Berücksichtigung von Muttersprache bei der Pflege und in der generalistischen Pflegeausbildung
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Berücksichtigung von Muttersprache bei der Pflege und in der generalistischen Pflegeausbildung
Deutscher Bundestag Drucksache 21/6521
21. Wahlperiode 16.06.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Maik Brückner, Evelyn Schötz, Nicole Gohlke, Dr. Michael
Arndt, Jorrit Bosch, Anne-Mieke Bremer, Mandy Eißing, Kathrin Gebel, Christian
Görke, Ates Gürpinar, Mareike Hermeier, Maren Kaminski, Cansin Köktürk, Ina
Latendorf, Sonja Lemke, Stella Merendino, Sören Pellmann, Heidi Reichinnek,
Zada Salihović, David Schliesing, Julia-Christina Stange, Donata Vogtschmidt,
Sarah Vollath und der Fraktion Die Linke
Berücksichtigung von Muttersprache bei der Pflege und in der generalistischen
Pflegeausbildung
Der Bundesrat für Niederdeutsch, der die Interessen der niederdeutschen
Sprechergruppe vertritt, setzt sich seit vielen Jahren für eine Berücksichtigung der
Muttersprache im Pflegealltag ein, formuliert u. a. im Jahr 2019 in der
„Wittstocker Erklärung“ (www.niederdeutschsekretariat.de/plattdeutsch-in-der-pfleg
e-wittstocker-erklaerung). Berufsbildende Schulen haben darauf reagiert und
Niederdeutschunterricht in Pflegeausbildungen angeboten. Zudem wurden
regionale Initiativen wie das „PlattHart“-Siegel für praxisorientierte Einrichtungen
entwickelt. Trotz dieser Praxisbeispiele findet die Berücksichtigung der
Muttersprache in den seit 2020 geltenden Rahmenlehrplänen der generalistischen
Pflegeausbildung keine ausdrückliche Erwähnung, obwohl die Ausbildung
einen starken Lebensweltbezug verfolgt und die Bedeutung sprachlicher
Vertrautheit, etwa für demenziell erkrankte Personen, für die Patientensicherheit
und Lebensqualität gut belegt ist. Daher wäre die Ergänzung des
Rahmenlehrplans um den Aspekt „Berücksichtigung von Muttersprache“ sowie die
Entwicklung eines verbindlichen, auf die Pflegeausbildung zugeschnittenen
Konzepts für sprachliche Angebote wünschenswert. Als Muttersprache ist hier
nicht nur die Sprachgruppe Niederdeutsch, sondern sind auch die Sprachen der
nationalen Minderheiten sowie die Deutsche Gebärdensprache und Sprachen
zugewanderter und in Deutschland lebender Menschen zu verstehen.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie bewertet die Bundesregierung die Bedeutung der Muttersprache für
die pflegerische Versorgung, und welche bundesweiten Maßnahmen zur
Integration muttersprachlicher Angebote in der Pflege existieren derzeit?
2. Wie viele Pflegebedürftige in der ambulanten und stationären Pflege gibt
es nach Kenntnis der Bundesregierung in Deutschland (bitte nach
Bundesländern aufschlüsseln)?
3. Wie viele Pflegebedürftige in der ambulanten und stationären Pflege sind
nach Kenntnis der Bundesregierung an Demenz erkrankt (bitte nach
Bundesländern aufschlüsseln)?
4. Wie gehen Einrichtungen in der ambulanten und stationären Pflege nach
Kenntnis der Bundesregierung aktuell vor, um mit an Demenz erkrankten
Menschen in einen sozialen und sprachlichen Austausch zu treten?
5. Welche Rolle spielt nach Kenntnis der Bundesregierung derzeit die
Berücksichtigung der Muttersprache bei an Demenz erkrankten Menschen
im pflegerischen Bereich?
6. Wie viele Einrichtungen in der ambulanten und stationären Pflege
erfassen nach Kenntnis der Bundesregierung bei Pflegebedürftigen die
Muttersprache beim Aufnahmeverfahren (bitte nach Bundesländern
aufschlüsseln)?
7. Wie viele Einrichtungen in der ambulanten und stationären Pflege
berücksichtigen nach Kenntnis der Bundesregierung im Rahmen der
Biografiearbeit im Pflegealltag die Muttersprache (bitte nach Bundesländern
aufschlüsseln)?
8. Wird nach Kenntnis der Bundesregierung die Bedeutung der
Muttersprache als positive Auswirkung auf die Psyche von an Demenz erkrankten
Menschen in der ambulanten und stationären Pflege in den Curricula bzw.
Rahmenlehrplänen der generalistischen Pflegeausbildung berücksichtigt,
und wenn nein, was plant die Bundesregierung, um dieses Thema in die
Curricula bzw. Rahmenlehrpläne aufzunehmen (bitte nach Bundesländern
aufschlüsseln)?
9. Plant die Bundesregierung, Maßnahmen oder Fördermittel für den
berufsbegleitenden Spracherwerb von in der ambulanten und stationären Pflege
Beschäftigten bereitzustellen?
10. Sieht die Bundesregierung rechtlichen Regelungsbedarf (bundes- oder
landesrechtlich) zur Förderung der Muttersprache in der pflegerischen
Versorgung oder Ausbildung, wenn ja, welche Regelungen wären
denkbar, und wenn nein, warum nicht?
11. Wie koordiniert die Bundesregierung ihre Maßnahmen zur sprachlichen
Versorgung mit den Ländern, Pflegeverbänden, Trägern und
Bildungsinstitutionen?
12. Kennt die Bundesregierung bereits erprobte Good-Practice-Beispiele für
den Einsatz von Muttersprache in der Pflege oder die Integration
berufsbezogener Sprachförderung in Ausbildungen, und welche Maßnahmen
hält sie für geeignet für deren Verbreitung, und wenn nein, welche
Maßnahmen hält sie für geeignet, um solche Projekte zu initiieren bzw.
Informationen über solche Projekte möglichst schnell allgemein verfügbar zu
machen?
Berlin, den 4. Juni 2026
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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