Entschließung des Bundesrates "Umsetzung des europäischen Aktionsplans für Stahl und Metalle zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit und Dekarbonisierung der Stahl- und Metallindustrie"
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Entschließung des Bundesrates "Umsetzung des europäischen Aktionsplans für Stahl und Metalle zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit und Dekarbonisierung der Stahl- und Metallindustrie"
[Bundesrat Drucksache 245/25
11.06.25
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ISSN 0720-2946
Antrag
des Landes Nordrhein-Westfalen
Entschließung des Bundesrates „Umsetzung des europäischen
Aktionsplans für Stahl und Metalle zur Sicherung der
Wettbewerbsfähigkeit und Dekarbonisierung der Stahl- und
Metallindustrie“
Der Ministerpräsident Düsseldorf, 10. Juni 2025
des Landes Nordrhein-Westfalen
An die
Präsidentin des Bundesrates
Frau Ministerpräsidentin
Anke Rehlinger
Sehr geehrte Frau Bundesratspräsidentin,
die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen hat beschlossen, dem Bundesrat den
als Anlage beigefügten Antrag für eine
Entschließung des Bundesrates
„Umsetzung des europäischen Aktionsplans für Stahl und Metalle
zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit und Dekarbonisierung der
Stahl- und Metallindustrie“
zuzuleiten.
Ich bitte, die Vorlage gemäß § 36 Absatz 2 der Geschäftsordnung des Bundesrates
in die Tagesordnung der Sitzung des Bundesrates am 13. Juni 2025 aufzunehmen
und anschließend den zuständigen Ausschüssen zur Beratung zuzuweisen.
Mit freundlichen Grüßen
Hendrik Wüst
Entschließung des Bundesrates „Umsetzung des europäischen Aktionsplans
für Stahl und Metalle zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit und
Dekarbonisierung der Stahl- und Metallindustrie“
Der Bundesrat möge beschließen:
Der Bundesrat erkennt die Ankündigungen der Bundesregierung an, die strukturellen
Rahmenbedingungen für Unternehmen zu verbessern und so die Voraussetzungen für
eine wettbewerbsfähige wie wachsende Volkswirtschaft zu schaffen. Zugleich würdigt
der Bundesrat, dass die Bundesregierung sich zu der zentralen strategischen
Bedeutung der deutschen Stahlindustrie bekannt hat. Der Bundesrat unterstreicht die
Bedeutung eines abgestimmten Vorgehens zur Weiterentwicklung des Stahlstandorts
Deutschland und bittet um eine konsequente Verzahnung der nationalen
Handlungsschwerpunkte mit den Ankündigungen im europäischen Aktionsplan für Stahl und
Metalle (EASM), um Europa als wettbewerbsfähigen und klimaneutralen Industriestandort
zu stärken.
1. Wettbewerbsfähige Stromkosten: Der Bundesrat begrüßt grundsätzlich die
im europäischen Aktionsplan für Stahl und Metalle (EASM) sowie im Action Plan
for Affordable Energy durch die Europäische Kommission angekündigten
energiepolitischen Maßnahmen, die darauf abzielen, die Wettbewerbsfähigkeit der
Industrie zu stärken und den Prozess zur Klimaneutralität wirksam
voranzubringen. Der Bundesrat ist der Auffassung, dass bestehende beihilferechtliche
Entlastungsmöglichkeiten für die energieintensive Industrie ausgeschöpft werden
sollten. Von zentraler Bedeutung ist die Reduzierung der
Übertragungsnetzentgelte. Darüber hinaus wird die Bundesregierung gebeten, die
beihilferechtskonforme Umsetzung eines zeitlichen begrenzten Brückenstrompreises für
energieintensive Unternehmen voranzutreiben und sich gegenüber der EU-
Kommission für eine Verlängerung der Strompreiskompensation über 2030 hinaus und
für deren Ausweitung auf weitere Branchen einzusetzen.
2. Back-Up-Kraftwerke und Kapazitätsmarkt: Die Integration der erneuerbaren
Energien in ein versorgungssicheres und wettbewerbsfähiges Energiesystem
muss von einem zügigen Ausbau von Transport- und Speicherinfrastrukturen,
aber auch durch Investitionen in ausreichend verfügbare gesicherte Leistung
begleitet werden. Der Bundesrat bittet die Bunderegierung, auf EU-Ebene
beihilferechtliche Fragen zu Ausschreibungen für steuerbare Kraftwerksleistung
und zur Ausgestaltung eines Kapazitätsmechanismus zeitnah zu klären und
diese Instrumente schnell umzusetzen, um Planungs- und
Versorgungssicherheit zu gewährleisten.
3. Konsequenter Handelsschutz: Der Bundesrat begrüßt insbesondere die im
EASM angekündigten Maßnahmen zur Weiterentwicklung der
Handelsschutzinstrumente, insbesondere die in Aussicht gestellte langfristige
Anschlussregelung für die im Juni 2026 auslaufenden Safeguard-Maßnahmen, deren
Vorschlag für das dritte Quartal 2025 vorgesehen ist. Der Bundesrat ist der Ansicht,
dass eine Verlängerung der EU-Safeguards über Juli 2026 hinaus sowie die
zeitige Einführung eines nahtlos anschließenden Anschlussinstruments, das
unfaire Importe, Preisdumping und unerlaubte Subventionen wirkungsvoll
unterbindet, sinnvoll ist. Der Bundesrat begrüßt, dass der sog. „melt and pour“-
Herkunftsnachweis im EASM vorgesehen ist und bittet die Bundesregierung
gemeinsam mit der Kommission diese Pläne zu konkretisieren.
4. Wirksamer Carbon Leakage-Schutz: Die Ankündigung der Kommission
weitere Vorschläge zur Nachbesserung des CBAM vorzulegen wird begrüßt.
Neben dem Schließen von Umgehungsmöglichkeiten sollte sich die
Bundesregierung gleichermaßen für eine weitere Entbürokratisierung des CBAM einsetzen.
Dies betrifft das sogenannte resource shuffling, die Aufnahme weiterer
nachgelagerter stahl- und aluminiumintensiver Produkte, die Verbesserung der
Wettbewerbsfähigkeit europäischer Exporte sowie Vereinfachungen beispielsweise
durch Automatisierung anhand der Zolldaten. Der Bundesrat bittet die
Bundesregierung, bei der Erarbeitung ihrer Positionierung die Stahl- und
Aluminiumallianzen einzubinden.
5. Leitmärkte für emissionsarme Grundstoffe: Der Bundesrat begrüßt die
Initiative der Europäischen Kommission, Leitmärkte in der öffentlichen Beschaffung
zu etablieren. Der Bundesrat bittet die Bundesregierung, die bereits im Clean
Industrial Deal angekündigten Maßnahmen auf europäischer Ebene, wie die
Einführung von nachhaltigkeitsbezogenen und nichtpreislichen Kriterien in der
Beschaffung, zu unterstützen. Die rasche Umsetzung im Rahmen des Industrial
Decarbonisation Accelerator Act gilt es konstruktiv zu begleiten. Dazu zählt
auch die Anerkennung von Labels, wie beispielsweise das „Low Emission Steel
Standard (LESS)", in allen Mitgliedstaaten. Ebenso begrüßt der Bundesrat die
Einbeziehung des Werkstoffs Stahl in die Ökodesignverordnung. So gelingt
eine Stärkung der Nachfrage für Grünen Stahl in der Breite. Der Bundesrat bittet
die Bundesregierung, die im Koalitionsvertrag angekündigte Stärkung für
Leitmärkte für klimafreundliche bzw. klimaneutrale Produkte auf Bundesebene
zügig umzusetzen.
6. Rohstoffverfügbarkeit sichern: Der Bundesrat hält es für geboten, dass die
Bundesregierung in Brüssel eine EU-weite Strategie zur Sicherung
hochwertiger Schrott-Importe vorantreibt, um Versorgungssicherheit und Preisstabilität in
der Sekundärrohstoffversorgung zu gewährleisten.
7. Pragmatismus und Flexibilität beim Wasserstoffhochlauf: Der Bundesrat
begrüßt den EASM-Ansatz und die Ankündigungen der Bundesregierung zur
Förderung des schnellen Hochlaufs der Wasserstoffwirtschaft. Der Bundesrat
bittet die Bundesregierung, sich bei der Europäischen Kommission für eine
Prüfung der Verlängerung der Übergangszeiträume der Grünstromkriterien (RED II
Delegated Act) sowie den raschen Ausbau einer grenzüberschreitenden
Wasserstoffinfrastruktur in Europa einzusetzen, damit Stahl- und andere
Industriebetriebe kurzfristig und kosteneffizient (grünen) Wasserstoff beziehen können.
Der Bundesrat unterstützt eine Überprüfung, wie auf europäischer Ebene
weiterhin pragmatische Kriterien für grünen und kohlenstoffarmen Wasserstoff
etabliert werden können. Ein unbürokratisches Zertifizierungssystem ist
entscheidend, um den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft erfolgreich
voranzutreiben. Es ist sicherzustellen, dass erforderliche Einfuhren aus Drittstaaten und
aus Grenzregionen nicht regulatorisch gehemmt werden. Die lokale
Wasserstoffproduktion darf gleichzeitig ihre Wettbewerbsfähigkeit nicht verlieren.
Darüber hinaus weist der Bundesrat auf die derzeitige Bedeutung von Erdgas
insbesondere bei der Stahlherstellung und -verarbeitung hin. Bis klimaneutrale
Alternativen in ausreichendem Maße verfügbar und wirtschaftlich konkurrenzfähig
sind, ist Erdgas eine strategisch wichtige Brückentechnologie.
8. Effektive Förderinstrumente für Industrie und Mittelstand: Der Bundesrat
bittet die Bundesregierung, auf europäischer Ebene darauf hinzuwirken, dass
im Rahmen des mehrjährigen Finanzrahmens sowie bei der Ausgestaltung von
Finanzierungsinstrumenten niedrigschwellige, bürokratiearme und
mittelstandsfreundliche Zugangsbedingungen sowie Übergangslösungen auch für
Primär- und Sekundärstahlrouten sichergestellt werden.
9. Sicherung hochwertiger Industriearbeitsplätze: Der Bundesrat begrüßt die
angekündigten Maßnahmen des EASM, die Auswirkungen der geplanten
Ankündigungen auf die Beschäftigten zu überwachen und Arbeitnehmerrechte zu
schützen. Insbesondere unterstützt der Bundesrat die Ankündigungen,
mögliche Übergänge von einem Arbeitsplatz zum anderen durch gezielte möglichst
frühzeitige Umschulungs- und Vermittlungsdienste zu erleichtern, ebenso wie
die Förderung des Unternehmertums. Der Bundesrat bittet die
Bundesregierung, auf europäischer Ebene darauf hinzuwirken, dass im Rahmen des
mehrjährigen Finanzrahmens entsprechende Förderungen integriert werden.
10. Der Bundesrat bittet die Bundesregierung, gemeinsam mit der Stahlallianz die
erforderlichen Maßnahmen zur Umsetzung des europäischen Aktionsplans für
Stahl und Metalle so schnell wie möglich in die Wege zu leiten, um die
Zukunftsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit der Stahlindustrie in Deutschland
nachhaltig zu sichern.
Drucksache 245/25- 3 -]
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