Deutschland braucht mehr Kinder - Neuausrichtung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung
Text
Deutschland braucht mehr Kinder - Neuausrichtung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung
Antrag
der Abgeordneten Martin Reichardt, Sebastian Maack, Gereon Bollmann,
Dr. Götz Frömming, Birgit Bessin, Kerstin Przygodda, Angela Rudzka,
Christian Zaum, Johann Martel, Nicole Höchst, Beatrix von Storch, Dr. Anna
Rathert, Claudia Weiss, Jan Feser, Otto Strauß, Tobias Ebenberger, Martina
Kempf, Lukas Rehm und der Fraktion der AfD
Deutschland braucht mehr Kinder – Neuausrichtung des Bundesinstituts
für Bevölkerungsforschung
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Bevölkerungswissenschaftliche Theoriebildung auf der Grundlage statistischer Daten
über Größe, Verteilung und Entwicklung von Bevölkerungen liefert wichtige
Indikatoren für politische Entscheidungen. Dies gilt für die Bundesebene, die Länder und
auch für die Kommunen. Raumordnung und Raumentwicklung als staatliche
Aufgaben müssen aktuelle und valide bevölkerungswissenschaftliche Erkenntnisse zur
Verfügung haben. Das bundesgesetzlich und auch grundgesetzlich festgeschriebene Gebot
der Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse bedarf ebenfalls
bevölkerungswissenschaftlicher Grundlegung, um operationalisierbare Ziele definieren und normativ
darstellen zu können. Moderne Gesetzgebung im föderalen, dem Sozialstaatsprinzip
und dem Gebot gleichwertiger Lebensverhältnisse verpflichteten deutschen
Nationalstaat des Grundgesetzes ist ohne Bevölkerungswissenschaft nicht leistbar.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung daher auf,
das bisherige Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend
(BMBFSFJ) umzuwandeln in ein „Bundesministerium für Familie und
Bevölkerungsentwicklung“ (BMFB) und das bisherige Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in
Wiesbaden (BiB) als „Bundesinstitut für Deutsche Bevölkerungsentwicklung“ im
Geschäftsbereich des unter dem Aspekt einer aktivierenden Bevölkerungspolitik fachlich
neu ausgerichteten BMFB weiterzuführen.
Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung überdies auf, das
„Bundesinstitut für Deutsche Bevölkerungsentwicklung“ (fortan Bundesinstitut) nach folgenden
Maßgaben zu errichten, das neu ausgerichtete Bundesministerium durch
Organisationsakt auf Abteilungsebene als Aufsichtsbehörde mit dem Bundesinstitut zu
verschränken:
1. Das Bundesinstitut ist eine bundesunmittelbare rechtsfähige Anstalt des
öffentlichen Rechts. Als solche und abweichend von dem nicht rechtsfähigen BiB ist das
Deutscher Bundestag Drucksache 21/5757
21. Wahlperiode 05.05.2026
Bundesinstitut mit einer angemessenen Zahl wissenschaftlicher Bediensteter
auszustatten.
2. Das Bundesinstitut führt grundsätzlich die Forschungsprojekte des vormaligen
BiB fort. Dies gilt namentlich für die BiB-Publikationstätigkeit. An erster Stelle
zu nennen sind hier die Schriftenreihe „Beiträge zur Bevölkerungswissenschaft“
und „Comparative Population Studies“ als Zeitschrift für Demografie, Familien-
und Bevölkerungswissenschaft.
3. Das Bundesinstitut erfüllt seine durch Bundesgesetz zu bestimmenden Aufgaben
im Rahmen von drei Forschungsschwerpunkten und in wissenschaftlicher
Unabhängigkeit: „Familie und Fertilität“ (wie bislang); „Urbane und ländliche Räume
in Deutschland“ (statt bislang „Migration und Mobilität“), „Demographieziele für
ein junges Deutschland“ (statt bislang „Demographischer Wandel und
Alterung“).
4. Die Erarbeitung von Demographiezielen für Deutschland soll vom Bundesinstitut
mit Vorrang als wissenschaftliches Projekt vorangetrieben werden. Ziel soll es
sein, regelmäßig fortzuschreibende Demographieziele auf dem Weg zu einer
merklichen Verjüngung der deutschen Bevölkerung zu definieren, um die
deutschen sozialen Sicherungssysteme wieder zukunftsfähig zu machen und fortan
zukunftsfest zu halten. Das Bundesinstitut hat seine Demographieziele nach den
Methoden und Kategorien der Bevölkerungswissenschaft zu entfalten und
zeitlich, räumlich sowie sozial aufzuschlüsseln und mit Handlungsempfehlungen für
die Bundesregierung zu verbinden.
5. Im Bundesgesetz über die Errichtung des Bundesinstituts sind Regelungen zum
Forschungsbereich „Demographieziele für ein junges Deutschland“ sowie
Berichtspflichten gegenüber der Bundesregierung niederzulegen. Die Erforschung
des so genannten demografisch-ökonomischen Paradoxons, wonach die Fertilität
von Gesellschaften mit wachsendem Wohlstand abnimmt, ist in den Regelungen
zum Forschungsbereich „Demographieziele für ein junges Deutschland“
ausdrücklich vorzuschreiben.
6. Im BMFB ist die bisherige Abteilung 3 „Demographischer Wandel, Ältere
Menschen, Wohlfahrtspflege“ umzugestalten in die neue Abteilung 3
„Demographieziele, Bevölkerungsentwicklung und Willkommenskultur für Kinder“. Die
Politikbereiche „Ältere Menschen“ und „Wohlfahrtspflege“ werden auf
Referatsebene weiter uneingeschränkt verfolgt.
7. Das Bundesinstitut unterstützt das BMFB, namentlich dessen neu fokussierte
Abteilung 3, bei der Förderung und Koordinierung einer aktivierenden
Bevölkerungsentwicklung nach wissenschaftlichen Kriterien.
Berlin, den 5. Mai 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Begründung
Die bevölkerungswissenschaftliche Forschung, die mit dem Statistiker und Theologen Johann Peter Süßmilch im
18. Jahrhundert von einem Deutschen begründet wurde, ist in Deutschland mehr und mehr auf dem Rückzug.
Nur noch wenige wissenschaftliche Institute und Lehrstühle widmen sich bevölkerungswissenschaftlichen
Fragen. Mit dem BiB in Wiesbaden existiert eine nicht rechtsfähige Bundesanstalt im Geschäftsbereich des
Bundesinnenministeriums, die seit 1973 für den Bund, die Wissenschaft und die interessierte Öffentlichkeit
Grundlagenarbeit geleistet hat. Angesichts der gegenwärtigen, sich mehr und mehr zuspitzenden demographischen Krise
Deutschlands sollte das BiB als rechtsfähige Anstalt des öffentlichen Rechts zu einem leistungsfähigen
Bundesinstitut ausgebaut werden, um die eingetretenen Forschungsrückstände aufzuholen und die Bundesregierung
zielgenauer zu beraten. Der Wechsel im Geschäftsbereich hin zum BMBFSFJ bzw. zum neu ausgerichteten BMFB
zeigt dabei die familienpolitische, auf eine Willkommenskultur für Kinder gerichtete Relevanz des
Bundesinstituts an und eine Abkehr von der lediglich statistischen Verwaltung der sich bedrohlich beschleunigenden
Alterung der Deutschen. Die Umbenennung des BMBFSFJ mit einer fachpolitisch neu fokussierten Abteilung 3 des
Ministeriums unterstreicht die hohe Bedeutung einer aktivierenden Bevölkerungspolitik und einer echten
Willkommenskultur für Kinder auf Regierungsebene. Dabei ist die gegenwärtige demographische Krise nicht länger
beschönigend als „Wandel“ zu lesen, sondern als dringliche Aufforderung anzusehen, mittels des Instrumentes
der Demographieziele der Alterung Deutschlands entgegenzuwirken. Fragen der Zuwanderung sollen vom
Bundesinstitut nicht mehr behandelt werden, denn Zuwanderung löst die demographischen Probleme Deutschlands
nicht und schafft in vielen anderen Bereichen zusätzliche neue Probleme.
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ISSN 0722-8333
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