Bundeswehr - Flexible Haushaltsmittel für Leiter und Leiterinnen militärischer Dienststellen (FlexHHM Kdr)
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Bundeswehr - Flexible Haushaltsmittel für Leiter und Leiterinnen militärischer Dienststellen (FlexHHM Kdr)
Deutscher Bundestag Drucksache 21/8071
21. Wahlperiode 21.09.2026
Kleine Anfrage
des Abgeordneten Thomas Ladzinski und der Fraktion der AfD
Bundeswehr – Flexible Haushaltsmittel für Leiter und Leiterinnen militärischer
Dienststellen
Die verfassungsrechtlich verankerte Trennung von Streitkräften und ziviler
Rüstungsbeschaffung ist in Artikel 87b des Grundgesetzes (GG) geregelt.
Mit dem 2019 in die Bundeswehr eingeführten Instrument der „Flexiblen
Haushaltsmittel für Leiter und Leiterinnen militärischer Dienststellen (FlexHHM
Kdr)“, umgangssprachlich auch „Handgeld für Kommandeure“ genannt, sollen
über den dezentralen Ansatz schnelle Wege beschritten werden, um
Ausstattungslücken in Verbänden zu schließen. Ziel ist es, unbürokratisch Finanzmittel
militärischen Verbänden und zivilen Dienststellen zur Verfügung zu stellen.
Der Betrag betrug im Jahr 2019 25 000 Euro je Dienststelle und ist inzwischen
auf 50 000 Euro angewachsen (vgl. www.bmvg.de/de/aktuelles/flexible-hausha
ltsmittel-fuer-kommandeure-5290704, www.bmvg.de/de/aktuelles/silberhorn-fl
exible-haushaltsmittel-kommandeure-5290676).
Dieser Art der Beschaffung sind enge Grenzen gesetzt. So soll gemäß
Artikel 87b des Grundgesetzes eine eigenständige Rüstungskompetenz der
Streitkräfte ausgeschlossen werden.
Durch den Ukraine-Krieg haben Kleinstdrohnen, die bis dahin vor allem im
Hobbybereich von Privatleuten verwendet wurden, militärische Relevanz
erreicht.
Die Bundeswehr hat diese Relevanz erkannt und seit Ende Oktober 2023 durch
den stellvertretenden Inspekteur des Heeres Generalleutnant Harald Gante eine
Freigabeliste (sog. Positiv-Liste oder White-List) von handelsüblichen
Kleinstdrohnen für die Beschaffung aus dem „Handgeld“ erstellt (vgl. www.hartpunk
t.de/heeresverbaende-duerfen-eigenstaendig-handelsuebliche-kleinstdrohnen-be
schaffen-und-einsetzen/).
Diese handelsüblichen Kleinstdrohnen sind in erster Linie Drohnen, die wie ein
fliegendes Auge funktionieren. Der Drohnenpilot befindet sich am Boden und
über die an Bord der Drohne befindliche Kameratechnik findet eine
Echtzeitbildübertragung auf seine Videobrille statt. Man spricht dabei von „First Person
View“ (FPV; vgl. www.fpv24.com/de/fpv-drohnen).
Mit Neufassung der Allgemeinen Regelung A-1130/17 vom Februar 2026 gilt
wieder ein weitreichendes Film- und Fotografierverbot. Dazu zählt auch der
Livestream aus militärischen Bereichen (vgl. www.reservistenverband.de/hesse
n/lahn-schwalm-eder/aktuelles/neues-fotografierverbot-in-kasernen/). Dem
muss auch beim Betrieb von handelsüblichen Kleinstdrohnen durch die
Bundeswehr Rechnung getragen werden.
Die Verwendung kommunikationstechnischer Komponenten aus
nichtverbündeten Staaten und unverschlüsselte Datenübertragungen bergen ein erhebliches
Sicherheitsrisiko, vom bloßen Datenabfluss über App- und Clouddienste bis
hin zum Hacken und zur Übernahme der Drohne durch Dritte (vgl. www.kaspe
rsky.de/resource-center/threats/can-drones-be-hacked).
Die Aktualität der Problematik zeigt nach Auffassung der Fragesteller ein
bekannt gewordenes Beispiel aus dem Vereinigten Königreich, wonach über ein
seit März 2026 in Dienst befindlicher Kameratyp von Seedrohnen trotz
entsprechender Zertifizierung Datenpakete an eine IP-Adresse in China gesandt hat
(vgl. www.t-online.de/nachrichten/ausland/internationale-politik/id_10138153
0/militaer-drohnen-schicken-wohl-daten-nach-china-grossbritannien-ermittel
t.html).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. In welchen Fällen konnte durch die „Flexiblen Haushaltsmittel für Leiter
und Leiterinnen militärischer Dienststellen (FlexHHM Kdr)“ die
Einsatzbereitschaft eines Verbandes hergestellt werden?
2. In welcher Höhe sind 2026 Finanzmittel für FlexHHM Kdr bisher
abgeflossen?
3. Können nicht genutzte Gelder in das Folgejahr überführt werden, und
wurde von 2025 zu 2026 davon Gebrauch gemacht (bitte detailliert
auflisten)?
4. Gibt es einen Prozess, wonach mehrfach dezentral beschafftes Material
Eingang in die Logistikketten bzw. Versorgung gefunden hat, und wenn ja,
welche Planungs- und Beschaffungsvorgänge wurden in dem
Zusammenhang vereinfacht und beschleunigt?
5. Ist eine Evaluierung zu FlexHHM Kdr erfolgt, um Hemmnisse bei
Planungs- und Beschaffungsvorgängen zu identifizieren, und wenn ja,
welche Hemmnisse wurden identifiziert?
6. Welche anderen Beschaffungsvorgänge sind im Zusammenhang mit der
Einführung der FlexHHM Kdr gegebenenfalls rückläufig oder ganz
eingestellt worden?
7. Welche zivilen Dienststellen haben seit der Einführung der FlexHHM Kdr
davon Gebrauch gemacht, und was wurde davon beschafft?
8. Haben seegehende Einheiten im Geschäftsbereich des
Bundesministeriums der Verteidigung (BMVg) durch die FlexHHM Kdr
Ausstattungslücken schließen können?
9. Wurden FlexHHM Kdr direkt oder indirekt auch
Betreuungskommunikation seegehender Einheiten im Geschäftsbereich des BMVg verwendet
(und wenn ja, bitte detailliert auflisten)?
10. Wie viele Befähigungen zum Fliegen von handelsüblichen Kleinstdrohnen
wurden in der Bundeswehr 2025 erlangt, und welche Entwicklung
erwartet die Bundeswehr für 2026?
11. Werden bei der Bundeswehr Ausbildungskapazitäten für die Befähigung
zum Fliegen handelsüblicher Kleinstdrohnen vorgehalten, die sich aus
Beschaffungen FlexHHM Kdr ableiten?
12. Können die Ausbildungsinhalte für die o. g. Befähigung auch auf Online-
Kurse umgestellt werden, und wenn ja, wurde es schon gemacht (vgl.
Fragen 10 und 11)?
13. Wann wurde die Positiv-Liste („White-List“) initial erstellt, wann wurde
sie zuletzt aktualisiert, und welche Drohnen stehen aktuell auf der Liste?
14. In welchen Ländern werden die in der Liste aufgeführten Drohnen nach
Kenntnis der Bundesregierung hergestellt (bitte tabellarisch darstellen)?
15. Wie kann ausgeschlossen werden, dass in den gelisteten Drohnen
enthaltene Bauteile oder Komponenten eigenständige Kommunikationskanäle
zu nicht-verbündeten Nationen aufbauen?
16. Nach welchen Zentralen Dienstvorschriften, Weisungen und Vorgaben
wurden die Drohnen vorab geprüft, bevor sie auf der Positiv-Liste
aufgenommen wurden, und wurden hierbei lediglich die Produkte in Gänze
oder auch die Bauteile bzw. Komponenten geprüft?
17. Wie kann ausgeschlossen werden, dass in den gelisteten Drohnen
enthaltene Bauteile oder Komponenten im Vergleich zum Zeitpunkt der
Aufnahme der Drohne in die Positiv-Liste vom Drohnenhersteller geändert
wurden (beispielsweise durch Wechsel eines Zulieferers)?
18. Gibt es eine Dienstanweisung oder andere Regelung, wonach
ausschließlich Kleinstdrohnen gemäß der o. g. Positiv-Liste erworben werden
dürfen, und wie lautet die entsprechende Regelung?
19. Sind Fälle bekannt, wonach Kleinstdrohnen nicht gemäß der o. g. Positiv-
Liste erworben wurden, und wenn ja, wie wurde damit umgegangen?
20. Wie erfolgt die Inventarisierung der dezentral beschafften Drohnen im
zentralen Materialbewirtschaftungssystem?
21. Wie kann gewährleistet werden, dass dezentral erworbene Drohnen keinen
Zugang zu eingestuften Informationen innerhalb militärischer
Liegenschaften erhalten können?
22. Warum wird die Beschaffung handelsüblicher Kleinstdrohnen gemäß
einer Positiv-Liste nicht über einen Rahmenvertrag und die zentrale
Versorgung als Bestellartikel (ew‑Codierung) geführt, und entsteht durch
dieses Vorgehen eine Konkurrenz zu anderen Beschaffungen?
23. Wurden mit FlexHHM Kdr auch Tiere oder für Tiere direkt oder indirekt
notwendige Sachen beschafft?
Berlin, den 18. September 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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