Onlinedienste der Bundesagentur für Arbeit und Eingangszonen in Jobcentern - Nutzerfreundliche Ausgestaltung analoger und digitaler Zugangswege zu Leistungen
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Onlinedienste der Bundesagentur für Arbeit und Eingangszonen in Jobcentern - Nutzerfreundliche Ausgestaltung analoger und digitaler Zugangswege zu Leistungen
Deutscher Bundestag Drucksache 21/6621
21. Wahlperiode 23.06.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Cansin Köktürk, Janine Wissler, Doris Achelwilm, Dr. Dietmar
Bartsch, Desiree Becker, Anne-Mieke Bremer, Janina Böttger, Jörg Cezanne,
Agnes Conrad, Mirze Edis, Christian Görke, Cem Ince, Tamara Mazzi, Pascal
Meiser, Zada Salihović, Lisa Schubert, Ines Schwerdtner, Aaron Valent, Isabelle
Vandre, Sarah Vollath, Sascha Wagner, Anne Zerr und der Fraktion Die Linke
Onlinedienste der Bundesagentur für Arbeit und Eingangszonen in Jobcentern –
Nutzerfreundliche Ausgestaltung analoger und digitaler Zugangswege zu
Leistungen
„Unsere Kunden erwarten heute digitale Angebote, die nicht nur komfortabel,
sondern sicher sind. Mit dem konsequenten Ausbau unserer Online-Services
gehen wir diesen Weg weiter – zur Beschleunigung der Abläufe und zum
Schutz der Daten. So schaffen wir bessere Voraussetzungen für eine moderne,
verlässliche Beratung.“ So beschreibt der Vorsitzende der Geschäftsführung der
Bundesagentur für Arbeit (BA), Andreas Wegner, die Umstellung ihrer Dienste
auf digitale Angebote. Doch die genaue Ausgestaltung dieser digitalen
Angebote bringt aus Sicht der Leistungsberechtigten nicht nur „Komfortabilität“,
sondern auch weitere Hürden mit sich – wie beispielsweise die Abschaffung
der Erreichbarkeit per E‑Mail.
Andere Hürden treten schon bei der digitalen Beantragung von Leistungen auf,
etwa Probleme bei der Authentifizierung für die Einrichtung eines Jobcenter-
Digital-Accounts. Auch die neue Authentifikator-App der BA wird größtenteils
negativ bewertet.
Kundinnen und Kunden ohne die nötige Digitalkompetenz können dadurch
überfordert werden und bekommen aufgrund der eingeschränkten
Erreichbarkeit der technischen Hotline der BA nur selten tatsächliche Hilfe. Die
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Jobcenter haben selber keinen Einblick in die
gesamte Funktionsweise der Jobcenter-Digital-Accounts, da Accounts nur bei
Stellung eines Antrags vollumfänglich nutzbar sind.
Viele der angesprochenen technischen Hürden und Probleme könnten abgebaut
werden, indem die BA ihre Onlinedienste häufiger evaluiert und Fehler
schneller behebt. In anderen Fällen ist persönliche Unterstützung notwendig.
Neben diesen rein technischen Problemen berichten Jobcenter-Kundinnen und
Jobcenter-Kunden zudem von einer zunehmenden Abschottung der
Eingangszonen. Persönliche Ansprechpersonen würden zunehmend fehlen, eine
Anmeldung sei nur an QR-Scannern möglich, und auch die persönliche Abgabe von
Papieren werde abgelehnt. Menschen, die beispielsweise über wenig
Digitalkompetenz verfügen oder denen schlicht die entsprechenden technischen
Geräte fehlen, werden dadurch massiv benachteiligt.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Gibt es einen kontinuierlichen Austausch zwischen der Bundesregierung
und der Bundesagentur für Arbeit über die Weiterentwicklung der
Onlinedienste?
2. Teilt die Bundesregierung die Auffassung der Fragestellenden, dass bei
der Gewährung angemessener digitaler und analoger Zugangswege zur
Grundsicherung für Arbeitsuchende Handlungsbedarf auf Bundesebene
besteht?
3. Wie ist die organisatorische Zuständigkeit in der Bundesagentur für Arbeit
für die Entwicklung von Onlinediensten geregelt, und welche personelle
Kontinuität ist in diesem Arbeitsbereich gewährleistet?
4. Inwiefern wurde die Perspektive von Leistungsberechtigten bei der
Entwicklung der Onlinedienste der Bundesagentur für Arbeit berücksichtigt?
5. Inwiefern werden Erfahrungen von Leistungsberechtigten, u. a. in
Rezensionen der Onlinedienste, bei der Weiterentwicklung dieser Dienste
berücksichtigt?
6. Wie erklärt sich die Bundesregierung, dass die App BA-mobil im Google
Play Store deutlich besser bewertet wird als die Jobcenter-App?
7. Wie hoch sind die Abbruchquoten bei der Onlinebeantragung von
Grundsicherung für Arbeitsuchende (bitte, wenn möglich, nach
unterschiedlichen verfügbaren Antragswegen differenziert angeben)?
8. Kennt die Bundesregierung Berichte von Leistungsberechtigten über
strukturelle Probleme bei der digitalen Antragstellung, etwa über
a) Probleme bei der Zwei-Faktor-Authentifizierung (Time-based One-
Time Password (TOTP)), teilweise mit der Folge der Sperrung von
Nutzerkonten,
b) Probleme bei der Einrichtung eines sogenannten Passkeys oder einer
Authentifikator-App und die mit dem Passkey einhergehende
beschränkte Möglichkeit, sich auf mehreren Geräten einzuloggen,
c) ein ständiges Springen zwischen der App-Ebene und der Browser-
Ebene,
d) Medienbrüche sowie
e) mangelnde Barrierefreiheit für blinde Menschen,
und welche Konsequenzen zieht sie daraus?
9. Kennt die Bundesregierung Problemberichte, dass Leistungsberechtigte
Widersprüche formal unwirksam über den Jobcenter-Digital-Account
stellen, ohne darauf hingewiesen zu werden, dass eine ausreichende
Identifizierung nur über die Bund-ID möglich ist, und wie will die
Bundesregierung sicherstellen, dass Leistungsberechtigte nicht in vielen Fällen aus
Unkenntnis Rechtsmittelfristen verstreichen lassen?
10. Kennt die Bundesregierung Problemberichte, dass Jobcenter die
Kommunikation mit Leistungsberechtigten per E‑Mail ablehnen, sondern
praktisch nur noch über einen Jobcenter-mobil-Account erreichbar sind, ohne
auf die Möglichkeit einer verschlüsselten E-Mail-Kommunikation
hinzuweisen, obwohl diese Möglichkeit im Dokument „Email-Verschlüsselung
für externe Kommunikationspartner“ (www.arbeitsagentur.de/datei/e-mai
l-verschluesselung-s-mime_ba035800.pdf) ausführlich erläutert wird?
11. Wie bewertet die Bundesregierung den Vorschlag, innerhalb des
Jobcenter-Digital-Accounts die Transparenz über den Bearbeitungsstand
eines Grundsicherungsantrags zu erhöhen, z. B. durch Statusmeldungen,
ob eingereichte Unterlagen abgerufen und gesichtet wurden, bearbeitet
werden, ob weitere Unterlagen angefordert werden etc.?
12. Wie bewertet die Bundesregierung den Vorschlag, im Jobcenter-Digital-
Account die Bescheide nicht wie derzeit nach Bescheiddatum, sondern
nach betroffenem Bewilligungszeitraum zu sortieren, um
Leistungsberechtigten einen angemessenen Überblick zu ermöglichen?
13. Kennt die Bundesregierung Problemberichte, dass Leistungsberechtigte
Informationen des Jobcenters über den Postweg empfangen möchten, um
die eigene Erreichbarkeit unabhängig von IT-Geräten zu garantieren, aber
trotzdem Mitteilungen und Nachweise ans Jobcenter digital senden
möchten, was derzeit nur bei Veränderungsmitteilungen möglich und für viele
Nutzerinnen und Nutzer nicht zu erkennen ist, und wie bewertet die
Bundesregierung den Vorschlag, die Funktion der Onlinekommunikation
getrennt für den Empfang und für das Versenden von Informationen
auswählen zu können?
14. Wie bewertet die Bundesregierung den Vorschlag, freien Trägern im
Rahmen der Onlinebeantragung und der Kommunikation via Jobcenter-
Digital-Account und App die Möglichkeit zu geben, Unterlagen und
Anliegen von Leistungsberechtigten an die Jobcenter weiterzuleiten, ohne
dabei als Bevollmächtigte auftreten zu müssen?
15. Wie bewertet die Bundesregierung den Vorschlag, die Einrichtung von
voll funktionsfähigen und regelmäßig aktualisierten Jobcenter-Digital-
Accounts zu ermöglichen, über die sich Bürgerinnen und Bürger,
Beratungsstellen sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Jobcentern über
die Funktionsweise des Accounts informieren können, ohne dass sie einen
eigenen Antrag stellen müssen?
16. Wie bewertet die Bundesregierung den Vorschlag, angesichts der ab
Juli 2026 verschärften Rechtsfolgen bei Terminversäumnissen
bundesrechtlich eine Pflicht zu Eingangsbestätigungen für Terminabsagen zu
regeln?
17. Wie viele Jobcenter verfügen über Eingangszonen, die ohne Anmeldung
aufgesucht werden können und in denen Anträge abgegeben werden
können?
18. Gibt es viele Jobcenter mit Eingangszonen, die ohne Anmeldung
aufgesucht werden können und in denen PCs bereitstehen, an denen ohne
eigenen Account Anträge ausgefüllt werden können und die mit Scannern
verbunden sind, sodass Anträge auch eingereicht werden können, und wenn
ja, wie viele Jobcenter sind dies?
19. Wie viele Jobcenter verfügen über Eingangszonen, die ohne Anmeldung
aufgesucht werden können und in denen PCs zur Nutzung mit einem
Account bereitstehen?
20. Wie viele Jobcenter verfügen über Personal, das an festen, mindestens
wöchentlichen Terminen bei der selbstständigen Antragstellung an
vorhandenen PCs vor Ort unterstützt, insbesondere bei der Einrichtung von
Accounts?
21. Wie bewertet die Bundesregierung den Vorschlag, analoge Zugangswege
auszubauen durch die Entwicklung einer IT-Lösung, mit der Daten von
Jobcenter-eigenen Scannern – die insbesondere in Eingangszonen
aufzustellen wären – direkt in die elektronische Akte gesendet werden können,
um somit Personalaufwand und die Risiken des Verlorengehens von
Anträgen zu verringern?
22. Wie bewertet die Bundesregierung den Vorschlag, den Antrag für SGB‑II
(Zweites Buch Sozialgesetzbuch)-Grundsicherung mehrsprachig sowie in
einfacher Sprache anzubieten?
Berlin, den 22. Juni 2026
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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