Resilienz deutscher BOS-Netze
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Resilienz deutscher BOS-Netze
Deutscher Bundestag Drucksache 21/5202
21. Wahlperiode 07.04.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Robin Jünger, Ruben Rupp, Alexander Arpaschi, Sebastian
Maack, Tobias Ebenberger, Lars Haise, Edgar Naujok, Steffen Janich, Martin
Hess, Sascha Lensing und der Fraktion der AfD
Resilienz deutscher BOS-Netze
In Zeiten zunehmender globaler Krisenlagen – seien es Cyberangriffe,
geopolitische Spannungen, terroristische Bedrohungen oder großflächige Ausfälle
kritischer Infrastrukturen – gewinnt die Frage der Resilienz der
Kommunikationsnetze der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) in
Deutschland existenzielle Bedeutung. Der sichere, störungsfreie und souveräne
Betrieb des BOS-Digitalfunknetzes ist mehr als ein technisches Detail: Er ist
Grundlage für jede staatliche Handlungsfähigkeit in Krisen- und
Katastrophenfällen.
Das BOS-Digitalfunknetz besteht, laut offiziellen Angaben, aus vielen
verschiedenen Komponenten (Basisstationen, Vermittlungsstellen,
Richtfunkverbindungen, Endgeräte etc.) und wird technisch strukturiert betrieben. Die
Steuerung und Koordination obliegen der Bundesanstalt für den Digitalfunk der
Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BDBOS; www.bdbos.bun
d.de/DE/Aufgaben/DigitalfunkBOS/DigitalfunkBOSimUeberblick/digitalfunkb
osimueberblick_node.html).
Ein effizientes BOS‑Netz verlangt nach Ansicht der Fragesteller nicht nur hohe
Verfügbarkeit im Normalbetrieb, sondern vor allem Robustheit gegen
Störungen, Ausfälle und feindliche Eingriffe – etwa bei längerem Stromausfall,
Ausfall kommerzieller Netze, bei Cyberangriffen oder im Rahmen hybrider
Bedrohungslagen. Dies betrifft Aspekte wie Redundanz, Abhörsicherheit,
Verfügbarkeit auch bei überlasteter Infrastruktur oder sabotierten Leitungen sowie die
Kontrolle über sämtliche eingesetzte Komponenten und deren Herkunft. In
einem sicherheitssensiblen Umfeld darf nach Auffassung der Fragesteller keine
Abhängigkeit von ausländischen bzw. fremdkontrollierten Komponenten
bestehen, die im Krisenfall zur Achillesferse werden könnten.
Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen sicherheitspolitischen
Herausforderungen sowie der zunehmend dringlichen Notwendigkeit staatlicher Souveränität
im Bereich kritischer Kommunikationsinfrastrukturen ist es in den Augen der
Fragesteller unabdingbar, eine vollständige Transparenz über Bestand,
Herkunft und Widerstandsfähigkeit sämtlicher Komponenten des BOS-
Digitalfunknetzes herzustellen. Dabei bedarf es nach Ansicht der Fragesteller
insbesondere einer präzisen Aufschlüsselung darüber, in welchem Umfang
Hardware- und Softwarekomponenten im Einsatz sind, die von ausländischen
Herstellern stammen und somit potenziell Einflussnahmen durch Drittstaaten
oder wirtschaftspolitischen Sanktionen ausgesetzt sein könnten. Ebenso stellt
sich ihnen die Frage nach dem aktuellen Stand der geplanten Modernisierung
und des Ausbaus des BOS-Netzes hin zu einer breitbandigen, datenfähigen
Infrastruktur, wie sie etwa im Frequenzbereich zwischen 470 und 694
Megahertz (MHz) in verschiedenen Fachkonzepten gefordert wird.
Darüber hinaus muss nach Ansicht der Fragesteller offengelegt werden, welche
konkreten Maßnahmen seitens des Bundesministeriums für Digitales und
Staatsmodernisierung (BMDS) bzw. durch die Bundesanstalt für den
Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben bislang
getroffen wurden oder künftig vorgesehen sind, um sicherzustellen, dass sämtliche
Aspekte der BOS-Kommunikationsinfrastruktur dauerhaft unter nationaler bzw.
staatlicher Kontrolle verbleiben – insbesondere im Hinblick auf sensible
Belange der nationalen Sicherheit und des Abhörschutzes. Schließlich ist für sie auch
zu klären, wie im Krisenfall, etwa bei einem großflächigen Ausfall
kommerzieller Netzinfrastrukturen oder bei längerem Stromausfall, die
Betriebsfähigkeit des Netzes gewährleistet werden soll – sei es durch technische
Redundanzen, durch Notstromversorgung, alternative Kommunikationswege oder durch
vordefinierte Rückfalloptionen.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche Komponenten (Hardware und Software) werden nach Kenntnis
der Bundesregierung aktuell im BOS-Digitalfunknetz eingesetzt, die von
ausländischen Herstellern stammen (bitte nach Herstellerland, Stückzahl
und Funktion, also Basisstationen, Vermittlungsstellen, Endgeräte,
Richtfunk, Verschlüsselung, Leitsoftware etc., aufschlüsseln)?
2. Welche Richtlinien bzw. Beschaffungs‑ und Zulassungsprozesse existieren
beim BMDS bzw. bei der BDBOS, um sicherzustellen, dass keine
sicherheitskritischen BOS‑Netzkomponenten ausländischer Herkunft
eingebunden werden bzw. wenn sie eingebunden sind, wie deren Unabhängigkeit
und Vertrauenswürdigkeit geprüft werden?
3. In welchem Umfang plant die Bundesregierung ggf., das bisher
schmalbandig ausgelegte BOS‑Netz durch ein breitbandiges, datenfähiges Netz
zu erweitern (z. B. Nutzung von UHF‑Frequenzen [UHF = Ultra High
Frequency] 470 bis 694 MHz), um moderne Krisen‑ und
Verteidigungslagen abzudecken (bitte den Zeitplan, die finanziellen Mittel und die
involvierten Behörden bzw. Stellen angeben)?
4. Wie wird die Resilienz des BOS‑Netzes sichergestellt für den Fall eines
großflächigen Strom‑, Internet‑ oder Netzausfalls, insbesondere in Bezug
auf Notstromversorgung, redundante Übertragungspfade (z. B. Richtfunk,
Satellit, terrestrisch unabhängige Netze) sowie Aufrechterhaltung der
Kommunikation auch bei Ausfall kommerzieller Netzinfrastruktur?
5. Ist der Bundesregierung bekannt, ob Teile der BOS‑Netzinfrastruktur
durch ausländische Dienstleister oder Unternehmen ausgelagert, gewartet
oder betrieben werden, wenn ja, um welche Unternehmen handelt es sich,
mit Sitz in welchem Land, und was genau umfasst der jeweilige Auftrag?
6. Plant die Bundesregierung den Aufbau einer souveränen und vollständig
deutschen BOS-Kommunikationsinfrastruktur, um Abhängigkeiten von
ausländischer Hardware bzw. Software zu reduzieren, insbesondere durch
Nutzung nationaler Hersteller, und wenn ja, welche konkreten
Maßnahmen plant die Bundesregierung, diesbezüglich zu ergreifen bzw. zu
setzen?
7. Wie wird nach Kenntnis der Bundesregierung die Sicherheit der
Datenkommunikation und Sprachkommunikation gewährleistet – insbesondere
gegen Abhören, Manipulation oder Cyberangriffe –, und wie wird die
Herkunft und Integrität der eingesetzten Verschlüsselungs- und
Authentifizierungssoftware geprüft und dokumentiert?
8. Liegt der Bundesregierung eine Risikoanalyse vor, die untersucht, wie im
Falle von geopolitisch motivierten Sanktionen gegen Herstellerländer oder
in Krisenlagen die Einsatzfähigkeit des BOS‑Netzes beeinträchtigt werden
könnte, und wenn ja, mit welchem Ergebnis?
9. Wird durch das BMDS bzw. die BDBOS ein Konzept für „Redundante
Rückfallkommunikation“ verfolgt, etwa über satellitengestützte Netze,
unabhängige Richtfunk‑Netze oder andere stabile Kommunikationswege,
und wenn ja, wie sieht dieses Konzept im Detail aus (Technik, Umfang,
Zeitplan)?
10. Wurde nach Kenntnis der Bundesregierung in den letzten fünf Jahren
geprüft, ob Teile der BOS‑Netzkomponenten (Endgeräte, Basisstationen
oder Software) von Herstellern stammen, die auf der „kritischen
Infrastruktur“-Beobachtungsliste stehen, und wenn ja, welche
Konsequenzen wurden ggf. gezogen?
11. Welche Haushaltsmittel wurden in den letzten fünf Jahren vom Bund bzw.
über die zuständigen Bundesministerien für den Ausbau, die
Modernisierung und die Sicherung des BOS‑Netzes bereitgestellt (bitte getrennt nach
den Bereichen Basisstationen, Vermittlungsstellen, Endgeräte,
Netzsicherheit, Verschlüsselung, Redundanz und Rückfallkommunikation
ausweisen)?
Berlin, den 26. März 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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