Klimawandel - Ernährungssicherheit und pflanzenbasierte Ernährungsweisen
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Klimawandel - Ernährungssicherheit und pflanzenbasierte Ernährungsweisen
Deutscher Bundestag Drucksache 21/6557
21. Wahlperiode 18.06.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Dr. Fabian Fahl, Luigi Pantisano, Marcel Bauer, Lorenz Gösta
Beutin, Violetta Bock, Jorrit Bosch, Katalin Gennburg, Mareike Hermeier, Ina
Latendorf, Caren Lay, Sahra Mirow, David Schliesing, Sascha Wagner und der
Fraktion Die Linke
Klimawandel – Ernährungssicherheit und pflanzenbasierte Ernährungsweisen
Die Ernährungssicherheit in Deutschland ist mittel- und langfristig durch den
Klimawandel und unter anderem durch Preissteigerungen infolge hoher
Energie- und Düngemittelpreise bedroht. Diese gefährden besonders ärmere
Menschen (https://klimareporter.de/erdsystem/ernaehrungswende-by-design-od
er-by-disaster, www.pik-potsdam.de/de/aktuelles/nachrichten/klimawandel-bed
roht-preisstabilitaet-hoehere-durchschnittstemperaturen-erhoehen-die-infla
t ion). Bereits jetzt ist das Menschenrecht auf angemessene Ernährung in
Deutschland nicht vollständig verwirklicht. Transferleistungen für Ernährung
beispielsweise sind aktuell nicht ausreichend für Jugendliche (https://riff.medi
a/file/rechtsgutachten-ernaehrungsarmut-ra_guenther-linke.pdf). Diverse
Krisen und Kriege setzen die landwirtschaftliche Produktion und die
Versorgung mit Nahrungsmitteln unter Druck – auch in Deutschland. Aktuell
verursachen höhere Preise für fossile Energie und Düngemittel aufgrund des Irankriegs
höhere Kosten für landwirtschaftliche Betriebe. Agrarverbände warnen bereits
vor Preisschocks im Supermarkt.
Zusätzlich zu akuten Krisen werden insbesondere die immer dramatischeren
Folgen des Klimawandels die Erzeugung von Nahrungsmitteln global
erschweren und verteuern: Zunehmende Extremwetterereignisse werden in vielen
Weltregionen immer öfter zu Ernteausfällen führen (https://sustainability.stanford.e
du/news/climate-change-cuts-global-crop-yields-even-when-farmers-adapt).
Die Häufigkeit von gleichzeitigen Ernteausfällen in mehreren „Kornkammern“
der Welt wird steigen. Immer mehr Flächen werden gar nicht mehr für die
Landwirtschaft nutzbar sein. Bei ungebremstem Klimawandel könnte ein
Drittel der jetzigen Anbaugebiete verloren gehen (www.cell.com/one-earth/fulltext/
S2590-3322(21)00236-0).
Die Tierhaltung ist sogar doppelt betroffen: Nicht nur gefährden Ernteausfälle
und steigende Preise für Futtermittel eine verlässliche und adäquate Versorgung
der Tiere und letztlich auch die Wirtschaftlichkeit. Die Erzeugung von
Tierprodukten erfordert insgesamt im Schnitt deutlich mehr Land, Ressourcen und
Energie als die Erzeugung vergleichbarer pflanzlicher Nahrungsmittel (https://z
enodo.org/records/7038961). Daneben wird durch Klimaeffekte die
Produktivität der Tierhaltung zurückgehen, weil Tiere bei Wetterextremen sterben, wegen
Hitzestress weniger Leistung bringen und vermehrt von neuen Krankheiten
befallen werden (www.ciwf.org.uk/news/climate-doom-loop-factory-farming-s-to
ll-on-animals-farmers-food-security/, https://climate.uchicago.edu/insights/ada
ptation-only-partially-offsets-dairy-losses-from-extreme-heat/, www.landwirtsc
haft.de/umwelt/klimawandel/auswirkungen-auf-die-landwirtschaft/klimawande
l-und-tierhaltung-folgen-risiken-und-anpassung). Anpassungsmaßnahmen wie
Ventilatoren und Kühlungssysteme verursachen wiederum Kosten. Diese
Probleme werden sich je nach Treibhausgasemissions- bzw. Temperaturszenarien
in naher Zukunft deutlich verschärfen. Vor diesem Hintergrund gehen einige
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler davon aus, dass die Tierindustrie bei
fortschreitendem Klimawandel noch weniger wirtschaftlich tragfähig sein wird.
(https://klimareporter.de/erdsystem/ernaehrungswende-by-design-oder-by-disa
ster). Schon jetzt wird diese schließlich mit 13 Mrd. Euro öffentlicher Gelder
im Jahr bezuschusst (www.spiegel.de/wirtschaft/tierwirtschaft-erhaelt-13-millia
rden-euro-vom-staat-jahr-fuer-jahr-a-1dbac670-2cf4-4d09-b426-75a11c8e
0569).
Der Selbstversorgungsgrad steht nur bedingt für Unabhängigkeit, da dabei
Vorleistungen wie importierte Energie, Dünger und Futtermittel nicht einbezogen
sind – die besonders für die umfangreiche Tierindustrie benötigt werden
(https://klimareporter.de/landwirtschaft/das-duenger-maerchen). Obst und
Gemüse werden häufig aus besonders vom Klimawandel betroffenen Gebieten
importiert, wie z. B. Südspanien. Ein zentraler Hebel für mehr
Ernährungssicherheit liegt in der Umstellung der Ernährungs- und Produktionsweisen auf
eine stärker pflanzenbasierte Ernährung. Dadurch können auf derselben Fläche
mehr Menschen versorgt werden. Der Verbrauch an importiertem Dünger und
importierten Eiweißfuttermitteln würde sinken, der reale Selbstversorgungsgrad
steigen (https://zenodo.org/records/7038961, https://greenwire.greenpeace.de/st
udie_gesund_essen_f%C3 ProzentBcrs_klima, www.agora-agrar.de/aktuelles/st
rategische-autonomie-wie-deutschland-langfristige-ernaehrungssicherheit-
undeine-starke-biooekonomie-foerdern-kann).
Das Klimaschutzprogramm 2026 verweist auf das enorme
Einsparungspotenzial von Emissionen bei einer Ausweitung pflanzlicher Ernährung, allerdings
ohne konkrete Maßnahmen zu nennen. Sowohl für die Konsum- als auch die
Produktionsseite gibt es eine Reihe an wissenschaftlich fundierten
Empfehlungen (www.bmleh.de/SharedDocs/Archiv/Downloads/wbae-gutachten-nachhalti
ge-ernaehrung.pdf, www.bmleh.de/SharedDocs/Downloads/DE/_Ministerium/
Beiraete/agrarpolitik/alternativprodukte-tierische-lebensmittel.html, www.umw
eltbundesamt.de/system/files/medien/479/publikationen/uba_bis_2040_treibha
usgase_um_mindestens_90_prozent_mindern_0.pdf, https://green-alliance.org.
uk/wp-content/uploads/2024/01/Eine-neue-Flachendividende.pdf). Die
Empfehlungen miteinzubeziehen, würde bedeuten, die Rahmenbedingungen, etwa
in Bezug auf Ernährungsumgebungen wie Preise und Angebotsgestaltung bei
den Konsumentinnen und Konsumenten, gesetzliche Vorgaben, Anreize und
Förderstrukturen bei den landwirtschaftlichen Betrieben, zu ändern. Vor diesem
Hintergrund stellen sich Fragen zur Strategie der Bundesregierung.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie begegnet die Bundesregierung der bereits bestehenden Verletzung des
Menschenrechts auf angemessene Ernährung für Empfängerinnen und
Empfänger von zu niedrigen Regelsätzen des Bürgergeldes, das ab dem
1. Juli 2026 durch die neue „Grundsicherung für Arbeitsuchende“
abgelöst wird?
2. Wie positioniert sich die Bundesregierung zu dem geschilderten
Zusammenhang zwischen Ernährungssicherheit und tier- bzw. pflanzenbasierten
Ernährungs- und Produktionsweisen?
3. Wie schätzt die Bundesregierung auf Basis der genannten Fakten und
wissenschaftlichen Erkenntnisse die Risiken für die Ernährungssicherheit in
Deutschland ein, insbesondere in Bezug auf gesundheitsfördernde
Ernährung (z. B. Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse, Saaten)?
4. Was plant die Bundesregierung, um den wissenschaftlichen Kenntnisstand
zu Risiken für die Ernährungssicherung zu erhöhen?
5. Welche wirksamen Maßnahmen können nach Kenntnis der
Bundesregierung ergriffen werden und welche plant sie zu ergreifen, um die
Ernährungssicherheit für akute Krisen zu stärken, und für welche Maßnahmen
setzt sie sich auf EU-Ebene ein?
6. Welche wirksamen Maßnahmen können nach Kenntnis der
Bundesregierung ergriffen werden, und welche plant sie zu ergreifen, um die
Ernährungssicherheit mittelfristig im Hinblick auf Klimawandeleffekte und
Bodendegradation zu stärken, und für welche Maßnahmen setzt sie sich auf
EU-Ebene ein?
7. In welchem Ausmaß plant die Bundesregierung vor dem Hintergrund der
geschilderten Entwicklungen, Tierhaltungsbetriebe staatlich zu
subventionieren, welche Kriterien für Förderungen legt sie an, insbesondere im Fall
von Schäden durch Klimawandel oder Lieferengpässen aus Steuergeldern
zu entschädigen, wie es u. a. im Dürrejahr 2018 geschehen ist, und wie
plant die Bundesregierung, mit solchen Ereignissen in Zukunft
umzugehen?
8. Plant die Bundesregierung, das Potenzial für eine erhöhte Krisenresilienz
und Ernährungssicherheit durch einen Wandel von Produktion und
Konsum hin zu stärker pflanzenbasierten Ernährungsweisen zu nutzen –
sowohl für akute Krisen als auch im Hinblick auf mittelfristige
Entwicklungen, und wenn nein, warum nicht?
9. Welche Maßnahmen sind genau geplant, um die im
Klimaschutzprogramm 2026 verankerten Ziele, die Rahmenbedingungen für den
heimischen Anbau von Eiweißpflanzen zu stärken, alternative Proteinquellen zu
fördern und Hemmnisse für eine stärkere Marktdurchdringung
pflanzlicher Proteine zu identifizieren und abzubauen, womit bis 2040 jährlich
über 8 Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen eingespart werden
sollen, zu erreichen?
10. Für welche Maßnahmen setzt sich die Bundesregierung auf EU-Ebene ein,
um die in Frage 9 genannten nationalen Maßnahmen zu ergänzen?
11. Welche weiteren Maßnahmen ergreift die Bundesregierung oder plant sie,
zu ergreifen, um die Erzeugung pflanzlicher Lebensmittel zu fördern?
a) Welche messbaren Ziele verfolgt sie dabei?
b) Für welche Maßnahmen setzt sie sich auf EU-Ebene ein?
12. Welche weiteren Maßnahmen ergreift die Bundesregierung oder plant sie,
zu ergreifen, um die Reduktion der Tierhaltung zu fördern?
a) Welche messbaren Ziele verfolgt sie dabei?
b) Für welche Maßnahmen setzt sie sich auf EU-Ebene ein?
Berlin, den 16. Juni 2026
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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