CO2-Bepreisung aussetzen - Deutschen Gartenbau retten, nationale Ernährungssouveränität sichern, regionale Wertschöpfung bewahren und Lebensmittelpreise stabil halten
Text
CO2-Bepreisung aussetzen - Deutschen Gartenbau retten, nationale Ernährungssouveränität sichern, regionale Wertschöpfung bewahren und Lebensmittelpreise stabil halten
Antrag
der Abgeordneten Bernd Schuhmann, Stephan Protschka, Peter Felser,
Christian Reck, Bernd Schattner, Julian Schmidt, Stefan Schröder, Andreas
Bleck, Dr. Michael Blos, Dr. Ingo Hahn, Karsten Hilse, Thomas Korell,
Dr. Rainer Kraft, Manuel Krauthausen, Marcel Queckemeyer, Dr. Paul
Schmidt, Alexander Arpaschi, Dr. Christina Baum, Carsten Becker, Joachim
Bloch, René Bochmann, Erhard Brucker, Marcus Bühl, Thomas Dietz, Tobias
Ebenberger, Micha Fehre, Boris Gamanov, Udo Theodor Hemmelgarn, Olaf
Hilmer, Steffen Janich, Rocco Kever, Kurt Kleinschmidt, Heinrich Koch,
Dr. Anna Rathert, Reinhard Mixl, Kerstin Przygodda, Arne Raue, Dr. Rainer
Rothfuß, Georg Schroeter, Thomas Stephan, Martina Uhr, Sven Wendorf,
Kay-Uwe Ziegler, Jörg Zirwes und der Fraktion der AfD
CO2-Bepreisung aussetzen – Deutschen Gartenbau retten, nationale
Ernährungssouveränität sichern, regionale Wertschöpfung bewahren und
Lebensmittelpreise stabil halten
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Die aktuellen geopolitischen Entwicklungen im Nahen Osten, insbesondere der
anhaltende Konflikt um den Iran, führen zu erheblichen Störungen auf den internationalen
Energiemärkten. Hierdurch sind die Preise für Energie – insbesondere für Gas, Benzin
und Heizöl – massiv angestiegen und die weitere Entwicklung ist kaum absehbar.
Gerade für den Gartenbau, der als energieintensive Branche wesentlich von stabilen und
bezahlbaren Energiepreisen abhängig ist, bedeutet diese Situation eine akute
Bedrohung der wirtschaftlichen Existenz vieler Betriebe. Die gestiegenen Energiekosten
führen zu höheren Produktionskosten, welche unmittelbar auf die
Endverbraucherpreise für Obst, Gemüse, Kartoffeln und andere Lebensmittel durchschlagen. Im Sinne
der sozialen Verantwortung ist eine Stabilisierung der Lebensmittelpreise dringend
geboten.
Neben dem ohnehin bereits belastenden EU-Emissionshandel verschärft die nationale
CO₂-Bepreisung die Situation nachhaltig, da sie die Produktionskosten weiter erhöht.
Gewächshausbetriebe benötigen große Mengen an Heizenergie, Kraftstoffen und
Strom, insbesondere zur Beheizung, Belichtung und Warenkühlung. Die durch die
CO₂-Bepreisung verursachten Mehrkosten verschärfen die Belastung erheblich und
bedrohen Wirtschaftlichkeit und Wettbewerbsfähigkeit vieler Gartenbaubetriebe.
Rund ein Drittel der deutschen Gartenbaubetriebe sieht durch die steigenden
Energiepreise ihre Existenz gefährdet; insbesondere die Produktion von Obst, Gemüse und
Deutscher Bundestag Drucksache 21/5329
21. Wahlperiode 14.04.2026
Zierpflanzen steht unter massivem Druck.1 Viele Betriebe sind bereits jetzt
gezwungen, die Produktion einzustellen oder auszulagern, was zu einem Verlust regionaler
Wertschöpfung und Arbeitsplätze führt.2
Gemüsebaubetriebe in Deutschland arbeiten nach aktuellen Studien bereits jetzt an der
Profitabilitätsgrenze oder defizitär, was zu einer gefährlichen Ausdünnung der
regionalen Eigenproduktion führt. Deutschland läuft Gefahr, seine bisherige regionale
Versorgung in erheblichem Maße zu verlieren. So liegt beispielsweise der
Selbstversorgungsgrad bei Tomaten nur noch bei 5 %, bei Gurken bei 30 %. Insgesamt lag der
Selbstversorgungsgrad 2024/2025 bei Gemüse laut Statistik des Bundesministeriums
für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat nur bei 40 %.3 Die Folge sind wachsende
Importe und eine Abhängigkeit von ausländischen Lieferungen: Bereits jetzt stammen
rund zwei Drittel des Gemüses, das in Deutschland verzehrt wird, aus dem Ausland.4
Dies ist gerade in Zeiten zunehmender abrupter globaler Krisen und dadurch
unsicherer Transportketten bedenklich für die Ernährungssouveränität.
Durch die weitere Verteuerung durch höhere Energiepreise droht der Verlust
wettbewerbsfähiger und traditioneller Gemüsebaubetriebe mit nachteiligen Auswirkungen
auf die Versorgungssicherheit und die landwirtschaftliche Vielfalt in Deutschland. Um
einen Zusammenbruch dieses für die Gewährleistung der Ernährungssouveränität
wichtigen Sektors zu verhindern, ist ein sofortiges Aussetzen der nationalen CO₂-
Bepreisung im Rahmen des Brennstoffemissionshandelsgesetzes ist geboten.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf, einen Gesetzentwurf
vorzulegen, der
1. die nationale CO2-Bepreisung im Rahmen des
Brennstoffemissionshandelsgesetzes (BEHG) für Benzin, Diesel und alle Heizstoffe mit sofortiger Wirkung
aussetzt und mittelbar die vollständige Abschaffung dieser Abgabe regelt;
2. die Bundesregierung verpflichtet, sich auf Ebene der Europäischen Union mit
Nachdruck für eine Reform des EU-Emissionshandels (EU-ETS) einzusetzen, um
durch gezielte marktstützende Eingriffe wie die Ausweitung der Menge an
ausgegebenen Zertifikaten eine deutliche Senkung des CO2-Zertifikatepreises zu
erwirken oder alternativ den Emissionsrechtehandel vollständig abzuschaffen, um
die Produktionskosten nachhaltig zu senken.
Berlin, den 14. April 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
1 www.bauernverband.de/topartikel/existenzbedrohende-explosion-der-energiekosten
2 www.gabot.de/zierpflanzen/news-zierpflanzenbau/zierpflanzen-2025-rund-10-weniger-betriebe-
438280.html
3 www.bmel-statistik.de/fileadmin/daten/4040200-0000.xlsx
4 www.agrarheute.com/management/betriebsfuehrung/stirbt-gemuesebau-landwirte-verlieren-hoffnung-
621373
Begründung
Der Gartenbau ist ein essenzieller Bestandteil der deutschen Land- und Ernährungswirtschaft und gewährleistet
die Versorgung der Bevölkerung mit frischem Obst, Gemüse, Kartoffeln, Beeren, Spargel, Zierpflanzen sowie
Saat- und Jungpflanzen. Er ist nicht nur Garant regionaler Lebensmittel- und Pflanzenproduktion zu
erschwinglichen Preisen, sondern sichert eine Vielzahl von Arbeitsplätzen im strukturschwachen ländlichen Raum entlang
regionaler Wertschöpfungsketten.
Mit dem im Jahr 2021 eingeführten nationalen Brennstoffemissionshandel und der damit verbundenen CO₂-
Bepreisung werden energieintensive Branchen wie der Gartenbau zusätzlich zu international verursachten
Preisschwankungen mit weiter steigenden Kosten belastet. Die Belastung wird durch den aktuellen Iran-Konflikt und
dessen Auswirkungen auf die Energiemärkte nochmals verschärft: Gas- und Strompreise sind erneut sprunghaft
gestiegen, wodurch die ohnehin hohe Kostensensibilität der Betriebe in der Produktionsplanung massiv
beeinträchtigt wird. Besonders betroffen sind mittelständische Unternehmen mit wenig Liquidität und hoher
Energieabhängigkeit. Der Betrieb von Gewächshäusern erzeugt durch Heizenergiebedarf überdurchschnittlich hohe
Produktionskosten: Der Gartenbau, insbesondere der Unterglasertrag, benötigt ganzjährig konstante Wärme (ca. 350
kWh/m²/Jahr für Gemüse), welche hauptsächlich aus Erdgas oder Heizöl hergestellt wird. Im Gegensatz zum
Freilandanbau müssen Gartenbaubetriebe die hohen Fixenergiekosten kontinuierlich rund ums Jahr tragen.
Ergänzungsbeleuchtung für längere Wachstumsperioden, Ventilatoren, Pumpen und Systeme für Bewässerung,
Belüftung, Kühlung und Feuchtigkeitsregulierung benötigen ebenfalls viel Strom. Deshalb ist die Gartenbaubranche
sowohl durch die nationale CO2-Bepreisung im Rahmen des Brennstoffemissionshandelsgesetzes als auch im
Rahmen des EU-Emissionshandels überdurchschnittlich doppelt benachteiligt. Auch wenn die Betriebe schon
aus Eigeninitiative bestrebt sind, die Energieeffizienz z. B. durch computergesteuerte Systeme zu maximieren,
betragen die Energieausgaben im Gartenbau dennoch rund ein Viertel der Gesamtkosten.5 In Zeiten des
krisenbedingten Preisanstiegs werden die durch die CO2-Bepreisung künstlich verteuerten Energiekosten somit zum
Fallbeil für den Weiterbestand des Gemüse- und Gartenbaus in Deutschland. Bereits heute berichten
Branchenverbände, dass ein signifikanter Anteil der Gemüseerzeuger an oder unterhalb der Rentabilitätsgrenze
wirtschaftet. So gab es im Jahr 2000 noch mehr als 12.000 Gemüsebaubetriebe, heute sind es nur noch 5.777, also gut die
Hälfte.6
Regionale Erzeuger spüren die Kaufzurückhaltung der Verbraucher angesichts der allgemeinen Teuerung. Die
Teuerungsrate im Lebensmittelsektor hat ein überdurchschnittlich hohes Niveau erreicht, wie verschiedene
Erhebungen belegen.7 Haushalte mit geringem Einkommen wie Familien, Alleinerziehende, Rentner werden
dadurch überproportional belastet: „Die Menschen versuchen weniger Geld auszugeben für Lebensmittel, um
genügend zu haben, um am Jahresende die Energierechnung bezahlen zu können.“8 Eine fortgesetzte Steigerung
der Lebensmittelpreise durch künstlich erhöhte Energiepreise belastet das tägliche Leben breiter
Bevölkerungsschichten und führt zu Einschränkungen bei gesunder und ausgewogener Ernährung.
Der Lebensmittelhandel reagiert darauf mit zunehmenden Importen. Statt heimisches Obst, Gemüse, Kartoffeln,
Beeren und Früchte wird immer mehr Obst und Gemüse teilweise um den halben Globus zu uns eingeflogen. Die
daraus resultierende Importabhängigkeit aus dem Ausland hat mehrere gefährliche Auswirkungen. Zum einen
droht ein Verlust an Lebensmittelsouveränität: Die Versorgungssicherheit – insbesondere gerade jetzt in
Krisenzeiten – wird erheblich geschwächt, wenn Deutschland nicht mehr auf ausreichende Eigenproduktion
zurückgreifen kann, weil unsere eigenen Bauern durch Steuern und Abgaben in den Ruin getrieben wurden. Zum
anderen entsprechen importierte Lebensmittel oft niedrigeren Qualitätsstandards, was einer weiteren Absenkung des
Verbraucherschutzniveaus gleichkommt. Hinzu kommt, dass durch längere Transportwege der CO2-Fußabdruck
importierter Waren ironischerweise gleichfalls steigt, die vorgebliche Schutzwirkung der CO2-Bepreisung also
ad absurdum geführt wird.
5 www.landwirtschaft.de/tier-und-pflanze/pflanze/gemuese/wie-viel-energie-benoetigen-gewaechshaus-anbau-und-lagerung-von-gemuese-
undobst
6 www.wirgarten.com/heimischer-gemuesebau-in-der-krise-analyse-loesungsidee/
7 www.zeit.de/news/2026-02/27/verbraucherpreise-energie-guenstiger-lebensmittel-teuer; www.ernaehrungsindustrie.de/energiewende-
stoesstin-der-ernaehrungsindustrie-an-grenzen/
8 www.tagesspiegel.de/potsdam/brandenburg/millionen-forderung-fur-kleine-landwirte-brandenburger-gemuse-erzeuger-haben-es-im-markt-
schwer-8782669.html
Zudem haben sie kaum Möglichkeiten, auf kurzfristig CO2-ärmere Verfahren umzustellen, da diese technisch
und wirtschaftlich nicht so einfach verfügbar sind oder sich in einem Frühstadium der Entwicklung befinden.
Aus Mangel an Alternativen bleibt nicht nur die Lenkungswirkung der CO₂-Bepreisung völlig aus, sie entpuppt
sich als ein rein fiskalischer Effekt, der die finanzielle Substanz der Betriebe ohne tatsächlichen ökologischen
Mehrwert schwächt. Zudem wird der deutsche Gartenbau durch die CO₂-Bepreisung im internationalen
Wettbewerb benachteiligt.
Unter den aktuellen, politisch geschaffenen Produktionsbedingungen verliert der deutsche Gartenbau seine
Wettbewerbsfähigkeit, Innovationen werden gehemmt, die Versorgungssicherheit verringert, Lebensmittelpreise
werden künstlich in die Höhe getrieben und regionale Wertschöpfung verschwindet. Es ist daher unabdingbar, die
CO2-Bepreisung sofort und konsequent zumindest auszusetzen. Der Deutsche Bundestag muss mit diesem
Antrag ein klares Signal zur Unterstützung unserer einheimischen Obst-, Gemüse- und Zierpflanzenbauern senden
und die Versorgungssicherheit im Land gewährleisten.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
Relationen
- authored ← Alexander Arpaschi (Antrag)
- authored ← Andreas Bleck (Antrag)
- authored ← Anna Rathert (Antrag)
- authored ← Arne Raue (Antrag)
- authored ← Bernd Schattner (Antrag)
- authored ← Bernd Schuhmann (Antrag)
- authored ← Boris Gamanov (Antrag)
- authored ← Carsten Becker (Antrag)
- authored ← Christian Reck (Antrag)
- authored ← Christina Baum (Antrag)
- authored ← Erhard Brucker (Antrag)
- authored ← Fraktion der AfD
- authored ← Georg Schroeter (Antrag)
- authored ← Heinrich Koch (Antrag)
- authored ← Ingo Hahn (Antrag)
- authored ← Joachim Bloch (Antrag)
- authored ← Jörg Zirwes (Antrag)
- authored ← Julian Schmidt (Antrag)
- authored ← Karsten Hilse (Antrag)
- authored ← Kay-Uwe Ziegler (Antrag)
- authored ← Kerstin Przygodda (Antrag)
- authored ← Kurt Kleinschmidt (Antrag)
- authored ← Manuel Krauthausen (Antrag)
- authored ← Marcel Queckemeyer (Antrag)
- authored ← Marcus Bühl (Antrag)
- authored ← Martina Uhr (Antrag)
- authored ← Michael Blos (Antrag)
- authored ← Micha Fehre (Antrag)
- authored ← Olaf Hilmer (Antrag)
- authored ← Paul Schmidt (Antrag)
- authored ← Peter Felser (Antrag)
- authored ← Rainer Kraft (Antrag)
- authored ← Rainer Rothfuß (Antrag)
- authored ← Reinhard Mixl (Antrag)
- authored ← René Bochmann (Antrag)
- authored ← Rocco Kever (Antrag)
- authored ← Stefan Schröder (Antrag)
- authored ← Steffen Janich (Antrag)
- authored ← Stephan Protschka (Antrag)
- authored ← Sven Wendorf (Antrag)
- authored ← Thomas Dietz (Antrag)
- authored ← Thomas Korell (Antrag)
- authored ← Thomas Stephan (Antrag)
- authored ← Tobias Ebenberger (Antrag)
- authored ← Udo Theodor Hemmelgarn (Antrag)
- part_of_vorgang → CO2-Bepreisung aussetzen - Deutschen Gartenbau retten, nationale Ernährungssouveränität sichern, regionale Wertschöpfung bewahren und Lebens (Antrag)