Aufgaben, institutionelle Einbindung und strategische Rolle des Koordinators für die transatlantische Zusammenarbeit
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Aufgaben, institutionelle Einbindung und strategische Rolle des Koordinators für die transatlantische Zusammenarbeit
Deutscher Bundestag Drucksache 21/5264
21. Wahlperiode 13.04.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Markus Frohnmaier, Dr. Alexander Gauland, Udo Theodor
Hemmelgarn, Gerold Otten, Stefan Keuter, Dr. Malte Kaufmann und
der Fraktion der AfD
Aufgaben, institutionelle Einbindung und strategische Rolle des Koordinators für
die transatlantische Zusammenarbeit
Die transatlantische Partnerschaft ist seit Jahrzehnten zentraler Bestandteil
deutscher Außen-, Sicherheits-, Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik. Neben
der zwischenstaatlichen Zusammenarbeit zwischen Deutschland, den
Vereinigten Staaten von Amerika und Kanada kommt insbesondere dem
zwischengesellschaftlichen Austausch eine herausgehobene Bedeutung als Instrument
langfristiger Verständigung und Stabilisierung der Beziehungen zu.
Das Amt des Koordinators für die deutsch-amerikanische
zwischengesellschaftliche Zusammenarbeit wurde im Jahr 1981 eingerichtet. Im Jahr 2011
wurde das Mandat auf Kanada ausgeweitet und trägt seitdem die Bezeichnung
„Koordinator der Bundesregierung für die transatlantische
zwischengesellschaftliche, kultur- und informationspolitische Zusammenarbeit“. Seit dem
28. Mai 2025 hat der Abgeordnete Metin Hakverdi das Amt inne (www.auswae
rtiges-amt.de/de/aamt/koordinatoren/transatlantische-zusammenarbeit/216436).
Nach Angaben der Bundesregierung umfasst das Aufgabenspektrum des
Koordinators insbesondere die Förderung gesellschaftlicher Kontakte zwischen
Deutschland und Nordamerika, die Zusammenarbeit in Wissenschaft und
Forschung, die Behandlung gesellschaftspolitischer Fragestellungen sowie die
Unterstützung persönlicher und institutioneller Netzwerke im transatlantischen
Raum (www.auswaertiges-amt.de/de/aamt/koordinatoren/transatlantische-zusa
mmenarbeit/216436).
Nach Auffassung der Fragesteller wirft die institutionelle Ausgestaltung der
Koordinatorenfunktion jedoch grundlegende Fragen hinsichtlich ihrer
konkreten Zuständigkeiten, ihrer praktischen Wirksamkeit sowie ihres Verhältnisses
zu anderen außen-, kultur- und gesellschaftspolitischen Instrumenten der
Bundesregierung auf. Vor dem Hintergrund sich wandelnder geopolitischer,
sicherheits- und wirtschaftspolitischer Rahmenbedingungen stellt sich ihnen
darüber hinaus die Frage, in welchem Umfang die Koordinatorenfunktion zur
strategischen Positionierung Deutschlands innerhalb der transatlantischen
Beziehungen beiträgt.
Ferner erscheint aus Sicht der Fragesteller klärungsbedürftig, in welchem
Verhältnis die Tätigkeit des Koordinators zu bestehenden transatlantischen
Netzwerken, Austauschformaten, Think Tanks, politischen Stiftungen und
Förderprogrammen steht sowie welche Rolle diese Strukturen für politische
Entscheidungs- und Meinungsbildungsprozesse innerhalb Deutschlands
spielen.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche strategischen Zielsetzungen verfolgt die Bundesregierung mit der
Koordinatorenfunktion für die transatlantische Zusammenarbeit, und
anhand welcher Kriterien bewertet sie ihre Wirksamkeit?
2. Wie viele Mitarbeiter (Planstellen und besetzte Stellen) standen dem
Koordinator seit 2020 zur Verfügung (bitte nach Jahren aufschlüsseln)?
3. Welche Personal- und Sachkosten sind seit 2020 für die Tätigkeit des
Koordinators angefallen (bitte nach Jahren aufschlüsseln)?
4. An welchen Veranstaltungen oder Dialogplattformen, insbesondere
wiederkehrenden, hat der Koordinator seit 2020 teilgenommen bzw. ist seine
künftige Teilnahme geplant (bitte nach Veranstaltung bzw. Format,
Regelmäßigkeit, Ort sowie Anlass aufschlüsseln)?
5. Inwieweit werden transatlantische Netzwerke, Dialogformate oder
Gespräche unter Beteiligung des Koordinators in politische
Entscheidungsoder Meinungsbildungsprozesse innerhalb der Bundesregierung
einbezogen, und in welchen konkreten Formaten oder Verfahren erfolgt dies?
6. Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung, um Transparenz
hinsichtlich der in Frage 5 genannten Einbindung in politische
Entscheidungs- oder Meinungsbildungsprozesse sicherzustellen?
7. Mit welchen Think Tanks, politischen Stiftungen, Interessenvertretungen
oder vergleichbaren Organisationen, die sich durch politische
Positionspapiere, Handlungsempfehlungen oder Lobby- bzw. Advocacy-Tätigkeiten
primär für die Vertretung oder Förderung US-amerikanischer außen-,
sicherheits- oder wirtschaftspolitischer Zielsetzungen und Strategien
einsetzen, hat der Koordinator seit 2020 Kontakt gepflegt oder
zusammengearbeitet (bitte nach Organisation, Jahr, Ort sowie Gegenstand des
Austauschs aufschlüsseln)?
8. In welchen Fällen hat der Koordinator im Zusammenhang mit der
Vorbereitung politischer Initiativen, Stellungnahmen oder strategischer
Bewertungen Expertise der in Frage 7 genannten Organisationen eingeholt oder
berücksichtigt (bitte nach Organisation, inhaltlichem Gegenstand sowie
konkreter Form der Einbindung aufschlüsseln)?
9. Welche Initiativen und Programme zur Förderung politischer,
administrativer, wissenschaftlicher oder gesellschaftlicher Nachwuchskräfte in den
Beziehungen Deutschlands zu Nordamerika werden derzeit mit
Bundesmitteln gefördert (bitte nach Initiative bzw. Programm,
Trägerorganisation, Teilnehmerzahl, Fördermitteln sowie Haushaltstitel aufschlüsseln)?
10. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung darüber vor, in welchem
Umfang Teilnehmer der in Frage 9 genannten Initiativen und Programme
später Führungs- oder Entscheidungspositionen in Politik, öffentlicher
Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft oder gesellschaftlichen
Organisationen übernehmen?
11. Hat sich die Bundesregierung zu Auswirkungen jüngster außenpolitischer
Maßnahmen und Äußerungen der US-Administration, insbesondere im
Zusammenhang mit Venezuela, Iran und öffentlichen Positionierungen zu
Grönland, auf die transatlantischen Beziehungen eine eigene Auffassung
erarbeitet, wenn ja, wie lautet diese, und welche konkreten Konsequenzen
ergeben sich daraus für das Mandat und die Arbeitsprioritäten des
Koordinators für die transatlantische Zusammenarbeit?
12. Ist der Koordinator primär der Vertretung deutscher Interessen
verpflichtet, und wie erklärt die Bundesregierung vor diesem Hintergrund die
öffentliche Forderung des damaligen Koordinators Peter Beyer vom März
2021 nach einem Moratorium für Nord Stream 2 (vgl. www.wiwo.de/polit
ik/deutschland/deutsch-amerikanische-beziehung-transatlantik-koordinato
r-fordert-moratorium-fuer-nord-stream-2/27056154.html), die dem
Kernanliegen der damaligen US-Administration entsprach, jedoch der
offiziellen Position der Bundesregierung widersprach, und welche konkreten
Konsequenzen hat sie aus diesem Vorgang gezogen, um sicherzustellen,
dass dieses Amt künftig im deutschen Interesse agiert?
13. Hält die Bundesregierung den Koordinator für verpflichtet, sich in seiner
Rolle auf zwischengesellschaftliche und transatlantische Themen zu
beschränken sowie parteipolitische Neutralität zu wahren, wie bewertet sie
vor diesem Hintergrund die wiederholten öffentlichen Äußerungen des
heutigen Koordinators Metin Hakverdi in sozialen Medien (in denen es im
November 2024 unter anderem hieß: „Der Abgeordnete Scholz hat eben
im Bundestag klar gemacht, warum der Abgeordnete Merz niemals
Kanzler werden sollte. Zum Regieren gehört ein Mindestmaß an
Ernsthaftigkeit.“, vgl. https://x.com/MetinHakverdi/status/1884656350593978706
sowie im Januar 2025: „Da steht Friedrich Merz, während der
Sitzungsunterbrechung. Unsortiert. Den Scherbenhaufen betrachtend. Dieser Mann
wird nicht Kanzler.“, vgl. https://x.com/MetinHakverdi/status/1844294151
019561446)?
Wirft dieses Verhalten aus Sicht der Bundesregierung die Frage auf, ob
Metin Hakverdi für dieses Amt geeignet ist, und welche Maßnahmen
plant die Bundesregierung ggf., um eine derartige Vermischung
innerdeutscher Parteipolemik mit den Aufgaben des Koordinators künftig
auszuschließen?
14. Wie bewertet die Bundesregierung die öffentliche Aussage des heutigen
Koordinators Metin Hakverdi, die dieser am 3. November 2024 auf der
Plattform X veröffentlichte und in der er erklärte: „Our weekly forecast:
@KamalaHarris gewinnt Präsidentschaftswahlen, Ampel-Koalition bleibt
bestehen. Fertig.“ (https://x.com/MetinHakverdi/status/185312536062554
9324), im Hinblick auf die Anforderungen an die fachliche und politische
Fähigkeit eines Transatlantikkoordinators, politische Entwicklungen und
gesellschaftliche Stimmungen in den Vereinigten Staaten von Amerika
sachgerecht einzuschätzen sowie im Hinblick auf die Vereinbarkeit einer
solchen öffentlichen Positionierung mit der Aufgabe des Koordinators, als
neutraler Ansprechpartner und Brückenbauer gegenüber allen politischen
und gesellschaftlichen Akteuren in den Vereinigten Staaten von Amerika
zu wirken?
15. Wie bewertet die Bundesregierung die öffentliche Äußerung des
amtierenden Koordinators Metin Hakverdi vom 10. Oktober 2025 auf der
Plattform X (https://x.com/MetinHakverdi/status/1976649684539347333),
wonach er „fine“ damit wäre, wenn Donald Trump im nächsten Jahr den
Friedensnobelpreis erhielte, sofern dieser eine Fortsetzung des Ukraine-
Krieges anstelle diplomatischer Initiativen unterstützte, im Hinblick auf
die Vereinbarkeit einer solchen Aussage mit dem Geist und der
Zielsetzung des Friedensnobelpreises?
Berlin, den 8. April 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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