Beitrag und Maßnahmen der Bundesregierung zur Linderung der humanitären Krise im Sudan sowie für einen Waffenstillstand und einen nachhaltigen Frieden
Text
Beitrag und Maßnahmen der Bundesregierung zur Linderung der humanitären Krise im Sudan sowie für einen Waffenstillstand und einen nachhaltigen Frieden
Deutscher Bundestag Drucksache 21/4633
21. Wahlperiode 11.03.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Maren Kaminski, Vinzenz Glaser, Desiree Becker, Gökay
Akbulut, Janina Böttger, Maik Brückner, Mirze Edis, Katrin Fey, Ates Gürpinar,
Jan Köstering, Stella Merendino, Charlotte Antonia Neuhäuser, Cansu Özdemir,
Lea Reisner, Zada Salihović, Ulrich Thoden, Donata Vogtschmidt, Christin Willnat
und der Fraktion Die Linke
Beitrag und Maßnahmen der Bundesregierung zur Linderung der humanitären
Krise im Sudan sowie für einen Waffenstillstand und einen nachhaltigen Frieden
Die humanitäre Lage im Sudan hat sich seit Beginn des Krieges vor bald drei
Jahren dramatisch verschärft. Es bleibt die schlimmste humanitäre Katastrophe
unserer Zeit. Bei einer Einwohnerzahl von 46,5 Millionen Menschen sind
30 Millionen auf humanitäre Hilfe angewiesen, 14 Millionen gelten als
Vertriebene (www.unocha.org/sudan; www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2024-1
0/buergerkrieg-sudan-internationale-organisation-migration-14-millionen-geflu
echtete).
Die Verantwortung für diesen Krieg tragen die unmittelbar beteiligten
Kriegsparteien, die Sudanese Armed Forces (SAF) und die Rapid Support Forces
(RSF). Gleichzeitig ist dieser Krieg mehr als ein brutaler Bürgerkrieg, der auf
dem Rücken der Zivilbevölkerung ausgetragen wird und in dem sexualisierte
Gewalt und Aushungern als Kriegswaffen eingesetzt werden. Weiterhin fehlen
Zugänge für humanitäre Hilfe und humanitäre Korridore. Ärzte ohne Grenzen
berichteten im Januar 2026 nach einem Besuch von al-Faschir von einer
weitestgehend zerstörten und entvölkerten Stadt, was die bisherigen Berichte
der durch die RSF durchgeführten Massaker weiter bestätigt (www.msf.org/ms
f-finds-el-fasher-sudan-largely-destroyed-and-empty-during-visit).
Nur durch die laut Medienberichten erfolgende Unterstützung der
Regierungsarmee SAF durch Länder wie Ägypten und die Türkei und auf der anderen
Seite der Miliz RSF durch die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) kann
dieser Krieg fortgeführt werden. Alle verfolgen eigene geopolitische Interessen in
der Region, die nicht leicht zu durchdringen sind und die exemplarisch für den
Zerfall einer regelbasierten Weltordnung stehen (www.spiegel.de/ausland/suda
n-diese-auslaendischen-akteure-mischen-mit-a-d48f40a9-a028-4a87-bed5-c1e2
6554e582). Diese komplexe Gemengelage macht den Weg zu einem
Waffenstillstand und die Möglichkeit für einen nachhaltigen Frieden kompliziert und
ein koordiniertes und abgestimmtes Vorgehen der Bundesregierung im Rahmen
der EU und internationaler Organisationen wie der UN nach Ansicht der
Fragestellenden umso notwendiger. Es braucht auf die am Krieg beteiligten Akteure
und Länder massiven diplomatischen Druck.
Es gibt bislang keine tragfähigen Verhandlungen. Die von den USA geführte
Quad-Initiative unter Beteiligung von Saudi-Arabien, den Vereinigten
Arabischen Emiraten und Ägypten will einen gemeinsamen Friedensplan vorlegen,
aber öffentlich zugängliche Informationen dazu bleiben vage (https://sudantribu
ne.com/article/310226). Das Land droht zudem, gespalten und fragmentiert zu
werden (www.reuters.com/world/africa/two-rival-governments-that-could-spli
t-sudan-2025-07-31/).
Anfang Februar 2026 besuchte Bundeskanzler Friedrich Merz die Vereinigten
Arabischen Emirate. Die Vereinigten Arabischen Emirate sind ein strategischer
Partner für Deutschland. Durch ein etwaiges Freihandelsabkommen mit der EU
soll die Zusammenarbeit weiter vertieft werden (www.deutschlandfunk.de/mer
z-erwaegt-eu-freihandelsabkommen-auch-mit-vereinigten-arabischen-emiraten-
102.html). Die Unterstützung der VAE für die RSF ist vielfach durch
Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und Medienrecherchen belegt und
nachgewiesen (u. a. Illegale Rüstungsexporte nach Sudan: Wie Waffen aus Europa nac
h Darfur gelangen | taz.de ; Auch deutsche Rüstungsgüter im Sudan? | tagessch
au.de).
Vor diesem Hintergrund erklärte die Bundesregierung, dass sie im April 2026
die dritte Sudankonferenz in Berlin ausrichten werde (www.auswaertiges-am
t.de/de/newsroom/regierungspressekonferenz-2751696), nachdem die erste
Konferenz im Jahr 2024 in Paris und die zweite im Jahr 2025 in London
ausgerichtet wurden (www.tagesschau.de/ausland/sudan-konferenz-100.html &
www.auswaertiges-amt.de/de/service/laender/sudan-node/sudan-konferenz-271
4284).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche Ergebnisse und konkreten Zusagen (politisch, humanitär,
finanziell) wurden auf den letzten beiden Sudan-Konferenzen in London 2025
und in Paris 2024 erzielt, und wie bewertet die Bundesregierung deren
tatsächlichen Output und Umsetzung bislang (bitte nach Konferenz und
Kategorie: politisch, humanitär, finanziell, aufschlüsseln), und welche
Schlüsse zieht die Bundesregierung aus den letzten Sudan-Konferenzen
für die Vorbereitung und Ausgestaltung der für April 2026 geplanten
Konferenz?
2. Welche konkreten Ziele verfolgt die Bundesregierung mit der Konferenz
im April 2026, insbesondere im Hinblick auf
a) die Linderung der humanitären Katastrophe,
b) den Schutz der Zivilbevölkerung und
c) die Unterstützung eines Waffenstillstandes und nachhaltigen
Friedensprozesses im Sudan?
3. Welche Staaten, internationalen Organisationen, NGOs, regionalen
Akteure sowie sudanesischen zivilgesellschaftlichen oder politischen
Vertreterinnen und Vertreter sollen nach derzeitiger Planung zur Sudan-Konferenz
im April 2026 eingeladen werden, und nach welchen Kriterien erfolgt die
Auswahl der Teilnehmenden?
a) Plant die Bundesregierung, Vertreterinnen und Vertreter der Rapid
Support Forces (RSF) zur Konferenz einzuladen, wenn ja, auf welcher
Grundlage, und wie genau, und wenn nein, warum nicht?
b) Plant die Bundesregierung, Vertreterinnen und Vertreter der
militärgestützten Regierung von General Abdel Fattah al-Burhan einzuladen,
wenn ja, auf welcher Grundlage, und wie genau, und wenn nein,
warum nicht?
c) Plant die Bundesregierung, Vertreterinnen und Vertreter der Quad-
Initiative einzuladen und/oder zu beteiligen, wenn ja, auf welcher
Grundlage, wen, und wie genau, und wenn nein, warum nicht?
4. Welche Rolle sollte die EU nach Auffassung der Bundesregierung im
Rahmen der für April 2026 geplanten Sudan-Konferenz übernehmen,
insbesondere im Hinblick auf Koordinierung, politische Hebelwirkung und
die Nachverfolgung von Zusagen?
5. Welche Rolle sollte die Afrikanische Union (AU) nach Auffassung der
Bundesregierung im Rahmen der für April 2026 geplanten Sudan-
Konferenz übernehmen, insbesondere im Hinblick auf Koordinierung,
politische Hebelwirkung und die Nachverfolgung von Zusagen?
6. Welche Rolle sollten die UN nach Auffassung der Bundesregierung im
Rahmen der für April 2026 geplanten Sudan-Konferenz übernehmen,
insbesondere im Hinblick auf Koordinierung, politische Hebelwirkung und
die Nachverfolgung von Zusagen?
7. Welcher konkrete Output (z. B. politische Vereinbarungen, humanitäre
Zusagen, Fahrpläne für Waffenstillstand oder Monitoringmechanismen)
wird von der Konferenz im April 2026 angestrebt, und wie soll
sichergestellt werden, dass die Ergebnisse über bloße Absichtserklärungen
hinausgehen?
8. Wie stellt die Bundesregierung sicher, dass die Konferenz nicht
ausschließlich auf humanitäre Hilfe fokussiert bleibt, sondern ihre politische
Verantwortung für den Friedensprozess im Sudan umfassend wahrnimmt?
9. Wie bewertet die Bundesregierung insgesamt den bisherigen Beitrag
internationaler Konferenzen zum Friedensprozess im Sudan, und welche
zusätzlichen diplomatischen oder politischen Schritte hält sie für notwendig,
um einen Waffenstillstand und einen zivilen politischen Übergang zu
unterstützen, welche konkreten Maßnahmen unternimmt sie?
10. Hat die Bundesregierung Kenntnisse über die Fortschritte bei der
Entwicklung eines Friedensplans der von den USA geführten Quad-Initiative
mit Beteiligung von den VAE, Saudi-Arabien und Ägypten (www.suedde
utsche.de/politik/sudan-quad-initiative-usa-aegypten-saudi-arabien-uae-li.
3318015), wenn ja, welche, und wenn nein, warum nicht?
11. Welche Rolle spielt die Europäische Union aus Sicht der Bundesregierung
derzeit bei der Ausübung politischen, diplomatischen und wirtschaftlichen
Drucks auf die Konfliktparteien im Sudan?
12. Welche konkreten Maßnahmen hat die EU nach Kenntnis der
Bundesregierung bislang ergriffen, um Einfluss auf die sudanesischen
Konfliktparteien sowie deren regionale Unterstützer auszuüben, und wie bewertet
die Bundesregierung deren Wirksamkeit?
13. Setzt sich die Bundesregierung innerhalb der EU für eine Verschärfung,
Ausweitung oder konsequentere Umsetzung bestehender EU-
Sanktionsinstrumente gegen Verantwortliche für Gewalt,
Menschenrechtsverletzungen und die Blockade humanitärer Hilfe im Sudan ein, und wenn
ja, in welcher Form?
14. Welche weiteren EU-Instrumente (z. B. gezielte Sanktionen,
diplomatische Initiativen, Konditionalitäten bei Zusammenarbeit mit Drittstaaten,
Nutzung der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik) hält die
Bundesregierung für geeignet, um den Druck auf die Konfliktparteien zu
erhöhen?
15. Hat die Bundesregierung eine Auffassung dazu, ob die VAE die
Voraussetzung dafür erfüllen, in Verhandlungen für ein EU-
Freihandelsabkommen zu treten, insbesondere in Bezug auf die
Menschenrechtslage (www.amnesty.de/informieren/amnesty-report/
vereinigtearabische-emirate-2023) in den VAE und die laut Berichten erfolgende
Unterstützung für die RSF-Miliz in Sudan, und wenn ja, wie lautet diese?
16. Welche politischen, sicherheits- oder wirtschaftspolitischen Ziele
verfolgte Bundeskanzler Friedrich Merz mit seinem Besuch in den Vereinigten
Arabischen Emiraten, und wurde dabei die Rolle der VAE im Sudan-
Konflikt thematisiert, wenn ja, inwiefern, und wenn nein, warum nicht?
17. Hat die Bundesregierung gegenüber den Vereinigten Arabischen Emiraten
deren nach internationalen Berichten bestehende Unterstützung der Rapid
Support Forces (RSF) im Sudan angesprochen oder problematisiert, wenn
ja, inwiefern, und wenn nein, warum nicht?
18. Wie bewertet die Bundesregierung die Vereinbarkeit einer politischen
Annäherung an die VAE mit dem erklärten Ziel, den Friedensprozess im
Sudan zu fördern und Menschenrechtsverletzungen sowie Kriegsverbrechen
zu unterbinden, und hat die Bundesregierung im Rahmen des Besuchs von
Bundeskanzler Friedrich Merz Bedingungen oder klare Erwartungen an
die VAE formuliert, insbesondere zur
a) Beendigung jeglicher laut Berichten erfolgender Unterstützung
bewaffneter Akteure im Sudan,
b) Unterstützung eines Waffenstillstands und
c) Ermöglichung humanitärer Hilfe?
19. Wie stellt die Bundesregierung sicher, dass politische, wirtschaftliche oder
energiepolitische Kooperationen mit den VAE nicht dazu beitragen,
autoritäre Strukturen, regionale Destabilisierung oder indirekt bewaffnete
Konflikte wie im Sudan zu legitimieren oder zu verstärken?
20. Welche Auswirkungen hat der Besuch von Bundeskanzler Friedrich Merz
in den VAE nach Einschätzung der Bundesregierung auf die
Glaubwürdigkeit deutscher und europäischer Bemühungen um Frieden,
Menschenrechte und eine regelbasierte internationale Ordnung im Sudan und der
Region?
21. Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung aus der Kritik, dass
durch eine verstärkte Annäherung an autoritäre Regime in der Golfregion
neue Abhängigkeiten entstehen und friedenspolitische Prinzipien
zugunsten wirtschaftlicher Interessen in den Hintergrund treten?
22. Hat die Bundesregierung Kenntnisse darüber, dass laut Medienberichten
modifizierte G3-Sturmgewehre über illegale Lieferketten in den Sudan
gelangt sind, und wenn ja, welche, inwiefern geht die Bundesregierung
aktuellen Berichten zu deutschen Waffen im Sudan nach, mit welchen
Erkenntnissen und mit welchen Konsequenzen, und wenn nein, warum nicht
(From Yemen to Sudan: How a modified G3 rifle ex-poses UAE arms
smuggling to the RSF – Ayin network – عاين شبكة )?
23. Wie bewertet die Bundesregierung vor dem Hintergrund der laut
internationalen Berichten erfolgenden Beteiligung der Vereinigten Arabischen
Emiraten am Krieg im Sudan durch Unterstützung der RSF die
Genehmigungsfähigkeit des geplanten Verkaufs von Airbus-
Militärtransportflugzeugen des Typs A400M dorthin, und erwägt sie,
unter diesen Umständen ihre Zustimmung zu dem Export zu verweigern
oder an zusätzliche Bedingungen zu knüpfen?
24. Mit welchen möglichen Entwicklungen und Szenarien im Sudan rechnet
die Bundesregierung für die kommenden Jahre, und insbesondere welche
Einschätzungen bestehen zu
a) der humanitären Lage in Sudan und den zu erwartenden humanitären
Bedarfen und ihrer Finanzierung,
b) der regionalen Stabilität im Horn von Afrika und in der Sahelzone,
c) der Zahl und Entwicklung von Geflüchteten und Binnenvertriebenen,
d) dem Risiko einer faktischen oder formellen territorialen Zweiteilung
des Sudan?
e) Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung daraus für ihr
eigenes politisches und humanitäres Handeln?
Berlin, den 23. Februar 2026
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
Relationen
- asked ← Ates Gürpinar (Kleine Anfrage)
- asked ← Cansu Özdemir (Kleine Anfrage)
- asked ← Charlotte Antonia Neuhäuser (Kleine Anfrage)
- asked ← Christin Willnat (Kleine Anfrage)
- asked ← Desiree Becker (Kleine Anfrage)
- asked ← Donata Vogtschmidt (Kleine Anfrage)
- asked ← Gökay Akbulut (Kleine Anfrage)
- asked ← Janina Böttger (Kleine Anfrage)
- asked ← Jan Krampe (Kleine Anfrage)
- asked ← Katrin Fey (Kleine Anfrage)
- asked ← Lea Reisner (Kleine Anfrage)
- asked ← Maik Brückner (Kleine Anfrage)
- asked ← Maren Kaminski (Kleine Anfrage)
- asked ← Mirze Edis (Kleine Anfrage)
- asked ← Stella Merendino (Kleine Anfrage)
- asked ← Ulrich Thoden (Kleine Anfrage)
- asked ← Vinzenz Glaser (Kleine Anfrage)
- asked ← Zada Salihovic (Kleine Anfrage)
- authored ← Fraktion DIE LINKE
- authored ← Maren Kaminski
- authored ← Vinzenz Glaser
- part_of_vorgang → Beitrag und Maßnahmen der Bundesregierung zur Linderung der humanitären Krise im Sudan sowie für einen Waffenstillstand und einen nachhaltig (Kleine Anfrage)