Umstrittene Studie "The economic commitment of climate change" von Forschern des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung
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Umstrittene Studie "The economic commitment of climate change" von Forschern des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/2914
21. Wahlperiode 25.11.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Dr. Michael Kaufmann, Nicole Höchst, Adam Balten,
Dr. Christoph Birghan, Dr. Ingo Hahn, Andreas Mayer, Stefan Schröder,
Dr. Michael Blos, Udo Theodor Hemmelgarn, Thomas Korell, Marcel
Queckemeyer, Raimond Scheirich, Kay Gottschalk, Jan Wenzel Schmidt, Hauke
Finger, Christian Douglas, Rainer Groß, Jörn König, Reinhard Mixl, Iris Nieland,
Diana Zimmer und der Fraktion der AfD
Umstrittene Studie „The economic commitment of climate change“ von
Forschern des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung
Im April 2024 sorgte die Studie „The economic commitment of climate
change“ (www.nature.com/articles/s41586-024-07219-0) von Forschern des
Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) für Aufsehen. Darin wird im
Kern postuliert, dass die Folgen des „Klimawandels“ die Weltwirtschaft
zukünftig 38 Bill. US-Dollar pro Jahr kosten würden. Zentrale Aussage der
Studie: „Selbst wenn der CO₂-Ausstoß ab heute drastisch gesenkt werden sollte,
ist die Weltwirtschaft aufgrund des Klimawandels bereits zu einem
Einkommensverlust von 19 Prozent bis 2050 verurteilt.“
Dass die Studie in der renommierten Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlicht
wurde, verschaffte ihr zusätzliches Gewicht. So griff die Presse die
alarmierende Botschaft bereitwillig auf. „Der Klimawandel bedroht die
Weltwirtschaft“ (www.tagesschau.de/wirtschaft/klimafolgen-potsdam-institut-weltwirts
chaft-schrumpft-drastisch-100.html) und „38 Billionen in einem Jahr: Wie teuer
der Klimawandel die Wirtschaft zu stehen kommt“ (www.fr.de/wirtschaft/38-bi
llionen-jahr-kosten-klimawandel-wirtschaft-studie-zr-93020232.html) waren
einige der alarmierenden Schlagzeilen.
Auch höchste politische Gremien griffen die Studie auf und machten sie zu
einer Leitlinie ihres Handelns, darunter das Network for Greening the Financial
System (NGFS). Das NGFS ist ein Forum, in dem die Zentralbanken der Welt
und andere Regulatoren zusammentreffen, um sich auf gemeinsame Prinzipien
hinsichtlich des „Klimarisikos“ zu verständigen (https://www.ngfs.net/en). Sein
Einfluss erstreckt sich auf Regierungen und supranationale Organisationen der
Welt. Infolgedessen haben laut einem Pressebericht (www.welt.de/wissenschaf
t/plus68abf4168c33b226bcae6cdd/Klimawandel-Der-Skandal-um-die-umstritte
ne-Klimastudie.html?icid=search.product.onsites%E2 Prozent80 ProzentA6)
unter anderem auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (OECD), die Weltbank, die britische Regierung und die damalige
US-Regierung die Befunde aus „The economic commitment of climate
change“, übernommen, in ihre Entscheidungsgrundlagen einbezogen und
daraus die Notwendigkeit noch strikterer „Klimaschutzmaßnahmen“ abgeleitet
(https://bpi.com/the-flawed-ngfs-damage-function-is-even-more-flawed-than-w
e-thought).
Inzwischen hat sich die Veröffentlichung dieser Studie von Forschern des PIK
zum Gegenstand einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung, nach teilweise
gewählter Bezeichnung zu einem „Wissenschaftsskandal“ entwickelt (vgl.
www.welt.de/wissenschaft/plus68abf4168c33b226bcae6cdd/Klimawandel-De
r-Skandal-um-die-umstrittene-Klimastudie.html?icid=search.product.onsites%
E2 Prozent80 ProzentA6). Schon vor Veröffentlichung in der Zeitschrift
„Nature“ gab es Hinweise von Fachwissenschaftlern, die am Peer Review beteiligt
waren, dass die Studie schwere methodische Fehler aufweise und somit
wissenschaftlichen Kriterien nicht standhalte (https://static-content.springer.com/esm/
art%3A10.1038 Prozent2Fs41586-024-07219-0/MediaObjects/41586_2024_72
19_MOESM2_ESM.pdf). Zitat eines der Gutachter laut o. g. Pressebericht:
„Leider muss ich Sie darauf aufmerksam machen, dass die statistische
Methodik, auf die sich die Forschungsarbeit mit dem Titel stützt, keinerlei
wissenschaftliche Grundlage hat.“
Die Tatsache, dass „Nature“ die genannte Studie, trotz der auch nach Ansicht
der Fragesteller massiven Bedenken von Gutachtern, überhaupt veröffentlicht
hat, wird von Klimaexperten als Skandal angesehen (z. B. hier: https://rogerpiel
kejr.substack.com/p/too-big-to-fail). Noch schwerer wiegt, dass „Nature“ erst
kürzlich, im August 2025, auf die schwerwiegenden Bedenken anderer
Klimaexperten hingewiesen hat, ohne jedoch die Studie zurückzuziehen. Trotz ihrer
bereits bei Veröffentlichung und seitdem noch vielfach kritisierten und
bestrittenen wissenschaftlichen Haltbarkeit kursiert sie weiter als
Entscheidungsgrundlage auf höchster Ebene.
Das PIK wird u. a. von der Bundesregierung grundfinanziert, erhält
Zuwendungen dieser für Projekte, berät diese nach eigenen Angaben und wird im
Lobbyregister geführt (www.pik-potsdam.de/de/institut/ueber/ueber; www.lobbyregis
ter.bundestag.de/suche/R007117/34807?backUrl=%2Fsuche%3FpageSize%
3D25).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Ist der Bundesregierung die Studie „The economic commitment of climate
change“ bekannt, und wenn nein, wie ist zu erklären, dass die
Bundesregierung einer derart aufsehenerregenden Studie von Forschern eines mit
Steuermitteln geförderten Instituts, der von Fachwissenschaftlern
gravierende Mängel vorgeworfen werden, teilweise als „Wissenschaftsskandal“
bezeichnet, keine Beachtung schenkt?
2. Sofern der Bundesregierung die genannte Studie bekannt ist (wovon die
Fragesteller ausgehen), fand die Studie „The economic commitment of
climate change“ seit ihrem Erscheinen in Bundesministerien oder
Behörden des Bundes Verwendung, und wenn ja, in welchen?
3. Sofern Frage 2 bejaht wurde, an welchen Stellen sind die Ergebnisse der
Studie „The economic commitment of climate change“ in der
Vergangenheit in Entscheidungen der Bundesregierung oder von Bundesbehörden
eingeflossen (bitte alle Projekte und Gesetzgebungsverfahren auflisten)?
4. Welche weiteren Studien von Forschern des bzw. des Potsdam-Institut für
Klimafolgenforschung sind in den vergangenen zehn Jahren ggf. in die
Entscheidungsprozesse und Publikationen der Bundesregierung und von
Bundesbehörden einbezogen worden (bitte Studien in Verbindung mit
deren konkreter Verwendung in Projekten, Publikationen, Entscheidungen
nennen)?
5. Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung aus der Tatsache,
dass Forscher eines überwiegend aus Steuermitteln finanziertes Institut
(vgl. Vorbemerkung der Fragesteller) aufgrund ihrer in diesem Fall
wissenschaftlich umstrittenen, nach von den Fragestellern geteilter vertretener
Auffassung fragwürdigen Arbeitsweise zum Gegenstand gravierender
Fachkritik und eines teilweise so bezeichneten „Wissenschaftsskandals“
geworden ist?
6. Sieht die Bundesregierung aufgrund der vorliegenden Erkenntnisse
Veranlassung, ihre Zusammenarbeit mit dem Potsdam-Institut für
Klimafolgenabschätzung zu überprüfen?
a) Wenn ja, in welchem Zeitrahmen soll dies geschehen, und wird die
Bundesregierung die Öffentlichkeit über die Ergebnisse informieren?
b) Wenn nein, aus welchen Gründen sieht die Bundesregierung keine
Veranlassung?
7. Sieht die Bundesregierung aufgrund der vorliegenden Erkenntnisse
Veranlassung, die finanzielle Förderung des Potsdam-Institut für
Klimafolgenabschätzung zu überprüfen?
a) Wenn ja, in welchem Zeitrahmen soll dies geschehen, und wird die
Bundesregierung die Öffentlichkeit über die Ergebnisse informieren?
b) Wenn nein, aus welchen Gründen sieht die Bundesregierung keine
Veranlassung?
8. Sieht die Bundesregierung aufgrund der vorliegenden Erkenntnisse
Veranlassung, weitere Studien des Potsdam-Institut für Klimafolgenabschätzung
einer kritischen Prüfung zu unterziehen?
a) Wenn ja, in welchem Zeitrahmen soll dies geschehen, und wird die
Bundesregierung die Öffentlichkeit über die Ergebnisse informieren?
b) Wenn nein, aus welchen Gründen sieht die Bundesregierung keine
Veranlassung?
9. Wird die Bundesregierung darauf hinwirken, dass beim Potsdam-Institut
für Klimafolgenforschung die Qualitätssicherung gegebenenfalls
verbessert wird, damit zukünftig keine derart wissenschaftlich umstrittenen, nach
von den Fragestellern geteilter vertretener Auffassung fragwürdigen
Studien mehr verbreitet werden?
a) Wenn ja, in welcher Form gedenkt sie, dies zu tun?
b) Wenn nein, aus welchen Gründen wird die Bundesregierung nicht
darauf hinwirken?
10. Hat die Bundesregierung sich eine Auffassung zu der Frage gebildet, ob
die Verbreitung dieser methodisch umstrittenen, nach von den
Fragestellern geteilter vertretener Auffassung fragwürdigen Studienergebnisse mit
erheblichen Folgen für die internationale Klimapolitik beim Potsdam-
Institut für Klimafolgenforschung personelle Konsequenzen haben sollte,
und wenn ja, wie lautet diese?
a) Wenn ja, wird sie diese Auffassung gegenüber dem PIK
kommunizieren, und wenn ja, in welcher Form?
b) Wenn nein, aus welchen Gründen ist die Bundesregierung der
Auffassung, dass personelle Konsequenzen nicht erforderlich sind?
11. Wird die Bundesregierung ihre Zusammenarbeit mit supranationalen
Organisationen wie u. a. NGFS, OECD, Weltbank und Europäische
Zentralbank (EZB) daraufhin überprüfen, inwieweit die methodisch
umstrittene, nach von den Fragestellern geteilter vertretener Auffassung
fragwürdigen Befunde der Studie „The economic commitment of climate change“
in deren Empfehlungen eingeflossen und welche Folgen für die deutsche
Politik daraus gegebenenfalls erwachsen sind?
a) Wenn ja, in welchem Zeitrahmen soll dies geschehen, und wer wird
mit der Überprüfung beauftragt?
b) Wenn nein, aus welchen Gründen sieht die Bundesregierung keine
Veranlassung zu einer solchen Überprüfung?
12. Ist der Bundesregierung bekannt, ob die umstrittenen, nach von den
Fragestellern geteilter vertretener Auffassung fehlerhafte Studie des PIK über
das NGFS direkten Einfluss auf Zentralbanken und Geschäftsbanken
genommen hat und damit möglicherweise auch auf Kreditentscheidungen
und die wirtschaftliche Entwicklung, und wenn ja, welche
Schlussfolgerungen zieht sie daraus?
a) Liegen der Bundesregierung Erkenntnisse darüber vor, ob, und wenn
ja, in wie vielen Fällen und mit welchem Gesamtvolumen
Kreditentscheidungen in Deutschland negativ ausgefallen sind, weil die zu
finanzierenden Projekte nicht oder nicht ausreichend im Einklang mit
den Empfehlungen des NGFS standen?
b) Liegen der Bundesregierung Erkenntnisse darüber vor, ob, und wenn
ja, inwieweit in Deutschland Entscheidungen für oder gegen
Investitionen durch die methodisch umstrittene, nach von den Fragestellern
geteilter vertretener Auffassung fehlerhafte PIK-Studie und deren
Befunde beeinflusst wurden?
c) Wurden Förderentscheidungen des Bundes direkt oder indirekt durch
die methodisch umstrittene, nach von den Fragestellern geteilter
vertretener Auffassung fehlerhaft zustande gekommenen Befunde der
PIK-Studie beeinflusst, und wenn ja, in welchen Fällen?
d) Wird die Bundesregierung Anstrengungen unternehmen die nach
Ansicht der Fragesteller fatale Wirkungskette dieser methodisch
umstrittenen, nach von den Fragestellern geteilter vertretener Auffassung
fehlerhaften Studie und deren Befunden durch proaktive Information,
z. B. an Verbände, Industrie- und Handelskammern (IHKen) und
ähnliche Organisationen, zu unterbrechen?
13. Wird die Bundesregierung Konsequenzen aus der Erkenntnis ziehen, dass
möglicherweise Entscheidungen und Handlungsempfehlungen
einflussreicher supranationaler Organisationen zumindest teilweise von falschen und
korrigierten Studienergebnissen (dokumentiert durch Peer Review und
Eingeständnis der Zeitschrift „Nature“) beeinflusst wurden?
a) Wenn ja, welche?
b) Wenn nein, aus welchen Gründen wird die Bundesregierung hieraus
keine Konsequenzen ziehen?
14. Wird die Bundesregierung die Empfehlungen ihrer nationalen und
supranationalen Kooperationspartner daraufhin überprüfen, ob gegebenenfalls
an anderer Stelle andere fehlerhafte Studien zugrunde gelegt wurden?
a) Wenn ja, in welchem Zeitrahmen soll dies geschehen, und wer wird
mit der Überprüfung beauftragt?
b) Wenn nein, aus welchen Gründen sieht die Bundesregierung keine
Veranlassung zu einer solchen Überprüfung?
15. Wird die Bundesregierung aus diesem teilweise als solchem bezeichneten
„Wissenschaftsskandal“ die Konsequenz ziehen, die wissenschaftlichen
Grundlagen ihrer Klimapolitik einer generellen Prüfung zu unterziehen
und gegebenenfalls ihre Klimapolitik neu auszurichten?
a) Wenn ja, in welchem Zeitrahmen soll die Prüfung und mögliche
Neuausrichtung erfolgen?
b) Wenn nein, aus welchen Gründen sieht die Bundesregierung hierzu
keine Veranlassung?
16. Wird die Bundesregierung Anstrengungen unternehmen, die Folgen der
Verwendung dieser umstrittenen, nach von den Fragestellern geteilter
vertretener Auffassung fehlerhaften Studie auf internationaler Ebene
einzudämmen?
a) Wenn ja, in welcher Form soll das geschehen?
b) Wenn nein, aus welchen Gründen sieht die Bundesregierung hierzu
keine Veranlassung?
Berlin, den 16. Oktober 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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