eine verpflichtende Dienstzeit bei der Bundeswehr zu sprechen. Wir versuchen es auf der Basis von Freiwilligkeit und Attraktivität. Es ist meine Meinung, dass wir das tun sollten; aber wir müssen die Option offenhalten, das gegebenenfalls auch mit einer Wehrpflicht zu verbinden. (Beifall bei der CDU/CSU) Präsidentin Julia Klöckner: Bitte. Sie haben das Wort zur Nachfrage. Thomas Erndl (CDU/CSU): Vielen Dank. – Herr Bundeskanzler, Personal ist das eine, Material ist die andere große Herausforderung. Wir haben in den Haushalten 2025 und 2026 bereits Rekordbudgets für Verteidigung verankert, und jetzt sind, glaube ich, die Kollegen im Haushaltsausschuss gerade dabei, auch eine Rekordzahl an Vorlagen zu beschließen; wir haben das im Verteidigungsausschuss am Vormittag gemacht. Wie wird es bei unseren europäischen Partnern und auch bei unseren NATO-Partnern gesehen, dass wir uns in dieser Dimension engagieren? Friedrich Merz, Bundeskanzler: Wir haben ja noch mit dem 20. Deutschen Bundestag die Voraussetzungen geschaffen, die uns jetzt im 21. Deutschen Bundestag die Möglichkeiten geben, diese Ausgaben für unsere Verteidigung zu tätigen. Das ist in der gesamten NATO wahrgenommen worden als die Bereitschaft, hier auch eine europäische Führungsrolle zu übernehmen. Ich gehe so weit, zu sagen: Der NATO-Gipfel in Den Haag im Juni wäre der letzte in dieser Zusammensetzung gewesen, wenn wir aus Deutschland diese Entscheidungen nicht getroffen hätten. Präsidentin Julia Klöckner: Danke sehr. Friedrich Merz, Bundeskanzler: Aber jetzt müssen wir sie umsetzen, und in der Umsetzung liegt bekanntlich, wie Sie wissen, manches Problem. Präsidentin Julia Klöckner: Danke sehr. Friedrich Merz, Bundeskanzler: Und das müssen wir gemeinsam lösen. (Beifall bei der CDU/CSU) Präsidentin Julia Klöckner: Für die Fraktion Die Linke hat nun Frau Abgeordnete Evelyn Schötz das Wort. Bitte. Evelyn Schötz (Die Linke): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Herr Bundeskanzler, letzte Woche hat die Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Pflegeversicherung Eckpunkte für eine Reform vorgestellt. Es wird vorgeschlagen, die Begutachtung so zu ändern, dass Menschen mit Pflegebedarf erst später einen Pflegegrad bekommen oder erst später höhergestuft werden. Das würde zwar dazu führen, dass Pflegebedürftige aus den offiziellen Zahlen verschwinden; aber der tatsächliche Bedarf vor Ort bleibt ja gleich. Betroffene müssten noch mehr aus eigener Tasche bezahlen, und Pflegebedürftigkeit ist sowieso schon ein riesiges Armutsrisiko. Meine Frage ist deshalb: Was sagen Sie den Menschen, die auf diese Leistungen angewiesen sind, um im Alter ein Stückchen Würde zu bewahren? (Beifall bei der Linken) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Frau Kollegin, ich hatte bereits in meiner Antwort auf die Frage der Kollegin Moll darauf hingewiesen, dass ich mit dem Ergebnis dieser Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Zukunft der Pflegeversicherung nicht einverstanden bin, dass das nach meinem Gefühl nicht ausreicht, um die Pflegeversicherung auf Dauer zukunftsfähig zu gestalten. Wir wollen das in der Bundesregierung im nächsten Jahr angehen. Dazu gibt es auch die ersten Vorbereitungsarbeiten in der Bundesregierung – nicht allein, aber auch dort, insbesondere im zuständigen Bundesministerium für Arbeit und Soziales und im Bundesgesundheitsministerium. In beiden Ministerien wird an diesem Thema gearbeitet. Ich möchte im nächsten Jahr eine Reform sehen, die auch dem Anspruch, den Sie gerade formuliert haben, nämlich ein menschenwürdiges Leben im Alter, gerecht wird Evelyn Schötz (Die Linke): Vielen Dank. – Dann hätte ich noch eine Frage: Warum schlagen Sie nicht vor, in der Kranken- und Pflegeversicherung die Beitragsbemessungsgrenze für Menschen mit hohem Einkommen deutlich anzuheben, um damit eine bedarfsgerechte Versorgung zu finanzieren? (Beifall bei der Linken – Ates Gürpinar [Die Linke]: Prima Vorschlag! Sehr gut!) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Frau Kollegin, trotz der Begeisterung in Ihrer eigenen Fraktion möchte ich mir doch den Hinweis erlauben, dass Einzelvorschläge im Augenblick nicht zur Lösung des größeren Problems beitragen. (Janine Wissler [Die Linke]: Wir hätten da auch ein Gesamtkonzept!) Ich möchte, dass wir eine wirklich gute Reform machen, die alle Elemente berücksichtigt, die zu berücksichtigen sind – auch die Arbeitskosten, die damit einhergehen, auch die Kosten für Beschäftigung in Deutschland. Deswegen wollen wir eine umfassende Reform machen. Wir sind für gute Vorschläge jederzeit offen. (Beifall bei der CDU/CSU – Janine Wissler [Die Linke]: Kriegen Sie!) Präsidentin Julia Klöckner: Wir kommen nun zur vierten Fraktionsrunde. – Die wird eröffnet durch die AfD-Fraktion. Herr Abgeordneter René Springer, bitte. René Springer (AfD): Herr Bundeskanzler, ich möchte Sie an Ihre eigenen Worte erinnern. Im Wahlkampf sagten Sie: „Wir müssen Einwanderung in unseren Arbeitsmarkt ermöglichen, aber Einwanderung in unsere Sozialsysteme drastisch reduzieren.“ Das halten wir auch für zwingend erforderlich; 50 Prozent der Bürgergeldempfänger sind Ausländer, die täglichen Kosten für Sozialleistungen für Ausländer liegen bei 100 Millionen Euro – jeden Tag! Nun hatten Sie eine Chance; heute Morgen haben Sie im Kabinett die Bürgergeldreform verabschiedet. Wir haben uns den Reformentwurf angeschaut und müssen feststellen: kein einziges Wort zu den Kosten, kein einziges Wort zur Begrenzung der Einwanderung in unsere Sozialsysteme. Wir wissen, dass das schwierig ist, wenn man eine Fußfessel namens SPD hat. (Katharina Dröge [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Was ist denn das für eine Wortwahl? Das ist unmöglich!) Aber es drängt sich inzwischen eine Frage auf, nämlich die Frage: Wer regiert hier eigentlich? Regieren Sie, oder werden Sie regiert von der SPD? (Widerspruch bei Abgeordneten der SPD – Katharina Dröge [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Unmöglich! – Claudia Roth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Oh! – Gegenruf des Abg. Stephan Brandner [AfD]: Die Frage ist doch berechtigt!) Und wenn Sie regieren, dann frage ich mich: Warum setzen Sie Ihre angekündigten Versprechen nicht um? (Beifall bei der AfD – Zuruf des Abg. Dr. Ralf Stegner [SPD]) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Herr Kollege, wir haben hier möglicherweise ein unterschiedliches Verständnis von der Bedeutung des Gesetzes, mit dem wir das Sozialgesetzbuch II ändern. Wir ändern das Sozialgesetzbuch II nicht, um den Zuzug von Ausländern in die Bundesrepublik Deutschland zu begrenzen, sondern wir ändern das Sozialgesetzbuch II unabhängig von der Frage, wo jemand herkommt, um eine bessere Arbeitsmarktintegration zu ermöglichen, und zwar für Ausländer wie für Menschen, die in Deutschland leben. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Möglicherweise haben Sie auch da nicht alle Zahlen präsent. Wir haben, seitdem wir die Regierungsverantwortung übernommen haben – ich will die Gelegenheit nutzen, dem Bundesinnenminister Alexander Dobrindt sehr herzlich zu danken, und ich bedanke mich bei der SPD-Fraktion, dass sie diesen Weg mitgegangen ist –, (Beifall bei der CDU/CSU) die Zahl der nach Deutschland kommenden Asylbewerber innerhalb der letzten acht Monate halbiert. (Leif-Erik Holm [AfD]: Stimmt doch gar nicht!) In der Europäischen Union ist sie insgesamt leicht zurückgegangen; aber in Deutschland ist sie so stark zurückgegangen wie in keinem anderen Land der Europäischen Union. (Beifall bei der CDU/CSU) Das ist ein großer Erfolg dieser Regierung, und das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Präsidentin Julia Klöckner: Danke sehr. Friedrich Merz, Bundeskanzler: Wir wollen dafür sorgen, dass die Zahlen weiter runtergehen. Präsidentin Julia Klöckner: Danke. Friedrich Merz, Bundeskanzler: Und wir sind da auf einem guten Weg. Präsidentin Julia Klöckner: Sie haben noch eine Nachfrage? – Bitte sehr. 30 Sekunden! René Springer (AfD): Danke schön. – Eine weitere Erinnerung: In Ihrem Wahlprogramm hieß es: „Wir richten Sozialleistungen für Ausreisepflichtige an dem […] Grundsatz ‚Bett, Brot und Seife‘ aus.“ Wir als AfD-Fraktion unterstützen das ausdrücklich; das war ja auch mal unser Antrag. Jetzt wissen wir, dass sich derzeit 934 000 rechtskräftig abgelehnte Asylbewerber in Deutschland aufhalten – eine unglaubliche Zahl. Wir sind hier bei knapp 1 Million Menschen, die sich illegal in Deutschland aufhalten. Präsidentin Julia Klöckner: Ihre Zeit ist abgelaufen; das waren 30 Sekunden. René Springer (AfD): Wir wissen, dass keiner von denen Brot, Bett und Seife bekommt. Präsidentin Julia Klöckner: Nein, Ihre Zeit ist abgelaufen! René Springer (AfD): Wann ist damit zu rechnen, dass Sie Ihre Versprechen umsetzen? (Beifall bei der AfD) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Herr Kollege, wenn ich mir erlauben darf, das zu sagen: Das ist eines der typischen Beispiele, wie Sie in Deutschland nicht nur Politik machen – das ist Ihr gutes Recht –, sondern auch Stimmung in Deutschland machen. (Stephan Brandner [AfD]: Das ist auch unser gutes Recht! – Zuruf von der Linken: Was ist mit Ihrer Stadtbild-Aussage?) Von diesen 1 Million Menschen, die in Deutschland keinen gültigen Aufenthaltstitel haben, ist nur ein kleinerer Teil vollziehbar ausreisepflichtig; denn die anderen haben einen Duldungsstatus. (Stephan Brandner [AfD]: Das macht die Sache auch nicht besser!) Und die werden von Ihnen regelmäßig eben nicht mitgenannt. Sie haben einen Duldungsstatus aufgrund bestimmter Vorkommnisse in ihrer Heimat und können nicht abgeschoben werden. Auf diese Menschen Rücksicht zu nehmen, ist jedenfalls nach unserem Verständnis die richtige Entscheidung eines sozialen Rechtsstaats, der Bundesrepublik Deutschland, auch wenn wir das mit Ihnen hier möglicherweise nicht teilen. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Präsidentin Julia Klöckner: Für die SPD-Fraktion hat nun Frau Abgeordnete Franziska Kersten das Wort. Bitte. Dr. Franziska Kersten (SPD): Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, Sie stammen wie ich aus einem eher ländlich geprägten Wahlkreis. Deshalb dreht sich meine Frage um die Kulturförderung im ländlichen Raum. Als Bund fördern wir mit verschiedenen Maßnahmen, zum Beispiel mit dem Programm LOKAL der Kulturstiftung des Bundes. Aber für Musikproben, Theateraufführungen, Lesezirkel oder Ausstellungen braucht es auch geeignete Räumlichkeiten und gemeinschaftliches Engagement vor Ort. Beides, Kooperationen und Investitionen, ist in den letzten Jahren häufig über EU-Gelder gefördert worden; gerade das Förderprogramm LEADER spielte da eine wichtige Rolle. Meine Frage ist deshalb: Wie stellen Sie sicher, dass der kommende Mehrjährige Finanzrahmen der EU diese für die Menschen in den ländlichen Räumen wichtige Förderung fortsetzt, ohne gerade die ostdeutschen Länder über eine sehr viel höhere Kofinanzierung als bisher zu überfordern? Friedrich Merz, Bundeskanzler: Frau Kollegin, vielen Dank. – Das ist eine sehr ernsthafte Frage, und ich will Ihnen darauf eine sehr ernsthafte Antwort geben: Ich kann es nicht sicherstellen, weil ich es nicht weiß. – Wir werden am morgigen Tag beginnen, über den Mehrjährigen Finanzrahmen der Europäischen Union zu beraten. Das werden im Laufe des nächsten Jahres äußerst schwierige Beratungen. Sie werden sich möglicherweise bis in das Jahr 2027 hinziehen. Und wir werden in der Europäischen Union angesichts der Lage, in der wir uns befinden, neue Prioritäten setzen müssen. Ich kenne das Programm, das Sie gerade angesprochen haben. Das LEADER-Programm ist eines der erfolgreichsten Programme der Europäischen Union für den ländlichen Raum. Ich möchte es erhalten, aber ich kann es angesichts der Lage und der Prioritäten, die wir setzen müssen, heute nicht versprechen. Ich möchte es, aber ich weiß nicht, ob es uns gelingt. Dr. Franziska Kersten (SPD): Ich habe keine Nachfrage. Ich freue mich, dass Sie sich darum bemühen. Danke. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Präsidentin Julia Klöckner: Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat nun Agnieszka Brugger das Wort. Bitte sehr. Agnieszka Brugger (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, in der Bundeswehr gibt es den Grundsatz: Keiner bleibt zurück. – Der von Ihnen so geschätzte Innenminister Alexander Dobrindt hat Ende November noch zugesichert, dass die Aufnahmezusage an unsere ehemaligen Ortskräfte, die unser Engagement in Afghanistan unterstützt haben und seit langer Zeit in Pakistan ausharren, endlich umgesetzt werden soll. Ein paar Tage später wurden diese Zusagen für viele Menschen wieder zurückgenommen, unter ihnen beispielsweise eine Ortskraft der GIZ, die zehn Jahre lang in der Polizeiausbildung tätig war. Und die Bundesregierung steht nicht nur gegenüber diesen Menschen im Wort, sondern auch gegenüber dem Staat Pakistan. Was sollen die Menschen eigentlich denken, die unser Engagement im Ausland unterstützen, wenn sie sich auf unser Wort nicht verlassen können? Was ist Deutschlands Wort in der Welt wert? (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Frau Kollegin, vielen Dank für diese Frage. – Soweit ich weiß, befindet sich unter denen, die aus Afghanistan kommen und zurzeit in Pakistan leben und jetzt noch Ausreisebegehren stellen, niemand mehr, der als Ortskraft eine Zusage gehabt hat, nach Deutschland zu kommen. Diejenigen, die jetzt noch dort sind, sind ganz überwiegend, wenn nicht sogar ausschließlich, solche Staatsangehörige, denen die frühere Bundesregierung mithilfe von einer großen Zahl von Nichtregierungsorganisationen Zusagen gemacht hat, nach Deutschland zu kommen. (Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Haben sie Zusagen oder nicht?) Wir werden uns an diese Zusagen, wenn sie rechtsverbindlich ergangen sind, halten. Aber ich bitte auch um Verständnis dafür, dass der Bundesinnenminister meine volle Unterstützung hat, in jedem einzelnen Fall eine Sicherheitsüberprüfung vorzunehmen. Wir müssen wissen, wen wir nach Deutschland einladen, um hier auf Dauer zu bleiben. (Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das hat die letzte Bundesregierung auch gemacht, Sicherheitsüberprüfungen!) Wir halten uns an unsere Rechtsverpflichtungen. Aber wir gucken auch genau hin, wer nach Deutschland kommt und wer hier auf Dauer einen Aufenthaltsstatus erhält. (Beifall bei der CDU/CSU) Präsidentin Julia Klöckner: Eine Nachfrage? – Bitte. Agnieszka Brugger (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Natürlich fragte ich mich: Warum dauern diese Sicherheitsüberprüfungen so lange? Das hätte alles schon viel schneller geschehen können. (Widerspruch bei Abgeordneten der CDU/CSU) Aber meines Wissens und nach Aussage des BMI sind noch über 200 Ortskräfte in Pakistan, von denen vielen diese Aufnahmezusage wieder entzogen wurde. (Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ortskräfte!) Nur noch 90 haben sie, und wir reden von ungefähr etwas mehr als 200 Menschen. Werden Sie sich persönlich dieser Sache annehmen, dass Deutschlands Wort in der Welt und gegenüber diesen Menschen eingehalten wird? (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Ina Latendorf [Die Linke]) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Frau Kollegin, der Bundesinnenminister weiß von mir, dass ich genau das wünsche, und ich weiß die Ausführung dessen bei ihm in guten Händen. Der Bundesinnenminister wird das hier nach Recht und Gesetz vollziehen. Noch einmal: Er wird auch die Sicherheitsinteressen der Bundesrepublik Deutschland zu beachten haben. Aber wenn wir hier gesetzliche Verpflichtungen eingegangen sind, wenn wir Rechtsverpflichtungen eingegangen sind gegenüber diesen Menschen – seien es frühere Ortskräfte oder nicht –, dann werden wir diese Verpflichtungen selbstverständlich einhalten. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Präsidentin Julia Klöckner: Für die CDU/CSU-Fraktion hat nun Herr Abgeordneter Alexander Throm das Wort. Bitte. Alexander Throm (CDU/CSU): Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, wir bleiben beim Thema. Seit Ihrer Wahl zum Bundeskanzler haben Sie, hat Ihre Bundesregierung die Migrationswende eingeleitet, durchaus mit bemerkenswerten Ergebnissen. (Stephan Brandner [AfD]: Ja, sehr bemerkenswert!) Die irreguläre Migration nach Deutschland ist etwa um die Hälfte zurückgegangen im Vergleich zum Vorjahr und noch viel stärker zu den Jahren davor. Das gilt es jetzt aber auch zu verstetigen, abzusichern. Deswegen meine Frage an Sie: Was planen Sie, was plant Ihre Bundesregierung, um die irreguläre Migration auf Dauer zu verhindern? Friedrich Merz, Bundeskanzler: Herr Kollege, das ist in der Tat eine Aufgabe, die uns gestellt ist, und zwar nicht nur auf der nationalen Ebene, sondern auch auf der europäischen. Ich bin sehr dankbar, dass es uns gemeinsam gelungen ist, in der Europäischen Union jetzt die Verabredung über ein neues Gemeinsames Europäisches Asylsystem zu treffen. Ich will es einfach auf einen Satz bringen: Wenn wir ein offener Raum bleiben wollen – des Binnenmarktes, der Freizügigkeit –, wenn wir keine Grenzen in Europa haben wollen – und das war immer mein Wunsch –, dann müssen wir die Außengrenzen der Europäischen Union besser schützen. Wir müssen wissen, wer nach Europa kommt, und wir müssen den Zuzug nach Europa begrenzen. Dem dient ein Gemeinsames Europäisches Asylsystem. Das haben wir in der Europäischen Union jetzt miteinander vereinbart. Es muss zum Teil sogar noch umgesetzt werden in einzelnen Mitgliedstaaten. Ich bin dankbar, dass wir darüber in der Koalition einen Konsens haben, dass wir diesen Weg gemeinsam gehen wollen, um genau dieses Problem, das sie beschrieben haben, gemeinsam zu lösen. (Beifall bei der CDU/CSU) Alexander Throm (CDU/CSU): Herzlichen Dank. – Die Begrenzung des illegalen Zuzugs ist das eine. Das andere ist die Durchsetzung der Ausreisepflicht für diejenigen, die vollziehbar ausreisepflichtig sind. Hier gibt es durchaus noch Nachholbedarf. Deswegen meine Frage an Sie: Was plant Ihre Bundesregierung, um die Rückführungen zu verbessern? Friedrich Merz, Bundeskanzler: Wir wollen in Abstimmung mit den Ländern, Herr Kollege, diese Zahl deutlich erhöhen. Wir schieben ja jetzt auch nach Afghanistan ab. Ich darf das sagen, weil das heute Morgen öffentlich gemacht wurde. Es hat in der letzten Nacht den ersten Abschiebeflug nach Afghanistan gegeben. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU) Präsidentin Julia Klöckner: Danke sehr. Friedrich Merz, Bundeskanzler: Auf diesem Weg werden wir vorangehen, – Präsidentin Julia Klöckner: Danke sehr. Friedrich Merz, Bundeskanzler: – weil wir ihn in der Sache für richtig halten. (Beifall bei der CDU/CSU) Präsidentin Julia Klöckner: Und abschließend in dieser Fragerunde – dann ist die Stunde um –, darf ich das Wort an Die Linke geben: Frau Lea Reisner. Bitte sehr. Lea Reisner (Die Linke): Vielen Dank. – Herr Bundeskanzler, der Internationale Gerichtshof hat letztes Jahr in einem Gutachten festgestellt, dass die Besatzung des Westjordanlands völkerrechtswidrig ist und dass Staaten verpflichtet sind, diese Besatzung nicht anzuerkennen und nicht zu unterstützen. Ich würde gerne wissen, welche konkreten Maßnahmen die Bundesregierung daraus ableitet, zum Beispiel im Hinblick auf Waffenlieferungen oder auch auf Sanktionen gegenüber Siedlern. – Vielen Dank. (Beifall bei der Linken) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Frau Kollegin, Sie werden vermutlich mitbekommen haben, dass ich am vorletzten Sonntag einen Besuch in Israel gemacht habe und dort mit dem israelischen Staatspräsidenten und auch mit dem israelischen Ministerpräsidenten sehr ausführliche Gespräche geführt habe. Ich habe beiden gesagt, dass die Siedlungspolitik der israelischen Regierung von uns nicht ohne Kritik hingenommen wird, dass wir diese Siedlungspolitik für völkerrechtswidrig halten und dass wir auch an der Zweistaatenlösung festhalten, dass das Miteinander und Nebeneinander von israelischen Staatsbürgern und von palästinensischen Staatsbürgern nur mit zwei Staaten in der Region gedeihlich entwickelt werden kann. Darüber befinden wir uns im Dissens mit der israelischen Regierung. Das heißt aber nicht, dass wir deswegen mit der israelischen Regierung, mit dem Staat Israel nicht trotzdem gut und partnerschaftlich zusammenarbeiten. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Lea Reisner (Die Linke): Danke schön. – Es würde mich dabei aber trotzdem interessieren, auf welcher völkerrechtlichen Grundlage die Bundesregierung zu dem Schluss kommt, dass die bestehenden Rüstungsexporte nicht unter das Unterstützungsverbot fallen. Friedrich Merz, Bundeskanzler: Nein. Wir unterstützen die israelische Regierung in ihrem Kampf gegen den Terrorismus. Und ich will das auf einen Nenner bringen, Frau Kollegin: Wenn wir und andere den Staat Israel in den letzten Jahrzehnten nicht auch militärisch unterstützt hätten, dann gäbe es diesen Staat Israel heute nicht mehr. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Und den von Ihnen genannten Weg, den gehen wir nicht, auch wenn das möglicherweise von denen, die da draußen mit Palästinenserflaggen unterwegs sind, völlig anders gesehen wird. Ich schließe mich einer solchen Kritik am Staat Israel ausdrücklich nicht an. (Beifall bei der CDU/CSU) Präsidentin Julia Klöckner: Hiermit schließe ich die Fragestunde. Ich rufe auf den Tagesordnungspunkt 2: Abgabe einer Regierungserklärung durch den Bundeskanzler: Zum Europäischen Rat am 18. und 19. Dezember 2025 in Brüssel Zu der Regierungserklärung liegt ein Entschließungsantrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen vor. Für die Aussprache im Anschluss an die Regierungserklärung wurde eine Dauer von 90 Minuten vereinbart. Das Wort zur Abgabe einer Regierungserklärung hat nun der Bundeskanzler, Herr Friedrich Merz. Bitte sehr. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir kommen in dieser Woche, der letzten Sitzungswoche des Deutschen Bundestages im Jahr 2025, zusammen. Dieser Jahresausklang ist Gelegenheit, auf das zurückzublicken, was wir in diesem Jahr erlebt haben, was wir erreicht haben, und zugleich einen Ausblick auf das zu geben, was wir im nächsten Jahr erreichen wollen und auch erreichen müssen. Ich will beides heute zusammenfassen in einer Regierungserklärung zum Europäischen Rat der Staats- und Regierungschefs, der ab heute Abend in Brüssel tagt und auf dem wir gemeinsam feststellen werden: Es gab und es gibt viel zu tun für Deutschland und für Europa. Aber wir haben in diesem Jahr 2025 auch gemeinsam in Deutschland und in Europa schon viel erreicht. (Stephan Brandner [AfD]: Aber nichts Gutes!) Wir erleben, meine Damen und Herren, eine tiefe Erschütterung der internationalen Ordnung mit einem anhaltenden völkerrechtswidrigen Krieg Russlands gegen die Ukraine, der mit unverminderter Härte fortgeführt wird. Wir erleben einen neuen Protektionismus, der sich gegen die Grundsätze von Freihandel und offenen Märkten richtet; jene Grundsätze, die gerade unser Land als eine exportorientierte Volkswirtschaft so stark und auch so wohlhabend gemacht haben. Wir erleben bei uns eine stagnierende Wirtschaft auch aufgrund, ja, aufgeschobener Strukturreformen. Wir erleben, wie enge Verbündete sich auf sich selbst zurückziehen und wir Europäer nun selbst für den Schutz unserer eigenen Freiheit und unserer Sicherheit sorgen müssen. Das alles, diese Ereignisse verdichten sich zu einem Gesamtbefund. Wir bewegen uns in einer Zeit, in der aus der vormaligen Weltordnung zunehmend eine Weltunordnung wird. Ich habe diese, wie ich finde, sehr beunruhigende globale Entwicklung schon bei vielen verschiedenen Gelegenheiten auch hier von dieser Stelle aus als „Epochenbruch“ bezeichnet. Aber, meine Damen und Herren, vielleicht gibt es einen unbestreitbar feststehenden Begriff für das, was wir gegenwärtig erleben, einfach nicht. Der diesjährige Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels, Karl Schlögel, hat dies bei der Preisverleihung in der Frankfurter Paulskirche so beschrieben. Er sagt: Es ist nicht nur „ein Mangel an Begriffen […], sondern das Wegbrechen eines Erfahrungshorizonts, in dem man groß geworden ist und wo alles, was man im Laufe des Lebens zusammengetragen hat, in Frage gestellt, entwertet scheint, ja in Trümmern liegt.“ Ende des Zitats von Karl Schlögel. Meine Damen und Herren, wenn uns nun auch der Begriff für das fehlt, was wir da zum Ausdruck bringen wollen: Dieser Veränderungsprozess ist sehr real; wir spüren ihn, wir sehen ihn. Ich will deswegen für die Bundesregierung sagen: Wir, die Bundesregierung, und auch ich persönlich, wir sind fest entschlossen, dass Deutschland nicht zum Opfer, nicht zum Objekt dieser Prozesse werden darf. Wir dürfen nicht dabei zusehen, wie die Welt neu geordnet wird. (Tino Chrupalla [AfD]: Die wird aber neu geordnet! Wir sind mittendrin! Guten Morgen!) Wir sind kein Spielball von Großmächten, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Wir wollen und wir müssen selbst ein handelnder Akteur bleiben, der für seine Interessen und seine Werte mit Entschiedenheit und Durchsetzungskraft einsteht. Meine Damen und Herren, ich bin der festen Überzeugung: Das können wir auch. Wenn wir uns bemühen, wenn die Bundesrepublik Deutschland und wenn die Europäische Union alle diese Herausforderungen annehmen, dann kann diese Europäische Union das und wir mit ihr, dann können wir diese Herausforderungen aus eigener Kraft bewältigen. Es liegt an uns selbst, ob wir aus diesem Epochenbruch mit neuer Stärke hervorgehen, ob wir frei, ob wir sicher und ob wir auf Dauer wohlhabend sind. Wir übernehmen dabei nicht nur eine Rolle als deutsche Bundesregierung, sondern wir nehmen auch unsere Rolle ein als Mitgestalter einer neuen europäischen Ordnung. Das sind wir uns selbst und auch Europa schuldig, liebe Kolleginnen und Kollegen: als das größte, das einwohnerstärkste und das wirtschaftlich stärkste Land dieser Europäischen Union. Wir, die Bundesregierung, haben seit Beginn unserer Amtszeit dabei drei Schwerpunkte gesetzt, damit unser Land aus eigener Kraft heraus wieder zu neuer Stärke findet. (Stephan Brandner [AfD]: Warum klatscht denn eigentlich niemand, Herr Merz?) Erstens. Deutschland ist zurück auf der internationalen Bühne. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD – Stephan Brandner [AfD]: Ah!) Meine Damen und Herren, dazu hat die Verbesserung unserer Verteidigungsfähigkeit wirklich maßgeblich beigetragen. Wir haben den Verteidigungshaushalt deutlich erhöht, und wir haben dafür – ich habe es eben in der Fragestunde schon einmal gesagt – auch das Grundgesetz geändert. (Stephan Brandner [AfD]: Vor allem bei Funkgeräten! – Heiterkeit bei der AfD) Wir haben wichtige Gesetze auf den Weg gebracht, und wir haben eine beschleunigte Beschaffung und auch beschleunigte Rekrutierung für die Bundeswehr ermöglicht. Wir folgen dabei der folgenden Logik: Wir müssen selbst so stark sein, dass uns niemand angreift. Oder anders ausgedrückt: Wir müssen glaubhaft abschrecken können, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] – Zuruf von der AfD: Der Angriff ist doch schon passiert!) Das gelingt – so einfach muss man es sagen –, wenn Demokratien besser ausgerüstet, besser bewaffnet sind als Autokratien. Und genau um diese Auseinandersetzung geht es. (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD) Zweitens. Wir haben damit begonnen, die strukturellen Probleme unserer Wirtschaft konsequent zu beseitigen. Wir haben in vielen Bereichen in diesem zu Ende gehenden Jahr Reformen umgesetzt und angestoßen, um die deutsche Wirtschaft wieder wettbewerbsfähig zu machen. Auch darauf habe ich vorhin hingewiesen: Wir haben einen Investitionsbooster eingeführt, und wir senken die Unternehmensteuern. Wir weiten das Energieangebot aus. Wir führen einen Industriestrompreis ein. Wir senken die Netzentgelte. Wir beseitigen die Gasspeicherumlage. Dies wird auf der Kostenseite für Unternehmen und Bürgerinnen und Bürger im nächsten Jahr deutlich spürbar. (Tino Chrupalla [AfD]: Die CO2-Abgabe? Die steigt!) Und wir bauen die überbordende Bürokratie systematisch zurück – national und europäisch –, meine Damen und Herren, und zwar mit einigem Erfolg. Ich will sagen: Das zeigen die Bürokratieentlastungen von Unternehmen, etwa bei der EU-Lieferkettenrichtlinie und bei den EU-Vorschriften zur Nachhaltigkeitsberichterstattung. (Stephan Brandner [AfD]: 80 Gesetze, das hat Herr Spahn gesagt, inzwischen! In den paar Monaten! Ganz fleißig!) Hier haben wir erste Erfolge auf der europäischen Ebene gemeinsam erzielt. (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD) Vielleicht erlauben Sie mir, auch einen Bezug zu nehmen auf die Sitzung des Bundeskabinetts am heutigen Vormittag. Wir haben heute Vormittag das Infrastruktur-Zukunftsgesetz im Kabinett verabschiedet und auf den parlamentarischen Weg gebracht in der Hoffnung und Erwartung, dass es bereits im ersten Quartal des nächsten Jahres als eilbedürftig eingestuft und nicht zustimmungspflichtig im Bundesrat hier im Deutschen Bundestag in zweiter, dritter Lesung verabschiedet wird. Das Gleiche gilt für die neue Grundsicherung, für die Ablösung des bisher sogenannten Bürgergeld-Gesetzes. (Stephan Brandner [AfD]: Wie viele Milliarden sparen Sie denn beim Bürgergeld?) Wir haben damit, meine Damen und Herren, wichtige Weichen gestellt, aber es ist richtig – und auch dies will ich hier gerne sagen –: Wir werden auch im nächsten Jahr weitere Strukturreformen machen müssen, damit unsere Volkswirtschaft wieder wettbewerbsfähig wird; denn wir sind noch längst nicht da, wo wir eigentlich sein müssten. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Drittens. Wir haben vom ersten Tag – im Wortsinne – eine Kurskorrektur in der Flüchtlingspolitik vollzogen. Wir haben unter anderem umfassende Grenzkontrollen an den deutschen Grenzen eingeführt. Wir haben die Zahl der Asylanträge gesehen, die im Jahresvergleich – ich habe die Zahl eben schon mal gesagt – um über 50 Prozent drastisch zurückgegangen ist. Das hat kein anderes Land in der Europäischen Union erreicht. (Beifall bei der CDU/CSU – Dr. Bernd Baumann [AfD]: Schon zu SPD-Zeiten war das! Das hat mit Ihnen nichts zu tun! – Zuruf von der AfD: Leider kamen Sie da zu spät!) – Kollege, ich weiß, dass Ihnen das nicht gefällt, weil Ihnen damit Schritt für Schritt ein Thema verloren geht, (Stephan Brandner [AfD]: Das heißt ja dann auch 50 Prozent weniger Fachkräfte, die Sie bekommen!) mit dem Sie in der deutschen Öffentlichkeit hetzen können. (Beifall bei der CDU/CSU – Denis Pauli [AfD]: Nee, das stimmt einfach nicht! Das geht uns nicht verloren! – Weitere Zurufe von der AfD) Kein anderes Land hat die Zahl der Asylbewerber so stark senken können wie Deutschland. Im Durchschnitt sind es in Europa 30 Prozent; in Deutschland sind es über 50 Prozent. Und das hat etwas mit nationaler Politik zu tun, auch wenn Sie das nicht wahrhaben wollen und wenn das für Ihre Propaganda im nächsten Jahr vielleicht nicht mehr sachdienlich ist. (Dr. Bernd Baumann [AfD]: Sie haben nichts bewirkt! – Stephan Brandner [AfD]: Was sagt denn Frau Merkel dazu?) Meine Damen und Herren, wir haben auch andere Maßnahmen auf den Weg gebracht, die ihre Wirkung entfalten. Aber sie werden ihre Wirkung natürlich mit Zeitversatz entfalten. Natürlich sind wir mit unserer Arbeit damit noch nicht am Ende. Wir brauchen ebendiese grundlegenden Reformen auch und gerade in den sozialen Sicherungssystemen, wenn wir unser Land zukunftsfähig machen wollen in einer Epoche, die nun anbricht, die angebrochen ist. Daran werden wir weiterarbeiten: CDU, CSU und SPD gemeinsam. Ich will es noch mal wiederholen: Wir haben es in der Hand, die Probleme unseres Landes aus eigener Kraft und aus eigener Stärke heraus zu lösen. Und diese Bundesregierung hat den gemeinsamen Willen, eben genau diesen Weg auch für Deutschland zu gehen. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Nun wissen wir alle: Deutschland wird nur so stark sein können, wie auch Europa stark ist. (Stephan Brandner [AfD]: Warum? Komischer Ansatz!) Wir müssen in vielen Dimensionen genau an dieser Stärke Europas arbeiten. Für ein starkes Europa brauchen wir ein sicheres Europa, ein wettbewerbsfähiges Europa und ein handlungsfähiges Europa. Ob uns all dies gelingt, wird sich auch ganz maßgeblich beim Europäischen Rat ab heute Abend und morgen in Brüssel entscheiden. Die Sicherheit Europas, meine Damen und Herren, ist dabei – das wird in diesen Tagen besonders deutlich – untrennbar mit dem Schicksal und mit der Sicherheit der Ukraine verbunden. Untrennbar! (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Denn Russland führt seinen brutalen Angriffskrieg nicht nur gegen die Ukraine. Wir Europäer sind uns – spätestens seit diesem Wochenende – mit der Ukraine und den USA einig: Wir wollen so schnell wie möglich einen Waffenstillstand (Zuruf von der AfD: Erst jetzt?) und einen Frieden in der Ukraine. Und wir sind uns auch einig, dass nur ein ausgewogener Friedensplan einen langfristigen Frieden für die Ukraine und damit für ganz Europa bringen kann. (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD) Wir erleben in diesen Tagen eine große diplomatische Dynamik auf dem Weg zu einem Friedensprozess. Erlauben Sie mir folgende Bemerkung von dieser Stelle aus, weil so oft nach Diplomatie gerufen worden ist statt nach Bewaffnung der Ukraine: Meine Damen und Herren, mehr Diplomatie als in den letzten Tagen und Stunden hier von Berlin aus geht nicht mehr. (Tino Chrupalla [AfD]: Von Berlin aus!) Mehr geht nicht mehr. (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD) Aber denjenigen, die nun meinen, man könne diesen Krieg nur mit Diplomatie beenden, sei in Erinnerung gerufen, was Präsident Putin auf meine öffentlich vorgetragene Bitte, doch wenigstens über Weihnachten die Waffen schweigen zu lassen, gesagt hat. Meine Damen und Herren, die Antwort auf diese Bitte ist an Zynismus und Brutalität nicht mehr zu überbieten. (Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Tino Chrupalla [AfD]: Da sehen Sie mal, was Sie für einen Stellenwert haben!) Wir stimmen uns deswegen auf dem Weg, den wir jetzt gemeinsam gehen wollen, eng mit den europäischen Partnern, aber auch mit den amerikanischen Partnern ab. Deshalb waren am Montag der ukrainische Präsident und weitere enge Verbündete – Amerikaner wie Europäer – hier in Berlin zu Gast. Unsere Botschaften, die von der Berliner Konferenz ausgehen, sind dabei klar: Zum einen kann und darf ein dauerhafter Frieden nicht auf Kosten der Ukraine oder der Sicherheit Europas erreicht werden. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Dazu gehört auch, dass die Ukraine nicht zu einseitigen und inakzeptablen Gebietsabtretungen gezwungen wird. (Beifall der Abg. Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Zum anderen muss sich die Ukraine auch in Zukunft gegen künftige russische Angriffe wirksam zur Wehr setzen können. Dafür braucht sie starke eigene Streitkräfte und belastbare Sicherheitsgarantien ihrer Partner. Und in diesem Punkt – so will ich es sagen – sind wir bei der Berliner Konferenz am vergangenen Sonntag und Montag ein erhebliches Stück vorangekommen. Wir alle wissen um den Preis des Krieges, meine Damen und Herren. Jetzt sprechen wir über den Preis des Friedens. Und zu diesem Preis des Friedens, liebe Kolleginnen und Kollegen, gehört auch, dass Deutschland im Kreis der Verbündeten zu Sicherheitsgarantien für die zukünftige Ukraine nach einem Waffenstillstand beiträgt. Über den sehr konkreten Beitrag wird zu gegebener Zeit zu reden sein, wenn der nun begonnene diplomatische Prozess hoffentlich in den nächsten Wochen nicht nur weitergeführt, sondern vielleicht auch zu einem Abschluss gebracht werden kann. Schließlich – das liegt auf der Hand –: Der Ausgang des Krieges, liebe Kolleginnen und Kollegen, entscheidet maßgeblich über die Zukunft der gesamten europäischen Friedensordnung; denn Russland – das dürfte nun spätestens in diesen Tagen klar geworden sein – strebt danach, seine Einflusszone weit über das eigene Staatsgebiet hinaus in die Staaten Europas auszuweiten. Schon jetzt überzieht Russland uns jeden Tag mit hybriden Angriffen: mit Drohnenüberflügen, mit Mordanschlägen, mit Sabotage, mit Spionage, mit Cyberangriffen und mit gezielter Desinformation, nicht zuletzt durch Helfer in diesem Parlament. Meine Damen und Herren, viele Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer kämpfen nicht nur für ihre eigene Freiheit. Sie kämpfen auch für unsere Freiheit in Europa. Dafür möchte ich ihnen von dieser Stelle aus gerade in diesen Tagen vor Weihnachten von Herzen danken. (Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Ein Blick in dieses Parlament und der Beifall nach diesen Worten geben Aufschluss darüber, wer in diesen Tagen und Wochen an der Seite der Ukraine steht und wer nicht an der Seite der Ukraine steht, meine Damen und Herren. (Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) In dieser Lage, so wie ich sie gerade beschrieben habe, stehen die Europäische Union und der Europäische Rat vor Entscheidungen von erheblicher Tragweite. Die entscheidende Frage wird sein: Werden wir, wird die Europäische Union, das bereits eingefrorene russische Staatsvermögen für die Verteidigung der Ukraine nutzbar machen können? Es geht bei dieser Frage um nicht mehr und nicht weniger als um die europäische Sicherheit und Souveränität. (Peter Boehringer [AfD]: Um Rechtssicherheit geht es auch!) Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Europäische Kommission hat in den letzten Wochen intensiv daran gearbeitet, konkrete Vorschläge vorzulegen, wie die Ukraine in den kommenden Jahren unterstützt werden kann. In Rede stehen Finanzmittel von bis zu 90 Milliarden Euro. (Tino Chrupalla [AfD]: Ja, natürlich! Immer rein in das Loch!) Es geht dabei um zweierlei. Es geht zum einen natürlich um die Hilfen für die Ukraine. Aber es geht auch um ein klares Signal an Russland, dass wir die Vermögenswerte, die hier liegen, auch dafür nutzbar machen, (Peter Boehringer [AfD]: Sie wissen genau, dass das niemals passieren wird!) um dazu beizutragen, diesen Krieg so schnell wie möglich zu beenden. (Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Es geht darum, Russland deutlich zu machen: Die Fortsetzung dieses Angriffskriegs ist sinnlos. Die Nutzbarmachung dieser Mittel würde die ukrainische Armee nach unserer Einschätzung für mindestens zwei weitere Jahre finanzieren. Wir wollen diesen Schritt – auch das sei hier sehr klar gesagt – nicht gehen, um den Krieg zu verlängern. (Tino Chrupalla [AfD]: Natürlich! – Weiterer Zuruf von der AfD: Doch! Doch!) Wir wollen ihn gehen, um den Krieg so schnell wie möglich zu beenden, meine Damen und Herren. (Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Ich weiß um die Bedenken vieler Regierungen in der Europäischen Union. Ich weiß um die Bedenken insbesondere der belgischen Regierung, in deren Land sich ein Großteil der eingefrorenen Vermögenswerte befindet. (Denis Pauli [AfD]: Die müssen dafür haften!) Und ich nehme diese Bedenken ernst. Deshalb beraten wir uns, deshalb berate ich mich mit unseren Partnern, um diese Bedenken auszuräumen. Der Vorschlag der Europäischen Kommission steht nach meiner Einschätzung, meine Damen und Herren, in völliger Übereinstimmung mit dem Völkerrecht und auch in Übereinstimmung mit unseren internationalen Verpflichtungen. Ich will es vielleicht noch etwas deutlicher sagen: Es reicht nicht, dass wir mit weiteren Sanktionen die Einnahmequellen der russischen Kriegsmaschinerie austrocknen. Es reicht nicht, dass wir in Europa die finanzielle Unterstützung der Ukraine wie bisher fortsetzen. Es reicht nicht, dass wir unser ganzes politisches Gewicht in die Waagschale der Friedensverhandlungen werfen. Das alles tun wir zweifelsohne. Aber offenkundig muss der Druck auf Putin noch weiter steigen, um ihn zu ernsthaften Verhandlungen zu bewegen. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Genau dafür, meine Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, brauchen wir die Entscheidung der europäischen Staats- und Regierungschefs, und ich werde mich für eine solche Entscheidung ab heute Abend in Brüssel persönlich einsetzen. (Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Wir werden unsere Kräfte auch für die europäische Verteidigung noch stärker bündeln müssen. Wir werden militärische Systeme künftig gemeinsam entwickeln, produzieren und beschaffen: mit klaren Standards, mit einfacheren Strukturen und vor allem mit sehr viel größeren Stückzahlen. Meine Damen und Herren, das alles stärkt die Europäische Union, das stärkt den europäischen Pfeiler der NATO. Das ist notwendig; denn das, was für Deutschland gilt, gilt für die Europäische Union und für die NATO insgesamt. Ich wiederhole diesen Satz bei jeder Gelegenheit: Wir wollen uns verteidigen können, damit wir uns nicht verteidigen müssen. (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Das gilt für Deutschland, das gilt für Europa, und das gilt für die ganze NATO. Nun gibt es in diesen Tagen, die uns so beschweren, aber doch noch gute Nachrichten: Zwei Jahre nach dem Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 haben wir dank der Vermittlung von Präsident Trump einen Waffenstillstand im Gaza. Es gibt immer wieder Rückschläge; aber der Krieg ist offensichtlich zu Ende. Ein dauerhafter Friede scheint jetzt wirklich möglich zu sein. Die Heimkehr der letzten überlebenden Geiseln, unter ihnen deutsche Staatsangehörige, hat uns berührt und beglückt und auch mich persönlich dazu bewogen, mich mit ihnen in der vorletzten Woche am Sonntag in Jerusalem zu treffen. Es muss uns jetzt gelingen, die zweite Phase des Friedensplans zu verwirklichen, und auch darüber habe ich bei meinem Besuch in Israel mit Premierminister Netanjahu gesprochen. Wir brauchen einen dauerhaften Waffenstillstand; die Hamas muss entwaffnet und ein Regierungs- und Sicherheitsmechanismus in Gaza ohne Beteiligung der Hamas eingerichtet werden. Deutschland hilft hier diplomatisch, wir helfen humanitär, und wir helfen auch beim Wiederaufbau. Nun, meine Damen und Herren, Europas Platz in dieser neuen Welt wird ganz wesentlich auch von unserer Wirtschaftskraft abhängen. Die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Unternehmen ist die zweite Dimension, in der wir eine neue europäische Stärke brauchen. Noch bis vor Kurzem war das exportorientierte Wirtschaftsmodell unseres Landes ein Erfolgsmodell für viele Länder in der Europäischen Union, vor allem für uns. (Peter Boehringer [AfD]: Dank günstigen Gases!) Es baute auf dem regelbasierten Zugang zu Märkten und Rohstoffen, zu Technologien und Kapital auf. Dieses Modell, liebe Kolleginnen und Kollegen, sieht sich aber immer größeren Herausforderungen und Restriktionen ausgesetzt, allen voran durch US-Zölle und chinesische Exportbeschränkungen, Exportbeschränkungen vor allem für kritische Rohstoffe und für Halbleiter. Auch da müssen wir uns dieser neuen Realität stellen und uns mit ihr auseinandersetzen, und genau das tun wir. Dafür arbeiten wir mit unseren europäischen Partnern und der Europäischen Kommission gemeinsam an einer Wirtschaftssicherheitsstrategie. Unser Ziel ist die Sicherung des Zugangs zu kritischen Rohstoffen und eine Stärkung globaler Lieferketten. (Stephan Brandner [AfD]: Super Strategie!) Der Nationale Sicherheitsrat, von dem ich eben bereits gesprochen habe, hat das Bundeswirtschaftsministerium beauftragt, zeitnah einen Aktionsplan zur systematischen Reduzierung strategischer Abhängigkeiten im Bereich kritischer Rohstoffe vorzulegen. Das ist wichtig, liebe Kolleginnen und Kollegen, für viele Industriezweige in Deutschland: für die Automobilindustrie, für die Elektroindustrie, für den Maschinenbau, für die chemische Industrie. Ich setze mich auch dafür ein, die Handelsbeziehungen der Europäischen Union weiter auszubauen und weltweit Partner zu finden, die ebenso wie wir an die Vorteile offener Märkte und des freien Handels glauben. So werbe ich bei unseren europäischen Partnern – und ich werde dies ganz besonders intensiv heute Abend und morgen früh tun – weiter intensiv dafür, dass die Präsidentin der Europäischen Kommission und der Präsident des Europäischen Rates am kommenden Samstag das Mercosur-Abkommen unterzeichnen. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Handlungsfähigkeit der Europäischen Union bemisst sich auch daran, ob wir nach 26 Jahren Verhandlungen endlich in der Lage sind, dieses Handelsabkommen zu einem Abschluss zu bringen und damit auch die ausverhandelten Handelsabkommen mit Mexiko und Indonesien zügig auf den Weg zu bringen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, wenn wir in einer solchen Lage, in der wir heute sind, in einer solchen Zeit, in der wir heute leben, immer noch kleinteilig herummäkeln an großen Handelsabkommen, die wir als Europäer mit großen Wirtschaftsräumen auf der Welt abschließen wollen, dann haben diejenigen, die das tun, die Prioritäten, die wir jetzt setzen müssen, immer noch nicht richtig verstanden. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Wir stärken mit diesem Abkommen den Europäischen Binnenmarkt, und dieser muss erneut vertieft werden. Uns liegen zwei Dokumente vor: der Bericht von Enrico Letta, dem ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten, zur Vollendung des Europäischen Binnenmarktes und der Bericht von Mario Draghi, dem ehemaligen EZB-Präsidenten, zur Verstärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Europäischen Union. Meine Damen und Herren, diese beiden Dokumente sind ein doppelter Weckruf für Europa betreffend den Zustand der europäischen Wettbewerbsfähigkeit. Sie enthalten Strategien und sehr konkrete Vorschläge, wie wir jetzt vorgehen können. Genau darum habe ich einen Brief, den mittlerweile 21 Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union unterschrieben haben, an den Präsidenten des Europäischen Rates geschrieben. Wir haben ein gesondertes Treffen zu dem Thema „Wettbewerbsfähigkeit, Binnenmarkt und Bürokratieabbau“ gefordert, und genau dieses Treffen wird jetzt am 12. Februar des nächsten Jahres in Brüssel stattfinden. Wir wollen und wir müssen schnell vorankommen. Wir wollen und wir brauchen jetzt auch in Europa notwendige Strukturreformen. Wenn wir jetzt erfolgreich handeln, dann können wir eine neue Wachstumsdynamik in ganz Europa auslösen und diese Umbruchzeit, von der ich gesprochen habe, auch als Chance für unseren Kontinent nutzen. Meine Damen und Herren, abschließend die dritte Dimension: ein handlungsfähiges Europa. Unsere Antworten auf die geopolitischen und geoökonomischen Umbrüche müssen wir auch im nächsten mehrjährigen Finanzrahmen der Europäischen Union abbilden; ich habe darüber kurz gesprochen. Die Europäische Union muss ihre begrenzten finanziellen Mittel jetzt an den richtigen Stellen einsetzen. Ich will es noch einmal sagen: Wir können nicht so weitermachen wie bisher. Diese Europäische Union steht vor zwei großen strategischen Herausforderungen: Wir müssen die Verteidigungsfähigkeit Europas herstellen, und wir müssen die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft wieder ermöglichen. Diese beiden Prioritäten sind die strategischen Antworten auf die Herausforderungen, vor denen wir in der Welt stehen. Ich möchte, dass wir sie gemeinsam in der Koalition, aber auch gemeinsam in der Europäischen Union geben; denn das ist jetzt die Chance, aus der Europäischen Union das zu machen, was wir immer wollten, nämlich einen offenen, freien Raum, einen Binnenmarkt, in dem Menschen frei, liberal, offen sowie in Demokratie und Freiheit leben können. (Peter Boehringer [AfD]: Das hatten wir 1990 alles schon!) Jetzt gilt es, Prioritäten zu setzen und dafür zu sorgen, dass Europa wieder wettbewerbsfähig und verteidigungsfähig wird. Herzlichen Dank. (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD) Vizepräsident Omid Nouripour: Vielen Dank, Herr Bundeskanzler. – Für die nächste Rede erteile ich das Wort Tino Chrupalla für die AfD-Fraktion. (Beifall bei der AfD) Tino Chrupalla (AfD): Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Landsleute! Zunächst möchte ich der Toten und Verletzten des Terroranschlags in Australien gedenken. Wir stehen dieser Verrohung und den wachsenden Gewaltpotenzialen schutzlos gegenüber. Es macht mich sprachlos, mit welchen Mitteln überall auf der Welt der Kampf der Religionen noch immer auf der Tagesordnung steht, sei es im Nahen Osten, bei den Anschlägen auf deutsche Weihnachtsmärkte oder nun in Sydney, wo eine jüdische Gemeinde das Lichterfest feiern wollte. All diese Vorfälle sind zu verurteilen und müssen auch politische Konsequenzen nach sich ziehen, (Beifall bei der AfD) und genau deshalb müssen wir uns als Parlament entschieden gegen religiösen Fanatismus, Extremismus und Terrorismus aussprechen. (Beifall bei der AfD) Deshalb ist es nur folgerichtig, wenn wir als Alternative für Deutschland fordern, Straftäter ohne deutsche Staatsbürgerschaft konsequent in ihre Heimatländer abzuschieben; denn diese stellen eine Gefahr für alle Deutschen mit und ohne Migrationshintergrund dar. (Beifall bei der AfD) Dabei sollte doch gerade in den verschiedenen Religionen der eine Konsens bestehen, und der sollte Frieden heißen. Es sind genau diese Verhandlungen für Frieden, die wir auch für die Ukraine und Russland schon seit 2022 immer wieder fordern. Seitens der deutschen Bundesregierungen unter Olaf Scholz und Friedrich Merz ließ man sich hierfür lange Zeit. In der Zwischenzeit ergriff der wiedergewählte Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, die Initiative und vermittelte zwischen den Konfliktparteien. (Zuruf des Abg. Luigi Pantisano [Die Linke]) Ziel muss es sein, das sinnlose Sterben auf beiden Seiten zu beenden. Ich habe schon vor Jahren gesagt: Die Ukraine wird diesen Krieg nicht gewinnen können. Und was waren die politischen Konsequenzen? Herr Merz belastet die deutschen Steuerzahler mit 70 Milliarden Euro Schulden für Waffenlieferungen und Kriegshilfen an die Ukraine – auch hier wissen wir bis heute nicht, in welchen Kanälen sie teilweise versickern – und mit zusätzlichen 11,5 Milliarden Euro im nächsten Haushalt. Dazu kommt noch die Bürgergeldzahlung in Höhe von 6 Milliarden Euro pro Jahr an Ukrainer. Vor welchen Herausforderungen stehen wir nun? Nach fast vier Jahren Krieg sind Hunderttausende Soldaten gefallen oder wurden verwundet; dazu kommen die zivilen Opfer und ein zerstörtes Land. Die Vereinigten Staaten haben vor Monaten klar signalisiert, dass sie sich aus dem Kreis der Kriegsunterstützer zurückziehen werden. Das heißt aber auch, dass die benötigten Milliarden für die weiteren Waffenkäufe, beispielsweise in den USA, jetzt allein durch Europa gezahlt werden müssen, also neue Schulden für Deutschland, und genau das ist vollkommen inakzeptabel. (Beifall bei der AfD) Ich bleibe dabei: Es war und ist nicht unser Krieg. Schon zu Beginn der Zerstörung war klar, dass hier viel Geld für den Wiederaufbau nötig sein wird, dass aber auch viel Geld verdient werden kann. Genau dort hat Friedrich Merz beste Erfahrungen in seinem Mutterhaus BlackRock sammeln können. Ganz nach der Devise „Mit fremdem Geld lässt sich gut wirtschaften“ verfährt der Bundeskanzler bei seinem übergriffigen Plan, widerrechtlich russisches Staatsvermögen zu enteignen und an die Ukraine zu geben. Allein diese Ankündigung gießt weiteres Öl ins Feuer dieses Krieges. (Beifall bei der AfD) Darüber hinaus verspricht der Bundeskanzler, dass Deutschland selbstverständlich für eventuelle Zahlungsausfälle bereitwillig zur Verfügung steht. (Zuruf von der CDU/CSU: Was ist denn Ihr Vorschlag?) Wie gesagt, Herr Merz: Fremdes Geld – das Steuergeld der Deutschen – gibt sich eben leichter aus als das eigene. Gemeinsam mit Ihren Unionsgesellen in Brüssel verhängen Sie eine Sanktion nach der nächsten, die sich gegen Russland richten soll, die aber hauptsächlich Deutschland schadet. Die Energiepreise belasten die privaten Haushalte ebenso stark wie die Unternehmen. (Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Machen Sie sich auch Gedanken über Putin, der jede Woche, jeden Tag bombardieren lässt?) Sie verantworten das Sterben der deutschen Wirtschaft, und da kommen mir, Frau Haßelmann, die Tränen. (Zuruf der Abg. Katharina Dröge [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Wir haben in Deutschland im Jahr 2025 fast 1 000 Industriearbeitsplätze pro Tag verloren; 60 Pleiten pro Tag. (Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sind Sie mit der Ukraine schon durch?) Es trifft die Automobilindustrie, deren Zulieferer und damit das Handwerk und den Mittelstand. Und „weg“ heißt weg. Das müssen Sie zwar politisch verantworten, lösen müssen dieses Dilemma aber unsere Kinder und Kindeskinder. (Beifall bei der AfD) Vizepräsident Omid Nouripour: Herr Chrupalla, erlauben Sie eine Zwischenfrage vom Abgeordneten Hoffmann? Tino Chrupalla (AfD): Nein, bitte nachher. Vizepräsident Omid Nouripour: Dann setzen Sie gerne fort. Tino Chrupalla (AfD): Und diese müssen sich schon heute die Gegenfinanzierung Ihrer Kredite auf die Schultern legen lassen. Sie machen Schulden, um die Grundausgaben des Sozialsystems stemmen zu können. Die Rentner speisen Sie zukünftig mit wohl 48 Prozent des letzten Verdienstes ab. Sie treiben die Wertschöpfer nach mindestens 45 Arbeitsjahren in die Altersarmut. Aber Sie möchten ja genau die Rentner wieder in Beschäftigung bringen und nennen es dann Aktivrente. Wissen Sie, Herr Merz, noch abschätziger kann man als Bundeskanzler wohl kaum mit denen umgehen, die den Sozialstaat mit ihrer Arbeitskraft am Laufen halten. (Beifall bei der AfD) Gleichzeitig treiben Sie die Deindustrialisierung Deutschlands voran, bringen uns mutwillig in einen Konflikt mit Russland und unterstützen ein korruptes System um den Noch-Präsidenten Selenskyj. Ihre Kollegen aus der Unionsfraktion tönen schon gegenüber der Presse, man solle den Deutschen Bundestag in die Nutzung des eingefrorenen russischen Vermögens einbinden. Und das zeigt uns doch zwei Dinge: Erstens möchten Sie Ihre perfiden Pläne mit einer parlamentarischen Mehrheit versehen lassen. (Zuruf der Abg. Katharina Dröge [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Und zweitens sollen wir als Abgeordnete die nahezu sicher anfallenden Milliardenbeträge zur weiteren Unterstützung der Ukraine genehmigen. Das ist an Falschheit kaum zu überbieten! (Beifall bei der AfD – Steffen Bilger [CDU/CSU]: Hä? Warum soll sich der Bundestag denn damit beschäftigen?) Sie reisen heute und morgen zum EU-Gipfel. Sollten Sie dort genau diese Versprechen abgeben, handeln Sie mit Ihrem Alleingang vollends gegen die Interessen der deutschen Bürger. (Zuruf des Abg. Steffen Bilger [CDU/CSU]) Und ich darf Sie daran erinnern: In Deutschland fehlen Investitionsmittel für die lebensnotwendige Infrastruktur, für Straßen, Brücken, Schienen, Schulen, Krankenhäuser und Kindergärten. Wir alle sind vom deutschen Volk gewählt, um unser Land, um Deutschland voranzubringen. Übrigens haben mit Viktor Orbán, Andrej Babiš und Robert Fico schon drei EU-Länder die Ablehnung angezeigt, das russische Vermögen zu nutzen oder Finanzgarantien für die Ukraine zu geben. So viel zu Ihrer europäischen Einigkeit. Und diejenigen in der Union, die sich noch vor einigen Wochen zum Fürsprecher der transatlantischen Beziehungen gemacht haben, merken nun langsam, dass es keine Garantien und auch keinen Hegemon mehr gibt. Die neue Sicherheitsstrategie der Vereinigten Staaten zeigt uns ganz klar auf: Im Mittelpunkt stehen die USA – und nur die USA –, und die haben die Partnerschaft mit dem alten Europa bereits abgeschrieben. (Jens Spahn [CDU/CSU]: Und deshalb pilgern Ihre Jünger nach Amerika!) Man versteht schlicht nicht, wie man sowohl mit einer verfehlten Migrationspolitik die innere Sicherheit Europas als auch durch das fehlende Verhältnis zu Russland den Kontinent aus dem Gleichgewicht bringen kann. Und mal wieder scheint unser Bundeskanzler diese Ansage falsch zu analysieren. Getrieben von seiner altbundesrepublikanischen Abneigung gegen den Osten, treibt er Strategien voran, die die Gräben nur noch tiefer werden lassen, im Ausland ebenso wie im Inland. (Beifall bei der AfD) Beim CDU-Parteitag in Magdeburg hat sich Herr Merz mal wieder von seiner ganz charmanten Seite gezeigt, als er sagte, er habe Glück gehabt, im Westen aufgewachsen zu sein. Auch hier haben Sie wieder mal etwas falsch verstanden: Gerade wir Ostdeutschen haben uns auf den langen Weg der Integration in ein vereinigtes Deutschland begeben. Wir wollen nicht in die alte Bundesrepublik zurückkehren. (Dr. Ralf Stegner [SPD]: Sie sind doch gar nicht angekommen!) Indem Sie den Bürgern im Osten das Gefühl geben, dass sie für Sie weniger wert sind, beweisen Sie nur einmal mehr Ihr Unvermögen, mit Menschen umzugehen. (Beifall bei der AfD – Jens Spahn [CDU/CSU]: Das ist doch einfach nur Unsinn, was Sie hier erzählen!) Und deshalb, Herr Bundeskanzler, bin ich froh darüber, dass Sie im Westen aufgewachsen sind. Sie hätten uns im Osten gerade noch gefehlt! (Heiterkeit und Beifall bei der AfD – Jens Spahn [CDU/CSU]: Oje, tiefer geht es wohl nicht mehr!) Lassen Sie mich zum Schluss noch kurz auf die Ankündigung des Bundeskanzlers eingehen, eine multinationale Truppe für die Ukraine aufzustellen. Sie zeigen damit nicht nur, dass Sie weiter an der Eskalationsspirale in Europa drehen wollen. Sie sprechen von Sicherheiten für die Ukraine, meinen aber Aufrüstung und den Aufbau neuer Bedrohungsszenarien in Europa. (Steffen Bilger [CDU/CSU]: Das ist schlecht für Ihre russischen Freunde! – Zurufe von der SPD) Für mich und uns zeigen Sie aber auch, dass wir mit unserer Positionierung für den Frieden und gegen die Wiedereinsetzung des Wehrdienstes zum jetzigen Zeitpunkt genau auf der richtigen Seite stehen. (Beifall bei der AfD – Zuruf von der SPD: Meine Güte!) Denn diese Wiedereinsetzung wird wohl nach dem, was Sie hier heute und was Sie auch gestern angekündigt haben, auch in weiterer Zukunft nur abzulehnen sein. Sie sagten gestern, wir würden russische Angriffe erwidern müssen. Nicht zu Unrecht fragt nun mittlerweile auch die deutsche Presse: Wissen Sie eigentlich, was Sie da sagen? Wissen Sie eigentlich, was das bedeutet, Herr Merz? – Wir können Ihnen nicht vertrauen. Ihnen geht es nicht um die Landesverteidigung. Es steht zu befürchten, dass Sie mit Ihrer Politik auf Sicht einen Spannungsfall initiieren oder initiieren wollen, um die Wehrdienstleistenden in der Ukraine einzusetzen. (Lisa Badum [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie sind ein Problem für die Landesverteidigung!) Wir vertrauen Ihnen unsere Kinder nicht an! (Beifall bei der AfD) Auch bei den jetzigen Verhandlungen mit der Ukraine ist sehr klar geworden, dass sie kein Teil der NATO sein wird, und damit schließt sich ein etwaiger Bündnisfall auch aus. Sie aber versuchen mit allen Mitteln, sich und der Ukraine Optionen zu verschaffen, den Krieg zu verlängern. Dem stellen wir uns ganz klar entgegen. (Zuruf vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Der Präsident der Vereinigten Staaten hat mit Russland die Verhandlungen auf Augenhöhe begonnen. Ihr Versuch, Herr Merz, Klientelpolitik für Herrn Selenskyj zu machen, wird nicht von Erfolg gekrönt sein. Mit Ihrer Art, Politik zu machen, waren und bleiben Sie am Katzentisch. Herr Bundeskanzler, ein Staat ist kein internationaler Finanzkonzern. Überlassen Sie deshalb die Außenpolitik den Außenpolitikern, und machen Sie sich endlich Gedanken darüber, wie Sie die deutsche Wirtschaft, den Mittelstand und das Handwerk im Westen wie im Osten entlasten. (Zuruf der Abg. Sara Nanni [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Dafür wollten Sie doch Bundeskanzler werden. Kümmern Sie sich endlich um Deutschland! (Beifall bei der AfD) Meine Damen und Herren, wir sind froh, den Ost-West-Konflikt hinter uns gelassen zu haben. Mit einer multinationalen Truppe beschwören Sie diesen wieder herauf, Herr Merz. (Zuruf der Abg. Katharina Dröge [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Sie sind und bleiben deswegen ein Ewiggestriger der alten BRD. Sie denken nicht über die Zukunft unseres Landes oder unserer Kinder nach; Sie sind als Bundeskanzler bereits Geschichte. (Beifall bei der AfD – Sara Nanni [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wer schreibt Ihnen so was eigentlich auf?) Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien ein friedliches Weihnachtsfest und hoffe auf ein friedvolles Jahr 2026. (Steffen Bilger [CDU/CSU]: Für die Ukraine auch!) Vielen herzlichen Dank. (Beifall bei der AfD) Vizepräsident Omid Nouripour: Vielen Dank. – Für eine Kurzintervention erteile ich das Wort dem Abgeordneten Alexander Hoffmann von der CDU/CSU-Fraktion. Alexander Hoffmann (CDU/CSU): Vielen Dank. – Herr Präsident! Herr Chrupalla, ich bedauere, dass Sie meine Zwischenfrage nicht zugelassen haben. Das wäre mit Blick auf Ihren selbstsicheren Auftritt ein Zeichen der Souveränität gewesen. Ich will zunächst mal feststellen, dass es dank des deutschen Bundeskanzlers in den letzten Wochen gelungen ist, in die Ukrainekrise intensiv Bewegung zu bringen. (Zuruf des Abg. Stephan Brandner [AfD]) Sie halten aber jetzt hier eine Rede, wie Sie sie dem Grunde nach schon seit zwei Jahren immer wieder halten. Ich habe eine konkrete Frage an Sie. Es ist rührend, dass Sie sich so besorgt um das Geld der deutschen Steuerzahler zeigen. Das besorgt uns auch. Und genau deshalb beschäftigen wir uns intensiv mit der Frage, ob man das eingefrorene russische Vermögen nutzbar machen kann zum Wiederaufbau der Ukraine oder zur Anschaffung militärischer Mittel zur Selbstverteidigung der Ukraine, damit eben nicht der deutsche Steuerzahler dort einspringen muss. (Peter Boehringer [AfD]: Das ist keine Selbstverteidigung! Das ist doch nicht wahr!) Die USA haben dort ja auch eine Meinung. Die USA würden gerne auf diese eingefrorenen Mittel zurückgreifen oder zum Beispiel bei einem Wiederaufbaufonds die Renditen ziehen. (Stephan Brandner [AfD]: Was ist das denn für eine Zwischenfrage? Haben Sie keine Redezeit bekommen?) Sie reisen regelmäßig in die USA, wie wir gelesen haben. Jetzt würde mich Folgendes interessieren: Haben Sie denn die Idee der Vereinigten Staaten, auf das eingefrorene Vermögen zuzugreifen und die Renditen aus einem Wiederaufbaufonds zu ziehen, bei Ihren Besuchen in den USA entschieden im Interesse des deutschen Steuerzahlers zurückgewiesen? (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Sara Nanni [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Vizepräsident Omid Nouripour: Herr Chrupalla, mögen Sie erwidern? Tino Chrupalla (AfD): Herr Hoffmann, als Allererstes: Sie konnten ja jetzt Ihre Frage stellen; das war nicht schwierig. Das haben Sie nun getan. (Alexander Hoffmann [CDU/CSU]: Das habe ich auch genutzt!) – Genau so ist es. – Trotzdem kann ich meine Rede zunächst beenden; das haben Sie ja in der Vergangenheit genauso gemacht. Ich will auf die ersten Einlassungen von Ihnen antworten. Vielleicht haben Sie meiner Rede auch nicht richtig zugehört. (Alexander Hoffmann [CDU/CSU]: Eine Frage, eine Antwort, Herr Chrupalla! Ganz einfach!) – Lassen Sie mich ausreden. – Sie haben recht: Dazu, wie Diplomatie und Verhandlungen aussehen sollten, haben wir vieles seit 2022 hier am Bundestagsmikrofon bereits gesagt. Dass nun ausgerechnet der amerikanische Präsident diese Initiative ergreifen muss, weil die europäischen Staats- und Regierungschefs, unter anderem Herr Merz, Herr Macron, aber auch Herr Starmer, die im Übrigen in ihren jeweiligen Ländern bei der Bevölkerung sehr beliebt sind, es nicht auf die Reihe bekommen haben und Europa immer weiter in eine Gewaltspirale hineingetrieben haben, zeigt eigentlich, wie unsouverän Europa hier die letzten Jahre gehandelt hat. – Das ist der erste Punkt. (Beifall bei der AfD – Alexander Hoffmann [CDU/CSU]: Die Antwort! Wo ist denn die Antwort? – Zuruf der Abg. Siemtje Möller [SPD]) Ich sage Ihnen auch ganz ehrlich – ich weiß, was Sie jetzt mit Ihrer Frage nach eingefrorenem russischem Vermögen und der Enteignung bezwecken wollen –: Sie wissen selbst, dass diese Maßnahme nicht nur hochumstritten ist (Alexander Hoffmann [CDU/CSU]: Haben Sie es zurückgewiesen, Herr Chrupalla?) – lassen Sie mich doch bitte ausreden –, sondern auch völkerrechtswidrig ist. (Alexander Hoffmann [CDU/CSU]: Haben Sie es entschieden im Interesse des deutschen Steuerzahlers zurückgewiesen? Antworten Sie doch, Herr Chrupalla!) – Wir haben es zurückgewiesen. (Zurufe von der CDU/CSU und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Vizepräsident Omid Nouripour: Herr Chrupalla hat gerade das Wort, und er kann jetzt seine Ausführungen gerne fortsetzen. Es wäre hilfreich, wenn er jetzt zu Ende sprechen könnte. – Herr Chrupalla, bitte setzen Sie fort. Tino Chrupalla (AfD): Herr Hoffmann, ich bin hier nicht auf der Anklagebank. Das sollten Sie einfach erkennen. (Alexander Hoffmann [CDU/CSU]: Ich will eine Antwort auf meine Frage!) – Ich muss Ihnen auf Ihre Frage überhaupt nicht antworten. (Alexander Hoffmann [CDU/CSU]: Ah! – Agnieszka Brugger [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Weil Sie es einfach nicht können!) Wo steht das? Das steht in keiner Geschäftsordnung. Aber ich sage immer: Bedenken Sie – – (Zurufe von der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Vizepräsident Omid Nouripour: Ich bitte um ein bisschen Aufmerksamkeit. Wir müssen denjenigen, die hier reden, fragen und antworten, auch akustisch folgen können, und das kann man zuweilen nicht. Herr Chrupalla hat das Wort. – Bitte setzen Sie fort. Tino Chrupalla (AfD): Ich weiß ja, dass Sie nervös sind. Sie wissen selbst, dass das hochkritisch ist und dass es am Ende auch scheitern kann und scheitern wird, weil Sie Garantien geben wollen, für die am Ende der deutsche Steuerzahler aufkommen muss. Sie wissen, dass in den ersten Friedensverhandlungen Russland selbst dazu bereit war, Vermögenswerte freizugeben. Deshalb sage ich Ihnen: Wir werden diesen Garantien niemals zustimmen, weil am Ende der deutsche Steuerzahler haften muss. Das ist der Punkt. (Alexander Hoffmann [CDU/CSU]: Das war doch gar nicht die Frage! Ich weiß doch, wie Sie dazu stehen! Einfache Frage, einfache Antwort, Herr Chrupalla!) Deshalb werden wir das in der Form ablehnen. Vielen Dank. (Beifall bei der AfD) Vizepräsident Omid Nouripour: Vielen Dank. – Der nächste Redner ist Dr. Matthias Miersch für die SPD-Fraktion. (Beifall bei der SPD und der CDU/CSU) Dr. Matthias Miersch (SPD): Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Herr Bundeskanzler, Sie haben zu Recht darauf hingewiesen, dass eine Weltunordnung herrscht, eine Weltunordnung, die an vielen Stellen zu Verunsicherung führt, auch bei vielen Bürgerinnen und Bürgern hier im Lande. Lassen Sie mich deswegen zu Beginn für eine Fraktion, die hier im Deutschen Bundestag eine Partei repräsentiert, die über 160 Jahre alt ist, ganz deutlich sagen: Dieser Weltunordnung, diesem Nationalismus setzen wir ein Zusammen entgegen. Denn daraus erwächst Stärke in einer Gesellschaft und auch auf dieser Welt, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU) Sie haben zu Recht darauf hingewiesen, dass wir in diesen unsicheren Zeiten in dieser Koalition schon eine Menge getan haben. Eine elementare Voraussetzung, der Verunsicherung zu entgehen und ihr etwas entgegenzusetzen, ist, dass wir einen handlungsfähigen Staat haben. Wir haben mit dem Sondervermögen die Handlungsfähigkeit dieses Landes hergestellt, die in die Zukunft reicht und auch Zusammenhalt garantiert, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall bei der SPD und der CDU/CSU – Zuruf des Abg. Peter Boehringer [AfD]) Es wird darum gehen, dass wir nicht stehen bleiben und die sozialen Sicherungssysteme so belassen, wie sie momentan sind, sondern sie reformieren. Aber für uns steht auch fest, dass die, die in diesem Land mehr haben, auch mehr für den Zusammenhalt geben müssen. Das ist entscheidend für die Zukunft, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall bei der SPD) Und was die Weltunordnung angeht, kann es nur eine Antwort geben. Auch hier ist das Zusammen die Stärke. Ich bin Ihnen im Namen meiner Fraktion außerordentlich dankbar, dass Sie in den letzten Tagen alles dafür getan haben, um die Sprachfähigkeit Europas in dieser unsortierten Welt wiederherzustellen. An dieser Stelle ein Dankeschön dafür! (Beifall bei der SPD und der CDU/CSU) Denn nur darin liegt die Antwort. Sie haben gesagt, wir dürften nicht zum Spielball der Weltmächte werden. Europa hat Kraft. Wir müssen unser Licht nicht unter den Scheffel stellen. Aber die Voraussetzung ist, dass wir eine gemeinsame Sprache sprechen. Und es ist ein gutes Signal, dass es eine Erklärung gibt, die aus Europa resultiert, mit Unterstützung der Amerikaner und unter Einbeziehung der Ukraine. Das ist ein wichtiges Signal, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall bei der SPD und der CDU/CSU) Aber natürlich wird über diese Erklärung das eine oder andere schon wieder philosophiert – das war auch eben in der Fragestunde schon spürbar –, Stichwort „multinationale Truppe“. Lassen Sie mich an dieser Stelle ganz deutlich sagen: Es gibt in manchen Fragen kein Schwarz und Weiß. Deswegen müssen wir uns sehr genau angucken, wie sich die weiteren Verhandlungen vollziehen. Und dann werden wir als Deutscher Bundestag – denn wir haben eine Parlamentsarmee – sehr genau darüber beraten, wie, wann und wo deutsche Soldaten gegebenenfalls zum Einsatz kommen. Aber das ist eine Frage, die sich augenblicklich nicht stellt. Wir schließen an dieser Stelle nichts aus; aber die Rahmenbedingungen werden entscheidend sein, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall bei der SPD und der CDU/CSU) Herr Chrupalla, dann will ich Ihnen doch sagen: Das, was Sie jetzt hier wieder vorgetragen haben, war ja das, was Sie auch letztes Mal schon vorgetragen haben. (Stephan Brandner [AfD]: Ja, weil das richtig ist! Wir sind halt keine Sozialisten, Herr Miersch!) Ich erwarte von jemandem, der – wie Sie – sagt, es gehe keine Gefahr von Russland aus, nichts anderes als das, was Sie hier gesagt haben. Ich habe Sie aber schon letztes Mal, vor ein paar Tagen bzw. Wochen, darauf hingewiesen, dass Ihr eigener verteidigungspolitischer Sprec

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