Völkerrechtswidriger Angriff der USA auf Venezuela
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Völkerrechtswidriger Angriff der USA auf Venezuela
Deutscher Bundestag Drucksache 21/4190
21. Wahlperiode 19.02.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Vinzenz Glaser, Desiree Becker, Gökay Akbulut, Janina
Böttger, Maik Brückner, Mirze Edis, Katrin Fey, Ates Gürpinar, Jan Köstering,
Stella Merendino, Charlotte Antonia Neuhäuser, Cansu Özdemir, Lea Reisner,
Zada Salihović, Ulrich Thoden, Donata Vogtschmidt, Christin Willnat und der
Fraktion Die Linke
Völkerrechtswidriger Angriff der USA auf Venezuela
Am Freitag, den 2. Januar 2026, um 23:46 Uhr Ortszeit in Caracas ordnete US-
Präsident Donald Trump den Beginn der „Operation Absolute Resolve“
(„Operation Absolute Entschlossenheit“) an, die einen Angriff auf Venezuela sowie
die anschließende Entführung von Präsident Nicolás Maduro und seiner
Ehefrau Cilia Flores umfasste (www.srf.ch/news/international/us-intervention-in-v
enezuela-so-lief-die-operation-absolute-resolve-der-amerikaner-ab). Der
militärische Angriff auf venezolanisches Hoheitsgebiet stellt eine gravierende
Eskalation der seit Monaten von den USA ausgehenden Drohkulisse gegenüber
Venezuela dar.
Bereits seit September 2025 haben unter dem Vorwand eines vermeintlichen
Kampfes gegen Drogen US-Streitkräfte vielfach venezolanische Schiffe im
Pazifik und in der Karibik angegriffen und teilweise versenkt (www.tagesscha
u.de/ausland/amerika/us-attacken-drogenboote-100.html). Es wurden auch
mehrere Öltanker gekapert (www.tagesschau.de/eilmeldung/usa-oeltanker-10
0.html). Die „New York Times“ berichtete, dass der erste US-Angriff auf ein
Schiff laut anonymen, hochrangigen Quellen aus einem Flugzeug erfolgte, das
sich als zivil tarnte, was als Kriegsverbrechen einzustufen wäre (www.nytime
s.com/2026/01/12/us/politics/us-boat-attacks-law.html). Im Kontext der US-
Militäroperation wurden unter anderem das größte Kriegsschiff der Welt, der
Flugzeugträger „USS Gerald R. Ford“ und mindestens 15 000 Soldaten in die
Karibik verlegt (www.spiegel.de/ausland/uss-gerald-r-ford-groesster-flugzeugtr
aeger-der-welt-erreicht-gewaesser-vor-lateinamerika-a-566ec92b-efed-4c5c-aa
19-2ec346073f44 & www.tagesschau.de/ausland/usa-trump-venezuela-maduro-
100.html). Im Rahmen dieser Angriffe wurden mehr als 200 Menschen vom
US-Militär getötet (www.tagesschau.de/ausland/amerika/us-attacken-drogenbo
ote-100.html & www.zeit.de/politik/ausland/2026-01/venezuela-ueberblick-tot
e-trump-petro).
Bereits vor dem Angriff war die Situation in Venezuela politisch wie humanitär
kritisch. Die Präsidentschaftswahlen 2024 wurden von der venezolanischen
Opposition und international als unfrei kritisiert. Tausende Oppositionelle,
Menschenrechtsverteidigerinnen und Menschenrechtsverteidiger sowie
Journalistinnen und Journalisten wurden nach den Wahlen willkürlich und aus
politischen Gründen inhaftiert. Amnesty International berichtet von unmenschlichen
Haftbedingungen und Folter. Die Rechte indigener und queerer Menschen
werden systematisch verletzt, und sexualisierte und geschlechtsspezifische Gewalt
ist ein gravierendes Problem (www.amnesty.de/informieren/amnesty-report/ve
nezuela-2024). Es herrscht eine humanitäre Krise – ein Großteil der
Bevölkerung lebt in Armut und hat nur unzureichenden Zugang zu Nahrungsmitteln,
Wasser und Gesundheitsleistungen. Rund 8 Millionen Menschen haben
deswegen das Land verlassen (www.uno-fluechtlingshilfe.de/hilfe-weltweit/venez
uela). Nun droht der US-Angriff, Venezuela weiter ins Chaos und in
humanitäres Elend zu stürzen.
Obwohl zunächst noch von einer angeblichen Antidrogenoperation gesprochen
wurde, sprachen führende US-Politikerinnen und US-Politiker zunehmend
offen darüber Präsident Nicolás Maduro aus dem Amt zu entfernen, und machten
deutlich, dass sie sich direkten Zugriff auf die venezolanischen Ölreserven
verschaffen wollen (www.foxnews.com/video/6386827878112 & www.tagesscha
u.de/wirtschaft/weltwirtschaft/venezuela-trump-oel-100.html). Nur wenige
Tage nach dem US-Angriff wurde bekannt, dass Venezuela bis zu 50 Millionen
Barrel Öl in die USA liefern und Präsident Donald Trump die Gewinne aus
dem Öl kontrollieren werde (www.spiegel.de/ausland/venezuela-trump-
sichertkontrolle-ueber-oelverkauf-und-geldfluss-a-6f64e17e-4a96-4551-b167-30dd65
44fb3e). Aufträge zum Verkauf des venezolanischen Öls gingen dabei unter
anderem an das Unternehmen Vitol, deren US-Chef zuvor Donald Trumps
Wahlkampforganisationen mit rund 6 Mio. US-Dollar Spendengeldern unterstützt
hatte (www.handelsblatt.com/politik/international/energie-usa-verkaufen-oel-a
us-venezuela-auftrag-geht-an-trump-spender/100192041.html). Dies zeigt, dass
der Angriff gegen Venezuela aus geopolitischen Machtinteressen, imperialem
Dominanzstreben und der Gier nach Ressourcen und Territorium erfolgte.
Das militärische Vorgehen der USA in Bezug auf Venezuela kann dabei als
Demonstration der neuen nationalen Sicherheitsstrategie der USA verstanden
werden, die sich selbst in der Tradition der Monroe-Doktrin sieht und damit einen
imperialistischen Anspruch auf die Länder Lateinamerikas erhebt (www.whiteh
ouse.gov/wp-content/uploads/2025/12/2025-National-Security-Strategy.pdf).
Ein Gutachten der Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages legt
den eindeutig völkerrechtswidrigen Character des US-Angriffs gegen
Venezuela dar (www.bundestag.de/resource/blob/1143098/WD-2-001-26.pdf). Trotz
der Einigkeit internationaler Völkerrechtsexpertinnen und
Völkerrechtsexperten, fehlt bis heute eine unmissverständliche Verurteilung der
völkerrechtswidrigen Angriffe durch die Bundesregierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz.
Das Zögern, Beschwichtigen und Schweigen der Bundesregierung kann als
Schwächung der Autorität des internationalen Rechts, Untergrabung der
Glaubwürdigkeit der Bundesrepublik Deutschlands als Verteidigerin des Völkerrechts
und Signal der stillschweigenden Zustimmung zu den US-Aggressionen
gewertet werden (www.bundestag.de/resource/blob/1143098/WD-2-001-26.pdf). Bei
der Regierungsbefragung am 28. Januar 2026 im Deutschen Bundestag wich
der Bundesminister des Auswärtigen, Dr. Johann Wadephul, einer rechtlichen
Einordnung zuletzt erneut aus (Plenarprotokoll 21/55).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche Schlüsse zieht die Bundesregierung aus dem Gutachten der
Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages zum Angriff der USA
auf Venezuela?
2. Sind der militärische Angriff der USA auf Venezuela sowie die
Entführung des Staatsoberhauptes Nicolás Maduro und seiner Ehefrau in die
USA aus Sicht der Bundesregierung mit internationalem Recht
insbesondere Artikel 2 Absatz 4 der Charta der Vereinten Nationen vereinbar?
3. Aus welchen Gründen erfolgte bisher keine eindeutige völkerrechtliche
Einordnung der US-Angriffe auf Venezuela durch die Bundesregierung?
4. Hat sich die Bundesregierung auf bilateraler und multilateraler Ebene
gegenüber den USA dafür eingesetzt, dass sämtliche militärische
Operationen gegen Venezuela eingestellt werden, und wenn ja, auf welche Weise,
und bei welchen konkreten Gelegenheiten?
5. Welche Konsequenzen zieht die Bundesregierung aus dem Vorgehen der
USA gegenüber Venezuela für die Beziehungen zur aktuellen US-
Regierung von Donald Trump?
6. Unterstützt die Bundesregierung konkrete Maßnahmen zur humanitären
Versorgung der venezolanischen Bevölkerung, und wenn ja, welche, und
in welcher Höhe?
7. Welche Auswirkungen hat die aktuelle politische Lage in Venezuela für
den Schutzstatus von venezolanischen Geflüchteten in Deutschland und
mögliche Abschiebungen nach Venezuela?
8. Wird sich die Bundesregierung für eine Resolution der VN-
Generalversammlung einsetzten, die den Angriff auf Venezuela verurteilt
und die Achtung der venezolanischen Souveränität und territorialen
Integrität fordert?
9. Hat die Bundesregierung Kenntnisse darüber welche Mitglieder der US-
Regierung und des US-Militärs konkret an der Planung und Durchführung
der völkerrechtswidrigen Angriffe in Venezuela beteiligt sind, und wenn
ja, erwägt die Bundesregierung, Sanktionen gegen diese Mitglieder zu
verhängen, und wenn ja, welche?
10. Für welche Rüstungsgüter hat die Bundesregierung im Jahr 2025
insgesamt Ausfuhrgenehmigungen in die Vereinigten Staaten von Amerika
erteilt (bitte getrennt nach Kriegswaffen und sonstigen Rüstungsgütern unter
Angabe der KWL (Kriegswaffenliste)-Nummer bzw. der AL
(Ausfuhrliste)-Position die Güterbeschreibung, die jeweilige Stückzahl,
die jeweilige Genehmigungsart und den jeweiligen Genehmigungswert
auflisten; sofern eine endgültige Auswertung für den angegebenen
Zeitraum noch nicht erfolgt ist, bitte die vorläufigen Zahlen angeben)?
11. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über den möglichen Einsatz
der in die USA ausgeführten Rüstungsgüter im Zusammenhang mit dem
US-Angriff auf Venezuela sowie den Angriffen auf Schiffe in der Karibik?
12. Setzt sich die Bundesregierung für die Überwachung von US-Angriffen
auf zivile Infrastruktur in Venezuela (Krankenhäuser, Stromversorgung,
Häfen, Trinkwasseranlagen, Lebensmittelversorgung) durch VN-
Organisationen sowie die Einrichtung einer VN-
Untersuchungskommission (Fact-Finding Mission) ein, und wenn nein,
warum nicht?
13. Setzt sich die Bundesregierung auf bilateraler und multilateraler Ebene
gegenüber Venezuela für die Freilassung aller politischer Gefangenen und
die Durchführung freier Wahlen ein, und wenn ja, auf welche Weise, und
bei welchen konkreten Gelegenheiten?
14. Befürwortet und unterstützt die Bundesregierung die Durchführung eines
breiten demokratischen Dialogprozesses in Venezuela, der von
venezolanischen Akteuren wie Parteien, Organisationen und Bewegungen
organisiert wird, und wenn ja, auf welche Weise?
Berlin, den 13. Februar 2026
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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