Pläne der Bundesregierung zur Reduzierung bzw. Erhöhung der Umsatzsteuer
Text
Pläne der Bundesregierung zur Reduzierung bzw. Erhöhung der Umsatzsteuer
Deutscher Bundestag Drucksache 21/5501
21. Wahlperiode 22.04.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Stefan Schmidt, Katharina Beck, Dr. Moritz Heuberger, Max
Lucks, Sascha Müller, Karoline Otte, Armin Grau, Dr. Zoe Mayer und der
Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Pläne der Bundesregierung zur Reduzierung bzw. Erhöhung der Umsatzsteuer
Infolge des seit Wochen anhaltenden Krieges im Nahen Osten und der damit
verbundenen weitreichenden Auswirkungen auf die Weltwirtschaft werden
aktuell auch in Deutschland unterschiedliche Maßnahmen diskutiert, um die
Menschen im Land vor inflationsbedingten Kostensteigerungen zu schützen
und sie insgesamt finanziell zu entlasten (vgl. www.handelsblatt.com/politik/de
utschland/preistreiber-iran-krieg-spd-bringt-entlastungen-bei-lebensmittelpreise
n-ins-gespraech/100212405.html). Auch eine mögliche Reduzierung der
Umsatzsteuer auf Lebensmittel wird als eine Möglichkeit genannt, auch vonseiten
der Bundesregierung und von Mitgliedern der Regierungsfraktionen. Wie stark
die Umsatzsteuer auf welche Konsumgüter und für welchen Zeitraum gesenkt
werden soll, wird dabei kontrovers diskutiert (vgl. www.spiegel.de/politik/mehr
wertsteuer-cdu-politiker-liebaeugeln-mit-steuersenkung-fuer-grundnahrungsmit
tel-a-dd8a7820-abc3-45af-a775-aadea98c6cd5). Auch Bundeskanzler Friedrich
Merz hatte zuletzt im Deutschen Bundestag eine Senkung der Umsatzsteuer auf
Lebensmittel in Aussicht gestellt, ohne jedoch die konkreten Ausgestaltungen
oder das weitere Verfahren weiter zu benennen (vgl. www.zdfheute.de/politik/d
eutschland/mehrwertsteuer-senkung-debatte-lebensmittel-100.html).
Gleichzeitig schließt der Bundeskanzler eine Erhöhung des regulären Umsatzsteuersatzes
von aktuell 19 Prozent nicht aus (vgl. www.handelsblatt.com/politik/deutschlan
d/bundestag-merz-schliesst-hoehere-mehrwertsteuer-im-bundestag-nicht-aus/10
0211531.html). Diese unklaren Aussagen des Bundeskanzlers wie auch das
vielfältige Meinungsbild innerhalb der Koalitionsfraktionen CDU, CSU und
SPD werfen die Frage auf, welche Pläne die Bundesregierung hinsichtlich einer
möglichen Reduzierung bzw. Erhöhung der Umsatzsteuer verfolgt.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Inwieweit und in welcher Form beabsichtigt die Bundesregierung, die
bestehenden Regelungen zur Umsatzsteuer anzupassen (vgl. www.tagesscha
u.de/wirtschaft/konjunktur/mehrwertsteuer-preise-konjunktur-inflation-10
0.html)?
a) In welcher Höhe soll eine Erhöhung des regulären Steuersatzes auf
welche Güter erfolgen, und zu welchem Zeitpunkt?
b) In welcher Höhe soll eine Reduzierung des regulären Steuersatzes auf
welche Güter erfolgen, und zu welchem Zeitpunkt?
c) Welche Gründe sprechen nach Kenntnis und Meinung der
Bundesregierung für eine Erhöhung des regulären Umsatzsteuersatzes?
d) Welche Gründe sprechen nach Kenntnis und Meinung der
Bundesregierung für eine Reduzierung des regulären Umsatzsteuersatzes?
e) Wie hoch schätzt die Bundesregierung die Auswirkungen einer
Erhöhung des regulären Steuersatzes auf den Bundeshaushalt ein?
f) Wie hoch schätzt die Bundesregierung die Auswirkungen einer
Reduzierung des regulären Steuersatzes auf den Bundeshaushalt ein?
g) In welcher Höhe soll die Erhöhung des ermäßigten Steuersatzes auf
welche Güter erfolgen, und zu welchem Zeitpunkt?
h) In welcher Höhe soll die Reduzierung des ermäßigten Steuersatzes auf
welche Güter erfolgen, und zu welchem Zeitpunkt?
i) Welche Gründe sprechen nach Kenntnis und Meinung der
Bundesregierung für eine Erhöhung des ermäßigten Umsatzsteuersatzes?
j) Welche Gründe sprechen nach Kenntnis und Meinung der
Bundesregierung für eine Reduzierung des ermäßigten Umsatzsteuersatzes?
k) Wie hoch schätzt die Bundesregierung die Auswirkungen einer
Erhöhung des ermäßigten Steuersatzes auf den Bundeshaushalt ein?
l) Wie hoch schätzt die Bundesregierung die Auswirkungen einer
Reduzierung des ermäßigten Steuersatzes auf den Bundeshaushalt ein?
m) Plant die Bundesregierung weitere Anpassungen im
Umsatzsteuersystem, und wenn ja, welche, und zu welchem Zeitpunkt?
2. a) Welche Auswirkungen hätte nach Kenntnis der Bundesregierung eine
Erhöhung der regressiv wirkenden Umsatzsteuer auf 21 Prozent auf
einkommensschwache Haushalte (bitte anhand von
Einkommensdezilen angeben)?
b) Inwiefern würde die Bundesregierung diese finanziell
überproportional betroffenen Haushalte im Gegenzug entlasten?
3. Inwiefern kann aus Sicht der Bundesregierung eine vollständige Senkung
des Umsatzsteuersatzes auf Lebensmittel auf 0 Prozent (vgl. www.t-onlin
e.de/nachrichten/deutschland/innenpolitik/id_101189660/
mehrwertsteuerspahn-schlaegt-streichung-bei-grundnahrungsmitteln-vor.html) als
Entlastung für einkommensschwache Haushalte wirken (bitte begründen), und
wenn nein, welche alternativen Entlastungsmaßnahmen für die
Bevölkerung hält die Bundesregierung für besser geeignet, und aus welchen
Gründen?
4. Wie hoch waren nach Kenntnis der Bundesregierung die
Mindereinnahmen, die in den vergangenen fünf Jahren durch ermäßigte
Umsatzsteuersätze bedingt waren (bitte einzeln nach Jahren und Steuerarten
aufschlüsseln)?
5. Wie hoch würden nach Kenntnis der Bundesregierung die
Mindereinnahmen ausfallen, wenn der Umsatzsteuersatz auf sämtliche Lebensmittel auf
0 Prozent gesenkt würde?
6. Gibt es Berechnungen der Bundesregierung dazu, wie hoch die
Mindereinnahmen ausfallen, wenn der Umsatzsteuersatz auf diejenigen
Lebensmittel (Grundnahrungsmittel) auf 0 Prozent gesenkt würde, die aktuell mit
dem reduzierten Satz von 7 Prozent besteuert werden, wenn ja, wie lauten
diese, und wenn nein, warum nicht?
7. Gibt es Berechnungen der Bundesregierung dazu, wie hoch die
Mindereinnahmen ausfallen, wenn der Umsatzsteuersatz für Gemüse, Obst und
Hülsenfrüchte auf 0 Prozent gesenkt würde, wenn ja, wie lauten diese, und
wenn nein, warum nicht?
8. Gibt es Berechnungen der Bundesregierung dazu, wie hoch die
Mindereinnahmen ausfallen, wenn der Umsatzsteuersatz nicht nur für Gemüse,
Obst und Hülsenfrüchte, sondern auch für Getreide- und Milchprodukte
auf 0 Prozent gesenkt würde, wenn ja, wie lauten diese, und wenn nein,
warum nicht?
9. Gibt es Berechnungen der Bundesregierung dazu, wie sich eine
vollständige Senkung der Umsatzsteuer auf Lebensmittel auf 0 Prozent auf die
Haushaltseinkommen der verschiedenen Einkommensdezile auswirken
würde, wenn ja, wie lauten diese, und wenn nein, warum nicht?
10. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung Kenntnis über die effektive
Weitergabe vergangener Umsatzsteuersenkungen an die Bürgerinnen und
Bürger in Bezug auf folgende Maßnahmen:
a) die temporäre Senkung der Umsatzsteuer auf Gaslieferungen und
Fernwärme vom 1. Oktober 2022 bis 31. März 2024 von 19 Prozent
auf 7 Prozent,
b) die temporäre Senkung der Umsatzsteuer auf Speisen in der
Gastronomie vom 1. Juli 2020 bis 31. Dezember 2023 von 19 Prozent auf
7 Prozent,
c) die temporäre Senkung der Umsatzsteuer vom 1. Juli 2020 bis 31.
Dezember 2020 im Regelsteuersatz von 19 Prozent auf 16 Prozent und
im ermäßigten Steuersatz von 7 Prozent auf 5 Prozent?
Berlin, den 14. April 2026
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
Relationen
- asked ← Armin Grau (Kleine Anfrage)
- asked ← Karoline Otte (Kleine Anfrage)
- asked ← Katharina Beck (Kleine Anfrage)
- asked ← Max Lucks (Kleine Anfrage)
- asked ← Moritz Heuberger (Kleine Anfrage)
- asked ← Sascha Müller (Kleine Anfrage)
- asked ← Stefan Schmidt (Kleine Anfrage)
- asked ← Zoe Mayer (Kleine Anfrage)
- authored ← Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
- authored ← Katharina Beck
- authored ← Stefan Schmidt
- part_of_vorgang → Pläne der Bundesregierung zur Reduzierung bzw. Erhöhung der Umsatzsteuer (Kleine Anfrage)