Finanzierung, institutionelle Unterstützung und Interessentransparenz des Weltklimarates IPCC - deutsche Beiträge, Folgen des Rückzugs der Vereinigten Staaten und Governance im siebten Bewertungszyklus
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Finanzierung, institutionelle Unterstützung und Interessentransparenz des Weltklimarates IPCC - deutsche Beiträge, Folgen des Rückzugs der Vereinigten Staaten und Governance im siebten Bewertungszyklus
Deutscher Bundestag Drucksache 21/8209
21. Wahlperiode 24.09.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Nicole Höchst, Dr. Michael Kaufmann, Adam Balten,
Dr. Christoph Birghan, Dr. Ingo Hahn, Andreas Mayer, Stefan Schröder, René
Bochmann, Robin Jünger, Maximilian Kneller, Sergej Minich, Martin Reichardt,
Dr. Paul Schmidt, Sven Wendorf und der Fraktion der AfD
Finanzierung, institutionelle Unterstützung und Interessentransparenz des
Weltklimarates IPCC – deutsche Beiträge, Folgen des Rückzugs der Vereinigten
Staaten und Governance im siebten Bewertungszyklus
Das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) ist als
zwischenstaatliches Gremium der Vereinten Nationen das zentrale Referenzorgan für die
internationale Klimapolitik. Seine Berichte bilden die Grundlage für
weitreichende gesetzgeberische Maßnahmen und völkerrechtliche Verpflichtungen der
Bundesrepublik Deutschland. Die Finanzierung erfolgt primär über den IPCC
Trust Fund sowie durch erhebliche Sachleistungen (in‑kind) der Mitgliedstaaten
(www.ipcc.ch/about/ sowie www.de-ipcc.de/230.php). Zusätzlich zu den
Beiträgen an den IPCC Trust Fund leistet die Bundesrepublik auch einen
personellen und infrastrukturellen Aufwand durch die Finanzierung von Technical
Support Units (TSUs), Datenzentren (DDC) und Sekretariatsleistungen des IPCC
(www.fona.de/en/measures/funding-measures/ipcc.php, https://gmd.copernicus.
org/articles/15/6047/2022/, https://projekttraeger.dlr.de/de/news/un-klimakonfe
renz-dlr-projekttraeger-beraet-vor-ort-1).
Nach offiziellen Angaben des IPCC verschlechtert sich die finanzielle Lage des
Trust Fund seit Jahren; bereits 2024 überstiegen die Ausgaben die Einnahmen.
Mit dem Memorandum vom 7. Januar 2026 hat der Präsident der Vereinigten
Staaten den vollständigen Rückzug der USA aus dem IPCC sowie die
Beendigung jeglicher staatlichen Finanzierung angeordnet. Da die USA historisch
einer der größten Beitragszahler waren, entsteht eine strukturelle
Finanzierungslücke, die die Fortführung des siebten Sachstandszyklus (AR7) gefährdet
(https://apps.ipcc.ch/eventmanager/documents/97/180320261248-INF.%2012%
20-%20Fundraising%20for%20TRF.pdf sowie www.ipcc.ch/2026/03/27/ipcc-6
4th-plenary-session/).
Gleichzeitig steht die Unabhängigkeit des IPCC zunehmend in der Diskussion
(www.cambridge.org/core/journals/international-organization/article/global-pol
itics-of-scientific-consensus-evidence-from-the-intergovernmental-panel-on-cli
mate-change/B4594A406D8284B499C3D27DFB54FA30). Während die
wissenschaftlichen Grundlagen in den Arbeitsgruppen erarbeitet werden, unterliegt
die für die Politik entscheidende „Zusammenfassung für politische
Entscheidungsträger“ (Summary for Policymakers – SPM) einem zwischenstaatlichen
Abstimmungsprozess, bei dem Regierungsvertreter die finalen Formulierungen
im Konsens aushandeln (www.ipcc.ch/site/assets/uploads/2024/04/IPCCFactSh
eet_ApproveReports.pdf). Dies wirft bei den Fragestellern Fragen nach der
Trennung zwischen wissenschaftlicher Erkenntnis und politischer Setzung auf.
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ird durch die lektorierte Version ersetzt.
Zudem verdeutlichen nach Ansicht der Fragsteller die institutionellen
Verflechtungen mit philanthropischen Akteuren und internationalen Governance-
Netzwerken (z. B. C40 Cities) die Notwendigkeit strikter Transparenz- und
Conflict-of-Interest-Regeln (www.ipcc.ch/event/cities-and-climate-change-scie
nce-conference/ und www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/07352166.2023.21
77550).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. In welcher Höhe hat die Bundesrepublik Deutschland in den Jahren 2021
bis 2026 (Stichtag 1. August 2026) jeweils freiwillige Beiträge an den
IPCC Trust Fund geleistet?
2. Welchen personellen und infrastrukturellen Aufwand leistet die
Bundesrepublik Deutschland darüber hinaus (vgl. Vorfrage) durch die
Finanzierung von Technical Support Units (TSUs), Datenzentren (DDC) und
Sekretariatsleistungen (vgl. auch Vorbemerkung, bitte nach Einrichtungen und
jährlichen Kosten aufschlüsseln)?
3. Wie bewertet die Bundesregierung die Bindung wissenschaftlicher
Kapazitäten in bundesfinanzierten Forschungseinrichtungen (z. B. Helmholtz-
Gemeinschaft, Max-Planck-Gesellschaft), die durch die langjährige
Mitarbeit von Autoren und Review Editors am IPCC entsteht?
4. Welche Mittel sind im Bundeshaushalt oder in der mittelfristigen
Finanzplanung für die Jahre 2027 bis 2030 spezifisch für die Unterstützung des
IPCC (direkt und indirekt) vorgesehen?
5. Wie hoch beziffert die Bundesregierung nach ihrer Kenntnis die jährliche
Finanzierungslücke im IPCC Trust Fund, die unmittelbar durch den Stopp
der US-Zahlungen entstanden ist?
6. Haben nach Kenntnis der Bundesregierung andere Staaten, insbesondere
die Volksrepublik China oder Indien, ihre finanziellen oder personellen
Beiträge (z. B. durch Nominierung von Bureau-Mitgliedern) seit dem
Rückzug der USA ausgeweitet, und wenn ja, inwieweit?
7. Welche Strategie verfolgt die Bundesregierung in den IPCC-Gremien, um
eine drohende Dominanz staatlicher Akteure aus dem Bereich der
Schwellenländer einschließlich der Volksrepublik China (vgl. www.eco-busines
s.com/news/qa-what-trumps-us-exit-from-unfccc-and-ipcc-could-mean-fo
r-climate-action/) abzufedern, während westliche Demokratien ihre
Beiträge teils reduzieren?
8. Plant die Bundesregierung, die durch den US-Rückzug entstandene Lücke
durch eine Erhöhung der deutschen Beiträge ganz oder teilweise zu
kompensieren (vgl. Vorbemerkung)?
9. Mit welcher personellen Besetzung und welcher inhaltlichen
Verhandlungsdirektive nimmt die Bundesregierung an den Plenarsitzungen zur
Verabschiedung der „Summary for Policymakers“ (SPM) des laufenden
AR7‑Zyklus teil (vgl. Vorbemerkung)?
10. Hat sich die Bundesregierung eine Positionierung zum
zwischenstaatlichen Abstimmungsprozess beim IPCC erarbeitet, in dem
wissenschaftliche Kernaussagen der Expertenteams durch Regierungsvertreter in
einem politischen Verhandlungsprozess („Satz-für-Satz-Abstimmung“)
verändert oder in der Gewichtung verschoben werden können, und wie
lautet diese Positionierung gegebenenfalls?
11. In wie vielen Fällen hat die deutsche Delegation zum Sechsten und
Siebten Sachstandsbericht des IPCC (Assessment Report AR6 und AR7) Än-
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derungen an Entwürfen der SPM beantragt, um diese mit nationalen
klimapolitischen Zielen oder Narrativen in Einklang zu bringen?
12. Welche konkreten Anforderungen stellt die Conflict-of-Interest-Policy des
IPCC nach Kenntnis der Bundesregierung an die Offenlegung von
Verbindungen zu politischen Netzwerken?
13. Hat sich die Bundesregierung eine Auffassung zum potenziellen
Interessenkonflikt erarbeitet, wenn Wissenschaftler, die als IPCC-Autoren
fungieren, gleichzeitig leitende Positionen in Organisationen innehaben, die
aktiv Lobbyarbeit für spezifische klimapolitische Instrumente betreiben,
und wenn ja, welche?
14. Ist der Bundesregierung die wachsende Rolle philanthropischer Stiftungen
bei der Finanzierung begleitender IPCC-Strukturen bekannt (z. B.
Wellcome Trust bei der Finanzierung von Chapter Scientists für den Siebten
Sachstandsbericht des IPCC, Prince Albert II of Monaco Foundation und
Cuomo Foundation beim IPCC Scholarship Programme), und wie
bewertet sie diese gegebenenfalls (vgl. www.ipcc.ch/about/scholarship/, https://
2022.ictp.it/news/2026/2/global-climate-excellence, https://wellcome.org/i
nsights/articles/early-career-scientists-join-ipcc-ar7-effort)?
15. Welche Informationen liegen der Bundesregierung gegebenenfalls über
die Auswahlkriterien von Observer-Organisationen vor, und wie wird
sichergestellt, dass hierbei ein ausgewogenes Verhältnis zwischen
wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Perspektiven gewahrt bleibt?
16. Hält die Bundesregierung das bisherige System rein freiwilliger Beiträge
angesichts der neuen Lage nach dem Ausstieg der USA für zukunftsfähig,
oder setzt sie sich für eine Reform der Finanzierungsarchitektur des IPCC
ein?
17. Welche Position vertritt die Bundesregierung hinsichtlich einer Reform
der Transparenzregeln, um die vollständige Offenlegung aller
institutionellen und finanziellen Verflechtungen der nominierten Experten zu
gewährleisten?
Berlin, den 22. September 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
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Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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